Verliebt, verlobt...oder doch nur befreundet?

von Honeyy
GeschichteAllgemein / P12
30.12.2013
30.12.2015
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Hallo! :)
Ich melde mich mit einer neuen Geschichte! Eigentlich wollte ich schon längst ein neues Kapitel für meine andere Einstein-Story schreiben (Tommy & Constanze), aber irgendwie sind die Weihnachtsferien total stressig^^
Jedenfalls, viel Spaß beim Lesen!


Leute, mal ganz ehrlich: Ich hab nichts gegen Pärchen. Nein, ganz im Gegenteil. Manche von diesen händchenhaltenden, knutschenden, sich-dämlich-verliebte-Blicke-zuwerfenden Turteltauben finde ich ja sogar ganz niedlich. Romeo und Julia zum Beispiel – ach ne, die sterben ja. Oder...Tristan und Isolde – Mist, Tristan geht ja auch drauf. Na ja, egal. Punkt ist, dass ich nichts dagegen habe, wenn ein Junge und ein Mädchen zusammen sind. Vorausgesetzt natürlich es handelt sich nicht um Sándor Laszlo und Jo Hoffmann....

Es ist sieben Uhr achtundvierzig und Jo – meine beste Freundin – und Sándor – ihr fester Freund – lecken sich bereits so heftig ab, dass ich versucht bin, ihnen ein Sabberlätzchen anzubieten.
Immer wieder höre ich ein „Ich hab dich vermisst.“ oder Sachen wie „Deine Küsse haben mir so gefehlt.“
Ich bin versucht, den beiden Liebestrotteln kräftig auf den Hinterkopf zu schlagen. Herrgott nochmal, die beiden haben sich knapp zwei Tage nicht gesehen und tun so, als sei Sándor nicht in Ungarn, sondern in China gewesen.
Seufzend schiebe ich das glückliche Paar ein Stück zur Seite, denn es blockiert mein Schließfach. Während ich meine Bücher herausnehme, versuche ich Sándors Hintern auszuweichen, den er mir entgegenstreckt.
Da Jo nämlich im Rollstuhl sitzt, muss sich Sándor ein ganzes Stück weit nach unten beugen, wenn er seine Liebste küssen möchte. Dass er dabei wie ein Idiot aussieht, scheint er wohl in Kauf zu nehmen.
Demonstrativ knalle ich mein Schließfach mit extra viel Clara-Power zu und lasse wie aus Versehen meine Bücher auf Sándors linken Fuß fallen.
„Au!“, entfährt es ihm und er reißt sich von Jo los.
„Mensch, Clara, kannst du nicht aufpassen?!“, fährt mich Jo mit funkelnden Augen an. Ihre Haare sind ein einziges Durcheinander und ihre Lippen sind ganz geschwollen von den vielen Sándor-Küssen. Igitt.
„Ähm, kannst du dir vielleicht vorstellen, dass ich das absichtlich gemacht habe?“, antworte ich schnippisch und verstaue mein Chemiebuch in meiner Schultasche. Freitag steht schließlich ein Chemietest an. Nicht, dass ich dafür lernen werde, aber meinem Bruder Alex zuliebe, tu ich so als ob.
„Und wieso, bitte schön, lässt du Bücher auf die Füße meines Freundes fallen?“, hakt Jo genervt nach. Dabei betont sie das „mein Freund“ ganz besonders.
„Erstens, weil mir das Hinterteil „deines Freundes“ im Weg ist.“ Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Sándor sich ein Lächeln verkneift. „Und zweitens, weil ihr nicht andauernd an euch rumsabbern müsst, wie zwei Hundwelpen. Das ist voll widerlich.“
„Das ist überhaupt nicht widerlich!“, faucht Jo und rafft das Chaos aus Haaren auf ihrem Kopf zu einem unordentlichen Pferdeschwanz zusammen, „Außerdem sabbern wir nicht! Wir küssen uns. Das ist etwas völlig anderes. Du bist doch nur neidisch.“ Ihre sonst so verständnisvollen, freundlichen grünen Augen funkeln mich wütend an.
