Das Spiel von Licht und Schatten

GeschichteMystery, Romanze / P12 Slash
Alexander Cleitus Hephaestion Ptolemeäus
26.12.2013
10.01.2014
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Ich lag im Sterben. Schon seit eine geraumen Zeit hatte mich die Krankheit niedergestreckt und hielt mich mit ihren heißen, schmerzenden Fingern gefangen. Niemand wusste was es war, Typhus, Malaria oder starkes Fieber. Doch ich war mir sicher das Fieber nicht so schmerzen würde, andererseits glichen die schwülen schemenhaften Tagträume denen, die das Fieber mit sich brachte. Ich hatte ihn oft gesagt, er solle sich ausruhen, sich Zeit für sich nehmen…doch Alexander bestand darauf, an meiner Seite zu bleiben, mit der Begründung, dass er mich nicht alleine sterben lassen wolle. Die Einsamkeit im Tod, so sagte er, sei die einsamste.

Schon seit vielen Stunden hielt er meine Hand und betete zu den Göttern. Immerzu betete er, als würde eine Chance bestehen, dass ich diesen Albtraum überlebte. Seine Verzweiflung fraß an seinem Gemüt und Körper, er war blass und abgemagert. Wie lange wollte er sich das noch antun, bis er vom Hungertod dahingerafft wurde? Ich ertrug es nicht länger, es genügte wenn einer von uns die Welt der Menschen verließ. Er war jung und sollte sein Leben leben und sich nicht von mir hinab ziehen lassen. „Geh ins Bett!“ flehte ich leise und sah ihn eindringlich an. „Ich gehe wenn du schläfst!“ sagte er tonlos und ich hoffte das er nicht den ewigen schlaf meinte.

Doch als ich am nächsten Morgen erwachte, sah ich, wie Alexanders Kopf auf meiner Brust ruhte, seine Finger mit meinen verschränkt. Ich seufzte schwer und strich durch sein Haar. „Alexander, du hast versprochen zu gehen!“ sagte ich matt. Langsam hob er den Kopf und sah mich erleichtert an. „Ich wollte gehen wirklich…ich bin jedoch eingeschlafen bevor meine Beine sich erheben konnten!“ Ich war mir unsicher ob ich ihm glaube sollte, ich traute ihm durchaus zu, dass er mich in diesem Fall zu Not auch anschwindeln würde. Doch ich wusste, ich war insgeheim froh, dass er geblieben war, auch wenn es ein wenig selbstsüchtig war. „Wie geht es dir heute?“ „Unverändert!“ „Immerhin ist es nicht schlimmer geworden…ist es doch nicht?“ Ich schüttelte leicht den Kopf „Nein, ist es nicht!“ log ich. Ich wollte ihn nicht in die Verzweiflung treiben.

Über den Tag konnte ich ihn dazu bewegen etwas zu essen, jedoch ließ er das Essen hier her bringen um nicht von meiner Seite weichen zu müssen.

Die Krämpfe in meinem Körper waren über Nacht stärker geworden und die Schmerzen in meinem Kopf stiegen von Stunde zu Stunde. Vor meinen Augen verschwamm die Umgebung immer öfter und ich drohte ständig in die Bewusstlosigkeit zu sinken. Ich klammerte mich an die Hand meines Königs, als könnte ich so an meinem Bewusstsein festhalten. Er schien zu merken, dass es mir immer schlechter ging und winkte einen Diener her. „Lauf und hole den Arzt, er soll auf ihn aufpassen und mich unverzüglich holen lassen wenn etwas passiert!“ Der Diener nickte und verschwand. War er endlich zur Vernunft gekommen und würde sich etwas Ruhe gönnen? Ich hoffte es. Als der Arzt kam verließ Alexander den Raum, doch gerade jetzt brauchte ich ihn mehr denn je, die Schmerzen wurden schlimmer und ich brauchte jemanden der mich festhielt damit Hades mich nicht der Welt der Lebenden entriss.

Während es um mich herum immer dämmriger wurde, suchte ich mir einen festen Punkt im Zimmer, an den mein Blick sich klammern konnte. als ich nach der Uhrzeit fragte, hieß es, früher Mittag. Mein Bewusstsein war also schon so getrübt das mir der grauen Schleier des Abends die Sicht verdunkelte. Müde schloss ich meine Lider, ich hatte mir in den letzten Tagen angewöhnt, jede Minute mit dem Tod zu rechnen. Es war eine schreckliche Angewohnheit. Doch jeder Todgeweihte, egal ob vom Alter, Krankheit oder einer schweren Verwundung her, hatte sie.  Ich wusste, dass nun nur noch die Götter über mein Leben entscheiden konnten. Fand ich es schlimm? Nein! Ich hatte ein schönes und erfülltes Leben. Habe alles was ich je erreichen wollte und mein Vater wäre vermutlich stolz auf mich gewesen.

