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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
03.06.2021
156
731.943
43
Alle Kapitel
392 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
12.06.2016 4.052
 
Hallo ihr Lieben!
Wir sind nur noch 31 Klicks von den 10000 entfernt, ich freu mir grad ein Loch in den Bauch! :-D
Also, fleißig lesen und reviewen, ich freu mich :-)
Viele liebe Grüße und eine schöne Woche!
Angel
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„Alles klar, ich mach mich bereit“, gab ich an Shepard durch.

Er war mit Jacob und Garrus losgezogen, um die ‚Justikarin‘ zu finden. Jacob hatte auf dem Rückweg was abbekommen, und es gab wohl Komplikationen bei der Rekrutierung. Eigentlich hatte ich noch mit Grunt trainieren wollen, doch Zaeed hatte diese Aufgabe mit einem zufriedenen Lächeln übernommen. Das gefiel mir nicht, aber da Mordin noch mit den Kollektorendaten beschäftigt war und Shepard Miranda nicht erreichen konnte, hatte er mich angefunkt.

„Es geht schon wieder“, knurrte eine Stimme, als mir der Fahrstuhl entgegen kam. Garrus stützte Jacob ein wenig, an seinem Oberarm sah man rotes Blut. Ohne mich großartig zu beachten, ging er in die Krankenstation.

Augenrollend nickte Garrus in Richtung des Fahrstuhls, und wir fuhren hoch.

„Nur ein Streifschuss, er wird’s überleben“, murrte der Turianer. „Sowas von wehleidig“, beschwerte er sich kopfschüttelnd, doch er brachte mich damit zum Lachen.



„Commander?“, fragte ich, als wir das Polizeirevier erreicht hatten. Shepard drehte sich zu uns um, und eine großgewachsene, schlanke Asari mit hellblauen, fast grauen, Augen musterte mich. Feine Schildplatten waren auf ihrer Stirn angebracht.

„Ah, da seid ihr ja. Mit Jacob alles ok?  Wir müssen einen Schiffsnamen für Samara herausfinden, bevor sie uns begleiten kann“, erklärte Shepard und erhob sich von seinem Stuhl.

„Wird wieder, Dr. Chakwas kümmert sich um ihn“, erklärte ich knapp und wendete mich der Asari zu, als sie auf mich zukam.

„Mein Name ist Samara. Ich danke auch Ihnen beiden“, sagte sie mit einer ruhigen, angenehmen Stimme.

Garrus hatte mir erzählt, dass sie vor einigen Minuten einer Söldnerin mit dem Fuß das Genick gebrochen hatte.

Wirklich vorstellen konnte ich es mir nicht, wenn ich sie mir so ansah, doch Liara hatte ich vor zwei Jahren auch noch unterschätzt. Ich hätte fast angefangen, mich über den massiven Ausschnitt ihrer Rüstung zu beschweren, als Shepard vorausging. Wieso sollte man seinen Körper schützen, wenn man dann den Weg zum Herz so offenlegte?

„Da hinten können wir in den Fahrstuhl. Ich hab mir einen Passierschein von dem Volus besorgt. So viel Korruption auf einem Haufen habe ich noch nie erlebt“, erklärte er, und wir stiegen in den Lift.



„Bedrohung entdeckt“, sagte ein einsamer Mech, doch ich warf ihn mit einem sauberen Biotikangriff gegen die Wand. Nach einem Knirschen fiel er regungslos zu Boden. Mit diesen Dingern hatte ich mich lange genug rumgeschlagen, als dass ich mich jetzt noch ewig damit aufhalten wollte. Shepard aktivierte die Tür, und genau in dem Moment flog ein roter Behälter zwischen uns durch und zerplatzte auf dem Boden.

Erschrocken hatte ich eingeatmet, und spürte wieder dieses massive Kribbeln an meinem Implantat, das sich in den ganzen Körper ausweitete.

„Was ist das?!“, rief Garrus mühevoll, immerhin musste er die kreischende Eclipsesoldatin übertönen.