Ich erwidere ihren Blick mit einem ebenso zornigen. „Ich?! Neidisch?!“ Empört stemme ich die Hände in die Hüften. „Wieso sollte ich neidisch sein? Wegen Mr. Romeo hier, oder was?!“
„Hey!“, mischt sich Sándor empört ein. Er blickt auf seine Emporio Armani-Uhr, die ihm sein reicher Daddy geschenkt hat, weil er zum ersten Mal eine Eins auf den Physiktest geschrieben hat. Premiere, sozusagen.
Wenn ich irgendwo eine Eins schreibe, dann bekomme ich höchstens eine Schicht weniger Spüldienst von Alex aufs Auge gedrückt.
Sándor tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. „Komm schon, Jo. Wenn wir uns beeilen, dann erwischen wir Philipp noch vor der ersten Stunde.“
Ich ziehe fragend eine Augenbraue hoch. „Was wollt ihr denn von dem? Soll er euch etwa einen Pfarrer für eure Hochzeit mieten?“
„Ha ha, Clara. Hast wohl heute einen Clown gefrühstückt“, blafft Jo und blitzt mich böse an, „es geht dich ja eigentlich nichts an, aber Sándor und ich haben von Philipps Vater Karten für „Den Nussknacker“ bekommen, meine Lieblingsoper.“ Sie seufzt übelst romantisch und strahlt Sándor an wie ein Honigkuchenpferd.
Ich ziehe eine Grimasse. Noch nie – nie – hat Jo auch nur ein einziges Mal erwähnt, „Den Nussknacker“ zu mögen.
An Theaterkarten komme ich auch leicht, meine Tante kennt da so ein paar Leute. Hätte ich von Jos Leidenschaft erfahren, dann wären mir endlos lange Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk-Suchen erspart geblieben.
Und was soll überhaupt dieses „Es geht dich eigentlich nichts an“? Sonst erzählt mir Jo sogar wann sie ihre Periode bekommt und jetzt geht es mich plötzlich nichts mehr an? In welchem kranken Paralleluniversum lebe ich eigentlich?
Während ich in meinem Kopf fieberhaft nach einer passenden bissigen Bemerkung auf Jos pampige Antwort suche, drückt Sándor meiner sogenannten „besten Freundin“ erneut einen besonders feuchten Schmatzer auf die Wange und reißt dann den Lenker ihres Rollstuhles herum.
„Wir sollten jetzt echt los!“
Die beiden Liebeskranken schieben ab und lassen mich allein und mit offenem Mund zurück. Keiner der beiden scheint es für nötig zu halten, einen weiteren Blick auf mich zu verschwenden. Während ich den beiden ungläubig nachsehe, die Finger um den Griff meiner Tasche geklammert; verwandelt sich meine angestaute Wut in Traurigkeit. Endlose Traurigkeit. Meine Mundwinkel bewegen sich nach unten.
Was hat Sándor nur gemacht? Was hat dieses Monster aus meiner besten Freundin gemacht? Sie kann mich doch nicht einfach so stehen lassen, wie ein Spielzeug mit dem man sich kurz beschäftigt und das dann weggeworfen wird, wenn es zu langweilig ist.
Plötzlich legen sich Hände über meine Augen. Ich zucke zusammen und stoße einen kleinen Schreckenslaut aus.
„Na, wer bin ich?“, flüstert eine dumpfe Stimme in mein Ohr.
Trotz meiner miesen Laune, kann ich das kleine Lächeln nicht verhindern, dass sich in mein Gesicht schleicht. Egal, wie sehr sie sich auch verstellt, diese Stimme würde ich immer und überall wiedererkennen. Aber des Spaßes wegen, spiele ich mit.
„Hm“, überlege ich laut, „vielleicht...Herr Pasulke? Oder....Herr Zech?“
Hinter mir höre ich Tamas genervt aufstöhnen. „Mensch, Clara. Verscheißern kann ich mich auch selber.“
Ich drehe mich um und blicke in Tamas´ noch ein wenig verschlafene, meerblaue Augen.
Er zieht einen Mundwinkel hoch und grinst schief. „Na, gut geschlafen?“
„Ja, klar“, murmele ich, in Gedanken wieder bei Sándor und Jo.
