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About my crazy life

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
04.01.2014
10.11.2015
33
151.195
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04.01.2014 7.785
 
Neue Schule, neue Klasse

Schließlich war mein Sonntag die reinste Katastrophe gewesen. Wenn ich nur an den ganzen Stress zurück dachte, den meine Eltern produziert hatten, verließ mich sämtliche Kraft. Kathi vergiss das nicht und hast du das schon und was ist mit dem und hast du da schon angerufen, und, und, und.

Mein Montag hatte dann zu allem Überfluss ebenso angefangen wie mein Sonntag geendet hatte. Stressig. Schon am Morgen hätte ich mich am Liebsten wieder in mein Kissen zurück gekuschelt.
Woher nahm sich die Schule eigentlich das Recht einen schon vor Sonnenaufgang aus dem Bett zu holen? Nur weil ihnen um neun nicht zeitig genug war? Nein, halb acht war genau die Zeit! Und keine Sekunde später. So musste ich schon 5:30 Uhr aufstehen, was einem leidenschaftlichen Langschläfer, wie mir, nur massig Kopfschmerzen bereitete. Warum gab es keine Schule in meiner Straße? Da würde es dann locker reichen, wenn ich eine halbe Stunde vor Schulbeginn aufstand und über die Straße marschierte, um noch pünktlich zu kommen. Aber nein, ich stand schon sechs Uhr an meiner Haltestelle. Eine Lücke hatte ich also bereits in meinem System gefunden. Eine halbe Stunde reichte früh bei weitem nicht aus, um mich fertig zu machen. Zumindest nicht, wenn ich in Ruhe Frühstücken wollte.
Das Resultat meiner überstürzten Abreise war, dass ich total verschlafen, mit einer roten Steckdosenfrisur, auf einem Platz im Bus saß und vor mich hin schlummerte. Mein Magen knurrte währenddessen unnachgiebig. Ich müsste mir wohl oder übel noch etwas kaufen, oder ich würde den heutigen Tag nicht überleben.

Eine Viertelstunde später stand ich vor dem Bahnhof und genoss ein Baguette. Zum Glück für mich hatte der Bahnhofskiosk schon geöffnet. Nun musste ich nur noch auf meinen nächsten Bus warten.
Alles schien friedlich.
Doch wie so oft in meinem Leben trog der Schein. Denn wie aus dem Nichts tauchte ein Geschäftsmann auf, der es für nötig hielt mich erst anzurempeln und mich dann einfach stehen zu lassen. Fast hätte ich dabei mein Brötchen fallen lassen. Hätte es die Schwerkraft wirklich in seine Finger bekommen, dann hätte sich der Mann auf etwas gefasst machen können. Doch so blieb es bei einem bösen Blinzeln und einigen Flüchen. Den eigentlichen Grund meiner Gnade schob ich allerdings darauf, dass die Müdigkeit nach wie vor an mir kaute. Es war schließlich nicht so, dass ich ihm im Weg gestanden hätte. Immerhin waren außer mir nur wenige Leute an den Haltestellen. Ich seufzte mir die Wut aus dem Körper und konzentrierte mich wieder voll und ganz auf mein Essen.

Einige Zeit und eine weitere Busfahrt später stand ich vor einem riesigen, alt wirkenden Gebäude. Aber es schien mir nicht alles alt zu sein. Nein, das Gebäude hatte einen neueren Anbau. Also, wenn dies alles zu meiner neuen Schule gehören sollte würde ich mich sicher öfters verlaufen. Warum war ich Idiot auch nicht zum Tag der offenen Tür gegangen? Aber nein „Miss Ich-schaffe-das-schon“ musste zu dieser Zeit ja lieber mit ihren Freunden rumhängen. Diese hatten zu der Zeit offenbar noch etwas für mich übrig. Hätte ich gewusst, dass sie mich nun ignorieren würden, dann hätte ich den Tag der offenen Tür vorziehen sollen.
Ich seufzte. Manchmal konnte ich mich wirklich selbst ohrfeigen.
Ich nahm all meinen Mut zusammen und betrat das Gebäude durch eine große Tür.
Die Eingangshalle war nicht sonderlich groß aber dennoch schön gestaltet. Augenscheinlich hatten Schüler dieser Schule die Wände mit Graffiti kunstvoll bemalt. Es wirkte fröhlich und sollte wohl nicht gleich von Anfang an den Eindruck erwecken, dass man sich hier in einer Schule befand. Oder man wollte nur nicht, dass die Neuen auf dem Absatz kehrt machten. Ohne die Farbe hätte das Gebäude von innen wohl auch wie ein Gefängnis ausgesehen. (Was es im Grunde auch war.)
Ich sah mich kurz um. Vor mir ging eine große Steintreppe in den zweiten Stock. Nach rechts führte ein heller Gang.
Ich spähte um die Ecke, um mir den Flur genauer anzusehen, doch bis auf ein paar Türen und eine weitere Ecke war dort nichts Besonderes. Nicht, dass eine Ecke sonderlich aufregend gewesen wäre.
Ich richtete mich wieder auf und schon wusste ich mich vor ein neues Problem gestellt. In dem Schreiben, das ich von der Schule bekommen hatte, stand nie etwas von einem Zimmer. Woher sollte ich jetzt wissen, wo ich hin musste? Ich beschloss also nach einem Schwarzen Brett oder etwas Ähnlichem zu suchen. In meiner alten Schule hing dieses neben dem Eingang, damit es auch für Neulinge leicht zu finden war.
Aufmerksam wandte ich meinen Kopf umher und drehte mich im Kreis, entdecke aber rein gar nichts. Was für eine beknackte Organisation.
Ich stemmte die Hände in die Hüften und lief dann einfach den Gang entlang und um die Ecke, die ich zuvor schon bemerkt hatte.
Ziellos und vor allem ohne Orientierungssinn lief ich den Gang entlang und besah mir die verschiedenen Zimmerbeschriftungen. Viel gab es nicht zu lesen. Lediglich Nummer, mit denen ich sowieso nichts anfangen konnte. Schade eigentlich.
Als ich es schon aufgeben wollte, wurde ich schließlich doch fündig. Neben einer Tür mit einem Schild auf dem Sekretariat stand hing ein großer Kasten. In diesem befanden sich einige Zettel, sowie der Stundenplan einer höheren Klassenstufe.  
Unschlüssig nach was ich eigentlich suchen sollte, überflog ich einige der Aushänge.

An alle Neueinsteiger des Beruflichen Gymnasiums!
Der erste Schultag beginnt für Sie am 26.07. um 8:00 Uhr in der Aula.


Ich sah mich um. Acht Uhr? Ich war mir so sicher gewesen, dass es halb acht los gehen sollte. Aber auch egal!
In der Aula also. Ich schnaufte genervt. Und die war bitte wo? Ich sah mich noch einmal um. Wenn keine große Wegbeschreibung vorhanden war, konnte sie nicht so weit weg sein. Hoffte ich zumindest.
Während ich mich in Bewegung setzte, hatte ich das Gefühl die Lehrer hier wollten, dass man sein Hirn anstrengte, bevor die Schule eigentlich begann. Gemeinheit!
Wieder las ich mir die Nummern an den Türen durch. Ich hatte mich dazu entschiedenen, den Weg zurück zur Eingangshalle zu nehmen. Bei meinem Glück würde ich mich sonst ganz verlaufen. Wenn ich dort nicht fündig wurde, konnte ich immer noch einen anderen Weg einschlagen. Aber nun weiter zu laufen, würde in einem Chaos enden.

