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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
03.06.2021
156
731.943
43
Alle Kapitel
392 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.06.2016 5.497
 
Hallo ihr Lieben!
Nach einer stressigen Arbeitswoche, in der fast jeder Tag in ein paar Minuten Schreiben geendet hat, gibts hier das nächste Kapitel :-)
Liebe Grüße, ein schönes Wochenende!
Angel
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„Also wenn ichs nicht besser wüsste, würd ich sagen, das liegt an dir…“, schmunzelte Joker, als ich an ihm vorbei zum Aufzug ging.

„Ich hatte echt nichts damit zu tun, das liegt an Shepard!“, erwiderte ich fauchend.

Ich hätte dem Piloten für den Kommentar gerne gegen die Schulter geschlagen, aber da würde er wohl für die nächsten Wochen ausfallen und Karin würde mich lynchen. Und Shepard wohl auch.



„Du bleibst hier, Grunt, wir organisieren dir bald eine Rüstung für die nächste Mission“, befahl ich dem jungen Kroganer.

„Ich brauch keine…Kroganer sind zäh!“, lachte er mit heroisch erhobener Faust, doch ich gab nicht klein bei. Der Bursche konnte vielleicht eine Stahlwand erlegen, aber viel mehr wohl noch nicht.

„Grunt…“, wollte ich ihn zurechtweisen, doch Mordin unterbrach mich.

„Kroganer durch redundantes Nervensystem unempfindlicher als Menschen. Schnellere Regeneration. Hornschichten jedoch kein ausreichender Schutz gegen Beschuss. Kein eingebauter Schildgenerator. Keine Waffenhalterung. Keine Medigel- und Stim-Injektion. Kein Schutz gegen lebensfeindliche Umgebung. Rüstung empfehlenswert. Nein. Erforderlich“, sprach er, und dass scheinbar schneller als das Hirn des Kroganers denken konnte, wenn man sich Grunts Gesichtsausdruck so ansah.

„Geh und iss weiter“, bat ich einfach, schob mich in den Aufzug und fuhr mit hoch.



Glücklicherweise war hier drinnen mehr Platz, als im Aufzug der ersten Normandy. Wir zehn hatten fast jeder eine halbe Armlänge Platz zum Nachbarn, und bei der derzeitigen Stimmung war mir das mehr als nur Recht. Shepard war sauer, das merkte man ihm recht deutlich an. Aber offenbar erlaubte die Dringlichkeit der Mission es nicht, irgendwelche Disziplinarmaßnahmen zu ergreifen.

Oben angekommen machte Joker sich eilig auf den Weg zur Brücke. Unser Weg zum Besprechungsraum führte durch das Labor, wo Mordin einen von mehreren Chips vom Tisch nahm.

Schweigend folgte ich Garrus und wenn ich Jacks Gestik recht deutete, wollte sie Miranda erstechen. Als sie jedoch sah, dass ich zu ihr schaute, bekam ich einen solch eiskalten Blick ab, dass meine Körpertemperatur um gefühlte 10 Grad absank. Schnell sah ich zu Shepard, als wir den Besprechungsraum erreicht hatten.



„Ich hatte ein Gespräch mit dem Unbekannten. Joker nimmt bereits Kurs auf Horizon, eine Menschenkolonie in den Terminussystemen. Der Kontakt dorthin ist abgebrochen, also werden sie entweder jetzt schon oder in kurzer Zeit angegriffen. Mordin, ist die Seeker-Abwehr bereit?“, erklärte Shepard knapp und drehte sich dann fragend zu dem Salarianer um. Ein breites, merkwürdiges Lächeln erschien auf dem Gesicht des Wissenschaftlers, bevor er den Chip auf den Tisch legte.

„Noch im Experimentalstadium. Überlagert die Signale des Körpers, auf die die Seeker reagieren. Theoretisch“, erklärte er und schob es in einen freien Port im Nacken seines Anzugs.

„Theoretisch?“, fragte Miranda kritisch nach. Lautlos wurde sie von Jack nachgeäfft.

„Einziger Weg der Effektivitätsprüfung ist direkter Kontakt mit Seekerschwärmern. Bin vorerst zuversichtlich“, erwiderte Mordin zufrieden. Shepard seufzte und rieb sich über das Gesicht.

„Wir hatten schon weniger, Shepard“, sagte ich leise.

„Allerdings“, stimmte Garrus mir zu und richtete sich weiter auf. Langsam nickte der Commander und öffnete eine Holokarte.

„Es gibt zwei Eingänge zur Kolonie, um die Lage dort möglichst schnell in den Griff zu bekommen, werde ich zwei Teams bilden“, begann Shepard.

Ach verdammt… War das sein Ernst? Auf der anderen Seite, genau das hatte unsauf Feros und Noveria gut zusammengeschweißt. Aber war das Risiko für eine Teambildungsmaßnahme nicht zu groß?

„Wen unterstellen Sie mir, Shepard?“, fragte Miranda selbstbewusst.

Mit stechendem Blick fixierte ich den Commander.

Das konnte er mir nicht antun.

Ab einem gewissen Zeitpunkt hatte ich das zweite Team angeführt, und ich konnte nicht behaupten, dass mir das unangenehm war. Aber jetzt unter dem direkten Befehl von dieser Tusse im Latexanzug zu arbeiten? Nein danke!

