Nice to meet you, Mister Spenser

von - Leela -
KurzgeschichteHumor / P12
Tracy
30.12.2013
30.12.2013
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Diese Episodensammlung gehört zu dem Projekt »3 Dinge die du nicht tuen solltest, wenn…« von Rose00.
      Anzumerken sei hierbei noch, daß es sich bei den einzelnen Kapiteln um Momentaufnahmen handelt; es ist also nicht so, daß Spenser gar nichts drauf hat! ;-)

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3 Dinge die du nicht tun solltest, wenn…
      - du mitten in einem Vorstellungsgespräch bist

Warum Spenser Ghostbuster geworden ist

»Spenser, Tracy & Kong – Ghostbusters«, das stand an einer der Türen in einem großen Bürohaus in Piru, Kalifornien, das sich mehrere Firmen teilten. Hier hatte die Ghostbusting-Firma ein geräumiges Büro angemietet, wo die drei Partner ihrem Geschäft nachgingen. Manchmal fragte sich Kong allerdings, mit welcher Begründung Spenser als erster im Firmennamen auftauchte. Weil er der älteste von ihnen war? Oder weil es so einfach am besten klang?
      Warum sich Kong vom Zeit zu Zeit diese Frage stellte, war nicht etwa, weil er sich eigentlich als Chef der Firma sah, und seinen Namen gerne an erster Stelle gesehen hätte. Damit hatte es nichts zu tun. Nein, er mußte sicher nicht an erster Stelle stehen. Aber ausgerechnet Spenser? – Es war nicht so, daß er seinen Partner und Freund nicht schätzte, oh, nein! Es war nur so, daß Spenser die seltene Gabe hatte, ihn mit seiner Naivität immer wieder bis an den Rand der Verzweiflung zu bringen, so daß ihm am Ende nichts anderes als ein hilfloses Lachen übrig blieb. Keine guten Voraussetzungen, um den Firmennamen anzuführen, wie Kong empfand.
      Selbst Tracy, der Berggorilla, der zu ihrem Team gehörte, wäre ihm da noch passender erschienen; Tracy war immerhin hoch begabt, intelligent, und er war ein technisches Genie. Es gab nichts, was Tracy nicht irgendwie bewerkstelligen konnte, und klang es noch so abwegig. Kong versank in Gedanken. »Tracy, Spenser & Kong – Ghostbusters«. So schlecht wäre diese Variante auch nicht gewesen.

