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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
25.04.2021
155
725.182
43
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
18.06.2017 3.919
 
Etwas kürzer, aber der Schnitt hat gut gepasst ;-)
GLG,
Angel
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„Erster!“, rief Shepard, und schoss die Kamera mit einem gezielten Schuss aus seinem Scharfschützengewehr ab.

„Ich hatte sie fast…“, murmelte Garrus und schüttelte den Kopf.

„Ich bin mit einem Haufen Kinder unterwegs“, seufzte ich und rückte weiter in die Vulkanstation vor.



„Da hinten sind Mechs. Schaut auf die Köpfe, die wurden auch gehackt“, warnte Shepard.

Wenigstens hatten sie ihren kindischen Wettstreit für die Mission in der Station hinten angestellt, und so waren wir nach der Explosion eines Gastanks und einem kurzen Feuergefecht mit Angriffsdrohnen ohne große Schildverluste schnell weiter gekommen.

Unser Weg führte uns über zwei glatte Stahlrohre nach oben, wo wir auf weitere LOKI-Mechs und Drohnen stießen, die uns sogleich umzingelten. Doch leider blieb es nicht dabei.

„Schwerer Mech im Anmarsch!“, rief Garrus, der sich weiter vorne verschanzt hatte. Ich zog mein Scharfschützengewehr und visierte den YMIR an, ich versenkte zwei Treffer im Torso, zwischen den Panzerungsplatten, als Shepard ihm einmal mehr den Kopf wegschoss.

Der Mech sank zu Boden, und explodierte in einem mächtigen Feuerball, begleitet von einer heftigen Druckwelle. Ich presste mich gegen meine Deckungsmauer, und sah meinen Schildwerten beim Absinken zu, bis sie sich nach der Detonation bei 21% stabilisierten und wieder anstiegen. Schnell stand ich auf, und wir liefen weiter durch die Stationsgänge, bis wir an eine verriegelte Tür kamen.

„Garrus, die Tür“, gab Shepard in Auftrag, und der Turianer machte sich sofort ans Werk, um die Türsteuerung zu hacken.

Wir wurden eingelassen, und erstarrten verwirrt.

Zwischen uns und der Konsole stand ein gehackter Mech, der auf die Hardware schoss und dann dagegentrat. Er brauchte eine Weile, bis er uns bemerkte und sich ebenso verwirrt umdrehte.

Erst wirkte es, als wolle er sich ergeben, doch Garrus schoss ihm den Arm weg.

Als er die Pistole mit Links erhob, folgte die zweite künstliche Gliedmaße dem gleichen Schicksal, als Thane einen Schuss abgab.

Wehr-, Waffen- und Armlos lief der Mech durch den Raum, während Shepard die Abriegelung der Atlasstation deaktivierte. Wieder wurden wir von der VI angeschrien, bevor sich Archer zurückmeldete.

„Empfangen Sie mich?“, fragte der Wissenschaftler, wir hörten und sahen ihn zwar, doch beides war sehr verrauscht.

„Wir hören Sie, Doktor. Wir sind in der Vulkanstation fertig und gehen jetzt weiter“, gab Shepard durch, während wir immer noch von dem Mech umrundet wurden, bis er gegen eine Wand lief, umkippte und explodierte, nachdem er einen beinahe erschrockenen Quietschton von sich gegeben hatte.



„Halt! Was ist das da?!“, fragte ich fasziniert und lehnte mich zwischen Shepard und Jacob nach vorne. Vierbeinige, zweiarmige Lebewesen zogen in großen Herden über die Wiesen, fraßen hier und da und gingen dann weiter.

„Ähm, Weltraumkühe?“, erwiderte Jacob, als wäre das das Normalste auf der Welt. Das war es scheinbar auch, zumindest auf dieser Welt.

„Gott sind die hässlich“, sagte Shepard mit gerümpfter Nase und fing sich dafür einen Schlag gegen die Schulterplatte von mir, woraufhin er Gas gab und mich damit zurück in den Sitz warf.

