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You kissed me goodbye

OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
03.01.2014
03.01.2014
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Disclaimer: Ich kenne keinen der vorkommenden Prominenten persönlich, habe keinerlei Rechte an ihnen oder an sonst irgendwas, das mit ihnen zusammenhängt, und selbstverständlich verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld. Was es hier zu lesen gibt, ist Fiktion und basiert demzufolge auch nicht auf irgendwelchen realen Ereignissen.

English Version: I do not own anyone, this is purely fictional. If you got here by googling yourself please I urge you go back now!

A/N: Ihr wisst ja, Reviews sind das Brot des Fanfictionautors – lasst mich bitte nicht hungern!
Und irgendwie hab ich mich während des Schreibens sehr an Only Teardrops erinnert gefühlt...






You kissed me goodbye


Draußen ist es still geworden. Endlich scheinen es auch die letzten Nachzügler geschafft zu haben, ihre Feuerwerksvorräte abzubrennen und eigentlich sollte ich jetzt auch einschlafen können. Eigentlich... Doch stattdessen liege ich still, darf mich nicht herumwälzen, wenn ich meine Freundin nicht aufwecken will, und starre in die Dunkelheit.

Du schläfst wahrscheinlich auch längst, verschwendest keinen Gedanken an mich und ich bin mir sicher, dass es so grundsätzlich besser ist – für uns beide. Aber nicht für mich, denn du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf. Nicht immer, es gibt Zeiten, da kann ich dich vergessen, doch irgendwann kommst du immer zurück, drängst dich in den Vordergrund und kannst nicht mal etwas dafür. Es ist mein Fehler – wenn sowas wie Liebe das sein kann. Wenn nicht, dann... Dann weiß ich auch nicht, was es ist.
Aber ich kann dich einfach nicht vergessen, die Erinnerungen bleiben und die schönsten liegen schon über drei Jahre zurück, stammen aus der Zeit, als wir noch Teamkollegen bei ART Grand Prix in der GP2 waren. Das war das Jahr, indem mir klar wurde, dass du mehr für mich bist als nur irgendein Kollege, mit dem ich mich gut verstehe, mit dem ich auch privat etwas unternehmen würde – und das haben wir getan.

Erinnerst du dich noch an all die Fotos, die wir voneinander und miteinander gemacht haben?
Da ist dieses eine, dieses eine von hunderten, wo wir uns gegenseitig die Arme um die Schultern gelegt haben und ich uns mit dem Mobiltelefon festhalte. Irgendein Fotograf hat es auch noch festgehalten, sodass es eigentlich zwei sind. Ein Foto von uns und eines, das uns dabei fotografiert, wie ich es mache.
Wir hätten ganze Alben mit Bildern von uns füllen können, doch so waren es nur Speicherkarten, die einem ohne entsprechendes Gerät nichts mehr nützen, wenn man sich diese Bilder noch mal ansehen möchte.

Ich tue das, aber du? Wahrscheinlich nicht. Warum solltest du auch? Warum solltest du einen Blick zurück werfen, wo du doch erreicht hast, was du wolltest?

Ganz im Gegensatz zu mir. Ich habe keinen Stammplatz in der Formel 1, bin nur Testfahrer, bei Mercedes zwar, aber was ist das schon im Vergleich? Da braucht man nicht mal zu erwähnen, dass ich 2013 Vizemeister in der GP2 geworden ist, denn der Zweitplatzierte ist bereits der erste Verlierer.

Du bist Stammfahrer bei Marussia und Testfahrer bei Ferrari und Force India! Und wenn alles so kommt, wenn du weiterhin so viel Glück hast wie bisher – und es gibt keinen Grund, weshalb sich das ändern sollte –, dann wirst du in einem Jahr oder in zweien bestimmt für Ferrari an den Start gehen.

Ich kann dir so gesehen nicht mal das Wasser reichen, denn eine solche Aussicht hab ich nicht vorzuweisen. Wenn’s hart auf hart kommt, dann bin ich in ein paar Jahren vielleicht nicht mal mehr Testfahrer.
Wie soll man sich denn auch beweisen, wenn die Testfahrten immer mehr gekürzt werden? Im Simulator? Ja, na klar, da kriegen es potentielle Arbeitgeber auch mit. Wenn man Freitagvormittag mal für 90 Minuten im Auto sitzen darf? Wobei das selbstverständlich lange nicht die Zeit ist, die man auf der Strecke verbringt. Da ist also auch nichts mit Eindruck schinden. Nein, wenn nicht ein Wunder geschieht, dann...

