Runner

von Punk-Kiwi
KurzgeschichteAngst / P16
06.01.2014
06.01.2014
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Runner



„Wer das kurze Streichholz zieht muss gehen.“, erklärte Staff Sergeant Snider und hielt allen die kleinen roten Köpfchen hin.

Jeder griff schnell zu, warf Blicke auf die dünnen Holzstücken in den Händen der anderen und seufzte erleichtert wenn seins um nur wenige Millimeter das Längere war.

„Shit.“ Murmelte er leise und räusperte sich. „Irgendeine Route die ich nehmen sollen?“

Snider schüttelte den Kopf.
„Gebt dem Jungen Leuchtstäbe und Magazine.“, sagte er zu niemand bestimmten in der Gruppe.

Wenig später wurden ihm die Gegenstände in die Hände gedrückt und mehrere Hände drücken kurz seine Schulter.
„Wir sehen uns wieder Mann!“
„Du schuldest mir noch Geld, also WAG ES JA NICHT abzukratzen.“
Er grinste.
„Bis später. Das wird schon.“
„Alter, danach bist du ein Held.“

Er richtete seine Weste und ging auf den Ausgang des zerstörten Gebäudes zu.

„Dann wollen wir Mal…“

Er zückte seine USP und hielt sich an den Häuserwänden. Das Red Dot seiner M4 war ausgefallen und nichts als grauer Schneesturm war zu sehen.

Es war wie ein Horrorfilm, von denen er übrigens nie ein Fan gewesen war. Viel zu still und zu dunkel. Und dann noch der Regen. Die Helikopter.

Ein Schauer jagte ihm über den Rücken und die Haare an seinen Armen stellten sich senkrecht auf.

Helikopter waren vom Himmel gefallen. Wie in einer apokalyptischen Vorhersage aus der Bibel.

Hunderte von Soldaten waren in wenigen Sekunden gestorben. Das weiße Haus von Ruß geschwärzt…

Lebte sein Bruder noch?

Mit einigen tiefen Atemzügen versuchte sich der Sergeant wieder zu beruhigen.

Langsam tastete er sich weiter in die Dunkelheit vor bis er zu einer Kreuzung kam. Er erkannte eine Gruppe dunkler Gestalten und warf sich sofort hinter ein Auto.

FUCK.

„TEXAS!“, brüllte er verzweifelt in die Nacht. Seit wann war er so eine Pussy?

„Star!“ kam es mit einem eindeutigen Südstaaten Akzent zurück.

Erleichterung nahm das Gewicht seiner Ausrüstung von seinen Schultern.

Er kroch hinter dem Auto hervor und ging auf die Gruppe zu.

„Los, beeilt euch, geht zu Whisky Hotel, ihr habt nicht mehr viel Zeit!“

Die acht Männer von den Marines nickten und gingen weiter.

Einer drehte sich und zu ihm um und hielt den Daumen hoch.

Er musste sich beeilen wenn er noch ein paar Leben retten wollt.

Seine Stiefel hallten dumpf auf dem Asphalt und er versuchte sich vorzustellen, dass es sich anhörte wie bei den kilometerlangen Trainingsmärschen. Er war nicht allein. Er konnte das schaffen. Regen lief ihm hinten in die Uniform und übers Gesicht.

Gewehrschüsse waren auf einmal gefährlich nahe und er warf sich zur Seite.

Super. Nicht aufgepasst. Klasse, Sergeant.

Die russischen Stimmen kamen näher und Taschenlampen leuchteten auf.

Er wechselte zu seinem Sturmgewehr und erledigte drei von ihnen auf einmal. Der letzte war schnell genug in Deckung gegangen.

Etwa zehn Minuten vergingen in denen sie sich ab und zu beschossen und seine Angst stieg. Er konnte sich nicht erlauben hier rumzusitzen. Er musste rennen. Er musste Soldaten retten.

Entschlossen warf er seine Letzte Granate. Sie lenkte den Russen lange genug ab um dem Sergeant die Zeit zu geben die er brauchte um aus der Deckung zu springen und mehrere Kugeln in seinem Körper zu deponieren.

Erleichtert atmete er aus und zuckte bei der Explosion der Granate zusammen.

„Reiß dich zusammen!“, sagte er laut zu sich selbst und fing wieder an zu joggen, diesmal aufmerksamer.

Orangene Flammen erhellten die Straße und tauchten alles in ein warmes Licht. Der Regen fiel nur noch schwach und wurde von den Flammen größtenteils aufgenommen bevor er den Boden berühren konnte.„Texas!“, hörte er auf einmal in nicht zu weiter Ferne eine Stimme und er erkannte einige Leute in neben einem Helikopterwrack.

„Star!“, rief er und rannte weiter.

Wieder leierte er seinen Whisky Hotel Text herunter und sah die Männer ernst an.

Sie sahen aus als wären sie aus Gräbern geklettert, Schlamm und Blut beschmiert, aber er selbst war wahrscheinlich auch kein Augenschmaus.Dankbares Nicken, dann trennten sich ihre Wege. Die Stimme des anderen Sergeants begleitete ihn noch ein Stück bis sie verhallte.

Wieder alleine.

Und das so lange bis der Morgen graute und dieser Alptraum vielleicht ein Ende hatte.

Oder ein neuer Alptraum beginnen würde.

Oder er sterben würde.

