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Zeit der Jagd

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Wolverine
06.01.2014
01.09.2014
45
70.214
3
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06.01.2014 1.272
 
Kapitel 31: Tide          „Liebst du mich?“

Ich fürchtete mich ein wenig davor, Sams Zimmer zu verlassen. Die Hose passte mir ziemlich gut, vielleicht war sie beim Waschen eingelaufen, nur der Kapuzenpulli war zu weit und ich musste seine Ärmel zwei mal umschlagen, damit ich meine Hände sehen konnte. Dennoch fühlte ich mich unwohl bei dem Gedanken, was die anderen denken würden, wenn ich jetzt so aus Sams Zimmer kam. Auch wenn ich nur da geduscht hatte...
Ich hoffte, Pure war mittlerweile mit Duschen fertig und würde mich in mein Zimmer lassen. Es war komisch, dass sie nicht einfach die Spinne aus ihrem Bad genommen hatte. Sonst hatte sie nie so viele Probleme mit Krabbeltieren. Tod oder lebendig, meine beste Freundin machte sich wenig Gedanken darum, wie man die lästigen Insekten los wurde.
Langsam öffnete ich die Tür einen Spalt und schielte hinaus. Der Gang war leer, vermutlich waren alle bereits beim Frühstück, nur ich und Pure verspäteten uns natürlich. Ich fragte mich, ob Xavier und Havock genau so unberührt vom Alkohol waren, wie Sam, oder ob sie verkatert in ihren Betten lagen.
Ich sah ein letztes mal nach rechts und nach links, dann schloss ich Sams Türe hinter mir und drückte die zu meinem Zimmer auf. Erleichtert lächelte ich. Anscheinend hatte Pure sich aus meinem Bad verzogen und ich konnte mir endlich andere Sachen anziehen. Ich war zwar Sam für die Kleider dankbar, aber ich wollte nicht mit ihnen beim Frühstück auftauchen, wie würde das wirken? Als hätte... egal. Egal!
Gerade wollte ich in den Raum verschwinden, da hielt mich jemand auf.
„Tide.“
Alle meine Nackenhaare stellten sich auf.
„Eric...“, ich merkte, dass meine Stimme zitterte. Ich dachte zurück, an das, was ich mir gestern gesagt hatte. Das hier war vielleicht der Zeitpunkt. Ein Wink des Schicksals. Ich schluckte.
„Wir müssen reden.“, begannen ich. Ich merkte Übelkeit in mir aufsteigen. Das war der falsche Zeitpunkt. Ein ganz ganz ganz falscher Zeitpunkt.
Sein Blick wanderte über mich, aber seine Miene verriet nichts. Hatte er mich aus Sams Zimmer kommen sehen? Erkannte er Sams Kleider? Ich schluckte schwer. Ich fühlte mich so schlecht.
„Ja, das sehe ich genau so...“, seine Stimme klang traurig, oder bildete ich mir das ein? „Doch bevor wir das jetzt tun – Xavier erwartet euch in seinem Büro.“
„Ah, okay.“, ich fühlte mich plötzlich noch unwohler in meiner Haut. Ich wollte in mein Zimmer flüchten, aus Sams Sachen raus. Aber Erics erbarmungslose Augen hielten mich fest. Wir hatten uns einmal geküsst und uns derart aneinander gebunden, war das möglich? Vielleicht betrachteten wir beide die Sache falsch.
„Liebst du mich, Eric?“
Ich konnte so etwas wie Schock in seinen Augen sehen, vielleicht auch Angst. Aber dann wurde sein Blick nur noch leer und kühl. Wir gehörten nicht zusammen. Er hatte schon so viel erlebt, war von der Welt enttäuscht worden, aber ich nicht. Ich war nicht gewillt alle Hoffnungen fahren zu lassen.
„Wenn das Liebe zwischen uns ist, dann ist die Welt ein wahrlich trostloser Ort geworden.“
Es fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Aber vielleicht machte es das einfacher.
„Dann... sollten wir das hier vielleicht beenden.“