„Hohe Toxinbelastung in der Umgebungsluft!“, brüllte mich meine Anzug-VI an, als ich mit Shepard und Garrus lossprintete und hinter einer Kiste in Deckung ging.

„Shepard, meine Scans bestätigen, dass die Chemikalie die Biotik verstärkt. Aber eine zu hohe Konzentration führt zu schweren Gewebeschäden. Ich empfehle eine geringe Dosierung“, erklärte EDI über Funk, während wir von den kreischenden Asarikämpferinnen mit dem roten Sand beworfen wurden. Konnten die nicht einfach mal die Klappe halten?

„Auf drei werden Mechs abgeworfen!“, rief Garrus laut und verschanzte sich zwischen zwei großen Kisten. Schnell rollte ich mich nach rechts weg, um einem Giftkanister auszuweichen. Die biotikverstärkende Wirkung konnte man allerdings wirklich nicht leugnen, und so warf ich die Eclipsesöldnerin einfach durch das Kraftfeld in die Tiefe. Dann hatte sie wenigstens einen Grund für ihr Geschrei.

Shepard hatte sich um die Mechs gekümmert, und Garrus jagte der letzten Söldnerin eine Kugel zwischen die Augen.

„Und das alles nur für nen Schiffsnamen, Shepard? Worum geht’s da eigentlich?“, wollte ich wissen, als wir die Tür erreichten.

„Eclipse hat jemanden sehr gefährlichen rausgeschmuggelt, den Samara verfolgt“, erklärte er knapp, als Garrus uns mit einer schnellen Handbewegung zum Schweigen brachte. Er schloss die dreifingrige Hand zu Faust, und da hörte ich es auch.

„Oh bei der Göttin… Mach dass sie mich nicht finden…Und wenn doch, mach, dass sie mir nichts tun! Was tue ich hier bloß?“, flüsterte eine nervöse Stimme. Ernst nickte der Commander in Richtung der Tür, und aktivierte das Schloss. Wir sahen uns in dem kleinen Raum um, und hinter einer Konsole entdeckten wir eine Asari. Ich zog meine Pistole, um Shepard abzusichern, während er auf sie zuging. „Halt! Bitte, ich hab kein einziges Mal abgefeuert! Ich hab nur so getan, weil die anderen zugesehen haben!“, bettelte sie.

„Und was tun Sie dann bei Eclipse?“, wollte Shepard wissen.

„Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich bin ein Neuling! Erst dachte ich, es wäre cool, Elnora die Söldnerin zu sein…Aber ich wusste ja nicht, was mich wirklich erwartet!“, beteuerte sie und zog eine Schrotflinte.

Zeitgleich zog Garrus sein Sturmgewehr und Shepard seine Pistole.

„Beruhigen Sie sich, nehmen Sie die Waffe runter“, bat ich und deutete auf den Boden. Unruhig sah sie zwischen uns hin und her, doch dann steckte sie seufzend das Schrotgewehr weg.

„Und was haben Sie nicht erwartet? Was gefällt Ihnen hier nicht, Elnora?“, wollte Shepard wissen.

„Ich dachte, wir fliegen rum und erledigen Bösewichte. Aber stattdessen verkaufen sie Roten Sand und illegale Waffen. Sie haben sogar eine Ardat-Yakshi weggeschmuggelt!“, erzählte die junge Asari.

Eine was?

„Eine was?“, fragte Garrus verwirrt und sprach damit meine gedachte Frage aus.

„Das ist ein altes Asari-Wort für… Ich dachte immer, es wäre nur eine Legende! Es bedeutet Dämon der Nachtwinde. Ich hab nie daran geglaubt, aber die Chefin meinte, diese furchterregende Dame wäre genau so etwas“, erklärte sie.

„Mit welchem Schiff wurde sie rausgebracht?“, fragte ich nach. Vielleicht konnten wir diese Mission ja ein wenig schneller abschließen?

„Keine Ahnung! Das war vor 'n paar Tagen, und ich bin neu. Sowas wird mir nicht gesagt“, enttäuschte sie uns. Dennoch nickte Shepard und steckte seine Waffe weg.