„Ich hab sowas noch nie gesehen, ja? Verzeiht meine Neugier!“, verteidigte ich mich mit verschränkten Armen, als wir mit rasender Geschwindigkeit auf die Atlasstation zuflogen und ich hoffte, dass diese Mission möglichst schnell vorbei war.



„Sie sind da, sehr gut. Allerdings bekomme ich ziemlich beunruhigende Werte, Commander. Die VI versucht, das Programm von Ihrer Position aus hochzuladen. Sie müssen in den Serverraum, um den Kern runterzufahren, sonst…“, hörten wir Achers Warnung über Funk, die mittendrinnen abbrach.

Wir hatten die Atlasstation betreten, und es war… mehr als gruselig.

Wir gingen an zwei blutüberströmten Leichen vorbei, und kamen zu einem weiteren Log, versteckt in einem kaputten Automaten. Archer sprach über den Autismus seines Bruders, der sich nun als Chance zur Mensch-Geth-Kommunikation herausstellte und von ihm als ‚Glücklicher Zufall‘ bezeichnet wurde. Als der Logeintrag zu Ende war, fiel das Licht aus.

„Oh oh“, murmelte ich, als wir in völliger Dunkelheit standen.

„Das ist MEIN Arm, Liz“, hörte ich Garrus vom anderen Ende des Raums.

„Und ich bin hier drüben, Garrus“, erwiderte ich unbeeindruckt.

„Sorry, ich hab die Wand gesucht“, entschuldigte sich Jacob.

„Die Wände befinden sich im rechten Winkel jeder Ecke des Raumes“, erwiderte ich sarkastisch, als das Licht zu flackern begann und dann wieder anging. „Na Gott sei Dank!“, murmelte ich und steckte meine Taschenlampe zurück, die ich gerade aus ihrer Halterung an meiner Hüfte gezogen hatte.



Als wir weitergingen, spielten sogar die Türsteuerungen verrückt, Verriegelungen lösten sich von alleine, deaktivierte Türen öffneten sich, wenn man die daneben öffnen wollte… Es war gruselig.

Die Leichen, die in den Räumen lagen, machten das nicht wirklich besser.

„Shepard… Ich…Ich glaube die VI will uns an einen bestimmten Ort führen“, überlegte Jacob, als wir die geöffnete Tür passierten. Sie schloss sich sofort wieder hinter uns und sogar der Türsensor war deaktiviert.

„Vielleicht ist es eine Falle“, antwortete Shepard, als wir auf der Treppe ein paar erschossenen Geth begegneten.

Plötzlich schlossen sich alle Türen am Ende der Treppe, die Türsensoren sprangen schnell von Grün zu Rot und wieder zurück, bevor sich die zu unserer Linken dauerhaft öffnete. Vorsichtig betraten wir den Raum, in dem uns die VI scheinbar haben wollte. Die Lichter spielten verrückt, gingen aus oder begannen zu flackern wie ein Stroboskop.

„Der Unbekannte will Ergebnisse, sonst dreht er uns nächste Woche den Hahn zu. Ich habe keine Wahl. Ich werde David direkt an das neurale Geth-Netzwerk anschließen. Vielleicht kann er sie ja beeinflussen. Die Gefahr dürfte minimal sein. Es macht David wahrscheinlich sogar Spaß! …Spaß! …Spaß!Spaß!“, hörten wir Archers Stimme, und sein letztes Wort wurde mit jeder Wiederholung auf groteske Weise verzerrt.

Die Tür hinter uns verriegelte und deaktivierte sich. Das Licht ging in voller Intensität wieder an, und wir konnten jede Ecke des Raumes erkennen. Überall lagen Tote, mit panischen Gesichtern und verdrehten Körpern.

Ich spürte, wie sich die kleinen Härchen in meinem Nacken aufstellten, als wir langsam auf den Lift zu gingen.

