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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
03.06.2021
156
731.943
43
Alle Kapitel
392 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
25.04.2021 8.086
 
Hallo ihr Lieben!
Ein neues Kapitel für euch :-) Ein wenig chaotisch, das gebe ich offen zu, aber dafür auch 8000 Wörter! :-D
Viel Spaß beim Lesen und bis bald (in den Reviews?) :-)
Angel
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Perspektivenwechsel: Elizabeth Adrienne Ryan, Staff Lieutenant der Allianz


Ein paar Dinge verwirrten mich immens, als ich wach wurde.

Ich lag nicht auf dem Boden in meinem Schlafsack.

Außerdem glaubte ich nicht, dass ich die Ursache des Schnarchens war, das unaufhörlich an meine Ohren drang.

Kurz hielt ich meine Luft an, um auf Nummer sicher zu gehen.

Vorsichtig öffnete ich die Augen, ohne mich zu bewegen.

James?“, fragte ich kratzig, als ich die Tattoos auf dem Arm erkannte, der unter dem hellblauen Allianzshirt herauskam und mich festhielt.

Ich hatte Kopfschmerzen, aber sie waren aushaltbar. Da konnte ich mich auch später drum kümmern…

Auf meinen Lippen schmeckte ich immer noch eine fiese Kombination aus Eisbrandy und irgendeinem…Likör…Ich schmatzte kurz und leckte mir über die Unterlippe, als ich erschauderte. Der bittere Geschmack war ekelerregend, das kleine Würgen konnte ich mir nicht verkneifen.

„Hmmhmm?“, erwiderte der Lieutenant und gähnte, bevor er mich aus seinem Klammergriff entließ und sich streckte.

„Warum liegen wir in deinem Bett?“, fragte ich verwirrt, was ihn offenbar zusammenzucken ließ.

„Und wieso steht da ein Eimer?“, lenkte er mit einem Räuspern ab, während er sich mit der Hand durch die kurzen Haare fuhr. Ich zog den offenen Schlafsack zur Seite, um mich hinsetzen zu können.

„Puh…“, stöhnte ich und schloss meine Augen. Ich hielt mir die Hände vors Gesicht, als sich James‘ Quartier ein wenig drehte, und rieb mir über die Augenbrauen. „Wir sind noch angezogen, das ist mal ne Abwechslung“, kommentierte ich und traute mich nicht, den Kopf zu schütteln.

„Ach ja…das wollt ich schon ewig klarstellen“, murmelte der Kalifornier und griff nach einer Wasserflasche. „Dir ist klar, dass da nach der N4 nix gelaufen ist, oder?“, fragte er, und ich erstarrte. „Du hast dich nur strikt gewehrt, angezogen einzuschlafen und es mir genauso wenig erlaubt“, erklärte er mit einem Schulterzucken.

Ha…“, machte ich. „Das klingt irgendwie nach mir…Also haben wir nie…“, fragte ich nach und machte eine knappe Handbewegung.

„Nein…hat nur nie gepasst, das anzusprechen…“, erwiderte er leise und rieb sich über die Stirn.

Ha!“, lachte ich auf. „Und ich hab mich schon gewundert, dass…“, fing ich errötend an, als wir plötzlich ein Räuspern hörten.



Perspektivenwechsel: John Sullivan Shepard, Staff Commander der Allianz


„Scheiße! Das ist Shepard!“, hörte ich, als ich die Shuttlebucht erreichte und mich räusperte. Steve arbeitete still an der Versorgungslinienkonsole, und nickte mit einem belustigten Grinsen in Richtung von James‘ Quartier.

„Wer?“, fragte James verwirrt, und offenbar noch nicht ganz wach. Ich sah keinen von beiden, aber die Unterhaltung wollte ich mir nicht entgehen lassen.

„Shepard! John! Der Commander! Retter der Galaxie, Rächer der Witwen und Waisen!“, fauchte Liz, als wir ein Rumpeln hörten. „Er darf nichts davon erfahren!“, forderte die Soldatin, als Steve beinahe ein Lachen entkam, sodass er vorsichtshalber kurz die Augen schloss und die Arme verschränkte.

„Wird er nicht“, versprach James mit einem entschlossenen Murmeln.

„Ich muss zu meinem Schlafsack“, stellte Liz fest, und erhob sich offenbar von dem Feldbett. Ein Gelenk knackte, zumindest hoffte ich, dass es nichts Schlimmeres war.

„Scheiße, Lola, warst du das?“, lachte James heiser.

„Jaja, werd du mal so alt wie ich…“, erwiderte Liz empört, und Steve warf mir einen amüsierten Blick zu, als er sich mit der Hüfte an der Konsole anlehnte.

„Du musst über die Kisten“, stellte James fest.

„Über die Kisten?“, fragte Liz skeptisch.

„Ja, mach doch…dein Whoosh“, schlug der Soldat vor.

„Mein…Whoosh?“, fragte Liz verwirrt. Ich konnte mir das Grinsen nicht mehr verkneifen, und lehnte mich an dem Stahlträger an, um dem Gespräch weiterzuzuhören.

„Ja, dieses Biotik-Sprung-Ding“, verdeutlichte James‘ seinen Vorschlag.

„Über die Kisten?“, fragte Liz erneut, und schien nicht sonderlich überzeugt zu sein.

„Ja!“, antwortete James, der sogar ziemlich überzeugt war.

„Willst du mich vielleicht loswerden oder so? Man macht keine biotischen Sprünge auf so kurze Distanz!“, fauchte Liz und ich sah genau vor mir, wie sie eindringlich nickte.

„Und woher soll ich das wissen?“, erwiderte James pikiert, als Steve sich räusperte.



„Hey, Commander!“, sprach er laut, und plötzlich wurde es still in der Shuttlebucht.

„Cortez! Hast du Liz gesehen?“, fragte ich laut, als wir ein leises Rascheln hörten.

„Nein, heute noch nicht!“, erwiderte Steve belustigt.



„Verdammt. Wirf mich!“, gab Liz nach, und schien sich mit einem Kopfschütteln geschlagen zu geben.

„Was?“, fragte James verwirrt.

„Ich kann mich nicht da drüber Whooshen, du musst mich werfen!“, fauchte sie eindringlich.

„Bist du verrückt?“, hörten wir James‘ skeptische Stimme.

„Das tut jetzt nichts zur Sache!“, antwortete Liz. „Ich kann nicht so weit springen, gib mir wenigstens nen Schubs!“, forderte sie, als ich mich erneut räusperte. Eine Hand tauchte auf der Frachtkistenkante auf.



„Schade. Ich hätte dringend etwas mit ihr zu besprechen“, rief ich laut, als ich große Augen bekam.



Whui!“, machte Liz, die mit ordentlich Schwung über die beiden großen Frachtkisten flog, die aufeinander gestapelt die beiden Schlafplätze trennten. Wir hörten ein metallisches Knallen, und einen deutlichen Aufprall.

„Scheiße, Lola, geht’s dir gut?“, fragte James leise, aber eindringlich, als Liz stöhnte.

„Wieso steht hier ein Eimer?“, beschwerte sie sich stöhnend, als ich mich von dem Pfeiler abstieß.



„Ich werds mal an ihrem Schlafplatz versuchen!“, sprach ich laut, und machte ein paar Schritte.

„Gute Idee, Commander. Vielleicht ist sie ja schon wach!“, erwiderte Cortez, der sich mit einem belustigten Kopfschütteln seiner Nachschubbestellung zuwendete.

„Liz?“, fragte ich mit gerunzelter Stirn, als sie mir auch schon entgegen kam.

„Commander Shepard!“, rief sie, kaum, dass ich sie sah. „John Sullivan Shepard, Hamsterbesitzer und Modellschiffsammler, Retter der Galaxie und nachsichtigster Offizier dieses Schiffes, wie kann ich Ihnen als langjährige, treue Kameradin heute behilflich sein?“, fragte sie eilig und ein wenig heiser. Mir schoss eine Augenbraue in die Höhe, als sie vor mir stehen blieb.