Stolz stand ich keine fünf Minuten später aber tatsächlich vor einer großen Eichenholztür. Auf einem kleinen Schild an der Wand stand in sauberen Druckbuchstaben das Wort „Aula“. Ich klopfte mir selbst auf die Schulter. Manchmal war ich schon richtig genial!
Dann atmete ich einmal tief ein. Mein Herz hatte immer mehr angefangen zu schlagen. Und jetzt, wo ich direkt vor der großen Tür stand, füllte es sich so an, als wäre es auf der Flucht. Auf der Flucht vor Schule und einer ungewissen Zukunft! Ich war mir sicher, dass es nicht unbedingt gesund war, wenn ein Herz so schnell schlug.
Beruhigend atmete ich immer wieder tief ein und aus. Versuchte damit mein rasendes Herz zu beruhigen, was mir allerdings nur sehr sperrlich gelang.
Nur noch wenige Augenblicke trennten mich von einem weiteren dreijährigen Dasein als Schülerin.
Ich legte meine Hand auf die Klinke und drückte sie kurz entschlossen nach unten. Nicht das ich noch auf den Gedanken kam, jetzt schnell das Weite zu suchen. Was sicher keine meiner besten Ideen gewesen wäre.
Mit einem lauten Quietschen sprang die schwere Tür auf und gab den Blick in einen großen Raum frei. Ich trat hinein und ließ die Tür hinter mir ins Schloss fallen. Ich zuckte bei dem Geräusch leicht zusammen.
>Jetzt reiß dich mal zusammen< , mahnte ich mich selbst.
Gespannt sah ich mich um. Es standen eine menge Stühle im Zimmer. Alle in Reihen aufgestellt. Vor den Stühlen auf einer kleinen Erhöhung war ein Pult platziert. Dahinter waren wieder einige Stühle zu finden. Vermutlich waren diese für die Lehrer.
Mein Blick wanderte weiter und überprüfte die Anwesenden. Es waren noch nicht viele da, so war alles noch einigermaßen übersichtlich und ich musste mich nicht großartig verbiegen.
Wer mir sofort ins Auge oder besser gesagt in die Ohren sprang, war ein Kerl mit blonden Haaren und einer Brille auf der Nase. Über seiner Schuluniform trug er eine schon älter wirkende Fliegerjacke. Bei der Hitze?! Seine Uniform sah etwas zerknittert aus. Warum er mir aber zuerst in die Augen fiel? Ganz einfach. Der Kerl brüllte herum und spielte sich jetzt schon als der Größte auf und gab vor den Anderen an. Lautstark. Sogar ein Tauber in Australien hätte ihn hören können.
Ich schüttelte darüber nur mit dem Kopf und hoffte innig, dass ich nicht mit ihm in eine Klasse gesteckt werden würde.
Mein Blick schweifte weiter, blieb aber bei einem Jungen mit markanten Augenbrauen schon wieder liegen. Sein genervter Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass er von der Lautstärke des Kerls in Fliegerjacke genauso wenig hielt wie ich. Im Allgemeinen sahen all nicht sehr begeistert aus. Ich konnte aber nicht genau sagen, ob es nun an dem lauten Jungen lag, an der Tatsache, dass es noch viel zu früh am Morgen war oder einfach daran, dass draußen etwa 30°C waren und wir alle hier drin sitzen mussten.
In der ersten Reihe saß ein Junge, der ebenfalls blonde Haare hatte. Nur waren seine streng nach hinten gekämmt. Unberührt saß er mit verschränkten Armen da, machte keine Anstalt sich zu bewegen. Wie festgewachsen.
Erst jetzt bemerkte ich, dass auch ich von einigen Anwesenden gemustert wurde.
Peinlich berührt entschloss ich mich erst einmal einen Platz zu suchen, um dann meine Begutachtungen unbeobachtet weiter führen zu können.
Ich entschied mich für einen Platz etwas weiter hinten im Raum. Von dort aus konnte ich alle beobachten, ohne selbst beobachtet zu werden. Allerdings nicht zu weit hinten. Ich wollte schließlich von der Ansprache der Lehrer und des Schulleiters auch etwas mitbekommen, ohne mir die Ohren ausreißen zu müssen. Okay der eigentliche Grund war, dass ich nicht so wirken wollte, als wöllte ich mit den anderen nichts zu tun haben. Ich hatte mich schon immer schwer getan, Freunde zu finden und wenn ich mich nun abkapseln würde, wäre das sicher nicht förderlich.
Nachdem ich mich endlich hingesetzt hatte und meine Tasche sicher zwischen meinen Füßen auf dem Boden wusste, sah ich wieder zu den Anderen. Diese hatten inzwischen ihre Blicke abgewandt, wodurch ich sie wieder voll und ganz begaffen konnte. Ich hatte ja scheinbar sowieso nichts Besseres zu tun.
Unweit von mir saßen zwei Jungen. Beide hatten braune Haare mit einer lustig vom Kopf abstehenden Strähne. Da sie sich ziemlich ähnlich sahen, ging ich scharf davon aus, dass sie Brüder waren. Ich war ja so schlau.
Der eine redete fast pausenlos auf den anderen ein. Was er sagte konnte ich absolut nicht verstehen. Er sprach einfach viel zu schnell und zu durcheinander. Für einen kurzen Moment war ich mir nicht mal sicher ob er überhaut Deutsch sprach. Der zweite und etwas größere von beiden hatte sich genervt in seinen Stuhl gelehnt und hörte dem anderen desinteressiert zu. Was blieb ihm auch anderes übrig? Schreiend davonlaufen war nur schwer möglich.
Vor den beiden aß ein weiterer Kerl mit dunkelbraunen Haaren eine Tomate und schien sich von dem Gerede hinter sich nicht wirklich gestört zu fühlen. Ganz im Gegensatz zu dem Blonden daneben. Dieser drehte sich ständig zu dem Quasselnden um und drohte ihm mit bösen, fast schon tödlichen Blicken. Seine grünen Augen schimmerten mordlustig auf. Ein Schauer lief mir über den Rücken, obwohl die Blicke nicht einmal für mich bestimmt waren. Schnell wandte ich meine Augen ab und ließ sie weiter durch den Raum schweifen.
Bei einem Kerl in meiner Reihe blieben sie aber direkt wieder hängen. Ebenso wie ich, sah er sich grinsend das Geschehen im Raum an. Doch mich überraschte etwas Anderes. Und zwar, das er mir bisher nicht aufgefallen war. Es wunderte mich wirklich, war ich doch sonst nicht so unaufmerksam.
Ich zuckte die Schultern. Das konnte schließlich jedem passieren. Niemand war fehlerfrei. Am allerwenigsten ich.
Schnell überflog ich das Äußere des Jungen. Mal abgesehen davon, dass er sich beim Queren einer Tür wohl bücken musste (er war wirklich riesig) sah er ganz normal aus. Helle blonde Haare und violette Augen. Okay, normal war das sicher nicht, aber für ihr Aussehen konnten nur die wenigsten etwas. Und ich war von der Farbe auf jeden Fall fasziniert. Das war ich im Übrigen auch von der Tatsache, dass er mitten im Sommer einen Schal um seinen Hals trug. Was hatte der nur für ein Wärmeempfinden? Schon allein bei dem Anblick wurde mir warm und ich schwitzte noch mehr, als ich es eh schon tat. Schon bei dem Fliegerjacken-Kerl hatte ich mich gewundert, aber dieser war wohl allgemein etwas „speziell“.
Um den Jungen herum jedenfalls saß niemand. Mit Ausnahme von mir. Ich war wohl die Erste gewesen, die sich hier her getraut hatte. Bei genauerem Betrachten wirkte der Junge aber auch angsteinflößend. Und das, obwohl er grinste. Gruseliger Typ.
Wieder wandte ich schnell meinen Blick ab und besah mir weiter die Anwesenden. Außer den schon genannten befand sich nur noch ein schüchtern wirkender, aber dennoch aufmerksam um sich blickender Schwarzhaariger im Raum. Er wirkte etwas asiatisch angehaucht. Vielleicht Japaner ?
Hinter mir schnarchte ein Braunhaariger friedlich vor sich hin. Naja besser jetzt als nachher in der Ansprache.
Schräg hinter ihm saß ein Kerl mit ebenfalls braunem Haar und einer Brille, neben ihm ein Mädchen mit langen dunkelblonden Haaren. Das erste Mädchen, das ich sah, wie mir gerade schmerzlich bewusst wurde. Ich hoffte inständig, dass hier noch ein paar auftauchen würden. Nur mit Jungs in einer Klasse? Ich ließ meinen Kopf hängen. >Oh Gott stehe mir bei.<  
„Oh ma chérie, tu es belle“ klang eine fast schon singende Stimme an mein Ohr. Erschrocken sah ich auf und musterte den Kerl vor mir. Er war groß gewachsen, hatte schulterlange blonde Haare, blaue Augen und einen stoppligen Dreitagebart. (wie alt war der bitte?) Und klatschte der mir wirklich eine Fremdsprache um die Ohren? So viel ich wusste, handelte es sich dabei um Französisch.
Ein unangenehm stark riechendes Parfüm stieg mir zudem in die Nase. Kurz zwang es mich dazu die Luft anzuhalten.
„Je m’appelle Francis. Et toi?“, sang er weiter. Hatte er mir gerade seinen Namen verraten?
Ich musste den Jungen wie ein Trottel angestarrt haben, denn sein Lächeln wandelte sich langsam in einen bedrückten Gesichtsausdruck.
„Ma chérie, vous êtes bien?“, fragte er besorgt. Er nahm meine Hand in seine und beugte sich leicht zu mir herab.
„Habe ich dir etwa die Sprache verschlagen, ma chérie?“, legte er dann auf Deutsch hinterher. Sein selbstverliebtes Grinsen weckte in mir den Wunsch mit sämtlichen Beleidigungen um mich zu werfen, die mir nur einfielen. Solche Typen wie ihn kannte ich zur Genüge. Baggerten alles an, was nicht bei drei auf dem Baum war.
Doch noch ehe ich mein Vorhaben in die Tat umsetzten konnte, verschwand der Franzose in einem Affenzahn.
Ich drehte mich leicht um und sah das er sich, wie erwartet, an die Blondhaarige ranmachte. Diese lächelte erst zuckersüß und ließ das französische Geschleime über sich ergehen. Doch auch ihr merkte ich sofort an, dass sie genauso begeistert von dem Blonden war wie ich. Ehe ich mich versah, hatte sie ihm eine Bratpfanne ins Gesicht geklatscht und ihm einige nicht ganz nette Wörter an den Kopf geknallt. Ich war mir sicher, dass diese mehr weh taten, als der Schlag ins Gesicht. Aber einen Moment mal!? Sie hatte ihn mit einer Bratpfanne geschlagen?! Welcher Irre hatte sie mit einer Bratpfanne in die Schule gelassen? Nun gut, wir wurden an den Türen nicht kontrolliert, schließlich befanden wir uns nicht in Amerika, aber dennoch. Welcher Irre kam denn überhaupt auf die Idee eine mit zu bringen?!
Kurz herrschte absolute Stille im Raum, alle sahen zu dem Mädchen. Sogar Fliegerjacke hielt für einen kurzen Moment seinen Mund. Doch schon wenige Sekunden später war das Geschehen uninteressant geworden und er fiel wieder in seinen Redeschwall – dem nach wie vor keiner zuzuhören schien.
Der liebestolle Ungeliebte setzte sich derweil mit samt seiner blutenden Stirn in eine Reihe hinter die Blonde.
Ich tat es den anderen gleich und widmete mich wieder der Vorderseite des Raumes.
Meine Augenbraue fing leicht an zu zucken. Hatte ich es mir doch gedacht. Die hatten alle eine Macke. Das könnten noch schöne Schuljahre werden. Umgeben von einem Haufen Kerlen und einem Mädchen, das mit ihrer Zunge Worte formen konnte von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Und mit einer Bratpfanne bewaffnet zur Schule kam.
Ich ließ meinen Kopf hängen. Ich war mir fast zu einhundert Prozent sicher, dass ich an dieser Schule Nerven aus Stahl bräuchte. Oder noch besser, welche aus Gummi, denn an denen konnte man herumziehen wie man wollte, ohne dass sie zerrissen.
Ich seufzte zum gefühlten hundertsten Mal an diesem Tag und versuchte wieder runter zu kommen. Ich wollte nicht gleich von Anfang an als gewalttätig abgestempelt werden. Obwohl ich dann wohl genau in das Bild der Schule passte. Denn scheinbar musste man einen Schaden haben, um an die Schule zu gehen. Ein vertrautes Quietschen ließ mich meinen Kopf wieder etwas anheben und zur Tür sehen. Diese war aufgegangen und, ach, welch ein Wunder, zwei Kerle standen im Rahmen.
Der Eine hatte seine langen, braunen Haare zu einem Zopf geflochten und diesen elegant über seine rechte Schulter nach vorn hängen. Auf den ersten Blick wirkte er fast wie ein Mädchen, nur die Tatsache, dass er die Schuluniform der Jungen trug ließ diesen Zweifel verpuffen.
Der Zweite hatte sich kurz im Raum umgesehen, gebrüllt „Der großartige Gilbert ist jetzt hier!“, und war dann auf den Blonden ganz vorn im Raum zugelaufen. Er hatte weiße Haare und eine fast schon schneeweiße Haut. Seine Uniform trug er eher schlampig, weswegen er augenscheinlich auch von dem Blonden gemaßregelt wurde.
>Na der hat ein Selbstvertrauen< schoss es durch meinen Kopf.
Noch bevor sich der Albino jedoch beschweren konnte ging die Tür ein weiteres Mal auf, doch diesmal kamen einige ältere Leute in den Raum. Also entweder waren das die Lehrer oder weitere Schüler. Wundern, würde es mich bei dem verrückten Haufen nicht.
Wie dem auch sei, es war schon komisch, dass diese jetzt schon auftauchten. Schnell blickte ich auf die große Wanduhr im vorderen Teil des Raumes. 7:35 Uhr. Es waren also noch fünfundzwanzig Minuten Zeit. Schnell entspannte ich mich wieder. Zum Glück! So hatte ich immerhin noch eine kleine Chance auf ein paar mehr weibliche Klassenkameraden.