„Hauen Sie ab. Und beim geringsten Fehltritt, werden ich Sie finden und zur Rechenschaft ziehen“, mahnte Shepard.

„Ja, Sir! Okay, ich gehe“, versprach sie und verließ den Raum, sie verschwand in Richtung des Fahrstuhls.

„Hoffentlich fällt das nicht auf uns zurück“, murmelte Garrus kopfschüttelnd, als wir die Treppe hinaufliefen.



Wenig später kämpften wir uns den Weg durch einen ganzen Haufen kreischende Eclipsesöldnerinnen, die von LOKI-Mechs begleitet wurden. Als bei einer Frontkämpferin nichts mehr half, da sie hinter ihrer Deckung kauerte und uns mit Biotikangriffen auf Distanz hielt, nutze ich die rote Toxinwolke, die mich umhüllte.

Ich musste sowieso hier weg, zumindest laut meinem Anzugcomputer, da konnte man das gleich mit etwas Nützlichen verbinden.

„Ich springe“, warnte ich meine Kameraden vor, legte die verstärkte Biotik auf meine Beine und Schultern, und nur einen Wimpernschlag später stand ich auf der leblosen Asari. Ihr Pech, sie stand zwischen mir und meinem wohlverdienten Schichtende. Sie und ihre furchtbar nervigen Schwestern.  Eine Treppe, eine Tür und zwei Asari weiter, kamen wir in ein recht weitläufiges Gebiet.



„Achtung. Ich habe einen Jäger geortet“, warnte uns EDI, als wir auch schon von dem Bordgeschütz ins Visier genommen wurden.

„Deckung! Distanzgewehre!“, befahl Shepard, und dem kam ich ziemlich gerne nach.

„Ich kümmer mich um die Raketenschützen“, rief ich meine Kameraden zu und zielte auf die Helme der menschlichen Eclipse. Zwei Schüsse später waren ihre Panzerungen durchschlagen

„Vielleicht können wir ihn umgehen!“, hörte ich Garrus undeutlich. Ein Warpball zerlegte gerade meine Barriere, und ich hörte die Umgebungsgeräusche nur undeutlich. Doch wir schafften es tatsächlich wieder in einen geschlossenen Raum und konnten kurz durchatmen.

Shepard, der so überhaupt nicht außer Puste zu sein schien, nahm ein Datenpad in die Hand und öffnete den Log.

„Jetzt ist es offiziell! Die kleine Elnora ist endlich eine vollwertige Eclipsesöldnerin! Letzte Nacht hab ich mir die Uniform verdient, als ich diesen dämlichen Volus umgelegt habe. Aus nächster Nähe, mit Explosivkugeln. Hab dem Dreckskerl den Anzug ordentlich geöffnet, Haha! Ich kann die Action kaum erwarten. Meine Freundinnen werden total neidisch sein!“, freute sich die Stimme der Asari, die wir vorhin hatten laufen lassen.

„Hah. Sie hat den Volus getötet. Wenn wir das gewusst hätten…“, sagte Garrus kopfschüttelnd. Shepard stöhnte auf.

„Jede Eclipseschwester verdient sich ihre Rüstung mit einem Mord…Gott, wie konnte ich nur so blind sein!“, regte er sich auf, und ich verstand nur Bahnhof.

„Welcher Mord?“, fragte ich verwirrt.

„Ein Volus wurde umgebracht. Ich hab mit seinem Partner gesprochen, und der hat mir das gesagt, mit der Initiation bei Eclipse. Wir nehmen das Datenpad mit und geben es Anaya. Die kann sich dann drum kümmern“, beschloss Shepard und packte kopfschüttelnd den Datenchip ein.


Im Laufschritt liefen wir weiter, eliminierten die beiden Mechs und liefen über einen schmalen Pfad, um zur anderen Plattformseite zu kommen.

Plötzlich schrie Garrus spitz auf. Erschrocken drehte ich mich nach hinten um, und sah beide in Deckung hechten. Panisch drehte ich mich nach vorne um, als ich die Triebwerkgeräusche hörte.

Runter!“, brüllte Shepard mich an.

