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Entscheidung des Herzens

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Baron Haru Yoshioka Muta Run / Lune Yuki
30.12.2013
18.08.2016
15
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Haru nahm sich die Worte ihrer Freunde zu Herzen und dachte noch einmal über alles in den weiteren Tagen nach. Es stimmte ja was sie sagten, Baron liebte sie und er beteuerte dies auch täglich durch ihre gemeinsamen Momente und durch sanfte Zärtlichkeiten. Eigentlich hätte sie sich überhaupt keine Sorgen machen müssen, wenn nicht etwas ihr Misstrauen geweckt hätte. Das Louise dauernd um ihren Freund herum tänzelte und ihm schöne Augen machte war nicht anders zu erwarten gewesen. Doch irgendwie sagte ihr ihr Gefühl, dass Louise noch weitergehen würde als bisher. Baron schien dies nicht zu bemerken, doch sein Verhalten schien ihr doch mehr Gedanken zu machen, als sie es zugegeben hätte. Dauernd schien er nachzudenken und sprach an manchen Tagen kaum mehr als ein paar Wörter. Jedenfalls in ihrer Gegenwart, in der Gegenwart von Louise konnte sie es nicht beurteilen, natürlich nicht. Die weiße Katze ließ kaum eine Gelegenheit aus, Baron für sich zu beanspruchen und mit ihm alleine zu sein. Dabei ließ sie stets Haru außen vor, was diese nicht anders gedacht hätte.
Die Tage verstrichen und es gab keine weiteren Zwischenfälle oder Merkwürdigkeiten, wofür Haru sehr dankbar war. Louise war zwar erst seit einer Woche bei ihnen, aber sie sehnte schon den Tag herbei, wo sie sie endlich wieder verlassen würde. Auch Muta und Toto sowie Asaki schien es ähnlich zu ergehen. Wie Muta es prophezeit hatte entpuppte sich die höfliche, weiße Schönheit als eine unbändige und egoistische Nervensäge. Nichts war ihr gut genug und niemand schien ihr das Wasser reichen zu können, abgesehen von Baron, dem sie dauernd bezirzte.
Wenn dieser in der Nähe war setzte sie ihre falsche Maske auf ( wie Muta es gerne betonte) und ihr Verhalten glich einem strahlenden, perfekten Engel. War er außer Sichtweite so verwandelte sie sich wieder in das arrogante, fiese Biest, was sie in den Augen der Anderen war. Was Haru anging, so versuchte sie ihr aus dem Weg zu gehen und hielt sich meistens bei ihren Freunden auf. Sie genoss jeden Augenblick, den sie mit Baron alleine verbrachte und versuchte sich nicht von Louise provozieren zu lassen. Sie wusste, dass die weiße Katzenpuppe es darauf anlegte sie in Barons Gegenwart schlecht darstehen zu lassen, aber Haru ging nicht auf ihr Spielchen ein. Sie tröstete sich immer mit dem Gedanken, dass jeder Besuch mal vorbei sein würde und Louise früher oder später abreisen würde.

Fröhlich begutachtete das ehemalige Menschenmädchen sich im Spiegel und strich über ihr neues Kleid. Den ganzen Nachmittag hatten sie und Asaki damit zugebracht, dass richtige Outfit für sie zu finden. Leider war Yuki noch immer verreist, aber Shopping würden sie auch nachholen können. Nach einer Ewigkeit hatten sie endlich das gefunden, wonach sie gesucht hatte. Es war ein einfaches, schlichtes Kleid, welches bis zu den Knien ging und ärmellos war. Es war ganz aus Seide und bestand aus warmen Gelbtönen, die ihr Fell sehr gut zu Geltung machten. Sie wusste, dass Baron diese Farbe am Liebsten an ihr mochte. Denn sie erinnerte sie immer daran, wie sie sich kennengelernt hatten und an ihren ersten Tanz. Etwas, was sie auf ewig miteinander verbinden würde. Zu dem Kleid hatte sie ihre Haare hochgesteckt, sodass zwei Strähnen ihr in Locken runterfielen und ihr Gesicht umrahmten. Ihre braune Augen strahlten vor Freude und ihr braunes Fell glänzte makellos im Licht der untergehenden Sonne. Endlich hatten sie und Baron mal wieder einen Abend für sich allein. Schon seit Tagen hatte sie sich auf ihr Rendevous gefreut, welches die Katzenpuppe ihr versprochen hatte. Sie hatte keine Ahnung, was sie erwarten würde, aber so wie sie Baron kannte, würde es garantiert absolut perfekt sein. Haru warf einen letzten Blick in den Spiegel und zufrieden verließ sie ihr gemeinsames Schlafzimmer. Baron war noch unterwegs, aber würde bald heimkehren. Er würde sie an Totos Säule draußen erwarten. Als Haru voller Vorfreude das Wohnzimmer betrat, war sie nicht allein. Louise saß auf dem Sofa, wie es mittlerweile täglich der Fall war, und kämmte mit einer nicht zu deutenden Miene ihr schneeweißes Fell. Sie würdigte Haru keines Blickes, was diese nur zu gern hinnahm. Sie fragte sich ohnehin, was Louise schon wieder in ihrem Wohnzimmer machte. Baron war nicht im Haus und abgesehen davon hatte sie keinen Grund sich im Katzenbüro aufzuhalten. Dabei spielte es keine Rolle, welches Anliegen sie auch hatte. Haru hatte es noch immer nicht herausgefunden, aber ehrlich gesagt war es ihr auch ziemlich egal. Sie hoffte nur, dass es  möglichst schnell geklärt war - und zwar bald! Allerdings hatte sie Manieren und würde sich nicht auf das Niveau ihrer Konkurrentin herablassen.