Doch schon wenige Minuten später wurde mein Wunsch förmlich in der Luft zerrissen. Zwar kamen noch einige zukünftige Schüler in den Raum, doch es war gerade mal ein Mädchen dabei gewesen. Was mir bei etwa fünfzig Leuten im Raum nicht sonderlich viel erschien. Dennoch hatte das Mädchen mich freundlich angelächelt und war dann, an mir vorbei, zu dem großen Blondhaarigen in meiner Reihe gegangen. Sie hatten einige russische Worte getauscht und sich dann zurückgelehnt.

Ein Räuspern holte mich schließlich in die Welt der Lebenden zurück. Einer der älteren Herren hatte sich hinter dem großen Pult aufgebaut und bat um Ruhe. Dabei fiel sein Blick vor allem auf den blondhaarigen Terrorzwerg, der immer noch lautstark rumbrüllte. Etwas widerwillig setzte er sich hin und hielt den Mund. Zumindest redete er leiser.
Mit einem Mal wurde es still im Raum und alle sahen nach vorn.
„Ich wünsche euch allen einen schönen guten Morgen“, begann der Mann mit seiner Ansprache. „Ich bin Herr Schmidt, der Schulleiter und im Namen aller Lehrer begrüße ich euch hiermit an unserem Beruflichen Gymnasium.“
Eher etwas weniger interessiert hörte ich mir schließlich den Rest der Rede an. So spannend war sie dann doch nicht, dass ich ihr unbedingt zuhören musste. Großteils wurde nur grob geschildert, wie die nächsten drei Jahre verlaufen würden und wie die Lehrer hießen, die vor uns aufgereiht waren.
Die Ansprache dauerte noch keine Viertelstunde, da holte der Mann auch schon einen Zettel aus seinem Ordner.
„So, und nun gebe ich die Klassenzusammenstellung bekannt. Die genannten Schüler begeben sich dann bitte in die Klassenräume, die Ihnen von Ihren Klassenlehrern gezeigt werden. Dort erhalten Sie dann weitere Informationen.“ Er sah sich noch einmal prüfend im Raum um. Ich ging davon aus, dass er sich vergewissern wollte, dass ihn auch alle verstanden hatten. Dann holte er wieder Luft und begann die Liste vorzulesen.
„Nun denn, folgende Schüler begleiten bitte Frau Naumann.“ Er zeigte nach links auf eine junge Frau. „Beilschmidt Ludwig und Beilschmidt Gilbert, Bonnefoy Francis, Braginski Ivan, Carriedo Antonio Fernández, Edelstein Roderich, Héderváry Elizabeta, Honda Kiku, Jones Alfred F., Karpusi Heracles, Kirkland Arthur…“.
Er machte eine kurze Pause und holte Luft. Ich merkte, wie er sich bei manchen der Namen fast die Zunge brach. Das waren aber auch alles Namen. Bis auf die ersten beiden klang wirklich keiner auch nur ansatzweise Deutsch. Außer vielleicht dieser Edelstein-Typ. Nicht das ich etwas gegen Ausländer hatte, nein, ganz im Gegenteil, aber es machte mich schon etwas konfus, dass scheinbar fast keine Deutschen in einer deutschen Schule zu sein schienen.
Gespannt wartete ich auf meinen Namen, der auch schon in der nächsten Millisekunde viel.
„… Müller Katherina, Vargas Feliciano und Vargas Lovino, Wang Yao, Williams Matthew und Zwingli Vash.“
Er beendete seine Aufzählung indem er tief durchatmete.
Ich griff nach meiner Tasche und wollte mich von meinem Stuhl bequemen, als ich allerdings sah, wer sich alles erhoben hatte und sich auf den Weg zur Tür machte, hätte ich meinen Kopf am liebsten gegen die nächstbeste Wand geschlagen. Alle diejenigen, mit denen ich ganz am Anfang im Raum saß, noch bevor die Lehrer kamen, liefen zur Tür. Mehr aus einem Reflex heraus, als wirklich gewollt, stand ich auf. Wie ferngesteuert lief ich dem Haufen nach.  
Das konnte und durfte doch nicht wahr sein! Das war ein viel zu großer Zufall, als das es wirklich wahr sein konnte, oder etwa nicht? Ich fragte mich, ob es ein Gesetz gab, in dem stand, dass man mich ärgern musste. Der Himmel zumindest schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, dieses zu befolgen.
Ich stolperte den Chaoten hinterher, dann die große Steintreppe in der Eingangshalle hinauf und schräg über den Gang, rein in eines der vielen hundert Zimmer.
„Nun, dann sucht euch mal einen Platz“, meinte die Lehrerin mit einer lieben Stimme und schon brach ein herrliches Durcheinander aus, da niemand vorn sitzen wollte. Zwischen einigen brach sogar ein Streit aus, wer in die letzte Reihe durfte. Diskussionen entstanden.
Ich schüttelte mit einem Kopf und beschloss mich aus dem Getümmel heraus zu halten.
Verloren stand ich also in der Tür und sah den Jungen dabei zu, wie sie sich sortierten.
Erst nach einigen Minuten hatte sich der Lautstärkepegel etwas reduziert. Alle hatten sich im hinteren Teil der Klasse, an den zwölf Tischen im Raum, verteilt.
Ich sah mich um. Zwar saßen nicht alle zu zweit an einem Tisch aber die Auswahl, die mir blieb war nicht gerade mein Geschmack. Denn ich hatte nicht unbedingt das Bedürfnis, mich entweder neben den großen Blonden, den eine unheimliche Aura umgab, oder neben den lauten Typen in Fliegerjacke zu setzten.
Ich stieß die Luft ausund setzte mich an einen freien Tisch in der zweiten Reihe. Der Tisch stand direkt neben einem Fenster und bot einen schönen Ausblick auf einen kleinen Park. Na das fing ja schon mal gut an. Ich hasste es allein zu sitzen, doch scheinbar hatte jeder, bis auf die beiden schon erwähnten, einen Banknachbar gefunden. Da ich mich etwas schwer damit tat neue Freundschaften zu schließen, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, mich direkt neben jemanden zu setzten, so kam man meiner Meinung nach viel leichter ins Gespräch. Aber es half alles nichts. Da musste ich jetzt durch! Lieber saß ich allein, als mich zu Tode zu fürchten oder ein Ohr abgekaut zu bekommen. Und ich hatte eine super Aussicht. Das war doch auch etwas.
Ich wandte mich meiner neuen Klassenlehrerin zu. Die dunkelhaarige, zierliche Person schrieb gerade ihren Namen mit Kreide an die Tafel. Auf mich machte sie noch einen relativ jungen Eindruck, wahrscheinlich arbeitete sie noch nicht sehr lang als Lehrerin. Was auch ihre leise Stimme erklären könnte.
Frau Naumann drehte sich nun wieder der Klasse zu und nahm einen Zettel aus einem grünen Buch.
„Ich würde gern noch einmal die Anwesenheit kontrollieren, damit ich weiß, dass auch jeder den Weg hierher gefunden hat und wir keinen verloren haben. Bitte gebt mir doch ein Zeichen, wenn ihr euren Namen hört. So kann ich auch gleich anfangen sie mir zu merken“, sagte sie.
