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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
25.04.2021
155
725.182
43
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16.11.2019 4.595
 
Flashback 62, Boden-Weltraum-Kanonenanlage, Tuchanka, Aralakh-System, Kroganische DMZ, Perspektive von Staff Commander John Sullivan Shepard, gute 30 Minuten zuvor


„Geschütz ausschalten! Javik! Leg den Techniker um, bevor er noch eins aufstellt!“, forderte ich und wischte mir mit dem Handschuhrücken über die Stirn.

Es war verdammt warm hier unten, und der Staub, der sich mit dem Schweiß mischte, machte das nicht viel besser. Leise knackte das Funkgerät, als es eine Verbindung aufbaute.

„Shepard, hier Liz“, hörte ich den Lieutenant. Komisch. Die konnten doch wohl unmöglich schon das ganze Gebiet durchquert und den Zug erreicht haben? Das würde ich mir ja ewig anhören!

„Hier Shepard, was ist los, seid ihr etwa schon fertig? Wir sind nicht mal an der Steuerungskonsole!“, antwortete ich mit einem etwas empörten Unterton, den ich mir nicht verkneifen konnte.

„Was gibt’s bei den anderen?“, fragte James, der gerade zu mir nachgerückt war. Die Stille im Funk dauerte mir zu lange.

Gerade, als ich nachfragen wollte, fing Liz wieder an zu sprechen, und ich hörte schon beim ersten Wort an ihrer Stimme, dass etwas nicht in Ordnung war.

„Nein. Commander… Liara wurde von einem Marodeur angeschossen. Ich…“, sprach sie, und mir gefror das Blut in den Adern.

Für einen kurzen Moment vergaß ich das Gefecht um uns herum und wäre später dankbar, dass James neben mir Position bezogen hatte.

Es dauerte einen Sekundenbruchteil, der mir wie eine Ewigkeit vorkam, bevor ich etwas erwidern konnte. Wut kochte in mir hoch, als mir ihre Worte und deren Bedeutung wieder und wieder durch den Kopf gingen.

WAS?!“, brüllte ich sie an. „Wie konnte das passieren? Ist sie okay? Liz! Was ist passiert?!“, schrie ich wütend.

Ich hätte Liara nie aus den Augen lassen dürfen!

Wieso hatte ich sie nur in ein anderes Team eingeteilt?

„Scheiße“, fluchte James neben mir. „Javik, der Zenturio!“, rief er dann zu dem Protheaner hinüber, bevor er sich wieder um unsere Feinde kümmerte. Ich war kurz davor, Cortez eine Abholung zu befehlen, als Liz weitersprach

„EDI bringt sie mit Garrus zurück zum Shuttle, damit sie zur Normandy ausgeflogen werden kann. Cortez meldet sie in der Krankenstation an, damit Karin Bescheid weiß und sich bereit machen kann“, erklärte sie und die Wut verflüchtigte sich ein wenig, als ich ihre mitgenommene Stimme hörte.

Gleichzeitig fiel mir ein kleiner Stein vom Herzen. Wenigstens waren sie auf dem Weg zur Normandy, und Liara war bei Karin in den besten Händen.

„Ich kämpfe mich zu den Turianern durch, um die Mission zu beenden“, fuhr die Soldatin fort, was den Stein mit voller Wucht wieder zurückkatapultierte.

WAS?!“, brüllte ich sie an, als ich Gefechtslärm durch den Funk hörte.

Allein durch ein Reapergebiet.

Wie konnte sie nur so leichtsinnig sein?

Graue Barthaare! Erst heute Morgen hatte ich mir wieder drei ausgerissen!


„Das war die einzige Möglichkeit, Shepard“, erwiderte sie, und das wusste ich. Glücklich war ich dennoch nicht darüber. Plötzlich ging ein greller Schrei durch den Funk. „Hier geht gleich wieder 'ne Heuschrecke runter, Commander! Ich melde mich später nochmal!“, versprach sie und beendete den Funkkontakt, bevor ich etwas erwidern konnte.

„Verdammt nochmal…“, fluchte ich wütend und lehnte mich aus der Deckung, um auf den Zenturio zu schießen, der sich vor Javik verbarg.


Ich war kurz davor, die Mission abzubrechen, bevor ich mich zusammenriss.

Liz würde das schon hinbekommen, und bei Karin war meine Liara in den besten Händen.

Wir mussten diese Anlage räumen, bis die Kroganer übernehmen konnten.

