Das Leben ist bunt

von Cocinelle
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
09.01.2014
09.02.2014
3
5.587
 
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
09.01.2014 2.007
 
So, hier gibts mal wieder was neues von mir. Ich hoffe es gefällt euch, über Reviews würde ich mich wie immer freuen






Der Wecker klingelte um 7 Uhr morgens. Saskia Berg, Wachhabende bei der Küstenwache, tastete murrend nach dem Ausschaltknopf und wickelte sich wieder in ihre Decke. Sie wollte noch nicht aufstehen. Doch dann wurde ihr bewusst, was für ein Tag heute war. Ihr letzter Tag bei der Küstenwache. Naja, zumindest für die nächste Zeit. Denn in ungefähr sechs Wochen würde sich ihr Leben grundlegend ändern. Dann würde nämlich ihr Kind zur Welt kommen. Gedankenverloren strich sie sich über den schon deutlich gerundeten Bauch.

Sie freute sich tatsächlich darauf. Obwohl es für sie und und ihren Freund, Kapitän Thure Sander,  eine Riesenüberraschung gewesen war, als sie erfahren hatte, dass sie schwanger war, freuten sie sich nun, endlich eine richtige Familie zu sein. Saskia erinnerte sich noch genau an Thures Gesicht, als sie ihm die frohe Botschaft überbracht hatte. Da sie zuvor nie ernsthaft über Kinder gesprochen hatten, fürchtete sie sich ein wenig vor seiner Reaktion. Doch das war völlig unbegründet. Mit Tränen in den Augen hatte Thure sie in den Arm genommen und versprochen, immer für sie und das Kind zu sorgen. Und daran zweifelte sie nicht. Ihr Lebensgefährte würde sein Leben geben für die Menschen, die er liebte. In den folgenden Monaten hatte er allerdings etwas übertrieben mit seiner Fürsorglichkeit. Am liebsten hätte er sie gar nicht mehr arbeiten lassen. Doch auch so war es schlimm genug, die ganze Zeit zum Innendienst verurteilt zu sein. Zu Beginn hatte Holger sie noch ab und zu mit auf Patrouillenfahrten genommen, wenn Thure unterwegs und Saskia hartnäckig genug war. Doch sobald ihre Schwangerschaft offensichtlich wurde, war es auch damit vorbei, und eine für sie extrem eintönige Zeit des Aktensortierens und Herumtelefonierens begann. Und selbst damit würde es heute vorbei sein.

Nun regte sich auch Thure neben ihr. Lächelnd beugte er sich über sie und küsste sie zärtlich. In diesem Moment spürte Saskia einen Tritt gegen die Bauchdecke. Sie nahm Thures Hand und legte sie auf ihren Bauch. Wie jedes Mal war er völlig überwältigt zu spüren, wie sich das Kind in ihr bewegte. Er war froh, dass Saskia ihn immer wieder an diesem Wunder teilhaben ließ. Sanft strich er darüber und folgte den Bewegungen. „Da ist aber jemand schon ganz schön aktiv“, grinste er und küsste ihren Bauchnabel. „Du glaubst gar nicht, wie aktiv es heute Nacht war“, erwiderte Saskia und gähnte. Besorgt sah Thure sie an. „Wenn du dich nicht wohl fühlst, bleib lieber zu Hause und ruh dich aus.“
„Thure, nur weil das Baby ein bisschen tritt, muss ich nicht gleich zu Hause bleiben.“
„Tut mir leid, wenn ich dir auf die Nerven gehe, aber ich will einfach nicht, dass dir oder dem Baby etwas passiert. Ich möchte doch nur, dass es euch gut geht.“
Liebevoll betrachtete Saskia diesen wunderbaren Mann, der da neben ihr im Bett lag und sie voller Liebe anguckte. Sie war sich sicher, dass er ein fantastischer Vater sein würde. „Ich weiß“, flüsterte sie. „Aber es geht mir wirklich gut.“ „Dann bin ich ja beruhigt“, antwortete Thure und arbeitete sich von ihrem Bauchnabel weiter nach oben. Als er begann ihre Brüste zu streichelte, stöhnte sie unwillkürlich auf. Sofort hielt Thure inne. „Hab ich dir wehgetan?“, fragte er erschrocken. Er wusste, dass sie in letzter Zeit sehr empfindlich geworden waren. Saskia schüttelte den Kopf. „Nein, mach weiter“, wisperte sie. Er senkte den Kopf und verwöhnte erst die eine, dann die andere Brust sanft mit seinen Lippen. Die Berührung war so zart, dass Saskia sie kaum spürte. Verlangend ließ sie die Hände über seinen starken Rücken gleiten.