Ja, groß war ihre Stimme wirklich nicht. Ich musste mir Mühe geben, sie überhaupt zu verstehen. Und da saß ich schon fast ganz vorn. Ich wusste ich würde es bereuen, aber in dem Moment war ich froh, mich nicht in den hinteren Teil der Klasse gesetzt zu haben.
Ich befahl ich meinen Gedanken mal für wenige Minuten die Klappe zu halten. Denn auch mich interessierte es, wer sich nun bei welchem Namen melden würde. Gespannt sah ich die junge Frau an.
„Also Beilschmidt Gilbert und Ludwig …“, sagte sie leise. Sofort meldete sich eine kräftige Stimme mit einem kurzen „Hier!“ zu Wort. Sie gehörte dem Blonden, der in der Aula in der ersten Reihe gesessen hatte und die ganze Zeit so streng aussah. Er saß in der Bank neben mir und, welch Wunder, blickte immer noch ernst nach vorn. Hatte der auch ein anderes Gesicht auf Lager?
„Ja, der großartige Gilbert ist natürlich auch hier!“, verschaffte sich der Albino in der hintersten Reihe Aufmerksamkeit.
>Der großartige Gilbert, also< , kroch es genervt durch meinen Kopf. Ich verdrehte die Augen und schüttelte leicht mit dem Kopf. Ziemlich arrogant. Auch Frau Naumann schien etwas überrascht, machte dann aber schnell einen Haken hinter die beiden Namen und fuhr fort.
„Als Nächstes: Bonnefoy Francis, Braginski Ivan und Carriedo Antonio Fernández.“
Ich merkte, wie sich die arme Frau bei den drei Namen die größte Mühe gab, sie korrekt auszusprechen.
Nacheinander meldeten sich der Franzose, der sich bei mir jetzt schon unbeliebt gemacht hatte, der große Kerl mit der düsteren Aura und der Kerl mit der Tomate zu Wort. Carriedo. Das klang Spanisch. Im wahrsten Sinne, des Wortes.
Frau Naumann vermerkte schnell die Anwesenheit und dann machte sie weiter.
„Edelstein Roderich, Héderváry Elizabeta und Honda Kiku?“,  
Ein dunkelhaariger Junge mit einer Brille gab als erstes eine Antwort. Das Mädchen neben ihm schickte ihr „Anwesend“ freundlich hinterher. Das einzige Mädchen außer mir und dann musste es auch noch gerade diejenige sein, die mit ihrer Bratpfanne um sich schlug. Bei dem Gedanken kamen mir beinahe die Tränen. Ein schüchternes „Ja“, kam schließlich auch aus der Bankreihe hinter mir. Ich drehte mich unauffällig um und sah den Japaner hinter mir sitzen. Okay, unauffällig konnte man sich schlecht umdrehen, wenn der Schwarzhaarige genau hinter einem saß.
„Gut, dann Alfred F. Jones, Karpusi Heracles und Kirkland Arthur“, holte mich die Lehrerin wieder zurück in die Wirklichkeit.
„The hero is here!“, brüllte der Kerl in Fliegerjacke lautstark durch das Zimmer. Erschrocken sah ich ihn mit großen Augen an. Auch einige der anderen blickten nur überfordert zu ihm. Damit hätte ich nach seinem Gefasel in der Aula zwar rechnen müssen, aber ich war dennoch überrascht.
„Das freut mich“, gab Frau Naumann etwas ironisch von sich. Schnell machte sie einen Haken an den Namen. Den Jungen schien es nicht zu stören, denn er grinste breit weiter. Noch weiter und sein Mund würde in der Mitte zerreißen.
„Karpusi Heracles?“, fragte die junge Lehrerin noch einmal, weil sich sonst keiner mehr meldete. Kurz herrschte Stille dann hörte ich ein leicht verschlafen klingendes „Hier“.
>Der Braunhaarige, der in der Aula hinter mir geschlafen hat, also<
Ich lächelte. Es hatte mich schon etwas gewundert, dass er mitbekommen hatte, dass sein Name aufgerufen wurde, so wie der zuvor noch geschlummert hatte. Zum Schluss gab noch der Kerl mit den buschigen Augenbrauen ein Zeichen für seine Anwesenheit.
Ich versuchte mir die Namen weitgehend zu merken. Leicht fiel mir das allerdings nicht, da ich schon Probleme damit hatte, manche überhaupt auszusprechen. Ich konzentrierte mich also hauptsächlich auf die Vornamen.
„Müller Katherina“
Schnell riss ich mich aus meinen Gedanken und gab ein überfordertes „Anwesend“ von mir. Was zu meinem Bedauern nicht so gefasst klang, wie es eigentlich sollte. Ich schob es aber darauf, dass ich nicht ganz bei der Sache war.
„Gut, dann Vargas Feliciano und Lovino”, ging es auch schon weiter. Die beiden Jungen mit den witzigen, abstehenden Haarsträhnen meldeten sich. Der Kleinere rutschte etwas hibbelig auf seinem Stuhl hin und her.
Wieder machte Frau Naumann ihre Haken.
„Okay, dann noch Wang Yao…“, der Junge mit dem langen Zopf meldete sich. Was mir jetzt erst auffiel, auch er war etwas asiatisch angehaucht.  
„Williams Matthew…“
Stille. Verwirrt blickte die Lehrerin auf und sah sich in der Klasse um. Alle anderen taten es ihr gleich und auch ich ließ meinen Blick schweifen. Zu meiner Überraschung bemerkte ich eine Bewegung in meiner Nähe. Erschrocken sah ich auf den Platz neben mir, auf dem sich verzweifelt jemand versuchte bemerkbar zu machen. Seit wann saß da jemand? Mit weit aufgerissenen Augen glotzte ich den Jungen an, wie er mit einem Arm in der Luft herum wedelte. Ihn sich beinahe ausriss.
„Matthew Williams?“, fragte dann meine Klassenlehrerin noch einmal etwas lauter.
„Ich bin doch hier!“, gab der Junge neben mir fast schon weinerlich zu verstehen. Doch außer mir schien ihn wohl immer noch keiner zu bemerken. Bei der leisen Stimme auch nicht verwunderlich. Ich hatte mich mittlerweile von dem ersten Schock erholt und beschloss dem Jungen einfach mal unter die Arme zu greifen.
„Frau Naumann? Matthew ist hier!“, meinte ich und deutete auf den blonden Brillenträger neben mir. Man war ich heute wieder nett! Das war sie, die gute Tat für heute. Und das sollte auch reichen. Ich war schließlich nicht die Wohlfahrt.
„Oh. Warum hast du den nichts gesagt Junge? Ich dachte schon wir müssten dich suchen gehen!“ Besorgt sah die Brünette den Blonden an, den nun auch alle anderen verwundert musterten. Obwohl es eher so aussah, als würden sie durch ihn hindurch blicken.
„Aber ich habe doch etwas gesagt“, murmelte er kaum hörbar. Ich musste zugeben er tat mir schon etwas leid. Da saß ich schon neben ihm und bemerkte ihn trotzdem nicht. Ich an seiner Stelle würde mir auch verarscht vorkommen.
„Und nun der Letzte, Zwingli Vash?“, fragte die Lehrerin nun wieder an die Klasse gewandt, den Brillenträger ignorierend.
Der blonde Junge, der sich die ganze Zeit über die beiden Vargas Brüder beschwert hatte, gab nun ein krumpliges „Hier!“ von sich. Ich hörte aber gar nicht mehr richtig zu. Viel zu sehr war ich damit beschäftigt meine Gedanken zu ordnen. Ich durchwühlte das Archiv nach dem Zeitpunkt an dem sich der Blonde neben mich gesetzt hatte. Doch da war nichts. Rein gar nichts.  