„Mach nich so einen auf Oberboss, Cheerleader“, knurrte Jack, doch Shepard sah erwartungsvoll zu mir.

„Liz, mit Ash hat es auf Luna Wunder bewirkt“, sagte er mahnend.

„Ich darf Giftgas in ihren Anzug leiten?“, fragte ich sarkastisch und bekam dafür einen tadelnden Blick. Garrus lachte leise auf.

Nein“, sagte der Commander schneidend. „Es wird keine einzige Beschwerde geben, oder du bekommst eine so dermaßen grausame Arbeit zugeteilt, dass du freiwillig wieder gehst“, knurrte er.

„Verstanden“, gab ich knapp zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

Mein Gott, ich hatte Brooks auch überlebt. Und im Einsatz musste man sich eben doch auf andere Dinge als zwischenmenschliche Differenzen konzentrieren. Shepard nickte knapp, bevor er auf der Holokarte an einen Eingangspunkt heranzoomte.

„Gut. Liz, du führst Miranda, Garrus, Mordin und Kasumi durch den zweiten Eingang, hier unten am Fluss bergauf. Ich gehe mit Zaeed, Jacob und Jack oben rein, das Shuttle wird uns zuerst absetzen“, erklärte er, und Miranda wurde immer wütender.

„Das können Sie nicht machen! Shepard, ich bin die führende Agentin des Unbekannten, ich habe mehr verdeckte und offensive Missionen durchgeführt, als ich zählen kann! Ich bin die einizge logische Wahl!“, rief sie entzürnt und funkelte den Commander mit ihren blauen Augen an, die genauso perfekt waren, wie der Rest an ihr. Außer ihrer Persönlichkeit.

„Und ich habe acht Monate lang mit Liz als zweite Teamführerin zusammengearbeitet, also hat sie für diese Mission das Kommando, Miss Lawson“, stellte der Commander klar. Es passte ihr nicht, aber sie widersprach auch nicht mehr. Ihr Blick hätte nicht nur töten können, er hätte wohl jeden pulverisiert, der so angeschaut wurde. „Hat sonst jemand ein Problem mit der Teamzusammensetzung?“, fragte John und sah jeden kurz direkt an. Zaeed winkte ab, Jacob schüttelte knapp den Kopf. Jack rollte mit den Augen, ebenso wie Miranda. Kasumi lächelte, Mordin ebenso.

„Wie in alten Zeiten, Liz“, nickte Garrus und ich lächelte ihn zufrieden an. Ich hatte noch nicht die Zeit gehabt, wirklich mit ihm alleine zu reden und umso mehr freute ich mich, ihn hier im Team zu haben.

„Ich will mich übergeben!“, kommentierte Jack angewidert.

„Gut. Schnappen Sie sich ihre Ausrüstung, und dann ab zum Shuttle“, befahl Shepard und die Runde löste sich auf. Das konnte ja heiter werden…



Eilig zog ich meine Rüstung an, prüfte jedes Schloss und befestigte die Gewehre an der Rückenplatte, die Pistole fand an meiner linken Hüfte ihren Platz. Recht befestigte ich ein paar Thermomagazine und zwei Granaten klebte ich an meinen Oberschenkel. Gerade als ich auf das abflugbereite Shuttle zuging, kam der Fahrstuhl unten an.

„Sie haben das doch wohl nicht tatsächlich im Einsatz an?“, fragte ich die Cerberusagentin.

War das wirklich ihr Ernst? Das war doch nur Stoff! Gut, er war wohl gegen Umwelteinflüsse versiegelbar, aber da prallte doch keine Kugel dran ab! Ich würde im Kugelhagel keine ihrer Schusswunden abdrücken!

„Sie werden schon noch sehen, dass die Cerberusforschung der Zeit voraus ist. Im Gegensatz zur Allianz verwenden wir topmoderne Technologien und Materialien, um uns bestmöglich zu schützen“, erwiderte sie und sah erwartungsvoll zu Jacob, der ebenfalls in dem elastischen Stoff steckte. Grummeln ging sie auf das Shuttle zu, als er nichts sagte.

Jack sprach ich nicht an, aber an den Riemen, die ihre Titten in Position hielten, waren hinten doch tatsächlich Schildgeneratoren angebracht, rechts und links trug sie Pistolen an ihrer Hüfte.

Gut, Kasumi trug auch ihre Stoffkleidung, aber auch an ihrem Gürtel wurden Schilde generiert.

Außer Zaeed, Shepard, Garrus und mir trug eigentlich keiner eine wirkliche Rüstung.


Kurz schüttelte ich den Kopf, bevor ich an Mordin vorbeiging. Er drückte mir lächelnd einen Chip in die Hand, den ich in den Schildport an meiner Rückenplatte schob.


„Unbekannte Software. Wird installiert“, sprach der Anzugcomputer durch den kleinen Knopf in mein Ohr. „Abgeschlossen“, endete er, als Shepard in das Shuttle kam und wir abhoben. Es war still, aber die Stimmung war ziemlich angespannt. Jack hielt sich am weitesten von uns allen entfernt und starrte Miranda an. Ich war mir nicht sicher, ob ich Shepard bitten wollte, die beiden Frauen gegeneinander zu tauschen…

„Bitte, Alter vor Schönheit“, meinte Miranda herablassend, als wir an unserem Navipunkt angekommen waren. Mit einem aufgesetzten Lächeln wollte sie mir den Vortritt lassen.