Doch ob man es zulassen würde und ob andere ein Problem mit meinem Tod hatten, das hatte ich nicht zu entscheiden. Und was Alexander anging… er würde alles in seiner Macht stehende tun um mich vor Hades zu schützen, dabei wusste ich nicht mal, ob ich das überhaupt wollte. Klar würde es ihm das Herz brechen, wenn ich ihn verließ, doch würde es keine Ewigkeit sein, bis wir uns wieder sehen würden. Ich überließ es den drei Schwestern, über mein Schicksal zu entscheiden, ich würde mich fügen und das annehmen, was für mich bestimmt war, Tod oder Leben. Das lag nun nicht mehr in meiner Hand.



[Olymp]

„Er liegt im Sterben! Du würdest deinem Sohn damit keinen Gefallen tun. Glaubst du wirklich Alexander will ihn für den Rest seines Lebens leiden sehen?“ Hera ging mit in die Hüfte gestemmten Händen vor ihrem Mann auf und ab. „Ich will ihn nicht überleben, sondern leben lassen. Er soll wieder gesund werden!“ „Das liegt nicht in deiner Hand, du hast nicht die Macht über Leben und Sterben! Das musst du den Anderen überlassen!“ „Sie werden auf mich hören, wenn ich es ihnen befehle!“ Rief Zeus nun verärgert. „Du kannst nicht ins Schicksal der Menschen eingreifen, mein verehrter Ehemann. Leben und Sterben gehört zum Kreislauf des Lebens. Du würdest die Natur aus ihrem Gleichgewicht bringen. Und außerdem verzichtet die liebe Atropos nur ungerne auf ihre Aufgabe! Es wird eine Menge Überzeugungskraft benötigt, wenn du sein Schicksal hinaus zögern willst. Denn genau das tust du! Denn er wird sterben, ob jetzt vor Alexander oder nach ihm. Es wird so oder so gebrochene Herzen geben, egal, wen du aus dem Leben reißt. Allein den Göttern, uns, ist die Unsterblichkeit vergönnt, nicht den Menschen!“

„Es würde ihn zerstören. Und ich habe meinen Sohn im Leibe Olympias, zur Erde Geschickt, damit er die Grenzen des Makedonisch-Griechischen Reiches erweitert. Allein er ist dazu im Stande. Und wenn ich ihm seinen engsten und vertrautesten Freund nehme, wäre alles umsonst. Persephone und Hermes scheinen ja in letzter Zeit etwas überfordert zu sein mit den ganzen Geburten. Sie haben keine Zeit der Königin ein Kind zu schenken. Und so lange kein Erbe gesichert ist, der von den besten Männern, gelehrt und trainiert wird, brauche ich einen gesunden und lebendigen König!“ Hera lachte abfällig. „Gesund?“ rief sie. „Lebendig? Dein ach so großer Sohn ist nur noch Haut und Knochen und das ist dein Verdienst, Zeus! Du lässt ihn so leiden, anstatt ihn endlich davon zu erlösen.“ „Hera, ich bitte dich, steig hinab vom Olymp und nimm dich seiner an. Hephaistion braucht unsere Hilfe, sonst wird er spätestens diese oder die nächste Nacht sterben. Atropos hat schon lange genug Geduld erwiesen und ich bitte dich, Milde walten zu lassen. Hilf ihm, mir ist jedes Mittel recht!“ Mit den Worten stand er aus und ließ sie stehen.

Alexander, Alexander. Immer hieß es Alexander. Ihre Kinder interessierten ihn nicht. Sie verfluchte Olympias und ihren Gottgleichen Sohn. Sie hatte Hephaistions Sterben als wunderbare Vorlagen gesehen, diesem Mann endlich ein Ende zu bereiten. Schon seit der Geburt des jungen Königs, hatte sie auf Vergeltung gehofft. Ihr Mann schien seinen Sohn mehr zu lieben als sie und das quälte sie und verletzt ihren göttlichen Stolz.

Ihm war jedes Mittel recht? Also gut, sie würde ihr möglichstes tun um Amyntors Sohn wieder Lebendig zu machen…lebendiger als er es jemals war. Doch sie würde es zu ihrem Vorteil machen. Hera hatte nicht die Macht über Leben und Tod, doch sie hatte Macht über bestimmte Hilfsmittel die eine Verschiebung begünstigten. Schon lange hatte die Göttin es nicht mehr angewandt, es war nicht immer ein schöner Anblick, doch es war hilfreich und wirksam.