„Klasse, denn ich wollte dich sowieso fragen, ob wir Miesb-“ Tamas stoppt mitten in seinem Satz und beäugt mich misstrauisch. „Alles in Ordnung?“
Ich spiele mit einem der vielen kleinen Armkettchen, die an meinem Handgelenk baumeln. „Ja, alles bestens.“
„Clara, hey.“ Tamas legt seinen Zeigefinger unter mein Kinn und hebt es an. „Was ist los? Ich seh doch, dass etwas nicht stimmt. Hat Alex wieder Stress gemacht? Oder hast du nochmal versucht, Justus die Haare zu schneiden? Bitte sag mir, dass du´s nicht getan hast. Nichts für ungut, Clara, aber Haareschneiden zählt nicht zu deinen außergewöhnlichen Tal-“
„Ach, darum geht’s nicht“, sage ich unwirsch und schüttele den Kopf, „und keine Sorge, nach dem Frisuren-Fiasko von letzter Woche hab ich die Schere kein einziges Mal mehr in der Hand gehabt.“ „Worum geht es dann?“, hakt Tamas ungeduldig nach, „jetzt lass dir doch nicht alles so aus der Nase ziehen.“
Das Läuten der Schulglocke lässt uns aufhorchen. „Mist, wir haben erste Stunde Berger“, Tamas rollt mit den Augen, „ich hab keine Lust, ihm nochmal das Periodensystem aufsagen zu müssen.“ Ich nicke und gemeinsam halb gehen, halb laufen wir Richtung Klassenzimmer.
„Also“, will Tamas wissen, während wir den Gang entlang sprinten, „welche Laus ist dir über die Leber gelaufen?“
„Die Sándor-Laus“, schnaufe ich. Keine Ahnung, wie Tamas dieses Gerenne aushält. Ich sollte wirklich mehr Sport betreiben, Joggen oder so.
Wir schlittern um die Ecke und erreichen Sekunden vor Berger den Klassenraum. Ich steuere auf das Schulpult ganz in der Ecke zu, Jos und mein Stammplatz.
Dort geht uns Berger nicht auf die Nerven, wir können seelenruhig miteinander quatschen, und ab und zu die Jungs beobachten, wenn sie draußen mit Herrn Krassnik Basketball spielen oder von ihm zum Runden laufen gezwungen werden.
Aber heute ist der Platz bereits besetzt. Verwirrt bleibe ich stehen. Ich schlucke.
Jo sitzt an unserem Lieblingsplatz – mit Sándor. Keiner der beiden nimmt Notiz von mir.
Mein Herz schlägt laut in meiner Brust. Wie kann mich Jo so zurückweisen?
Monatelang habe ich mir bereitwillig ihr Gejammere wegen Sándor angehört, habe mit ihr mitgelitten, war ihre Schulter zum Anlehnen, habe mit ihr Pläne geschmiedet und ihr Tipps gegeben. Und jetzt, wo sie endlich hat was sie will, bin ich plötzlich unwichtig geworden?
„Kann ich dir irgendwie helfen, Clara?“
Ich zucke zusammen – zum zweiten Mal an diesem Morgen.
„Was?“, stammele ich.
Nur ein paar Schüler kichern. Der Rest ist meine Schusseligkeit ja bereits gewohnt.
„Erstens heißt es: „Wie bitte?“ und zweitens möchte ich gerne wissen, warum du hier herumstehst, wie festgewachsen. Falls du es noch nicht mitbekommen hast, der Unterricht hat bereits begonnen.“ Mein Blick flackert wieder zu Jos und mei.. – oh, Verzeihung – Sándors Tisch hinüber.
Wo soll ich denn jetzt hin? Ich kann mich doch nicht zu den Strebern in die erste Reihe setzen. Dort müsste ich dann ja tatsächlich...mitlernen!!
Während ich immer noch mitten in der Klasse stehe, wie bestellt und nicht abgeholt, schiebt sich eine Hand in meine.
„Komm Clara, da ist noch Platz frei.“ Tamas zieht mich zu einem freien Tisch, schön weit weg von Sándor und Jo.
Ich lasse mich auf einen der beiden Stühle fallen und starre missmutig vor mich hin.