„Na dann geh doch endlich“, erwiderte ich mit einem giftigen, freudlosen Lächeln und schob sie etwas grob nach draußen. Für sowas hatte ich jetzt wirklich keine Zeit.

„Wir sind da, Shepard“, gab ich über Funk durch. Als Antwort kam nur undeutliches Rauschen, aber wenigstens funktionierte die Karte mit den NaviPunkten. Wenn ich mich bei meinem ersten Kommando hier verlaufen würde, wäre das schon mehr als peinlich. Ich zog mein Sturmgewehr und ging voraus.

„Wie immer kein Funkkontakt. Vielleicht liegt das an Shepard“, mutmaßte Garrus, doch er schwieg, als wir eine Mauer umrundeten und der Blick auf die Kolonie frei wurde.

Oben, auf dem Hügel, war ein gigantisches Schiff gelandet. Es sah fast so aus, als hätte man die Metallteile mit Lehm verbunden. So ein Schiff hatte ich noch nie zuvor gesehen, generell wirkte es völlig fremdartig!

„Achtung. Effizienztest steht bevor“, warnte Mordin. Ein schwarzer Wolkenfetzen kam näher, ziemlich schnell und gegen den Wind. Erst nach wenigen Metern erkannte ich, dass es die Seeker waren. Der riesige Insektenschwarm huschte über uns hinweg und wirkte dabei wie eine rollende Kugel.

„Glück gehabt“, sagte Kasumi zufrieden und tauchte rechts neben mir auf.  Garrus hielt sich zu meiner Linken, Mordin hatte ich im Rücken. Miranda lief, genervt und mit einigem Abstand, hinter uns her. Aber da konnte und wollte ich ihr auch nicht helfen…


Wir waren einige hundert Meter neben dem See hergelaufen und erreichten dann die ersten Koloniegebäude.

„Wachsam bleiben, wir wissen nicht womit genau wir es zu tun haben“, warnte ich und wurde etwas langsamer. Ich trug keinen Helm, und die Stille hier war wirklich bedrückend. Etwas stimmte hier absolut nicht. Keine Geräusche, keine Stimmen…

„Es ist so leise hier…“, flüsterte Kasumi und sah sich um. Es war tatsächlich unheimlich. Alles sah völlig unberührt aus, als hätten die Kolonisten alles freiwillig verlassen.

„Merkwürdig. Die Kolonisten scheinen einfach weg zu sein“, sagte Garrus und sah sich genau um. Unser Weg führte uns weiter durch die Gassen.

„Große Abwehrgeschütze. Inaktiv“, erkannte Mordin. Tatsächlich, in der Kolonie waren große Lasergeschütze verteilt, die aber kein Interesse an dem Schiff zu haben schienen. Vielleicht konnten wir das ja noch irgendwie ändern? Leise und unauffällig schlichen wir uns weiter. An der Wand entlang, immer weiter hoch.

„Da vorne“, murmelte ich nach hinten.

Auf dem Boden lag jemand, völlig regungslos.

Ich ging voran und sicherte die Umgebung. Über meine Schulter winkte ich meine Kameraden heran und ging in die Knie. Die junge Frau wurde durch irgendein Stasefeld festgehalten, doch diese Technologie war mir völlig fremd. Ich spürte keine Resonanz des Energiefelds, mit Biotik hatte es also nichts zu tun. Ihr ganzer Körper schien bräunlich zu schimmern.

„Noch lebendig. Stase wird extern aufrecht erhalten…“, fing Mordin an, der ein Diagnoseprogramm gestartet hatte. Doch plötzlich, bevor er zu Ende geredet hatte, hörten wir ein seltsames, grausam vertrautes Aufheulen.

Husks!“, riefen Garrus und ich fast zeitgleich, und plötzlich waren sie da. Einige davon, auf die Schnelle zählte ich mindestens zwanzig.

„Deckung suchen, na los! Lasst nicht zu, dass sie euch packen!“, befahl ich und legte mein Sturmgewehr an die Schulter. Deckungslos schoss ich auf die Husks, bis jeder Schutz gefunden hatte, erst dann sprang ich hinter eine Mauer.

Plötzlich wurde ein Husk mit einem Biotikangriff weggeschleudert und ein Verbrennungsangriff wurde an mir vorbeigeschickt.

Diese Husks riefen ein paar böse Erinnerungen wach. Ich hielt mein Sturmgewehr grob auf die Huskgruppe, da die Streuung mittlerweile ziemlich auseinanderfiel. Da würde ich mir bei Gelegenheit etwas dagegen besorgen müssen. Kasumi wurde plötzlich unsichtbar und verschwand, ein Husk wurde aus dem Nichts herumgerissen und fiel dann leblos zu Boden.

Irgendwie waren diese Husks anders, fiel mir auf. Sie hielten bei Weitem mehr aus und schienen deutlich gezielter anzugreifen. Zwar völlig ohne Taktik, aber auch nicht so dermaßen planlos wie auf Eden Prime.


„Das haben sie also mit den Kolonisten vor?“, fragte Miranda und musterte einen der leblosen Husks, nachdem wir das Feuergefecht beendet hatten.

„Auf Eden Prime haben die Geth sie lebendig auf die Drachenzähne gespießt. Wieso sollten Sie sie jetzt zuerst betäuben?“, überlegte ich ruhig. „Und was hätten sie mit so vielen Husks vor?“, dachte ich weiter. Es war mir ein Rätsel.

