Zeit der Wunder

von TSihek
GeschichteRomanze / P18 Slash
07.01.2014
07.01.2014
9
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6
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Dieses Kapitel
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Titel: Zeit der Wunder
Teile: 9
Serie: TOS
Paarung: K/S
Rating: angst, h/c, NC-17, ft und viel Schnee
Bemerkung: Für den German-KS-Adventskalender 2006
Zusammenfassung: Letztendlich läuft es doch immer aufs gleiche hinaus: Weihnachten ist eine besondere Zeit in der Wunder wahr werden können.
Feedback: Gerne!
Archiv: Im Adventskalender  des GKS.
Disclaimer: Spock und Kirk gehören nicht mir.  Ich nutze lediglich die Möglichkeiten die von Paramount/Viacom nicht beachtet wurden und lasse meine Phantasie spielen.
Wer sich dran stört, dass es dabei meist auf Homoerotik hinausläuft, oder es aus irgendwelchen Gründen eigentlich gar nicht lesen darf, sollte sich jetzt andere Lektüre suchen. Allen anderen wünsche ich viel Vergnügen.



Zeit der Wunder





Teil 1/9  



Kirk setzte sich mit einem zufriedenen Brummen an den Tisch und grinste seine beiden Freunde an. Spock sah grüßend von seinem Abendessen auf und McCoy nickte ihm zu, deutete dabei auf das gut gefüllte Tablett in Kirks Händen.
„Guten Abend, Jim. Äh... ist das dein ernst, oder erwartest du noch jemanden?“

Kirk setzte sich und sah stirnrunzelnd auf die Auswahl auf seinem Teller. Er hatte sich für eine Auswahl verschiedener Käse, Weintrauben, Brot und Schinken entschieden. Dazu Wein und eine Karamellcreme als Nachtisch. „Ooch... eigentlich war das schon für mich gedacht. Warum fragst du?“

Er grinste seinen Bordarzt schelmisch an. „Zu deiner Beruhigung, Bones. Ich habe heute Mittag nur einen Salat gegessen und auch mein Frühstück bestand nur aus Obst und Brot. Frag Spock wenn du mir nicht glaubst.“

„Hmpf. Ich werde dir mal notgedrungen glauben. Allerdings hast du da was vergessen. Du solltest morgens mehr essen als abends, nicht umgekehrt.“

„Ich weiß, ich weiß. Aber nun lass mich mal vom Haken. Ich hab gute Neuigkeiten für dich.“

„So? Dann lass mal hören.“ Leonard McCoy lehnte sich mit verschränkten Armen in seinem Stuhl zurück.

„Eben kam die Anweisung als nächstes Raumstation 15-Beta anzufliegen. Wir sollen dort einige Güter an Bord nehmen - Saatgetreide, Medikamente, Baumaterialien - für die neue Siedlung auf Drioba. Das Ganze ist mit einem fünftägigen Kurzurlaub verbunden und die Reise zur Kolonie klingt auch nach einer Milchmanntour. Danach allerdings geht’s weiter zu einem neuen Sonnensystem, das wir genauer in Augenschein nehmen sollen. Sonden haben einen eventuell bewohnbaren Planeten entdeckt und wir sollen die relevanten Daten überprüfen.“

Spocks Augenbrauen waren bereits unter seinem Pony verschwunden und er musterte Kirk durchdringend, die Missbilligung deutlich in den dunklen Augen sichtbar. Kirk zuckte entschuldigend mit den Achseln. Er wusste, dass Spock es nicht gerade begrüßte, wenn er in der öffentlichen Messe derartige Dinge vor der offiziellen Bekanntgabe ausplauderte. Diesmal aber wollte Kirk nicht warten. Die Crew würde sich sicher freuen und die Informationen waren harmlos genug.