Nach einigen Informationen über den Ablauf des Jahres klingelte es zur Pause. Seufzend sah ich noch einmal über den Blätterstapel auf meiner Seite des Tisches. Irgendwelche Anträge und Informationsblätter, die alle von einem Erziehungsberechtigten unterschrieben werden sollten. Zu meinem Leidwesen war ich noch keine achtzehn, weshalb ich zu keiner Sache meine Zustimmung geben konnte. Oder zumindest reichte diese nicht aus.
Mein Auge fing leicht an zu zucken. Aber nicht wegen den Papieren. Nein! Die Pause dauerte gerade erst wenige Sekunde und schon wurde im Klassenzimmer eine Lautstärke veranstaltet, als befänden sich hunderte von Menschen im Raum, auf einer Party, mit der Musikanlage auf Erdbebenalarm.
Nicht einmal seine eigenen Gedanken konnte man verstehen.
Schnell schob ich den Papierhaufen in meinen Hefter und drehte mich dann zu dem Krawall um. Der meiste Krach ging von diesem Alfred aus, aber auch die anderen ließen es sich nicht nehmen etwas zu dem Chaos beizutragen. Ich konnte nicht einmal sagen über was sie eigentlich sprachen. Bei dem Durcheinander auch nicht verwunderlich. Ich sah nur, dass Alfred scheinbar mal wieder angab. Sich der Franzose, Francis, mit Augenbraue, Arthur, stritt und der Albino immer wieder brüllte, wie toll er doch war. Er hatte ein so großes Ego, dass es für jeden hier im Raum reichen würde.
Der ältere der Vargas Brüder, Lovino, und der tomatenessende Antonio stritten sich ebenfalls. Wie konnte man sich erst seit knapp zwei Stunden kennen und sich dann schon so in den Haaren haben? Das galt auch für Francis und Arthur! Vermutlich kannten sie sich schon zuvor. Doch dann hätte ich an ihrer Stelle eine Schule unabhängig von dem jeweils anderen gewählt. Leider gab es im unmittelbaren Umkreis aber nur eine. Tja, dumm.
Ich seufzte und versuchte den Lärm so gut es ging auszublenden, dann drehte ich mich zu meinem Banknachbar um. Er beobachtete das Geschehen etwas schüchtern.
Ich stupste ihm ein paar Mal auf die Schulter. Etwas komisch füllte ich mich dabei schon. Als würde ich einen Geist berühren. Aber ich musste unbedingt etwas wissen.
Fast schon erschrocken drehte er sich zu mir um und sah mich überrascht an.
„Wa-Was …?“, setzte er an, doch seine leise Stimme ging in dem Gebrüll der anderen unter. Den restlichen Satz, der wohlgemerkt sowieso nicht lang war, konnte ich nur noch erraten. Keine Ahnung, was er gesagt hat.
Etwas lauter als eigentlich gewollt schrie ich den Jungen an. Eigentlich wollte ich nur das Getümmel so weit übertönen, dass der Blonde mich verstand.  
„Ich wollte wissen, wann du dich neben mich gesetzt hast?! Im Übrigen tut es mir Leid, dass ich dich erst nicht bemerkt habe!“  
Augenblicklich war es ruhig im Zimmer und alle sahen mich verwirrt an. Jeder hatte in seiner Bewegung inne gehalten. Ich spürte, wie mir die Schamesröte ins Gesicht stieg und meine Wangen rosa färbte. Ich war so laut gewesen, dass ich sogar Fliegerjacke übertönt hatte! Und das musste wirklich etwas bedeuten.
„Ma chérie, mit wem redest du denn?“, fragte der Franzose überrascht. Ich sah in perplex an. Gut, ich hatte den Jungen neben mir auch erst nicht bemerkt, was schon ziemlich komisch war, aber das schockierte mich jetzt schon etwas. Francis sah mich schließlich an. Und der Blonde saß direkt neben mir! Ihn nicht zu bemerken war eigentlich unmöglich. Oder sollte es zumindest.
„Mit Matthew“, gab ich von mir und zeigte auf den Brillenträger.
„Matthew? Wer soll das sein?“, fragte nun Alfred.
Nun gut im Laufe der ersten Stunde hatte ich schon bemerkt, dass der Junge die Aufmerksamkeitsspanne eines Hundewelpen hatte, aber dass es so schlimm war, hätte ich nicht erwartet.
„Matthew! Der Junge der hier neben mir sitzt!“, fuhr ich Fliegerjacke an.
„Ah und wie lang ist der schon hier?“, meldete sich Antonio nun auch zu Wort. Er kam näher und betrachtete den Blonden wie ein expressionistisches Gemälde in einem Museum. Matthew rückte etwas von Antonio weg. Konnte ich gut verstehen.
Innerlich schlug ich mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. Bei denen lag wohl allgemein ein großes Aufmerksamkeitsdefizit vor! Ich sah zu dem Blonden neben mir. Ich befürchtete schon, dass er jeden Moment anfangen würde zu weinen. Das musste aber auch deprimierend für ihn sein, so unbeachtet links liegen gelassen zu werden. Also ich für meinen Teil würde mich schon weinend in irgendeiner Ecke schaukeln.
„Er ist schon die ganze Stunde da. Könnt ihr euch denn nicht mehr daran erinnern, dass Frau Naumann nach ihm gefragt hat? Ihr habt doch auch noch alle so überrascht geguckt, als ich dann meinte, dass er neben mir sitzt!“, wandte ich mich wieder an die Klasse. Ich versuchte dabei so sachlich, wie möglich zu klingen. Zudem redete ich extra langsam damit es auch jeder verstand. Ich war selbst etwas verwundert, dass es mir überhaupt so leicht viel mit einem Haufen Fremden zu reden. Normalerweise stellte ich mich dabei immer an wie ein Vollidiot.
Nachdenklich sahen sie abwechselnd zu mir und dann zu Matthew.
„Yes, da hast du recht!”, stimmt mir dann der der Blonde mit den komischen Augenbrauen zu. Oh man, das war wirklich ein fieser britischer Akzent! Dennoch hatten ihn alle verstanden und stimmten ihm zu.
„Veeeeee~, es tut mir leid, dass ich dich nicht bemerkt habe!“, lachte der kleinere der Vargas  Brüder. Oh mein Gott war der Kleine süß! Man konnte ihm nicht böse sein. Wie bei einem jungen Hund, der einen mit großen Augen ansah, nachdem man mit ihm geschimpft hatte, weil er das Sofa total zerkratzt hatte. Okay, der Vergleich hinkte gewaltig! Aber egal!
Der dunkelhaarige Asiat mit dem langen Zopf kam auf den Blonden zu und reichte ihm die Hand.
„Yíhàn! Ja, mir tut es auch leid!“, sagte er dann und gab dem Brillenträger einige Süßigkeiten, die er aus seiner Hosentasche hervorzauberte. Dieser lehnte jedoch dankend ab. Als der Braunhaarige sie auch mir anbot, winkte ich ebenfalls ab. Wer wusste, wo die Süßigkeiten schon überall waren? Ich wollte lieber nichts riskieren. Lag ich erst in den Ferien mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett, weil meine Mutter meinte, ein neues Rezept ausprobieren zu müssen.
„Oh ma chérie, wie du dich für den Jungen einsetzt. Du bist so süß!“
Francis kam förmlich zu mir geschwebt und ehe ich mich versah, hatte er meine Hand in seine genommen. Dieser Typ konnte einem wirklich auf die Nerven gehen. Nur dumm, dass meine Nerven nicht strapazierfähig genug für ihn waren.
Er fing an meine Hand an sein Gesicht zu führen und legte seine Lippen auf die Oberseite. Sein Dreitagebart kratze unangenehm an der Haut.
Mein Auge fing ungesund an zu zucken. Wie oft hatte es das heute schon gemacht? Zwei oder drei Mal? Egal! Es war auf jeden Fall viel zu oft gewesen!
„Ich weis nicht, ob du einfach nur dumm oder Selbstmord gefährdet bist“, gab ich gereizt von mir. Vernichtend starrte ich den Blonden an. Dieser wich augenblicklich einen Schritt zurück. Sah ich wirklich so angsteinflößend aus? Ich zweifelte stark daran. Schließlich war ich ein ganzes Stück kleiner, als der Franzose. Also auf diesen sollte ich eher weniger bedrohlich wirken, selbst wenn ich wütend war. Aber gerade war mir das herzlich egal. Immerhin ließ mich der Junge wieder in Frieden.
Ich sah ihm zwar an, dass er gerade noch etwas sagen wollte, doch zu meiner Erleichterung klingelte es genau in diesem Moment. Und keine Hundertstelsekunde später, stand auch schon ein streng wirkender, griesgrämiger, weißbärtiger Mann im Türrahmen. Er war etwas dicklich und hatte einen Ausdruck in den Augen, der verriet, dass er Kinder nicht wirklich leiden konnte. Woher ich das wusste konnte ich nicht sagen, aber mein Gefühl hatte mich noch nie enttäuscht. Wieder so ein Typ, der seinen Beruf verfehlt hatte.
Mit dem würde ich sicher noch so meine Probleme bekommen.