„Vielleicht haben sie die Seeker entwickelt, um dann leichteres Spiel mit den Kolonisten zu haben?“, warf Kasumi ein, während Mordin sein Universalwerkzeug geöffnet hatte und die regungslose Frau weiter scannte.

„Wäre denkbar“, meinte Garrus, der skeptisch die Umgebung beobachtete.

„Bei vollem Bewusstsein. Stase wird wohl vom Schiff aufrechterhalten. Ohne Schiff, kein Stasesignal. Der Zustand hält bereits längere Zeit an“, diagnostizierte der Salarianer.

„Sie könnten sie doch einfach töten. Also, natürlich bin ich froh dass sie noch leben, aber es ergibt einfach keinen Sinn. Es muss einen anderen Grund haben, dass sie die Kolonien überfallen und die Menschen entführen“, sagte ich kopfschüttelnd und sah in die Runde. Seit dem Aussteigen hatte Miranda sich ruhig verhalten, und ich wollte hier keinen neuen Streit vom Zaun brechen. Das Schicksal der Kolonisten war viel wichtiger.

„Wir sollten weiter, vielleicht bekommen wir ja bald Kontakt mit Shepard“, sagte ich und nickte in Richtung Koloniekern. Die Ruhe kehrte zurück, als wir uns langsam einen Überblick verschafften. Wir trafen noch auf einige weitere Kolonisten in Stase und blieben ansonsten unbehelligt.

Unser Weg führte uns durch ein leeres Wohngebäude, das Essen stand auf dem Tisch und war oben bereits eingetrocknet.

„Wieder keine Kampfspuren. Sie sind einfach aufgestanden und gegangen“, stellte Miranda fest.

„Vielleicht haben Sie gehört, was draußen los war und wollten nachsehen“, meinte Kasumi, als plötzlich die Hölle über uns hereinbrach.

Ein merkwürdiges Flattern läutete den Kampf ein, und nur Sekunden später befanden wir uns in einem heftigen Feuergefecht.

Ich hatte noch nicht viel über die Kollektoren gefunden, nur wenige Bilder. Aber das hier waren definitiv welche. Sie trugen Lasergewehre, die massiven Schaden an Schilden und Panzerung hinterließen.

Meine Barriere, die sonst eigentlich kaum zu erschüttern war, wurde binnen einiger Sekunden vollständig aufgebraucht. Gerade rechtzeitig konnte ich noch hinter einer halbhohen Wand in Deckung gehen. Die Schildanzeige zeigte mickrige 13% an, doch das konnte mich jetzt nicht aufhalten.

Mit einer frischen Barriere spurtete ich auf die andere Seite, um an Boden zu gewinnen. Hinter dem massiven Felsen angekommen, tauschte ich das Sturmgewehr gegen das Sniper aus, und visierte den Kollektor neben einem Baum an.

„Na komm“, murmelte ich leise und schon lehnte er sich aus der Deckung. Mit einem Kopfschuss schaltete ich ihn aus. „Brav“, sagte ich noch, bevor ich mich dem nächsten zuwendete.

Wir hatten ziemliche Zugstärke, was mich dann doch überraschte. Ich hatte keinen der Drei für wirklich erfahrene Schützen und Kämpfer gehalten. Diese Meinung war nach wenigen Augenblicken in dieser Situation ins Gegenteil umgeschwenkt.

Miranda zeigte eine wirklich ansehnliche Kombination aus gezieltem Pistolenfeuer, Biotik und Tech.

Kasumi nutzte ihre Techfähigkeiten gegen die Schilde, Barrieren und Waffen und schoss sehr präzise.

Mordin setze diverse Verbrennungs- und Kryoangriffe ein und schoss ebenso mit seiner leichteren Bewaffnung.

Garrus schoss zuverlässig wie immer, er setzte seine Tech allerdings weniger ein als noch vor zwei Jahren, fiel mir auf.

Ich war ziemlich zufrieden mit ihnen.

Wir hatten sie fast ausgemerzt, als Kasumis Schilde plötzlich auf einen Schlag verschwanden und sie zurückgeworfen wurde. Erschrocken schrie sie auf und ich rannte los um sie zu schützen. Der mysteriöse Angriff hatte sie mehrere Meter weit aus der Deckung geworfen, und so war sie ein leichtes Ziel für die Scharfschützen.

„Unbekannter Feind!“, rief ich laut und packte die Diebin am Arm. Etwas grob zog ich sie in Deckung, aber das musste sie abkönnen, wenn sie mit Shepard unterwegs war. Da würden noch ganz andere Sachen auf sie zukommen. Mit einem dumpfen ‚Uff‘ machte sie sich klein, nachdem ich sie fallen gelassen hatte.

Ich lehnte mich etwas hoch und suchte mit fahrigem Blick das Schlachtfeld ab. Ich sah ein Paar Huskbeine, die auf uns zukamen. Nur lief er merkwürdig langsam, fast so, als hinkte er. Der Oberkörper war von hier aus durch die Blätter des Baumes verdeckt.

„Was zum…“, fluchte ich, als ich das ganze Ding zu sehen bekam. Auf dem Rücken hing eine riesige, bläuliche Geschwulst und ein Arm war zu einer Waffe umfunktioniert.

