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Zeit der Jagd

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Wolverine
06.01.2014
01.09.2014
45
70.214
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06.01.2014 1.212
 
Kapitel 20: Pure          Ich finde es jetzt schon lustig.

Misstrauisch warf ich einen Blick auf Tide, die mir gegenüber an unserem Tisch in der Mensa saß. Sie strahlte förmlich, als sie dick Marmelade auf ihr Brötchen schmierte und grinste so verdächtig, als könnte sie es nicht abwarten, dass ich sie fragte, was los sei.
Mein Kopf hingegen hing halb auf dem Tisch, in meiner Müsli-Schale. Jeder Teil meines Körpers brannte bei der kleinsten Bewegung. Fühlte sie sich nicht so?
Endlich sammelte ich meine Kräfte und fragte: „Du hast so gute Laune. Ist … Logan verschwunden oder so?“
„Schön, dass du fragst!“, erwiderte sie wie aus der Pistole geschossen und lächelte noch breiter. „Nein, er ist noch hier und quicklebendig. Er musste ja gestern nicht trainieren wie wir.“ Ihre kurze Pause ließ den Schluss zu, dass sie doch auch Muskelkater hatte. Als ich langsam wacher wurde, stieg mein Interesse. Was war denn passiert, weshalb sie so fröhlich aussah? So hatte ich sie lange nicht gesehen und es machte mich auch glücklich, obwohl ich nicht wusste, warum. Langsam verdrängte ich meine Schmerzen. Es gab jetzt wichtigeres! „Also, schieß los! Was ist passiert?!“
„Gestern Abend ...“, sie stockte kurz als wäre es ihr doch peinlich, mir davon zu erzählen, „haben Eric und ich uns geküsst.“ Ihre Wangen waren rosa.
Ich quietschte so laut, dass Xavier, der wie gewohnt am anderen Ende der Mensa saß, sofort den Kopf zu uns um wandte. Okay, viele Leute taten das.
Und wenn ich Xaviers Gesichtsausdruck richtig interpretierte, hatten meine Gedanken ihm gerade von Eric und Tide erzählt, denn er sah gar nicht glücklich aus. Pft.
„Erzähl mir alles.“ Meine Müdigkeit war wie weggeblasen.
„Ich war noch in der Bibliothek, weil ich nicht schlafen konnte ...“, fing sie an und erzählte mir kurz, worüber sie geredet hatten, bis sie sich schließlich geküsst hatten.
„Seine lockere Krawatte gestern hat dir den Rest gegeben oder? Leugne es nicht, ich kenne dich doch.“, kicherte ich.
„He, das stimmt gar … okay. Es sah schon sehr gut aus.“ Sie stieg in mein Lachen ein.
Trotz der ganzen Probleme, die wir hatten. Obwohl wir so vieles erleben mussten. In diesem Moment war ich froh, dass sie dennoch so glücklich sein konnte.
Fast zuckte ich zusammen, als Xavier plötzlich neben uns auftauchte.
„Guten Morgen.“, grummelte er und beobachtete Tide kritisch. Fand er sie zu jung für Eric? Oder war er gar eifersüchtig?
Sofort rammte sich sein Blick in meinen. Wenn Blicke töten könnten! Anscheinend hatte ich ins Schwarze getroffen.
Also mochte Xavier Tide? Jetzt tat er mir fast leid, aber so ganz hatte ich ihm noch nicht verziehen. Ich zog stattdessen meine Augenbraue hoch und erwiderte: „Morgen.“
„Was das heutige Training angeht … Pure, du hast mit Logan. Und Tide – Sam hat heute keinen Unterricht, also trainierst du mit ihm.“
An seinem Blick konnte ich sehen, dass er mich damit ärgern wollte. Ich lächelte ihn zuckersüß an und sagte: „Kein Problem.“
Währenddessen war Tides Lächeln kurz von ihrem Gesicht verschwunden, einem unsicheren Ausdruck gewichen, ehe sie es wieder aufsetzte.
Warum verhielten sich auf einmal alle so komisch? Ich sah zwischen meiner Freundin und Xavier hin und her, der sich nun, da seine Nachricht überbracht war, wieder umdrehte.
„Wohin müssen wir überhaupt?“, rief ich ihm halb hinterher.
„Tide – Außenfeld, Pure – Turnhalle.“
„Ich überlebe das niemals.“, murrte ich halb aufgebracht. Tide lachte.
„Und ich auch nicht!“

