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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
25.04.2021
155
725.182
43
Alle Kapitel
367 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.04.2021 6.114
 
Huhu!
Es geht weiter, wenn auch nur mit einem Füllkapitel, aber besser als nichts, oder? :-D
Viel Spaß beim Lesen :-)
Angel
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„Da drüben“, sprach Wrex, als wir aus dem Panzer ausgestiegen waren. Der Mantel war wenige Minuten nach unserer Abfahrt an der Anlage kollabiert und vollkommen zerstört, und vielleicht war das auch gut so.

„Was ist da?“, fragte Garrus, der die Mandibeln klackte. Ich folgte ihnen mit ein wenig Abstand und sah mich um. Wir waren zu den Hollows zurückgekehrt, wie es schien, und ich machte ein paar eilige Schritte, als Eva sich nach mir umsah.

„Mein Vater hat mich an genau dieser Stelle verraten, vor sehr langer Zeit. Seinen eigenen Sohn. Er wollte mich töten“, erklärte Wrex, und ich brachte ein kleines Lächeln zustande, als ich neben der Kroganerin verharrte. Der Klanführer deutete knapp auf sein Gesicht. „Also musste ich ihn töten, nur um zu Überleben. Dazu hat die Genophage uns gemacht, zu Tieren. Heute haben wir das geändert“, sprach er ruhig und bedeutsam, bevor er sich zu uns umdrehte. „Ihr habt das heute geändert“, verdeutlichte er mit einem Nicken.

„Von jetzt an werden wir für unsere Kinder kämpfen, nicht gegen sie“, sprach Eva feierlich und voller ehrlicher Hoffnung, doch dann senkte sie ihren Kopf ein wenig. „Es ist nur schade, dass Mordin für diesen Sieg sterben musste“, bedauerte sie.

Ich schluckte.

Wir hatten uns einen weiteren Scan auf Lebenszeichen gespart, nachdem die gesamte Mantelspitze explodiert war.

Er konnte es nicht rausgeschafft haben.

Mordin hatte seine letzte Ruhestätte gefunden, nachdem er sein Lebenswerk zu Ende gebracht hatte. Die Kroganer waren von der Genophage befreit und er konnte mit dieser Gewissheit von uns gehen.

Das sollte es einfacher machen, leichter, aber…

Es war nur der Anfang. Der erste Verlust, der so nah war…

„Er hätte es nicht anders gewollt. Und wo auch immer er jetzt sein mag, er wird ein gutes Wort für uns einlegen“, sprach Shepard und klang ruhig und gefasst, wenn man ihn nicht kannte. Doch nach all der Zeit an seiner Seite, merkte ich deutlich, dass ihn dieser Verlust nicht kalt ließ.

Ich spürte, wie sich eine Träne in meinem Auge sammelte, die ich eilig wegblinzelte.

„Wir werden ein Kind nach ihm benennen. Vielleicht ein Mädchen“, überlegte Wrex und schaffte es doch tatsächlich, mir ein kleines Lächeln auf die Lippen zu zaubern. „Sie können den Turianern ausrichten, dass wir Truppen nach Palaven schicken werden. Und wenn es zur Erde geht, werden die Kroganer an eurer Seite stehen. Ein Urdnot steht zu seinem Wort“, versprach er und schüttelte Shepard die Hand.

Plötzlich wurde mir der anstehende Abschied so richtig bewusst.

„Leben Sie wohl, Commander. Nochmals vielen Dank für alles“, bedankte sich Eva aufrichtig, bevor auch sie John die Hand reichte.

„Was habt ihr jetzt vor?“, fragte Shepard knapp und machte eine Handbewegung in Richtung des Ausgangs.

„Die neugewonnene Hoffnung verbreiten. Im Kelphic-Tal sammeln sich jetzt noch Klans, ich werde mit ihnen reden und dafür sorgen, dass dieses Geschenk nicht vergeudet wird, Commander“, versprach die Kroganerin, bevor sie ihren Blick von Garrus über James zu mir schweifen ließ, und dann zurück zu Shepard. Ein kleines Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. „Urdnot Bakara nennt euch nun voller Stolz ihre Freunde“, sprach sie feierlich.

„Das ist uns eine große Ehre“, antwortete ich mit einem Lächeln, stellvertretend, als Shepard angefunkt wurde.

„Einen Moment“, bat er, und entfernte sich ein paar Meter. Garrus räusperte sich neben mir, und reichte Wrex die Hand.

„Das ist sicherlich Cortez. Wir werden uns wiedersehen, Wrex. Danke für die Unterstützung für Palaven, ich bin mir sicher, dass ich auch im Namen des Primarchen sprechen darf“, sagte der Turianer, der sich damit ein begeistertes Schulterklopfen einbrachte.

„Den Reapern in den Arsch treten? Das lässt sich kaum ein Kroganer zweimal sagen! Halt den Kopf unten, Garrus“, lachte Wrex und ließ von dem Turianer ab.

„War nett, Red. Das mit dem Sparring steht immer noch aus“, erinnerte James den Klanführer grinsend.

„Das kannst du haben, Frischling! Aber nicht heute. Wir haben einiges aufzuholen“, sprach Wrex freudig, woraufhin Eva kopfschüttelnd seufzte. Sie würde für mich wohl auf ewig Eva bleiben, auch wenn ich ihr Vertrauen, uns ihren wahren Namen mitzuteilen, wirklich wertschätzen wollte. Sie wendete sich mit James und Garrus ein wenig ab, und ich nutzte den Moment, um ganz in Ruhe ein paar Abschiedsworte mit Wrex zu wechseln.

Schnell ging meine Hand zu meiner Rüstungstasche, bevor ich sie dem alten Kroganer reichte.

„Denk hin und wieder mal an uns, ja?“, forderte ich ihn auf, und drückte ihm die kleine Pyjakfigur fest in den Handschuh. Er runzelte die Stirn, bevor er seine Finger darum schloss und mir das winzige Spielzeug aus der Hand nahm.

