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Entscheidung des Herzens

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Baron Haru Yoshioka Muta Run / Lune Yuki
30.12.2013
18.08.2016
15
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30.12.2013 3.964
 
Einige Tage nach der Hochzeit hatte sich wieder der Alltag im Katzenbüro breit gemacht. Muta und Asaki waren inzwischen fast fertig mit ihrem Umzug und Arbeiten, sodass schon demnächst die nächste Feier stattfinden würde. An jenem Morgen war die Sonne bereits aufgegangen und hatte den Platz in ein gedämmtes Licht gehüllt, dabei drangen die ersten Sonnenstrahlen ins Innere des Katzenbüros. Baron saß bereits fertig angekleidet am Frühstückstisch und blätterte in seiner Morgenzeitung. Zudem hatte er eine dampfende Tasse Tee neben sich stehen, die er beim Studieren der Artikel trank. Er war ganz in seinen Gedanken versunken, sodass er nicht wahrnahm, wie Haru die Treppe hinunter kam. Sie trug einen rot-karierten Rock mit einer weißen Bluse und hatte ihre braunen Haare zu einem Zopf gebunden. Sie verharrte kurz auf der Treppe und bemerkte belustigt, dass Baron ihre Anwesenheit noch gar nicht zur Kenntnis genommen hatte. Sie folgerte daraus, dass ein Artikel in der Zeitung ihn besonders fesselte, denn sonst hätte er sie ohne jeden Zweifel sofort bemerkt. Spitzbübisch schlich sie sich auf leisen Sohlen an und neigte ihren Kopf vorsichtig zu seinem Ohr. "Guten Morgen", hauchte sie und vergnügt nahm sie war, wie ihr Freund kurz zusammenzuckte. Er drehte sich zu ihr um und auf seinem Gesicht bildete sich ihr geliebtes Lächeln. Das Lächeln, was nur für sie bestimmt war. Er erhob sich von seinem Stuhl und nahm Haru in seine Arme. "Guten Morgen, Liebste", erwiderte er und küsste sie. Wie immer erschauerte Haru, wenn er das tat, denn er konnte unheimlich gut küssen. Oh ja und wie gut er das konnte...
"Ich habe nicht gedacht, dass du schon so früh wach bist." Haru schmunzelte. "Ich konnte nicht mehr schlafen. Außerdem warst du nicht mehr da", entgegnete sie gespielt vorwurfsvoll, weshalb Baron sie ein weiteres Mal küsste. "Tut mir Leid, Liebling. Ich verspreche dir, dass es nicht mehr vorkommen wird." "Gut", lachte Haru und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Sie waren zwar schon ein halbes Jahr ein Paar und doch konnten sie kaum die Finger voneinander lassen. Sie benahmen sich wie ein frisch verliebtes Paar, aber dies würde sich wohl nie ändern. Händchenhaltend nahmen sie gemeinsam am Tisch Platz und Baron legte die Zeitung beiseite. "Was gab es denn so Wichtiges, was dich ungemein interessiert hat?" Haru goss sich ein wenig Tee an und hob ihre Tasse lächelnd an. "Ist deine Mischung heute geglückt?" Er nickte. "Ich denke schon, aber du solltest sie selbst kosten." Haru tat dies und zwinkerte ihm kokett zu. "Deliziös wie immer. Du hast wirklich ein Händchen für Teemischungen." Baron zuckte die Schultern. "Ich denke eher, dass du bisher einfach viel Glück hattest." "Sicher? Vielleicht sollte ich Muta mal fragen. Hat er deinen Tee eigentlich schon einmal probiert?" "Ich kann es nicht sagen, zumindest habe ich ihn nie einen trinken sehen." Haru verdrehte die Augen. "Das wäre wirklich zu viel für ihn verlangt." Baron zog eine Augenbraue hoch und ließ sich von ihrem Grinsen anstecken. Er lachte sanft und drückte ihre Hand.
