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Set her ass on fire

von LiCaJa
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Fantasy / P16 / Gen
Gretel Hänsel
30.12.2013
30.12.2013
3
5.054
4
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Dieses Kapitel
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30.12.2013 2.086
 
2. "Don't eat the fucking candy"


Auf dem Weg kamen uns Edward und Ben entgegen.
"Wo gehen wir denn jetzt hin?", fragte Letzterer.
"Pennen.", antwortete Hänsel.
"Was? Aber..." Ich versetzte ihm einen Klaps auf den Hinterkopf.
"Ist ja gut."
Ich lächelte Edward zu. "Na kommt. Ein bisschen Ruhe tut uns allen gut."
Wir betraten das Wirtshaus und wurden sofort angeglotzt.
Der Wirt kam uns mit betretener Miene entgegen und sagte kleinlaut. "Verzeihung die Herrschaften. Aber wir können den... Riesen leider nicht in eines der Zimmer lassen. Die Türen sind nicht breit genug."
"Edward wird vor unserer Tür schlafen.", sagte ich bestimmt.
"Wo sind unsere Zimmer?", fragte Hänsel den Wirt auf seine typisch grantige Art.
"Ich werde Sie dorthin führen." Der Wirt ging die Treppe hoch und öffnete eine Tür auf der rechten Seite. Darin stand ein Einzelbett. Mein Bruder klopfte Ben auf die Schulter. "Hier schläfst du."
Es kam gar nicht infrage, dass wir in getrennten Zimmern schliefen. Ben verzog sich mit einem letzten sehnsüchtigen Blick in meine Richtung und schloss die Tür hinter sich.
"Hier hätten wir dann Ihr Zimmer."
In diesem Zimmer stand ein Doppelstockbett wie schon in Augsburg.
"Danke.", sagte ich freundlich.
Der Wirt wünschte uns noch einen angenehmen Aufenthalt und ließ uns allein. Er warf noch einen misstrauischen Blick auf Edward, der sich vorerst neben der Tür positioniert hatte und ging dann. Ich lächelte Edward an, um ihm zu signalisieren, dass alles in Ordnung war, woraufhin er die Tür schloss.
Hänsel zog sich sofort Kissen und Decke vom oberen Bett auf den Boden und fing an, sich schlaffertig zu machen.  
Während ich aus meinen Klamotten schlüpfte, zog Hänsel sich das Hemd über den Kopf und reichte es mir, damit ich darin schlafen konnte. Ich setzte mich auf die Bettkante und sah zu, wie er sich seine Spritze setzte. "Was glaubst du, was wir morgen finden werden?"
"Eine Hexe.", antwortete er.
"Vielleicht-"
"Nein." Er setzte sich neben mich. "Mach dir keine Hoffnung, Gretchen. Wir kommen zu spät, um die Kinder zu retten. Aber die anderen werden leben können. Du weißt doch, jede Hexe..."
"Fordert ihr Opfer, schon klar."
"Wir werden die Kinder rächen."
Er drückte mir noch einen Kuss auf die Stirn und rollte sich schließlich unter das Bett.
Rache... Sie war das einzige, wofür wir kämpften.

Edward weckte uns am nächsten Morgen pünktlich, indem er den Kopf ins Zimmer steckte und "Es ist Zeit" brummelte. Dann trampelte er davon, um Ben zu wecken.
Ich schwang meine Beine aus dem Bett und holte schon mal Hänsels Spritze aus seiner Tasche.
Mein Bruder kroch unter dem Bett hervor und kam mühsam auf die Beine. Er war nicht unbedingt ein Morgenmensch. Er grunzte etwas, was soviel wie Guten Morgen hieß und nahm mir die Spritze ab. Ich küsste ihn auf die Wange und zog mich an. Noch während ich die Corsage zuschnürte, klopfte es und Ben trat ein. "Moin. Ich wollte nur wissen, wann es losgeht."
Hänsel brummte immer noch vor sich hin, also sagte ich: "Wir sind hier gleich fertig."
Ben sah mir zu, wie ich die Schnürung enger zog und fragte hoffnungsvoll: "Soll ich das machen?"
In dem Moment ertönte hinter mir das metallische Klicken einer Waffe, die geladen wurde. Hänsel sah Ben mit einem vielsagenden Blick an.
Dieser hob schnell die Hände. "Alles klar, hab schon verstanden. Bin schon weg." Eilig verschwand er.
"Du könntest ruhig netter zu ihm sein.", tadelte ich.
"Er könnte ruhig aufhören, dich so plump anzumachen."
Ich schnaubte belustigt und zog mir meine Jacke an. "Bist du fertig?"
Wie zur Bestätigung ließ er sein Messer einmal um den Finger wirbeln und dann im Hosenbund verschwinden.