„Urdnot Liz, wie könnte ich euch vergessen? Gibt nicht viele Menschen mit dreifachem Ehrentitel“, grinste er breit und betrachtete den Miniaturpyjak von allen Seiten, bevor er ihn in seine Rüstungstasche schob.

„Dreifach? Hey, für heute erwarte ich mindestens einen vierten“, erwiderte ich mit gespielter Empörung, bevor ich ihn in den Arm nahm. Hier sah uns kein anderer Kroganer, außer Eva, und sie würde das aushalten. Wrex tätschelte mir den Rücken, bevor er leise seufzte.

Er war doch weich, wenn man die äußere Schale mal geknackt hatte.

„Ich…“, räusperte er sich plötzlich, und griff in eine andere Rüstungstasche. „Habs gleich…muss hier irgendwo…“, murmelte er, und zog dann mit einem triumphierenden Lächeln eine Tube heraus. „Kein Kroganer verlässt den Klan, ohne ‘ne Tube Universalgel!“, sprach er zufrieden. Ich erwiderte seine Freude nur zu gern, und nahm das Universalgel entgegen.

„Für mich?“, fragte ich grinsend, als Eva meinen beiden Kameraden etwas über das Kelphic-Tal erzählte. „Das kann ich doch jetzt nicht einfach so für ne Panzerungsreparatur hernehmen, Wrex, das…“, murmelte ich und wog die Tube in der Hand.

„Natürlich kannst du. Der Krieg ist noch lange nicht vorbei, da ist man besser vorbereitet“, zuckte er mit den Schultern. „Ist der gute Stoff, ich kauf das Zeug seit Jahren!“, versprach er. „Das ganze andere, das billige, kann man vergessen. Trocknet nicht ganz durch oder hält nicht an der Panzerung“, winkte er ab, als Shepard wieder zu uns stieß.

„Wir werden in wenigen Minuten abgeholt. Das Oberkommando erwartet einen Bericht und es stehen bereits neue Missionen an“, teilte er uns mit und schloss sein Universalwerkzeug. „Lasst uns diesen Krieg gewinnen!“, sprach er entschlossen, und ich nickte.

„Halt den Kopf unten, ja?“, bat ich den Kampfmeister und tätschelte ihm die Schulter.

„Du auch. Das wird eine gigantische Siegesfeier, den Rausch werden wir wochenlang nicht loswerden!“, prophezeite er, was Shepard für einen Moment erstarren ließ, bevor er sich wieder fing.

„Wenn wir die Reaper wirklich besiegt haben, bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen“, nickte er mit einem ehrlichen Lächeln, bevor er eine auffordernde Handbewegung machte. Wir folgten dem stummen Befehl, und marschierten in Richtung des Landeplatzes. Ich sah mich noch ein letztes Mal zu Wrex um, bevor ich mich endgültig abwendete.

Es würde verdammt langweilig sein, auf einer kroganerlosen Normandy…



Mit einem kleinen Seufzen ließ ich mich neben James auf die Bank im Shuttle nieder und lehnte meinen Kopf an der Wand an.

„Ich bin dreimal über die Mantelanlage geflogen und hab Scans durchgeführt, gleich nachdem Sie sich gemeldet haben. Keine Lebenszeichen feststellbar“, sprach Steve leise, als Shepard zu ihm ins Cockpit ging.

„Danke. Wir haben damit gerechnet, aber…“, erwiderte John, und ich schloss die Augen. Der Abschied von Wrex hatte mich abgelenkt, doch nun…

„Man will auf Nummer sicher gehen, ich weiß“, antwortete der Shuttlepilot, bevor er das Kodiak startete. Leise räusperte sich Garrus, der uns gegenüber saß. Ich öffnete meine Augen und sah zu dem Turianer, als Shepard ebenfalls zu uns kam.

„Sein großes Ziel war es, die Genophage zu heilen. Er wusste, dass er es geschafft hat und wird Frieden finden“, sprach Garrus ruhig. Verdammt sei seine typisch-turianische Rationalität.

„Dennoch haben wir heute einen Freund verloren…einen Mitstreiter“, erwiderte Shepard und suchte den Augenkontakt mit jedem im Shuttle. „Dieser Krieg wird noch viele weitere Opfer fordern. Wenn jemand von euch Gesprächsbedarf hat, stehe ich jederzeit zur Verfügung“, versicherte er uns, und ich richtete mich ein wenig auf.

„Danke, Commander. Das Angebot kann ich erwidern“, nickte ich. Andersons Bitte, ihn zu entlasten, hatte ich nicht vergessen und ich würde mein Bestes geben, um dem Commander so viel wie möglich abzunehmen. Sei es nun irgendein organisatorischer Schnickschnack oder eben ein Gespräch mit meinen Teamkameraden.

Shepard nickte, und verschränkte dann die Arme, während er langsam im Shuttle auf und ab ging.

„Hackett hat uns bereits die nächste Mission übertragen, es geht um eine Cerberus-Jägerbasis auf Noveria. Er fordert unsere Unterstützung, um die Verteidigungsanlagen auszuschalten, damit die Basis von der Allianz übernommen werden kann“, erklärte er und rieb sich mit der Hand über den Kopf. Der Planetenstaub hinterließ einen hellen Schimmer auf seinen kurzen, dunklen Haaren.

„Ist die Allianz schon vor Ort?“, fragte James ruhig.

„Im Anflug. Der Zug wird die Basis bemannen, um uns einen strategischen Vorteil zu sichern“, nickte Shepard.

„Noveria… Da sind wir ein paar Stunden unterwegs, wir sollten die Zeit zur Erholung nutzen“, überlegte ich und warf Shepard einen eindringlichen Blick zu, als ein kleiner Ruck durch das Shuttle ging. Er antwortete mit einem etwas abfälligen Schnauben, was meine Augenbraue in die Höhe schießen ließ, was er gekonnt überging. Er nutzte den Moment und aktivierte den Türsensor, um das Kodiak zu verlassen, kaum, dass es von den Halterungsklammern erfasst wurde.

