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Zeit der Jagd

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Wolverine
06.01.2014
01.09.2014
45
70.214
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06.01.2014 3.175
 
Hallo an alle die noch lesen... wenn es sie überhaupt noch gibt. Gibt es euch noch? Wir haben ein paar Favoeinträge und eigentlich dachten wir, dass unsere Geschichte anfangs auch ganz gut angekommen ist...? Haben wir irgendetwas falsch gemacht? oO
Es wäre nett, wenn ihr eine kleine Rückmeldung zurück lassen könntet :)

jetzt aber erstmal viel Spaß mit dem Kapitel:



Kapitel 7: Tide Nicht angucken? Ist er so hässlich, oder was?

Ich kam taumelnd auf die Beine. Ein schrilles Fiepen ging mir durch Mark und Bein und mein Hinterkopf schmerzte. Als ich fahrig meine Finger durch mein Haar gleiten ließ blieben sie in den nassen Knoten hängen. Angewidert zog ich meine Hand zurück und starrte Sekunden lang auf das Rot. Blut. Mir wurde schlecht.
Pure, kam es mir dann plötzlich in den Sinn. Hektisch schaute ich mich um, aber der ganze Boden drehte sich unter mir weg, dass ich für einen kurzen Moment daran zweifelte überhaupt aufrecht zu stehen. Ich stolperte, erhaschte einen Blick auf die Vier, die uns geholfen hatten und nun einen der Jäger zu Boden rangen, dann lag ich plötzlich wieder auf dem Boden.
„Pure?“, krächzte ich und rollte mich herum, suchte nach dem unverkennbaren blonden Schopf, und hatte ihn schließlich auch entdeckt. Ächzend und stöhnend robbte ich über den Boden auf sie zu.
„Pure? Wach auf, wir müssen hier weg.“, ich rüttelte ihre Schulter, aber sie rührte sich nicht.[
„Pure, jetzt mach schon. Wir haben keine Zeit zum Schlafen.“, ich rüttelte sie energischer. Meine Handknöchel waren aufgeschlagen und blutig. Schmutz und Dreck hingen in der Wunde und färbten die Wundränder schwarz. Ich starrte meine Hände an und fragte mich, wie lange es her gewesen war, dass ich mich so verletzt hatte. Schmerzen hatte ich keine, aber allein das Blut zusehen, führte zu einem innerlichen Sträuben.
Plötzlich packte eine Hand meine Schulter. Wie ein Stromschlag durch fuhr es meinen Körper und sorgte dafür, dass ich in Sekundenschnelle auf den Beinen war.
„Ruhig.“, die Stimme dran nur dumpf an meine Ohren, als hätte man meinen Kopf unter Wasser gedrückt. Ich wandte mich der Person zu und die nächsten Worte gingen in dem rasselnden Geräusch meines eigenen Atems unter. Fragend runzelte ich die Stirn. Ich musste Pure helfen, die vier Fremden waren mir gerade egal. Schön und gut, dass sie uns aus der Misere geholfen hatten, jetzt gab es aber dringendere Probleme zu lösen.
„-hat euch gefunden.“
Ich blinzelte ein paar mal. Mein Gehör funktionierte abrupt wieder.
„Was?“, fragte ich verwirrt und ging wieder neben Pure in die Hocke. Fachmännisch – in Wirklichkeit hatte ich noch nicht einmal einen Erstehilfekurs gemacht – rollte ich sie auf den Rücken und schüttelte sie noch einmal.
„Pure, wach auf!“
„Das wird nicht helfen.“, unterbrach mich die Frau streng. „Das macht es höchstens nur noch schlimmer.“
„Hey,“ ich baute mich drohende vor ihr auf. In Momenten wie diesen wünschte ich mir eine beeindruckendere Gabe zu haben, als einfach nur die Zeit verlangsamen zu können. „Ich habe ja wohl nicht die Tankstelle in die Luft gesprengt.“
„Es blieb uns keine andere Wahl.“, versuchte mich einer der Männer zu beruhigen. Er war größer als ich – was bei weitem nicht so schwer war – ging jetzt aber neben Pure in die Knie um sie zu mustern. „Wir sollten sie ins Institut bringen. Dort kann man sie versorgen.“
„Hier wird niemand zu irgendwem irgendwohin gebracht.“, widersprach ich. Rein aus Prinzip. „Wir können alleine auf uns aufpassen.“ Institut klang nämlich extrem nach 'Doctor Evil will Experiment an uns durchführen'.