Scheiße!“, quiekte ich und rannte los, das Geschützfeuer auf den Fersen. Die letzten Meter schlidderte ich hinter eine Kiste und presste mich mit dem Rücken dagegen. Das Teil war nur aus einfachem Plastik, und würde dem Beschuss nicht lange standhalten.

Aber wenigstens hatte er jetzt von mir abgelassen.

Ich zog mein Scharfschützengewehr und zielte auf die Antriebe. Fluchend verriss ich den ersten Schuss, als der Jäger zuckte. Schnell lud ich nach und legte das Gewehr wieder an. Gerade noch rechtzeitig konnte ich abdrücken, bevor er sich auf meine Deckung konzentrierte.

Gehetzt sprang ich auf und katapultierte mich auf einen FENRIS-Mech, der aus der Tür auf uns zukam. Mit einem ungesunden Krachen explodierte er unter meinen Füßen, doch die Barriere schützte mich vor den Funken.

Ich hatte doch noch…irgendwo…  

Zeitgleich wechselte ich zu meinem Sturmgewehr und suchte blind nach der Granate, die irgendwo an meinem Oberschenkel kleben musste.

‚Hab dich‘, dachte ich, als meine Finger das die runde Granate fanden. Schnell aktivierte ich sie und warf sie auf den Jäger. Glücklicherweise flog er einige Meter nach vorne, um auszuweichen, denn dank meiner miserablen Wurfkünste hätte ich ihn sonst nicht getroffen.

Lautstark riss sie ein Loch in die Panzerung, und ermöglichte Shepard und Garrus, auf diesen Schwachpunkt zu schießen. Gemeinsam rangen wir den Jäger nieder, und er explodierte in tausende Einzelteile.

„Von denen hab ich langsam genug!“, rief Garrus wütend.

„Ach was, das war DIE Chance, dass beide Gesichtsseiten wieder gleichaussehen“, zog ich ihn auf, wofür er mir fest gegen die gepanzerte Schulter schlug.

„Transportpapiere. Pitne For hat 2000 Einheiten Minagen X3 und 600 Einheiten Roten Sand an Eclipse verkauft“, fasste Shepard die Inhalte des Datenpads zusammen.

„Das interessiert den Detective bestimmt auch“, warf ich ein und nahm den Speicherchip des Pads entgegen, den ich in meiner Rüstungstasche verstaute.

„Steht der Schiffsname drauf?“, wollte Garrus hoffnungsvoll wissen, doch Shepard verneinte.



Gemeinsam gingen wir weiter, und eine Tür weiter trafen wir auf einen Volus.

„Hallo?“, fragte ich ihn, da er uns den Rücken zudrehte.

Schwankend drehte er sich um, prallte gegen Shepard und machte ein paar ungelenke Schritte zurück. Er machte weitschweifende Gestiken mit beiden Armen, um das Gleichgewicht wiederzufinden. Gut, die Volus waren generell keine Spezies, die sich sonderlich grazil bewegten, aber der hier war mit Sicherheit besoffen.

„Menschen…Turianer…Fürchtet mich! Ich bin ein biotischer Gott! Jeder meiner Gedanken wird Realität! ICH bin die fleischgewordene Biotik!“, erklärte er uns.

Giovanni kam mir wieder in Gedanken, ich hoffte wirklich, dass die wandelnde Abrissbirne vor uns nicht plötzlich abheben würde.

Bei Smiles… ach verdammt… Bei Giovanni hatte ich ja kein Problem damit, ihn aus seinem Größenwahn zu ziehen.

Aber nochmal brauchte ich sowas nicht. Bei jedem seiner Schritte, jeder Bewegung leuchtete er blau auf. Doch die Biotik war mehr als instabil, kein differenziertes Feld, sondern eher ein Flirren.

„Was hat der denn eingeworfen?“, raunte Garrus mir zu.

„Bleiben Sie zurück, dann erschieße ich Sie nicht“, warnte der Commander, als der Volus heroisch seine Hand erhob.

„Welch skandalöse Worte! Doch Sie werden sie noch früh genug bereuen! Ich, Niftu Cal, bin ein gewaltiger Sturm, der alles wegfegt wie ein…gewaltiger Sturm. Ja. Wie ein gewaltiger, biotischer Wind!“, erklärte er völlig überzeugt.