"Haben Yuki und Lune sich schon gemeldet?" Haru schüttelte den Kopf. "Nein, aber ich denke mal sie sind zu beschäftigt ihre Flitterwochen auszukosten. Allzu lange haben sie ja leider nicht." Baron stimmte ihr zu und trank etwas von seinem Tee. "Das stimmt, aber sei nicht traurig darüber. Lune wusste, was auf ihn zukommt wenn er das Amt des Königs übernimmt." "Du hast Recht, aber die beiden hätten mehr Zeit zusammen verdient." Baron nickte. "Apropo Zeit, Muta und Asaki wollen heute Abend vorbeikommen." "Gut, dass du mich dran erinnerst. Hast du etwas bei diesem schönen Wetter geplant?" Sie schüttelte den Kopf. "Nein, eher nicht." Eine Haarlocke fiel ihr in die Stirn und Baron strich sie ihr liebevoll zurück. "Habe ich dir eigentlich schon gesagt, wie wunderschön du bist?" Haru lächelte und errötete bis in die Haarspitzen. Sie rückte näher zu ihm und legte ihren Kopf gegen seine Stirn. "Du bist süß", erwiderte sie leise und Baron legte einen Arm um sie, dann küsste er zärtlich ihre Stirn. "Ich sage nur die Wahrheit", entgegnete er und Haru schmiegte sich an ihn. Dies zählte zu den Momenten, die sie um nichts in der Welt missen wollte. Auch wenn sie schon seit gute 6 Monaten ein Paar waren, so konnte sie es manchmal noch immer nicht glauben. Wie sehr hatte sie sich in den vergangenen Jahren stets nach ihm und seiner Nähe gesehnt in dem festen Glauben eine Beziehung zwischen ihnen wäre undenkbar. Wie sehr hatte sie falsch gelegen...
"Lasst euch nicht stören, ihr Zwei."
Augenblicklich schlugen die beiden ihre Augen auf und drehten sich verwundert um. Toto kauerte auf dem Fensterbrett und bedachte das turtelnde Paar mit einem verschmitzten Lächeln. Etwas peinlich berührt entwandte sich Haru aus Barons Armen und versuchte nicht zu stark rot anzulaufen. Himmel, warum musste so etwas immer ihr passieren. Baron kratzte sich verlegen am Kopf, aber versuchte seine leichte Errötung durch ein Lächeln zu kaschieren.
"Guten Morgen, Toto."
"Ich wünsche euch ebenfalls einen guten Morgen. Euer ist ja schon gut verlaufen, wie ich sehe." Er lachte und schüttelte den Kopf. "Flohball und Asaki sind auch schon wach. Ungewöhnlich zu so früher Stunde, wenn du mich fragst." "In der Tat", stimmte die Katzenpuppe zu. "Warum bist du schon so früh auf, Toto", erkundigte sich Haru und lächelte dem gefiederten Gargoyle zu. "Ich wollte einen kleinen Rundflug unternehmen. Bei diesem strahlenden Wetter sollte man sich dies nicht entgehen lassen. Habt ihr Lust?"
"Tut mir Leid, aber die Schreibarbeit erledigt sich nicht von alleine. Ich muss noch einige Akten bearbeiten und etwas sortieren. Ich fürchte, dass ich die Arbeit etwas zu sehr aufgeschoben habe." Er wandte sich an Haru. "Begleite du doch Toto, Liebling." Haru runzelte die Stirn. "Bist du sicher? Ich könnte dir doch helfen, zu Zweit sind wir schneller." Er lächelte und schüttelte den Kopf. "Genieße du den Tag und unternimm etwas. Ich komm schon klar." "Wirklich", fragte sie zweifelnd. Er küsste auf die Stirn.
"Wirklich." Baron beugte sich näher zu ihrem Ohr. "Vergiss nicht, dass wir den ganzen Abend noch für uns haben." "Planst du irgendetwas?", fragte Haru lachend und gab ihm einen leichten Stoß in die Rippe. "Wer weiß", sagte er und zwinkerte ihr keck zu, dann verwickelte er sie in einen weiteren Kuss.
"Ihr Zwei könnt auch nicht ohne den Anderen sein oder?"