Als ich später an der Turnhalle ankam – dieses Mal in kurzer Sporthose und Top – sträubte mein Körper sich fast dagegen, einzutreten. Dass man so viele schlechte Erfahrungen in so wenig Zeit machen konnte …
„Da bist du ja endlich.“, empfing mich der Opa, und ich verdrehte die Augen.
„Tu nicht so. Wir wissen beide, dass ich heute nur mit dir trainieren muss, weil wir uns nicht ausstehen können. Also – wer hat es entschieden? Wollte Xavier es oder hast du darum gebettelt, mich noch mal quälen zu können?“
„Super Einstellung.“ Logan hatte ebenfalls eine Jogginghose und einen Hoodie an, und kam langsam auf mich zu. „Hast du vielleicht mal daran gedacht, dass ich am besten Mit dir trainieren kann, weil ich dich erstens, wie wir gerade merken, auf die Palme bringen kann und du dann flackerst, und ich dich zweitens riechen kann, wenn du unsichtbar bist, genau wie die Jäger dich anscheinend sehen können?“
Das hörte sich zwar halbwegs logisch an, aber … Obwohl ich nicht wollte, verstummte ich.
„Sprachlos?“ Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, bevor er nach vorne schnellte, mich packte und mich an sich presste, die Arme auf dem Rücken.
Ich quiekte vor Schreck auf, flackerte und verschwand, aber konnte nichts mehr tun um mich zu wehren. „Was soll das?!“, heulte ich vor Überraschung.
„Du darfst dich nicht von plötzlichen Situationen überraschen lassen.“
„Plötzliche Situationen? Natürlich bin ich davon überrascht!“, meckerte ich und konnte mich immer noch nicht bewegen.
Mein rechter Arm tat weh, wie er so unnatürlich in meinen Rücken gepresst wurde. Erst jetzt viel mir auf, dass Logan mich an seine Brust gedrückt hatte.
Unwillkürlich atmete ich ein, erfüllte meine Nase mit seinem Geruch. Wahrscheinlich hätte ich mich davon übergeben sollen, aber stattdessen stand ich da wie angewurzelt, unabhängig von seinem weiterhin festen Griff, und starrte auf den Stoff über seiner Brust.
Als ich bemerkte, was ich gerade tat, schüttelte ich schnell den Kopf. Halb die Luft anhaltend, versuchte ich mich von ihm wegzudrücken. „Lass mich los, alter Mann!“
„Kannst du dich nicht selber befreien?“
Anscheinend wollte er mich leiden sehen … „Nein. Dafür soll ich doch trainieren, oder?!“
Abrupt ließ er von mir ab. „Du hast Recht.“ Pause. „Das Wichtigste ist, dass du schnell reagierst, und außerdem musst du das Flackern in den Griff bekommen.“
„Andere Frage: Warum hilfst du überhaupt mit? Würdest du nicht feiern, wenn die Jäger mir an den Kragen gingen?“
Er verdrehte die Augen. „Genau. Und deshalb habe ich dich auch damals im Wald gerettet ...“
Erneut verstummte ich. „Darauf weiß ich keine Antwort.“, gab ich zu, was ihn zum Lächeln brachte.
„Na endlich – dann lass uns weitermachen. Werde unsichtbar und geh ein Stück, ich werde versuchen, dich zu fangen, und du musst mir schnell ausweichen.“
Obwohl ich nicht gerade scharf auf erneuten Körperkontakt war, kam ich seiner Aufforderung nach, und verschwand. Ich versuchte, ihn zu beobachten, während ich mich von ihm entfernte. Abzuschätzen, wann er wohl losstürzen würde.
Als es schließlich passierte, versuchte ich, mich zu ducken und aus dem Weg zu springen, aber er hatte damit anscheinend gerechnet und machte es mir nach, nur ihm mich am Nacken zu packen.
Sofort flackerte ich und machte mich auf die Schmerzen des Griffs bereit, doch er hatte nur leicht zugegriffen. Ich funkelte ihn an.
„Noch einmal!“, verlangte ich. Er sah mich von oben herab an, und auch als ich verschwand, bohrte sich sein Blick in meinen.
„Wie schaffst du es, mir weiterhin in die Augen zu sehen?“, fragte ich leicht verdrossen. Er zuckte mit den Achseln. Unausreichende Antwort …
Statt mich weiter um ihn zu kümmern, marschierte ich schnurstracks ans andere Ende der Halle. Ich versuchte, ständig in Bewegung zu bleiben, und schaffte es tatsächlich, dass er mich nicht fing – für etwa fünf Minuten.
„Das wird bestimmt noch super lustig.“, murmelte ich in seinen Arm, den er vor meinen Mund gelegt hatte.
„Ich finde es jetzt schon lustig.“, erwiderte er.
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