„Konzentration! Bringen wir die Mission ordentlich zu Ende!“, forderte ich lautstark, damit James seinen Einwand für sich behielt, der ihm sichtlich auf der Zunge brannte. So schwer es mir auch fiel, doch hier war kein Platz für… persönliches.

„Zu Befehl“, knurrte der Lieutenant.

„Sie werden meine Rache spüren, Commander“, hörte ich Javik, als ich nach einem Deckungswechsel Blickkontakt zu der Steuerungskonsole erhielt.


Flashback Ende



„Eine bitte was?“, fragte ich und hoffte innständig, dass mich die Heuschrecke nur zu fest gegen den Stahlpfeiler gedonnert hatte.

Oder dass der Staub radioaktiv war und mein Hörzentrum verseuchte.

„Eine Bombe, aus der Zeit der kroganischen Rebellionen. Sie ist groß genug, um das Leben auf dem ganzen Planeten auszulöschen. Wir wurden geschickt um sie zu entschärfen, doch nun wurde sie von Cerberus gefunden“, erklärte Victus genauer.

Zum ersten Mal war Wrex vollkommen still in meinem Funk, als ich fassungslos den Kopf schüttelte, auf der verzweifelten Suche nach Worten, die ich diesem Feigling in die Fresse klatschen konnte.

Die Mission abbrechen? War er vollkommen verrückt?

Was?! Die werden ganz Tuchanka sprengen! Kroganerbabies! Haben Sie schonmal ein Kroganerbaby gesehen?!“, schrie ich aufgebracht und von jeder Menge Gestik begleitet.

Äh…Nein“, erwiderte er verwirrt und sah mich an, als wäre er sich nicht ganz sicher, wie zurechnungsfähig ich war.

Vorsichtshalber machte er einen Schritt zurück, was bei meiner derzeitigen Gefühlslage nicht schaden konnte.

„Ich auch nicht! Das darf nicht passieren, zeigen Sie mir wo die Bombe ist, wir regeln das jetzt sofort!“, knurrte ich und öffnete meine Umgebungskarte auf dem Universalwerkzeug. „Ein NaviPunkt, her damit!“, forderte ich ihn auf und er klackte langsam mit den Mandibeln. Noch nie hatte mich dieses Geräusch so aufgeregt, wie in diesem Moment.

„Meine Männer sind am Ende, ich kann keinen von Ihnen dazu zwingen! Haben wir nicht schon genug durchgemacht?“, fragte der Lieutenant verzweifelt und sah zu dem Schiffswrack. „Selbst, wenn ich es zu Ende bringen wollte, sie wollen es nicht“, beteuerte er.

Plötzlich schrie jemand in meinem Funk, doch ich verstand nur Fetzen.

…ein Kroganer!...Für Tuchanka!...Mein Planet…!... Das überleben?!...Natürlich!...Luftschleuse auf, ich springe!...Völlig Wahnsinnig!“, verstand ich, bevor der Kontakt zusammenbrach und ich meine Wut auf den Lieutenant konzentrieren konnte.

Joker würde schon dafür sorgen, dass Wrex keinen Scheiß machte. Das hoffte ich zumindest…

„Sie sind der kommandierende Offizier dieser Einheit! Bringen Sie sie dazu, ihren verdammten Job zu tun!“, forderte ich aufgebracht. „Unser Pilot kann die Verletzten abholen und zur Normandy ausfliegen, und der Rest kommt mit zur Bombe!“, bestimmte ich kopfschüttelnd.

Für mich lag das auf der Hand.

Wenn wir mit Shepard in eine solche Situation kommen würden, wäre das der nächste logische Schritt.

Die Mission, besonders eine so folgenträchtige, musste zu Ende gebracht werden.



„Sie werden nicht mitgehen!“, erwiderte der Lieutenant aufgebracht.

„Dann sind es ehrlose Soldaten! Und jeder Ihrer Männer ist umsonst gestorben! Jeder auf diesem Planeten wird sterben, wenn diese Bombe hochgeht! Wo bleibt ihre Ehre, wenn sie sich jetzt zurückziehen? Wir alle haben uns dazu verpflichtet, unser Leben für das von anderen auf's Spiel zu setzen!“, rief ich lautstark, sodass mich jeder auf dem Plateau hören konnte. Kurz überlegte ich, ob ich diesen einen Schritt gehen konnte.