Gelangweilt saß ich auf meinem Platz und lauschte desinteressiert dem Lehrer. Dieser philosophierte gerade über die vielen Themengebiete, die sein Fachgebiet bot. Was unterrichtete er eigentlich? Ich hatte überhaupt nicht mitbekommen, was ich jetzt eigentlich für ein Fach hatte.
Leise fing ich an in meinem Terminkalender zu suchen und holte ein Stück Papier heraus. Ich faltete es auf und betrachtete es. Es war der Stundenplan, den wir in der Stunde zuvor bekommen hatten. Ich überflog ihn schnell. Geschichte. Oh Gott! Wir hatten Montag gleich in den ersten beiden Stunden Geschichte? Ich konnte dieses Fach nicht leiden! Nicht weil es mich nicht interessierte. Nein, ganz im Gegenteil. Ich hatte einfach nur schlechte Erfahrungen, durch meine letzte Geschichtslehrerin gemacht. Und wie es mir schien, war mein neuer Lehrer auch nicht besser. Der Himmel hasste mich also wirklich!
Demonstrativ ließ ich meinen Kopf laut auf die Tischplatte knallen. Bereute es aber keine Sekunde später. Und hielt mir ruckartig die Hände an die schmerzende Stelle. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Es war ja nicht so, dass Holz unter Umständen etwas hart sein konnte.
„Frau Müller, kann man Ihnen eigentlich noch helfen?!“, unterbrach der Lehrer sein Gesülze und sah mich böse an. Seine strenge Stimme verriet mir, dass er von meiner Aktion eher weniger begeistert schien. Genauso wenig, wie mein Kopf.
>Nein, sicher kann mir niemand mehr helfen< , wollte ich eigentlich sagen, unterdrückte es aber. Ich schüttelte beschämt mit dem Kopf und entschuldigte mich schnell. Alfred bekam sich derweil nicht mehr ein vor Lachen. Vor meinem inneren Auge ging ich schon einige Mordideen durch, doch eigentlich konnte ich ihn auch verstehen. Sicher würde ich genauso lachen, wenn jemand anderem das passiert wäre.