„Was hat der da?“, fragte Garrus entsetzt.

„Mutation!“, rief Mordin und warf einen Kryoangriff in Richtung des Dings.

„Vielleicht hat der noch 'nen zweiten Husk da drinnen und legt den irgendwo ab?“, rief Miranda mutmaßend herüber. Ich hob mein Sturmgewehr an meine Schulter und zielte auf die Geschwulst.

Ich drückte den Abzug nach hinten und bekam die Retourkutsche nur wenige Sekunden später zu spüren. Eine merkwürdige Schockwelle trieb auf mich zu, und plötzlich wurde meine Barriere von einer blauen Masse überzogen, wegen der sie dann explodierte.

Geistesgegenwärtig hielt ich mich fest, sodass ich nicht so weit nach hinten geschleudert wurde.

Trotzdem rutschte ich von der Wand ab und landete auf dem Rücken. Ich schüttelte meinen Kopf um wieder ganz klar zu werden. Dank der überladenen Barriere fing mein Implantat furchtbar an zu jucken, das war mir bis jetzt nur während der Ausbildung passiert, als ich die Kontrolle über meine Barriere verloren hatte. Ich widerstand dem Drang, mich am Hinterkopf zu kratzen und griff nach einer der Granaten.

Schnell aktivierte ich sie und warf das handliche Teil über die Deckung hinweg. Zeitgleich mit der Explosion traf der Brandangriff von Mordin, und es explodierte. Der Kollektorenschütze war kein großes Problem mehr, und so konnten wir wenig später beruhigter einatmen. Langsam, aber vorsichtig gingen wir auf den verunstalteten Husk zu. Sofort wurde er von Mordin gescannt.

„Auswuchs besteht aus Rückenmarksgewebe und Hirnmasse. Scheinbar von mehreren Opfern. Kopfschuss unnütz. Wahres Gehirn auf dem Rücken. Schwachpunkt“, stellte er fest. Das Ding war einfach widerlich.

„Liz, kommen!“, wurden wir plötzlich angefunkt.

„Shepard! Wir haben die Kernkolonie fast erreicht“, gab ich durch. „Wir haben veränderte Husks gefunden“, fügte ich noch hinzu.

„Sehr gut. Wir sind bei den GARDIAN-Geschützen und bringen sie mit EDI zum Laufen. Seht zu, dass ihr herkommt, dann können wir die Kollektoren von zwei Seiten bekämpfen“, befahl er.

„Wird gemacht“, gab ich zurück, und wir machten uns auf den Weg.

Ich wäre ja wirklich froh darum gewesen, wenn es uns so leicht gemacht worden wäre. Es war vielleicht noch ein halber Kilometer Luftlinie bis zum NaviPunkt, doch wir kamen mehr als schleppend voran.

Uns strömten Unmengen an Feinden entgegen, und dass plötzlich einer der Kollektoren an unsichtbaren Fäden hochgehoben wurde und zu leuchten begann, machte unseren Weg nicht leichter.

„Übernehme direkte Kontrolle“, sagte der Kollektor, der plötzlich durch massive Schilde geschützt wurden, die sich um einiges schneller regenerierten, als alle mir bekannten Schildgeneratoren es auf die Reihe brachten.
Mehrere von diesen verunstalteten Husk-Dingern tauchten auf, doch mit wenigen Schüssen in das riesige Hirn waren sie schnell besiegt.

Irgendwas Riesiges flog über unsere Köpfe hinweg.

„Shepard! Da kommt was auf Sie zu!“, rief ich laut in das Funkgerät, um das andere Team vorzuwarnen.

Diese Unaufmerksamkeit wurde mir zum Verhängnis: ein Husk nutzte sie aus und packte mich. Er sprang auf meinen Rücken und schlug zu, ich bekam ihn nicht ordentlich zu packen. Mit voller Wucht richtete ich mich auf, rannte drei Schritte zurück und donnerte uns beide mit biotischer Verstärkung gegen die Hausmauer. Etwas knackte eklig, die Schläge hörten auf und der Husk fiel zu Boden.

Eilig sah ich mich nach Deckung um, als wenige Meter vor mir etwas Blaues einschlug.

Dann nur noch einen Meter entfernt.

„Schei…“, wollte ich noch rufen und riss schützend die Arme über den Kopf. Ohne sie bewusst angewendet zu haben, umhüllte mich eine Barriere, die unter dem Einschlag heftig überlud und explodierte. Ich spürte eine Hand am Arm und landete kurz darauf neben der Cerberusagentin hinter einer Kiste.

„Stehen Sie auf, Lieutenant!“, fuhr sie mich an, und ich rappelte mich eilig hoch. Das war mir jetzt doch peinlich, aber das würde ich niemals vor ihr zugeben. Kopfschüttelnd griff ich nach meinem Gewehr. Wir mussten dringend zu Shepard kommen. Garrus und Mordin erledigten den Ableger, doch ihm folgten zwei weitere. Die großen Geschütze fingen endlich an, das Kollektorenschiff zu beschießen.
Wenigstens etwas.

Neben mir stand Miranda wieder auf und beschoss einen der großen Ableger, als der leuchtende Kollektor eine Rakete auf sie schoss. Meine Revanche. Ich warf einen Biotikball auf die Rakete und lenkte sie gegen die Wand ab.