„Hat man ja eben gesehen.“, spöttelte Mr. Ich-bin-so-schlau-und-gut-aussehend. Gut aussehen, das tat er nämlich tatsächlich, vor allem als er mich mit skeptischen gehobenen Brauen musterte. Seine scharfen Gesichtszüge verliehen seinen Augen einen faszinierenden wölfischen Glanz, der mir das Gefühl gab mich in umittelbarer Gefahr zu befinden. Das pechschwarze Haar schimmerte wie Rabengefieder und ließ mich nur all zu bewusst daran denken, dass ich wieder seit Tagen keine Dusche mehr von Innen gesehen hatte.
Beschämt wandte ich den Blick ab und sah zu den anderen drei hinüber, die nicht weniger gepflegt aussahen. Die Haare der Frau lagen perfekt auf dem schwarzen Lederoutfit und selbst ihre Schuhe schienen keinen Schlammspritzer abbekommen zu haben. Im nächsten Moment musste ich dümmlich über ihre Kleidung grinsen.
„Zu was für eine SM-Party seid ihr denn unterwegs?“, ich wusste, dass das sicherlich nicht die richtige Zeit war sich über unsere Retter lustig zu machen. Aber ich konnte nicht anders. Ich versuchte immer, dass ich mich schlecht fühlte damit zu überspielen, dass ich andere runter machte. Eine furchtbar schlechte Angewohnheit von mir, die sich schon in Kindertagen bei mir bemerkbar gemacht hatte, als die anderen Kinder meine Mutation als meine große Schwäche erkannt hatten. Kinder waren grausam. Mutanten-Kinder noch viel grausamer. Ich nutzte jede Schwäche, jeden unsinnigen Mackel, den andere aus Mitleid verschont hätten. Ich sorgte dafür, dass die anderen Kinder sich auf Abstand hielten, solange sie keinen Streit suchten.
„Sam!“, fauchte die junge Frau. „Lass uns gehen. Wer keine Hilfe annimmt, dem kann auch nicht geholfen werden.“
Sam, wie der schwarzhaarige Anführer der Gruppe anscheinend hieß, tat meine Beleidigung mit einem Schmunzeln ab. „Du weißt, was Xavier gesagt hat. Darius, du nimmst das Mädchen,“ er wies auf Pure und deutete dann auf mich, „Und du kommst mit.“
„Was? Nein. Hallo, warte, stopp!“, ich war überfordert. Das konnten die doch nicht einfach machen. Darius, ein Mann von stattlichen zwei Metern, schob sich an mir vorbei und machte Anstalten Pure hochzuheben, die nur noch zierlicher und zerbrechlicher neben ihm wirkte. Mehr aus Verzweiflung als aus wirklich überdachter Courage, sprang ich dem Mann auf den Rücken und trommelte auf ihn ein.
„Lass Pure in Ruhe. Lass sie, lass sie, lass sie!“, es folgte ein paar unfreundliche Schimpfworte, die von Sam unterbunden wurde, als er mich von hinten packte und von Darius runter zerrte. Ich versuchte mich für einen Moment an den großen Mann fest zu klammern, verlor aber viel zu schnell gegen Sam.
„Lass es gut sein, wir werden euch nichts tun.“, redete er auf mich ein und ließ mich langsam wieder los, als hätte er Angst, ich würde Darius bei der nächstbesten Gelegenheit wie eine tollwütige Katze ins Gesicht springen. Hinter uns lag der dritte Mann lachend und keuchend auf dem Boden und bekam sich nicht mehr ein, während die Zicke den Jäger, der mir freilich erst jetzt auffiel, im Genick gepackt hielt und einen Flunsch zog.
