Ein Rennen für die Ewigkeit

KurzgeschichteAllgemein / P12
08.01.2014
08.01.2014
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Disclaimer: Da die Sklaverei verboten ist und ich nur ein armer Student bin, gehört mir keine der erwähnten Personen. Mal ganz abgesehen davon, dass die meisten nicht einmal mehr leben…
Ich verdiene auch absolut kein Geld mit meiner Schreiberei und mache in meinem normalen Leben auch Dinge, die gar nichts mit damit zu tun haben. Mir ist bewusst, dass es sich bei Fanfiktions um eine rechtliche Grauzone handelt, und dass dieser sogenannte Disclaimer nichts besser oder schlechter macht. Aber damit alles seine Ordnung hat, steht er eben hier.

Kurzbeschreibung: Die Formel 1ist ein alter Sport, ein Sport der sich sehr verändert hat und doch bleibt die Faszination. Die Technik hat heute einen größeren Einfluss und die Fahrer sind deutlich jünger, aber noch immer ist das Prinzip das selbe und auch damals gab es Helden der Rennen, vielleicht größere als die heutige Zeit hervor bringt… [Alberto Ascari, Nürburgring 1953]

Eine Anmerkung: Ich weiß, dass 1953 sehr lange her ist, ich weiß, dass die Autos damals ganz anders aussahen als heute und ich weiß auch, dass die Art, wie dieser Text geschrieben ist… ungewöhnlich ist. Aber ich hoffe, dass ich niemanden damit verschrecke.
Ich würde normalerweise ja sagen, ich hoffe, ihr seid bereit für Neues… aber in diesem Falle ist es das Alte, das ich serviere.
Schnallt euch gut an… ach nein… noch wurde der Sicherheitsgurt nicht eingeführt…

Ein Rennen für die Ewigkeit


„Da bist du, Kind“, sie sah auf, als sie die Stimme ihres Großvaters hörte. Langsam schloss sie das Buch und versuchte ihre Augen nicht zu verdrehen. Es hatte einen Grund, warum sie mit angezogenen Beinen auf den Dachboden saß und nicht unten bei den anderen. Obwohl, wenn sie ehrlich war, hatte es mehr als nur einen Grund, aber was sollte sie machen?
 „Ja… bin ich…“, ihr blieb nur, zu hoffen, dass ihre Stimme nicht zu genervt klang, aber das Buch war spannend gewesen, nicht, dass sie es zum ersten Mal lesen würde, aber es war dennoch gut, besser als die Alternativen.
 „Hat es einen Grund, dass du dich hier versteckst?“
 „Zählt es, wenn ich sage, dass ich in Ruhe lesen wollte?“ Es war die Wahrheit oder zumindest der Teil der Wahrheit, den sie einfach so sagen konnte.
 „Du willst also nicht, dass ich weiter frage“, stellte ihr Großvater fest und sie nickte leicht. „Dann lass mich meine Vermutungen anstellen, du hast versucht dem bis eben gelaufenen Rennen zu entgehen.“
 Sie schüttelte den Kopf: „Das ist es nicht… ich habe nichts mehr gegen die Rennen, auch wenn ich es nicht sonderlich spannend finde, weil man sich eh denken kann, wer gewinnt.“