„Sie riechen zwar nach gewaltigen Winden, viel mehr aber auch nicht“, meinte ich naserümpfend.

„Pah! Es war schrecklich, als die Asari mir diese Unmengen an Chemikalien injizierten…Doch nun spüre ich, welchen Zweck das hatte! Diese unbändige Macht!“, erzählte er und fiel hintenüber auf den Rücken.

Ich konnte mir das kurze Auflachen nicht verkneifen, als er sich strampelnd wieder aufrichtete.

„Ja…Sie lachen, wenn ich falle…aber Sie wissen nicht, was in meinem Kopf glasklar präsent ist! Nämlich dass ich unendlich mächtig bin! ALLE werden mich fürchten!“, schrie er und ging auf Garrus zu, der unbeeindruckt mit den Mandibeln klackte.

„Sind Sie ein Teil von Pitne Fors Handelsgruppe?“, wollte Shepard wissen. Zu schnell wandte der Volus sich zum Commander um, beinahe wäre er wieder umgefallen, aber dann fand er wieder mit beiden Füßen den Boden. Gerade noch rechtzeitig.

„Als ich noch sterblich war…habe ich für Pitne gearbeitet…Der Arme macht sich bestimmt Sorgen, weil ich nicht zurückgekommen bin“, bedauerte er.

„Er hat ihr Verschwinden nicht mal gemeldet. Wollte wohl nicht, dass sich sein Abflug verzögert“, warf Shepard ein.

„Mir scheint, als würde er Geld einem Freund jederzeit vorziehen“, meinte Garrus.

„Pah! Unter den Seinen werde ich mit der Rache des Gerechten wüten! Aber zunächst…Die Anführerin dieser Söldner befindet sich im Raum hinter dieser Tür. Ich werde Wasea umherschleudern wie eine Stoffpuppe!“, sprach er überzeugt.

„Die zerquetscht sie an der Wand, bevor die Tür hinter Ihnen zu ist!“, fuhr ich ihn an. Mein Gott war der high!

„Der kann sich nicht mal die Schuhe zubinden. Wie soll er da kämpfen?“, fragte Garrus an Shepard gerichtet. Gut, dass der Volus keine Schnürsenkel an seinen Stiegeln trug.

„Niemand kann meine Biotiken aufhalten! NIEMAND! Ich reiße alle in Stücke!“, schrie der Volus empört.

„Vielleicht sollten Sie erstmal Ihren Rausch ausschlafen“, schlug Shepard vor, doch der Volus begann nur wieder, sich selbst zu beweihräuchern.

„Commander?“, fragte ich und nickte zu Niftu Cal.

„Ja, bitte“, erlaubte er seufzend, und ich stellte dem Volus ein Bein. Krachend fiel er zu Boden, strampelte wie ein Käfer auf dem Rücken und stand mühsam auf. Verwirrt sah er sich um.

„Aber…gewaltiger Sturm! Biotischer Gott! Ich…Ich bin…Was habe ich gerade gesagt? Ich bin…so…so müde…“, stammelte er vor sich hin und betrachtete seine zittrigen Finger. „Vielleicht…Haben Sie recht. Ich werde ein Nickerchen machen…und das Universum später zerstören…“, murmelte er leise, und ging schwankend in Richtung der Tür.

„Andere Richtung“, mahnte ich und drehte ihn mit Garrus herum.

„Ach ja…richtig…“, lallte er, und verschwand.

„Was für ein mächtiger Gott“, sagte Shepard kopfschüttelnd.

„Wir rekrutieren doch lauter Irre, wollen wir ihn nicht mitnehmen?“, fragte ich grinsend, doch Shepard sah mich nur tadelnd an, bevor er die Tür zu Wasea öffnete.



Am Ende der Halle stand eine Asari, die ein Datenpad in der Hand hielt und etwas trank. Ihr lilafarbenes Gesicht war von grellorangen Zeichnungen übersät, ihre Tentakeln hatten feine, weiße Streifen. Es dauerte ein wenig, bis sie uns bemerkte. Unbeeindruckt sah sie uns entgegen, legte das Datenpad weg und stellte das Glas ab.