Eine Weile später lagen sie noch immer eng umschlungen im Bett. Behaglich schmiegte Saskia sich an seinen warmen Körper und genoss seine Nähe.
So hätte sie den ganzen Tag verbringen können.  Doch es half nichts, sie konnte nicht an ihrem letzten Tag noch einmal zu spät kommen, also warf sie die Decke zurück, gab Thure einen letzten Kuss und schwang sich aus dem Bett.
Thure sah ihr nach, als sie ins Bad ging. Sie hatte eigentlich während der gesamten Schwangerschaft keine Probleme gehabt, doch er merkte, dass es nun gegen Ende anstrengend für sie wurde. Daher war er froh, dass heute ihr Mutterschutz begann und sie keine Gelegenheit mehr bekam, sich zu stressen. Außerdem hatte er sich für heute Abend etwas ganz besonderes überlegt...
„Schatz, hast du heute Abend schon etwas vor?“, fragte er seine Freundin wenig später beim Frühstück. „Nicht das ich wüsste“, antwortete sie.
„Gut, dann hast du jetzt etwas vor.“
„Ach, und was?“
„Das erfährst du dann heute Abend“, erklärte Thure verschmitzt, „jetzt iss deine Vitamine, damit wir fahren können.“
Auf dem Weg in die Einsatzzentrale grübelte Saskia, was er wohl plante. Doch so sehr sie auch bohrte, er verriet nichts.

Sie waren kaum in der Einsatzzentrale angekommen, als Thure auch schon den Auftrag erhielt, auf Patrouillenfahrt zu gehen. Also versammelte er Pia, Kai und Marten um sich und verabschiedete sich von Ben und Saskia. Frustriert sah Saskia ihnen nach, als sie durch die Tür gingen. Wie gerne wäre sie mitgefahren.
„Tja, dann können wir uns jetzt einen schönen Vormittag machen“, riss Ben sie aus ihren Gedanken. Seufzend wandte sie sich dem Stapel Akten zu, der darauf wartete abgearbeitet zu werden. Gruber hatte beschlossen, stichprobenartig die abgeschlossenen Fälle auf korrekte Bearbeitung zu überprüfen.
„Also das hier werde ich in der nächsten Zeit garantiert nicht vermissen. Das ist ja die reinste Beschäftigungstherapie“, erwiderte sie.
„Ach, so schlimm ist es ja gar nicht. Ich muss jeden Tag hier die Stellung halten.“
„Ja, aber du hast wenigstens noch deinen PC und kannst dich in irgendwelche Server einhacken. Ich bin einfach nicht für den Innendienst gemacht. Ich muss da raus und die Verbrecher eigenhändig jagen. Das kann ich viel besser, als Akten sortieren.“
„Na, du musst ja nur noch heute überstehen“, sagte Ben betont gut gelaunt. Er wusste, dass er sie vermissen würde. Manchmal war es doch recht langweilig stundenlang in der Einsatzzentrale zu warten bis die Crew zurückkehrte. Da war es erfreulich gewesen, ein bisschen Abwechslung zu haben. Und er verstand sich wirklich gut mit Saskia. Doch er sah auch, wie glücklich sie die Schwangerschaft machte, und er gönnte es ihr und Thure von ganzem Herzen. Plötzlich musste er wieder an Leonie denken. Schade, dass es mit ihr nicht geklappt hatte. Sie wäre bestimmt die Richtige gewesen, um eine Familie zu gründen.
Saskia grummelte etwas unverständliches. Sie war schon mit der ersten Akte beschäftigt. Auch Ben wandte sich wieder seinem PC zu.

Eine Weile arbeiteten sie schweigend nebeneinander. Plötzlich stutze Saskia. In der Mappe, die sie gerade bearbeitete, fehlte eine Seite. Die Blätter waren durchnummeriert, aber nach Blatt 9 kam Blatt 11. „Mist“, schimpfte sie, „ich muss die Mappe nochmal ins Archiv schicken, vielleicht ist die Seite dort herausgefallen.“
„Was ist es denn für ein Fall?“, wollte Ben wissen.
„Ein Bankraub von vor fünf Jahren. Der Täter wurde gefasst, als er mit der Beute in seiner Yacht über die Ostsee fliehen wollte. Scheint alles vorschriftsmäßig abgelaufen zu sein, aber wenn Gruber merkt, dass eine Seite fehlt wird er sowieso nicht lockerlassen, bis wir sie gefunden haben. Also sollen sie im Archiv lieber gleich noch mal nachsehen.“
Saskia ließ die Akte ins Archiv bringen und widmete sich dem nächsten Fall.