"Nein", konterten die beiden synchron und lachten. "Ich würde gerne einen Ausflug machen, Toto." Der Rabe nickte und ließ sich sanft auf dem Boden des Büros nieder.
"Steig auf, Haru." Baron küsste sie ein letztes Mal und half seiner Geliebten aufzusteigen.
"Überarbeite dich nicht." Die Katzenpuppe nickte. "Werde ich nicht, versprochen."
"Können wir los?" Baron nickte. "Fliegt vorsichtig und pass mir gut auf sie auf, Toto."
"Natürlich, was denkst du denn von mir, Baron?" Toto rappelte sich vorsichtig auf und wandte sich mit dem Kopf zu Haru um. "Halt dich gut fest." Sie nickte und griff mit ihren Pfoten in das Gefieder ihres Freundes. "Bis später, Baron." "Wir sehen uns nachher, Liebster", verabschiedete sich Haru von ihrem Freund und Toto entschwand mit dem ehemaligen Menschen durch das Fenster. Lächelnd sah Baron den beiden hinterher und wandte sich kopfschüttelnd seinem Schreibtisch zu. Die Anzahl der Papiere und Akten waren kaum zu übersehen und erinnerten ihn an die anstehende Arbeit. Seufzend  trank er seinen Tee aus, räumte den Tisch ab und machte sich anschließend an seine Arbeit. Er verweilte in Gedanken an dem bevorstehenden Abend und begann leise schmunzelnd mit seinen Aufgaben.

Haru genoss den Fahrtwind, der ihr durch das Haar wehte und die einzigartige Aussicht auf die Stadt, welche einfach unglaublich war. Toto setzte hin und wieder zu Sturzflügen an, wobei sie sich prächtig amüsierte. Es war einfach herrlich zu fliegen, denn dabei fühlte sie sich so frei und großartig. Es war ein Gefühl, dass sie nicht beschreiben konnte. Einzig allein ihr Geliebter fehlte ihr und sie wünschte sich ihn bei sich zu haben.
„Alles in Ordnung, Haru?“ Die Angesprochene lächelte.
„Natürlich warum sollte es nicht? Es ist wirklich unfassbar toll, vielen Dank Toto.“ Sie strich ihrem Freund durch das schwarze Gefieder und umarmte seinen Hals.
„Für dich mache ich alles, Haru. Gibt es einen Ort, den du besuchen willst?“
Haru überlegte nicht lange, jedoch zögerte sie mit ihrer Antwort.
„Können..können wir bei meinem alten Zuhause vorbeischauen? Ich würde gerne wissen wie es Mum geht und Hiromi.“
Toto bemerkte die Traurigkeit, die in ihrer Stimme mitschwang und setzte zu einem weiteren Sturzflug an.
„Wenn du es willst, halte dich gut fest.“ rief er ihr zu und schoss hinunter in Richtung Stadt. Haru klammerte sich an seinen Hals, aber konnte ein Jauchzen nicht unterdrücken. Wie herrlich es doch war zu fliegen!"

Um die Mittagszeit saß  Baron noch immer an seinem Schreibtisch und klappte gerade die letzte Akte zu. Er streckte sich kurz und beschloss, nach einem Blick in seine leere Teetasse, eine neue Mischung zu brauen. Während er sich seinen neuen Tee zubereitete dachte er an Haru und wie immer stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Die Liebe, die er für sie empfand, war nicht in Worte zu fassen. Es gab nichts, was er nicht an seiner Freundin liebte. Seit Ewigkeiten war er stets alleine gewesen, natürlich hatte er Muta und Toto gehabt, aber nie hatte er solch eine Intensität von Gefühlen erfahren, wie es bei Haru der Fall war. Baron liebte sie vom ganzen Herzen und mit jeder Faser seines Körpers. Für ihn war ein Leben ohne das einstige Menschenmädchen nicht mehr möglich. Seit der Hochzeit hatte er sich Gedanken um ihre Beziehung gemacht und sich schon längst dazu entschieden den nächsten Schritt zu wagen. Wenn sich am kommenden Abend der richtige Augenblick ergeben würde, dann würde er um ihre Hand einhalten. Haru war sein Leben und er war sich vollkommen sicher, dass er den Rest seines Daseins mit ihr verbringen wollte. Also die Ewigkeit, wenn man seine Spezies genau betrachtete.