„Alles ist den Bach runter gegangen, seit wir diese dreckige Kreatur weggeschmuggelt haben. Erst taucht eine Justikarin auf, und jetzt Sie! Aber wenigstens werde ich die Freude haben, ihre Schädel zu Brei zu schlagen!“, schrie sie, fasste zwei Giftkanister mit ihrer Biotik und schlug sie über unseren  Köpfen zusammen. „Macht sie fertig!“, befahl sie, und aus der Tür hinter ihr kamen einige andere Eclipsesöldnerinnen.

Überall explodierten die Kanister, und ich hatte irgendwann keine Ahnung mehr, wo unsere Feinde waren.

Geschweige denn, wo ich war.

Oder meine Kameraden.

Alles war rot und meine Augen brannten, aber ich wollte auch nur ungern auf alles schießen, was sich bewegte.

Lautstark brüllte mein Anzugcomputer die Umgebungswarnung in mein Ohr. Etwas lilanes tauchte vor mir auf, und ich packte Wasea an den Haartentakeln. Mit einem wütenden Schrei schlug ich ihr meine überaus biotikgeladene Faust ins Gesicht.

So langsam hatte ich wirklich keine Lust mehr auf diesen ganzen Mist. Langsam sank der rote Staub zu Boden, und ich stieß die regungslose Asari weg. Jetzt nichts wie den Schiffsnamen finden und dann raus hier…



„Ihre Flüchtige ist vorgestern mit der AML Demeter entkommen“, erklärte Shepard, als wir die Polizeistation erreichten.

„Sie beeindrucken mich wieder, Commander. Ihr Teil der Abmachung ist erfüllt, nun werde ich meinen einhalten. Detective, ich werde sofort abreisen. Würde das Ihre Vorgesetzten zufriedenstellen?“, fragte Samara die Polizistin.

„Sie können jederzeit gehen, Justikarin. Es hat mich gefreut, Sie in meinem Revier zu haben. Und noch mehr, dass ich die Angelegenheit überlebt habe“, erklärte Detective Anaya.

„Haben Sie die Ardat Yakshi verfolgt?“, wollte Shepard von der Justikarin wissen. Erstaunt sah sie ihn an.

„Beeindruckend, Commander. Ja. Ich habe ihre Spur verfolgt. Sie ist eine gefährliche Verbrecherin, und ich werde sie ihrer gerechten Strafe zuführen, nachdem Ihre Mission erfüllt ist“, versprach sie ernst.

„Was ist mit ihrem Kodex? In meinem Team hört alles auf mein Kommando, das ist eine militärische Operation“, wollte Shepard wissen.

Eine berechtigte Frage.

„Sie fragen sich, ob ich mich wegen meines Kodex Ihren Befehlen widersetze? Nun, da ich mich Ihnen anschließe, werde ich den schwersten aller Justikar-Schwüre ablegen. Den dritten Eid der Unterordnung. Danach wiegen Ihre Befehle schwerer als der Kodex, jedoch habe ich immer noch eine eigene Meinung, falls es die Situation erfordert“, erklärte die Asari.

„Sehr gut. Wir sehen uns an Bord der Normandy“, befahl Shepard, doch Samara hielt ihn zurück.

„Warten Sie noch einen Moment. Ich muss auf Sie eingeschworen werden, um nicht länger zwischen dem Kodex und Ihren Befehlen entscheiden zu müssen…“, sprach sie, und plötzlich wurden ihre blauen Augen ganz weiß.

Sie machte einen Kniefall, und senkte ihren Kopf so weit, dass er beinahe ihr linkes Knie berührte.

„Beim Kodex. Ich werde Ihnen dienen, Shepard. Ihre Entscheidungen sind meine Entscheidungen. Ihre Moral ist meine Moral. Ihre Wünsche sind mein Kodex“, sprach sie, und wurde von einem blauen Flimmern überzogen.