Während Berger vorne an der Tafel von T-s-Diagrammen zu schwärmen beginnt, deutet Tamas mit dem Kopf in Richtung Sándor und Jo.
„Ich glaube, ich verstehe jetzt was du meinst“, flüstert er mir zu und rollt mit den Augen.
„Siehst du“, zische ich und verschränke die Arme vor der Brust.
Tamas beugt sich weiter nach vorne und sein warmer Atem kitzelt mein Ohr. „Mach dir keine Sorgen. Das legt sich. Die beiden sich nun mal frisch verliebt.“
„Das ist keine Entschuldigung“, entgegne ich stur und wuchte mein Physikbuch auf den Tisch.
Ich hätte es wohl nicht so fest aufs Pult knallen sollen, stelle ich Sekunden später fest.
Leider zu spät.
Berger, der gerade irgendwelche meines Erachtens nach unsinnige Formeln an die Tafel kritzelt, wirbelt herum.
„So, jetzt reichts mir aber! Zuerst fast zu spät kommen und jetzt auch noch unnötig Wirbel machen.“ Er deutet mit der Kreide auf mich. „Komm doch bitte mal nach vorne, Clara. Ich denke die Klasse könnte mal wieder eine Auffrischung des Wissens der Elemente des Periodensystems vertragen. Willst du mir dabei nicht helfen?“
„Scheiße“, fluche ich leise und fahre mir mit den Fingern durchs Haar. Das hat mir echt noch gefehlt an diesem ohnehin schon beschissenen Morgen. Wasserstoff, Helium...und wie hieß nochmal das Dritte? Mist. Mist Mist.
Doch ehe ich aufstehen und mich blamieren kann, kommt mir Tamas zuvor. „Ähm, Herr Berger? Ich...kann ich vielleicht das Periodensystem aufsagen? Ich...ich hab extra gestern Abend nochmal gelernt.“
Berger runzelt unwillig die Stirn. Dann nickt er schließlich. „Ja, na dann....wenn du extra dafür gelernt hast...“
Ich sehe Tamas fragend an. Tamas kennt gerade mal die Hälfte aller Elemente beim Namen. Wie soll er denn dann alle plus der richtigen Reihenfolge auswendig können.
Tamas aber zieht bloß eine Augenbraue hoch und grinst schief.
„No risk, no fun“, flüstert er mir zu und geht dann nach vorne zu Berger.
No risk, no fun?! Wohl eher: No knowledge, no good mark.
Aber während Tamas das Periodensystem vor sich hin stottert, erkenne ich, dass er mir mit seinem freiwilligen Melden einen Gefallen getan hat. Dass er nicht wollte, dass mich Berger vor allen anderen zur Schnecke macht.
Wieso ich das erst jetzt kapiere, ist mir ein Rätsel. Manchmal denke ich echt, dass mich meine Eltern nach der Geburt fallen gelassen haben. Und das nicht nur einmal.
Verzückt sehe ich zu, wie sich Tamas zum Deppen macht. Und das für mich.
Ein Seitenblick auf Sándor und Jo – die beiden sind nur mit sich beschäftigt. Checken gar nicht, was um sie herum passiert. Ich versuche betont desinteressiert zu wirken und blicke wieder Tamas an.
Der sieht kurz zu mir hinüber und zwinkert unauffällig. Seine Augen glitzern schelmisch und er ignoriert das ungeduldige Räuspern von Berger, sondern lässt sich alle Zeit der Welt mit dem Aufsagen der Elemente. Er ist noch nicht mal bei Magnesium.
Ich schicke ihm einen Luftkuss und forme mit meinen Lippen ein Danke. Er tut so, als würde er den Kuss auffangen und in seine Hosentasche stecken.
Berger rastet nun völlig aus. Und Tamas hört sich sein Geplärre mit unglaublicher Selbstbeherrschung an.
Er tut das für mich. Nur für mich. Ach, Tamas...
Schön, dass ich wenigstens noch einen wahren Freund habe.

So, das war auch das erste Kapitel :) Ich hoffe, es hat euch gefallen.
Meiner Meinung nach sind Tamas und Clara einfach DAS Paar, das zusammen hätte kommen müssen. Bitte um Reviews, Kritik positiv oder negativ.
Bis dann,
Honeyy :)