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Precious Memories

GeschichteHumor, Freundschaft / P6 / Gen
Azusa Nakano Mio Akiyama Ritsu Tainaka Tsumugi Kotobuki Yui Hirasawa
01.01.2014
03.09.2016
10
8.612
2
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03.09.2016 1.362
 
“Und? Wie weit ist es denn?“, wollte die Braunhaarige sofort wissen, als beide in Azusas Wagen saßen. Die Gitarristin gab die Adresse in ihr Navigationsystem ein. “Lass mich nachsehen…”, meinte sie, während sie wartete, bis die Route geladen war. “Hm, also um die Ecke ist es nicht. Wenn wir Landstraße fahren, brauchen wir ziemlich lang…”, antwortete sie nachdenklich. Ritsu beugte sich nun ebenfalls über das Navi und fragte: “Ja und wieso fahren wir dann nicht einfach Autobahn? Das wäre ja wohl schneller.” Sie zeigte auf die zweite mögliche Route. “Du meinst doch nicht ernsthaft, ich lasse jemanden wie dich mit meinem Wagen über die Autobahn rasen?! Ich hatte eigentlich nicht vor, heute zu sterben.”, regte Azusa sich auf. Sie stieß einen leisen Seufzer aus. Wieso ließ sie Ritsu eigentlich noch mal fahren? Sie fand keine wirkliche Antwort. “Du willst doch auch so schnell wie möglich wissen, ob sie uns genommen haben, oder etwa nicht?!”, begann die Schlagzeugerin nun. “Doch, schon.”, antwortete Azusa zögerlich. “Dann fahren wir halt Autobahn. Aber fahr vorsichtig, hörst du, Ritsu-senpai?!”, stimmte sie nun zu. Ritsu lachte kurz und drehte den Schlüssel im Zündschloss. “Alles klar. Ich geb mir Mühe.”, meinte sie motiviert.
Azusas anfängliche Sorgen waren durchaus begründet. Ein ordentlicher und vorsichtiger Fahrstil, wie sie selbst ihn hatte, hätte niemals zu der Braunhaarigen gepasst. Ritsu fuhr eigentlich genauso, wie sie Schlagzeug spielte: Nicht unbedingt schlecht, aber viel zu wild und immer eine Spur zu schnell. In der Band konnten sich die anderen immer gut nach ihr richten und ihr eigenes Spiel etwas an Ritsu anpassen, aber im Verkehr war das ja nicht möglich. Deshalb fühlte Azusa sich schon bald dazu berufen, ihrer Senpai ein paar Ratschläge zu geben, um Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Oder anders ausgedrückt: Sie schrie sie an. “Sag mal, Ritsu-senpai, bist du lebensmüde?! Ich hab die Bremse mitbezahlt, also benutz sie gefälligst!”, wetterte die Schwarzhaarige los. “Was kann ich denn dafür, wenn der da so langsam fährt?”, fing Ritsu in selber Lautstärke wie ihre Beifahrerin an und deutete auf das Auto vor sich. “Boah, Alter, echt jetzt?! Wieso gibt der denn kein Gas? Es klatscht gleich, du Arschloch.”, führte sie das einseitige Gespräch mit dem Autofahrer vor sich weiter. “Senpai, du fährst bei der nächsten Gelegenheit sofort an den Rand, wir tauschen Plätze.”, bestimmte Azusa und versuchte, ruhig zu bleiben, da die Schlagzeugerin ihrer Meinung nach schon aggressiv genug war.
Irgendwie schaffe die Jüngere es schließlich, Ritsu halbwegs zu Vernunft zu bringen, so das diese an der nächsten Raststätte anhielt und Azusa auf den Platz des Fahrers umsteigen ließ. Nach dieser Aufregung blieben beide noch kurz auf dem Parkplatz stehen, bevor sie weiter fuhren. “Ich möchte mal wissen, wie du so an deinen Führerschein gekommen bist.”, meinte Azusa und trank zum Runterkommen einen Schluck Wasser. Ritsu sah gedankenverloren aus dem Fenster und antwortete nur leise: “Eigentlich hab ich ja gar keinen.” - “Bitte?!” Die Schwarzhaarige verschluckte sich fast. “Wiederhol das noch mal.” Ritsu schaute hastig zu ihr. “Das ist mir nur so rausgerutscht, okay?! Ich hab’s nicht ernst gemeint.”, meinte sie und versuchte so zu tun, als hätte sie wirklich nur einen Scherz machen wollen. “Ist es dir nicht. Das hab ich doch gemerkt.”, kam es von Azusa. “Warum hast du denn keinen Führerschein?” - “Ist egal.”, sagte die Schlagzeugerin nur knapp. Azusa wurde dadurch nur noch neugieriger. “Ich dachte, du hättest den damals mit Yui-senpai und den anderen gemacht?!”, fragte sie nun. “Hab ich doch auch. Ich bin aber bei der Theorie durchgefallen. Mehrmals. Und da hatte ich dann auch keinen Bock mehr. Meine Motivation ist auch nicht unendlich, Azusa.” - “Ach so, verstehe…”, nickte die Gitarristin etwas nachdenklich. Diese Geschichte hörte sie gerade zum ersten Mal und irgendwie konnte sie das nicht so richtig glauben. Selbst Yui hatte die Prüfung damals bestanden und hatte danach allen voller Stolz ihren Führerschein präsentiert. Aber Ritsu hatte wirklich keinen? Das fand Azusa schon irgendwie komisch. “Ich wusste das nicht. Die anderen hatten das nie angesprochen.”, brachte die Jüngere nur heraus. “Die wissen das ja auch nicht.”, erklärte die Braunhaarige ihr ernst. “Es gibt so Einiges, was ihr über mich nicht wisst.” - “Was denn zum Beispiel?” Azusa wollte eigentlich nicht ganz so direkt nachfragen, aber das war wohl der einfachste Weg. “Also gut. Jetzt hab ich einmal angefangen, da kann ich dir auch gleich alles erzählen. Aber das bleibt unter uns, klar?!” Die Gitarristin nickte stumm. “Besonders Mio darf nichts wissen, verstanden?! Wenn du auch nur ein Wort sagst, bist du fällig, Nakano.” - “Ich kann gut schweigen.”, beteuerte Azusa. Ritsu schien es wirklich ernst zu sein, wenn sie schon derartige Drohungen aussprach. Die Braunhaarige seufzte nun kurz und fing dann an mit ihren Erzählungen.