Langsam und erhaben stand sie auf, die weißen Augen ruhten auf Shepard.

„Ich hätte nie gedacht, mal so einen Schwur von einer Justikarin zu hören“, staunte Detective Anaya.

„Sollten Sie mich etwas extrem Ehrloses tun lassen, muss ich Sie töten, sobald ich von meinem Schwur entbunden werde“, mahnte die Asari. Sie hatte eine ziemlich mystische Ausstrahlung und erinnerte mich ein wenig an gestern, als wir den Drell rekrutiert hatten.

„Ich fühle mich geehrt, Samara. Mir ist klar, dass dies ein überaus wichtiger Akt ist. Ich danke Ihnen“, sagte Shepard anerkennend.

„Das Leben einer Justikarin kann sehr einsam sein. Ich gebe zu, dass ich mich darauf freue, mit einer Gruppe ehrbarer Helden zu dienen“, sprach sie, und sah kurz zu mir, bevor sie ihren Blick zu Garrus schweifen ließ.

„Ihr könnt schonmal vorgehen, ich muss noch mit dem Detective reden“, sagte Shepard auffordernd, und ich nickte der Asari zu.

„Gehen wir“, sagte ich mit einem Lächeln und ging neben Garrus voran.



Auf der Normandy zeigte ich der ruhigen und eher schweigsamen Justikarin das Schiff.

„Sie können sich hier einquartieren, wenn Sie möchten“, erklärte ich ihr gerade und öffnete die Tür zum Beobachtungsraum.

„Danke“, sagte sie knapp und folgte mir herein.

Aus Sicherheitsgründen beschloss ich, ihr ein paar Sachen über die anderen Teammitglieder zu erzählen. Besonders nun, da Shepard diese Aufgabe nicht ausführen konnte.

„Shepard stellt ein recht großes Team zusammen, Sie werden sie wohl spätestens in…zweieinhalb Stunden beim Abendessen kennenlernen“, erklärte ich nach einem kurzen Blick auf mein Universalwerkzeug. „Wir haben eine Menschenfrau an Bord, Jack. Sie ist Biotin und hält sich hauptsächlich unten im Maschinendeck auf. Sie ist kein sonderlich geselliger Typ. Grunt ist ein tankgezüchteter Kroganer, er ist…sehr kindlich, obwohl er körperlich bereits voll ausgewachsen ist. Er wohnt unten im Backbordfrachtraum auf Deck 4. Im Steuerbordfrachtraum lebt Zaeed, ein Söldner. Etwas rau im Ton, aber nicht schlecht zu haben. Miss Lawson ist die offizielle Vertreterin des Unbekannten an Bord, sie hat ihr Quartier und Büro hier auf Deck 3, backbords. Dr. Chakwas hat ihre Krankenstation steuerbords gegenüber. Im Lebenserhaltungsraum ist gestern ein Drellattentäter eingezogen, Thane. Im Hauptgefechtsstand wohnt Garrus, Sie haben ihn ja schon kennen gelernt. Jacob, der biotische Mensch, schläft oben in einer Ecke in der Waffenkammer. Kasumi Goto schläft uns gegenüber, backbords im Frachtraum. Mordin Solus ist ein salarianischer Wissenschaftler, er arbeitet und wohnt steuerbords auf Deck 2 in seinem Labor. Vorne auf der Brücke sitzt Joker, unser Pilot. Er und die anderen Crewmitglieder schlafen eine Tür weiter in den Mannschaftsunterkünften. Wenn Sie mit jemandem im Vertrauen sprechen wollen, können Sie sich an Kelly wenden, sie hat immer ein offenes Ohr für die Crew. Oder an mich, wenn Sie wollen“, erklärte ich der Asari.

„Vielen Dank. Ich werde rechtzeitig zum Abendessen erscheinen“, sagte sie ruhig und lächelte sanft.

„Sehr schön“, erwiderte ich lächelnd und ließ sie allein. Eilig ging ich in die Krankenstation. Ich hatte mir nicht viel anmerken lassen, aber mittlerweile juckte mein Implantat genauso wie meine Gesichtshaut und meine Augen.