Heute war wieder einer solcher Tagen, an dem ihm dieser Gedanke durch den Kopf schoß, als die drei Ghostbuster ihrer Arbeit nachgingen. Kong studierte ihren neuen Auftrag, den sie vor kurzem gerade erst bekommen hatten, während Tracy Ablage machte und die Unterlagen, die im Büro herumlagen in den Aktenschrank einsortierte.
      Spenser beobachtete den Gorilla dabei argwöhnisch. Ihm war bewußt, daß sein animaler Partner um einiges kräftiger war als er, doch warum er die Schubladen des Aktenschrankes aufbekam, die bei ihm jedes mal klemmten, obwohl er nicht so aussah, als würde er sich übermäßig anstrengen, war ihm ein Rätsel. „Ich sage dir, Kong, dieser Aktenschrank boykottiert mich!“ erklärte er entschieden.
      Kong sah von seinem Bericht auf. „Was soll ich dazu sagen? Vielleicht hat der Aktenschrank ja einen Grund dazu!“
      Tracy lehnte sich gegen den Schrank und besah sich bald schon provozierend die Finger.
      Spenser verdrehte die Augen. „Ja, ich weiß, daß du es kannst! Vielleicht sollten wir dich als Aktenhalter anstellen, und…“
      Kong sah alarmiert auf. „… und dich statt dessen als Techniker und Erfinder? Gott bewahre!“
      „Herzlichen Dank!“ erwiderte Spenser betont süß. „Das traust du mir wohl nicht zu!“
      „Der Kandidat hat hundert Punkte! – Bitte gib’ mir mal das andere File mit den Bildern von der weißen Frau. Wenn es der gleiche Spuk ist, wie vor ein paar Monaten, gibt es nur eine Möglichkeit, dem beizukommen.“
      Spenser schlenderte zum Aktenschrank herüber und versuchte, sich seine Anspannung nicht anmerken zu lassen. Dann versuchte er, die entsprechende Schublade zu öffnen – ohne eine Chance.
      Kong beobachtete ihn mit einem kleinen Lächeln.
      Schließlich kam Tracy ihm zu Hilfe, öffnete die Schublade, zog das File heraus und gab es Kong.
      „Danke, Tracy!“ erwiderte Kong betont.
      „Okay! Das reicht!“ erwiderte Spenser. „Nur weil der Affe den Dreh mit dem Aktenschrank raushat, heißt das nicht, daß ich nichts draufhabe!“
      Tracy ließ sich ein wütendes Grunzen vernehmen und gestikulierte aufgebracht.
      „Entschuldigung, Tracy, war nicht so gemeint!“ erwiderte Spenser automatisch.
      „Irgend etwas mußt du draufhaben. Sonst wärst du nicht Teilhaber dieser Firma!“ erwiderte Kong gelassen. „Manchmal frage ich mich aber schon, ob du dir genau überlegt hast, Ghostbuster zu werden.“
      „Eigentlich wollte ich ja Immobilienkaufmann werden!“ erzählte Spenser.
      „Und da gab es keine freien Stellen?“ wunderte sich Kong.
      „Doch. Ich war sogar zu einem Vorstellungsgespräch! – Merkwürdigerweise wurde ich danach nie wieder zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen…“
      Kong sah seinen Partner mit ein wenig Erstaunen an, doch mittlerweile kannte er Spenser lange genug um zu wissen, daß bei ihm alles möglich war. „Was ist passiert?“ fragte er so unbedarft wie möglich.
      „Wenn ich das wüßte!“ erklärte Spenser. „Ich kann es mir gar nicht erklären! Eigentlich war alles perfekt, die Atmosphäre war angenehm, die Chefin sehr nett…“
      Kong faltete die Hände und musterte Spenser eingehend. „Dieses Vorstellungsgespräch würde ich gerne mal in einem Flashback sehen!“ kommentierte er.
      Tracy machte mit einer Geste auf sich aufmerksam. Dann klatschte er in die Hände, und zur Verblüffung von Kong und auch von Spenser startete in dem Augenblick das gewünschte Flashback in schwarz-weiß direkt im Büro:

