Die Königin der Aslanti

von Zarasu
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Hershel Layton Inspektor Clamp Grosky Jean Descole Luke Triton
05.01.2014
14.10.2014
21
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Verdammt, was tat denn da so weh? Stöhnend rieb ich mir die Augen und setzte mich auf. Wo war ich?
…Ich war in einem hellen Raum, neutral rote, lange Vorhänge hingen vor den großen Fenstern und der Boden war mit einem hellen Parkett ausgelegt. Ich saß auf einem großen Bett mit beigen Bezügen. Misstrauisch stand ich auf, wurde jedoch mitten in der Bewegung von einem betäubenden Schmerz an meiner rechten Schulter wieder nach hinten gerissen. Keuchend lag ich auf dem Bett und wartete bis der Schmerz wieder abnahm.
Eine kurze Zeit lang lag ich da, befreite meinen Kopf von allen Gedanken und versuchte mich, auf die Situation zu konzentrieren. Diesmal stand ich vorsichtiger auf und wagte einen Schritt nach vorne. Gut. Ich war offensichtlich an keinem, mir bekanntem Ort. Des Weiteren bezweifelte ich, dass ich freiwillig hier war. Kurz musste ich schmunzeln- ich hörte mich wie ein Detektiv an. Reiß dich zusammen, ermahnte ich mich selber, ich durfte jetzt nicht unvorsichtig werden.
Dann kam mir der kurze Gedanke, das, wenn man mir etwas hätte antun wollen, das sicher schon vorher gemacht hätte, als ich bewusstlos war. Nachdenklich ging ich zum Fenster… und erstarrte. Unter mir waren die Baumwipfel zu sehen. Das Ding bewegte sich! Ohne nachzudenken raste ich panisch zur Tür, versuchte das Ziehen in meiner Schulter zu ignorieren, rüttelte an der Klinke und musste feststellen, dass abgeschlossen war.
Resigniert ließ ich mich an der Tür hinuntergleiten. Natürlich, was hatte ich denn erwartet? Dass man mich erst entführt, und dann die Tür offenlässt? Eher nicht. Meine Gedanken glitten weiter zu meinen Entführern. Männern in schwarzen Anzügen und mit weißen Masken. Wer diese Männer wohl waren? Ich konnte mir nicht vorstellen, warum man gerade mich entführen sollte?! Außer vielleicht, dass ich regelmäßig vergaß zu blinken, wenn ich um die Ecke fuhr und das Licht an meinem Fahrrad schon seit Jahren nicht mehr ging, hatte ich eigentlich kein Verbrechen begangen. Na gut, vielleicht der gefälschte Pass und die paar Leute, die ich bewusstlos… na ja… das war aber eine andere Geschichte.
Ich stand wankend auf und schlich wieder zum Bett. Ich befand mich anscheinend auf einem Luftschiff. Es glitt so sanft dahin, dass ich die Bewegung zuerst gar nicht wahrgenommen hatte. Seufzend schmiss ich mich wieder aufs Bett. Es hatte eh keinen Zweck zu fliehen, ich entschloss mich darauf zu warten, dass jemand hinein kam.
Was mich wohl erwarten würde? Eine Mafiabande? Ein professioneller Mördertrupp? Ich ermahnte mich selber, meine Fantasie nicht so mit mir durchgehen zu lassen und mich zu beruhigen. Also tat ich das, was ich immer tat, wenn meine Gefühle die Überhand zu nehmen drohten. Ich rezitierte Gedichte.