Ein Klopfen schreckte ihn aus seinen Gedanken und verwundert sah er zur Tür. Wer konnte das wohl sein? Baron erhob sich und schritt zur Tür. In der festen Überzeugung einen neuen Klienten vorzufinden öffnete er die Tür. Er blickte in das verhüllte Gesicht einer Gestalt, die in einem dunklen Umhang gekleidet war. Sie hatte den Kopf gesenkt und starrte auf den Boden. "Seit Ihr Baron Humbert von Gikkingen? Der Leiter des Katzenbüros?" Ihre Stimme hatte einen merkwürdig vertrauten Klang, wie Baron verwundert feststellte. "In der Tat, der bin ich. Dürfte ich fragen mit wem ich das Vergnügen habe?" Die Katzenpuppe hatte die Stirn gerunzelt und musterte sein Gegenüber. Warum kam ihm diese Stimme nur so bekannt vor? Die Gestalt hob den Kopf, dabei rutschte der Person die Kapuze vom Haupt. Baron erstarrte und rieb sich die Augen. Nein, dass konnte nur eine Illusion sein. Kristallklare smaragdgrüne Augen begegneten seinem Blick und ein kokettes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
"Nein, dass ist nicht möglich", murmelte Baron und seine Augen weiteten sich, als er realisierte, dass es keine Illusion war. Sein Gegenüber fuhr sich über das schneeweiße Fell und klimperte zärtlich mit ihren Wimpern.
"Ich freue mich sehr dich wiederzusehen, Humbert. Es ist lange her."
Er schüttelte ungläubig den Kopf und traute seinen Augen nicht.
"Louise?"

4. Kapitel: Überraschendes Wiedersehen

„Nach 50 Jahren sehen wir uns also wieder, du hast dich kein bisschen verändert", fuhr sie fort und lächelte ihn weiter an. Baron kratzte sich verlegen am Hinterkopf und bedachte sie weiterhin mit einem nicht definierbaren Blick. Eine Mischung zwischen Fassungslosigkeit und Verwunderung hätte es wohl genau getroffen.
"Das ist doch nicht möglich...Du warst doch..."
Er konnte nicht weitersprechen, sondern sie einfach nur anstarren. Selbst in seinen kühnsten Vorstellungen hätte er nie geglaubt sie je wiederzusehen. Louise kicherte leise.
"Willst du mich gar nicht hereinbitten?"
"Mhm? Oh doch natürlich, entschuldige bitte." Mit erhobenen Haupt stolzierte Louise an ihm vorbei und betrat das Katzenbüro. Baron schloss die Tür hinter ihnen, während Louise sich im Haus umsah. "Schön hast du es hier. Es erinnert mich etwas an die alten Zeiten, erinnerst du dich?" Ihr fiel das große Porträit auf, welches goldgerahmt an der Wand hing. Es zeigte einen maskierten Tänzer, der Ähnlichkeit mit einem Musketier hatte und eine Brünette Schönheit in einem gelben Ballkleid. Gemeinsam tanzten sie in einem Ballsaal, der im Hintergrund des Gemäldes zu erkennen war.
"Obwohl dein Geschmack hat sich vielleicht doch etwas geändert..." Baron trat neben sie und bestaunte ebenfalls das schöne Gemälde, welches ihm jedes Mal das Herz aufgehen ließ. Haru hatte es ihm zu Geburtstag geschenkt, denn die Künstlerin war niemand anderes als sie gewesen. Es sollte sie immer daran erinnern, wie sie sich kennengelernt hatten. "Es ist lange her, Humbert", seufzte Louise plötzlich und der Angesprochene nickte. "Ich hätte nicht geglaubt dich je wiederzusehen." "Ebenso wenig dachte ich dies von dir, aber...dem Anschein nach haben wir uns beide geirrt." Baron entgegnete nichts darauf, sondern betrachtete einen Augenblick noch verträumt das Bild. "Wie ist es dir in den letzten Jahren so ergangen? Ich habe gehört, dass du dir einen großen Namen als der Inhaber des Katzenbüros gemacht hast." "Die Leute übertreiben ganz gerne. Meine Aufgabe besteht darin Anderen zu helfen, Louise. Ich bin glücklich, wenn ich meinen Klienten helfen kann." Die Angesprochene verdrehte die Augen. "Dieses Helfersyndrom hattest du schon immer." Baron ignorierte ihre Bemerkung und deutete Richtung Küche.