„Ich werde mich mit Victus besprechen“, schüttelte Garrus den Kopf, als ich mich von der Sitzbank erhob und dem Turianer folgte. Ich zog meine Gewehre von meiner Rückenplatte und schob sie wenige Schritte später in die jeweiligen Aufbewahrungsschächte, bevor ich die Pistole von der Halterung zog und ebenfalls verstaute.

Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als mein Blick auf die Scorpion fiel, die in meinem Maschinenpistolenschacht steckte. Ich trug das schicke, glänzend weiße Teil viel zu selten im Einsatz, aber jetzt war es wohl an der Zeit, das salarianische Spielzeug in Ehren zu halten…

„Ich will keinen von euch auf die Krankenstation schleppen müssen, also haltet euch bitte dieses Mal an die Untersuchungspflicht“, sprach Shepard, der bereits seine Rüstung in den Spind verfrachtete.

„Zu Befehl“, antwortete ich knapp, als er Garrus einen mahnenden Blick zuwarf.

„Das gilt auch für dich“, verdeutlichte er in Richtung des Turianers, der recht ablehnend mit den Mandibeln zuckte, dann aber mit einem knappen Nicken nachgab. „Ich bin im Kommraum“, meldete Shepard sich ab, und marschierte in Richtung des Lifts, unter unseren skeptischen Blicken. Die Türen hatten sich noch nicht ganz geschlossen, als James sich räusperte.

„Er arbeitet sich auf“, kommentierte er und schlüpfte aus der Oberkörperpanzerung. Er verzog das Gesicht ein wenig, aber das übergingen wir großzügig.

„Er schläft schlecht…Albträume“, nickte ich und öffnete die Schlösser an meiner rechten Schulterplatte.

„Wer hat die nicht?“, murmelte Garrus neben mir, als ich meinen Arm aus der Panzerung zog und ein etwas ekliges Knacken durch die totenstille Shuttlebucht hallte.

„Wow…das ist so viel besser“, seufzte ich erleichtert. Der Turianer warf mir einen skeptischen Blick zu, bevor er unbeeindruckt mit den Mandibeln klackte.

„Bringen wir es hinter uns?“, fragte er und nickte in Richtung der Krankenstation, die zwei Ebenen über uns lag.

„Willst du es ihr wirklich so leicht machen?“, erwiderte ich mit gerunzelter Stirn und war kurz davor, einen Plan zu schmieden, um der verhassten Untersuchung zu entgehen, als ein wenig hilfreicher James an meine Schulter drückte. „Ja, ist gut, lasst uns gehen“, gab ich mich murmelnd geschlagen.

„Direkt hinter dir“, nickte Garrus, und ich brachte ein kleines, schwaches Grinsen zustande.

Wie in alten Zeiten“, zitierte ich ihn triezend, und folgte dem Lieutenant in den Fahrstuhl.



Wir schafften es nicht direkt bis zur Krankenstation, auch wenn der Weg dorthin nicht wirklich weit war.

„Ah, Vakarian. Haben Sie Zeit für eine Besprechung?“, fragte Primarch Victus, kaum, dass wir den Lift verlassen hatten. Eilig klickte Garrus mit den Mandibeln, bevor er nickte.

„Selbstverständlich, Sir“, erwiderte er bereitwillig, und schob mich aus dem Weg, damit er diese Chance nutzen konnte, um Karins Untersuchung zu entgehen.

„Glück gehabt, Scars“, schüttelte James den Kopf, als Liara zu uns kam.

„Liz? Ich habe Informationen zu der Cerberusstation auf Noveria. Hast du einen Moment?“, fragte die Asari, und ich brachte ein Grinsen zustande.

„Ja, natürlich!“, versicherte ich ihr, tätschelte James die Schulter, und folgte der Archäologin.

„Lieutenant, gut, dass ich Sie hier treffe“, hörte ich Reporterin Allers, als ich den Fahrstuhlschacht umrundete. „Der Commander ist verhindert, Sie haben doch bestimmt Zeit, um mir ein paar Informationen zu geben? Die Genophage heilt man ja nicht alle Tage“, sprach sie, und ich rollte die Augen. Vorbei war die kurze Euphorie, Karin noch ein wenig umgehen zu können…



„EDI hat Scans durchgeführt, um das Landungsschiff genauer zu analysieren, sie gibt die Ergebnisse auch an die Turianer weiter“, sprach Liara, als wir ihre Kommandozentrale erreichten. Nebeneinander setzten wir uns auf ihr Bett.

„Sehr gut. Was gibt’s zu Noveria?“, nickte ich und nahm ihr das Datenpad ab, das sie mir reichte.

„Cerberus hat den strategischen Vorteil, sie haben sich ordentlich verschanzt und eine große Jägerstaffelbasis errichtet. Durch die Luftabwehrgeschütze kann kein Frontalangriff gewagt werden. Hier, schau, Hackett hat sämtliche Informationen geschickt, ich habe euch eine Route geplant und sie schon mit Cortez abgesprochen“, erklärte Liara und ich nickte langsam, während ich mir die Einsatzpläne und Grundrisse auf dem Datenpad ansah.

„Das ist ne große Basis, jede Menge Personal“, stellte ich fest, bevor ich in die erwartungsvollen Augen der Asari blickte. „Und du gibst das mir, nicht Shepard“, fuhr ich fort und legte den Kopf ein wenig schief.

„Er schläft nicht. Also, quasi überhaupt nicht. Er hat immer gesagt, dass wir erst die Kroganer und die Turianer sicher auf unserer Seite haben müssen, aber…“, sprach die Asari kopfschüttelnd.

„Das ist eine Standartmission, das bekommen wir auch ohne ihn hin“, nickte ich zuversichtlich. „Wenn du es schaffst, ihn lange genug auszuknocken“, stellte ich klar und deaktivierte das Datenpad, bevor ich es ihr reichte.