„Ich wollte nur…“, fing ich an, als James vorsichtig aus seinem Quartier lugte.

„Sie wissen sicher, dass ich den Regeln und Vorgaben der Allianz bisher stets in jedwedem Moment Folge geleistet habe?“, versicherte sie mir, was ich mit einer skeptischen Augenbraue kommentierte. „Und dass ich jedes Ihrer Geheimnisse bis ins Grab nehmen werde?“, versprach sie eindringlich.

„Also…“, fing ich an, als sie eine Hand erhob.

„Und ich kenne jedes Ihrer Geheimnisse!“, erinnerte sie mich, als ein zerzauster James endgültig aus seinem Quartier kam.

„Lola, halt einfach die Klappe“, bat er und rieb sich die Stirn.

„Ich hab das im Griff, Vega“, versicherte sie ihm mit einer schnellen Handbewegung.

„Ich…“, begann ich verwirrt.

Sie?“, antwortete sie fordernd und sah mich eindringlich an. Leise seufzte ich.

„Kaidan hat den Antrag gestellt, wieder an Bord zu kommen“, fasste ich knapp zusammen.

„Hat er das“, erwiderte sie tonlos.

„Das hat er“, nickte ich bestätigend. Offenbar hatte sie nach dem gestrigen Streit nicht mehr damit gerechnet, dass er wirklich zurückkommen wollte.

„Er hat?“, fragte sie nach.

„Ja, hat er“, stellte ich klar.

„Hmm“, machte sie.

„Liz?“, sagte ich, um sie auf die ausstehende Antwort hinzuweisen.

„Commander John Sullivan Shepard?“, erwiderte sie eilig, und mir entkam ein leises Seufzen.

„Ich kann meinen zweiten Vornamen nicht leiden, weißt du das?“, sprach ich resigniert. Vielleicht war sie doch noch nicht so nüchtern, wie man das nach einigen Stunden erwarten würde.

„Essiggurken mögen Sie noch viel weniger, aber der Grund dafür ist weitaus peinlicher, als man denken würde“, zuckte sie mit den Schultern.

„Lola?“, fragte James verwirrt, als ich Steves schlecht unterdrücktes Lachen hörte.

„Ich hab das im Griff, Vega“, versicherte die Soldatin ihm erneut. Ich sah mit einen leisen Seufzen von einem Lieutenant zum anderen.

„Dir ist bewusst, dass ich kein Problem damit habe, wenn ihr zwei… außerhalb der Dienstzeit…“, sagte ich vorsichtig und machte eine Handbewegung, die zwischen ihr und James hin und her deutete. Liz nickte knapp, während James eine Augenbraue hob und die Arme verschränkte.

„Ich habe Sie und Liara schon viel innerhalb der Dienstzeit tun sehen. Pistolenläufe polieren, zum Beispiel“, sprach die Soldatin ernst und verzog nach einer knappen Sekunde selbst das Gesicht.

„Ja, nach einem Einsatz ist die Waffenreinigung ein essenzieller Teil der Missionsnachbereitung“, warf Steve ein, der sich nur noch zum Schein vor der Konsole aufhielt.

„Esteban!“, rief James empört, und fuhr sich durch die Haare, als ich kopfschüttelnd seufzte.

„Okay. Ich gehe jetzt zurück zum Aufzug, und dann komme ich nochmal rein. Wir vergessen diese Unterhaltung“, entschied ich mit einem eindringlichen Nicken.

Oh Gottseidank“, seufzte Liz erleichtert, als ich mich umdrehte.



Perspektivenwechsel: Elizabeth Adrienne Ryan, Staff Lieutenant der Allianz


„EDI, schließ die Türen für einen Moment“, befiel Shepard, als ich James ein etwas unsicheres Grinsen zuwarf.

„Díos, Lola, was ist denn los mit dir?“, fauchte er angespannt, als sich die Türen zum Fahrstuhl schlossen.

„Ich bin gerade kopfvoran in nem Stahleimer gelandet, ja?“, verteidigte ich mich mit einem Fingerzeig auf meine Stirn, als sich die Fahrstuhltüren öffneten

„Lieutenant Ryan! Als kommandierender Offizier der Normandy, möchte ich Ihnen als XO mitteilen, dass Major Alenko um Rückversetzung auf die Fregatte gebeten hat“, sprach Shepard ernst, als er sich näherte.

„Verstanden, Commander. Ich sprech‘ nochmal in Ruhe mit ihm und werde im Einsatz stets professionell handeln, ganz egal, wem ich unterstellt bin oder wer mir unterstellt wird, Sir“, versprach ich ihm ernst.

„Sehr schön. Wegtreten“, erlaubte der Commander, und ich hob meine Hand.

„Zu Befehl!“, salutierte ich knapp und wog mich bereits in Sicherheit, als er einen schnellen Schritt auf mich zumachte und mich am Arm festhielt.

„Woher zum Teufel weißt du das von den Essiggurken?“, fragte er zischend.

„Das war ein Bluff!“, log ich, eher schlecht als recht, und versuchte mich an einer abwinkenden, beiläufigen Handbewegung.

„Hat Liara dir davon erzählt?“, wollte er mit einem skeptischen Blick wissen.

„Liara kennt die Essiggurkengeschichte?“, fragte ich erstaunt und runzelte die Stirn.

„Es gibt keine Essiggurkengeschichte!“, stellte er klar und hob eindringlich die Hände.

„Hey! Was ist los mit euch?!“, wollte James wissen und warf uns einen entgeisterten Blick zu.

„Nichts!“, antworteten Shepard und ich gleichzeitig, als Steve sich das Lachen für einen Moment nicht mehr verkneifen konnte. Es hallte durch die Shuttlebucht, und ich kaute auf meiner Unterlippe, als der Commander meinen Arm losließ und eine Schrittlänge Abstand zwischen uns brachte.

Ich haderte mit mir selbst, aber… wenn ich die Wahl hatte, ob man mich für verrückt hielt, oder jemand anderen…zog ich es vor, nicht des Wahnsinns bezichtigt zu werden.

„Shepard hat in einem Fornax Magazin gelesen, dass Asari auf Essiggurken mit allergischen Schocks reagieren, und deswegen isst er keine mehr!“, platzte es aus mir heraus.

„Ich habe kein Fornaxmagazin!“, verteidigte sich der Commander lautstark.

„Tun Sie nicht so, wir haben damals alle auf Wrex‘ Link geklickt, als wir auf dem Weg nach Ilos waren…“, erwiderte ich mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Das Abo wird mit dem Klick automatisch akzeptiert, erinnern Sie sich nicht mehr an Tali? ‚Oh, ich dachte das wäre der Link zu den Schrotflintentricks! Aber da waren nur blaue Ärsche! Und…und noch so viel mehr!‘“, machte ich ihre hohe, leicht verzerrte Stimme nach, was Cortez offenbar endgültig das Kreuz brach.

„Oh Mann…Joker, hast du das alles?“, fragte er begeistert, und ich sah eilig in Richtung der Intercomanlage.

„Natürlich!“, erwiderte der Pilot süffisant, bevor er sich räusperte. „Commander, ich hab hier drei neue Crewmitglieder vor der Luftschleuse. Ziehen wir die Vorstellung für die Alphacrew durch, bevor wir abdocken?“, fragte der Pilot, und ich zog fragend die Augenbrauen zusammen.

„Ich wollte es erklären, bevor…“, erklärte Shepard mit einer knappen Handbewegung. „Lass sie an Bord, Joker, und ruf die Alphacrew in zwanzig Minuten in den Besprechungsraum“, forderte er und deutete in Richtung des Fahrstuhls. Ein wenig fertig fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare, bevor ich ihm folgte, um zu duschen.