„Mir gefällt das so ganz und gar nicht“, flüsterte ich, zu leise, als dass meine Kameraden mich hörten könnten.  

„Dr. Archer scheint den Erfolg deutlich über das Wohlergehen seines Bruders zu stellen“, sagte Thane, als Shepard den Aufzug rief.

„Das steht außer Frage…Geht in Deckung, wir wissen nicht, was uns erwartet“, befahl Shepard, und ich duckte mich mit meinem Sturmgewehr hinter eine Kiste.

Aus dem Augenwinkel sah ich den toten Mann, der nur einen knappen halben Meter entfernt von mir lag, doch ich schaute nicht richtig hin. Ich spürte seinen leblosen Blick, und mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter.

Der Fahrstuhl erreichte unsere Ebene, Sieben, nachdem Garrus und Shepard sich durch die Kontrollterminals geackert hatten. Funken stoben zwischen den Türen hindurch, als würde sich jemand von innen den Weg freischneiden.

Ich griff mein Sturmgewehr fester und schluckte, als wir wieder das gequälte, wütende Heulen hörten. Und ich bekam große Augen, als der Kommandant aus dem Fahrstuhl stieg.

„Nehmt sie in die Mangel!“, befahl Shepard, und ich verschoss zwei Thermomagazine auf den großen Geth. Er hatte einige Schützen dabei, die uns ebenfalls zusetzten.

Ich zog meine letzte Granate, als der Kommandant sich Shepard zu sehr näherte, und der kleine Sprengsatz heftete sich direkt an seinem Kopf fest. Ich hatte auf den Rücken gezielt, aber das musste ja niemand wissen.

Also: Psst!

„Liz! Pass auf!“, rief Thane und ich schoss auf den Schützen, der meine Deckung hinter meinem Rücken umrundet hatte, und war froh, als Shepard den Kommandanten selbst erledigte.

„Das waren alle“, bestätigte Garrus, und folgte dem Commander in den Fahrstuhl. Langsam fuhr der Lift nach unten, doch plötzlich und ohne Vorwarnung, stoppte er und raste wieder nach oben.

„Whoa!“, keuchte ich, und griff nach Thanes Schulter, um ein wenig Stabilität zu behalten. Wir fielen geradezu nach unten, rasten wieder hoch, so schnell, dass sich schwarzer Rauch an den Wänden entwickelte.

„Rauch registriert. Bitte beachten Sie, dass dies eine Nichtraucheranlage ist!“, sprach die Stations-VI und ich hätte ihr den Mittelfinge gezeigt, wenn ich nicht so kurz davor gewesen wäre, auf meinem Hosenboden zu landen.

Mitten im beinahe freien Fall, blieb der Lift plötzlich stehen, die Tür ging auf, und wir standen lauter Geth gegenüber, die jedoch, einer nach dem anderen, einfach umkippten. Langsam und vorsichtig betraten wir den Raum, ich stieß einen der Schützen mit dem Fuß an, doch nicht mal dann bewegte er sich.



„Zu behaupten, dass David nichts passieren kann, wäre eine Lüge. Sein autistischer Geist ist mir so fremd wie der eines Aliens. Aber wir müssen fortfahren, wir müssen es riskieren, nicht wahr?“, rechtfertigte sich Archer über sein Log.

Der Mann erweckte einen immer tieferen Groll in mir, als wir auf die nächste Tür zugingen.

„Irgendwas stimmt mit dem Türsensor nicht“, fiel Garrus auf. Dennoch machte Shepard einen Schritt darauf zu und drückte vorsichtig darauf. Das Bedienfeld verschob sich, und wanderte die ganze linke Wandseite entlang, bis zur nächsten Tür.

„Das ist…ungewöhnlich“, stellte Thane fest.

„Allerdings“, stimmte ich ihm zu. So etwas hatte ich noch nie gesehen!

