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Daily Madness

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Beyond Birthday L Light Yagami Matt Mello Misa Amane
04.01.2014
21.06.2014
48
97.456
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04.01.2014 2.096
 
~Samstag~


Völlig gerädert saß Mello am nächsten Morgen am Frühstückstisch. Er war mitten in der Nacht aus seinem Schlaf aufgeschreckt, völlig verschwitzt und mit wild klopfenden Herzen. Für einen Moment hatte er keine Ahnung gehabt wo er sich befand, hatte sogar geglaubt sich wieder im Krankenhaus zu befinden. Er hatte den Geruch der Desinfektionsmittel wahrgenommen und das gleichmäßige Piepen der Überwachungsgeräte gehört. Aber es war nur Einbildung gewesen, hervorgerufen durch seinen Traum und die schrecklichen Erinnerungen. Seit vielen Jahren hatte er nicht mehr diesen einen Traum gehabt, der ihn zuvor fast jede Nacht heimgesucht und gequält hatte. Was war plötzlich der Auslöser dafür?
„Du hattest einen Unfall, erinnerst du dich? Du bist auf die Straße gelaufen und wurdest von einem Auto angefahren. Die Verletzungen waren erheblich, deshalb hatten wir dich in ein künstliches Koma gelegt.“
Einige geprellte Rippen, ein gebrochener Arm, ein komplizierter Bruch im Bein, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Vielzahl an Prellungen und Schürfwunden, dazu ein schwerer psychischer Schock und ein starkes Taubheitsgefühl vom Becken abwärts. Er hatte viele Wochen, sogar noch Monate im Krankenhaus verbracht. Erst auf der Intensivstation, danach stationär, Reha und ambulante Kontrollen.
„Es besteht die Möglichkeit, dass die Lähmung nicht mehr vollständig verschwinden wird.“
Es war die schockierendste Nachricht, die er jemals erhalten hatte. Sie hatte dafür gesorgt, dass sich sein Vater endgültig von ihm abwandte, seine Mutter verließ und sich nie wieder blicken ließ. Seine Mutter gab ihm die Schuld dafür und übertrug schließlich sogar das Sorgerecht auf das Jugendamt. Das die Lähmung mit zunehmender Heilung und Stabilisierung seiner Psyche verging und er nach etlicher Zeit körperlich wieder vollständig hergestellt war, interessierte seine Eltern nicht im Geringsten. Sie wollten schlichtweg nichts mehr von ihm wissen.
Einziger Lichtblick in dieser düsteren Zeit war die junge Lehrerin Kyla Sato, die sich seit dem Tag des Unfalls um ihn kümmerte. Sie fühlte sich noch immer schuldig, obwohl sie ja im Grunde nichts hatte tun können, um diesen Unfall zu vermeiden. Dennoch kümmerte sie sich so liebevoll um ihn, wie er es sich von seiner Mutter immer gewünscht hatte. Sie half ihm beim Lernen, erfüllte ihm all seine Wünsche und gab ihm das Gefühl etwas wert zu sein. Wahrscheinlich war es ihr zu verdanken gewesen, dass er sich so gut regeneriert hatte und jetzt keinerlei körperlichen Einschränkungen mehr besaß. Auch seiner Seele hatte diese Zeit sehr gut getan, wenngleich er noch immer massiv unter Bindungsstörungen gelitten hatte und auch heute noch schwer eine emotionale Bindung aufbauen konnte. Ebenso vermutete er stark, dass seine Neigung zur Homosexualität aus diesem gestörten Verhältnis entstanden war. Er hatte immer die Anerkennung seiner Eltern und insbesondere seines Vaters haben wollen und suchte wohl genau diese jetzt bei anderen Männern. Er wollte geliebt und wertgeschätzt werden.