Okay, immerhin schien einer hier Humor zu haben. Und sie agierten gegen die Jäger. Das war doch gut, oder? Ich wünschte, Pure wäre wach. Sie hätte schon gewusst, was wir tun sollten.
„Also gut.“ Gab ich schließlich nach. Ich tat das keines Falls, weil mir bewusst wurde, wie wenig Chancen ich gegen die Vier hatte, sondern viel mehr, weil Pure wirklich einen Arzt brauchte. „Wir haben hier in der Nähe einen Wohnwagen stehen.“ Ich zog die Schlüssel, die Pure seltsamerweise mir überlassen hatte aus meiner Hosentasche.
„Die sind doch sicherlich geklaut.“, schneller als ich gucken konnte, hatte Sam mir die Schlüssel abgenommen.
„Wie kommst du darauf?“, fauchte ich. „Wir haben natürlich auch nichts besseres zu tun als Autos zu stehlen.“
Er hob eine Augenbraue und grinste dann leicht. „Wie kommen denn sonst zwei Mädchen an ein Wohnwagen?“
„Von meinen Eltern.“, log ich ohne rot zu werden.
„Natürlich.“, er musterte mich erschreckend lange. Sein Blick glitt über meine Haare, mein Gesicht, über meine zerrissene Jacke, die tausendmal geflickte Jeans und die ausgetretenen Schuhe. Und dann trat etwas in seine Augen, was ich nicht richtig zu deuten wusste, und was dafür sorgte, dass ich mich nur noch unwohler in meiner Haut fühlte. Es war, als hätte er mit einem Blick die ganze Reise gesehen, die ich mit Pure und auch schon davor hinter mich gebracht hatte. Es war, als hätte er erkannt, wie schlecht es mir hinter meiner Fassade aus Beleidigungen und Lügen wirklich ging.
„Komm mit.“, sagte er schließlich und wandte sich zum gehen. „Du siehst aus als könntest du eine heiße Dusche vertragen.“
Oh, wie recht er hatte.

„Mein Name ist Samuel Waylen.“, stellte sich der Anführer der kleinen Gruppe vor, als wir in einem futuristischen Fluggerät saßen, dass man wohl entweder für ein UFO oder auch für einen Kampfjet halten konnte. Pure lag weiter hinten in dem Flugding auf einer Liege – festgeschnallt verstand sich. Sam saß mir gegenüber, während einer der Männer ein Auge auf den ausgenockten Jäger hatte, und Zicke mit Mr. Hulk die fliegende Untertasse manövrierten.
„Tide.“, stellte ich mich knapp vor. „Und Pure.“, setzte ich hinten dran.
„Nicht eure richtigen Namen, hm?“, er lehnte sich zurück und musterte mich mit einem angedeuteten Lächeln. „Vertraust uns also immer noch nicht.“
„Vertrauen muss man sich erstmal verdienen.“
„Wir haben euch das Leben gerettet.“
Ich rümpfte die Nase: „Na und?“ Mir fiel nichts besseres ein.
„Also gut.“, er lachte leise. „Woher kommt ihr also?“
„Aus einer weit weit entfernten Galaxie.“ spöttelte ich.
„Und was...?“
„Stopp, ich bin dran mit fragen.“, unterbrach ich ihn. Ich wollte nicht zu viel ausplaudern, vor allem, weil ich nicht wusste, ob ich der Gruppe wirklich vertrauen konnte. „Wohin bringt ihr uns?“
„Zu Professor X.“
„Was wollt ihr von uns?“
„Hmm, wir wollen euch aufschneiden um euer mutiertes Gen zu isolieren, damit wir es uns aneignen können.“
Mir klappte die Kinnlade runter und in hysterischer Panik wollte ich die Gurte lösen, die ich sicherheitshalber für den Flug hatte anlegen müssen.