„Wir folgen ihm einfach. Uns bleibt nichts Anderes übrig“, befahl Shepard, und ging voraus. Wir fanden uns in einem Serverraum wieder, und mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter, als Shepard sich der Konsole näherte. Ich hielt mein Sturmgewehr fest umklammert, um meine Hände vom Zittern abzuhalten. „Bereit halten. Seien Sie nicht überrascht, wenn der Knopf 'nen Reaper ruft“, warnte Shepard, doch er meinte es ernst, auch wenn es in einer anderen Situation vielleicht witzig geklungen hätte.

Wieder ging das Licht aus, als ich meinen Kameraden Rückendeckung gab. Plötzlich leuchtete der Holo-Bildschirm grün auf, und grüne Blitze sprangen auf Shepards Universalwerkzeug über. Er wurde wenige Zentimeter angehoben, sein Körper völlig verkrampft und von den grünen Lichtblitzen umgeben.

„Shepard?!“, fragte ich panisch.

„Nicht!“, rief Garrus und hielt mich mit beiden Armen davon ab, ihn anzufassen.

Nicht schon wieder.

Es war wie damals auf Eden Prime, mit dem protheanischen Sender.

Und dieses Mal, würde ICH ihn nicht zum Schiff zurückschleppen!

Die Augen des Commanders glühten grün, seine Panzerung wurde von grünen Linien überzogen, und er ging zielstrebig an uns vorbei, als wäre er ferngesteuert.

„Aber wir müssen irgendwas tun!“, beschwerte ich mich, als Garrus mich nicht losließ.

„Wir folgen ihm, beruhige…“, fing er an, doch dann sprintete John plötzlich unmenschlich schnell aus dem Serverraum, und die Tür schloss sich hinter ihm. Sie verriegelte sich, und wir konnten nur dabei zusehen, wie er im nächsten Raum verschwand.

„Scheiße!“, fluchte ich laut und trommelte mit meinen Fäusten gegen die geschlossene Panzertür, nachdem Garrus mich endlich losgelassen hatte.

Rrrrrruhe, B---bitte! Mach dassss es aufhööööört!“, schrie die VI, doch zum ersten Mal waren die Wort zu erahnen.

„Garrus, versuch die Tür zu hacken!“, befahl ich. Was, wenn die VI Shepard etwas antun wollte? Er wirkte nicht gerade sonderlich verteidigungsbereit...



„Tut sich denn wenigstens irgendwas?“, fragte ich ungeduldig, als Garrus an seinem Universalwerkzeug verzweifelte.

„Knoten erfasst. Normandy SR-2 ist in Reichweite. Versuche, Verbindung zum Hochladen herzustellen“, hörten wir plötzlich wieder die stationsweite Ansage.

Was?!“, entfuhr es Thane und mir gleichzeitig. Jacob öffnete sein Universalwerkzeug und versuchte, einen Kommlink zur Normandy zu bekommen, doch es war vergeblich. Wir waren völlig abgeschottet.

RUHE!! MACH DASS ES AUFHÖRT!!!“, brüllte David durch die Lautsprecher.

„Versuche, Verbindung zum Hochladen herzustellen“, hörten wir die Ansage.

DAVID WILL NICHT MEHR HIER SEIN!!!!!“, schrie die verzerrte Stimme von Archers Bruder.

„Ich kriege keinen Kontakt, weder zu EDI noch zu Moreau!“, rief Jacob über die Stimmen hinweg.

Ich malträtierte die Wand mit meiner Biotik, doch es tat sich nichts. Genau wie zuvor, als wir mit den Waffen nur einen Haufen Querschläger erschaffen hatten, die wie durch ein Wunder niemanden erwischt hatten. Verzweifelt fuhr ich mir durch die Haare, bevor ich es aufgab.

„Garrus, mach diese Tür auf!“, fuhr ich den Turianer an, dessen Mandibeln schneller klickten, als ich es je gesehen hatte.

„Verbindung unterbrochen“, sprach die Ansage.

„Was denkst du denn, was ich hier tue?!“, knurrte Garrus zurück.