Als keine Antwort kam, sah sie ihren Großvater an.
 „Das spannende ist nicht, wer gewinnt, sondern wie der Fahrer gewinnt. Es ist nicht so, dass es nicht auch früher Rennen gegeben hat, bei denen man sich denken konnte, wer gewinnen würde. 1953 beispielsweise… Alberto Ascari war damals das, was heute wohl Schuhmacher – ach nein, jetzt ist es ja Vettel –  ist…
 Dazu muss man noch sagen, dass er wohl der Erste oder zumindest einer der Ersten war, der sich mit körperlicher Ertüchtigung auf seine Rennen vorbereitet hat. Damals war die Formel 1 kein Feld, auf dem man Leute in deinem Alter gefunden hat, damals waren die Fahrer zumeist Mitte 30 bis Mitte 40. Ich glaube… der älteste Sieger, den es je gab, war fast 50…
Damals gab es ein Rennen auf dem Nürburgring, schon im freien Training war Ascari der einzige, der Rundenzeiten von unter zehn Minuten fuhr. Er hat dann auch die Pole ergattert, aber das hat niemanden gewundert und im Prinzip war er schon Weltmeister. Aber das Rennen war dennoch großartig. Es begann mit einem Duell am Start, aber das hat Ascari verloren, doch schon am Ende der ersten Runde, die damals deutlich länger war, als heute, hat er wieder geführt und das mit zehn Sekunden Vorsprung auf den Zweiten und er baute diesen Vorsprung weiter aus.
 Es war etwas, dass ein Start-Ziel-Sieg hätte werden sollen, mit einem kleinen Duell am Anfang, aber es hat nicht sollen sein. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube, es waren nur fünf oder sechs Runden, die Ascari so fahren konnte, wie er es zweifelsohne vorhatte. Dann aber hat er einen Reifen verloren, mitten in der Runde, bei voller Geschwindigkeit auf einer Geraden, er hat es geschafft nicht von der Strecke abzukommen und ist den Rest der Runde, was noch mehr als drei Kilometer waren.
 Die Runden waren damals deutlich länger, aber das habe ich ja schon gesagt, oder nicht?
Auf jeden Fall schaffte Ascari es noch in die Box, aber auch das Bremsen wollte nicht so klappen, wie es sollte, er kam zu spät zum Stehen. Geschehen ist, soweit ich mich erinnere, niemandem etwas. Sie konnten ihm auch einen neuen Reifen aufwuchten und er ist wieder weitergefahren. Ich muss wohl dazu sagen, dass sie über 30 Sekunden gebraucht haben und er davor schon viel von seinem erkämpften Vorsprung verloren hatte. Diesen Reifenwechsel habe ich gesehen, ich stand über den Boxen und konnte runtersehen. Anders als heute durften damals nicht mehr als vier Mechaniker während dem Rennen ans Auto, oder so habe ich es in Erinnerung.
 Schnell zeigte sich, dass weiterhin etwas nicht stimmte. Ascari war deutlich langsamer und dann kam es zu etwas, dass es heute nicht mehr gibt. Sie haben den dritten Ferrari-Fahrer, an dessen Namen ich mich nicht mehr sicher erinnere, in die Box gerufen und Ascari hat sein Auto übernommen. Dazu musst du wissen, dass es in der Anfangszeit durchaus üblich war, dass ein Team mehr als nur zwei Autos ins Rennen geschickt hat, diese Regel kam erst einige Zeit später. Die wilde Aufholjagt begann und ich habe selten ein spannenderes Rennen gesehen und ich verfolge diesen Sport, seit es ihn gibt.
 Leider hat Ascari am Ende nicht gewonnen, der Motor des getauschten Autos hat kurz vor Ende den Geist aufgegeben, bis dahin hatte er sich wieder auf den fünften Rang vorgekämpft. Er war ein außergewöhnlicher Fahrer und obwohl er das Rennen verloren hat, so hat es ihn doch zu einer Art Held gemacht. Nachdem die einzigen beiden, die ihn durch einen Sieg noch um den Titel bringen konnten, nicht gewonnen hatten, wurde er dennoch Weltmeister und das verdient. Den Tagessieg hatte sein anderer Teamkollege errungen. Aber wenn man an das Rennen zurückdenkt, dann denkt man nicht an den Sieger, sondern an Ascari, den Mann des Tages…“

Die Stimme ihres Großvaters verklang und sie brach nach ein paar Augenblicken das Schweigen: „Was ist aus ihm geworden?“
 „Er ist gestorben, so wie auch sein Vater, im Rennwagen an einem 25. eines Monats. Zwei Jahre nach diesem Rennen und sein Freund und Teamkollege ist danach nicht mehr in einen Rennwagen gestiegen…“
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