"Möchtest du einen Tee?" "Oh ja sehr gerne. Aber pur bitte, Milch versüßt den Geschmack nur unnötig", sagte Louise, während sie ihren Umhang ablegte. Baron nickte ihr knapp zu und verschwand in die Küche. Louise strich sich schmunzelnd über ihr fliederfarbenes, langes Kleid und nahm auf dem Sofa Platz.

Währenddessen hantierte Baron in der Küche und wusste nicht so recht, was er von dem überraschenden Besuch halten sollte. Er hatte Louise die letzten 50 Jahre nicht gesehen und er hatte damals nur schwer mit ihrem Tod abgeschlossen. Er dachte, sie wäre damals ums Leben gekommen, da sie sich nicht mehr nach dem vergangenen Krieg gemeldet hatte. Wie schwer war die Zeit des Trauerns für ihn gewesen und nun saß sie in seinem Wohnzimmer und war quicklebendig. Zugegeben sie hatten sich kaum gekannt und hatten nur wenig Zeit miteinander verbracht, aber ihr Meister hatte sie einst füreinander geschaffen. Im Grunde genommen hatte er Louise für ihn geschaffen, wenn er es sich recht erinnerte. Nachdenklich stellte er die Tassen auf das Tablett. Er konnte sich nicht mal entsinnen, dass Louise ebenfalls eine Seele gehabt hatte. War sie damals schon lebendig gewesen? Er konnte sich nicht erinnern, wenn er ehrlich war. In Gedanken versunken nahm er das Tablett und ging wieder zurück ins Wohnzimmer.

Indessen bei Haru:

Sorgenvoll betrachtete Toto, der sich auf einem Ast niedergelassen hatte, Haru. Diese hatte sich in die Nähe des Fensters gestellt und blickte in ihr altes Zuhause. Sie erkannte ihre Mutter und Hiromi, die zusammen auf dem Sofa saßen und miteinander redeten. Auf ihren Schoß konnte Haru einige Fotoalben erkennen auf deren Fotos hauptsächlich sie zu sehen war. Ihr wurde schwer ums Herz, als sie ihre Lieben so unglücklich und verzweifelt sah. Sie dachten bestimmt, dass sie entführt oder tot sei. Der Schmerz und die Traurigkeit, die sich in ihren Augen wiederspiegelten, waren unerträglich für das ehemalige Menschenmädchen und nur schwer konnte sie sich von den beiden abwenden.
"Haru?" Sie schreckte auf und blickte zu Toto, der sie noch immer besorgt betrachtete. Haru lächelte traurig und kletterte auf den Rücken ihres gefiederten Freundes.
"Es ist schwer sie so zu sehen, Toto. Niemals wieder mit ihnen sprechen zu können und sie nicht wissen zu lassen, dass ich lebe und es mir gut geht." Der Rabe nickte und sah sie aus mitfühlenden Augen an. "Es wird vorübergehen, Haru. Bereust du deine Wahl?" Die Brünette schüttelte demonstrativ den Kopf. "Nein, aber das war nun mal das Opfer, was ich bringen musste. Es gab keine andere Möglichkeit, als mein menschliches Leben aufzugeben, um mit Baron zusammen zu sein." Sie strich ihm über sein Gefieder und lächelte. "Lass uns zurück fliegen, Toto. Baron wartet sicher schon." Der Gargoyle nickte und schwang sich zurück in den Himmel.