BITTE MACH DASS ES AUFHÖRT!!“, schrie David, und plötzlich…war alles still. Die Tür öffnete sich bereitwillig, und wir rannten nach draußen.

„Shepard!“, rief ich lautstark, immer wieder, bis wir endlich Antwort erhielten.

„Ich…Ich bin hier unten…“, gab er zurück. Er stand unter uns in einem großen Raum, vor einem riesigen Kabelgewirr.

„Wir sind gleich da!“, versprach ich, und sprang den Aufzugschacht hinunter, um zu ihm zu gelangen. „Geht es Ihnen…“, begann ich besorgt, doch als ich seinem gebannten Blick folgte, verstummte ich völlig.

„Das ist David“, flüsterte Shepard.

„Oh bei den Geistern…“, hörte ich Garrus.

„Mein Gott…“, murmelte Jacob, während ich Thanes Worte nicht wahrnahm.

„Wir… wir müssen ihn da rausholen!“, bestand ich, nachdem ich meine Stimme wiedergefunden hatte und machte ein paar Schritte auf die Apparatur zu.


David…hing dort, nackt, gehalten von diversen Metallspangen und mit Schläuchen, die in seinem Mund und anderen Stellen am Körper verschwanden. Sein Kopf wurde von diversen Metallhaken umschlossen, die Augen wurden gewaltsam offengehalten. Ich machte einen weiteren Schritt auf ihn zu, sonst hätte ich seine Worte wohl nicht gehört.

Bitte…Mach…dass es aufhört“, brachte er mühsam hervor, und ich spürte eine Träne an meiner Wange hinunterlaufen.

„Wir helfen dir, ich versprechs“, wisperte ich, und streckte eine zittrige Hand aus.



NICHT! Commander, warten Sie!“, hörten wir plötzlich Dr. Archer, der im Eilschritt das Labor betrat. „Bitte, überstürzen Sie nichts!“, bettelte er mit erhobenen Händen, als er bei Shepard angekommen war.

„Gehen Sie mir aus den Augen“, erwiderte John kalt, und ohne ihn anzusehen.

„Ich wollte nie, dass ihm etwas zustößt! Glauben Sie mi…“, wollte er sich verteidigen, doch in just diesem Augenblick legte sich in mir ein Schalter um.

SIE haben ihm das angetan!!“, schrie ich, völlig außer mir, und verpasste ihm einen heftigen Stoß mit einem Biotikball, der ihn zwei Meter weiter auf den Arsch setzte.

„Ich hatte keine WAHL! Der Unbekannte duldet keine Fehlschläge!“, erwiderte Archer wütend, und nur dank Thane, der meine angriffsfähige Biotik mit einem Warpangriff auseinandernahm, wurde der Wissenschaftler nicht als Fleischgraffiti auf dem Boden verschmiert.

„Er ist Ihr Bruder verdammt nochmal!“, schrie ich wütend und ignorierte die Hand von Shepard auf meiner Schulter, als ich an ihm vorbeiging.

„Und sein Opfer hätte die Trauer von Tausenden ersparen können! Ich werde mich nicht für meine radikalen Ideen entschuldigen!“, erwiderte er und stand wieder auf.

„Ihr Bruder wird nie wieder so sein, wie vorher. Und bei Cerberus wird er für immer eine Laborratte bleiben“, fuhr Shepard den Mann an.

„Aber es wird sich um ihn gekümmert. Er wird leben“, winkte Archer ab.

„Leben? Etwa so?“, mischte sich Thane ein.

„Sie verstehen das nicht…Er…“, stammelte der Wissenschaftler und sah zu seinem Bruder.

„Wurzel aus 910 ist gleich…“, nuschelte David.
„30,1“, antwortete sein älterer Bruder. „Was ist getan habe, war unethisch…ich will mich um ihn kümmern, Bitte“, flüsterte er, als würde ihm erst in eben jenem Moment klar, was er verbrochen hatte. Ich wollte es ihm glauben, einmal mehr das Gute in jedem sehen, doch ich kaufte es ihm nicht ab.