Was für ein furchtbar anstrengender Morgen, nach einem so katastrophalen Tag…



„Komm schon, du wirst dich freuen!“, sprach Shepard, als ich zwanzig Minuten später skeptisch vor dem Sicherheitsscanner verharrte. Nach einem morgendlichen Reinigungsritual und mit einem frischen Paar Unterkleidung fühlte ich mich gleich viel besser. Wacher. Quasi fast schon nüchtern. Professionell!

„Wissen Sie, wie oft ich das schon vor einem ganz und gar nicht erfreulichen Ereignis hören musste?“, fragte ich trocken und verschränkte die Arme, als James sich scannen ließ.

„Morgen…“, murmelte Garrus, der mit Liara und Chakwas aus dem Fahrstuhl kam. Ich warf ihm einen fragenden Blick zu, den er offenbar nicht ganz erkannte, denn er klackte nur knapp und gähnend mit den Mandibeln.

„Na, lebst du noch?“, fragte ich also nach, als er sich über seine mittige Hornplatte an der Stirn rieb.

„Denk schon…sonst wäre das hier ne verdammt langweilige Nachwelt…“, sagte er nachdenklich und tippte mir prüfend gegen die Schulter. „Wollte nur sehen, ob ich immer noch träume…“, erklärte er kopfschüttelnd, und schob mich in den Scanner. Ich warf ihm einen dezent pikierten Blick zu und wartete einen Moment, bis Cambell mir grünes Licht gab, bevor ich James auf die andere Seite folgte.

„Na los, Joker und Adams warten schon“, forderte Shepard uns auf und Cortez stellte sich in den Scanner, als ich hinter dem übermäßig gut gelaunten Commander den Besprechungsraum betrat.

Meine Augen wurden für einen Moment ziemlich groß.

„Was macht ihr denn hier?“, fragte ich erstaunt, als ich die beiden Cerberustechniker, Ken und Gabby, und die Shuttlepilotin Hannah Holloway erkannte, die gerade mit Adams und Joker im Kommraum sprachen.

„Hey, Liz! Shepard hat uns mit seinem Spectrestatus zurück auf die Normandy geholt!“, erklärte Ken begeistert und kam auf mich zu, um mich zu umarmen. Ich tätschelte ihm ein wenig überfordert den Rücken, als Gabby die Augen verdrehte. Ich grinste ihr zu, und schob den Techniker wieder auf Distanz.

„Wir wurden als Ex-Cerberus eingestuft, und waren in Haft. Durch Shepards Amnestie wurden wir rausgelassen und Techniker Adams wird uns im Blick behalten. Nur zur Sicherheit“, erklärte Gabby mit einem ehrlichen Lächeln.

„Ich vertraue der Einschätzung des Commanders, was Ihre Loyalität angeht. Und die Normandy war, was die Technik im Maschinenraum betrifft, in einem ziemlich guten Zustand, als ich die Umrüstung übernommen habe. Das zeugt von guter Arbeit“, nickte Greg zufrieden, als Karin einen Schritt auf Gabby zumachte.

„Es ist so schön, auch wieder jemanden zurückzubekommen…“, sprach sie glücklich, und ich erstarrte für einen Moment, bevor ich mich zusammenriss.

„Oh, ja, Shepard hat gesagt, dass wir Th…“, sagte Ken, als Hannah ihm auf den Fuß trat.

Nicht unbedingt lauthals ansprechen sollen in den nächsten Tagen?“, fauchte sie ihn eindringlich an.

Ein kleines, halbseitiges Lächeln schlich sich auf meine Lippen.

„Es ist okay“, murmelte ich leise und nickte kurz, als der Primarch am Kommraum vorbeikam.

„Commander Shepard. Ich bedanke mich für Ihre Gastfreundlichkeit. Die Hierarchie hat ein Schiff im Trockendock mit dem ich zur Flotte zurückkehren werde, wie wir abgesprochen hatten“, sprach er und schüttelte Shepard die Hand.

„Es war uns eine Ehre, Sie an Bord zu haben, Primarch“, erwiderte der Commander ehrlich, und auch Garrus verabschiedete sich von Victus. Kurz fiel mein Blick auf Shepard, als mir auffiel, dass Hannahs Funktion noch nicht wirklich angesprochen wurde. Unauffällig machte ich ein paar Schritte auf die Pilotin zu und lächelte sie an, als ich ihre unsichere Körperhaltung sah.

„Hannah, bist du als zweite Shuttlepilotin hier, oder…?“, fragte ich leise, und außerhalb von Cortez‘ Hörweite. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass er das Gefühl bekam, dass ihm sein Job nicht zugetraut wurde, denn das war sicherlich weder Shepards noch meine Absicht.

„Als Mädchen für alles. Shuttleflüge, wenn ihr an zwei Stellen gleichzeitig reingehen müsst und wir keine Zeit verlieren dürfen, im Maschinenraum und bei der Shuttlepflege helfen, Karin in der Krankenstation unterstützen…Ich war bei der Allianz tatsächlich eine ganze Weile Sanitäterin, wusstest du das?“, fragte sie zufrieden, als ich sie mit einem Lächeln und einer auffordernden Handbewegung mit zu Cortez nahm.

„Steve?“, fragte ich, als der Lieutenant gerade mit Liara und Joker sprach. Ich nahm mir die Vorstellung heraus, als XO, immerhin war Shepard durch Victus abgelenkt. Und noch hatte Kaidan mir den Posten nicht abgenommen.

„Hi“, nickte er und reichte Hannah die Hand. „Steve Cortez, der Shuttlepilot und Nachschuboffizier“, stellte er sich vor.

„Hannah Holloway“, erwiderte sie mit einem Lächeln.

„Hannah war unsere Shuttlepilotin. Da wir mit Kaidan, und irgendwann auch wieder mit Liara, mittlerweile ein recht großes Bodenteam haben, wird sie das zweite Shuttle fliegen, wenn wir möglichst schnell zu zwei verschiedenen Einsatzstellen müssen. In der restlichen Zeit wird sie das Technikteam und Karin unterstützen“, erklärte ich ruhig und gab mir Mühe, ihre anderen Positionen zu betonen.

„Ich freu mich! Unser demoliertes Kodiak ist derzeit noch bei der Reparatur, wir kriegen es wohl noch heute zurück“, erklärte Steve und lächelte ehrlich, als sich die Tür zum Sicherheitsscanner öffnete.

Für einen Moment wurde es still im Besprechungsraum, als Kaidan eintrat. Shepard sah mir mit einem eindringlichen Nicken entgegen, und ich erwiderte es knapp.

„Liz, auf ein Wort?“, fragte Kaidan nach einem kurzen Räuspern. Ein paar verwirrte Blicke wurden ausgetauscht, und ich reckte mein Kinn, als ich dem Major entgegentrat. Alles andere hätte mein Stolz nicht zugelassen, und der hatte in den letzten Stunden schon genug gelitten.

„Natürlich, Kaidan“, nickte ich und machte eine auffordernde Handbewegung in Richtung der Tür.



Zwischen uns herrschte eisernes Schweigen, bis wir mit dem Lift in der Shuttlebucht ankamen.

Hier war Platz. Und da Cortez immer noch oben war, würden wir hier niemanden stören.

Ich hielt meine Arme während der ganzen Fahrt verschränkt, damit ich vor lauter Anspannung nicht an meinen Fingerkuppen rupfte. Stur hielt ich meinen Blick gerade aus und marschierte aus dem Fahrstuhl, bis ich kurz vor der Frachtluke stehen blieb und mich zu ihm umdrehte. Erwartungsvoll sah ich ihn an, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, dieses Gespräch zu beginnen.

„Okay…das gestern lief nicht wie geplant“, fing Kaidan an und hob ein wenig beschwichtigend die Hände.

„Gestern lief kaum etwas wie geplant“, erwiderte ich unbeeindruckt. Nach dem gestrigen Streit müsste er sich ein wenig mehr Mühe geben, um den Riss wieder zu kitten.

‚Da gehören aber zwei dazu, meine Liebe‘, hörte ich meine innere Stimme, was mich seufzen ließ.