Vielleicht hast du’s geahnt und ich tue dir Unrecht, wenn ich dir in stillen, dunklen Stunden Feigheit vorwerfe. Wenn ich versuche, mir einzureden, dass du dir keine Affäre mit einem Mann zutraust, weil sie deine Arbeitsverträge in Gefahr bringt. Wenn ich versuche, mir klarzumachen, dass ich selbst bestimmt nicht anders reagieren würde, hätte ich die Aussicht auf einen Stammplatz bei Ferrari. Wenn ich versuche, ruhig zu bleiben und mir sage, dass du nicht feige bist sondern professionell.

Aber es ist nicht professionell seinen Teamkollegen zu küssen! Da hast du dir auf jeden Fall selbst widersprochen, dir und deinen Prinzipien, falls es mit solchen zu tun hat, dass du seit diesem Abend kaum noch mit mir sprichst, mir aus dem Weg gehst, wann immer du kannst.
Mit einem lautlosen Seufzen schließe ich die Augen. Es hätte genauso gut erst gestern passiert sein können...

Die Saison ist vorbei, schon vorbei. Ginge es nach mir, dann hätte sie mindestens doppelt so lang sein können, aber das tut es nicht. Es läge auch kein Segen drauf, die Zeit aufzuhalten, obwohl es so schön wäre, jetzt ein wenig Gott spielen zu können. Vielleicht nicht, um die Zeit zu manipulieren, aber um dich und mich auch im nächsten Jahr wieder Teamkollegen sein zu lassen. Doch es geht nicht und das ist wohl gut so.

Ich spiele mit den Wassertropfen an der Außenseite des Glases. Eigentlich würde ich mich lieber betrinken, um die Gedanken ans kommende Jahr zu ertränken, doch ich kann nicht, weil ich nicht will, dass du mich so in Erinnerung behältst oder unsere gemeinsame Zeit so endet. Es ist schlimm genug, dass ich nicht mal halb so gut drauf bin wie sonst, auch wenn ich mir alle Mühe gebe, es zu verbergen, wenn ich lache, scherze und versuche, mich in die heitere Stimmung fallen zu lassen. Aber ob es gelingt?

Ein plötzliches Schulterklopfen schreckt mich auf, erst recht in Kombination mit deiner Stimme, deinem Akzent:

„Dich suche ich schon ’ne ganze Weile. Hast du ’nen Moment?“

Ich nicke überrascht. Mit dir habe ich nun nicht gerechnet, dachte, du würdest die Zeit jetzt eher mit deinen Mechanikern verbringen oder so ähnlich. Stattdessen stehst du hier – größer als ich –, siehst mich an und ich frage mich, ob du nervös bist, aber es ist schwer zu sagen. Das Licht ist zu schlecht.

„Okay, ja... können wir dann mal kurz woanders hingehen? Ist ein bisschen laut zum Reden, findest du nicht?“

„Doch“, antworte ich. Man muss ja fast schon schreien, wenn man sich über die Musik hinweg verstehen will. Ist also eine gute Idee und ein wenig frische Luft kann auch nicht schaden. Es sind nur ein paar Meter bis zur Tür. Eigentlich ist es ein Notausgang, aber das macht ja nichts, er war sowieso offen, also... Nur scheint das außer uns niemand bemerkt zu haben, denn wir sind allein. Andererseits ist auf dem Absatz der metallenen Feuerleiter auch nicht besonders viel Platz. Mit einer dritten Person würde es schon ziemlich eng werden, zu zweit geht’s gerade noch.

Ich suche nach Worten, du auch, wie mir scheint. Dabei warst du derjenige, der... Du musst eigentlich wissen, was du wolltest, warum du... Unsicher beginne ich, an meiner Unterlippe zu nagen. Unsicherheit beschreibt das, was ich seit Wochen in deiner Nähe fühle, wahrscheinlich am besten, auch wenn es am wenigsten in eine Freundschaft gehört. Freunde sind nicht unsicher im Umgang miteinander. Wenn’s so wäre, dann wären sie doch keine Freunde, aber...