„Ruhe…Bitte, mach dass…es aufhört?“, wimmerte David und ich verdrängte das Schluchzen, das sich aus meiner Kehle befreien wollte. Ich war gleichzeitig so wütend, entsetzt und traurig, dass mir fast schwindlig wurde.

„Nein. David kommt mit uns. Ich habe genug gesehen“, beschloss Shepard, und ich atmete erleichtert aus und schloss meine Augen für einen kurzen Moment.

„NEIN! Lassen Sie ihn in Ruhe, er ist zu wertvoll!“, schrie Archer plötzlich, und der beherzte Schlag von Jacob, brachte den Wissenschaftler erstens zu Fall und dem Agenten einige Sympathiepunkte bei mir.

„Wenn Sie es auch nur wagen, Ihrem Bruder zu nahe zu kommen, wartet eine Kugel auf Sie!“, knurrte Shepard, als er die Pistole sah, die neben Archer auf dem Boden lag.

„Aber…Wohin bringen Sie ihn?!“, wollte er wissen.

„Das geht Sie einen Scheißdreck an!“, fauchte ich und schob die Pistole mit meiner Biotik aus seiner Reichweite.

„Aber…“, begann Archer, doch Shepard packte ihn an der Schulter, nicht gerade sanft, und hievte ihn auf die Beine.

„Hauen Sie ab! Und beten Sie, dass sich unsere Wege nie wieder kreuzen!“, befahl Shepard, und Archer rannte. „Joker? Verständigen Sie die Grissom-Akademie. Sagen Sie ihnen, dass hier jemand Hilfe braucht“, sprach der Commander in sein Universalwerkzeug.

„Zu Befehl“, erwiderte Joker.

„Wir können Ihn da nicht einfach so rausnehmen. Wir warten, bis die Leute der Akademie hier sind“, erklärte Shepard, während Garrus die Haltekonstruktion scannte.



Es hatte fast zwei Stunden gedauert, in denen wir die Forschungsberichte studiert und die Haltevorrichtung gescannt hatten, bis wir David befreien konnten. Es war grausam, und an manchen Stellen wirklich absolut nichts für zart besaitete.

Beinahe hätte ich mein Frühstück wiedergesehen, als wir die Schläuche aus seinem Mund entfernt hatten, nachdem Garrus mit seinem Universalwerkzeug die…Halterungshaken in seinem Inneren deaktiviert hatte.

Doch ich ersparte mir die Diskussion mit dem Turianer über die menschliche Eigenschaft des Ekelerbrechens, indem ich meinen Magen in Schach hielt. Nun waren wir beinahe fertig, ich saß auf Jacobs Schultern, während Garrus sich um die Technik kümmerte und Shepard mit Thane vom Boden aus arbeitete.

„Ich hab ihn. Langsam runterlassen“, bestätigte Shepard und ich öffnete die letzte Metallklammer, die David um den Oberkörper herum fixierte, damit der Commander und Thane ihn auf den Boden bringen konnten.

Wenig elegant, aber zielführend, rutschte ich von Jacobs Schultern und stabilisierte den Kopf des völlig entkräfteten Mannes, als wir ihn hinlegten.

„Ich schau im Hammer mal nach Decken, er ist eiskalt“, murmelte ich besorgt und wartete nicht lange genug, um Shepards Zustimmungsnicken zu sehen.

Schnell lief ich los, durch die Hallen und die Treppen hoch, der Fahrstuhl funktionierte noch nicht, doch Garrus kümmerte sich mit EDIs Unterstützung bereits um die Stationskontrolle.

Eilig kletterte ich an den Notleiterelementen der Seitenwände hinauf und rannte zielstrebig zum Ausgang der Basis. Der Hammer öffnete sich automatisch, als er meine Universalwerkzeugsignatur erkannte und ich konnte im Heck nach der Notfallausrüstung suchen.