Komm schon, Liz. Gib ihnen den Perry!‘, forderte meine innere Stimme. Heute war eh schon alles egal…

„Ich könnte heute Abend nicht schlafen, wenn ich wüsste, dass ich diese Katastrophe hätte verhindern können! Das Leben von Zwei Milliarden Kroganern hätte retten können! Sehen Sie zu, dass Ihre Männer sich selbst stolz machen! Hier und jetzt!“, brüllte ich den Lieutenant an, der unter meiner Schimpftirade immer größere Augen bekam.

Das war bei einem Turianer schon 'ne Leistung.

„Bringen Sie sie dazu, sonst werde ich es tun“, drohte ich leise, und aktivierte mein Universalwerkzeug. „Ich funke jetzt die Normandy an. Sehen Sie zu, dass die ihre Ärsche hochkriegen“, forderte ich ihn auf, und entfernte mich ein wenig von den Marines, um einen Funkkanal zu Joker zu öffnen.



„Liz an Joker“, seufzte ich, und hörte im Hintergrund ein dumpfes Streitgespräch. „Ryan an Moreau!“, rief ich lauter.

„Sorry, bin da. Victus und Wrex gehen sich gerade im KIZ an die Gurgel“, antwortete der Pilot.

Frustriert griff ich mir an die Nasenwurzel.

„Ruf ihn ins Cockpit, ich sprech mit ihm“, bat ich Joker und hörte ein gemurmeltes ‚Mmhmm‘.

WREX! Liz braucht dich!“, hörte ich etwas undeutlich, worauf dumpfe, schnelle Schritte folgten.

„Mädchen! Was ist los?“, fragte der Kroganer ein wenig außer Atem, jedoch ohne jede Wut.

„Victus hat ein Team geschickt, um die Bombe zu entschärfen. Niemand, der jetzt noch lebt, ist verantwortlich dafür, dass sie hier ist. Und wir brauchen den Primarchen noch, das weißt du. Ich schicke Joker die Koordinaten hoch, die der Lieutenant mir gegeben hat, du musst mich dorthin lotsen. Denk dran, kein Kroganerweg, eher die Pyjakvariante“, sprach ich ruhig.

Er grunzte unzufrieden, bevor er ein zustimmendes Geräusch von sich gab. Ich schickte den NaviPunkt hoch, und wendete mich dann an den Piloten.

„Hier sind einige kampfunfähige Soldaten, Joker. Kannst du Cortez mit dem Shuttle runterschicken, damit sie auf die Normandy gebracht werden?“, fragte ich und umging die Frage nach der Asari immer noch. Eins nach dem anderen.

„Wird erledigt, du Kroganerflüsterin. Garrus und er sind eh schon wieder unterwegs zu deiner Position“, gab er durch, und ich nickte, bevor mir einfiel, dass er das nicht sehen konnte.

„Ist in Ordnung“, antwortete ich und biss mir auf die Unterlippe. „Joker, weißt du schon was?“, fragte ich, als ich mich nicht mehr zurückhalten konnte.

Bis vor einem Moment hatte ich mich stark gefühlt, als wäre ich vollkommen Herrin der Lage und hätte alles im Griff, doch diese Frage warf mich nun mehr aus der Bahn, als ich es erwartet hatte.

„Karin und Mordin sind dran, mehr weiß ich nicht“, antwortete er knapp, und ich hatte das Gefühl, als würde er mir etwas nicht sagen. Oder bildete ich mir das nur ein? „Konzentrier du dich auf diese Bombe, sonst war das alles umsonst“, sprach er.



Was war umsonst?

Der Tod der Turianer?

Die Rettung der Kroganerin?

Die Heilmittelforschung?

Vielleicht der Tod einer gemeinsamen Freundin?



„Aber du würdest es mir sagen, wenn…“, fragte ich nach, als meine Stimme abbrach.

Jetzt war ich froh, dass ich so weit von den Turianern weg stand. So würde mich keiner mehr ernst nehmen. Nicht, dass sie mich zuvor sonderlich beeindruckend gefunden hatten, aber…

„Ich weiß wirklich nicht mehr, als dass sie sie gerade behandeln. Das ist ein gutes Zeichen“, antwortete er eindringlich, und ich nickte.

Es bedeutete, dass sie Hoffnung hatten, ihr helfen zu können.



Leise hörte ich ein Shuttle näherkommen und riss mich eilig zusammen. Ich zog meine Viper, um den kleinen Fleck mit dem Zielfernrohr genauer anzusehen.