Fast eine Stunde später erreichte ich Deck 5. Ich wollte meine Rüstung ablegen und für ein paar Minuten die Augen schließen. Ich passte nicht wirklich auf, was um mich herum passierte, und so bemerkte ich den Drell erst, als ich beinahe über seine Füße gestolpert wäre. Eigentlich peinlich, wenn man seine hellgrüne Hautfarbe bedachte.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte ich verwirrt.

„Nein“, antwortete er ruhig und schien sich nicht daran zu stören, ich ohne zu zögern meine Rüstung ablegte.

„Und wieso sind Sie dann hier, Thane?“, präzisierte ich meine Frage, während ich meine Oberkörperpanzerung abnahm. Die Beinschienen folgten.

„Ich kenne Sie“, erwiderte er und sah mich abwartend an. Fragend hob ich eine Augenbraue. Ich war mir sicher, dass ich ihm noch nie begegnet war.

Außer gestern, natürlich.

Ordentlich sortierte ich meinen Kampfanzug, er legte sich platzsparend zusammen und ich aktivierte die Selbstreinigung.

„Ich war bei Shepard, als wir Sie in den Dantius-Towers gefunden haben. Wahrscheinlich deswegen“, erklärte ich ruhig und machte zwei Schritte an ihm vorbei, um mich auf meinen Schlafsack zu setzen.

„Nein. Ich habe Sie davor gesehen“, begann er und setzte sich mir gegenüber. Gut, dass hatte ich nicht vor, aber wenigstens konnte ich mich an der Frachtkiste anlehnen.

Plötzlich ging sein Blick ins Leere, und seine Stimme wurde ein wenig tiefer und fast emotionslos.

„Ein Kinderlachen. Glockenhell. Glücklich. Ein kleiner Junge, wenige Meter entfernt. Die Hand einer Menschenfrau in seiner, sie laufen nebeneinander zum Bus. Kein Wind regt sich, doch die dunklen Haare fliegen sanft hin und her. ,Schnell, Ruril!', lacht sie und berührt den Türsensor.  Der Junge lacht wieder und springt hinein. Die Türen schließen sich, und ich verliere sie aus den Augen“, flüstert er schnell, bevor er mich mit seinem Blick fixierte.

„Also haben Sie mich mit Ruril auf der Citadel gesehen?“, wollte ich wissen. Er war mir überhaupt nicht aufgefallen.

„Ja. Vor meinem letzten Auftrag. Ich verbrachte dort eine kurze Weile“, erklärte er mit seiner ruhigen Stimme.

Plötzlich war es, als ob er wieder durch mich hindurch sah.

„Ein Mann steht dort. Er wartet auf jemanden. Sein Gesicht erhellt sich, und er macht ein paar Schritte nach vorne. Ich höre seine Stimme nicht,  bin zu weit entfernt. Die Frau von vorhin taucht auf. Ohne den Jungen. Die Menschen kennen sich, ihre Münder formen Worte, doch sie werden nicht zu mir getragen“, sagte er leise und schnell.

„Haben Sie mich verfolgt?“, wollte ich wissen.

„Sie sind mir zweimal in wenigen Stunden vor die Augen gelaufen. Haben nicht vielmehr Sie mich verfolgt?“, erwiderte er neugierig.

„Hören Sie, Thane… Ich muss schon über Sinn und Unsinn des Lebens mit einem tankgezüchteten Kroganer diskutieren. Kann ich Ihnen vielleicht mit irgendetwas helfen?“, fragte ich müde.

„Sie hatten einen Albtraum“, stellte der Drell fest.

„Ja, ich habs mitbekommen“, antwortete ich härter, als ich wollte. Er legte den Kopf schief, beobachtete mich. „Ich will nicht unhöflich sein, Thane, aber ich bin wirklich mehr als müde, wenn Sie verstehen“, erklärte ich, drehte mich für eine Sekunde um, und suchte nach meiner Wasserflasche. Als er nicht antwortete, sah ich hoch, doch er war verschwunden. Seufzend stellte ich mir meinen Wecker. Damit konnte ich mich auch später noch beschäftigen…
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