Der Arzt runzelte nachdenklich die Stirn. „Und?“

„Du kennst die Station vermutlich unter einem anderen Namen, Bones.“

Kirk grinste noch breiter, während er sich ein Stück Käse in den Mund schob und genüsslich kaute, dann schluckte. „Der größte Teil der Station hat sich einem einzigen Thema gewidmet und hat sich deshalb einen einprägsamen Spitznamen eingehandelt. *Christmas Eve*“

Jetzt grinste auch McCoy breit. „*Christmas Eve*? Das nenn ich mal 'ne gute Nachricht. Wir haben auf der Erde zwar erst September, aber was soll's. Ein bisschen Weihnachtsstimmung tut der Crew mit Sicherheit gut. Und wer weiß schon, wo wir in drei Monaten sind.“

„Eben.“ Kirk trank einen Schluck Wein. „Das habe ich mir auch gedacht.“

Einige Crewmitglieder am Nebentisch hatten unauffällig zugehört und ein Techniker drehte sich nun um. „Sir? Entschuldigen Sie bitte, aber haben Sie eben wirklich *Christmas Eve* gesagt?“

Kirk nickte. „Ja. Der Kurs ist bereits gesetzt und wir erreichen die Station voraussichtlich in rund 17 Stunden. Mit Beginn der nächsten Alphaschicht wird die Crew offiziell informiert.“

Der Techniker drehte sich um und grinste seine Tischnachbarn an. „DAS nenne ich mal gute Nachrichten. Danke Sir.“



Es dauerte nur zwei Stunden, bis der größte Teil der Crew Bescheid wusste und als Kirk den Landurlaub auf der rund ums Jahr weihnachtlich geschmückten Station öffentlich bekannt gab, waren es nur wenige, die noch keine Ahnung gehabt hatten.

Die Stimmung an Bord hob sich beträchtlich und fast überall waren grinsende Gesichter zu sehen. Allerdings gab es auch Ausnahmen, was vor allem dem vulkanischen Ersten Offizier auffiel. In der Mittagspause sprach er Kirk darauf an.

„Die Aussicht auf einige Tage ohne die üblichen Reglementierungen des Dienstes haben auf den größten Teil der Crew eine positive Wirkung. Ich kann deutlich die damit einhergehenden Emotionen wahrnehmen. Vor allem Vorfreude, Erwartung und teilweise kindlicher Übermut sind damit verbunden... bei erwachsenen Personen.“ Eine Braue kletterte bei diesen Worten nach oben. „Aber auch Missmut, Ärger und Ablehnung. Ich kann diese Diskrepanz nicht einordnen. Gibt es eine Erklärung dafür?“

Kirk rührte nachdenklich in seinem Kaffee, den er sich zum Abschluss des Essens gegönnt hatte.
//Spock ist zwar schon lange an Bord, länger als die meisten Mitglieder der Crew. Aber ich weiß, dass Pike nichts davon gehalten hatte Weihnachten explizit an Bord zu feiern. Er hatte eher dafür gesorgt, dass das Schiff in der Nähe der Erde war um diese Zeit. Und wenn das nicht möglich gewesen war, dann hatte er halben Dienst angeordnet und kleine, private Weihnachtsfeiern erlaubt. Aber eben nichts offizielles, das die ganze Crew und damit auch Spock mit eingeschlossen hätte. Vermutlich kennt er die dazugehörigen Bräuche nicht mal//, grübelte er und musterte die sorgfältig verborgene Neugierde in den attraktiven Zügen. Nicht zum ersten Mal fragte er sich dabei, ob er der einzige an Bord war, der sowohl die Mimik des Vulkaniers problemlos deuten konnte, als auch dessen männlich-markantes Aussehen zu würdigen wusste.

Er holte tief Luft und schon seine Tasse etwas von sich. „Kennen Sie *Weihnachten*, Spock? Ich meine die Bräuche, Traditionen, die Zeit vor dem eigentlichen Fest.“

Spock schüttelte knapp den Kopf. „Nur theoretisch. Ich bin mit dem religiösen Hintergrund vertraut und habe mich umfassend über die diversen Bräuche informiert.“

„Hm. So was dachte ich mir schon. Sie haben nie ein typisch irdisch-menschliches Weihnachtsfest miterlebt? Keine Adventszeit voller Kerzenschein, Geheimnisse, Kinderbasteleien, Liedern, vom Schnee kalten Händen und roten Wangen? Keine Weihnachtsmärkte mit Glühweinduft und frischen Lebkuchen?“ vergewisserte er sich aber trotzdem.