„Liz, komm schon…“, murmelte er und fuhr sich durch die schwarzen Haare.

„Kannst du zugeben, dass du einen Fehler gemacht hast?“, fragte ich. „Und damit meine ich nicht unseren Streit. Wir kommen immer wieder an den gleichen Punkt. Shepard oder ich tun etwas, du misstraust uns, es gibt einen riesigen Streit und dann entschuldigen wir uns beide. Aber heute werde ich das nicht tun, und wenn du das erwartest, muss ich dich enttäuschen“, sprach ich völlig ruhig, ohne den Augenkontakt zu unterbrechen.

„Hast du nur für einen einzigen Moment versucht, die Situation aus meiner Perspektive zu sehen?“, wollte er mit einem eindringlichen Ton wissen.

„Natürlich“, erwiderte ich knapp und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich finde es nur schade, dass du Shepard immer noch nicht vertraust. Dieses Mal hast du Cerberus in die Hände gespielt, auch wenn es dir nicht bewusst war“, antwortete ich ruhig. „Du hast deinen Befehl befolgt und den Rat beschützt. Ich habe meinen befolgt, und Udina erschossen“, zuckte ich mit den Schultern, als Shepard aus dem Lift kam und uns genau beobachtete, während er sich näherte.

„Commander“, nickten Kaidan und ich ziemlich gleichzeitig und mussten daraufhin unwillkürlich Grinsen. Zumindest so lange, bis sich unsere Blicke trafen und wir wieder ernst wurden.

„Na, das sieht doch schon versöhnlicher aus“, nickte John zufrieden. „Kann ich davon ausgehen, dass von nun an alles reibungslos läuft?“, wollte er eindringlich wissen und sah von Kaidan zu mir, und wieder zurück.

„Ich kann das Kriegsbeil begraben, Commander“, erwiderte ich.

„Kein böses Blut von meiner Seite, Shepard“, nickte Kaidan, und ich nahm die Hand, die er mir anbot und schüttelte sie versöhnlich. Vorerst

„Sehr gut. Kaidan, Primarch Victus hat sein Quartier im Steuerbordfrachtraum geräumt, du kannst dort unterkommen, die Mannschaftsquartiere sind voll“, erklärte Shepard dem Major, als sein Universalwerkzeug piepte.

„Eine neue Mission?“, fragte ich vorsichtig und löste meine Arme aus der Verschränkung.

„Ja, so ungefähr“, nickte Shepard nachdenklich. „Ich möchte mir das Artefakt auf Nodacrux ansehen, sobald das zweite Shuttle wieder an Bord ist. Haltet euch bereit, ich brauche eure Expertise“, erklärte er, und wir nickten gehorsam.

„Natürlich, Commander“, stimmte Kaidan zu.

„Ich gebe Steve die Koordinaten und sag ihm, dass er vorsichtig runtergehen soll“, warnte ich und erstarrte für einen Moment, als ich an den gigantischen Grashüpfer zurückdachte. Noch ein zerstörtes Shuttle konnte ich unmöglich auf meine Kappe nehmen…



„Was grinst du so?“, fragte ich skeptisch, als ich das Cockpit betrat.

„Ach, nichts…“, erwiderte Joker, doch er konnte sich nur schwer zusammenreißen. Meine Augenbraue wanderte nach oben, als er sich ganz offenbar ein amüsiertes Lachen verkniff.

„Was auch immer du gegen mich in der Hand hast, ich besitze Fotos von unserer Sauftour auf Omega, die dich bei weitem mehr belasten“, versprach ich und ließ mich neben ihm auf den Copilotensessel nieder.

„Das glaub ich ganz sicher nicht“, erwiderte er zuversichtlich und machte eine herausfordernde Handbewegung.

„Mutig mutig, Flight Lieutenant…“, murmelte ich mit gekünstelter Anerkennung und öffnete mein Universalwerkzeug. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis ich den Fotoordner gefunden hatte, und Jokers Augen wurden groß, als er die Bilderflut sah.

„Okay, okay, ich glaubs dir!“, rief er und hob die Hände, als ich auf einer besonders…netten Momentaufnahme verharrte. „Was machst du hier? Brauchst du was?“, wollte er wissen und versuchte wohl, mein Universalwerkzeug zu schließen, kam aber nicht nah genug heran.

„Brich dir nichts, ja?“, forderte ich den Piloten auf, und deaktivierte das Universalwerkzeug selbst, bevor er sich noch wehtun konnte. „Wir fliegen Nodacrux an, sobald wir hier wegkommen“, erklärte ich den Grund meiner Anwesenheit.

„Oh, alles klar. Die Koordinaten hab ich noch abgespeichert…“, erwiderte Joker und nickte, als er ein Programm öffnete. „Es geht um dieses Artefakt, oder? Hast du keine Angst, dass Shepard wieder was explodieren lässt?“, fragte er belustigt.

„Ich geb mir Mühe, vor ihm da zu sein. Javik wird er auch mit runternehmen, vielleicht findet er ja noch mehr darüber heraus“, überlegte ich und sah durch die Glasfenster nach draußen. Der Rapid-Transit-Zug fuhr gerade vorbei.

„Stimmt es eigentlich, dass das Ding dich ausgeknockt hat?“, fragte Joker plötzlich, und ich verschränkte die Arme.

„Wer hat dir das erzählt?“, wollte ich mit gerunzelter Stirn wissen.

„Öhm…ich…hab da mit jemandem Kontakt gehabt, der zufälligerweise viel Zeit zu vergeuden hatte, während ihr die Genophage geheilt habt?“, erwiderte er vorsichtig.

„Kaidan“, erkannte ich und rollte die Augen. „Dann muss ich wohl nicht noch mehr dazu sagen, oder? Ich hab ja nicht viel davon mitbekommen, beim ersten Mal wars ne halbe Stunde, beim zweiten Mal…keine Ahnung, Giovanni hat was von stundenlang gesagt, aber ich hab nicht mehr nachgesehen…“, überlegte ich und sah, dass Joker grinste. Das bedeutete nie etwas Gutes…

„Wen wird Shepard noch mit runternehmen? Javik, Kaidan, dich…“, wollte der Pilot wissen und zählte mit seinen Finger mit, als würde ihn das wirklich interessieren.

„Liara wird er nicht abhalten können“, zuckte ich mit den Schultern. „Garrus tut eine Pause vielleicht gut, EDI wird nicht unbedingt von Nöten sein…“, dachte ich laut nach.

James?“, fragte Joker mit einem Grinsen.

„Haben Sie mir etwas zu sagen, Flight Lieutenant?“, erwiderte ich ernst.

„Selbstverständlich nicht, Lieutenant Ryan, Ma’am“, beschwichtigte er mich, ohne das breite Grinsen völlig verschwinden zu lassen. „Dachte nur, wäre sicher nicht schlecht, wenn dich jemand auffängt“, lachte er, und ich rollte die Augen.

Ich kann umkippen, ohne mir was zu brechen. Mich muss niemand auffangen!“, versicherte ich dem Piloten.

„Ja, hast schon recht…immer auf den Piloten mit den Glasknochen“, meckerte er zurück.

„Du hast angefangen“, erinnerte ich ihn und streckte mich auf dem Copilotensessel aus. Joker wurde plötzlich ernst und ich musste nicht zu ihm sehen, um das zu merken.

„Es tut mir leid, wegen Thane. Aber ihr kriegt diesen Mistkerl“, sprach er plötzlich. Ich richtete mich ein wenig auf, bevor ich ihm in die grünen Augen sah.

„Du hast es gesehen?“, fragte ich leise und nickte in Richtung der Monitore.

„Ich sehe alles, sobald ihr das Schiff verlasst“, erinnerte er mich. Kurz dachte ich an unser Gespräch nach Virmire zurück. Er hatte auch Ash bis zu ihrem letzten Atemzug auf dem Monitor. Mit Sicherheit hatte er auch Liaras Verwundung auf Tuchanka mitangesehen, und Kaidan, der auf dem Mars von dem Cerberusroboter angegriffen wurde.

