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Classified Matter: Das Tagebuch von E. M. Hernandez [XCOM Enemy Unknown]

von Jolle
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
03.01.2014
30.10.2015
15
9.290
1
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03.01.2014 730
 
Jetzt bin ich also hier – in einem Loch, unter der Erde. Zugegeben, ein riesiges Loch, aber eben immer noch ein Loch! Dieses Loch ist das Hauptquartier, das Gehirn des bis dato streng geheimen Projekts namens XCOM.
Was ist XCOM? Die Antwort, die ich – hoch offiziell – erhalten habe, ist ungefähr drei Seiten lang und besteht zu achtzig Prozent aus bürokratischen Satzungeheuern. Vielleicht Blödsinn, vielleicht auch Absicht: falls mich das Völkchen aus dem All jemals irgendwie in seine Fänge bekommen sollte, kann ich ihm jedenfalls keine detaillierte Antwort liefern. Und das ist mit Sicherheit nicht verkehrt.
Und was bedeutet XCOM nun? Für mich? Tja, der Grundgedanke ist eigentlich ganz easy: XCOM ist eine internationale Initiative zum Schutz der Menschheit. Und ich bin ein Teil davon.

Eigentlich war es wieder nur ein Zufall. Die liebenswürdige Frau Dr. Vahlen hatte mich mit dem Charme eines Maschinengewehrs zur Überprüfung meiner Eignung in die Pyrenäen geschickt. Spezial-Übung für die spanischen Militärs, Schützentraining bis zum Abwinken.
Warum auch immer ich mich darauf eingelassen habe; ich gebe zu, ich fand Gefallen daran. Nicht unbedingt an den endlosen Klettereien, aber am Schießen. Den Überblick zu haben, das Gelände für sich zu nutzen, im Hintergrund zu bleiben, bis man das Ziel ganz klar im Visier hatte – das war genau mein Ding. Und ich war dabei auch gern allein. Sogar so gern, dass dem Kommandanten irgendwann der Kragen platzte, weil meine Unauffälligkeit so gar nicht in seinem Sinne war. Der Rest der Truppe nannte mich „Solo“, und das nicht ohne Respekt, und just an dem Abend, an dem ich ein Ende meiner Zeit im Gebirge beschlossen hatte, kam ein Anruf von Dr. Vahlen.
„Senorita E. M. Hernandez, halten Sie sich bereit, der Skyranger wird Sie um etwa 3:47 Uhr Ortszeit am Stützpunkt abholen.“

Und jetzt bin ich hier, irgendwo in Nordamerika, weit, weit weg von meinem Heimatland, versteckt in einem unterirdischen Schachtsystem. Sie graben gerade unter der Kaserne, wir spüren es jede Nacht, wenn die Betten wackeln. Für viele ein guter Grund, wieder aufzustehen und noch etwas zu trinken (keinen Alkohol, versteht sich). Angeblich ist sogar eine dritte Ebene geplant... weiß der Henker, was die hier noch alles bauen wollen.
Wahrscheinlich habe ich gerade einmal einen Bruchteil von dem gesehen, was die Basis ausmacht – den Hangar, beim Verlassen des Skyrangers, und auf dem Weg in die Kaserne sind wir an einem Kontrollzentrum mit einer gigantischen Satellitenschüssel vorbeigelaufen. Vom Commander höchstpersönlich habe ich eine kurze Führung bekommen – Waffenkammer mit Gemeinschafts-Spind für die Spezial-Ausrüstung, Offiziersschule mit Seminarräumen und Trainingshalle, und die Kaserne natürlich, praktisch als Hauptwohnsitz, inklusive Speisesaal und Krankenstation.

Der Commander ist ein komischer Vogel – ziemlich schweigsam, und er war nach der Führung auch gleich wieder weg. Seine Herkunft ist unbekannt, aber er scheint ein guter Mann zu sein, zumindest spricht die Truppe ausschließlich positiv von ihm. Sofern sie denn von ihm spricht. Sofern sie überhaupt spricht... denn wir sprechen eigentlich nicht viel. Und wenn, dann tatsächlich nicht übereinander, sondern miteinander.
Es wird noch eine Weile dauern, bis ich all die Namen und Gesichter kenne – bis auf die vier, mit denen ich hierhergekommen bin:

Alexander Rukov, halb Amerikaner, halb Russe, er ist einer der Ältesten hier – von den Doktores und dem Kommando-Stab einmal abgesehen. Er hilft zwischen seinen Einsätzen oft in der Krankenstation aus, und scheint wortwörtlich ein Paar heilende Hände zu haben.

Frederik Nilsson, ein Schwede wie aus dem Bilderbuch, optisch das exakte Gegenteil von mir: groß, blond, blauäugig, breitschultrig. Laut Rukov der beste Stürmer, den es jemals bei XCOM geben wird – und der beste Koch im Regiment.

Jeff Buttle, Kanadier, laut Rukov der kleinste Stürmer, den es jemals bei XCOM geben wird – und auch der schnellste.

Und dann noch Ricardo Sanchez, ein Landsmann. Er hat auf dem Flug hauptsächlich geschlafen. Laut Rukov braucht er dringend eine Pause, er war schon bei einem der ersten Einsätze dabei – und kam als einziger Überlebender zurück, seine drei toten Kameraden im Gepäck. Armer Kerl. Ein Kraftpaket mit eiserner Miene, aber innerlich völlig zerstört. Das war vorerst seine letzte Mission, und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis er wieder mitfliegen kann.

Wie lange wird es noch dauern, bis ich mitfliege?

Der nächste Einsatz von XCOM wird mein erster sein, soviel ist sicher. Meine Ausbildung ist angeblich Gold wert – mir bleibt also zu hoffen, dass die außerirdischen Ziele nur unwesentlich beweglicher sind als die Pappscheiben in den Pyrenäen.
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