„Nein, Sir.“

„Dann können Sie nicht nachvollziehen, warum sich die Menschen an Bord über die  Aussicht einige Tage auf *Christmas Eve* zu verbringen freuen. Die ganze Station, das heißt der Teil der der Erholung dient, inklusive aller Läden und sonstiger Freizeiteinrichtungen ist weihnachtlich geschmückt. Ich war zwar noch nie dort, habe aber Holoaufnahmen gesehen und schon viele begeisterte Berichte gehört. Die weihnachtliche Atmosphäre dort muss einfach perfekt sein. Genau richtig, um die Moral an Bord zu heben. Und es heißt, es gibt kein Weihnachtsgeschenk, das man dort nicht bekommen könnte. In drei Monaten ist auf der Erde Weihnachten und es ist nun mal Brauch, Partnern, Verwandten und lieben Freunden Geschenke zu machen. Die Crew hat nicht oft die Gelegenheit sich so einfach und vor allem rechtzeitig mit den Geschenken einzudecken. Von ganz alltäglichen Dingen zu schweigen, die dort auch gekauft werden können. Unser letzter Halt auf einer Station liegt schon eine Weile zurück.“

Spock nickte langsam, während er das Gehörte mit dem in Einklang zu bringen versuchte, was er von der Crew wahrnahm.
„Mit dieser Erklärung sind die Emotionen und Reaktionen des Teils der Crew erklärt, die dem ganzen positiv gegenüberstehen. Aber was ist mit jenen, die eher keinen Stopp auf der Station wünschen?“

Kirk zuckte mit den Schultern. „Es gibt immer welche, die Weihnachten nicht mögen... aus den unterschiedlichsten Gründen. Manche, weil sie keine Familie oder Freunde haben, mit denen sie feiern könnten und ihnen das bei diesem nun mal mit Familie und Liebe assoziierten Fest besonders bewusst wird. Manche, weil sie alles einfach kitschig finden und manche, weil sie die nun mal mit dem Weihnachtsfest einhergehende Vermarktung ablehnen. Das geht auf der Erde oft schon im September los. Da tauchen die ersten Lebkucken und Schokoladenweihnachtsmänner in den Schaufenstern und Kaufhäusern auf, oft noch bei sommerlich warmen Temperaturen.“

Spock runzelte die Stirn. „Ich bin bisher davon ausgegangen, dass Weihnachten immer auf den 24. Dezember und die beiden Tage danach fällt. Das bedeutet in der nördlichen Hemisphäre Winter oder zumindest kühle Temperaturen. In der südlichen Hemisphäre aber fällt dieses Datum in den Hochsommer. Schokolade würde zu dieser Zeit schnell verderben und zudem erklärt das auch nicht, warum Weihnachten prinzipiell mit Schnee, Kälte und Dunkelheit bzw. Kerzenlicht assoziiert wird.“

Ein leises Seufzen war erst mal die einzige Antwort.
//Klar, für ihn als logischen Vulkanier, der vermutlich nicht mal Schnee in allen Fassetten kennt ist das auch kaum verständlich. Wie auch?//
„Für mich bedeutet Weihnachten nun mal Kälte, Schnee, Lichterglanz und Tannenduft.“ Kirk grinste entschuldigend. „Ich schätze mal, das hängt damit zusammen, dass ich auf der nördlichen Hemisphäre geboren worden bin. Ist wohl auch Gewohnheitssache.
Der Rest jedoch... Es ist schwer zu erklären.
Weihnachten ist eine besondere Zeit voller Vorfreude. Die Wochen davor sind mit vollgepackt mit heimlichen Plänen, kleinen Geheimnissen, Vorbereitungen, dem Duft frischer Plätzchen, Harz und Tannengrün. Alles wird herausgeputzt und geschmückt. Überall sieht man Kerzen oder Lichterketten, bunt schillernden Schmuck aus den unterschiedlichsten Materialien und in allen Formen und Farben.
Und dann die Weihnachtsmärkte... manchmal nur an den Wochenenden in den vier Wochen vor Weihnachten oder auch die ganze Zeit über... kleine bunte Stände an denen man Geschenke, Plätzchen, Weihnachtsschmuck oder Glühwein, Waffeln und Backäpfel kaufen kann. Dazu leise stimmungsvolle Weihnachtsmusik, teils elektronisch von Speichermedien, teils noch mit echten Instrumenten live gespielt.
Man muss es einfach erlebt haben um das zu verstehen.“