Alleine im Regen.

Keiner würde seine Leiche finden und sich auch niemand an seinen Namen erinnern…

So hatte er sich seinen Trip nach Washington wirklich nicht vorgestellt.


In der Ferne hörte er das dumpfe Dröhnen eines Mark Granatenwerfers.
Zu weit von ihm entfernt um ihm Probleme zu machen.

Ein dumpfer Aufprall vor ihm.

Sein Gesicht war voller Entsetzten als er merkte, dass der blutige Haufen vor ihm Mal ein Mensch gewesen war. Der Russe war von einem der regennassen Dächer gefallen.

Ein Blick nach oben verriet ihm, dass ein Raketenwerfer auf ihn gerichtet war und er suchte Deckung.
Zu langsam.

Metallfragmente oder sonstwas bohrten sich in sein Bein und er heulte auf vor Schmerz.
Nein.
Nein.

Nicht jetzt.

Er hatte erst zwei Gruppen gefunden.

Es würde noch ewig bis zum Sonnenaufgang dauern.

So sollte, so durfte es nicht enden. Nicht aus Leichtsinnigkeit.

Nicht alleine.

Nicht vor der zerstörten Zahnarztpraxis von Dr. Med. Dent. - was für ein Name war das denn?

Die eh schon schwer zu lesenden Buchstaben tanzten vor seinen Augen.

Mühevoll drehte er sich auf den Rücken und sah an sich herunter. Er lag so über der Treppe, das seine Beine auf dem Gehweg lagen.

Ihm wurde schlecht und er würgte Galle.

Seine Beine waren wie ein Igel von den Metallfetzen des Autos gespickt, das der RPG getroffen hatte.

"Oh Gott!" stöhnte er und lehnte seinen Kopf zurück.

Es war nur dunkel um ihn.

Natürlich hatte er auch keine wirkliche Erste Hilfe Ausrüstung dabei. Zumindest nicht, das seine Beine retten konnte.
Unwillkürlich dachte er an die Stelle aus X-Men am Strand an der Xavier geschockt verkündete, dass er seine Beine nicht mehr spüren konnte.
Schon damals hatte er die Stelle schrecklich gefunden.

Nun, seine Beide, die spürte er durchaus. Ein heißer, roter pulsierender Schmerz zog sich nach oben und ließ ihn wieder würgen. Dieses Mal konnte er nur seinen Kopf zur Seite legen und seine EPa verteilte sich über die Sandsteintreppe.

Wunderbar.

Er griff nach dem Geländer aus rostfreien Edelstahl (warum fiel ihm sowas auf?) und bekam es erst nach mehreren Versuchen zu fassen.
Der Sergeant zog sich daran hoch bis er stand und hielt sein Körpergewicht mit seinen Armen.

Langsam wankte er vorwärts  doch sobald er die letzte Stufe herunter war fiel er nach vorne.

Das kurz davor explodierte Auto strahlte noch Wärme ab.

Das wars dann.

...

Schritte.

Verdammt, er war gerettet.

Oder nicht?

Wie lange lag er hier?

Lebte er noch?

War es so dunkel oder waren seine Augen geschlossen?

Warum waren seine Beide so warm?


Die Stimmen die er hörte sprachen eindeutig Englisch - ein gutes Zeichen.
"Texas." krächzte er leise.

"Texas!" versuchte er nun lauter.
Verdammt, was war mit seiner Stimme los?

"TEXAS!" jetzt schrie er heiser.

Warum antwortete keiner?

"Texas!"
Texas Texas Texas!!!

"Star!"

Das war ganz nah gewesen.

Er öffnete die Augen - Himmel, war das sein Blut?

"Whisky Hotel!" seufzte er. "Beeilt euch. Warnt andere. Schnell."

"Sergeant, wir lassen sie nicht allein. Wo ist der Arzt?"
"Nein..." sagte er langsam. Ihm wurde kalt.

"Geht zu Whisky Hotel. Sag ihnen ich habe euch geschickt. Sagt ihnen es tut mir leid... Sagt ihnen..." er seufzte tief und holte rasselnd Luft.
Die Soldaten sprachen leise miteinander, er konnte nicht hören was, aber es war sicher über ihn.

Mit schwachen Fingern holte er einen Geldschein aus seiner Brusttasche.

"Gebt das Lucas." sagte er und hielt es auf gut Glück in die Richtung des Soldaten der neben ihm kniete. "Ich schuld ihm das noch..." nuschelte er.

"Sergeant, machen sie keine Dummheiten, sie können es ihm selbst geben."

"Glaube ich nicht."

Jetzt war ihm wieder warm und die Nacht schien nicht mehr so dunkel.
Überhaupt, warum hatte er so viel Angst gehabt. Der Boden roch herrlich frisch von dem Regen.
Das einzige was ihn störte war, dass jemand redete und dass er seine Beine nicht mehr spürte.
Oder spürte er seinen ganzen Körper nicht mehr?
Er wusste es nicht.
Er war sich auch nicht sicher ob er starb oder nicht.

Er wusste nur, dass das schönste das er je gehört hatte, das Wort "Star" war, wenn es einem aus der dunklen Nacht entgegenhallte.




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*EPa - Ein Mann Packung: Essen des Mititärs

Okay, Mal wieder nichts produktives in Richtung geplante bzw versprochene Geschichten aaaaber...
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