So machte sie sich auf den Weg hinab vom Olymp in die Hauptstadt des Makedonischen Reiches, wo ein Sterbender ihrer Hilfe benötigte. Im Gepäck ihr Hilfsmittel.

[Erde]



Der Tag näherte sich dem Ende und ebenso mein Leben. Ich spürte es in jeder Faser meines Körpers. Ich war Müde. Müde vom Tag, müde vom Leben. Ich war so weit gereist, hatte so viel erreicht und war vollkommen zufrieden mit dem was war. Natürlich, es ging immer besser, aber warum hoffen, ich hatte schon längst aufgegeben, Alexander nicht. Denn wie sich heraus gestellt hatte, war er nicht speisen oder Schlafen gegangen, nein, er hatte Zeus ein Opfer dar gebracht und den Rest des Tages im Tempel, umgeben von Priestern, auf den Knien verbracht. Das Gesicht zu Erde, die Gebete im Olymp.                      

Ich schloss die Augen und wartete auf den Schlaf, ich erwartete jedoch nicht, wieder aufzuwachen. Gerade als ich im Begriff war, zu entschwinden, wurde die Tür geöffnet und eine Gestalt kam auf mein Bett zu, um sich kurz drauf an meine Seite zu setzen. „Hephaistion?“ Ich nahm vorsichtig seine Hand um ihm zu signalisieren dass ich noch da war. Ich sah sein Lächeln durch die Dunkelheit, seine funkelnden Augen. „Ich habe für dich gebetet!“ Flüsterte er leise und beugte sich leicht nach vorn. „Hör auf deine Kräfte zu verschwenden und fang an mit dieser Situation klar zu kommen, Alexander!“ krächzte ich und zog scharf die Luft ein, da sich ein stechender Schmerz in meiner Brust ausbreitete. Vorsichtig wandte ich den Kopf zur Seite, damit er die Qual in meinen Augen nicht sah. „Du musst durchhalten! Ich brauche dich doch, ich bin auf dich angewiesen…wir sind wie Sonne und Lilie…wenn du gehst, gehe ich ein!“ „Sind Lilien nicht die Blumen des Todes?!“ sagte ich, ein verzweifelter Versuch die Macht aus seinen Worten zu nehmen.

Diesmal hatte er sich die Mühe gemacht, sich neben mich zu legen und nicht wieder im Sitzen einzuschlafen. Was, wenn er morgen aufwachte und er begriff das mein kalter Körper kein Leben mehr besaß, wie konnte ich ihm das antun, kämpfte er doch so stark um mich.

Ein gleißend weißer Lichtstrahl blendete mich und ich kniff zum Schutz die Augen zusammen. Er verblasste wieder und eine Erscheinung mit einer blassen Aura aus Licht stand vor meinem Bett und ich war mir sicher, dass ich träumte…oder war ich bereits gestorben? Als sich meine Augen an den Glanz gewöhnt hatten, erkannte ich eine blasse Gestalt. Sie war gut drei Meter groß, größer als jedes menschliche Wesen und ich war mir sicher, dass es sich mit Sicherheit um keines handelte.

Es war eine Frau, Haarfarbe und Augen konnte ich nicht erkennen und sie schien um einige Zentimeter über den Boden zu schweben. „Ich grüße dich, Sohn des Amyntor!“ Jetzt stand mir bestimmt vor erstaunen der Mund offen und ich starrte sie fassungslos an. Ihre Stimme war klar und warmherzig, wie die einer Mutter. Ich schluckte und sagte erst mal nichts. „Habe keine Angst, ich will dir nichts! Ich bin hier um dich vor eine Wahl zu stellen!“ Ich starrte sie an, nun sicher, dass es sich um einen Traum handelte. „Du träumst nicht, und eine Illusion bin ich auch keine…!“ verwarf sie meine Gedanken. „Ich bin gekommen um dir zu helfen…wenn du willst!“ Sie schien meine Verwirrung zu erkennen und lachte leise. „Ich sehe du traust deinen Augen nicht, oder weißt nicht, ob du das hier glauben sollst…tu es, denn ich bin deine Mutter! Ich bin die Mutter aller Menschen und Götter!“ „Hera!?“ Sagte ich ungläubig. Das konnte eigentlich nicht sein…stiegen die Götter je vom Olymp und zeigten sich einem Sterblichen? Ich hatte noch nie davon gehört und jetzt kam eine…ausgerechnet zu mir. Und dann keine Nymphe oder Muse, sondern Hera, die Frau des Zeus. Es war unfassbar.