„Ich nehme an, *Christmas Eve* entspricht einer kommerziellen Version eines solchen Weihnachtsmarktes?“

Kirk nickte begeistert. „Nach allem was ich gehört habe ja. Es muss phantastisch sein. Sogar der Schnee soll wie echt aussehen.“ Er sah zur Uhr. „Kommen Sie, die Pflicht ruft. Unsere Mittagspause ist vorbei.“

Spock nickte nachdenklich. Er würde der Station einen Besuch abstatten, und sei es nur um seine Neugierde zu befriedigen.
//Wenn etwas Jim derartig in Vorfreude und positiver Aufregung versetzen kann, dann muss es etwas Besonderes sein//, dachte er, während er sein leeres Tablett zum Recycler brachte und dann seinem Captain zur Brücke folgte.



Als sie die Station wenige Stunden später erreichten konnte es die Crew kaum erwarten endlich hinüber zu beamen und entsprechend schnell, aber deshalb nicht weniger präzise und korrekt, wurden die Formalitäten abgehandelt. Kirk, McCoy, Spock und Scott wurden zur üblichen Besprechung zum Kommandanten der Station geladen und nachdem das vorbei war, begann auch für sie der Urlaub. Anders als die Crew, die sich in zwei Gruppen aufteilte, hatten die Offiziere die vollen fünf Tage zur freien Verfügung.

Jetzt standen die vier etwas ungeduldig und aufgeregt wie kleine Kinder im Zugangsbereich, der den Verwaltungs- vom Passgierbereich trennte. Besser gesagt... die drei Menschen standen ungeduldig und aufgeregt herum, während der Vulkanier sie mit einer Mischung aus Erstaunen, milder Erheiterung und schlichter Neugierde beobachtete. Seiner Umgebung schenkte er wenig Aufmerksamkeit. Die Reaktion seiner Kollegen und Freunde erschien ihm weitaus interessanter.

„Wo fangen wir an?“ Scott spähte durch das Schott und versuchte in dem bunten Gewimmel aus Passanten, Marktschreiern, bunt geschmückten kleinen Buden aus künstlichem Holz und künstlichen, vor Lichterketten strotzenden Tannenbäumen etwas zu erkennen.

„Tja... Möglichkeiten sich nach Geschenken umzusehen gibt es ja genug. Ich würde sagen, wir verbringen die nächsten... drei Stunden? "McCoy sah fragend zu Kirk und Scott, die beide knapp nickten. "Gut... also die nächsten drei Stunden damit unsere Geschenke zu besorgen und dann gehen wir erst mal in einem Restaurant essen. Danach können wir ja ganz gemütlich über den Weihnachtsmarkt bummeln und abends das alles noch bei dem Licht der Kerzen genießen.“

Kirk nickte. Auch Scott war sofort einverstanden, machte aber deutlich, dass er zunächst allein losziehen wollte. McCoy sah fragend zu Kirk und Spock, der sich bisher nicht geäußert hatte. „Was ist mit euch beiden? Kommt ihr mit?“

Kirk schüttelte den Kopf. „Nein, geh mal allein los. Wir sehen uns dann zum Mittagessen.“ Sie machten einen Treffpunkt aus und dann war der Arzt auch schon im Gewühl verschwunden, dicht gefolgt von dem Chefmechaniker, der sich allerdings in die entgegengesetzte Richtung wandte.

Spock schaute fragend zu Kirk. „Welche Pläne haben Sie, Captain?“

Kirk lächelte und rieb sich erwartungsvoll die Hände. „Pläne erst mal gar keine. Ich dachte, wir könnten durch den Markt schlendern und Sie können ihre sicherlich beträchtliche Neugierde stillen.“

Mit einem leichten Neigen des Kopfes deutete der Vulkanier seine Zustimmung an und folgte dann Kirk ins Getümmel.