„Das lass mal meine Sorge sein, ich hab schon eine Idee“, nickte sie, und ich hob eilig die Hände.

„Ja, das glaub ich sofort. Mehr muss ich darüber aber nicht wissen“, versicherte ich der Asari, die deutlich sichtbar erblaute. Mit einem leisen Seufzen fuhr ich mir durch die Haare. „Mordin war ein guter Freund. Er hat ihn als erstes rekrutiert, nachdem er Tali auf Freedoms Progress getroffen hat, er war neben Joker der Einzige, der nicht zu Cerberus gehört hat“, murmelte ich leise.

„Und Karin“, erinnerte mich Liara.

„Ja, aber die muss ich gerade ausblenden“, zwinkerte ich, bevor ich leise seufzte. „Mordin stand ihm nahe, auf eine ganz besondere Weise. Ihn zu verlieren, hat ihn getroffen, auch wenn er das nie zeigen würde, aber man sieht es, wenn man ihn besser kennt“, sprach ich, ohne meinen Blick von der Stahlwand gegenüber reißen zu können.

„Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, er ist direkt in den Kommraum marschiert…Das kann nicht gesund sein…“, schüttelte Liara den Kopf.

„Ist es auch nicht“, stimmte ich ihr zu und tätschelte ihr Knie. „Ich übernehme Noveria, das gibt ihm Zeit, sich um alles andere zu kümmern. Oder um vielleicht wirklich mal zu schlafen“, versprach ich der Asari, als sich die Tür öffnete.

„Ich habe…“, sprach Javik, bevor er mich sah. Er verharrte neben den vielen Monitoren, als ich mich erhob.

„Sie gehört ganz dir, Javik“, nickte ich und machte ein paar Schritte auf ihn zu, als mir etwas einfiel. „Was halten Protheaner von Kälte? Macht euch das was aus?“, fragte ich und sah genau, dass er die Augen rollte. Ich überging es gekonnt. „Also nicht. Gut zu wissen“, sprach ich mit einem knappen Kopfschütteln, bevor ich weitergehen wollte. Er räusperte sich, als ich direkt neben ihm war und hob eine Hand. Für einen kurzen Moment sah er zu Liara, bevor er seine Stimme hob.

„Der Salarianer war…versiert auf seinem Fachgebiet“, sprach er ruhig.

„Ja, das war er“, erwiderte ich knapp und wusste nicht genau, worauf er hinauswollte.

„Sein Tod ist ein Verlust für diesen Krieg. Doch es wäre falsch, sich am Schicksal eines Soldaten festzuhalten, wenn der Kampf gegen die Reaper noch so viele mehr fordern wird“, klärte er mich auf.

„Das ist mir klar“, nickte ich abweisend, bevor ich kurz durchatmete. „Dennoch bedanke ich mich für die Anteilname“, sprach ich ein wenig sanfter, und nun war es an mir, in Liaras Richtung zu sehen. Sie lächelte zufrieden, und das genügte mir. Ich nickte zum Abschied, bevor ich mich auf den Weg zur Krankenstation machte.



„Mir fehlt nichts, ich leg mich unten hin!“, rief ich eilig in den Türspalt, der sich öffnete.

„Das glaubst du doch selbst nicht!“, rief die Stimme der Ärztin mir entgegen. Das Augenrollen verkniff ich mir nicht, und betrat sie Krankenstation.

„Keine Schussverletzungen, keine Verätzungen, nichts“, versicherte ich ihr und verharrte, als ich ihr ins Gesicht sah. „Alles gut?“, fragte ich skeptisch und ließ mich ihr gegenüber auf den Sessel sinken, als mir ihre geröteten Augen auffielen.

„Natürlich, es ist nur… Mordin ist ein großer Verlust…er wird mir fehlen, das ist alles…“, sprach sie schnell. Ich nickte auffordernd, und sie fuhr fort. „Er ist mir schon zu Cerberuszeiten ans Herz gewachsen, weißt du? So ein brillanter Kopf! Er wusste für eine halbe Stunde von Jokers Vroliksyndrom, bevor ich einen ersten Behandlungsvorschlag auf dem Tisch hatte. Es hat vielleicht zwanzig Minuten gedauert, nachdem ihr Thane rekrutiert habt, bevor er zu mir kam und sich über mögliche Heilungswege unterhalten wollte. So selbstlos, so…“, sprach die Ärztin mitgenommen, bevor sie seufzte und ihr Universalwerkzeug öffnete. „Vega hat etwas von deiner Schulter gesagt, zeig her“, forderte sie mich auf, und ich verengte die Augen.

James…“, knurrte ich und gab mich dennoch geschlagen. Dafür würde ich ihn für die Noveriamission auf die Bank setzen…



„Es wäre eine Idee!“, stimmte ich der Ärztin zu. Nach einer kurzen, recht ergebnislosen Untersuchung hatten wir uns anderen Themen zugewandt.

„Aber wir können nicht jedes Mal zur Citadel fliegen, wenn…“, warf sie ein und unterbrach sich selbst.

„Wenn jemand stirbt, den wir kennen und auf der Gedenktafel verewigen wollen“, stimmte ich zu, wenn auch zögerlich.

„Das klingt irgendwie makaber“, schüttelte die Ärztin den Kopf, aber ich fand die Idee wirklich gut. Auf der Gedenktafel gegenüber des Fahrstuhls waren die Namen der Opfer des Normandyabsturzes verewigt, dazu kamen noch Ash und Jenkins.

„Schon, aber…es wäre eine schöne Idee. Eine nette Geste“, sagte ich mit einem kleinen Lächeln. „So hätten wir sie immer ein wenig bei uns“, murmelte ich, als sich die Tür zur Krankenstation öffnete.

„Ernste Gesichter…Das bedeutet nichts Gutes?“, sprach Garrus, der ein wenig zögerlich hereinkam.

