Zeit der Jagd

GeschichteHumor, Romanze / P16
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier Wolverine
06.01.2014
01.09.2014
45
70.214
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06.01.2014 1.196
 
Und weil das erste Kapitel noch recht kurz war, hier direkt das nächste für euch. :)

Viel Spaß beim Lesen.


Kapitel 2: Pure             Noch mehr Klischee ging nicht, oder?

Das Schreien hinter mir überraschte mich.
Natürlich nichts weltbewegendes. Ein kleines Kind, das sich über etwas aufregte, wahrscheinlich. Aber ich zuckte zusammen und hätte mich am liebsten selbst geohrfeigt, weil ich das Flackern spürte. Sofort war ich wieder verschwunden. Ich warf einen hektischen Blick in Richtung Tide und dem Polizisten, dem sie gerade ihre ach so traurige Lebensgeschichte verkaufte, und zuckte gleich noch einmal, als er genau in meine Richtung blickte. Und da flackerte ich schon wieder, und unsere Blicke trafen sich. Der Polizist riss die Augen auf.
Scheiße. Scheiße. Scheiße.
Als hätte man bei Tide einen Schalter umgelegt, verschwand der weinerliche Gesichtsausdruck von ihrem Gesicht, und sie verwandelte sich in eine Furie. Sekunden später sackte der Polizist zusammen.„Sie Perversling!“, hörte ich sie schreien. „Nehmen Sie ihre Griffel weg, pädophiles Schwein!“
Fast hätte ich lachen müssen, doch ich war immer noch zu sauer auf mich selbst. Alles hätte so gut funktionieren können. Einen Moment lang konnte ich nur bewegungslos der Szene folgen, doch als Tide wie auf Knopfdruck verschwand, setzte sich mein Körper ebenfalls wieder in Bewegung.
Was unsere Fähigkeiten angelangte, passten wir hervorragend zueinander.
Schon bald verschwand Tide im Nirgendwo. Ich spürte den Polizisten hinter mir hetzen, aber er wusste nicht, wo es war, was er verfolgte, und ich würde es nicht darauf anlegen, und noch einmal flackern. Bald verlor er sich, und ich mein Tempo. Er würde mich jetzt nicht mehr finden.
Ich schlug einen Haken und verschwand in einer kleineren Gasse. Als ich mir sicher war, dass er mich nicht mehr finden würde, streckte ich mich und beschloss, zum vereinbarten Ort zu gehen.
Wenigstens war unser Vorhaben nicht ganz fruchtlos gewesen, und halbwegs mit mir versöhnt steckte ich mir einen gemopsten Lolli in den Mund. Ein kleiner Luxus, aber ansonsten hatte ich auch die wichtigeren Dinge bei mir. Brot. Eine Flasche Wasser. Kekse für Tide. Na, die waren wirklich wichtig.