Die beiden Seiten wahren ebenbürtig. Weder schwarz, noch weiß schien die Oberhand zu haben. Und keiner war sich sicher, ob nicht der andere eine geheime Strategie verfolgte.
Xavier und Eric waren so in ihre Spiel vertieft, dass sie uns anderen gar nicht bemerkten. Pure stand neben mir und starrte an die Decke, als wäre etwas besonderes dort oben zu erkennen – auch wenn ich mir sehr sicher war, das dem nicht so war –, Charleen saß auf einem Sessel, starrte ihre Fingernägel an, die mehr Ähnlichkeiten mit Klauen hatten. Manchmal fürchtete ich mich vor der Wolfsfrau. Einmal hatte ich sie mit Logan trainieren sehen. Ihre Bewegungen waren genau so bedacht und geschmeidig wie tödlich und dessen war sie sich bewusst.
Kira war auch anwesend. Keiner von uns hatte erfahren, was sie für eine Mutation hatte, denn weder Xavier, noch sonst jemand wollte uns mehr über das Mädchen erzählen. Vielleicht konnten sie es auch nicht. Ein paar unserer Mitschüler meinten sie wäre sehr schnell, andere sagten, sie wäre genau so wie Xavier ein Telepath, aber man konnte sich bei dem Geschwätz nie auf etwas verlassen. Pure und ich versuchten uns damit zu begnügen, dass unser Schulleiter sie mochte.
„Was ist denn nun?“, wollte Charleen wissen. Sie schien sich schwer zu langweilen und machte auch keinen Hehl daraus. Oder sie war genau so wie wir einfach noch zu müde, denn immer wieder gähnte sie und entblößte dabei ihre scharfen Zähne.
Xavier blickte auf. Irgendetwas schien passiert zu sein.
„Wir haben ein Problem.“
Pure schien kurz davor zu sein, in die Hände zu klatschen über die scharfsinnige Bemerkung.
„Gestern Nacht ist Lillia verschwunden.“
Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen um wen es sich handelte. Lillia? Die Heilerin? Die hatte ich gestern doch noch gesehen. Ich sah mich um, aber Sam war nicht da.
„Wann denn?“, wollte ich wissen.
„Wir wissen es nicht genau. Kira, vielleicht möchtest du erzählen?“
Da Mädchen zuckte zusammen, nickte aber: „Wir waren heute eigentlich fürs Frühstück verabredet. Aber als sie nicht gekommen ist, bin ich auf die Krankenstation, weil ich dachte, vielleicht hätte es einen Notfall gegeben. Als ich sie auch nicht dort getroffen habe, bin ich zu ihrem Zimmer. Es war total verwüstet a-als hätte es einen Kampf gegeben.“ Sie stockte und schlang die Arme um sich, „Ich hoffe, ihr ist nichts passiert.“
Pure knirschte hörbar mit den Zähen, als sie sich an Xavier wandte. Sie tat es äußerst ungern, ich konnte es ihr ansehen. Alles in ihr sträubte sich auch nur den Rektor anzusehen. Und als sie sprach, klang ihre Stimme deutlich zu hoch: „Kannst du sie nicht einfach mit deinem Psycho-Trick orten?“
Angesprochener schien sich, wenn nicht genau so, noch unwohler zu fühlen. Ich konnte sehen, wie sich alle Haare auf seinen Armen aufstellten, wie sein Blick über ihr Gesicht wanderte, krampfhaft vermeidend den ihren zu kreuzen: „Nein. Ich habe sie nicht gefunden.“
„Heißt das, dass sie tot ist?“, Charleen setzte sich aufrecht hin.
„Nein! Nein. Es heißt, dass ich sie nicht finden konnte. Vielleicht ist sie außerhalb meiner Reichweite, oder sie wird durch irgendjemanden abgeschirmt.“
Ich überlegte, ob seine Fähigkeiten vielleicht durch einen Kater eingeschränkt wurden, aber ich traute mich nicht zu fragen. Immerhin waren wir auch mit daran Schuld.
„Meint ihr es waren Jäger?“, fragte Kira, sie hatte ihre Finger in den Stoff ihres Oberteils gekrallt.
„Wir können uns nicht sicher sein.“, Xaviers Stimme wurde weich und warm. Ihh, was war denn mit dem los?! „Aber wir müssen es wohl oder übel in Betracht ziehen.“
„Aber wie sind sie überhaupt hier herein gekommen?“, Charleen runzelte die Stirn. „Hättest du sie nicht bemerken müssen?“ Und noch etwas schien in ihrem Kopf zu schwirren: Hätte ich es nicht bemerken müssen?
„Ich... war gestern etwas abgelenkt.“
Pure starrte wieder an die Decke. Ich konnte mir nicht helfen, aber irgendwie sah es so aus, als stieg ihr neue Farbe ins Gesicht. Was war da los? Schämte sie sich, weil wir unseren Rektor abgefüllt hatten. Oder war da noch irgendetwas anders... Hatte sie vielleicht eine ganz ähnliche Situation erlebt wie ich?
„Charleen. Wir stellen einen Suchtrupp zusammen, und ich würde dich gerne darum bitten, zu helfen.“
Sie nickte ab und stand auf: „Wenn es weiter nichts ist.“
„Triff dich mit mir und Sam in einer halben Stunde auf dem Sportplatz. Bis dahin sollte Sam ein paar Leute aufgetrieben haben, die bei der Suche helfen.“
„Was ist mit uns?“, fragte ich. „Wir wollen auch helfen.“
Xavier schüttelte entschieden den Kopf: „Das werden die Erwachsenden regeln. Begebt euch nicht in Gefahr.“
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