Nachdem der strenge Lehrer, Fliegerjacke zum Schweigen gebracht hatte, wandte sich der Mann genervt dreinblickend wieder seiner Philosophie zu. Zum Schweigen gebracht beinhaltete dabei, dass er ihn nach einigem Hin und Her zum Direktor schickte. Sollte ich mich deshalb schuldig fühlen? Immerhin hatte ich meinen Kopf auf den Tisch geschlagen. Aber ich war sicher nicht Schuld, dass der Blondhaarige jetzt im Zimmer des Direktors sitzen durfte, weil er sich vor Lachen nicht mehr einkriegte und dann auch noch anfing Junkfood in sich rein zu stopfen. Am ersten Tag gleich zum Rektor zu müssen. Das musste ein neuer Rekord sein!
Plötzlich dröhnte mein Kopf gewaltig, da sich starke Kopfschmerzen entwickelt hatten. Ich war so ein Idiot. Ich sollte wirklich mal anfangen zu Denken bevor ich etwas machte. Immerhin waren die Ferien wieder vorbei. Da war Denken eine gute Option und Kopfschmerzen eher hinderlich.
„Ka-Katherina? Ge-Geht es dir gu-gut?“
Eine leise Stimme drang an mein Ohr. Ich wusste nicht, ob sie wirklich so leise war oder ob das Hämmern in meinem Kopf sie nur überdecken wollte.
Auch, wenn ich sie nur schwach vernahm, konnte ich dennoch eine leichte Sorge heraus hören. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und sah den jungen Brillenträger neben mir überrascht an.
Ich nickte sachte mit dem Kopf. Bei jeder Bewegung schmerzte es nur noch mehr. Doch ich wollte nicht, dass sich irgendwer wegen meiner eigenen Dummheit Sorgen machte. Ich versuchte zu lächeln und die Schmerzen auszublenden. Na klasse, dass würde sicher eine fette Beule werden!
„Es geht schon“, flüsterte ich.