Du seufzt, fährst dir durch die Haare, siehst mich an und wieder weg und murmelst: „Das war’s dann wohl.“

„Pardon?“ Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Was meinst du? Die Saison? Unsere Freundschaft? Hast du meine Unsicherheit bemerkt oder... oder... Oder ist es etwas anderes? Hast du vielleicht bloß vergessen, was du sagen wolltest? Das kann ja mal passieren und ist überhaupt nicht schlimm. Mir ist das in letzter Zeit doch auch häufiger passiert und du hast dich nicht daran gestört, warum sollte ich also jetzt...

„Nächstes Jahr sind wir dann wieder nur Konkurrenten.“

„Was?!“ Es ist mir unmöglich, die Fassungslosigkeit zu unterdrücken oder gar vorzutäuschen, dass mich deine Worte nicht tief treffen. Man kann doch auch befreundet sein, wenn man für verschiedene Teams startet. Ist nichts dabei, andere schaffen es ja auch!

Du siehst auf, mich wieder an und ich habe Mühe, bei diesem Anblick nicht entweder die Flucht zu ergreifen oder dir um den Hals zu fallen. Du siehst aus, als würdest du gerade in den Abgrund der Hölle schauen. Es macht mir Angst und es wird nicht besser, als du...

„Es war eine gute Saison, aber man soll bekanntlich aufhören, wenn’s am schönsten ist und... also... was ich sagen will...“ Du gerätst ins Stolpern, scheinst nicht mehr Herr deiner Stimme, deiner Worte zu sein, bis du dich geräuspert hast. „Es kann so nicht weitergehen.“

Ich will dir zustimmen, aber komme nicht dazu. Du bist nicht nur größer, du bist auch schneller als ich – nicht nur auf der Strecke. Und ich kann nur die Augen aufreißen und dich anstarren, als du mich küsst. Nicht besonders schön, nicht lange, eigentlich presst du nur für einen Moment unsere Lippen gegeneinander, bevor du zurückweichst.
Wieder siehst du mich nicht an. Du siehst nicht, wie ich halb geistesabwesend meine Lippen berühre, wie ich versuche, den Moment, das, was jetzt schon Vergangenheit ist, festzuhalten – erfolglos.

„Tut mir leid“, sagst du leise und gehst zurück, tauchst zwischen den feiernden und lachenden Teammitgliedern unter und ich bleibe allein auf der Feuerleiter zurück.

Ich weiß bis heute nicht, was genau dir leid tut. Dass du mich geküsst hast? Dass es das letzte Mal war, wo noch keine unsichtbare Wand zwischen uns zu stehen schien? Dass es das letzte Mal war, wo du nicht versucht hast, mir aus dem Weg zu gehen, wo du den Kontakt gesucht hast?
Wobei... wenn ich jetzt so darüber nachdenke... Es war wohl Ironie des Schicksals, dass du mir an diesem Abend – wenn man das so nennen kann – ausgerechnet auf einer Feuerleiter den Laufpass gegeben hast. Ausgerechnet einer Feuerleiter, die dazu da ist, Menschenleben zu retten! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

Nur hat es mich gerettet? Hat es dich gerettet?

Unsere Karrieren auf jeden Fall, denn so gibt es weder verräterische Fotos noch werden irgendwann welche auftauchen. Du hast allen schlimmen Dingen vorgebeugt, denen du vorbeugen konntest und ich sollte dir dankbar dafür sein. Ich bin es vielleicht sogar. Unbewusst, immer dann, wenn der Schmerz nicht spürbar ist, wenn ich nicht an dich denken muss.

Mit einem leisen Seufzen drehe ich mich auf die Seite, hole mir ein wenig von der Decke zurück, die meine Freundin mir geklaut hat.

Eigentlich ist das Leben gar nicht so schlecht. Es ist sogar ziemlich gut zu mir, selbst wenn ich es auf der Karriereleiter noch nicht so weit nach oben geschafft habe wie du. Es wird noch kommen, wenn es kommen soll. Und wenn es nicht kommt, dann bin ich zumindest nicht allein. Dann habe ich meine Freundin, meine Familie und Freunde, die mich auffangen werden.

Eigentlich brauche ich dich nicht.

Ich brauche auch nicht auf dich zu warten.

Es wäre dumm, das zu tun, denn der einzige Kuss, den ich je von dir bekommen habe, war ein Abschiedskuss.



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