„Da hinten kommen Husks! Wir sind heute wirklich beliebt!“, rief Kasumi laut. Tatsächlich drängten sich mehrere Husks aus einer Gasse und stürmten heulend auf uns zu.

„Das Schiff!“, rief Garrus, nachdem Mordin die drei verbliebenen Husks mit einem Verbrennungsangriff erledigt hatte. Nach eine Schuss aus meinem Präzisionsgewehr löste sich der leuchtende Kollektor, der sich als ‚Vorbote unseres Leids‘ bezeichnete, in Asche auf.

Das Kollektorenschiff drehte seine verschiedenen, runden Bauteile und zündete plötzlich die Antriebe. Ich schützte meine Augen vor dem grellen Licht, das uns blendete. Es kamen keine weiteren Feinde mehr auf uns zu, und so kämpften wir uns durch die verbliebenen Husks und Kollektoren. Eilig rannten wir weiter, und kamen endlich an die letzte Tür, die ich ein wenig außer Puste erreichte.

„Ich misstraue Cerberus. Ich würde nie für sie arbeiten, egal was passiert. Leben Sie wohl, Shepard. Seien Sie vorsichtig“, hörte ich eine grausam bekannte, abfällige Stimme.

Unvorsichtig waren wir durch die offene Tür gestolpert und nun wandte sich der Mann in unsere Richtung, der diese letzten Worte an den Commander gerichtet hatte.

Kaidan?!“, entfuhr es mir.



Flashback 25, Arcturus-Station, Arcturus, Arcturus-Nebel, ein paar Tage zuvor, Perspektive von James Vega, Staff Lieutenant der Allianz


Was?!“, fuhr ich diesen Pendejo an, der der Meinung war, mir über Lola Auskunft geben zu können. Sie hatte sich nicht gemeldet und nicht auf meine Nachrichten geantwortet, ziemlich untypisch.

Sonst las sie sie zumindest und schrieb später zurück.

„Was soll das heißen, desertiert, das kann nicht sein!“, beschwerte ich mich und verschränkte die Arme.

„Doch, Sir. Staff Lieutenant Elizabeth Adrienne Ryan hat nicht auf Versetzungsbefehle und diverse Nachfragen reagiert. Seit vier Tagen führen wir sie aktuell als desertiert und haben ein Team unter Lt. Brooks Kommando ausgesandt, um nach ihr zu suchen. Die letzte bestätigte Sichtung war auf Omega“, erklärte er, die letzten Worte rief er mir nur noch hinterher.

Das konnte nicht sein.

Nicht Lola.

Sie hatte das mit keinem einzigen Wort angedeutet, zu keinem Zeitpunkt. Ja, natürlich war sie unzufrieden gewesen, wegen der Untätigkeit der Allianz, was den Absturz anging. Aber Cerberus? Sie hatte mir von dem Piloten und der Ärztin erzählt, wie schlimm sie es fand, dass sie zu Cerberus übergelaufen waren. Aber sie? Und dann auch noch ohne Verabschiedung und Kündigung? Wut kochte in mir hoch, und ich schlug gegen die Wand. Es konnte nicht sein.

Wütend sah ich auf mein Universalwerkzeug. Ich wurde nach Fehl Prime beordert, um dort die Kolonie zu schützen. In einer halben Stunde würde mein Transporter ablegen. Kopfschüttelnd stieg ich in den Aufzug. Das konnte einfach nicht wahr sein…

Flashback Ende



Fassungslos sah ich von Kaidan zu Shepard.

Prüfend sah er mich an, schien jede meiner Regungen zu beobachten. Ich kannte ihn lange genug, um es in seinem Blick zu erkennen: Er hatte gewusst, dass Kaidan hier war!

Langsam sah ich zu dem Biotiker zurück, der mich kopfschüttelnd musterte und ein paar Schritte näher kam.

„Du?“, fragte er entsetzt. „Du bist bei Cerberus? Nach allem was die getan haben? War das alles gespielt?! Wie du auf Karins und Jokers Kündigung bei der Allianz reagiert hast? Liz, du… ich kann das nicht glauben!“, rief er laut. Er war wirklich wütend, während er zuvor einfach nur enttäuscht von Shepard war.

„Ich tue etwas gegen die Kollektoren. Die Allianz unternimmt nichts, aber Shepard schon. Ich habe nichts mit Cerberus zu tun“, rechtfertigte ich mich und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich fixierte ihn mit meinen Augen.

„Hörst du dir eigentlich zu? Du hast geheime Informationen an Cerberus verkauft! Nur weil du so dermaßen schlampig auf die Akten zugegriffen hast, hat die Interne überhaupt so schnell gemerkt, dass jemand die Daten geöffnet hat! Was wenn sie die Außenposten nicht schnell genug evakuiert hätten? Wenn sie nicht nur die Forschungsdaten, Materialien und Credits gestohlen hätten? Dann hättest du dutzende Leben auf dem Gewissen! Und dann behauptest du, nichts mit Cerberus zu tun zu haben? Du bist eine Verräterin! Und eigentlich müsste ich dich in Gewahrsam nehmen und einsperren lassen!“, brüllte er mich an.

So hatte ich ihn noch nie erlebt.

Jedes einzelne seiner Worte spürte ich, als würde er mit einem Messer zustechen. Zu gern hätte ich gesagt, dass ich weder die Daten rausgesucht noch darüber entschieden hatte, was ich dem Kontaktmann verkauft hatte.