„Ach was…wir haben nur besprochen, wie wir dich nach Noveria wieder auftauen können“, winkte ich ab, bevor ich aufstand. Garrus klackte mit den Mandibeln und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Turianer mögen keine Kälte. Das bedeutet nicht, dass ich sie nicht aushalte“, stellte er klar, als ich ihm im Vorbeigehen auf die Schulter klopfte. „Shepard bespricht sich oben mit dem Primarch. Ich hab ihm gesagt, dass wir das hier im Griff haben und er sich ausruhen soll, aber…“, sprach er, als Karin ihr Universalwerkzeug schon aktivierte, um einen Scan durchzuführen.

„Hoffnungslos, ich weiß. Ich hab Liara drauf angesetzt, vielleicht fesselt sie ihn ja ans Bett“, zuckte ich mit den Schultern, bevor ich wieder ernst wurde. „Wenn er vor Noveria wieder wach ist, überlasse ich ihm die Entscheidung, ob er hier oben bleibt. Wenn nicht, gehen wir ohne ihn runter. Er muss fit bleiben, wir können im Bodenteam rotieren, aber er nicht.“, teilte ich meinen Plan mit dem Turianer.

„Das wird ihm nicht gefallen“, erwiderte er mit einem nachdenklichen, skeptischen Mandibelklacken.

„Was, das mit dem Bondage? Vielleicht kommt er ja auf den Geschmack“, zuckte ich mit den Schultern, nickte Karin zu, und verließ die Krankenstation, um in der Küche etwas Essbares zu erjagen. Und ein paar Biotikkapseln…



Eine Dusche, drei B-Kapseln und einen Teller lauwarme Spaghetti später, öffnete ich die Tür zum Cockpit. Joker sah an seiner Rückenlehne vorbei nach hinten, bevor er sich wieder auf die Monitore vor ihm konzentrierte.

„Liara war grad hier oben, wir brauchen noch knappe sieben Stunden bis Noveria. Dir ist schon klar, dass Shepard mich auch umbringt, wenn ich zu viel weiß und ihm nichts sage?“, gab er mir zu bedenken, aber ich machte eine abwehrende Handbewegung.

„Stell dich nicht so an, wir brauchen Shepard für wichtigere Missionen“, erwiderte ich und ließ mich auf den Copilotensessel nieder. „EDI?“, fragte ich nach dem Verbleib des synthetischen Körpers der KI.

„Im KI-Kern. Sie hat mit der turianischen Hierarchie und der Allianz Kontakt aufgenommen und teilt sämtliche Analysepläne, was die Reaperlandungsschiffe angeht“, erklärte er knapp. „Eigentlich brauchen wir nur ne Kanone, die Dreschschlunde verschießt. Frag Garrus doch mal, ob er da was kalibrieren kann“, witzelte der Pilot.

„Und wo lagern wir die ganzen Dreschschlunde, bis wir sie abschießen können?“, wollte ich skeptisch wissen.

„Da machen wir uns Gedanken drüber, wenns soweit ist“, winkte er ab und steuerte auf das Massenportal vor uns zu. Es würde uns von der Kroganischen DMZ weg und näher an den Pferdekopfnebel bringen, damit wir Noveria erreichen konnten. „Aber ehrlich mal, gib mir nen Ausweg. Rein theoretisch, ihr seid im Einsatz, Cortez auf Abruf irgendwo außer Reichweite, und Shepard wacht auf. Was dann?“, wollte er wissen.

„Wenn du noch lauter rumbrüllst, werden wir das nie erfahren“, fauchte ich ein wenig, als sich plötzlich die Tür öffnete. „Shepard! Was für eine Überraschung!“, rief ich ein wenig ertappt und räusperte mich, als ich Jokers resignierten Blick sah. „Ich meine natürlich, Commander Shepard, können wir Ihnen helfen?“, fragte ich mit gezwungen ruhiger Stimme. Er hob eine Augenbraue, aber damit konnte er auch nicht von seinem müden Gesicht und den Augenringen ablenken.

Meine Entscheidung stand fest. Ich würde nach der Kletterausrüstung in den Notfallkisten suchen, Liara einige Meter Kletterseil in die Hände drücken, ein paar einschlägige Links für sie heraussuchen und dann würden wir Noveria auch ohne Shepard auf die Reihe bekommen.

Für einen Moment fiel mein Blick auf seine Bartstoppeln. Der Grauschimmer war weitaus deutlicher, als vor Tuchanka, aber er konnte es tragen. Da würden auch ein paar mehr graue Haare nicht auffallen.

„Ich wollte nur nach dem aktuellen Status fragen“, sprach Shepard langsam und sah skeptisch zwischen uns hin und her. „Wann erreichen wir Noveria, Joker?“, fragte er den Piloten, nachdem er kurz den Kopf geschüttelt hatte.

„In ungefähr neun Stunden, Sir“, erwiderte der Flight Lieutenant und log, ohne rot zu werden, bevor er sich eilig auf das Portal konzentrierte, um uns sicher durchzulotsen.

„Genug Zeit für ein wenig…Schlaf?“, warf ich ein und erhob mich. „Ich für meinen Teil bin sehr müde. Und weiß, dass nur ein ausgeruhter Soldat ein guter Soldat sein kann“, sprach ich eindringlich, als ich an dem Commander vorbeiging. „Wir sollten jede Gelegenheit nutzen, um fit zu bleiben. Aber das muss ich Ihnen sicherlich nicht sagen, Commander Shepard, Sir“, redete ich vor mich hin, als Joker sich räusperte.

„Liz?“, hörte ich ihn, und verharrte direkt neben John, der mich skeptisch betrachtete.

„Ja?“, fragte ich, ohne den Blickkontakt zum Commander zu unterbrechen.

„Halt die Klappe“, bat der Pilot, und ich hob eilig meine Hand zu einem Salut.

„Zu Befehl“, erwiderte ich, und drückte eilig auf den Türsensor. „Gute Nacht“, wünschte ich, bevor ich den ungeordneten Rückzug antrat. Ich kam an Traynor vorbei, und stieß nur wenige Meter später beinahe mit Garrus zusammen.