„Aber vielleicht solltest du das nicht“, flüsterte ich und schüttelte langsam den Kopf. Leise räusperte ich mich, bevor ich meinen Mut zusammennahm und ihn mit einem dezent gezwungenen Lächeln ansah. „Dieses Arschloch weiß noch nicht, was er angerichtet hat. Glaub mir, damit kommt er nicht davon“, versprach ich, bevor ich mich erhob und ihm das Basecap vom Kopf zog, um es ihm falsch herum aufzusetzen.

„Hey!“, beschwerte er sich und warf mir einen bitterbösen Blick zu. „Spar dir das für den Attentäter“, meckerte er, bevor er seine Kopfbedeckung richtete.

„Den erwartet was viel Schlimmeres, glaub mir“, versprach ich dem Piloten. „Und wenn es das Letzte ist, das ich tue…“, schwor ich leise, als ich das Cockpit verließ.



Der Fahrstuhl hielt mit einem sanften Ruck auf dem Crewdeck an, bevor sich die Türen automatisch öffneten. Die Nach-Missions-Untersuchung bei Karin stand noch aus, und ich wollte die Ärztin nicht gegen mich aufbringen. Auf dem Weg nach draußen warf ich, wie immer, einen flüchtigen Blick auf die Gedenktafel und erstarrte. Es dauerte einen peinlich langen Moment, bis ich mich zusammenreißen konnte und vorsichtig darauf zuging. Ich schluckte, als mein rechter Zeigefinger über den Namen fuhr.

„Ich hab sie vor einer Stunde abgeholt“, sprach Karin, und nur einen Moment später legte sie ihre Hand auf meine Schulter.

„Ich sehs…“, brachte ich heraus. „Danke, dass du dich gekümmert hast“, nickte ich, und entging ihrem Augenkontakt, als sie neben mir stehenblieb. Langsam zeichnete ich das ‚T‘ mit meiner Fingerspitze nach und sah zu der zweiten, frisch gravierten Plakette. Während Thane direkt unter Talithas Namen zu finden war, hatte Mordin seinen Ruheplatz zwischen Marcus Grieco und Raymond Tanaka eingenommen.

„Das musst du nicht auch noch übernehmen“, sprach die Ärztin sanft, als ich erneut schluckte. Wenn ich vor Karin zu viel rumheulte, würde sie mich am Ende noch aus psychischen Gründen für dienstunfähig erklären, und Shepard brauchte mich schließlich übermorgen auf Nodacrux. Also riss ich mich zusammen, lächelte ein wenig wässrig und nickte dankbar. „Aber es tut weh, nicht wahr?“, fragte sie mit einem betroffenen Seufzen, als ihr Blick von einer Plakette zur nächsten wanderte. „So viel Lebensfreude…so viel Potenzial für ein langes und erfülltes Leben…“, sprach sie leise.

„Weißt du, was ich mich wirklich frage?“, warf ich nach einem langen Moment ein, den wir beide in absoluter Stille verbrachten. Ich musste sie dringend ablenken…

„Hmm?“, fragte sie und sah mir mit ihren hellgrauen Augen direkt in meine Braunen.

„Wieso hat die Allianz da so unglaublich viel Platz drauf gelassen?“, wollte ich vorwurfsvoll wissen, als eine winzige, nervige Träne tatsächlich durch meine Wimpern huschte und an meiner Wange herablief. „Man könnte fast meinen, es hätte niemand das Selbstmordkommando überleben sollen“, beschwerte ich mich ein wenig erstickt.

„Eine grausame Vorstellung…“, schüttelte es die Ärztin, als sich der Lift hinter uns öffnete. Wir drehten uns um, und ich räusperte mich leise, bevor ich diskret über meine Wange wischte.

„Liz, wir starten in einer Viertelstunde“, sprach Shepard, der neben Kaidan stand.

„Natürlich, Commander“, nickte ich und rief mich zur Professionalität, als ich dem Major gegenüberstand.

„Und wir werden Nodacrux direkt anfliegen, ich brauche euch beiden davor noch für eine Besprechung“, erklärte er und machte eine knappe Handbewegung in Richtung des Majors, bevor er mir entgegen wedelte.

„Natürlich, Commander“, erwiderte ich etwas steif.

„Jetzt?“, fragte er und deutete auf den Fahrstuhl. Kaidan musterte mich erwartungsvoll, und ich nickte knapp.

„Natürlich, Commander“, wiederholte ich mich nocheinmal und verschränkte die Arme, bevor ich ihm in den Lift folgte. „Ich komme nachher nochmal vorbei, ich versprechs“, schwor ich der Ärztin mit einem gezwungenen Lächeln.

„Dafür werde ich sorgen“, erwiderte sie zufrieden, als sich die Türen schlossen. Der Weg zu Shepards Loft verging in dezent unangenehmer Stille, die wir jedoch unkommentiert gewähren ließen.

Die Artefaktmission war immer noch ein heikles Thema zwischen Kaidan und mir, da mussten wir den empfindlichen Frieden, der erst wenige Stunden alt war, nicht gleich wieder gefährden…



„Also hätten wir Pyrril eigentlich doch dort lassen können“, stellte Kaidan einige Minuten später fest und verschränkte die Arme. Okay. Wer brauchte nochmal Frieden und ein funktionierendes Team?

„Wobei er dann in der Zwischenzeit weder Liara noch Javik hätte helfen können“, erwiderte ich ruhig und verkniff mir das Schulterzucken. Und das herablassende Nicken. Die angehobenen Augenbrauen.

‚Guuuut, gemacht, Liz. Ruhig geblieben, neutral, und völlig ohne biotischen Ausbruch!‘, lobte meine innere Stimme.

„Da muss ich ihr Recht geben“, stimmte Shepard mir zu, bevor er sich ein wenig nach vorne lehnte und das Artefakt, welches als Holodarstellung vor ihm schwebte, genauer betrachtete. „Die Ranken verhindern jeden Zugriff darauf?“, fragte er nach und tat sicherlich gut daran, das Thema zu ändern.

„Genau. Die Thoi’han haben sie damals als Schutzmaßnahme angebracht. Sie lebten im gleichen Zyklus wie die Inusannon, die das Artefakt dort platziert haben. Es ist eine Art Kommunikator, oder ein Datenspeicher. Dr. Asraba, der protheanische Wissenschaftler, vermutete, dass die Inusannon ihre Erinnerungen, ihr gesamtes Wissen und ihre Erfahrungen mit diesen Kommunikatoren teilten. Es gibt Hinweise darauf, dass sie vielleicht sogar eine Art Ritual hatten, in dem jeder Heranwachsende durch die Kommunikatoren dieses Wissen erhielt. Aber das sind nur Spekulationen, die Javik mit Liara aufgrund von Asrabas Daten aufgestellt hat“, erklärte ich den beiden Männern, die mir gegenüber auf dem schwarzen Loungesofa saßen. Shepard hatte sich vorsichtshalber zwischen uns platziert, ein kluger Schachzug.

„Wir haben die Daten in einer abgestürzten Rettungskapsel gefunden, auf einem Asteroiden in der Nähe von Nodacrux. Luan hat die Kapsel durchsucht und alles mitgenommen, das er finden konnte“, erklärte Kaidan nach einem leisen Räuspern. Shepard nickte nachdenklich, als ein deutlicher Ruck durch die Normandy ging.

„Dann sind wir also auf dem Weg. Ich mache mir Gedanken wegen dem Bodenteam und rufe dann alle zusammen, bevor wir runtergehen“, teilte uns der Commander mit.