„Cortez kommt näher, ich melde mich später“, gab ich durch, als ich das blaue Allianzshuttle erkannte, das rasend auf mich zukam.

„Verstanden“, bestätigte Joker, als Wrex sich meldete.

„Ihr müsst durch 'nen Sumpf und viele, viele Felsen“, stellte er fest. „Wie pyjakmäßig muss die Route sein?“, wollte er genauer wissen. Ich sah mich zu den Turianern um, die gerade von ihrem Lieutenant umgestimmt wurden.

„So verweichlicht und schnell, wie möglich“, antwortete ich resignierend. Es waren noch neun Soldaten übrig, die stabil auf beiden Beinen standen, und keiner von Ihnen war sonderlich begeistert, dass sie jetzt noch weitergehen sollten, nur wegen ein paar Kroganern. Die würden uns das Boot ganz schnell kentern lassen, wenn wir sie durch endlose Meilen Sumpf schleppten.

„Ha. Das wird schwierig“, antwortete der Kroganer und wirkte fast ein wenig beleidigt.

„Du kannst mir die schönsten Flecken des Planeten ein andermal zeigen, ich versprechs“, beruhigte ich den Kroganer, und brachte sogar ein Lächeln zustande, als das Shuttle runterging und Garrus heraussprang, bevor es ganz am Boden war.

Er kam eilig auf mich zu, sah einmal an mir herunter, und sein Blick blieb an meinem verdreckten Stiefel hängen.

„Frag nicht“, riet ich ihm und konnte ihn gut ablenken, indem ich ihn über die Mission der Turianer aufklärte.



Einiges Mandibelklacken später, sah Garrus mich nur fassungslos an.

„Das ist doch nicht dein Ernst“, sprach er kopfschüttelnd.

„Wir dürfen durch einen Sumpf laufen“, lächelte ich mit gespielter Euphorie.

„Wieso denn das?“, wollte er mit einem ablehnenden Mandibelklacken wissen. Dass er das auch nicht prickelnd finden würde, war mir klar.

„Weil Wrex uns zu den Koordinaten führt, als Ortskundiger und so“, erklärte ich, was mir ein Augenrollen bescherte, als wir zu den Turianern zurückgingen.

„Unsere Verletzten sind transportbereit. Ich bedanke mich schon jetzt für das Verbandsmaterial“, sprach Victus ehrlich.



Plötzlich schoss mir ein Bild von Karins überhitztem Ultraschall-Medigel-Ablösungsgerät durch den Kopf.

An Liara zu denken verbat ich mir, als ich nickte.

Der Planet stand auf dem Spiel.

Kroganerfamilien. Kroganerbabies!



„Sehr gut. Ist der Rest abmarschbereit?“, erfragte ich, als Cortez aus dem Cockpit des Shuttles kam. Er verharrte einen Moment und musterte mich skeptisch. Sah ich wirklich so beschissen aus?

„Ich wurde zum Commander beordert, sobald ich die Soldaten hochgebracht habe. Ist das okay?“, fragte der Pilot vorsichtig.

„Natürlich. Wir sehen derweil zu, dass wir Land gewinnen“, nickte ich in Richtung der Ruinen, was Garrus ein lustloses Mandibelklacken entlockte, als er auf die felsige Landschaft blickte.

„In Ordnung“, nickte Steve, und verschwand eilig wieder in seinem Cockpit. Die Panzertür wurde geschlossen, und das Shuttle hob ab. Er hatte eine Munitionskiste mit Thermomagazinen und Granaten mitgebracht, und ich hatte mich ausgerüstet. Man konnte ja nie wissen, was so auf einen zukam…



„Neunter Zug, auf die Beine!“, rief ich lautstark, trotz meiner rauen Kehle.

Wenigstens funktionierte der Befehlston, oder es lag daran, dass Garrus hier einige Fans hatte und derzeit hinter mir stand.

„Das ist Vakarian!“, hatte der eine gerufen.

„Doch nicht etwa DER Vakarian? Der mit Shepard den ersten Reaper bekämpft hat?“, hörte ich eine bewundernde Stimme.

„Der Vakarian, der Saren zur Strecke gebracht hat? Den abtrünnigen Spectre?“, staunte ein anderer.

„Vakarian, der Bekämpfer der Kollektoren?“, fragte einer der Soldaten, als wir uns auf den Weg machten.