„Tide, Tide!“, er legte die Hand auf meinen Unterarm. „Das war ein Scherz. Ein Scherz, okay?“
Ich schluckte hart und kam mir im nächsten Moment lächerlich für meine Angst vor. Ich nickte zaghaft und stieß langsam die Luft aus.
„Bist wohl ein bisschen schreckhaft.“ bemerkte er leise, mehr zu sich selbst, als an mich gerichtet und ich verzichtete diesmal darauf zu antworten.
„Charles F. Xavier ist ein Mutant. Ein Telepath um genau zu sein. Er gehört also zu uns.“, Sam zwinkerte mir schmunzelnd zu, aber ich wusste nicht, ob mir das meine Angst nehmen sollte. Ich musste daran denken, was die Jäger mit unseren Gaben angestellt hatte. Und ich musste daran denken, was sich vor nicht all zu vielen Jahren vor einer kleinen Insel zwischen den Russen und Amerikanern abgespielt hatte. Wem konnte man heute schon trauen?
„Er hat eine Schule aufgebaut, für Leute wie uns.“
„Er hat was?!“, platze es aus mir heraus.
„Eine Schule.“, wiederholte er langsam. „Ist zwar immer noch in der Aufbauphase, aber es wird.“ Er schenkte mir ein unbeschreibliches Lächeln.
„Warum haben wir nie etwas davon erfahren?“, fragte ich mich laut und starrte auf meine Hände. Vieles wäre einfacher gewesen, wenn wir weit weg von den normalen Menschen hätten aufwachsen können.
„Xavier sagte, dass es schwer war euch zu finden. Er hat euch nur entdeckt, weil die Jäger so akribisch hinter euch her waren.“
„Aber wie, woher, wie konnte er das alles wissen?“
„Ich sagte doch bereits, dass er ein Telepath ist.“
„Aber niemals mit so einer großen... Reichweite.“, flüsterte ich.
„Oh, lass dich da mal nicht Täuschen. Der Typ ist ein Genie. Und er hat auch seine Mittel und Wege.“
Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte das Gefühl ich müsste Platzen vor Informationen. Eine ganze Schule voller Mutanten! Ich hatte schon gezweifelt als ich Pure kennen gelernt hatte. Damals erschien es mir so unglaubwürdig, dass es noch andere Leute gab wie mich. Und jetzt? Jetzt sollte es eine ganze Schule geben, voll von ihnen.
Ich schloss die Augen und rieb mir über die Schläfen. Also gut. Also gut. Wir wurden von irgendwelchen Jägern verfolgt, die nicht registrierte Mutanten jagte. Wir hatten einem alten Sack das Auto gestohlen (nicht, dass es unser erster Diebstahl war), der uns vorher vor den Jägern gerettet hatte. Jetzt rettete uns das SWAT-Team irgendeiner Mutanten-Schule – wieder vor den Jägern. Und jetzt, jetzt brachten sie uns auch noch zu dieser Schule. Ich überlegte, ob das nicht die erste positive Wendung in dieser Geschichte sein würde. Ich malte mir die schönsten Szenarien aus. Die Schule, in der wir nicht mehr von anderen angeschaut wurden, als hätten wir die Pest. Die Schule, in der wir unsere Gabe nicht mehr verstecken brauchten... Ich seufzte wohlig in meinem Tagtraum, als Sam mich plötzlich an der Schulter anstieß. Ein leichtes Kribbeln kitzelte mich durch den Stoff seines Handschuhs und meiner Jacke. Ich schob es auf seine Mutation, denn, ich hatte sehr wohl gesehen, was er konnte. Es war als wäre er durchgehend von einer Aura knisternder Energie umgeben, die sich in alles und jeden entlud.
„Wir sind da.“, klärte er mich auf und zusammen gingen wir zu Pure, die immer noch auf der Liege festgeschnallt war.