Spenser saß vor einem Schreibtisch auf einem Stuhl. Ihm gegenüber saß eine Frau mit hochgesteckten Haaren, die noch gar nicht so alt wirkte, dafür aber sehr autoritär und durchaus hübsch. Neben ihr saßen zwei Männer, die ebenfalls ein Namensschildchen mit Firmenlogo trugen.
      Die Frau sah Spenser direkt an und faltete die Hände auf dem Schreibtisch. „Nun, Mister Spenser, was hat sie dazu bewogen, sich um einen Ausbildungsplatz in unserer Firma zu bewerben?“
      Spenser hatte damals schon das charmante Grinsen drauf gehabt, mit dem er die Leute auch gut provozieren konnte. „Nun… Ich habe mich schon immer für Häuser interessiert und arbeite gerne mit Menschen zusammen.“
      „Das sind schon mal gute Grundvoraussetzungen!“ Die Frau senkte den Blick auf ihre Unterlagen. „Ihre Zeugnisse sind auch nicht schlecht. Hier steht allerdings als Zusatz, daß Sie bisweilen ein recht anstrengendes Wesen haben. Was muß ich mir denn darunter vorstellen?“
      „Ach…“ Spenser winkte ab. „Ich bin eben gerne im Kontakt mit anderen Menschen. Deswegen reizt mich dieser Beruf ja auch, weil ich das da sehr schön mit einbringen kann.“
      Die Frau und die beiden Männer wechselten Blicke, und ein leichtes Nicken zeigte an, daß sie nicht ganz unbeeindruckt von Spenser waren.
      „Sagen Sie, Mister Spenser…“ schaltete sich nun einer der Herren ein. „Haben Sie eine ungefähre Vorstellung von den Tätigkeiten, die Sie hier erwarten?“
      „Ich denke, das kann viel sein. Beratungen rund um’s Haus, Immobilien kaufen und verkaufen, vermieten und verwalten, Finanzierungen ausarbeiten…“
      „Ich sehe, Sie haben sich wirklich mit Ihrer Berufswahl beschäftigt!“ sagte die Frau anerkennend.
      Spenser konnte sich ein gewinnendes Lächeln nicht verkneifen. Er suchte ihren Blick und erklärte verschwörerisch: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig!“
      „Das ist eine Einstellung, die Sie durchaus sehr gut in unserem Job gebrauchen können!“ erwiderte die Frau.
      Sie wollte gerade ansetzen, eine weitere Frage zu stellen, als Spenser fragte: „Sagen Sie… Haben Sie heute Abend schon etwas vor, oder darf ich Sie in’s Kino einladen?“
      In die verblüfften Mienen der drei Firmenangehörigen mischte sich das kollektive Atemanhalten von Kong und Tracy, die das Flashback beobachteten. Nach einer Sekunde, die wie eine Standpause wirkte, fuhr das Flashback fort.
      „Ich würde Sie bitten, beim Thema zu bleiben, sonst beende ich die Vorstellungsrunde auf der Stelle!“ erwiderte sie, mit einem Hauch Kühle in der Stimme.
      Spenser konnte seine Enttäuschung nicht ganz verbergen, sagte aber nichts dazu.
      „Disziplin wird in unserer Firma ganz groß geschrieben. Meinen Sie, Sie sind dem gewachsen?“ fragte sie nun, und Spenser wurde das Gefühl nicht los, daß sie diese Frage sehr genau jetzt ausgesucht hatte.
      „Aber selbstverständlich!“ erwiderte er, fast entrüstet.
      „Gut! Kommen wir zum aktuellen Weltgeschehen. Lesen Sie die Tageszeitung?“
      Spenser lehnte sich mit einem lässigen Lächeln auf dem Stuhl zurück. „Sicher, meistens zum Mittag. Apropos, wann gibt es hier eigentlich endlich eine Mittagspause? Ich habe seit dem Frühstück schon nichts mehr gegessen.“
      Die Chefin maß ihn mit einem kühlen, abschätzenden Blick, dann huschte dieser schnell auf das Zeugnis mit dem Zusatzpassus, den sie vorgelesen hatte. Sie überging den Kommentar schlicht und fragte: „Können Sie mir eine Schlagzeile aus der gestrigen Tageszeitung nennen?“
      Jetzt stockte Spenser merklich. Dann erwiderte er jedoch schnell: „Naja, zum Beispiel die Restaurierung des alten Schlosses…“
      Es wirkte, als hätte die Frau nicht mehr mit einer passenden Antwort gerechnet und nahm diese neutral auf.
      „Sehr passend zu Ihrem Berufsbild, das Sie sich da ausgewählt haben.“ hakte nun der zweite Mann ein. „Haben Sie eine ungefähre Vorstellung, in welchen finanziellen Dimensionen Sie da denken müssen?“
      Spenser überlegte kurz. „Wahrscheinlich mit mehreren Nullen. – Wo wir gerade bei finanziellen Dimensionen sind: Als ich über den Beruf recherchiert habe, habe ich festgestellt, daß der Lohn ja auch nicht so berauschend ist. Ab wann kann man denn mit der ersten Gehaltserhöhung rechnen? Das geht doch sicher nach Leistung, oder?“
      „Hier geht alles nur nach Leistung, Mister Spenser!“ ließ sich die Frau vernehmen und tauschte noch einmal einen Blick mit ihren Kollegen. Dann sagte sie: „Also, ich habe keine weiteren Fragen mehr. Ich denke, wir können das Gespräch hier beenden!“
      Die beiden Herren nickten, und so standen die vier Anwesenden auf.
      Die Frau reichte Spenser die Hand und schenkte ihm ein etwas gekünsteltes Lächeln. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, und guten Appetit. Sehen Sie zu, daß Sie zu Ihrem Mittagessen kommen, nicht daß Sie noch vom Fleisch fallen!“
      Spenser lächelte aufrichtig zurück. „Danke, das werde ich!“

