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Worth fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Andreas Kringge Martin Ferchert Michael "Mick" Brisgau Roland Meisner Tanja Haffner Uschi
04.01.2014
19.01.2014
7
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04.01.2014 846
 
„Verdammt!“, fluchte Tanja Haffner lautstark und warf ihr Handy frustriert neben sich auf den Beifahrersitz. Vor der Leiterin der Essener Mordkommission tat sich eine große Straßenkreuzung auf und ohne ein wirkliches Ziel vor Augen zu haben, riss Tanja scharf das Lenkrad herum und bog rechts ab, weg aus Rüttenscheid.
„Scheiße!“ Die Verzweiflung, die sie eisern umklammert hielt, wurde einzig von ihren Schuldgefühlen übertroffen, die sie zu erdrücken versuchten. Wie hatte sie sich nur so blind in eine Sache verrennen können? Wie hatte sie glauben können, Mick würde ihr und Martin nicht auf die Schliche kommen? Wie dumm sie doch gewesen war! Dumm und einfältig. Sie hatte den Mann, den sie noch immer und entgegen ihrer Vernunft liebte, nach Strich und Faden belogen, verraten und verkauft. Wie hatte sie nur denken können, Mick würde auf ihr kleines Schmierentheater hereinfallen?

Denn auch wenn Mick in vielerlei Hinsicht einfach gestrickt war, so war er mit Sicherheit nicht auf den Kopf gefallen. Genau genommen war der Hauptkommissar ein gewiefter und einfallsreicher Ermittler, auf den sie stolz sein konnte, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt war, wütend über seine renitente und unbelehrbare Art zu sein.

Doch sie hatte sich in ihrem Lügengeflecht immer mehr verstrickt, war schließlich sogar so weit gegangen, mit Martin Ferchert eine zweite Ermittlungsakte zu fälschen, um die Wahrheit über den Mann, der Mick vor über 20 Jahren ins Koma geschossen hatte, zu vertuschen. Und wie es nun einmal mit Lügengeflechten war – es hatte sich immer mehr um sie zusammen gezogen bis es sie nahezu erstickt hatte. Anstatt rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und Mick die Wahrheit zu sagen, hatten sie lediglich versucht, Mick aufzuhalten und seine Ermittlungen zu torpedieren. Den Moment, ihn einzuweihen, hatte sie verpasst und nun musste sie lernen, mit den Konsequenzen ihres Handelns zu leben.

Mick hatte seinen Dienst quittiert. Ohne große Worte. Doch sein verletzter und enttäuschter Blick hatte Bände gesprochen. Verstohlen griff Tanja in ihre Manteltasche und förderte ein ovales Stück Metall zu Tage. Micks Dienstmarke. Während ihre linke Hand das Lenkrad umklammert hielt, betasteten die Finger ihrer linken Hand das kühle Metall, strichen über die Einkerbungen und fuhren die Konturen der Marke ab.

„Sturer Mistkerl“, flüsterte sie heiser, doch es war nicht Mick, auf den sie wütend war. Seinen durchdringenden Blick, der so verletzlich, so unendlich traurig gewesen war, würde sie wohl nie wieder vergessen können. Er hatte sich fest in ihr Gedächtnis eingebrannt. In diesem Moment war nicht nur etwas in Mick gestorben, auch in ihr. Sie selbst hatte es zerstört.

Tanja hatte das Ortsschild von Essen bereits hinter sich gelassen. Vor ihr erstreckte sich eine kurvenreiche, von Bäumen umsäumte Landstraße. Die tief stehende Sonne senkte sich bereits über den Baumwipfeln herab um den Horizont in ein zartes Abendrot zu tauchen. Doch nicht einmal die Schönheit der Natur konnte die trübselige Stimmung vertreiben, die sich über der dunkelhaarige Frau ausgebreitet hatte. Tanja spürte bereits, wie sich Flüssigkeit in ihren Augenwinkeln zu sammeln begannen, bemühte sich jedoch verbissen, den Kampf gegen ihre Tränen zu gewinnen. Wenn sie jetzt heulend zusammen brach, dann wäre das nur ein weiteres Zeichen ihres Versagens. Ihre sonst so stahlharten Verteidigungsmauern drohten mit einem Mal in sich zusammen zu stürzen.

In ihrer Verzweiflung griff Tanja abermals nach ihrem Handy und wählte Micks Nummer, obwohl sie ahnte, dass er ihren Anruf wie die vielen Male zuvor nicht entgegen nehmen würde.
In der Tat sprang sofort der Anrufbeantworter an. Mick hatte sein Mobiltelefon scheinbar ausgeschaltet. Bevor Tanja einen klaren Gedanken fassen konnte, ertönte bereits der Piepston, also plapperte sie einfach drauflos.

„Mick, ich bin es. Hör zu, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, außer, dass es mir unendlich leid tut. Und ich.... Scheiße!“ Erschrocken verriss Tanja das Lenkrad. Eine langgezogene Rechtskurve lag vor ihr und in ihrer Unaufmerksamkeit wäre sie beinahe von der Straße abgekommen. Bei diesem Manöver war ihr allerdings das Handy herunter gefallen, das sie lose zwischen Ohr und Schulter geklemmt gehalten hatte. Noch immer leise fluchend, beugte sich Tanja herab und suchte im Fußraum nach dem Telefon.
„Mist, verfluchter. Mick, hörst du mich noch? Ich würde es so gerne wieder gut machen, aber ich weiß nicht wie.“ Ihre Finger griffen immer nur ins Leere, also riskierte sie einen langen Blick nach unten. Tatsächlich erspähte sie ihr Telefon und zog es wieder hervor.
„Kannst du mich bitte zurückrufen? Bitte?“
Erst, als Tanja wieder aufsah, bemerkte sie den massigen Baum, der viel zu schnell vor ihr auftauchte.
„Mick ich... Argghh, oh mein Goooooott...“  Schreiend trat sie mit voller Wucht auf die Bremse, doch in den wenigen Sekunden, die ihr bis zum Aufprall blieben, ließ sich das Fahrzeug nicht ausreichend herunter bremsen. Immer näher kam der Baum, nahm irgendwann ihr gesamtes Blickfeld ein.

Das kreischende Geräusch berstenden Metalls übertönte sämtliche Geräusche, als Tanjas Käfer gegen den Baum krachte. Die Wucht des Aufpralls zerriss den Kleinwagen nahezu und zerdrückte den Motorraum. Die Scherben der Seitenscheibe regneten auf die dunkelhaarige Frau herab, während sie hart gegen den aufgegangenen Airbag geschleudert wurde.
Eine alles verschlingende Schwärze breitete sich über Tanja aus und riss sie in die Bewusstlosigkeit.

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