"Guten Abend, Louise."
"Nur weil sie so unhöflich ist, muss ich das noch lange nicht sein", dachte Haru und ging zum Bücherregal. Sie berührte eines der Bücher und auf diese Bewegung hin, verschwand die Treppe, die nach oben führte. Es war ein Zauber, der nur auf die Berührung von ihr und Baron reagierte. Ihre privaten Räume würden so vor fremden Blicken geschützt sein. Für Haru war dieser Zauber etwas ganz Besonderes, denn er gehörte ihnen allein. Nur Baron und ihr. Lächelnd wandte sie sich vom Regal ab und ging in Richtung Tür, als eine Stimme sie zurückhielt.
"Du bist so töricht. Du glaubst wirklich, dass Baron den Abend mit dir verbringen wird oder?"
Haru drehte sich langsam um. Sie war erstaunt und überrascht zugleich, dass die Katze Worte an sie gerichtet hatte. Fragend blickte Haru sie an.
"Was meinst du damit?"
Louise strich sich über ihr glänzendes, schneeweißes Fell und lächelte versonnen. Sie hob ihren Kopf und funkelte sie amüsiert an.
"Du glaubst wirklich...Langsam verstehe ich Baron. Ihr Menschen seit wirklich sehr amüsant."
Haru verdrehte die Augen. Also bluffte sie nur, wie sie es geahnt hatte. Sie drehte sich um und legte ihre Pfote auf den Türgriff.
"Er hat viel zu tun in letzter Zeit. Ist meistens mit den Gedanken ganz woanders. Es wäre dumm, wenn er seine kostbare Zeit für dich verschwenden würde."
In Harus Magengegend brodelte es und sie verspürte das starke Bedürfnis Louise die Augen auszukratzen - wozu hatte sie schließlich ihre neuen Krallen? Doch sie versuchte sich zurückzuhalten. Sie würde diesem Biest nicht die Genugtuung geben nach der sie trachtete.
"Ich wüsste nicht, was dich meine Verabredungen mit Baron angehen würden", gab Haru zurück und ließ ihre Pfote auf dem Türgriff verharren.
Louise lachte auf und ihr Blick triefte nur von Spott und Hohn.
"Ich hätte dich für schlauer gehalten..."
"Ich lasse mich nicht von dir manipulieren, Louise. Baron hat mir sein Versprechen gegeben und bislang hat er sein Wort immer gehalten, was auch in Zukunft so sein wird. Ich kenne ihn."
"Du kennst ihn? Oh, wie naiv und dumm ihr Menschen doch seid! Ich kannte ihn schon, da warst du noch gar nicht geboren. Unser Meister hat mich für ihn geschaffen, wir sind füreinander bestimmt. Ich liebe meinen Verlobten und er wird auch wieder mich lieben, wenn er erst erkannt hat, dass er mit dir nur seine Zeit verschwendet..."
"Ach ja? Wenn du so überzeugt von Barons Gefühlen für dich bist, warum lässt du dann zu, dass er mit mir zusammen ist?"
Louise schmunzelte und schlug ihre Beine übereinander.
"Vielleicht gönne ich ihm auch einfach den Spaß. Ich meine kann ich ihm im Weg stehen, wenn er ein bisschen Vergnügen mit seiner menschlichen Freundin haben will? Wir haben die Unsterblichkeit zur Verfügung, da zählen kleine Zwischenromanzen nicht besonders."
Haru knirschte mit den Zähnen.
"Egal, was du auch zu mir sagen magst, aber ich werde deinen Worten keinen Glauben schenken. Ich habe Vertrauen in Baron und unsere Beziehung. Niemand und schon gar nicht du wirst jemals erreichen, dass ich an unserer Liebe zueinander zweifeln werde. Was für ein falsches, krankes Spiel du auch treiben magst, du wirst niemals gewinnen, Louise!"