„Sie werden Liara nicht davon abhalten können, Shepard. Als ich ihr das Zeug auf dem Mars gegeben habe, wäre sie am liebsten sofort losgeflogen. Sie ist ja schlau und hat jede Menge gesunden Asariverstand, aber…ich hab sie zweimal aus nem Shuttle ziehen müssen, weil man damit vielleicht besser keinen Portalsprung machen sollte“, erzählte ich und warf ihm einen kurzen, forschenden Blick zu. „Nicht, dass Sie das als Herausforderung annehmen sollten“, stellte ich klar, was sogar Kaidan ein amüsiertes Lachen entlockte.

„Ja, sie ist wirklich sehr begierig darauf, dieses Teil mit eigenen Augen zu sehen. Hmmm. Die Reaper haben den Maroonsee noch nicht erreicht, es dürfte noch recht sicher sein“, nickte Shepard, als Kaidan mir einen vielsagenden Blick zuwarf. Leise räusperte ich mich.

„Eine Schwierigkeit sollten wir noch ansprechen, Commander…“, begann ich vorsichtig und sah ein wenig Hilfesuchend zu dem Wächter.

„Wir müssen dringend Abwehrmaßnahmen gegen die Insekten anbringen“, nickte der Major.

„Die…Insekten?“, fragte Shepard verwirrt, als ich das Artefaktholo verschwinden ließ. „Ist das euer Ernst?“, wollte er wissen und verschränkte die Arme, als ich durch die Aufnahmen meiner Einsatzkamera scrollte, bis ich die erste Begegnung mit dem Grashüpfer gefunden hatte.

„Sind Sie bereit?“, fragte ich, und verband mein Universalwerkzeug mit Shepards Großbildschirm. Er nickte vorsichtig und hob eine Augenbraue, als die weite, grüne Planetenoberfläche auf dem Bildschirm auftauchte.



Flashback 69, Planetenoberfläche von Nodacrux, Vostok-System, Maroon-See, Perspektive von Staff Lieutenant Elizabeth Adrienne Ryan, einige Monate zuvor


„Was…was ist das?!“, keuchte ich und hielt Talbot am Arm zurück. Das Rascheln der kniehohen Blätter erstarb, als wir von den großen, metallisch glänzenden Augen erfasst wurden. Ein gigantisches, grünschimmerndes Insekt sprang in einiger Entfernung vor uns über die Ebene, und offenbar hatte es uns am Waldrand entdeckt.

„Was? Wo denn?“, wollte er wissen, und folgte meinem Blick. „Ich seh nix…Oh GOTT! Wir müssen sofort hier WEG!“, kreischte er mit einer merkwürdig hohen Stimme, und schüttelte meine Hand ab, nur um sie eilig zu ergreifen.

„Kurzes Update, wir haben noch ni…“, hörte ich Kaidans ruhige Stimme, als Talbot die Beine in die Hand nahm und mich panisch hinter sich her zog.

„Team Zwei, wir haben Feindkontakt!“, schrie der Lieutenant in das Universalwerkzeug und rannte schneller, als ich es ihm jemals zugetraut hatte.

„Hier? Wie habt ihr das denn geschafft?“, fragte Luan, als unsere Position angepingt wurde.

„Mach langsam, vielleicht tut er ja gar nichts!“, rief ich, als der gigantische Grashüpfer plötzlich in einen Baum biss und ihn mühelos zerkaute. Wir erstarrten für einen Moment mit großen Augen, bevor wir eilig weiterhetzten. Erst einige Meter weiter entzog ich Talbot meine Hand, um auf der Umgebungskarte nach Luan, Giovanni und Kaidan zu suchen. Ich konzentrierte mich auf das Universalwerkzeug, und landete auf dem blätterbedeckten Boden, als ich mit dem Helm samt Atemgerät eine große Wurzel übersah und stolperte.

„Schneller! Liz, schneller!“, schrie Talbot panisch, als ein Baum neben mir aufschlug. Ein paar der großen Blätter klatschten mir an den Helm, bevor ich mich eilig auf die Füße kämpfte. Der Boden unter dem Laub war dank des heftigen Gewitters gestern immer noch recht rutschig, und ich kam nicht mal halb so schnell voran, wie es mir lieb war.

„Renn einfach, Talbot! Lauf!“, befahl ich knurrend, und wich einem weiteren Baum aus, der neben mir auf den Boden krachte. Die Blätter waren noch immer ziemlich nass, und durch die Wassermenge, die in die Luft gespritzt wurde, war ich fast wieder sauber.

„Wir sind in wenigen Minuten bei euch. Von welchem Feind sprechen wir hier?“, hörten wir Luan im Funk.

„Organisch!“, brachte Talbot quiekend heraus, als ich ihn am Arm packte und weiterzog.

„Giovanni hatte Recht mit den Insekten!“, rief ich hinterher, als der gigantische Grashüpfer immer näherkam. Er gab ein merkwürdiges Schreien von sich, und ich zog Marcus eilig weiter durch die Blätter.

„Ihr…lauft vor einem Insekt weg?“, fragte Kaidan, der offenbar im Laufschritt unterwegs war, wenn man die beschleunigte Atmung in Betracht zog. „Habt ihr es mit Schießen versucht?“, wollte er wissen und wirkte ein wenig belustigt. Das würde ihm schon noch vergehen!

„Negativ, zu wenig Abstand!“, keuchte ich zurück, als ich Giovannis graue Rüstung zwischen den Bäumen erkannte. Einen guten Meter neben mir flirrte eine perfekt gezielte Scharfschützenkugel vorbei, die mit einem ‚Pling‘ von den metallischen Schuppen des Grashüpfers abprallte.

„Hmm“, hörte ich Luan, als wir sie erreichten. Kaidan hatte sein Sturmgewehr gezogen, und wartete einen kurzen Moment, bis ich an ihm vorbei war, bevor er den Grashüpfer mit einer panzerbrechenden Salve beschoss.

„Das tut dem überhaupt nichts!“, rief der Wächter, und erschuf einen Warpball, den er ebenfalls an mir vorbei auf das Rieseninsekt warf. Ich griff nach seinem Oberarm, als er sich immer noch nicht rührte, und zog.

„Das dachte ich mir! Lauf!“, schrie ich ihn an, damit er mir endlich folgte.

„Du bist ja so ein Schöner!“, hörte ich Giovanni, der von einem panischen Marcus am Arm gepackt und abtransportiert wurde. „Und so glänzend!“, schrie er begeistert. Luan, mit seinen verdammten, langen Beinen, rannte voraus, als Kaidan sich offenbar geschlagen gab und den Beschuss abbrach

„Und du willst wirklich, dass wir noch länger hierbleiben?!“, schrie er mich an und machte eine knappe Handbewegung nach hinten, als wir den Wald verließen.

„Auf freiem Feld haben wir keine Chance!“, rief ich nach vorne, als der Grashüpfer die Bäume ebenfalls hinter sich ließ und einen gigantischen Sprung machte. Ich zog meine Pistole und gab zwei Schüsse über meine Schulter ab, die jedoch ohne jeden Kratzer abprallten.

„Wasser!“, erkannte Luan geistesgegenwärtig, als Kaidan mich weiterzog. „In den See!“, befahl Luan, und packte Talbot am Arm, um ihn umzulenken.

„Ach ja?! Wer weiß schon, was da drinnen lauert?!“, erwiderte der Lieutenant, als wir die ersten schnellen Schritte ins Wasser machten. Die Tropfen spritzten bis über unsere Köpfe, doch der Grashüpfer wagte sich tatsächlich nicht in das kühle Nass. Das hoffte ich zumindest, denn er verharrte und wirkte ziemlich unglücklich, als er mit den langen, dürren Beinen ein paar zögerliche Schritte machte. Er ließ uns nicht aus den Augen, und als ihm auffiel, dass er uns nicht erreichen konnte, ohne nass zu werden, schrie er aufgebracht.

„Bleibt bloß zu hoffen, dass hier kein Blitz einschlägt“, kommentierte Kaidan ein wenig atemlos und nickte in Richtung der dunklen Wolken, die in der Ferne aufzogen.