„Die Firma hat sich danach nie wieder bei mir gemeldet.“ erklärte Spenser mit einer hilflosen Geste, als das Flashback endete.
      Kong schüttelte seit geraumer Zeit nur den Kopf. „Jetzt wird mir einiges klar!“
      Spenser sah ihn verwirrt an. „Was wird dir klar?“
      „Warum du den Job nicht bekommen hast!“ meinte Kong leichthin.
      „Tatsächlich?“ wunderte sich Spenser.
      Kong sah Tracy an. „Also, mir sind drei Dinge aufgefallen!“
      Tracy nickte zustimmend.
      „Wollen wir es ihm sagen?“ fragte Kong herausfordernd.
      Tracy grunzte bestätigend und besorgte einen Block und einen Stift.
      Kong sah Spenser zuckersüß an. „Also, die folgende Sammlung an guten Ratschlägen nur für dich, falls du noch einmal in die Verlegenheit kommen solltest, so ein Gespräch absolvieren zu müssen: Drei Dinge die du nicht tun solltest, wenn du mitten in einem Vorstellungsgespräch bist! Erstens:…“ Er beobachtete, wie Tracy einen Mann und eine Frau als Strichmännchen aufmalte, und anschließend ein Herz in einer Sprechblase über dem Mann hinzufügte. Das Ergebnis hielt der Gorilla gut sichtbar hoch. Kong wandte sich wieder Spenser zu. „… Nie während des Vorstellungsgespräches dort eventuell anwesende Frauen angraben!“
      Spenser verdrehte die Augen. „Meine Güte! Ich dachte, es wäre ein Kompliment!“
      Kong ignorierte den Einwurf und sah auf die zweite Zeichnung, die Tracy bereits fertigte, welche aus einem Teller mit einem Truthahn und einer Uhr, die gerade Mittagszeit anzeigte bestand. „Zweitens: Niemals während des Gespräches fragen, wann es endlich etwas zu essen gibt!“
      „Ich hatte eben Hunger!“ verteidigte sich Spenser.
      „Und drittens:…“ fuhr Kong fließend fort, während Tracy ein paar Geldscheine auf das dritte Blatt Papier malte, und daneben ein Strichmännchen mit einer Sprechblase, in die er ein Plus und ein Fragezeichen setzte. „… Nie beim Vorstellungsgespräch gleich schon nach der ersten Gehaltserhöhung fragen!“ erklärte er, während Tracy auch die dritte Zeichnung gut sichtbar hochhielt.
      Spenser atmete frustriert durch. „Das alles kann man mir doch kaum zur Last legen, oder?“
      „Sagen wir es mal so…“ begann Kong ungerührt. „Alles hat auch immer ein gutes. So bist du zumindest bei uns gelandet! Und jetzt laßt uns das Ghostpack schnappen. Wir haben noch einen Auftrag beim alten Friedhof auszuführen!“
      Kong und Tracy waren schon auf dem Sprung, als Spenser ihnen mit zusammengebissenen Zähnen hinterhersah. Wenn es einen Ort auf dieser Welt gab, den er haßte, weil er ihm Furcht einflößte, dann war es der Friedhof. Sein Blick fiel unwillkürlich auf Tracys Zeichnungen, die dort noch auf dem Stuhl lagen. Vielleicht hätte er tatsächlich vorerst auf die Gehaltserhöhung verzichten sollen, und statt dessen nur die Chefin zum Essen einladen sollen…
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