„Hey, was soll das?“, fluchte sie, sobald wir in den kleinen abgegrenzten Raum getreten waren. „Macht mich los, sofort! Ich bin doch keine Irre, die man an ihr Bett fesseln muss. Warum bin ich überhaupt gefesselt?! Hu, kann mir das mal einer von euch sagen? Na los, wird’s bald?“
Ich wollte es nicht aussprechen, aber wie sie sich auf der Liege wand und gegen die Riemen kämpfte, sah sie in der Tat aus wie eine Irre, die ansonsten jedem die Finger abbeißen würde. Grinsend löste ich die Gurte.
„Na, gut geschlafen, Dornröschen?“, triezte ich sie ein wenig.
Sie streckte mir die Zunge raus und fuhr sich durch das dreckige Haar. „Wo sind wir eigentlich?“
„Westchester County, New York: Die Schule für junge Begabte.“, erläuterte Sam und verkniff sich wohl das Lachen, als ich Pure aufgeregt erklärte, dass es eine Schule für Mutanten sei.
„Das glaub ich erst, wenn ich es sehe.“, erwiderte Pure skeptisch, als wir aus dem Jet ausstiegen und uns in einem geschlossenen Raum wiederfanden. Huch! Wie waren wir denn hier rein gekommen.
Als hätte Sam meine Gedanken gelesen deutete er an die Decke, wo sich der letzte Spalt einer Luke schloss. Unmöglich, die hatten hier sogar eine aufklappbare Decke. Dieser Xavier musste enorm reich sein.
„Hm, hmm.“, ich wackelte plötzlich von einem Bein aufs andere und zupfte etwas unbehaglich an Sams Ärmel. „Du hattest etwas von einer heißen Dusche gesagt?“
„Dusche?!“, fuhr Pure dazwischen, „WO?“

Oh Gott. Ich biss auf meiner Unterlippe herum und stöhnte leise. Wie lange war es her, dass man mir so was gutes getan hatte? Dieses Gefühl war einfach orgasmisch!
Ich drehte die Wassertemperatur noch höher und seufzte noch einmal. Herr Gott, ich wollte hier nie wieder raus! Ich hielt mein Gesicht in den Strahl und ließ mir den Dreck und das Blut aus meinen Haaren spülen. Nie mehr, nie mehr, trällerte ich in Gedanken vor mich hin. Nie wieder hier raus.
Ich angelte mir irgendeine Flasche aus der Ablage und untersuchte sie. Aha, Shampoo. Mit einem grenz-debilem Grinsen schnupperte ich an der Seife und konnte ein weiteres Seufzen nicht unterdrücken. Lavendel. Gott, ich liebte dieses Institut! Nachdem ich mir fünfmal die Haare gewaschen hatte – ich war mir sicher anders meine Haar abschneiden zu müssen – drehte ich das Wasser ab und wickelte mich in das weiche Handtuch. Das Badezimmer war erfüllt mit schwerem warmem Wasserdampf, der den Spiegel beschlagen hatte. Schnell wischte ich das Glas ab und betrachtete mich eingehend. Unter dem ganzen Schmutz war ein ziemlich hageres Mädchen zum Vorschein gekommen, stellte ich etwas erstaunt fest. Auch wenn mein Körper nicht so aussah, als stände ich kurz vor dem Hungertod, so stachen doch meine Rippen und auch mein Schlüsselbein deutlich hervor.
Kopfschüttelnd wandte ich mich ab und betrachtete den Haufen Kleidung, den mir ein Mädchen vorher noch gegeben hatte. Anscheinend hatte Samuel und seine Bande großes Interesse daran, dass wir halbwegs vorzeigbar waren, wenn wir Prof. Xavier trafen.
Die Hose war ein bisschen zu lang, die Socken dafür extrem kuschelig und ich überlegte ernsthaft sie dem Mädchen einfach nicht mehr wiederzugeben. Der Pulli war weit, mit ebenfalls etwas zu langen Ärmeln, die mir über die Handgelenke rutschten, dafür aber von innen ein wenig aufgeraut, wie es bei oft-getragenen Kleidungsstücken meist der Fall war.