Wie auch an Bord der Normandy fand man hier Nontech-Zeug, wie Fallschirme, Trockennahrung, Wasser und: Wolldecken. Ich packte das Notfallmedizinische Equipment, die Decken und ein paar Wasserflaschen, bevor ich mich auf den Rückweg machte.



Fast eine halbe Stunde später lag David, in drei Woll- und eine Rettungsdecke gehüllt, auf dem Boden.

Er hatte ein paar Schlucke Wasser getrunken, doch seine Kehle und Speiseröhre waren so angegriffen, dass er dabei große Schmerzen hatte. Das schlossen wir zumindest aus seiner Reaktion, denn wenn immer wir ihn etwas fragten, antwortete er mit mathematischen Gleichungen oder Radizierungen.

Er war eingeschlafen, und auch wir spürten, wie die Mission uns ausgelaugt hatte. Ich lehnte mich an Garrus, der neben mir am Boden saß und starrte auf Davids Gesicht. Seine Augen tränten stark, daher hatte Jacob ihm entzündungshemmende Augentropfen hineingetropft, nachdem wir mit Dr. Chakwas Rücksprache gehalten hatten. Leise piepte Shepards Universalwerkzeug, und er öffnete den Kommkanal zur Normandy.

„Commander, die Allianz hat sich gemeldet, die SSV Marne war gerade auf Patrouille in der Nähe und ist auf dem Weg hier her. Ankunft in ca. 20 Minuten, plus zehn für den Shuttleflug nach unten. Dr. Chakwas hatte bereits Kontakt mit dem Schiffsarzt der Marne und hat das medizinische Team vorbereitet“, gab Joker durch.

„Sehr gut. Bereithalten, Joker“, antwortete Shepard.

„Er ist dort in guten Händen“, murmelte ich, und ich war mir nicht sicher, an wen ich diese Worte richtete, als ich leise seufzte und meinen Blick über meine Kameraden schweifen ließ.

Thane saß im Schneidersitz auf dem Boden, in seinen stillen Gebeten versunken.

Jacob durchforstete die Berichte des Overlordprojekts mit gerunzelter Stirn und immer wieder einem ungläubigen Ton.

Shepard saß ebenfalls auf dem Boden und betrachtete den schlafenden David.

„Es wirkte…völlig harmlos…“, murmelte der junge Mann immer wieder vor sich hin, selbst im Schlaf, als wäre es ein Mantra. Als würde er sich selbst zwingen müssen, daran zu glauben…



„Ich geh und führ sie her“, hatte ich so völlig unbedarft gesagt, als das Allianzshuttle die Atlasstation erreicht hatte.

Und nun stand ich vor der Basis und wartete auf das medizinische Team, das aus dem Shuttle ausstieg.

Was wenn mich jemand erkannte?

Was wenn ich jemanden von ihnen kannte?

Was wenn mich jemand verhaftete?

Mein Traum kam mir wieder in Erinnerung.

Anderson und Hackett verließen sich auf mich, ich würde das jetzt schon nicht versauen.

‚Reiß dich zusammen, Liz!‘, schimpfte ich mich selbst, als die drei Mediziner und vier Soldaten näherkamen.

Sie betrachteten mich argwöhnisch und suchten scheinbar nach dem Cerberusemblem auf meiner Brustplatte. Vergeblich, wie ich stolz behaupten konnte.

„Ich bringe Sie zu ihm“, erklärte ich knapp, ignorierte das Vorstellungsprozedere als ich kein bekanntes Gesicht sah und ging voran. „Bitte erschrecken Sie nicht, seine Muskeln sind stark verkümmert, er hat diverse Fesselungsmale und ist in einem psychisch labilen Zustand“ erklärte ich, als wir in den Fahrstuhl stiegen, der dank Garrus und EDI wieder funktionierte, ebenso wie die restliche Basissteuerung.