Zurück bei Baron:

"Der Tee ist wirklich ausgezeichnet. Du hast wirklich ein Händchen dafür." Baron nickte und lächelte versonnen, als er diese Worte vernahm. Haru hatte dies ebenfalls am Morgen gesagt. Louise stellte die Teetasse wieder auf den Tisch ab und lächelte ihn mit ihren großen grünen Augen an. Doch sie nahm verärgert war, dass Baron sie gar nicht zu bemerken schien, sondern eher in seinen Gedanken versunken war. Nachdenklich zog sie die Augenbrauen zusammen. Dieses Verhalten kannte sie gar nicht von ihm.
"Woran denkst du?" Baron schüttelte den Kopf und trank von seinem Tee. "Das ist nicht von Belang. Bitte versteh mich nicht falsch, aber ich frage mich die ganze Zeit, wie du hierher gefunden hast. Woher wusstest du, dass ich mich hier aufhalte?" Louise setzte erneut ihr charmantes Lächeln auf und lehnte sich zufrieden zurück. Sie hatte wieder seine Aufmerksamkeit. "Wie ich es bereits erwähnte reden die Leute über dich und deine Taten, dabei habe ich einige Dinge gehört. Auch, dass du der Inhaber des Katzenbüros bist. Ich habe mich durchgefragt und mich auf den Weg gemacht."
"Ich verstehe."
"Außerdem..", fuhr sie zögerlich fort und strich sich dabei über ihr schneeweißes Fell. "Außerdem wollte ich dich wiedersehen und benötige zudem noch deine Hilfe in einer äußerst komplizierten Angelegenheit." Baron stützte sein Kinn auf seine rechte Hand und sah sie nachdenklich an. "Wie kann ich dir helfen, Louise?" Sein Gegenüber schmunzelte und winkte ab. "Es ist eine lange Geschichte, doch ich möchte erst erfahren, wie es dir so ergangen ist. Bisher hast du darüber kaum etwas verlauten lassen."
Einen Moment zeigte sich Verwunderung in Barons Blick, aber schließlich stimmte er ihrer Bitte zu. Vermutlich war sie einfach nur neugierig.
"Da gibt es nicht viel zu erzählen. Vor einigen Jahren sind Muta, Toto und ich hierhergekommen und haben das Katzenbüro eröffnet. Seitdem versuchen wir jedem zu helfen, der zu uns kommt und geben stets unser Bestes, um die Probleme unserer Klienten zu lösen." "Das kann doch nicht alles sein", kommentierte Louise und blickte ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Baron fuhr fort: "Vor ungefähr drei Jahren haben wir Haru kennengelernt, denn auch sie benötigte unsere Hilfe. Auf den Geheiß des Katzenkönigs sollte sie Prinz Lune heiraten, da sie ihm zuvor das Leben gerettet hatte. Sie wandte sich an uns und wir sicherten ihr unsere Hilfe zu. Dann wurde sie entführt und ins Königreich der Katzen gebracht. Muta, Toto und ich reisten ihr hinterher und halfen ihr schließlich wieder in die Menschenwelt zu kommen." Baron fasste die vergangenen Ereignisse kurz zusammen und erwähnte nicht den Tanz, da es nur ihn und Haru etwas anging. Dies war ihr eigener, magischer Moment gewesen.
"Warum sollte der Prinz ein einfaches Menschenmädchen heiraten?"
"Haru ist etwas Besonderes, denn sie konnte in ihrer menschenlichen Gestalt mit Katzen reden." Fragend blickte Louise ihn an. "Sie war?" Baron nickte. "Vor etwa einem halben Jahr waren wir erneut in ein Abenteuer verwickelt. Erinnerst du dich noch an Edward?"
"Deinen Bruder? Natürlich, wie könnte ich ihn vergessen! Hat er etwas mit der ganzen Geschichte zu tun?" Baron nickte grimmig.