„So schlimm wird’s schon nicht kommen“, erwiderte ich und gab mir Mühe, meine Atmung ein wenig zu beruhigen. Der ganz normale Einsatz mit dem Atemgerät war schon anstrengend, aber ein Dauersprint durch kniehohes, nasses Laub war nochmal was ganz anderes...


Flashback Ende



„Wie lange habt ihr in dem See gewartet?“, fragte Shepard und gab sich Mühe, beiläufig zu klingen. Nachdenklich sah ich zu Kaidan.

„Gute zwei Stunden, bis der Grashüpfer weit genug weg war, oder?“, überlegte ich, und er nickte.

„Alles klar. Liara bleibt hier! Als hätten die Dreschschlunde nicht gereicht…“, schüttelte Shepard den Kopf. Er machte eine fassungslose Handbewegung in Richtung des Standbilds, das den Grashüpfer in voller Pracht zeigte.

„Also um den müssen wir uns nicht mehr kümmern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er den Absturz aus dem All nicht überlebt hat“, beruhigte ich den Commander, doch offenbar war das nicht sonderlich erfolgreich.

„Er hat sich im Shuttledach festgebissen“, erklärte Kaidan schulterzuckend, als Shepard zu ihm sah. Er suchte offenbar nach einer Erklärung, die nicht noch mehr Fragen aufwarf, und war mit seiner Antwort daher recht unzufrieden.

„Und ihr seid gestartet…mit dem Shuttle…und diesem Ding obendrauf?“, fragte er langsam, und ich nickte vorsichtig. Shepard richtete sich auf, und ich sah die ehrliche Empörung in seinem Blick. „Und ihr beschwert euch immer noch über den Sprung mit dem Mako!“, rief er mit einer aufgebrachten Handbewegung.

„Manchmal muss man eben tun, was man tun muss“, zuckte ich mit den Schultern, als Shepard mich für einen Moment nachdenklich musterte.

„Halt, stopp…Hast du dieses Ding gemeint? Auf Omega? ‚Ein Grashüpfer hat mir das Shuttledach abgebissen?‘“, fragte er, was offenbar Kaidan auf den Plan rief.

„Wann wart ihr auf Omega?“, wollte er wissen, und lehnte sich ein wenig nach vorne.

„Lange Geschichte, kaum der Rede wert“, erwiderte ich knapp, und warf Shepard einen warnenden Blick zu. Er seufzte, und wendete sich in Richtung der Intercommikros.

„Wie lange noch, bis wir Vostok erreichen, Joker?“, fragte er nach, und der Pilot räusperte sich leise.

„Ne ganze Weile, Commander. Dreißig Stunden mindestens, schätze ich“, erklärte Joker.

„Danke“, erwiderte Shepard, und ließ seine Finger knacken. „Wir machen eine Planungsbesprechung mit dem Bodenteam, in ungefähr 28 Stunden. Liz, du gibst die genauen Koordinaten an Joker und Cortez weiter“, befahl er, und ich nickte, bevor ich aufstand.

„Befehle für mich, Commander?“, fragte Kaidan, der sich ebenfalls erhob.

„Mach dich mit der Crew und dem Bodenteam vertraut. Über den Posten des XOs sprechen wir später“, entschied der Commander, und Kaidan salutierte. Ich rollte die Augen ein wenig, bevor ich die Stufen erklomm und einen kurzen Blick zu Spanky warf, um mein Zögern zu überspielen. Mir war klar, dass Kaidan das Anrecht auf den Posten hatte und er auch ursprünglich für ihn gedacht war, aber…

„Selbstverständlich, Commander“, sprach Kaidan, als ich von dem Weltraumhamster mit den glänzenden Knopfaugen genau beobachtet wurde. Ich sah Kaidan, der mir folgte, und riss mich von dem winzigen Nagetier weg, um den Fahrstuhl zu rufen.

„Wohin?“, fragte ich, als der Major neben mir einstieg und die Arme verschränkte.

„Ganz egal“, winkte er ab, und so drückte ich auf die Holotaste des Crewdecks. Die Türen schlossen sich, und ich verschränkte ebenfalls die Arme. „Wir hätten jetzt Zeit für eine…unbedeutende, lange Geschichte?“, überlegte er laut und bemühte sich sichtlich um einen beiläufigen Ton.

„Du vielleicht. Ich muss meine Rüstung in Ordnung bringen. Und du musst sicherlich zu Karin!“, erwiderte ich, als wir das Crewdeck erreichten. Auffordernd nickte ich in Richtung der Türen, die sich öffneten, und seufzte frustriert, als er sich nicht bewegte.

„Du hast Shepard gehört. Ich soll mich mit dem Bodenteam vertraut machen. Omega wurde von Cerberus eingenommen, und jetzt bist du involviert. Da habe ich doch das Recht, mehr darüber zu erfahren, denkst du nicht?“, wollte er wissen und sah auf mich herab.

Ich legte meinen Kopf ein wenig schief.

Biss die Zähne zusammen, bis mein Kiefer ein wenig knackte.

Machte einen ziemlich herablassenden, giftigen Ton, bevor ich meine Hand ausstreckte und auf die Holotaste der Fahrstuhlsteuerung drückte.

„Du wagst es wirklich…“, brachte ich leise, aber schneidend heraus, als die Türen sich schlossen und wir zur Shuttlebucht fuhren.



„Nein, komm! Wenn du dich so wahnsinnig für meine Angelegenheiten interessierst, zeige ich dir alles, was du wissen willst!“, fauchte ich und machte eine auffordernde Handbewegung. „Komm! In mein Quartier, na los, Alenko, ich kann es kaum erwarten!“, rief ich und nahm seine Hand in meine.

„Liz, du weißt…“, fing er an, aber ich hatte keine Geduld mehr für solches Theater. Ich sah Garrus, der neben James an der Waffenmodstation stand. Ein verdammt vertrautes Scharfschützengewehr lag auf dem Tisch, und deshalb beeilte ich mich umso mehr dabei, den Major in mein Quartier zu verfrachten.

„Setz dich!“, forderte ich Kaidan auf, und deutete auf meinen Schlafsack, bevor ich ihm den Rücken zudrehte und meine kleine Frachtkiste öffnete. Ich wühlte durch meine Habseligkeiten, begegnete tatsächlich einer Unterhose, die ich eilig in eine andere Ecke stopfte und fand endlich den Schreibblock. Ich drückte Kaidan die Seiten in die Hand, die Shepard und ich beschrieben hatten. „Viel Spaß. Ich muss jetzt meine Viper retten, bevor sie kalibriert wird“, knurrte ich ein wenig, und öffnete mein Universalwerkzeug. Ich marschierte in Richtung der Waffenstation, während ich das Einsatzkameramaterial der Omegamission suchte, nahm James wortlos meine Viper ab und schickte dem Major die Videodatei.

„Ich war noch nicht fertig“, beschwerte sich der Kalifornier, als ich das Gewehr in den Waffenschacht schob.

„Hast du keine eigene Ausrüstung, um die du dich kümmern kannst?“, fragte ich vorwurfsvoll, was Garrus ein belustigtes Mandibelklacken entlockte.

„Mit der bin ich fertig“, erwiderte James. Ich öffnete meinen Spind und zog meine Rüstung heraus, um die Selbstreinigung zu aktivieren.

„Die des Commanders?“, fragte ich über meine Schulter, bevor ich meine Viper wieder mit zurücknahm.

„Auch fertig“, antwortete er und hielt mich mit einer Hand an der Schulter fest, bevor er eine fragende Nickbewegung in Richtung meines Quartiers machte.

„Kaidan ist sich nicht sicher, ob ich Cerberus nicht bei der Übernahme von Omega geholfen habe“, erklärte ich knapp, und laut genug, damit der Wächter mich hörte.