„Er ahnt was“, teilte ich ihm mit.

„Natürlich tut er das“, nickte er, und sah an mir vorbei in Richtung des Cockpits.

„Liara muss ihn ruhigstellen…Meinst du, wir kriegen Karin dazu, ihm was ins Essen zu tun?“, überlegte ich, was mir ein sehr vorwurfsvolles Mandibelklacken einbrachte.

„Vielleicht solltest du dich auch auf die Ohren legen“, überlegte der Turianer und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Auf beide gleichzeitig? Das wird kompliziert“, erwiderte ich, als sich das Bild einer ziemlich verknoteten Liz vor meinem inneren Auge aufbaute.

„Hast du wieder was von meinem Essen gegessen?“, fragte Garrus vorwurfsvoll, als Shepard aus dem Cockpit kam.

„Nein! Wie kommst du auf sowas?“, erwiderte ich empört. Der Commander näherte sich und nickte Traynor zu, bevor er sich uns zuwendete.

„Ich lege mich hin. Weckt mich sofort, wenn etwas ist. Das ist ein Befehl“, forderte er eindringlich, und ich nickte schnell.

„Selbstverständlich, Commander“, versprach ich, und auch Garrus nickte zustimmend, sodass der Commander in den Fahrstuhl stieg und zu seinem Apartment nach oben fuhr.

„Und er ist…weg. Schnell, zu Joker!“, forderte Garrus mich auf, und joggte los.



„Okay…Hiermit ist die Planungsphase für Mission ‚Shepard schläft‘ offiziell eröffnet“, verkündete ich theatralisch.

„Ich hab ihm gesagt, dass wir Noveria erst in neun Stunden erreichen. Das gibt uns einen Vorsprung“, teilte Joker den anderen mit.

„Sehr gut und wirklich schlagfertig, das muss ich sagen“, lobte ich den Piloten.

„Wir haben zugesagt, ihn zu wecken, wenn ‚etwas ist‘. Solange also nichts ist, müssen wir ihn nicht wecken“, warf Garrus ein und erklärte die Situation mit ein paar Handgesten.

„Und ‚etwas‘ ist immer Auslegungssache. Ihn wecken, weil wir Noveria erreichen oder ihn wecken, weil Wrex wieder was aus dem Fluxmagazin im alten Normandyverteiler geschickt hat? Woher sollen wir das wissen?“, zuckte Liara mit den Schultern.

„Genau. Er hat sich nicht eindeutig ausgedrückt, da können wir nichts machen“, stimmte ich ihr zu und fixierte Joker mit meinem Blick. „EDI?“, fragte ich den Pilot.

„Weiß Bescheid, wird kein Wort sagen und hat den Wecker des Commanders erfolgreich überbrückt“, nickte Joker zufrieden, als Javik neben mir langsam den Kopf schüttelte.

„Den kommandierenden Offizier unterwandern. Das ist Verrat. Meuterei“, sprach er skeptisch.

„Bist du jetzt der Avatar der Gesetzestreue?“, fragte ich mit erhobener Augenbraue, was mir ein genervtes Knurren einbrachte. „Wir tun ihm damit einen Gefallen“, erinnerte ich den Protheaner eindringlich.

„Ich könnte die Sicherheitsprotokolle überbrücken und ihn im Loft einsperren“, überlegte Liara. „Dann müssen wir ihn nicht fesseln. Das klingt ein wenig…rabiat“, wehrte sie mit einer knappen Handbewegung ab.

„Von ‚wir‘ war nie die Rede, meine Liebe“, erinnerte ich die Asari, die ganz dunkelblaue Wangen bekam.

„Was machen wir mit James?“, wollte Garrus wissen. „Er könnte uns auffliegen lassen“, überlegte er skeptisch.

„Er hat mich bei Karin verpetzt, außerdem hab ich auf ihrem Computer irgendeine Notiz neben seinem Namen gesehen, er bleibt hier“, erwiderte ich mit einer ablehnenden Handbewegung. Garrus linke Mandibel zuckte ein wenig.

„Wird er auch gefesselt?“, grinste er plötzlich, was mir eine Augenbraue in die Höhe trieb.

„Wenn du da so nen Spaß dran hast, stehe ich dir nicht im Weg“, zuckte ich mit den Schultern. „Ist nur die Frage, was Tali davon hält“, warf ich noch ein, wofür er mir gegen die Schulter schlug.

„Dann muss Allers ihn irgendwie ablenken“, schlug der Turianer vor.

„So sei es…“, nickte ich zufrieden, wenn auch ein wenig zähneknirschend, als Joker sich ächzend erhob.

„Alles klar… wer weiht Steve in den Plan ein?“, wollte der Pilot wissen.

„Überlasst ihn mir, das krieg ich hin“, winkte ich ab und stand ebenfalls auf.

„Dann steht der Plan. Wir halten hier oben die Stellung, und ihr drei geht mit EDI runter“, fasste Liara zusammen und deutete erst auf Joker und dann auf sich selbst.

„Wunderbar. Ziehen wir es durch“, sprach ich zufrieden, und folgte Joker nach draußen.



„Steve?“, fragte ich wenige Minuten später, als ich die Shuttlebucht erreicht hatte. Er schraubte an den Antrieben des Kodiak herum und befestigte einen neuen Stabilitätsdämpfer.

„Liz?“, erwiderte er und sah sich zu mir um. Er schloss sein Universalwerkzeug und wischte die rechte Hand an seiner Hose ab.

„Wir erreichen Noveria in ungefähr sechs Stunden. Sogar Shepard hat sich schlafen gelegt, komm, wir brauchen dich in Bestform“, forderte ich ihn auf. Er sah auf die Uhr seines Universalwerkzeugs und seufzte.

„Ja, du hast vielleicht Recht“, nickte er langsam.