"Allerdings. Er entführte Haru und brachte sie in seine Gewalt. Als es zu einer Auseinandersetzung zwischen uns gekommen ist, hat er mich niedergeschlagen und mich in den Kerker werfen lassen. Mithilfe von Kontaktlinsen hat er sich als mich ausgegeben und das Vertrauen der Anderen dazu benutzt seine Pläne zu verfolgen, die darin bestanden den Thron zu erobern. Glücklicherweise hat sich die ganze Geschichte noch zu einem guten Ende gewendet, denn Haru und ich konnten ihn zusammen besiegen. Er sitzt nun im Kerker des Palastes und büßt für seine zahlreichen Verbrechen. Er wird niemanden etwas mehr zu Leide tun können, nie mehr." Baron erhob sich und betrachtete erneut das Gemälde, welches Haru und ihn zeigte. Nie wieder würde sein Bruder seiner Haru etwas antun können. Louise bemerkte seinen Blick und ging stirnrunzelnd auf ihn zu. Dieser Blick von Baron und allein schon dieses Gemälde missfiel ihr zutiefst.
"Was wurde aus dieser Haru?
Ihr Ton war nicht mehr der freudige oder sanftmütige wie zuvor, sondern hatte etwas misstrauisches an sich. Doch Baron bemerkte ihren Unterton nicht und kratzte sich verlegen am Kopf. Wie sollte er ihr es nur beibringen?
"Louise, es gibt da etwas, was du wissen musst. Haru ist kein Mensch mehr, sondern.." Ehe er fortfahren konnte öffnete sich ein weiteres Mal die Tür und Haru das Katzenbüro. Sie legte ihren Mantel ab und schien Louise gar nicht zu bemerken.
"Tut mir Leid, dass es ein wenig länger gedauert hat. Ich habe noch bei Mum und Hiromi nach dem Rechten gesehen. Es ist schwer für sie, aber sie werden darüber hinwegkommen." Sie drehte sich um, in den festen Glauben Baron an seinem Schreibtisch vorzufinden, stattdessen stand er bei ihrem Gemälde und neben ihm verharrte eine bildschöne, schneeweiße Katze. Wie Baron hatte sie funkelnde, smaragdgrüne Augen und schien ebenfalls eine Katzenpuppe zu sein, da sie wie er halb Katze, halb Mensch war. Ein elegantes, violettes Kleid zierte ihre Körper und Haru musste zugeben, dass sie atemberaubend hübsch war.
"Eine neue Klientin?" Bevor er etwas sagen konnte, kam Louise ihm zuvor:
"Wer ist das?"
Baron seufzte und blickte zwischen den beiden Frauen hin und her. Louise hatte Misstrauen in ihrem Blick, während Harus etwas verwirrt, aber dennoch freundlich war. Als sie sich wohl genug beobachtet hatten, richteten sich beide Augenpaare auf Baron. Es herrschte eine Spannung im Raum, die fast greifbar war.
"Baron?", hakte Haru nun ungeduldig nach. Sie wunderte sich sehr über das Verhalten ihres Freundes. Er hatte noch nie so unsicher und ratlos reagiert, jedenfalls hatte sie ihn noch nie so erlebt. Baron atmete einmal tief durch sah zu Louise.
"Louise, dass ist Haru. Sie ist meine Freundin und ebenfalls ein Agent des Katzenbüros. Zudem sind wir seit knapp einem halben Jahr zusammen." "Ihr seit ein Paar?!" Er nickte und ignorierte ihren dramatischen Einwurf. Nun blickte die Katzenpuppe zu Haru, die ihn immer noch abwartend ansah. "Haru, dass ist Louise. Sie ist eine alte Freundin von mir. Sie ist...wir waren..." Etwas unbeholfen sah er zwischen ihr und Louise her, dann kratzte er sich verlegen am Kopf. Haru sah ihn verwundert an. Was war denn mit ihm los?
"Nun wir wurden von demselben Meister erschaffen und dabei hat er uns...Also Louise und ich waren einmal..." Er konnte dieses Wort nicht über seine Lippen bringen. Natürlich würde es seine Geliebte nur verletzen und das wollte er ganz bestimmt nicht!
Doch ehe er sich eine andere Formulierung einfallen oder es ihr erklären konnte, machte Louise einen Schritt auf ihn und zu und nahm seine Hand.
"Baron ist mein Verlobter."
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