Irgendwann konnte sie nicht mehr sitzen, daher stand sie auf und sagte zu Ben: „Also ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe einen Bärenhunger. Was hältst du davon, wenn ich uns ein paar Sandwichs mache?“
Ben sah auf die Uhr. Er war erstaunt, dass es schon nach eins war. „Ja, das ist eine gute Idee. Aber ich helfe dir.“ Gemeinsam gingen sie in die kleine Küche und begannen die Brote zu schmieren. Saskia merkte, wie das Kind in ihrem Bauch unruhig wurde. Es bewegte sich und schien nach allen Seiten zu treten. „Huch“, rief sie nach einem besonders heftigem Tritt in die Seite und rieb mit der Hand darüber. „Alles in Ordnung?“, fragte Ben erschrocken. „Ja ja“, grinste Saskia. „Die Tritte bin ich mittlerweile gewohnt. Willst du auch mal?“, fragte sie dann und griff nach seiner Hand. Doch Ben zog sie nervös zurück. „Ich...äh...also... ich glaube das überlasse ich lieber Kapitän Sander“, stammelte er und wurde rot. „Komm schon Ben, es beißt nicht“, sagte Saskia und legte entschlossen seine Hand auf ihren Bauch. Als Ben die sachten Tritte des Babys spürte wurde er noch röter. „Wow, das... das ist...“ „Ja, es ist ein Wunder“, ergänzte Saskia und ließ seine Hand los. „Manchmal kann ich es selbst noch nicht so richtig glauben, dass es wirklich ist, dass wir tatsächlich ein Kind bekommen.“ Ben sah sie erstaunt an. So offen redete Saskia sonst nie über ihre Gefühle. „Ich freue mich echt für euch“, sagte er. „Ihr werdet wunderbare Eltern sein.“ „Danke“, erwiderte Saskia. Als sie Ben anblickte kam ihr eine Idee. Doch sie musste zuerst mit Thure darüber sprechen, bevor sie Ben einweihte.

Mit einem Mal hörten sie laute Geräusche an der Tür. „Nanu, ist Thure schon zurück?“ wunderte Saskia sich. Da schwang die Tür auf und drei Männer stürmten herein. Sie trugen Sturmmasken, dennoch sah man, dass einer von ihnen einen Bart trug. Und sie waren bewaffnet. Bevor Saskia oder Ben irgendetwas unternehmen konnten hatten zwei der Männer sie schon gefasst, auf ihre Stühle gesetzt und gefesselt. Ben fand als erster seine Sprache wieder: „Was soll das? Binden Sie uns sofort los! Sehen Sie nicht, dass meine Kollegin schwanger ist?“ Die Männer reagierten nicht, sondern wühlten in den Mappen, die Saskia zuvor bearbeitet hatte. Sie schienen genau zu wissen wonach sie suchten. Ben blickte zu Saskia hinüber. Auch sie hatte sich wieder gefasst und versuchte nun, ihre Fesseln loszuwerden. Doch sie erreichte nur, dass sie sich noch fester in ihre Haut drückten. Die Männer schienen nicht zu finden was sie suchten, denn sie begannen nun wütend die Aktenmappen auf den Boden zu werfen. Schließlich brüllte einer von ihnen: „Sie ist nicht da!“ Für einen kurzen Moment schienen die Männer verwirrt, doch dann drehte sich der Bärtige um, richtete seine Waffe auf Saskia und schrie: „Wo ist sie?“ Verdutzt sah Saskia ihn an. „Was meinen Sie?“
„Stell dich nicht so dumm an. Eine Akte fehlt. Wo ist sie?“ Die Mappe mit der fehlenden Seite fiel Saskia ein. Waren die Männer dahinter her? Was wollten sie damit? Sie beschloss zunächst einmal, ihnen so wenige Informationen wie möglich zu geben. „Das kann nicht sein, das sind alle Akten, die ich heute morgen bearbeitet habe.“ Sie musste die Männer so lange hinhalten, bis Thure und der Rest der Crew zurückkehrten. Sie fragte sich, woher die Männer wussten, dass sich die Akte im Lageraum hätte befinden müssen. Wütend stieß der Mann sie an. „Wenn du nicht willst, dass dir oder deinem Kind etwas passiert, dann solltest du etwas kooperativer sein.“ Saskia schwieg. Da wurde es dem Maskierten zu bunt. Mit dem Fuß trat er gegen den Stuhl auf dem er Saskia gefesselt hatte. Ben sog scharf die Luft ein, als er sah, wie Saskias Stuhl zu kippen begann. Ihre gefesselten Hände und Füße würden es ihr unmöglich machen, den Sturz abzufangen. Glücklicherweise kippte er nicht nach vorne oder hinten, sondern zur Seite, so dass sie sich mit dem Ellenbogen abstützen konnte. Dennoch landete sie unsanft auf der Seite. Einen kurzen Moment war sie benommen von dem Aufprall, dann galt ihr erster Gedanke dem Baby. Doch anscheinend hatte sie den Sturz mit ihrem Ellenbogen ausreichend abgefedert. Allerdings drückte das Kind in dieser Position unangenehm in ihre Seite. Eine Weile passierte gar nichts, die Männer schienen zu beratschlagen, wie sie weiter vorgehen wollten. „Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Ben leise, und sah besorgt zu ihr hinunter. Er wollte ihr so gern helfen, doch er konnte sich selbst kaum bewegen. „Ja, ich denke schon“, gab Saskia ebenso leise zurück. „Hast du irgendwas in Reichweite, um die Fesseln durchzuschneiden?“ Ben schüttelte bedauernd den Kopf. Mühsam wand Saskia sich hin und her und versuchte sich in eine bequemere Position zu bringen.
Review schreiben