„Eigentlich sogar fast immer, wenn ich so drüber nachdenke“, stimmte ich ihm mit einem schiefen Grinsen zu, und begleitete ihn ein paar Meter in Richtung des Lifts. „Gute Nacht“, wünschte ich ihm noch, bevor ich mich meiner Bewaffnung zuwendete.

Es wäre wohl besser, ihn erst kurz vor unserem Abflug zu überrumpeln.

Je mehr Leute eingeweiht wären, desto schwieriger wäre es, den Plan durchzuführen...



„Hey, Lola“, nickte James mir zu, als er aus dem Lift kam. Ich hatte gerade die Selbstreinigung meiner Rüstung aktiviert, und da wir es dieses Mal nur mit dem Planetenstaub zu tun bekommen hatten, war die Reinigung ziemlich schnell abgeschlossen.

„James“, grüßte ich zurück und trug meine Gewehre zum Tisch.

„Was sagt der Doc?“, fragte er fast schon beiläufig und zog seine eigene Panzerung aus dem Spind.

„Nichts tragisches, paar blaue Flecken“, erwiderte ich knapp. „Und bei dir?“, wollte ich wissen. Es wäre zu auffällig gewesen, auf Karins Computer nachzulesen, was sie bei ihm notiert hatte…

„Einer von den Großen hat mich erwischt, ich werds überleben“, zuckte er mit den Schultern und deutete knapp auf seinen Rücken.

„Dann ists gut“, erwiderte ich ruhig und zog den Druckluftschlauch hervor, um den Staub aus der Viper zu bekommen und tropfte dann ein wenig Öl in das Verteilerloch. Garrus stieß zu uns, und begann ebenfalls, seine Bewaffnung zu reinigen. Ruhe kehrte ein, die nur hin und wieder durch eine abgelegte Waffe oder das leise Surren des Druckluftschlauchs unterbrochen wurde.

James holte die Bewaffnung des Commanders aus den Aufbewahrungsschächten, um sie ebenfalls sauber zu machen und zu warten, während ich mein Universalwerkzeug mit der Rüstung des Commanders verband, um die Selbstreinigung zu starten.

Garrus warf einen Blick auf die Uhr, und verabschiedete sich mit einem knappen Nicken.

Ich verfrachtete sowohl meine, als auch die Rüstung des Commanders in die Spinde, und nahm James dann die Black Widow ab, während er die Hurricane und die Eagle verstaute. Die gigantische Hydra lag noch auf dem Wartungstisch, aber damit würde ich mich nicht mehr befassen. Es waren noch 6 Stunden bis Noveria, und ein wenig Schlaf würde wirklich nicht schaden.

„EDI, Weck uns ne Stunde vor Ankunft“, befahl James, als er Shepards schwere Waffe aufräumte.

„Zu Befehl, Lieutenant Vega“, antwortete die KI pflichtbewusst, als ich den Tisch umrundete.

„Gute Nacht“, wünschte ich mit einem Gähnen, und verschwand in meinem Quartier.

„Dir auch“, erwiderte James, als ich mich auszog und in meinen Schlafsack schlüpfte. Ich zog Blasto zum mir heran und schob ihn mir unter den Kopf.

Ich gab mir Mühe.

Atmete bewusst.

Bewegte mich nicht.

Schloss die Augen.

Doch egal wie sehr ich mich auch nach dem Schlaf sehnte… er blieb hartnäckig fern. Leise seufzte ich und drehte mich auf die andere Seite. Winkelte die Beine an, streckte sie nach wenigen Minuten wieder aus, drehte mich auf den Rücken…

Frustriert schob ich Blasto weg und holte ihn nur wenig später an einem Bein zurück, als mir ein Gähnen entkam. Müde sah ich auf meine Uhr und schloss wieder die Augen.



„Ah, Liz. Weiblicher Mensch. 26 Jahre. Stammt von der Erde. Biotische Veranlagung. Temporär minimal dehydriert, schlage die Einnahme von Wasser oder anderen nontoxischen, levobasierten Liquiden vor“, sprach eine Stimme.

Ich machte einen Schritt nach vorne und spürte den weichen Sand zwischen meinen nackten Zehen. Vor mir rauschte der blaue Ozean, unendlich weit und irgendwie…künstlich. Falsch. Etwas stimmte hier nicht...

„Mordin? Wo sind wir?“, fragte ich vorsichtig.

Der Sand war zu weiß, zu perfekt.

Das Meer zu türkis, zu klar, zu blau…Die Wellen zu gleichmäßig.

Die Palmen wirkten beinahe künstlich, und der sanfte Wind, der die Blätter bewegte, fühlte sich auf merkwürdige Weise ganz exakt genau richtig an.

„Keine Ahnung. Muss Nachforschungen anstellen. Gefällt mir nicht, keine Ahnung zu haben, werde herausfinden, wo wir sind“, erwiderte der Wissenschaftler, als ich näher kam.

„Das sind… wirklich schicke Badeshorts“, zuckte ich mit den Schultern. Ich hätte nicht gedacht, dass das türkise Hawaiimuster so mit der pinken Federboa harmonieren würde, aber er konnte das echt tragen.

„Einzige Ausrüstung! Alles andere ist verschollen. Keine Laborgeräte, keine Tests, kein Heilmittel“, sprach er eilig und kletterte an einer Palme nach oben. „Schnell! Kann Petrischalen aus Kokosnüssen extrahieren! Muss es rückgängig machen. Es wurde ein Fehler gemacht…“, murmelte er eilig und warf drei perfekte Kokosnüsse in den Sand, bevor er hinterhersprang.

„Du hast es geschafft, Mordin. Die Genophage wurde geheilt, es ist okay“, versicherte ich ihm, als der gleiche Vogelschwarm zum vierten Mal links von uns vorbeiflog.

„Genophage? Nein. Rachni waren wichtig. Bekämpfung war ein Fehler, könnten jetzt beim Bau des Tiegels helfen…Muss die Auslöschung rückgängig machen!“, erwiderte der Salarianer, nahm einen perfekten, symmetrischen Stein und öffnete damit eine der Kokosnüsse.

