Let him go

KurzgeschichteRomanze, Fantasy / P12 Slash
Bartimäus
31.12.2013
01.01.2014
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3117
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124 v. Chr.
Ptolemäus

Ich hatte es immer gewusst. Immer gewusst, das der Tag kommen würde. Natürlich hatte er kommen müssen, früher oder später, aber ich hatte immer gehofft.
Nicht JETZT, hatte ich gehofft.
Aber dieses „Jetzt“ war jetzt.
Und ich lag in seinen Armen, gerade so kurz davor alles zu lösen, alles gelöst zu haben. Grade nach diesem entscheidenden Schritt und mir wurde klar, dass ich ihn nie würde ausführen können.
Dass alles, was ich heute entdeckt hatte, umsonst gewesen war. Die ganze Arbeit, ich hatte zu wenig Zeit gehabt.
Zu wenig Zeit um alles niederzuschreiben.
Zu wenig Zeit jemanden zu überzeugen.
Zu wenig Zeit zu reden, zu forschen, zu erreichen, zu leben.
Ein kleiner sadistischer Streich mich jetzt sterben zu lassen.

Well you only need the light when it's burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love him when you let him go
Only know you've been high when you're feeling low
Only hate the road when you're missing home
Only know you love him when you let him go
And you let him go


Aber in Anbetracht einer Tatsache war das alles vollkommen unwichtig.
Es war so unwichtig, von so wenig Bedeutung für mich, dass es mich selbst erschreckte.
Denn ich würde ihn verlieren.
Nicht nur das. Wir hatten keine Chance mehr.
Ich verlor ihn nicht nur, ich hatte ihn enttäuscht.
Ich hatte solche Pläne gehabt.
Ich hätte ihm und ihnen allen die Freiheit geben können.
Und heute sollte es vorbei sein.
Das einzige was ich tun konnte war, ihm wenigstens etwas Freiheit zu schaffen.
Nicht für immer, nicht einmal lange.
Die Zeit hatte nicht gereicht.
Und es tat so weh.

Staring at the bottom of your glass
Hoping one day you'll make a dream last
But dreams come slow and they go so fast
You see him when you close your eyes
Maybe one day you'll understand why
Everything you touch surely dies


Es tat noch mehr weh, als ich erwartet hatte. Nicht körperlich.
Ich wusste nicht, ob ich körperlich noch etwas spürte.
Ich fühlte es in meinem Innern und es tat so weh.
Er war immer da gewesen.
Es war so unglaublich gewesen. So etwas wie uns hatte es noch nie gegeben.
Ich hatte ihm alles anvertraut und er hatte mir alles anvertraut.
Und wir hatten gemeinsam gearbeitet, gemeinsam gekämpft, gemeinsam gelebt.
Ich wollte ihn nicht verlieren, nie.
Und jetzt war ich kurz davor.
Ich hatte es doch immer gewusst, warum tat es so weh?

But you only need the light when it's burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love him when you let him go
Only know you've been high when you're feeling low
Only hate the road when you're missing home
Only know you love him when you let him go


Er hielt mich immer noch fest, wie lange lag ich hier schon?
Ich sah die zersprengten Fliesenstücke auf dem Fußboden, durch die staubige Luft.
Die Lichtstreifen wurden sichtbar durch den Sand.
Warum konnten wir nicht einfach genauso bleiben?
Warum musste ich jetzt sterben?
Und plötzlich sah ich seine Augen und wusste, dass er sich das selbe fragte.
Trotz allem wurde mir ganz warm.
Ein heiserer Laut kam mir über die Lippen.

Staring at the ceiling in the dark
Same old empty feeling in your heart
'Cause love comes slow and it goes so fast
Well you see him when you fall asleep
But never to touch and never to keep
'Cause you loved him too much and you dive too deep


“Shh, shh.”, er war so traurig. Er hatte selbst bei mir noch nicht zugelassen, dass ich in so traurig sah.
Ich vermutete, dass die Trauer der ganzen Jahrtausende in diesem Augenblick auf ihm lastete.
Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen, ich starrte zur Decke.
Ich versuchte zu sprechen, doch er hielt mich auf.
„Nein, tu`s nicht. Stirb doch bitte nicht schneller als nötig.“
Er zögerte kurz und ich lächelte.
„Sie werden gleich drin sein.”
„Rekhyt.“
„Shh, shh!“
„Ich liebe dich.“

Well you only need the light when it's burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love him when you let him go
Only know you've been high when you're feeling low
Only hate the road when you're missing home
Only know you love him when you let him go


Ich würde ihn jetzt gehen lassen müssen.
Ich würde ihn jetzt gehen lassen müssen und ich würde hier bleiben.
Gewiss nicht lange.
Aber doch, ich musste allein sterben.
Meine letzte Tat, wenn doch sonst alles umsonst war.
„Ptolemäus!“
„Ja?“
„Wieso hast du das gesagt?“
„Weil ich alleine sterben muss.“

And you let him go
Oh oh oh no
And you let him go
Oh oh oh no
Well you let him go


Ich sah, wie seine Augen weit wurden, er konnte nicht weinen.
„Nein, das kannst du nicht machen!“
Ich nickte nur und er versuchte meinen Kopf still zu halten.
Aber ich fing an, die Entlassungsformel zu murmeln.
„Nein, ich gehe nicht! Nicht jetzt!“
“Rekhyt, ich befehle es dir!”
Und seine Substanz fing an sich aufzulösen und zur Decke zu treiben,
die ich eben betrachtet hatte.
Ich wusste, dass ich ihn grade in diesem Moment verlor.
Dann war er weg.

'Cause you only need the light when it's burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love him when you let him go
Only know you've been high when you're feeling low
Only hate the road when you're missing home
Only know you love him when you let him go


Ich wusste, dass ich ihn immer lieben würde.
Solange wusste ich aber noch gar nicht, dass ich ihn überhaupt liebte.
Hatte nicht so viel Zeit gehabt, herauszufinden was Liebe ist.
Keine Zeit schien ich immer zu haben.
Nur Wissen.

'Cause you only need the light when it's burning low
Only miss the sun when it starts to snow
Only know you love him when you let him go
Only know you've been high when you're feeling low
Only hate the road when you're missing home
Only know you love him when you let him go
And you let him go


Aber damit war es jetzt eh zuende.
Mit mir war es zuende.
Ich hoffte, dass Bartimäus mich würde vergessen können.
Dann schaute ich zur Tür des Tempels, die sie endlich durchbrochen hatten.
Ich hatte ihn grade noch retten können.
Grade noch rechtzeitig verlieren können.
Dachte ich.
Bis ich mit einem heftigen Ruck über die Wachen herübergeschleudert wurde.

Ich landete lachend auf einem heubeladenden Händlerskarren.
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