Drei Stunden später fanden sich alle bis auf Scott bei dem Treffpunkt ein. Kirk wollte auf ihn warten, aber McCoy winkte ab. „Ich bin ihm auf dem Weg hierher begegnet. Er hat einen alten Bekannten getroffen und meinte, er würde lieber mit ihm den Rest des Tages verbringen. Sein Schiff dockt in einigen Stunden ab und so haben sie nicht viel Zeit um Erinnerungen auszutauschen, wie er es nannte. Als ich sie zuletzt sah, sind sie in einem Pub verschwunden.“

„Auch gut. Dann essen wir eben zu Dritt.“

Schnell einigte man sich auf ein Restaurant und der Kellner, der anhand ihrer Uniformen zumindest ihren Rang deuten konnte, wies ihnen einen Tisch in einem etwas ruhigeren Bereich zu. Sie saßen in einer Nische, die hohen Rückenlehnen der halbmondförmigen Sitzbank verdeckten die Sicht zum Nachbartisch. Üppige Tannengrüngirlanden komplett mit roten Kunststoffkugeln und einer Masse, die wohl eine Schneeschicht darstellen sollte, taten ein übriges. Ein allgegenwärtiger muffiger Geruch lag in der Luft, der laut Auskunft eines Budenbesitzers der aufbereiteten Luft dieses Bereichs der Station beigefügt wurde und einfach perfekt die winterlichen Düfte eines in einem Wald gelegenen Weihnachtsmarktes wiedergab.
Kirk hatte da zwar ganz andere Assoziationen im Kopf, verkniff sich aber ein Kommentar, als er McCoy begeistert-bestätigendes Grinsen und Spocks interessiert schräg gelegten Kopf sah. Für ihn roch es nach allem anderen nur nicht nach *Weihnachten*.

Die Speisekarte sah ganz vielversprechend aus und jeder von ihnen bestellte sich ein seiner Meinung nach typisch weihnachtliches Essen. Nur Spock saß etwas ratlos vor der Karte. Es gab kein vegetarisches Gericht. Irgendwo war immer Fleisch mit reingemogelt. Auf eine Nachfrage Kirks meinte der Kellner, das gehöre nun mal zur Philosophie der Station und damit des Restaurants. Weihnachten ohne Fleisch ginge nun mal nicht.
Sie einigten sich schließlich darauf, für Spock eine Ausnahme zu machen und das Fleisch bei der Zubereitung weg zu lassen. Kirk fragte sich, wie sie es wohl sonst mit vulkanischen Gästen hielten. Aber sehr viele würden sich ohnehin nicht in das pseudo-vorweihnachtliche Gewühl stürzen.

Das Essen war wirklich gut. Kirk genoss seinen Truthahnbraten mit Kartoffeln und diversen Gemüsebeilagen, während sich McCoy seinen Gänsebraten mit Knödeln schmecken ließ. Spock, der sich für Salat und eine Gemüselasagne entschieden hatte, aß allerdings nur sehr wenig. Kirk, der unauffällig erst den etwas resignierten Gesichtsausdruck des Vulkaniers und dann dessen Essen genauer musterte, entdeckte schließlich die sehr fein geschnittenen Speckwürfel darin.
Er wollte schon ärgerlich den Kellner an den Tisch beordern, aber ein Kopfschütteln Spocks stoppte ihn. „Nicht, Jim. Es ist keine böse Absicht und ich bin ohnehin nicht hungrig.“ Um seine Worte zu bestätigen schob er seinen Teller zur Seite und aß statt dessen den wirklich vegetarischen Salat.

„Was machen wir jetzt?“ fragte McCoy schließlich. „Ihr habt ja noch gar keine Geschenke besorgt“, fügte er hinzu als ihm die fehlenden Schachteln und Tüten auffielen.

„Du ja auch nicht“, konterte Kirk grinsend.

„Na ja... ich wollte mich erst mal umsehen. Aber ich habe da einige tolle Läden entdeckt. Wie wär's... wir können doch alle drei noch mal losgehen.“

Spock legte nachdenklich den Kopf schief. „Zu welchem Zweck?“

„Na zu welchem wohl? Geschenke kaufen natürlich.“

„Der Sinn von Geschenken ist es, den anderen damit zu überraschen?“

„Ja.“ McCoy sah ihn fragend an, konnte sichtlich den Gedankengängen nicht folgen.

„Dann wäre es logischer, jeder tätigt diese Einkäufe allein.“

Kirk hatte sich mit verschränkten Armen zurückgelehnt und überlegte abgelenkt, was für ein seltsames Gewürz in seinem Essen gewesen war, dass da gar nicht hineingehörte seiner Meinung nach. Schließlich kam er darauf... es war Zimt gewesen.