„Was? Nein, Mordin, das ist ne ganz schlechte Idee!“, rief ich panisch, und riss ihm den Stein aus der Hand.

„Problematisch, ja. Dürfen nicht zulassen, dass die Mission scheitert“, erwiderte er stur, und griff nach einer weiteren Kokosnuss. „Klonen einfachste Möglichkeit. Brauche DNA einer lebenden Rachni“, stellte er fest, als ich langsam den Kopf schüttelte.

„Mordin… Ruh dich aus, es ist okay. Du kannst loslassen, dich ausruhen“, versprach ich ihm langsam und eindringlich. Er betrachtete mich mit seinen großen, dunklen Augen, bevor er schnell blinzelte.

„Ja…Ruhe, Entspannung. Richtig“, fiel ihm offenbar ein, als ich ihm ein paar Meter den Strand entlang folgte. Er setzte sich und nahm eine Hand voll Sand, die er sich langsam durch die Finger rinnen ließ.

Die Sonne ging unter, als ich neben ihm Platz nahm.

Wundervoll“, sprach Mordin ruhig, als der Himmel vor uns in tiefrotes Licht getaucht wurde. Die Sonne spiegelte sich im Ozean, als sich plötzlich eine Hand auf meinen Mund legte und ich hochgezogen wurde.



Leise“, wurde ich angefaucht, als ich panisch an den unnachgiebigen Arm griff, der mich um den Oberkörper gepackt hatte. Ein Fiepen entkam mir, als sich die Hand endlich von meinem Mund löste und ich den Protheaner erkannte.

„Javik?“, fragte ich verwirrt, als er mich endgültig losließ.

„Der Turianer weckt den Shuttlepiloten. Die KI ist hier“, erklärte er und als ich mich ein wenig umdrehte, erkannte ich EDI ein paar Meter weiter hinten.

„Lieutenant, Jeff gab mir den Befehl, nur das ausgewählte Bodenteam zu wecken“, sprach sie zufrieden, als ich eilig nach dem Schnarchen zwei Kisten weiter lauschte.

Psst!“, fauchte ich eilig, als ich für einen Moment nichts hörte, und griff ein wenig peinlich berührt nach meiner Unterkleidung. Verdammt sei der Protheaner mit seinen lautlosen Schritten…Aber wenigstens hatte er James nicht geweckt, was mir das laute Schnarchen deutlich zeigte. „Ist Joker auf Position?“, fragte ich leise, und EDI nickte eindeutig.

„Wir sollten die Missionsbereitschaft herstellen“, mahnte Javik, als der Lift ankam.

„Liz?“, fragte Steve, der mit Garrus in die Shuttlebucht kam. Eilig hob ich einen Finger an die Lippen.

„Leise!“, warnte ich und machte ein paar schnelle Schritte auf ihn zu. „Befehl von mir, wir gehen runter, ohne dass Shepard was mitbekommt. Er braucht ne Auszeit, ich nehm das alles auf Garrus‘ Kappe“, versicherte ich ihm, was mir einen harten Schlag gegen meine Schulter einbrachte.

„Du hattest die Idee dazu!“, fauchte der Turianer, der leise seinen Spind öffnete. Javik rollte alle vier Augen, als Liara aus dem Wartungsschacht kletterte und zu uns in die Shuttlebucht kam.

„Seid ihr bereit?“, fragte die Asari, und ich musste für einen Moment meinen Kopf schütteln.

„Das ist so verrückt…“, murmelte ich, bevor ich nickte und meine Rüstung aus dem Schrank holte.

„Es ist das Richtige. Ich lenke John ab, wenn er früher wach wird, keine Sorge“, versprach sie.

„Danke, Liara“, nickte Garrus, der bereits nach seiner Bewaffnung griff.

„Wir machen uns im Shuttle fertig, um mehr Geräuschentwicklung zu vermeiden“, befahl ich leise und nickte auffordernd in Richtung des Kodiak.

„Seid ihr alle völlig durchgeknallt?“, fragte Steve, der sich keinen Meter rührte. „Shepard ist unser Vorgesetzter, ihr könnt ihn nicht einfach so hintergehen!“, beschwerte er sich, blieb aber wenigstens leise.

„Wir fliegen mit dir, oder ohne dich. Aber dann kann ich nicht garantieren, dass das Shuttle überlebt“, mahnte ich, was ihn zu einem Augenrollen verleitete.

„Ich übernehme dafür keine Verantwortung“, schwor er eindringlich, bevor er kopfschüttelnd die Panzertür öffnete. „Und du überschätzt James‘ Schlaftiefe, wenn du denkst, er bekommt den Shuttlestart nicht mit“, grummelte er.

„Du hast Recht“, nickte ich. „Ich schreib ihm nen Zettel, einen Moment“, bat ich und legte meine Ausrüstung neben die Sitzbank im Kodiak, bevor ich in mein kleines Quartier lief. Leise, versteht sich. Eilig zog ich meinen Notizblock aus meiner Frachtkiste, suchte im Dunklen nach meinem Kugelschreiber, und schrieb los.

‚Wir übernehmen Noveria! Shepard und du habt frei, genießt die Zeit und gönn deinem Rücken ne Pause.
-Lola‘




Zufrieden riss ich das Papierstück von dem Block und schlich mich zu dem Lieutenant Commander. Ich platzierte den Zettel einen knappen Meter vor seinem Feldbett, damit er ihn nicht übersah, und huschte eilig zum Shuttle zurück.

„Viel Erfolg, passt auf euch auf“, bat Liara und tätschelte mir mit einem Lächeln die Schulter.

„Machen wir. Geh am Besten zu Joker nach oben, dann hast du alle Bordkameras im Blick und kannst Vega umgehen“, riet ich der jungen Wissenschaftlerin, bevor ich zu meinen Kameraden ins Shuttle stieg und in die Noveriamission startete...
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