„Dr. Chakwas kannte keine Einzelheiten, doch wir sind auf vieles vorbereitet“, antwortete der großgewachsene Mann, der das E7 Emblem auf der Brust trug.

„Na dann“, erwiderte ich, und führte sie zielstrebig zu meinen Kameraden.



„Das…war ein unerwartetes Missionsende. Wenn jemand Gesprächsbedarf hat, habe ich stets ein offenes Ohr und möchte an dieser Stelle auch auf Yeoman Chambers hinweisen, die jederzeit für Gespräche offen ist“, erklärte Shepard, als wir nach der Übergabe von David wieder im Hammer saßen und auf die Normandy zusteuerten.

„Danke, Commander“, antwortete Jacob, als die Frachtluke sich öffnete und Shepard den M-44 in die Halterungen lenkte.



„Der Unbekannte hat mich bereits kontaktiert, Shepard. Wie konnten Sie eine solch wertvolle Ressource aufgeben?“, hörte ich Miranda bereits, noch bevor ich ausgestiegen war.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass Sie auf Pragia dazugelernt hätte und wäre beinahe an ihr vorbeigegangen, wenn sie nicht weitergesprochen hätte.

Eigentlich fehlte mir die Energie für ein solches Gespräch.

„Das wirft die Forschung von Cerberus um Jahre zurück, wir können diesen Rückfall vielleicht niemals aufholen“, beschwerte sie sich.

Ich kämpfte mit mir selbst, um sie einfach zu ignorieren.

Doch Davids Zustand ließ mich nicht los, sodass ich mit wenigen, großen Schritten auf sie zuging.

„Was woll…“, begann sie, und ich hielt mich zurück, um sie nur mit Worten zum Schweigen zu bringen.

„Haben Sie gesehen, was diese Wissenschaftler abgezogen haben?! Waren Sie dabei? Beteiligt? Können Sie wirklich guten Gewissens für diese Grausamkeit geradestehen?“, fuhr ich sie an.

„Nein. Doch Cerberus arbeitet für die Interessen der Menschheit und vertritt diese“, erwiderte sie ungerührt.

„Scheinbar nicht die Interessen von David Archer!“, fauchte ich wütend.

„Er hat sich freiwillig gemeldet“, winkte sie ab und ich schnaubte ungläubig.

„Aber nicht dafür! Das war eine Tortur! Er hat darum gebettelt, dass sie aufhören!“, schrie ich der Brünetten ins Gesicht.

Endlich sah ich einen Funken in ihren Augen. Ein kleines Erschrecken, Realisation. Zweifel. Kaum sichtbar, aber vorhanden.

„Und wenn Sie auch nur einen Funken Menschlichkeit besitzen, dann werden Sie erkennen, dass Cerberus‘ Methoden alles andere als ethisch vertretbar sind“, spie ich, und wandte mich ab, um mein Zeug abzulegen.

„Sie hat Recht, Miranda. Du hättest ihn sehen sollen“, murmelte Jacob leise, und ging mit Thane und Garrus zum Lift.

Ich war schon hinter meinem Kistenstapel verschwunden, als ich die Stimme der Agentin nochmal hörte.

„Es war ein Unfall. Ungeplant“, sagte Sie zu Shepard, vielleicht in der Hoffnung auf Zustimmung.

„Ein ungeplanter Unfall ist es, in der High School schwanger zu werden!“, brüllte ich lautstark.

„Liz!“, mahnte Shepard. „Ich gebe Ihnen die Aufnahmen meiner Visorkamera. Dann können Sie selbst entscheiden, ob dies mit Ihrer Sicht der Dinge übereinstimmt“, meinte der Commander, bevor er mit der Agentin zum Aufzug ging.

Müde zog ich meine Rüstung aus und legte meine Waffen ab. Ich fuhr mir durch die Haare, als mir Davids Worte immer wieder durch den Kopf gingen…

„Es wirkte…völlig harmlos…“
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