„Jim?“

„Hm... Ja?“ Kirk sah auf, bemerkte die abwartenden Blicke seiner Freunde. „Worum geht's?“

„Ums Geschenke einkaufen. Spock will allein los, ich würde lieber mit dir zusammen gehen. Was hast du vor?“

Kirk, der von der Diskussion praktisch nichts mitbekommen hatte, nickte lediglich. Er war etwas enttäuscht darüber, dass Spock sie nicht mehr begleiten wollte, aber jeder Versuch ihn zu überreden würde McCoy misstrauisch nach den wahren Beweggründen des Captains bohren lassen. Schließlich hatte Spock jedes Recht allein unterwegs zu sein und er hatte bereits drei Stunden mit dem Captain verbracht.

Sie bezahlten und verließen das Restaurant, wo sich Spock sofort von ihnen verabschiedete und zwischen einigen hoffnungslos überladenen Weihnachtsbäumen verschwand.
Kirk sah Spock einen Moment lang amüsiert nach. Wer hätte das gedacht? Ein Vulkanier, der sich freiwillig in einen derartigen Weihnachtsrummel stürzte.

Wobei... Kirk sah sich um, ließ zu, dass die künstlich-kitschige Atmosphäre ihm zum ersten Mal vollständig bewusst wurde. Sein Blick fiel auf einen breit grinsenden Kunststoffschneemann, dessen eigentlich im Inneren verborgene *stimmungsvolle* Beleuchtung flackerte, weil eines der Leuchtelemente kurz davor war kaputt zu gehen. Dadurch fühlte er sich eher an seine Alarmsirenen auf der Brücke als an besinnlich Gemütlichkeit erinnert. Der Hut der Figur war an einigen Stellen eingedellt, staubig und einfach grässlich. Für seinen Geschmack passte ein pinkfarbener Plüschhut nicht zu einem Schneemann. Wenn schon, dann braun oder schwarz. Aber pinkfarben... er schüttelte sich.

„Was ist? Kommst du nun, oder hat dich die Figur dort hypnotisiert?“
McCoy wippte ungeduldig auf den Zehenspitzen. Er wollte so schnell wie möglich die lästigen Einkäufe erledigen und sich dann dem angenehmeren Teil des Abends widmen. Kirk nickte und schloss sich ihm an. Er brauchte nur ein Geschenk und vermutete, dass er innerhalb dieser Weihnachtsmarktkopie ohnehin nichts passendes finden würde.

Zwei Stunden später und mit etlichen größeren und kleineren Paketen, Schachteln und Tüten beladen beschlossen sie sich eine Pause zu gönnen und steuerten einen gemütlich aussehenden Glühweinausschank an.
Kurz darauf schaute Kirk etwas zweifelnd auf das pappig schmeckende Getränk, das zwar wie Glühwein roch, wie Glühwein aussah und auch so heiß war, aber eben eher nach alten Socken schmeckte als wie das, was er unter *Glühwein* verstand. McCoy, der den Unterschied nicht zu bemerken schien, leerte eben seine Tasse.
„Magst du keinen Glühwein?“ Der hoffnungsvolle Tonfall war nicht zu übersehen und Kirk schob ihm wortlos seine Tasse hin. "Diesen hier nicht. Nimm ihn ruhig. Ich werde mir da drüben eine Waffel holen. Das war immer was besonderes in der Weihnachtszeit in meiner Kindheit.

Etwas enttäuscht kaute Kirk dann auf seiner Waffel herum, während McCoy seine Geschenke wieder einsammelte, die er in einem unordentlichen Haufen in den künstlichen Schnee gestellt hatte, und gemeinsam machten sie sich auf den Rückweg zum Transporterzentrum.
„Wolltest du nicht auch noch Geschenke besorgen?“ fragte McCoy, als sie fast dort waren.