Als ich wieder aus dem Zimmer trat, wartete Darius bereits auf mich. Pure und ich hatten gleich Zimmer bekommen, die durch eine Tür miteinander verbunden war.
„Samuel muss sich um den Jäger kümmern.“, erklärte er, als er meinen suchenden Blick bemerkte.
„Ich dachte eigentlich, dass Pure schon wieder da wäre.“, entgegnete ich ungerührt, um zu überspielen, dass ich mich tatsächlich nach Sam umgeschaut hatte.
„Ne, die ist immer noch unter Dusche.“, er wies in Richtung einer zweiten Tür, hinter der Pure verschwunden war, schneller als ich Blub hätte sagen können. Als ich jetzt die Ohren spitzte, konnte ich über das Rauschen hinweg ihre Stimme hören. Sie sang irgendeinen Song aus dem Radio, den wir vor dem Angriff gehört und lautstark mitgesungen hatten.
Ich musste schmunzeln und es verstrich fast eine weitere viertel Stunde, bis Pure sich zu uns gesellte, ebenfalls in Flauschsocken und Kapuzenpulli.
„Okay, können wir dann zu diesem omniösen Professor X?“
„Die Welt wartet nur auf dich.“
Sie legte den Kopf leicht schräg und grinste. Ihr blonder Wuschelkopf war schon fast wieder trocken, während ich meine Haare in einen unseriösen Knoten gezwungen hatte, damit sie mir nicht den ganzen Pulli voll tropften.
Wir machten uns auf den Weg durch die Korridore. Ab und zu kamen und ein paar Jugendliche entgegen, die uns genau so interessiert musterten, wie wir sie. Aber letztendlich war es, als begegneten wir normalen Menschen und keinen Mutanten.
„Das hier sind die privaten Unterkünfte der Lehrer.“, erklärte Darius uns, während er auf eine Reihe Türen zeigte.
„Wie viele Lehrer gibt es denn? Und wie viele Schüler?“, fragte Pure interessiert nach.
„Vier feste Lehrer, aber mittlerweile herrscht hier ein reges Kommen und Gehen, was die Erwachsenen angeht. Die Klassen sind noch sehr klein, deshalb ist es auch möglich, dass es nur so wenige Lehrer gibt. Dass die Gruppen nicht nach Alters- sondern nach Erfahrungsklassen gestaffelt sind, erleichtert das ganze.“, erläuterte Hulk uns und blieb dann schließlich an einer großen Doppeltür stehen. „Hier sind wir.“
Pure und ich sahen uns an. Langsam machte sich die Nervosität bei uns breit.
„Achja, und starrt ihn nicht an.“, gab er uns noch als letzten Tipp mit auf den Weg, dann schob er uns schon durch die Tür.
„Nicht angucken?“, wollte Pure wissen. „Ist er so hässlich, oder was?“
Aber da war die Tür bereits ins Schloss gefallen. Wir drehten uns langsam dem Raum zu und wollten uns gerade den Schreibtisch näher anschauen, als eine der Türen aufging. Der junge Mann, der wie angewurzelt stehen blieb, war allerdings bis auf ein Handtuch, dass er sich um die Hüften geschlungen hatte nackt. Auf seiner Haut glitzerten Wasserperlen, die durchaus darauf schließen ließen, dass er wie wir noch ein Bad genommen hatten.
„Das ist Charles F. Xavier?!“, platzte es aus mir heraus, bevor ich den Mund hätte halten können.
„Wer soll es denn sonst sein?“, entgegnete Pure nicht weniger überrascht, wobei sie Darius Tipp vollkommen außer acht ließ. „Ob er das öfter macht?“, fragte sie laut.
„Nackt herumlaufen? Vielleicht meinte Darius das mit dem Starren.“
„Ich hab ihn mir irgendwie anders vorgestellt.“
„Alt und hässlich?“, schlug ich vor.
„Und nicht so nackt.“, ergänzte sie. Und nachdem sie für einen Moment geschwiegen hatte, fügte sie hinzu: „So hässlich ist er gar nicht.“
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