“Ich sag dir was, seit dem Abschluss von der Oberschule ging es bei mir sowas von bergab. Du weißt ja, das Studium hab ich nach ‘nem knappen Jahr abgebrochen, weil es mir zu schwer war, dann noch die Führerscheinprüfung, durch die ich gefallen war, und einen richtigen Beruf hatte ich erstmal auch nicht, nur den Job im Musikladen, den Mugi mir als Notlösung verschafft hat… Du kannst dir ja vorstellen, dass meine Eltern nicht so begeistert von mir waren. Oder anders gesagt: Sie haben mich hochkant rausgeschmissen. Ich musste mir ‘ne Wohnung suchen und Satoshi hat mir dafür einen Großteil seiner Ersparnisse überlassen… Ich hab versprochen, dass er das alles zurückbekommt, aber ich konnte es bis heute nicht zurückzahlen, weil ich einfach kein Geld hab. Ich nehm zwar auch immer abends nach der Arbeit noch irgendwelche Jobs nebenbei an, wie Barkeeperin oder Kellnerin oder sowas, aber ich frag mich trotzdem dauernd, wie ich so über die Runden kommen soll. Mein Geld reicht hinten und vorne nicht, aber ich will Mugi nicht nach mehr Gehalt fragen… Das kann ich nicht machen, ich muss froh sein, dass sie mich nicht rausschmeißt…” Azusa schluckte schwer. Sie konnte nicht wirklich Worte für das finden, was sie eben gehört hatte. “Das konnte ich nicht ahnen…”, meinte sie deshalb bloß. Ritsu wirkte für sie auf einmal so… Zerbrechlich? Sie konnte nicht fassen, dass von ihrer sonst so mutigen und unerschütterlichen Bandchefin so eine Story kam. Ausgerechnet von ihr! Hätte Ritsu jetzt gemeint, dass diese ganze Geschichte nur ein Witz war, wäre Azusa ausnahmsweise sogar erleichtert gewesen. War die fröhliche Art der Braunhaarigen in Wirklichkeit nur gespielt, um sich von ihren Problemen abzulenken?
“Darf ich dich was fragen?”, begann nun die Gitarristin mit einer sanften Stimme. Sie hatte das Gefühl, sie müsste die gesamte Weise, wie sie mit Ritsu umging, nun ändern. Von der Schlagzeugerin kam bloß ein Nicken. “Warum soll Mio-senpai davon nichts wissen? Sie ist doch deine beste Freundin, oder?!” - “Na ja, Mio… Sie ist ziemlich angesehen als Lehrerin und verdient auch gut. Ich weiß nicht, wie sie reagieren würde, wenn sie wüsste, mit was für einer Looserin sie eigentlich befreundet ist. Vielleicht würde sie mich dann hassen…”, erklärte Ritsu ihr. “Das würde sie doch niemals machen.”, sagte die Schwarzhaarige zuversichtlich. “Und wenn es um Geld geht, kannst du doch Mugi-senpai…” - “So einfach ist das nicht.”, fiel die Braunhaarige Azusa ins Wort. “Das sind meine Probleme. Ich kann da nicht einfach zu Mugi rennen und alles ist wieder gut. Ich käme mir schäbig vor, wenn sich die anderen immer solche Sorgen um mich machen müssten. Da ist es wirklich besser, wenn sie davon nicht wissen, verstehst du?! Ich muss auch mal alleine was auf die Reihe kriegen.” - “Aber das hast du doch. Du hast damals die Band gegründet, du warst diejenige, die uns alle zusammengeführt hat. Du bist vielleicht faul, aber nicht dumm. Jeder weiß das, Ritsu-senpai!”, äußerte sich Azusa schnell. Auf Ritsus Gesicht bildete sich ein kleines Lächeln, aber trotzdem wirkte sie noch sehr niedergeschlagen. “Ach... Mir reicht, dass ich weiß, was ich könnte, wenn ich wollen würde. Besser heimlich schlau als unheimlich blöd, oder?!”, fragte sie. Azusa blinzelte und nickte dann. “Ja, aber trotzdem. Du bist zu viel mehr fähig, als du denkst.” - “Sollten wir nicht langsam weiterfahren? Wir sind hier nicht, um über meine Lebensgeschichte zu philosophieren.” Die Gitarristin warf noch einen besorgten Blick zu ihrer Senpai, startete dann aber das Auto, ohne noch etwas zu sagen.
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