„Mein Mann hat mich Geschickt, mit der Bitte dir eine Chance zu geben!“ „Wofür?“ „Du wirst sterben Hephaistion! Das sehen alle. Nur Alexander ist zu starrköpfig, um den Gedanken an sich heran zu lassen. Er ist Zeus momentan zu wichtig, als dass er jetzt an deinem Tod zerbricht. Ich werde dir deshalb eine Frage stellen und ich will, dass du gut überlegst! Triff kein Voreilige Entscheidung, denn beide können folgen haben.“ Sie schwieg eine Weile um das alles erst mal auf mich einwirken zu lassen.

„Ich werde dich jetzt fragen und dir dann eine Weile Bedenkzeit geben!“ Ich nickte und wartete ab. „Also gut: Sollte ich dir das Leben schenken, so wirst du bis ins hohe Alter oder bis du einer Verletzung erliegst, weiter unter den Menschen leben. Oder willst du mit mir gehen und die Welt der Sterblichen für immer verlassen? Beide Möglichkeiten haben Vor –und Nachteile. Ich bin nicht für das Leben und Sterben verantwortlich, deshalb wird die Wahl zu Gunsten des Lebens einen Preis haben. Du wirst eine Macht in deinen Körper wohnen lassen. eine Macht die dich am Leben hält.“



„Wähle mit bedacht und wähle weise! Sag, wenn du dich entschieden hast!“ Ich sah sie an und ließ meinen Blick dann zu dem schlafenden König neben mir wandern. Ich bin seine Sonne! schoss es mir durch den Kopf. Das bedeutete ich musste weiter scheinen, sonst würde sein Glanz und seine Schönheit vergehen. Und wenn ich die Möglichkeit haben sollte, am Leben zu bleiben, dann müsste ich ihn nicht alleine lassen. Doch ich würde das Gleichgewicht der Natur zerstören. Ich war ein Todgeweihter und wenn ich nicht starb, würde es jemand anderes tun. Die Götter waren tückisch und schenkten nur selten.

Ich sah Hera an, die mich noch immer geduldig wartend musterte. „Wenn du mir versprichst, dass niemanden den ich liebe, etwas zustößt. Ich kenne eure Tücken und ich werde das Leben wählen, wenn ihr meine Lieben verschont!“ Ich sah Alexander an und seufzte tief. Dann atmete ich ein und wieder aus. Hera lächelte „Das ist nicht meine Entscheidung, das hat Lachesis zu bestimmen, sie misst den Faden des Lebens! Doch ich denke sie ist dir wohl gewogen.“

Ich nickte „so sei es!“ Wieder lächelte Hera ihr mütterliches Lächeln. „Du bist der Einzige, der aus Nächstenliebe um sein Leben bittet…das ist selten bei euch Menschen!“ sagte sie und näherte sich meiner Schlafstätte. „Ich werde dich nun segnen und dir die Krankheit nehmen. Doch für deine Genesung musst du ein Opfer bringen! Ich werde dir jetzt dieses Amulett geben, du musst es immer um den Hals tragen. Niemals darfst du es abnehmen und niemals…niemals darfst du jemanden in dieses Geheimnis einweihen!“ Sie sah meinen Blick zur Seite und schüttelte den Kopf. „Nicht mal ihn. Denn wenn du es tun solltest, wird es augenblicklich seine Wirkung verlieren und du wirst sterben!“

Sie legte mir eine goldene, handflächengroße Scheibe auf die Brust, in der ihr Bildnis eingeprägt war. Dann legte sie ihre Finger darauf, schloss die Augen und bewegte stumm die Lippen. Dann wich sie zurück und sah mich durchdringend an. „Er steigt nun in deine Brust! In wenigen Sekunden ist es soweit!“ „Wer…was wird in meiner Brust-“ fragte ich verwirrt. Doch da spürte ich bereits einen heftigen Schmerz in meinem Fleisch und mein Oberkörper krümmte sich. Was war das? Es fühlte sich an als würde jemand seine eiskalten Finger um mein Herz legen und es festhalten. Ich schnappte heftig nach Luft.