„Eigentlich ja, aber bisher habe ich nichts passendes gesehen. Ich werde wohl morgen noch mal durch die Geschäfte streifen.“ Kirk äugte auf McCoys bedrohlich schwankenden Stapel.
„Und ich soll dir wirklich nichts abnehmen?“

„Nö, lass mal. Da bin ich eigen. Es könnte ja was für dich dabei sein und dann siehst du es womöglich noch vorher.“ McCoy grinste ihn gut gelaunt an, als sein Blick auf ein schlicht dekoriertes Schaufenster hinter Kirk fiel. Er deutete mit dem Kopf hinüber.
„Schau mal da. Ich brauch doch noch etwas für Joanna. Der Laden da macht einen vielversprechenden Eindruck.“

Kirk drehte sich um. Es handelte sich um einen Juwelier, der einige schlichte, aber dennoch wunderschön gearbeitete Schmuckstücke in seiner Auslage präsentierte. Hinzu kam zu Kirks Erleichterung, dass im Schaufenster keine Spur von künstlichem Schnee, billigen Plastiksternen oder kitschigen Engelchen zu sehen war. Nicht mal endlose Tannengrüngirlanden wanden sich zwischen den Schmuckstücken hindurch. Das allein war schon ein angenehmer Anblick.

McCoy war bereits an der Tür. „Kommst du mit rein? Das ist der letzte Laden für heute, versprochen!“
Kirk seufzte leise und folgte dem Arzt hinein. Wenigstens entkam er so dem allgegenwärtigen Gedudel der immer gleichen Weihnachtsschnulzen. Unter Weihnachtsliedern verstand er etwas anderes.

Im Inneren des Juweliergeschäftes empfing sie ein freundlicher älterer Mann, der sie interessiert musterte. McCoy verwickelte ihn sofort in ein Gespräch und ließ sich etliche Halsketten und passende Ohrringe zeigen.
Kirk sah sich währenddessen die übrigen Auslagen an, bis sein Blick an einem auf den ersten Blick schlichten Schmuckstück hängen blieb. Interessiert trat er näher heran.

Es war ein flacher, etwa daumennagelgroßer Lerash-khush fereik-tor ek'Khaf et K'hat'n'dlawa. Ein Blut-Seelenstein, gefasst im seltenen roten Gold Vulkans. Das Licht brach sich in dem ungeschliffenen Kristall, funkelte in allen Regenbogenfarben  und erzeugte so den Eindruck, das Schmuckstück würde von Innen heraus glühen. Die elegant geschwungenen Ornamente, die den Stein hielten, erinnerten an vulkanische Schriftzeichen, unterstrichen in ihrer schlichten Ausführung die Schönheit des Steines in ihrer Mitte.
Es war wunderschön.

Kirk zuckte zusammen, als plötzlich McCoy neben ihm auftauchte. „Was ist das? Sieht gar nicht schlecht aus.“

„Das ist ein vulkanisches Schmuckstück, gefertigt von einem der besten Goldschmiede Vulkans. Der Stein stammt laut dem Echtheitszertifikat aus den Llangoon-Bergen, das Gold ist rein und nicht mit Ashant gehärtet.“ Auch der Händler war nähergetreten. Jetzt musterte er Kirk, der das Schmuckstück nachdenklich betrachtete.
„Sind Sie daran interessiert? Ich kann es Ihnen gerne aus der Vitrine nehmen, damit Sie es näher in Augenschein nehmen können.“

Kirk schüttelte langsam den Kopf. „Nicht nötig. Ich kann sehen, dass es ein Meisterwerk ist.“

McCoy legte den Kopf etwas schief. „Was ist das für ein Edelstein? Sieht ein bisschen aus wie ein ungeschliffener Diamant.“

„Es ist einer. Ein roter Diamant, wie er nur in einem sehr kleinen Gebiet Vulkans vorkommt. Es heißt, in seinem Inneren würden sich die Katras von Seelenpartnern vereinigen. Wenn das geschieht, würde der Stein zu leuchten beginnen.“

McCoy musterte seinen Freund und Captain von der Seite. „Du scheinst ja recht viel über diese Art Schmuckstück zu wissen. Es ist ein Anhänger, oder? Und wenn es ein Diamant ist, warum ist er dann nicht geschliffen? Das würde noch viel schöner aussehen, finde ich. So wie das Licht jetzt schon gebrochen wird, ist es eine Schande das ungenutzt zu lassen.“

