Gangrel und Robin

von Glasherz
KurzgeschichteRomanze / P12
Gangrel Robin
31.12.2013
31.12.2013
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Tagein und tagaus dasselbe – beständig wie das kraftvolle Schlagen seines verfluchten Herzens.

Mit weitaufgerissen Augen starrte Gangrel zu dem Dach des Zeltes empor und wünschte sich nicht zum ersten Mal seit seiner unfreiwilligen Entmachtung, dass er damals auf dem Schlachtfeld wirklich gestorben wäre.

Tagein und tagaus dasselbe – gefangen in einer ewigen Spirale seiner sich jagenden Gedanken.

Er fuhr sich mit seiner Zungenspitze über die trockenen Lippen. Hörte wie allmählich Leben in die umstehenden Zelte kam. Gemurmelte Grüße wurden ausgetauscht, Waffen klirrten im selben Takt, wie sich seine Faust öffnete und unverrichteter Dinge wieder schloss. Auf. Zu. Auf. Zu.

Das Lachen dieser Narren verursachte ihm Übelkeit. Sie sollten sich nicht so über ihr wertloses Dasein freuen. Sollten vor Furcht erzittern. So wie er? Wieso waren sie nur so ekelhaft glücklich, während seine Welt in einem Meer aus dunklen Farben ertrank?! Denn Grima würde sie alle vernichten.

Dies wollte er schließlich auch der Frau im violetten Mantel mitteilen. Verwarf es allerdings. Sein zerrütteter Verstand hatte ein anderes – interessanteres - Thema gefunden: Robin selbst. Chroms Schoßhündchen. Oder war das Prinzchen letztendlich ihres? Gangrel erinnerte sich genau an Chroms sehnsuchtsvolle Blicke am Abend zuvor. Idiot. Als würde sie sich ausgerechnet einen schwächlichen Ylisseaner an den Hals werfen. PAH!

Gangrels Lippen verzogen sich langsam zu einem überheblichen Grinsen.

Ob er diesem Einfaltspinsel erzählen sollte, wer heute Nacht in Robins Zelt gewesen war? Immer noch in ihrem Bett lag? Muhaha. Innerlich schüttelte der Rothaarige sich vor Lachen. Vergaß dabei die Fesseln aus Magie, die ihn an eben jenes provisorische Bett, bestehend aus einer löchrigen Matratze und ein paar Decken und Kissen, banden.

Von der davon ausgehenden Vibration geweckt, schreckte Robin jedoch hoch und blinzelte verschlafen in seine Richtung, bevor sich ihre Miene binnen Sekunden verfinsterte. Gespannt auf ihr weiteres Vorgehen, verfolgte Gangrel, wie sie sich zuerst die braunen zerzausten Strähnen aus ihrem angespannten Gesicht strich und sich dann in eine aufrechte Position stemmte.

Sie hatte wohl die ganze Nacht oder besser gesagt den Rest davon, neben dem Zelteingang gesessen. Peinlichst darauf bedacht, dass niemand von seiner Anwesenheit – oder seinem fehlgeschlagenem Mordversuch an der Taktikerin – erfuhr.

Wieso sie ihn nicht getötet hatte, wusste er nicht. Konnte es sich selbst nach Stunden des Grübelns nicht erklären.

Dafür wusste er umso besser, wie sich ihre näherkommende Gestalt, dicht gepresst an seinen Körper, anfühlte. Ihr Kampf war zwar kurz ausgefallen, dafür umso heftiger. Robin beherbergte Stärke. Viel zu viel für so eine zierliche Person. Und dennoch zeigte er sich widerwillig beeindruckt von ihrer Kraft. Dieser animalischen Wildheit.

Tagein und tagaus dasselbe – seit dem Tag an dem er sich den Hirten angeschlossen hatte.

Später, wenn er wieder am anderen Ende des Lagers saß, abseits von den anderen, ach so unfehlbaren Kämpfern des Guten, würde Gangrel, der ehemalige verrückte König, sein Schwert schärfen. Oder besser gesagt, so tun als ob. Rauf. Runter. Rauf. Runter.

Tagein und tagaus dasselbe – bis er Robins Blick auffing. Und sich wünschte, er wäre auf dem Schlachtfeld gestorben.

Alles war besser, als das Gefühl versagt zu haben. Die entnervende Intimität des Augenkontakts verengte im die Brust, machte ihm das Atmen schwer. Er wusste, dass sie ihn nicht verurteilte. Allerdings kannte er nicht Grund. Ahnte nicht einmal, dass Robin schon längst erkannt hatte, dass unter seiner verstörenden Hülle, ein gutes Herz verborgen lag.

Tagein und tagaus dasselbe – wurden ihre Hände schweißnass und eine leichte Röte kämpfte um einen Platz auf ihrem Gesicht. Denn so unwahrscheinlich, so verrückt es auch klang, Robin hatte sich in ihn verliebt. Obwohl er ihr und sich selbst den Tod wünschte …
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