Vor zwei Jahren hatte er dann die Oberschule mit einem fast schon oberirdischen Notendurchschnitt beendet und sich damit für diese Elite-Universität hier qualifiziert. Inzwischen hatte er mit seiner Vergangenheit so weit abgeschlossen, dass er keine Angst mehr vor seinen Eltern hatte, sondern nur noch Wut empfand. Wenn diese beiden feigen und skrupellosen ,Eltern' wüssten, was aus ihrem ,dummen und unerzogenen' Kind geworden war, würden sie wohl sterben vor Neid. Er hatte nach diesem verheerenden Unfall etwas erreicht, was er sonst niemals erreicht hätte. Und trotzdem hatte er immer wieder Alpträume von dem Unfall und der Zeit danach. Er wachte dann schweißgebadet auf und war oft noch tagelang tief in Gedanken versunken und konnte nicht vernünftig schlafen. Es war jedes Mal eine schreckliche Zeit für ihn, die ihn viel Nachdenken ließ.
„Ich bin wirklich stolz auf dich, Mello. Und ich weiß, dass mal etwas großes aus dir werden wird. Gib nicht auf, egal, was passiert!“
Seit er auf dieser Schule war hatte er Kyla Sato nicht mehr gesehen. Sie schrieben sich ab und zu noch und er bekam zweimal im Jahr von ihr ein Paket zugeschickt – eines zu Weihnachten und eines zu seinem Geburtstag. Seitdem seine Mutter ihn abgeschoben hatte, behandelte sie ihn wie ihren eigenen Sohn. Damals hatte sie noch keine Kinder gehabt, inzwischen war sie Mutter einer vierjährigen Tochter. Die Kleine war wirklich süß und ehrlich gesagt hatte er sich immer eine kleine Schwester gewünscht. Er wollte seine Ziehmutter so gerne stolz machen und aus diesem Grund kämpfte er sich durch die Elite-Schule.
„Guten Morgen“, begrüßte ihn Aimi, die gerade in die Küche getreten war und sich eine Schüssel für ihre Cornflakes aus dem Schrank suchte. „Alles in Ordnung bei dir?“
Sie schien zu bemerken, dass es ihm nicht sonderlich gut ging. Kein Wunder, wahrscheinlich sah er einfach nur beschissen aus, schließlich hatte er kaum und nur schlecht geschlafen. Allerdings hatte er niemals jemanden seine Geschichte erzählt, es ging einfach niemanden etwas an. „Alles okay, hab nur nicht so gut geschlafen. Und bei dir?“ Er hatte gestern nach dem Kuss keine Möglichkeit mehr gehabt mit Matt zu sprechen und somit die ganze Sache aufzuklären. Auch mit Aimi hatte er danach nicht sprechen können. Obwohl er nichts für den Kuss konnte, selbst total überrascht gewesen war und auch das Mädchen nichts davon wissen dürfte, fühlte er sich wie ein Betrüger. Dürfte er eigentlich nicht, tat er aber trotzdem. Er musste die ganze Situation unbedingt aufklären, bevor es ihn zerfraß.
„Mit mir ist alles in Ordnung, mach dir keine Sorgen.“ Ihr Lächeln war so falsch, aber sie wollte einfach niemanden zur Last fallen. Aimi war schon immer so zuvorkommend und selbstlos gewesen. Schlussendlich verletzt sie sich damit nur selbst. Oder besser gesagt, sie ließ zu, dass andere sie ausnutzten und verletzten. Die Welt war eben schlecht und verdorben, da nahm niemand Rücksicht auf so liebe und zurückhaltende Menschen wie Aimi.
„Du musst nicht so stark tun. Matt ist wirklich ein Arsch“, meinte er und es war ihm wirklich ernst mit dieser Aussage. So wie sich der Rothaarige gestern verhalten hatte, konnte man ihn als nichts anderes bezeichnen.
„Was ist mit deinem Arsch?“ Plötzlich stand Misa im Türrahmen und grinste ihn kess an. „Ach übrigens, du siehst absolute beschissen aus. Meintest du das damit?“ Sie sagte das so scheinheilig, als könne sie kein Wässerchen trüben.
Genervt verdrehte Mello die Augen und versank regelrecht in seiner Müslischüssel. Eigentlich würde er seine blonde Mitbewohnerin jetzt anbluffen und dann würde ein hübscher Streit zwischen ihnen entbrennen, aber momentan hatte er wirklich keine Lust darauf, zu viel anderes ging ihm im Kopf herum. Schon wieder dieser Alptraum, seine Vergangenheit, die ihn mal wieder von neuem zum Nachdenken anregte und ihn an sich selbst zweifeln ließ.