Nach gefühlten zehn Stunden klingelte es endlich zum Schulschluss. Bei einem Blick auf die Uhr stellte ich allerdings fest, dass es gerade einmal halb Eins war. Damit hatte ich den ersten Tag mit Bravur überstanden. Innerlich klopfte ich mir selbst auf die Schulter. Meine Kopfschmerzen hatten zum Glück auch wieder etwas nachgelassen. Zwar zierte eine kleine Beule meine Stirn, aber damit musste ich nun Leben.
Gelassen schlenderte ich aus dem Schulgebäude, zu meiner Haltestelle. Zu dieser gelang man nur über eine stark befahrene Straße. Wodurch ich eine ganze Weile am Straßenrand stand und auf eine Gelegenheit wartete, über die Fahrbahn zu sprinten.
Während ich da so stand, spürte ich, wie jemand einfach an mir vorbei über die Straße huschte. Überrascht sah ich demjenigen hinterher. Es war der große Blonde, mit dem Schal um den Hals. Während ich noch überlegte, wie der Junge eigentlich hieß, hörte ich ein Huben. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass er einfach während des fließenden Verkehrs über die Straße gelaufen war. Ihn schien es nicht wirklich zu stören, dass die Fahrer wegen ihm Notbremsungen veranstalteten oder aufgebracht hinter ihrem Lenkrad tobten. In kürzester Zeit stand der gesamte Verkehr kurzzeitig still. Und ich stand nur völlig perplex am Straßenrand und konnte meinen Augen nicht trauen. Meinen Mund hatte ich so weit aufgerissen, dass ich beinahe den Dreck vom Boden lecken konnte. Der hatte wirklich Nerven!
„Ma chérie, willst du denn hier stehen bleiben?“
Ich fuhr zusammen. Erschrocken sah ich zur Seite. Francis sah mich verwundert an und lief dann auch einfach über die Straße. Gefolgt von dem Kerl in Fliegerjacke, sowie dem Tomatenfreund und dem größeren der Vargas Brüder. Beim Zweiten wunderte es mich sowieso, dass er für die restlichen Stunden wieder ins Zimmer geholt wurde. Der Direktor war aber scheinbar zu faul gewesen ihm den Kopf zu waschen. Denn die anderen Stunden hat er entweder die ganze Zeit über nur gelacht oder sich mit Essen vollgestopft. Und jetzt rannte er hier einfach über die Straße. Mal ehrlich, die hatten sie doch alle einen Vollschaden! Aus welcher Anstalt waren die nur entflohen? Das war nicht normal!
„Hiergeblieben!“, wieder sah ich zu meiner Rechten, als ich die ernste Stimme vernahm. Ein paar meiner neuen Klassenkameraden standen neben mir. Zumindest die Jungen.
Das Mädchen, Elizabeta, oder wie sie hieß, und den braunhaarigen Junge, der immer mit ihr zusammen war, konnte ich nicht ausmachen.
Aber ich schweife ab. Mal wieder!
Gerade sah ich noch, wie Ludwig den Weißhaarigen zurück auf den Fußweg zog. Im letzten Moment, denn vor uns rauschte auch schon ein Auto vorbei.
Ich stieß erleichtert die Luft aus. Wenigstens ein vernünftiger Mensch. Damit meinte ich natürlich den Blonden! Der Albino protestierte zwar erst herum, doch als ihm beinahe das blaue Fahrzeug über die Füße gefahren wäre, hielt er den Mund. Zumindest für einen kurzen Moment. Einen sehr kurzen.
„Mensch Ludwig, wegen dir wäre ich beinahe überfahren worden! Willst du mich umbringen?“, brüllte er seinen Bruder an. Diesen schien das nicht wirklich zu stören, denn er verzog nicht einen Muskel im Gesicht.
>Wegen ihm?< , schoss es mir durch den Kopf. Er hatte ihm ja wohl viel mehr das Leben gerettet!
Genervt schüttelte ich meinen Kopf. Ich bemerkte, dass gerade kein Auto mehr an mir vorbei fuhr. Schnell nutzte ich die plötzliche Stille auf der Straße und rannte auf die andere Seite. Auf dieser sah ich noch einmal zurück. Auch die anderen waren losgelaufen.
Mit raschen Schritten lief ich zu meiner Haltestelle. Ich kam mir vor als würde ich vor ihnen fliehen. Als dann auch noch mein Bus in die Straße einbog, lief ich noch einen Schritt schneller und rannte beinahe.
Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich musste mich nicht mehr zu den anderen stellen. Hoffentlich würden die nicht auch in meinen Bus einsteigen. Innerlich betete ich dafür.
Ich erreiche den Bus und stieg schnell ein. Am liebsten hätte ich den Fahrer angeschrien, er solle so schnell es ging die Türe schließen und losfahren, doch ich bemerkte, dass keiner Anstalten machte einzusteigen. So erleichtert war ich noch nie.
Ich lief durch den schmalen Gang und wischte mir den Schweiß von der Stirn.
Der Bus setzte sich in Bewegung.
Ich sah noch, wie mir der Franzose einen Luftkuss zuwarf und der kleinere der Vargas Brüder, Feliciano, freudig winkte. Auch einige der anderen sahen mich fröhlich an und winkten. Einige der älteren Frauen im Bus sahen mich verblüfft an. Ich sackte etwas in meinem Sitz zusammen. Ich konnte mir vorstellen, wie das auf diese wirken musste. Das war mir ja so peinlich.
Der Bus beschleunigte und entfernte sich von der Haltestelle. Erleichterung machte sich in meinem Körper breit. Zum ersten Mal an diesem Tag schien mich nicht jeder zu hassen.
„Alles Irre!“, flüsterte ich.

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Hey Zusammen,

hier noch eine kurze Anmerkung zu dem Kapitel.
Ich weis, ich weis, das Kapitel ist etwas langweilig, aber ich wollte eben erstmal alles ein wenig beschreiben, damit ihr euch das alles vielleicht auch vorstellen könnt, so wie ich es mir vorstelle.
*entschuldigend verbeug*
Ich verspreche, dass die zukünftigen Kapitel etwas "spannender" werden. Wenn das in der Schule eigentlich sein kann.

Wenn euch das Kapitel dennoch gefällt oder nicht gefällt könnt ihr gern einen Review dalassen. Lob und Kritik ist immer erwünscht ;)

*frisches Sushi zur Bestechung hinstell*

und nu...tschüssili
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