"Nette Bude.", sagte Ben, als wir oben angekommen waren.
Der Anstieg war nicht besonders anstrengend gewesen und jetzt standen wir auf einem Plateau, in dessen Mitte eine Felshütte stand. In die Berge ringsum waren Nischen geschlagen. Vermutlich wurden dort die Kinder reingesteckt.
"Gut, wer geht durch die Tür?", fragte Hänsel.
"Immer der, der fragt.", grinste ich.
Er rollte mit den Augen und wir bezogen unsere übliche Kampfposition.
Einer ging zur Tür rein und die anderen bewachten alle anderen Fluchtmöglichkeiten, wie Fenster.
"Scheuch sie schön auf, Großer.", rief ich ihm noch zu.
Er grinste und holte das Maschinengewehr hervor.
Ich hielt mir die Ohren zu und kurz darauf zerfetzte das Dauerfeuer die Haustür.
Hänsel betrat das Haus und man hörte ein empörtes Kreischen. Dann flog vor Ben ein Fenster auf. "Knall sie ab, Ben!", schrie ich ihm zu.
Er zückte seine Pistole und verpasste der Hexe eine Kugel knapp über dem Herzen. Sie ging zu Boden und ich rannte hin, um ihr den Zauberstab abzunehmen. "Edward, halt sie fest!"
Träge setzte dieser sich in Bewegung und hielt die Hexe am Boden. Hänsel kam aus dem Haus und wischte sich etwas Blut aus dem Mundwinkel.
Mittlerweile war auch ich angekommen und entriss der Hexe den Zauberstab. "So, Miststück.", knurrte ich. "Du hast es uns ja recht einfach gemacht. Und weil du so brav warst, nehmen wir dich jetzt mit und dann darfst du uns erklären, was du mit den Kindern wolltest."
Hänsel sah mich missbilligend an. Wenn es nach ihm ginge, hätten wir sie einfach getötet und damit hätte es sich. Aber ich wollte wissen, welches Motiv die Hexe verfolgte. Sie war noch nicht sonderlich alt, erst an wenigen Stellen ihres Gesichtes hatte die Fäulnis ihre Haut entstellt. Normalerweise verbrachten Hexen Jahre damit, die schwarze Magie zu erkunden, ehe sie sich Menschenopfer suchten. Diese schien sich sofort an die Entführung der Kinder gemacht zu haben. Aber wieso?
"Fessle sie, Ben.", ordnete ich an.
Eilig nickte er und band Hände und Füße der Hexe mit Seilen zusammen, die ich mit Metall verstärkt hatte.
Seine Finger zitterten und ich ahnte, wie er sich fühlen musste: das Adrenalin pumpte noch durch seine Adern, er war stolz auf sich und hatte gleichzeitig immer noch etwas Angst. Das war gut. Man sollte nie den Respekt vor der Kraft der Hexen verlieren.
"Edward, würdest du sie bitte tragen?"
Der Troll grinste mich an und hob die Hexe hoch, um sie sich über die Schulter zu werfen. Also mich hatte er damals netter behandelt...

"So, mein Vögelchen. Dann fang mal an zu singen." Hänsel hatte die Hexe auf einen Stuhl gesetzt und dort festgebunden.
Sie sah ihn lediglich kühl an, als er seine Finger- und Nackengelenke knacken ließ.
Ich sah sie mir genauer an. Sie musste hübsch gewesen sein, bevor das Böse sie verunstaltet hatte.
Hänsel seufzte und holte seinen Schlagring hervor. "Muss ich dich erst zwingen?"
Sie verzog keine Miene.
"Was werden die Leute nur sagen?"
Bei 'Leute' regte sich etwas in ihrem Gesicht. Ich sah sie prüfend an. Hänsel holte aus und wollte schon zuschlagen, als ich seinen Arm festhielt. "Warte. Ich muss etwas ausprobieren."
Hänsel sah mich völlig entnervt an. Wahrscheinlich wäre sie schon tot, wenn es nach ihm ginge.
Ich stellte mich neben ihn, verschränkte meine Arme und sagte ruhig: "Mich würde es interessieren, was der Bürgermeister zu dir sagt."
Bei dem Wort Bürgermeister brannte ein solcher Hass in ihren Augen auf, dass ich mir sicher war, den Schlüssel zum Rätsel gefunden zu haben. "Ich werde ihn holen.", sagte ich zu Hänsel. "Lass sie leben."