Angestrengt starrte L auf den Bildschirm und lutschte gedankenversunken an seinem Löffel, mit dem er bis eben seine Schüssel Pudding gegessen hatte. Er hatte seit dem Gespräch mit Light viel nachgedacht und den Fall von vielen Seiten neu betrachtet, jedes noch so winzige Detail in Betracht gezogen und tatsächlich glaubte er inzwischen eine neue Spur zu haben. Und dann kam ganz überraschend eine neue Nachricht von Naomi Misora. Unangekündigte Nachrichten bedeuteten eigentlich immer einen neuen Mord und das war auch dieses Mal der Fall, allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu den letzten acht Opfern – Harrison Havering hatte überlebt!
Mit seinen gerade einmal 19 Jahren war der Student das jüngste Opfer des Serienkillers und ob es nun daran lag oder ob der Täter langsam wirklich nachlässig wurde, Harrison Havering wurde zwar mit tödlichen Verletzungen in eine Spezialklinik eingeliefert, schwebte stundenlang in Lebensgefahr und lag jetzt im Koma, aber er lebte. Das FBI sah diese Tatsache als Erfolg an und war sich sicher den Täter damit fassen zu können, aber ehrlich gesagt hatte er seine Zweifel daran. Ein Mensch, der seinen Opfer mit einer solch skrupellosen Gewalt begegnete, sie auf eine solch abartige Art und Weise folterte und ihr Tod extra hinauszögerte, ein solcher Täter ließ nicht zu das sein Opfer einfach so überlebte. Dieser neunte Fall passte einfach nicht in das Schema des Serienkillers.
Er hatte seinem Opfer zwar auch erhebliche Verletzungen zugefügt – ein tiefer Schnitt knapp an der Halsschlagader und der Luftröhre vorbei, zahllose Schnitt- und Stichverletzungen am ganzen Körper und völlig zerstochene Augen. Zudem hatte sie der anonyme Anrufer dieses Mal direkt zu der Wohnung des Studenten gerufen und dort hatten die Einsatzkräfte den verwundeten Mann vorgefunden. Das Blut, mit dem das ,B' an die Wand geschrieben worden war, war sogar noch frisch und feucht gewesen. Der Mörder hatte gewollt, dass sie ihn fanden und retteten. Genau dieses Szenario hatte er geplant und das erschien ihm merkwürdig. Selten veränderte ein Serienmörder sein Verhaltensmuster, wenn er mit diesem Erfolg hatte. Sie fühlten sich so sicher und bestätigt, sahen es als roten Faden in ihrem Leben und würden niemals, ja wirklich niemals auf die Idee kommen ein Opfer mit Absicht am Leben zu lassen, sodass dieses ihn bei der Polizei verpfeifen könnte. Es war nahezu das dümmste, was ein Serienmörder tun konnte und doch schien es dieser mit voller Absicht darauf anzulegen. Der Täter war absolut selbstsicher, überheblich und glaubte, er wäre der Beste. Er wollte das letzte aus ihnen herausholen und sie dabei vorführen und zum Narren halten. Absolut widersprüchliches und irrsinniges Verhalten.
Plötzlich wurde seine Tür aufgerissen und ließ ihn zusammenzucken, als die Tür mit einem lauten Knall gegen die Wand schlug. Nur einer kam auf die Idee sein Zimmer auf eine solche Art und Weise zu betreten. Genervt seufzte er auf und klappte seinen Laptop zu. „Was willst du, Beyond?“, fragte er und legte den Löffel in die leere Puddingschüssel.
„Ach, da wüsste ich so einiges. Dich zum Beispiel“, überlegte der Schwarzhaarige laut und schloss die Tür hinter sich. Langsam schlenderte er durch den abgedunkelten Raum und blieb hinter L stehen, legte seine Arme von hinten um ihn, fast so als würde er ihn umarmen wollen.