Kirk schüttelte vehement den Kopf. „Allein der Gedanke daran, diese Art von Edelstein schleifen zu lassen ist Vulkaniern ein Gräuel. Das hängt mit der Legende zusammen, die mit diesen Schmuckstücken verknüpft ist. Und ja, es ist ein Anhänger, kann aber auch an der Kleidung befestigt werden.“

„Hm... Das weißt du wohl alles von Spock, wie?“

Kirk nickte, streifte McCoy dann mit einem nachdenklichen Blick, schaute dann zum Händler, der geduldig in der Nähe wartete.
„Was kostet der Blut-Seelenstein?“

Der Preis, den der Händler nannte, ließ McCoy nach Luft schnappen. „Na, DAS wäre ein etwas kostspieliges Weihnachtsgeschenk. Da kriegst du glatt zwei deiner antiken Bücher dafür“, flüsterte er.

Kirk nickte langsam. „Mag sein, Bones. Aber dieses Schmuckstück ist seinen Preis wert und so etwas wird auch nicht unbedingt als *Weihnachtsgeschenk* verschenkt. Ich denke, ich werd's mir aber noch mal überlegen.“
Er wandte sich an den Händler. „Können Sie den Blut-Seelenstein für einen Tag zurücklegen?“

Als der Händler nickte griff McCoy erneut nach seiner Geschenkesammlung. „Können wir dann jetzt zurück aufs Schiff, Jim? Du weißt, ich hab heute noch was vor.“

Kirk warf einen schrägen Blick auf die Tüten und Schachteln in McCoys Armen, verkniff sich aber ein Kommentar. Er kannte das schon von seinem Freund und hatte schon vor einiger Zeit beschlossen, dass er einmal im Jahr dessen rührselige Pseudo-Weihnachtsvorfreude und endlose Geschenke-Einkaufstour würde ertragen können. Es war nun mal Weihnachten. Zumindest hier.. auf der Erde würde es erst in drei Monaten so weit sein.



Zurück an Bord hatte McCoy schnell seine Einkäufe verstaut und machte sich dann auf den Weg zum Quartier des Captains, um diesen für den angenehmen Teil des Abends abzuholen. Sie hatten ausgemacht, es sich in einer der Bars mal wieder so richtig gut gehen zu lassen.

Kirk antwortete allerdings nicht und der Computer teilte McCoy schließlich mit, dass Kirk das Schiff bereits wieder verlassen hatte. Etwas missmutig tat der Arzt es ihm nach.

Kirk hatte tatsächlich nur gewartet, bis McCoy in seiner Kabine verschwunden gewesen war und war dann zu jenem Juwelier zurückgekehrt. Jetzt stand er zum zweiten Mal an diesem Nachmittag vor dem Schmuckstück und bewunderte sinnend das Funkeln des Edelsteins.
„Sie wissen, welche Bedeutung ein Lerash-khush fereik-tor ek'Khaf et K'hat'n'dlawa unter Vulkaniern hat?“ fragte der Händler schließlich vorsichtig.

Kirk nickte. „Ja. Als Geschenk wird ihm eine ähnliche Bedeutung beigemessen, wie in der menschlichen Kultur einem Fingerring.“
Ohne weiteres Zögern nickte er. „Ich kaufe ihn.“

Wenige Minuten später stand Kirk mit einer kleinen unscheinbaren Schachtel in der Jackentasche vor dem Geschäft. Nur mühsam konnte er ein erwartungsvolles Lächeln  unterdrücken, als er im selben Moment McCoy auf sich zulaufen sah.

„Hier steckst du also. Ich hab dich schon überall gesucht.“
McCoy warf einen Blick auf den Laden, den Kirk eben verlassen hatte. „Warst du noch mal bei dem Juwelier?“

„Mm...“ Kirk brummte etwas unverständliches und steuerte dann seinen Freund auf eine nahgelegenen Bar zu. McCoy musste nicht alles wissen und zudem wusste er selbst noch nicht, ob er jemals den Mut haben würde, das Schmuckstück zu verschenken.
„Sieh mal. Das dort sieht doch gut aus.“

„Ja, für den Anfang nicht schlecht.“ Der Juwelier war, zumindest für McCoy, vergessen als sie die gut gefüllte Bar betraten.

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Es geht weiter in Teil 2