Sobald der Bürgermeister das Zimmer betrat, in das wir die Hexe gebracht hatten, fing sie an, sich gegen die Seile zu werfen und zu zappeln und zu kreischen.
"Kennen Sie sie?", fragte mein Bruder.
Der Bürgermeister war leichenblass geworden. "Nein.", flüsterte er.
"Lügner!", kreischte die Hexe. "Erzähl es ruhig! Gib es zu, du Hund!"
"Ich habe diese Frau noch nie gesehen.", beteuerte der Bürgermeister.
"Diese Frau vielleicht nicht.", gab ich zu. "Aber vielleicht kannten Sie sie, bevor sie dunkel wurde?"
"Nein."
Ich stupste Hänsel kurz an. Dieser verschränkte seine Arme über der Brust und lenkte damit die Aufmerksamkeit des Bürgermeisters auf sich. Als dessen Blick auf den Schlagring fiel, der immer noch über Hänsels Finger gestreift war, wurde er noch blasser.
"Also?", fragte ich.
"Ja, also gut. Ja, ich kenne sie."
"Woher?"
Der Bürgermeister drückte sich vor der Antwort. Hänsel löste den Knoten seiner Arme und ließ sie schlagbereit neben seinem Körper hängen. Der Bürgermeister redete sofort weiter: "Sie lebte hier. Näher kenne ich sie nicht."
"LÜGNER!!!" Hätte sie gekonnt, wäre die Hexe ihm an die Kehle gegangen. "Ich werde Ihnen sagen, wie es war! Dieser Sauhund hat mich geschwängert! Ich war jung und arm und er versprach mir einen Morgen Land, den ich bestellen könnte, wenn ich ihm einen Gefallen täte. In meiner Naivität versprach ich ihm alles, was er wollte. Und er nahm sich, was er wollte, dieser Schweinepriester! Als das Kind auf die Welt kam und ich forderte, dass er es als seines anerkannt, lachte er mich aus! Nicht mal mein Land wollte er mir geben!! Als ich drohte, es allen zu erzählen, kam er mir zuvor. Er bezichtigte mich der Hexerei und ließ mich einsperren. Mein Kind nahmen sie mir weg. War ja schließlich Teufelsbrut... Ich konnte entkommen, fragen Sie mich nicht wie. Kraft der Verzweiflung. Ich floh in die Berge und schwor mir, sie alle dafür büßen zu lassen, dass sie mich eher hätten verbrennen lassen, als für mich einzustehen."
"Und die Kinder?", fragte ich. Die Geschichte hatte mich nicht besonders erschüttert. Es war nichts ungewöhnliches, dass junge Frauen ausgenutzt wurden. Diese war nur mutig oder dumm genug gewesen, sich mit dem Vater anzulegen.
"Für jedes Lebensjahr, das mein Kind hätte erleben können, entführte ich eins."
"Am Geburtstag, nehme ich an."
Sie nickte.
"Wo sind sie?", fragte Hänsel kalt.  
"Dort, wo meins auch ist."
Innerlich hätte ich heulen können. So viele... Ich hatte tatsächlich die Hoffnung gehabt, dass sie sie nur gefangen gehalten hatte.
"Wir haben unseren Auftrag erfüllt.", sagte Hänsel. "Geben Sie uns das Geld."
"Was?! Moment!! Was ist mit ihr?!" Blankes Entsetzen stand dem Bürgermeister ins Gesicht geschrieben.
"Das ist Ihr Problem. Unser Auftrag lautete: 'Finden Sie heraus, was mit den Kindern passiert ist und bringen Sie mir die Hexe.' Sie wissen, was mit den Kindern passiert ist und hier haben Sie Ihre Hexe. Also?"
"Aber... Aber..."
"Edward, kommst du mal bitte?", rief ich.
Hinter uns wurde die Tür eingetreten und Edwards riesiger Körper erschien. "Probleme?", fragte er.
"Der Bürgermeister möchte nicht zahlen."
"Doch, doch! Wenn Sie so freundlich wären und auf die... Dame achten würden...?"
Schnell verschwand er.  Lange Zeit hörten wir nichts. Dann ein dumpfes Knallen. Ich sah Hänsel mit hochgezogenen Brauen an. Ben stützte zur Tür hinein. "Er..."
Ich seufzte. Feiger Idiot... Ich sah meinen Bruder an. "Was nun?"
Er zuckte mit den Schultern. "Lassen wir sie hier sitzen. Es wird schon etwas passieren."
Er verließ den Raum. Ich sah mir noch einmal die Hexe an. Sie lächelte kalt. Ja. Rache. Das kannte ich.

Hänsel stieg über den blutigen Körper des Bürgermeisters hinweg und nahm sich das Geld vom Tisch. Der Trottel war sogar zu blöd gewesen, sich anständig zu erschießen. Statt einem schnellen Kopfschuss hatte er sich die Luftröhre durchschossen. Muss sich echt gequält haben.
Ben würgte beim Anblick des ganzen Blutes und schaute fassungslos zu meinem Bruder, der ungerührt über die Leiche zurückstieg und zur Tür ging.
Wir verließen das Gebäude und machten uns auf den Rückweg. Die erstbeste Person, die wichtig aussah, fasste Hänsel am Arm. "Hey. Ihr habt da 'nen toten Bürgermeister in seinem Arbeitszimmer. Und 'ne Hexe an einem Stuhl festgebunden. Zumindest war sie das, als wir sie verlassen haben. Solltest dich vielleicht drum kümmern."
Der arme Mann, der sich das hatte anhören müssen, wurde ganz blass und rannte weg.
Ich grinste in mich hinein. Direkt und ehrlich- genau das waren wir.
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