Ich war gerade zum dritten Mal bei der Lore Lay angekommen, als es plötzlich klopfte. Ich blickte ungläubig zur Tür. Seit wann klopften Entführer denn höflich? Weil ich nichts Besseres wusste, rief ich unsicher: „Ja?“, und die Tür öffnete sich bedächtig. Herein kam ein alter, kleiner Mann mit braunem, grausen Haar, einem rot-braunen Anzug und einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht. Er trug ein Tablett mit Teegeschirr in der rechten Hand und schloss mit der linken die Tür hinter sich. Dann kam er auf mich zu und fragte im Gehen: „Möchten sie vielleicht eine Tasse Tee nach all der Aufregung? Ich fühlte mich verpflichtet, ihnen eine Tasse zur Beruhigung anzubieten.“ Ich wurde nicht mehr. Ich wurde entführt, gefangen gehalten und dann kam allen Ernstes ein freundlicher alter Butler und brachte mir Tee? Ich war fassungslos. Nachdem mir nach zehn Sekunden klar wurde, dass es vermutlich nicht sonderlich höflich ist, den alten Mann mit offenem Mund anzustarren, nickte ich schnell. „Ja… ja, das wäre nett.“ Lächelnd griff er zur Kanne und goss mir eine Tasse ein, ich konnte mich aber einfach nicht des Eindrucks erwehren, dass er innerlich schmunzelte. „Milch oder Zucker?“ Wieder konnte ich ihn nur eine Weile anstarren, dann antwortete ich schnell: „Nur Milch.“, er reichte mir die Tasse, „Danke.“
Ich beäugte die Tasse, anscheinend echtes weißes Porzellan, misstrauisch, dann nahm ich einen Schluck. Zu stark für Darjeeling, ich tippte auf Earl Grey. Zufrieden nahm ich noch einen Schluck, dann sah ich zu dem Alten und fragte misstrauisch: „Können sie mir vielleicht sagen, wo ich bin und was ich hier mache?“ Warum man mich entführt hat, konnte ich mir gerade noch verkneifen zu sagen.
„Sie befinden sich hier auf dem Luftschiff meines Herren, der Bostonius.“ Seines Herrn. War das der Kopf dieser Verbrecherbande?
„Ah. Und ihr Herr war es also auch, der mich entführen ließ?“, fragte ich stechend. Der Alte ließ den Kopf hängen und sah ehrlich bedauernd aus. „Ich fürchte leider ja. So leid es mir tut, aber ich befürchte, dass mein Herr noch große Pläne mit ihnen vorhat.“ Das klang ja heiter! Hoffentlich wurde ich nicht Opfer irgendwelcher kranken Experimente. Aber andererseits sah der alte Mann nicht unbedingt so aus, als würde er für eine Verbrecherbande arbeiten.
„Können sie mir sagen, was das für Pläne sein sollen?“ Wieder schüttelte der Mann bedauernd den Kopf. „Leider habe ich diesbezüglich keine Informationen erhalten. Ich kann nur so viel sagen, dass es etwas mit einem großen archäologischen Fund zu tun hatte, den mein Herr vor kurzem bergen konnte.“ Was sollte ich denn mit Archäologie zu tun haben? Ich schüttelte den Kopf und versank tief in meinen Gedanken. „Ich werde in Kürze etwas zu Speisen zum Mittag bringen, wenn es ihnen Recht ist.“ Ich nickte. Jetzt wo er davon sprach, bekam ich tatsächlich Hunger. Kurz vor der Tür wandte er sich mir noch einmal zu.
„Mein Name ist übrigens Raymond. Wenn sie irgendetwas brauchen, dann können sie sich immer an mich wenden.“ Damit verschwand er. Hm, ich vermutete, dass die Beendigung meiner Gefangenschaft leider nicht zu den Wünschen gehörte, die mir erfüllt wurden. Deprimiert schlurfte ich an meiner Tasse Tee. Wenigstens bekam man hier etwas Ordentliches zu Trinken. Aber was sollte ich denn mit einem archäologischen Fund zu tun haben? Ich musste an den Mann denken, den Raymond seinen Herren genannt hatte. Der Mann, der mir alles eingebrockt hatte. Was auch immer das für ein Fund war, ich entschied auf der Stelle, dass mir dieser Herr reichlich unsympathisch war.

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so, kleiner Tipp: Raymond ist der diener von Descole, der ihn immer aus den unmöglichsten Situationen rettet. Ich hoffe, euch hats gefallen und ich freu mich natürlich über Reviews. LG eure Anne
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