„Haben sie aber nicht“, erwiderte ich schlicht und gab mir große Mühe, nicht allzu betroffen zu erscheinen. Ich war eigentlich heilfroh, dass die Angriffe außerhalb der Allianzkolonien stattgefunden hatten, eben um solche Konfrontationen zu vermeiden.

„Ist das alles? Liz! Du hast die Allianz verraten! Ist dir das überhaupt klar? Oder bist du zu naiv um das zu verstehen?“, wollte er wissen und machte einen letzten Schritt auf mich zu. Ungefähr ein halber Meter trennte uns voneinander.

Verständnislos und wütend sah er mich an, es fiel mir ziemlich schwer, seinem Blick Stand zu halten. Aber ich schaffte es lange genug.

„Kaidan. Du kennst mich seit fast drei Jahren. Denkst du wirklich, ich hätte jemanden gefährdet, wenn ich doch nur einen protestvollen Abgang haben wollte? Ich bin zur Allianz gegangen, um die zu schützen, die sich nicht selbst verteidigen können. Und jetzt sind das diese Kolonien hier. Und dass die Maßnahmen der Allianz scheinbar nicht ausreichen, haben wir ja hier gesehen“, begann ich ruhig, doch zum Ende ging meine Stimme in ein Fauchen über.

Er hatte Recht, mit jedem seiner Worte. Und ich würde mich vor der Allianz verantworten, wenn das alles vorüber war.

Doch dann würden mir Anderson und Hackett hoffentlich beistehen und sich für mich aussprechen.

„Du drehst dir alles so hin, damit du besser dastehst, oder was? Sowas kann man nicht einfach runter spielen! Du redest vom Schicksal der Kolonisten, und alle anderen, die Cerberus foltert und an denen sie rumexperimentieren, sind dir wohl völlig egal! Denk doch mal an Kahoku! Hast du das etwa vergessen?“, schrie er wütend.

„Es geht mir nicht um mich. Und erst recht nicht darum, welche Meinung du von mir hast“, sagte ich kalt und biss die Zähne zusammen. Es tat mir gleich darauf leid, aber es war wohl im Moment das Beste, wenn er so von mir dachte.

Sicherer für meine Mission.

Und es erschreckte mich, dass ich so denken konnte.

Kaidan wollte noch etwas sagen, bevor er eine wegwerfende Handbewegung in meine Richtung machte und so dicht und schwungvoll an mir vorbei ging, dass er mich fest an der Schulter anrempelte.

Immer noch spürte ich Shepards Blick auf mir, doch ich konnte ihn nicht erwidern. Unruhig biss ich mir auf die Unterlippe und sah zu Boden. Kaidan stand mir nahe, ohne Zweifel. Aber ich wollte mir die erste Begegnung mit meiner Familie gar nicht vorstellen…


Das Shuttle flog auf die Normandy zu. Glaubte ich zumindest, denn wir wurden langsamer und ich hörte die gedämpfte Stimme des Piloten, der mit Joker sprach. Ich saß mit geschlossenen Augen auf der Bank und hatte die Arme verschränkt. Es herrschte eine drückende Stille im Kodiak, die ich dank meiner Ohrhörer mit dem grausamen Geschrei der salarianischen Punkband aussperrte.

Seit dem Treffen mit Hackett und Anderson hatte ich einen Hang dazu entwickelt, der mir so gar nicht gefallen wollte. Aber es lenkte ab, und machte es schwerer nachzudenken. Es ruckelte leicht im Shuttle, und dann standen wir still. Ohne auf die anderen zu achten drängte ich mich zur Tür durch.

Miranda öffnete sie gerade und sah mich an. Sie machte den Mund auf, doch dafür hatte ich jetzt wirklich keine Geduld.

„Spars dir!“, knurrte ich, machte einen großen Schritt in den Frachtraum und verschwand hinter den Kisten. Grob riss ich die Panzerung von meinem Körper und warf die einzelnen Teile in die Ecke.

Ich hatte Hackett und Anderson einen Bericht nach dem ersten Kollektorenkontakt versprochen, aber jetzt sah ich mich nicht wirklich im Stande, sachliche Worte in ein Datenpad zu tippen.

Ich war viel zu wütend auf Shepard, weil er kein einziges Wort darüber verloren hatte, dass Kaidan da unten war. Aber noch viel mehr auf mich selbst, weil ich diesem ganzen Mist auch noch zugestimmt hatte. Die arme Kiste musste ein wenig dran glauben, als ich wutgeladen dagegentrat. Sie rührte sich kaum, und danach tat mir eigentlich nur der Fuß weh.

Genervt sah ich zu dem unordentlichen Rüstungshaufen und seufzte.

Wenn Kaidan schon so dachte, wie musste es dann meiner Familie gehen?

Was würde James von mir denken?

Und was war mit all den anderen von der N-Schule?

Bis vor Kurzem hatte ich mir noch gewünscht, mein altes Universalwerkzeug zurückzubekommen.

Aber mittlerweile war ich froh, die Nachrichten nicht lesen zu können. Tief atmete ich durch, bevor ich meine Rüstung ordnete und die automatische Selbstreinigung aktivierte. Ich hörte niemanden und war wohl allein im Frachtraum, vielleicht konnte ich den Frust ein wenig rauslaufen. Kurz suchte ich meine Habseligkeiten nach den Kopfhörern ab, als mein Blick am Boden hängen blieb.