Es war das erste Mal, dass ich sie hörte, als ich gerade aus der Gasse schlüpfte. Dunkle Schritte, lautes Klappern. Ich machte mir keine Gedanken, denn ich ließ meine Tarnung nicht fallen. Es war einfacher so.
Umso überraschter war ich, als einen Bruchteil einer Sekunde später eine Stimme direkt hinter mir hörte. „Willst du verstecken spielen, Süße?“, raunte jemand. Flackern.
Erschrocken drehte ich mich um. Es war unmöglich. Ich … ich hatte davor nicht geflackert. Sie hätten mich nicht sehen können! Ich spürte, wie ich meine Fassung verlor, und komplett sichtbar vor ihnen stand.
Mit großen Augen stierte ich den Mann an, dessen Augen man nicht sehen konnte hinter seiner Sonnenbrille. Der einen langen schwarzen Mantel trug.
Es entschlüpfte mir, ohne dass ich es verhindern konnte: „Noch mehr Klischee ging nicht, oder?“
Gerne hätte ich die Hände über den Mund geschlagen, doch mein Gehirn kam nicht mit meiner großen Klappe, und ich lächelte unsicher. Dieser Typ war mindestens 30 Zentimeter größer als ich und passte gut zu dem Bild, das ich vor Augen hatte, wenn ich an Mörder dachte, oder Kinderschänder. Und hinter ihm bauten sich weitere auf.
„Ich zeig dir gleich Klischee, meine Hübsche.“, raunte er weiter und packte meinen Arm.
Vielleicht hätte ich direkt wegrennen sollen. Sehr schlau, Pure.
„Nein, danke.“, zischte ich und war einmal mehr glücklich über meine brutalen, katzenartigen (…) Reflexe, denn ich hämmerte ihm die Wasserflasche und das Brot entgegen.
Er hatte nicht mit so viel Widerstand gerechnet (besonders nach meiner ach so geglückten ersten Aktion) und ließ für einen Moment locker.
Länger wartete ich nicht. Es dauerte keine Sekunde und ich war wieder unsichtbar, auch wenn ich nicht wusste, wie viel mir das bei denen brachte, denn sie hatten mich ja auch eben gesehen. Generell, wer waren die?
Nun gut, die Antwort musste warten, denn um sein Leben (oder wollten die mir doch nur was verkaufen?) zu laufen und gleichzeitig zu denken ist nicht gerade einfach. Eher hinderlich.
Ich jagte davon und verfluchte den Polizisten dafür, dass er mich eben schon so gehetzt hatte. Schwer schlug die Luft durch meinen Hals. Ich traute mich nicht, zurück zu sehen, und musste es doch tun. Mist, die ließen sich nicht abhängen. Wie Hyänen witterten sie mir nach, warteten auf ihre Chance, auf einen schwachen Moment.
Ich bin nicht gerade die Unsportlichste (das passiert so, wenn man ständig auf der Flucht ist), und umso mehr regte mich auf, dass trotz allen Haken keinen der fünf oder sechs hinter mir abhängen konnte.
Halb bekam ich mit, wie ich mich aus dem Zentrum der Stadt entfernte, langsam die Häuser hinter mir ließ. Auf den Highway zusteuerte. Rings um uns tauchten Bäume auf, doch die Hetzjagd endete nicht. Die Bäume beschützten mich nicht.
„Ich kriege dich, Süße.“, hörte ich Mr. Black hinter mir rufen, und mir lief es kalt den Rücken runter.
Ich hätte gerne jetzt erzählt, wie ich plötzlich etwas sehr heldenhaftes tat. Wie mir etwas geniales einfiel, womit ich sie alle auf einmal kaltmachte. Aber leider konnte ich nicht besonders gut kämpfen. Laufen konnte ich gut, mich verstecken, aber das konnten sie besser. Es dauerte eine Weile, aber dann merkte ich, wie meine Beine anfingen, zu brennen, und schwer wurden. Und jetzt kam ihre Chance.
Tide, dachte ich. Ich hoffte, dass es ihr wenigstens gut ging. Wenn ich ehrlich bin, hoffte ich, sie würde plötzlich auftauchen und mich retten. Aber sie hatte wahrscheinlich nichts mitbekommen, wie auch.
Tide, dachte ich, als mich jemand von hinten packte. Anscheinend ins Nichts griff und mich hervorholte. Ich verfluchte ihn dafür.
Ich spürte einen Riss an meiner Schulter, während ich fiel, und hart auf dem Boden landete. Der Mann beugte sich über mich und verzog seinen Mund zu einem fiesen Grinsen.
Und so leicht konnte man also erwischt werden. Da mussten nur ein paar Vollidioten auftauchen, die beschissenerweise deine Fähigkeit zunichte machten. Dabei hatte ich mich in den letzten Monaten beinahe daran gewöhnt, an das Leben. Ich hatte mich sogar an dieses immer währende Flüchten gewöhnt. Aber es hatte ja doch nichts gebracht.
Dem Blut an meiner Schulter nach zu schließen wollte mir hier doch niemand etwas sehr teures andrehen, das war sicher. Ich hatte von so was gehört. Experimente, vielleicht wollten sie mich auch einfach nur aus Spaß töten.
Aber so einfach, so demütig würde ich nicht abtreten. Ich zischte leise und spuckte dem Typen ins Gesicht. Eigentlich eine Leistung, so wie ich da lag. Vertikal nach oben. Ich würde mich freuen, doch meine Schulter … mein Leben.
Ich sah ihn seine Faust ausholen und bereitete mich auf den Schlag zu.
Und er kam.
Es war, als ob mein Kopf explodierte, meine Lippen platzten, alles platzte irgendwie. Im Halbnebel bekam ich aber noch etwas mit, was kurz danach passierte. Nämlich, dass die harten Hände von meiner Schulter abließen und ich mich leichter und leichter fühlte.
Na, wenigstens sterbe ich schnell, dachte ich beklommen.
Über mir sah ich einen anderen Mann, der mit der Zunge schnalzte. „Nicht gerade die feine Art.“, hörte ich ihn sagen, und dann hörte ich etwas Metallisches klirren, bevor ich ganz im Dunkel versank.
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