Mit diesen Worten knallte Haru die Tür hinter sich zu und verschwand nach draußen. Louise machte sich daran wieder ihr Fell zu bürsten. Ein spöttisches Lächeln zierte ihre Mundwinkel und ihre Augen waren auf jenes Gemälde mit dem tanzenden Paar gerichtet.
„Warte es nur ab, ich gewinne immer Menschenbrut. Bald wird Baron wieder mir gehören, nur mir allein."

Zur selben Zeit im Katzenkönigreich, im Thronsaal des Palastes:

„MAJESTÄT! Majestät!“ Ein Diener des Königspaares rannte aufgeregt durch die Gänge des Schlosses und kam im Thronsaal vor dem König und der neuen Königin zum Stehen. Ganz außer Atem verneigte er sich vor dem frisch verheirateten Königspaar, welches gerade erst aus seinen Flitterwochen zurückgekommen war.
„Eure Hoheiten.“
Lune und Yuki sahen sich verwundert an. Was konnte denn nur geschehen sein, dass so eine Aufregung unter der Dienerschaft herrschte.
„Hol erst mal Luft Migul, was ist denn geschehen? Was hat diese Aufregung zu bedeuten?"
Lune deutete ihm an zu sprechen, während Yuki mit besorgter Miene abwartete. Sie hatte ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Miguls Stimme zitterte, als er zu den Majestäten sprach:
„Es ist etwas Schreckliches geschehen, Sire. Der Gefangene..der falsche Baron..er er ist entkommen. Er konnte die Wachen überlisten und ist geflohen!"
„Nein, das darf nicht sein!“ entfuhr es der Königin und auch ihr Mann hoffte, dass er sich nur verhört hatte. Er drückte Yukis Pfote und blickte alarmiert zu seinem Diener.
„Wie konnte das geschehen? Ich habe veranlasst, dass er in die sicherste Zelle des Palastes gebracht wird. Wachen sollten rum um die Uhr bei seinem Gefängnis patrouillieren. Die höchste Sicherheitsstufe war für ihn vorgesehen!" Lune hatte sich von seinem Thron erhoben und war genauso aufgebracht, wie seine Frau. Sie wussten beide, dass der Geflohene alles andere als ungefährlich war. Migul verneigte sich erneut und abgesehen von seiner Stimme, zitterte nun auch sein Körper.
"W- wir wissen auch nicht, wie das geschehen konnte...Bitte vergibt uns meine Majestäten. E- es wird bereits nach ihm gesucht."
Lune fuhr sich mit der Pfote über die Augen und seufzte. Er musste jetzt die Ruhe bewahren, er durfte jetzt nicht überreagieren. Die Angestellten im Schloss würden schon ängstlich und panisch genug sein.
"Es gibt nichts zu vergeben, Migul. Ich bin mir sicher, dass alle ihr Bestes getan haben und niemand die Schuld trägt. Bitte geh wieder an deine Arbeit, Migul. Ich danke dir, dass du meine Frau und mich darüber unterrichtet hast.
"Natürlich, mein König. I- ich danke Euch, Eure Majestäten."
Der Kater verneigte sich erneut vor dem König und der Königin, dann verließ er den Thronsaal. Lune nahm wieder auf seinem Thron Platz und stützte seinen Kopf auf seine Pfoten, dabei hatte er die Stirn gerunzelt. Yuki ergriff seine Pfoten und blickte ihm in die Augen.
"Sie verehren dich. Du bist so gütig und liebst jeden Einzelnen deines Volkes. Auch wenn es eine Katastrophe ist, wir werden sie überwältigen, mein Liebling.  Zusammen." "Wie kann ich nur eine solche Frau, wie dich verdienen? Du bist ein Geschenk des Himmels, meine Yuki." Sie lächelte und drückte seine Pfote. "Ich werde immer an deiner Seite sein, Liebster."
"Eure Majestäten?"
Natoru stand vor den Thronen des Königspaares und verneigte sich.
"Wie lauten Eure Befehle?"
Das Paar erhob sich und hielten ihre Pfoten ineinander.
"Verkündet im ganzen Reich, dass die königliche Armee nicht eher ruhen wird, bis der Geflohene wieder gefasst ist! Ruft die höchste Sicherheitsstufe des Reiches aus und lasst überall Wachen postieren. Jeder Winkel des Königreichs soll durchkämmt werden!" Lune hatte seine Stimme erhoben und seine Worte hallten durch den Saal.
"Wir werden Haru und Baron besuchen, sobald die Sonne aufgegangen ist. Wir müssen sie um jeden Preis warnen, Lune."
Der König nickte und stimmte den Worten seiner Königin zu.
"Wer weiß, was er plant, um ihnen etwas anzutun..."
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