Ein paar schwarze Stiefel, die in die schwarz, weiß und gelbe Unterkleidung übergingen.

Shepard“, sagte ich herablassend. Es hätte nicht so verlaufen müssen. Wenn ich davon gewusst hätte, wäre ich vorbereitet gewesen. Hätte mir Worte zurechtlegen können oder einfach Shepards Status abfragen können und hinter der Tür bleiben können.

„Ich will mich nicht entschuldigen, aber ich verstehe, dass du wütend bist“, sagte er ruhig. Langsam wanderte meine Augenbraue nach oben, ohne dass ich es verhindern wollte.

Die Rangordnung der Allianz galt hier nicht mehr wirklich, und auch wenn ich zugesagt hatte, für ihn zu arbeiten, konnte ich mich nicht zurückhalten. Wenn er Pech hatte, würde er das auch zu spüren bekommen.

Ach“, erwiderte ich knapp, und regte mich nur noch mehr darüber auf, als er lächelte und sich auf die Kiste setzte.

Auffordernd deutete er auf den Boden.

„Ich steh lieber“, antwortete ich der stummen Geste.

„Liz. Ich wollte wissen, wie du reagierst. Und verzeih mir, wenn  ich es so sage, aber du kannst vielleicht einen wütenden Kaidan blenden, aber nicht mich. Du hattest keine Ahnung, von welchen Daten er gesprochen hat. Du hast ihm nicht widersprochen, als er dich als Verräterin beschimpft hat. Meine Liebe, du hast genau das getan, was ich gehofft hatte. Gar nichts“, sagte er zufrieden.

Verdammt nochmal! Ich hatte mich doch zusammengerissen! Er sah mich ruhig an, und ich hätte ihm für dieses zufriedene Lächeln am liebsten eine Ohrfeige verpasst.

„Ach?“, wiederholte ich mich und sah niedergeschlagen zu Boden. Langsam setzte ich mich auf den zusammengelegten Schlafsack und umarmte meine Beine. Zu gern hätte ich ihm die Wahrheit gesagt. Ich war mir zu 99.9% sicher, dass es der echte Shepard war. Mit all seinen Prinzipien, Werten und Zielen. Aber selbst, wenn er derselbe war, konnte ich hier nicht frei sprechen.

„Ist das die einzige Antwort, die ich kriege? Hier unten sind keine Wanzen, keine Sorge“, sagte er und nickte mir auffordernd zu. Eigentlich konnte ich es auch schon sagen. Mich würde hier niemand mehr lebend runter bekommen, bevor ‚die Sache‘ vorbei war. Indirekt hatte ich das Hackett und Anderson versprochen.

„Alles was Sie wissen müssen, ist dass ich wegen den Kolonisten hier bin. Nicht wegen Cerberus. Ich verabscheue diese Organisation, und ich muss wirklich sagen dass es weh tut, wenn ich Sie in dieser Kluft sehe. Aber ich kenne Sie auch, genauso gut wie Sie mich. Und ich weiß jetzt, dass Sie aus den richtigen Gründen mit Cerberus zusammenarbeiten und dafür die richtigen Maßnahmen treffen. Ich wäre nie desertiert. Und kommen Sie schon, Sie wissen wie dermaßen schlecht ich mich mit Tech auskenne.  Glauben Sie wirklich, dass ich mich in die Geheimakten der Allianz einhacken kann und dort auch noch für Cerberus relevante Sachen finde, bei denen es möglich ist, dass niemand zu Schaden kommt?“, fragte ich und schaffte es doch tatsächlich, ihm ins Gesicht zu schauen.

Meine Wut war wie verraucht, ich war nur noch verzweifelt.

„Ja, das kam mir schon von Anfang an komisch vor. Ich weiß zwar nicht mit Sicherheit, wer dir geholfen hat, aber ich kann es mir mehr als gut vorstellen“, seufzte er. „Wir sind noch lange nicht am Ende. Um diese Angriffe zu stoppen, müssen wir die Heimatwelt der Kollektoren angreifen. Dafür brauchen wir ein starkes Team, das als Einheit zusammenarbeitet. Im Moment haben wir eine irre Biotikerin, die keinen Kontakt haben will, zwei Leute von Cerberus, die ich noch nicht ganz einschätzen kann, einen hyperaktiven Salarianer und Garrus, der ziemlich viel am Hauptgeschütz auszusetzen hat. Ach ja, Grunt hat unsere Vorräte aufgefressen und musste von Dr. Chakwas behandelt werden, weil er Garrus‘ Dextronahrung vertilgt hat. Deswegen ist Joker im Anflug auf die Citadel, vielleicht kriegen wir dort auch eine Rüstung für ihn. Nach dem Vorfall auf Omega nehme ich mal an, dass du nicht unbedingt auf der Citadel gefunden werden willst?“, fragte er.

„Wir schulden dem Salarianer 4000 Credits für die Tattoos und den gestohlenen Brandy“, erwiderte ich mit einem kleinen Lächeln. Auch wenn ich mich wahnsinnig erleichtert fühlte, war ich mir nicht sicher ob es eine gute Idee war, ihm die Wahrheit gesagt zu haben…

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PS: Ich beiße nicht... schreibt doch ein paar Worte... :-D
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