„Das hab ich nie behauptet!“, rief der Major zurück, doch er schien recht abgelenkt, als er um die Kisten herumkam. „Ich kann kein Wort von dem Gekrakel lesen…“, murmelte er und streckte den Arm aus, um es mit mehr Abstand zu versuchen. Ich klemmte mir mein Scharfschützengewehr unter den Arm, damit James es nicht wieder an sich nehmen konnte, und machte ein paar Schritte auf den Major zu.

„Shepard schreibt: ‚Oh, Liz, höre welch tragisches Schicksal die Omegastation ereilte!‘. Ich schreibe: ‚Oh, Commander, erzählet mir die Geschichte in jedweder Einzelheit!‘“, rief ich theatralisch, was mir einen fiesen Blick des Majors einbrachte.

„Verarsch mich nicht...“, murmelte er ablehnend. „Was ne Sauklaue…“, meckerte er, bevor er sich auf eine kleine Frachtkiste setzte und weiterlas. „Kannst du das Gewehr weglegen?“, fragte er nach wenigen Minuten, bevor er mir den Schreibblock zurückgab.

„Kommt drauf an, ob du mir glaubst“, zuckte ich mit den Schultern.

„Und du erschießt mich, wenn nicht?“, wollte er wissen, und nickte in Richtung des Gewehrs, als ich den Schreibblock in der Kiste verstaute.

„Auf die Distanz brauche ich keine Kugel, da erwische ich dich auch mit dem Lauf“, erklärte ich abwinkend, als der Fahrstuhl in der Shuttlebucht ankam.

„Liz!“, rief Liara aufgeregt und kam eilig auf uns zu. „Wir fliegen zu dem Artefakt!“, sprach sie begeistert, bevor sie ein wenig verharrte und zwischen Kaidan und mir hin und hersah.

„Ja, wir sind in knappen 30 Stunden dort“, nickte ich mit einem Lächeln. Skeptisch legte sie eine Hand an meinen Ellbogen, und stellte sich neben mich.

„Komm, wir sollten uns vorbereiten“, sagte sie langsam. „Leg das Gewehr weg, ich habe mit Javik einiges über die Inusannon herausgefunden“, forderte sie mich auf und zupfte ein wenig an meinem Ärmel.

„Geht nicht, sonst verkalibriert er es. Lass uns gehen“, erwiderte ich ablehnend und nickte recht grob in Richtung der Waffenmodstation.

„Keine Bewaffnung im Quartier, Lola!“, mahnte James, und ich sah aus dem Augenwinkel, das sich eine Hand in Richtung meiner Viper ausstreckte.

„Es ist ja nicht mein Quartier“, erwiderte ich und duckte mich weg.

„Es ist ein Quartier, komm mir nicht so“, schüttelte der Kalifornier den Kopf.

„Shepard hat mir ne Sondergenehmigung erteilt“, log ich schnell und beeilte mich, um Liara mit einem großen Schritt zu folgen.

„Hat er nicht!“, erwiderte der Lieutenant und verschränkte die Arme.

„Klär das mit ihm!“, rief ich über meine Schulter und folgte der grinsenden Liara in den Lift, damit er die Finger von meiner Viper ließ.

Das Scharfschützengewehr zog minimal nach oben links, genau wie meine Phaeston, aber das war auch gut so. Nicht, dass er da was dran änderte und ich beim nächsten Mal den falschen Ratsherrn erschoss…



„Wir könnten…oh, Liz, zeigst du mir, was du gesehen hast?“, fragte die Asari begeistert und saß hibbelig auf ihrem Bett, als ich mit verschränkten Armen vor ihr stand. Skeptisch runzelte ich die Stirn.

„Dieses Seelenverschmelzungsding? Lieber nicht, am Ende kommt Shepard noch auf falsche Ideen oder sowas. Das mach ich nicht nochmal mit“, lehnte ich vorsichtig ab.

„So ein Quatsch, das ist was völlig anderes! Rein platonisch, und das weißt du!“, erwiderte sie anklagend. Leise seufzte ich, als sie ihren mahnenden Finger senkte und ihren Hundewelpenblick aufsetzte.

„Liara…“, erwiderte ich heulend, als sie meine Abwehr zum Bröckeln brachte. Und bei ihrer Göttin, sie wusste genau, wie sie mich mürbe machen konnte. Mit einem erwartungsvollen, begeisterten Grinsen reichte sie mir ihre Hand und ich gab nach, bevor ich sie ergriff und mich neben ihr auf die Matratze setzte.

„Entspanne dich einfach…Umarme die Ewigkeit“, sprach sie sanft, und ich schloss die Augen, als ihre völlig schwarz wurden.

Es dauerte einen Moment.

Auf merkwürdige Weise spürte ich, wie sie nach der Erinnerung suchte. Ein Zupfen hier, ein Pochen da…

Vielleicht bildete ich es mir auch nur ein…

„Liz?“, fragte sie plötzlich, und ich öffnete vorsichtig mein linkes Auge, um nach der Asari zu spähen, bevor ich ihren verwirrten Blick sah und auch das Rechte aufmachte.

„Hats geklappt?“, wollte ich wissen, als sie auf ihrer Unterlippe herumkaute und mich nachdenklich betrachtete. „Hast du…hast du was Peinliches gesehen?“, fragte ich panisch und strich mir eilig über die Stirn.

„Nein, ich…es ist wirklich merkwürdig, ich sehe überhaupt nichts, was den Kontakt mit dem Kommunikator angeht“, zuckte sie mit den Schultern. Das erleichterte mich ein wenig, aber nicht so sehr, dass ich mich wirklich entspannen konnte.

„Hast du sowas schonmal erlebt? Liegt das an mir, oder hast du andere Erinnerungen gesehen?“, fragte ich und zupfte am Saum meines Allianz-T-Shirts. „Ist was falsch mit mir?“, überlegte ich laut, doch sie hob eine beschwichtigende Hand.

„Nein, das denke ich nicht. Alles andere war ziemlich klar“, zuckte sie mit den Schultern. „Und ich habe es mir nicht angesehen!“, betonte sie eilig, als meine Augen groß wurden. „John muss mich unbedingt mit nach unten nehmen…Es geht nicht anders, ich muss es mit eigenen Augen sehen! Stell es dir vor…Eine Nachricht, die so lange Jahre nur darauf gewartet hat, gesehen zu werden…“, träumte sie, doch meine Erleichterung hielt sich in Grenzen.

„Da musst du mit ihm sprechen, ich muss mich erstmal um Kaidan kümmern“, erwiderte ich und seufzte leise.

„Eine angespannte Situation, das stimmt… habt ihr schon über die Stellvertreterposition gesprochen?“, wollte sie wissen, und ich rollte die Augen ein wenig.

„Soll er sie haben, ich muss nicht auf dem Papier stehen“, erwiderte ich und rieb mir über die Stirn, als an der Tür geklopft wurde.

„Ist offen!“, rief Liara, und sah für einen kurzen Moment auf einen ihrer Monitore, der offenbar die Bordkamera vor ihrer Quartiertür anzeigte. Karin kam herein und schien nicht wirklich überrascht, mich hier zu finden.

„Genau die beiden, die ich brauche“, nickte sie zufrieden, und ich konnte mir das knappe Augenrollen nicht verkneifen.

„Na komm, lassen wir dich für Nodacrux fit machen“, forderte ich Liara auf und erhob mich von ihrem Bett.

„Karin, du musst mich von der Bank nehmen! Bitte!“, rief die Asari und folgte mir zu der Ärztin.

„Wenn ihr mir doch immer so begeistert auf die Krankenstation folgen würdet“, lächelte Karin zufrieden und tätschelte mir die Schulter, als ich die Augen rollte.

„Was ist eigentlich mit Kaidan? James, Garrus? Die waren bestimmt noch nicht bei dir“, kommentierte ich, als verdächtig-turianische Schritte neben dem Fahrstuhlschacht verstummten.

„Bis jetzt habe ich noch jeden erwischt, meine Liebe, mach dir da mal keine Gedanken“, erwiderte die Ärztin zufrieden und ich grinste, als ich das missmutige Mandibelklacken hörte.
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