„Beyond, ich muss arbeiten. Kannst du dich nicht anders beschäftigen als mich zu stören?“, erwiderte L erstaunlich ruhig, obwohl ihm die Situation alles andere als behagte. Beyond war mal wieder viel zu aufdringlich, auch wenn er wusste, was der Schwarzhaarige eigentlich wollte. War ja auch schwer das nicht mitzubekommen. Allerdings mochte er Beyond nicht mal ansatzweise, würde es auch nie tun. Es gab wichtigeres in seinem Leben und auch wichtigere Personen und Beyond gehörte definitiv nicht zu ihnen. Schon alleine die Tatsache, dass Beyond erst Matts Freundin und jetzt auch noch Mello für sich beanspruchte, ließ ihn solcherlei Gedanken von Anfang an verbannen. Zudem war ihm der Schwarzhaarige noch immer ein wenig suspekt und unklar in seinem Verhalten. Aus ihm wurde man einfach nicht schlau und er war in seinen Handlungen unberechenbar. Fast schon so wie sein Serienmörder.
„Ich frag mich ja was du immer so wichtiges zu tun hast? Für die Schule wird es wohl nichts sein, schließlich hast du die die letzten beiden Tage geschwänzt, genauso wie der gute, alte Matt. Eure Probleme möchte ich mal haben, so kurz vor den Prüfungen.“ Sachte legte Beyond ihm seinen Kopf auf die Schulter. Deutlich konnte er spüren wie der Atem des anderen an seinem Ohr kitzelte.
„Wenn du Langeweile hast, mach dich in der Küche nützlich.“ Mit diesen Worten beugte sich L nach vorne und befreite sich damit, um seinem Mitbewohner nur wenig später die leere Puddingschüssel in die Hand zu drücken. Er konnte ein Aufflackern in den rotglühenden Augen erkennen, bevor Beyond tatsächlich die Schüssel ergriff und langsam zur Tür schritt.
„Heute bittest du mich noch darum den Abwasch zu machen, aber schon bald wirst du mich auf Knien um etwas anderes anflehen. Glaube meinen Worten, L. Nicht mehr lange und du wirst mir alleine gehören.“
Es waren nicht die Worte, es war viel mehr die Tonlage, die ihm eine Gänsehaut bescherte. Drohend und verlockend, düster und versprechend zugleich. Es wunderte ihn wirklich nicht, dass Beyond schon so viele Beziehungen gehabt hatte oder noch immer hatte. Entweder fürchtete man ihn oder man war ihm vollkommen hörig. Ignorieren konnte man ihn nicht und dessen war Beyond sich vollkommen bewusst. Und er setzte dies auch schamlos ein.
Seufzend rieb er sich die Schläfe. Jetzt hatte er auch noch Kopfschmerzen. Vielleicht sollte er mal wieder etwas schlafen? Das war in den letzten beiden Tagen reichlich kurz gekommen, die im Grunde nur aus seinem Fall und Süßigkeiten bestanden hatten. Aber eigentlich konnte er sich genau das jetzt nicht erlauben, wo er doch womöglich den Schlüssel zum Lösen des Falles direkt vor der Nase hatte. Erst einmal musste er seine neue Theorie auf ihre Wahrscheinlichkeit überprüfen, auch unter Betrachtung des neunten Opfers.


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Hallo meine Lieben :)

Vielen Dank an Dark-JD und -Lumi- für ihre Reviews, ihr seid die Besten *knuddel*

Dann wünsche ich euch noch ein ganz tolles Restwochenende und bis Dienstag :DD
Genießt das schöne Wetter, solange es noch anhält!

Eure Blue
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