Hera lächelte triumphierend. „Ihr Menschen seid so einfältig! Fallt auf die losesten lügen herein. Der Dämon der jetzt gerade von deinem Herzen Besitz ergreift, wird dein Handeln von nun an steuern. Schon seit der Geburt des Königs habe ich auf die Gelegenheit gewartet und endlich habe ich jemanden gefunden, der meine Rache umsetzten wird!“ Erschrocken starrte ich sie an. Wie hatte ich nur so naiv sein können, Götter schenkten nicht und schon gar nicht ohne Gegenleistung. Was würde er mit mir tun, wozu würde er mich zwingen. Doch ich brauchte gar nicht lange zu überlegen, da Hera mir bereits die Erklärung lieferte. „Er wird sterben, durch die Hand seines besten Freundes. Du bist das perfekte Werkzeug. Dir vertraut er grenzenlos und du bist der Einzige, den er nah genug an sich heran lässt. Ich bin dir so dankbar Hephaistion, dass du es mir so einfach gemacht hast!“ Verzweifelt und Hasserfüllt sah ich sie an. „Wie kannst du nur so boshaft sein? Was hat er dir jemals angetan, dass du ihn so sehr hasst?“ Doch Hera antwortet mir nicht, sie lächelte bloß ihr Gewinnerlächeln. Sie sah mich höhnisch an und sah zu wie ich verzweifelt versuchte das Amulett ab zu nehmen. Doch es hatte sich in meine Haut ein gesengt. Es saß so fest dass ich es nicht heraus bekam, es schien mit meiner Brust verschmolzen zu sein. Ich zog und zerrte, doch es bewegte sich nicht vom Fleck.

„Ich wünsche dir ein schönes Leben!“ sagte Hera und für einen kurzen Moment schien ihr Stimme wieder freundlich und warm. Dann verschwand sie spurlos. Ich gab auf, das Ding aus meiner Brust ziehen zu wollen und ließ mich zurück aufs Bett fallen. Erst jetzt merkte ich, dass ich es verlassen hatte. Moment…ich hatte das Bett verlassen? Ich tastete mich ab und merkte, dass die Schmerzen fort waren. Alles war fort. Die Hitze, die Schmerzen…und der Schleier vor meinen Augen hatte sich gelichtet.

Langsam kroch ich zurück ins Bett und zog die Decke bis zur Brust. Ich spürte nichts in mir, vermutlich hatte sie mich aufs Korn genommen, ihren Spaß mit mir gehabt. Doch ich war zu müde um mir weitere Gedanken darüber zu machen und vergas die mögliche Gefahr in der mein Geliebter König schwebte. Meine Augen schlossen sich sofort und ich merkte wie der Schlaf mich übermannte.

Am nächsten Morgen stand ich bereits bei Morgengrauen auf. Ich hatte die Ereignisse in der vergangenen Nacht nicht vergessen und jetzt hatte ich Zeit mir darüber Gedanken zu machen. Mit hinterm Rücken verschränkten Händen trat ich ans Fenster und sah hinaus in die aufgehende Morgensonne. Für einen Moment hoffte ich, dass es sich um einen Traum gehandelt hatte. Als ich jedoch die harte Metallscheibe an meiner Brust ertastete, begann meine Stimmung zu sinken. Ich musste mir schleunigst eine Lösung für dieses göttliche Problem einfallen lassen. Ganz davon abgesehen, dass ich so langsam begriff, dass sich ein dämonisches Wesen in meinen Körper eingenistet hatte und jeden Moment ausbrechen konnte.

„Hephaistion?!“ Ich wurde aus meinen dunklen Gedanken gerissen und drehte mich um. Alexander saß aufrecht auf dem Bett und sah mich überrascht und Fragend an. „Du hast das Bett verlassen, heißt das, du…du fühlst dich wieder besser?“ Hoffnung schimmerte in seinen Augen. „Die Götter haben deine Gebete erhört…sie waren gnädig!“ Auch wenn diese Gnade eine trickreiche Hintertür besaß.

Er stand hastig auf und kam ums Bett herum eilig auf mich zu. Ich spürte wie er mich in seine Arme riss und meinen Körper fast schmerhaft an seine Brust zog. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich das jemals wieder tun würde!“ Wie erhofft lockerte sich sein Griff und er vergrub sanft seine Finger in meinem Haar. „Wenn man nur stark genug hofft…!“ sagte er und ich sah in seine dunklen, nun wieder glänzenden Augen. Als er die Lippen auf meine legte und sanft in meinen Mund eindrang, waren die Sorgen für einen Moment wie weg geblasen. Aber ich wusste, auch wenn ich es für diesen Moment verdrängen –und mich ihm ganz hingeben konnte, würde es nicht aus der Welt geschafft sein. Ich musste dagegen ankämpfen…unauffällig und schnell, sonst würde unsere Leidenschaft im Keim erstickt werden bevor sie überhaupt zu neuem Glanze kam.



Two Steps from hell - Rebirth
http://www.youtube.com/watch?v=DGH6L8RS_44