„Meint ihr wirklich? Garrus Vakarian? Ich hab gehört, er ist DER Fachmann, wenn es um die Reaper geht!“, rief einer, als würden wir ihn nicht hören, wo wir so durch die immer matschiger werdende Landschaft gurkten.

„Garrus Vakarian, der Scharfschütze? Der die Geth auf der Citadel erschossen hat?“, wunderte sich jemand.

Mein Lieblingsturianer ging mit einem mehr als süffisanten Grinsen neben mir her und sonnte sich in jedem Kommentar.

Mit Stolz trug er sein Sturmgewehr und klackte mehr als zufrieden mit den Mandibeln, wenn er eine weitere Lobeshymne hörte.

„Garrus Vakarian, der gackert wie ein Erdenhuhn und Angst vor Käfern, Spinnen und Hamstern hat. Und schwimmen kann er auch nicht“, murmelte ich leise, was mir einen Hieb gegen die Schulter einbrachte.

„Hey! Diese Männer respektieren mich!“, fuhr er mich leise an und griff an einen Felsen, an dem er sich nach oben zog.



„Wer ist eigentlich der Mensch?“, fragte plötzlich eine Stimme von hinten, als ich ihm folgte.

„Keine Ahnung. Kam plötzlich aus den Ruinen gelaufen, hab erst gedacht das wär 'n bewaffneter Husk, so blau und so“, hörte ich Sergeant Tarvek, als ich Garrus folgte.

„War ihr Name nicht was mit ‚R‘?“, überlegte einer.

„Lieutenant Ryan!“, fiel Vyrnnus wieder ein.

„War Ryan nicht auch in Shepards Team?“, warf eine unbekannte Stimme ein.

„Die muss jünger sein, ich hab ‘83 das Helden-der-Galaxie-Sammelheft gehabt, die kann nie und nimmer so alt sein“, wehrte einer der Turianer kopfschüttelnd ab, und ich sah genau, dass sich Garrus das Lachen nicht mehr lange verkneifen konnte.

Zeit, etwas für meine Ehre zu tun. Laut räusperte ich mich, bevor ich meine Stimme erhob.

„Staff Lieutenant Elizabeth Ryan, N7 der Special Forces, Allianzmitglied seit 2177, Verteidigerin von Elysium, Bekämpferin der Geth, Siegerin über Saren Arterius, Ehrenkroganerin des Urdnotklans, Biotikerin auf Stufe 4 der Allianzmilitärrichtlinienskala, Vernichterin der Kollektorenheimatwelt und wirklich nur 26 Jahre alt, wenn ich bitten darf!“, rief ich über meine Schulter und rollte die Augen, als wir einen großen Fels umrundeten.



„Hat sie gesagt, sie wär ein Kroganer?“, fragte einer der Turianer plötzlich.

„Würde den Geruch erklären“, stimmte ihm ein Soldat zu.



„Ich bin in einen Husk getreten!“, rief ich mit einer verzweifelte Handbewegung.



„Das klingt ja widerlich“, kommentierte eine Stimme.

„Ob Menschen sowas häufiger machen?“, hörte ich noch, als Victus seine Männer zur Ruhe rief und wir vor einem großen, runden Erdtunnel zum Stehen kamen.

Der Durchmesser musste gute 2 Meter betragen, denn als Garrus hineinsah, konnte er geradeso aufrecht stehen.

„Ihr müsst durch das Schlundloch“, erklärte Wrex ganz selbstverständlich über Funk.

Victus‘ Männer warteten einige Meter hinter uns, und waren nicht sonderlich erpicht darauf, dieser Anweisung Folge zu leisten.

Garrus klackte stur mit den Mandibeln, und starrte neben mir in die Dunkelheit, Victus stand auf meiner anderen Seite und sah erwartungsvoll in unsere Richtung.

„Wohnt da noch was in dem Tunnel?“, fragte ich vorsichtig und deutete hinein.

„Keine Ahnung, ich war vor 'n paar Jahrzenten das letzte Mal da drinnen“, erwiderte der Klanführer, als würde er daran kein sonderliches Problem sehen.

Ich aktivierte meine Taschenlampe, und leuchtete in den Tunnel. Soweit die Reichweite des Lichtkegels ging, sah ich nur die runden Erdwände.

Der Boden wirkte abgetreten, und man konnte Fußabdrücke in Kroganergröße im Dreck erkennen, die noch nicht all zu alt sein konnten.

„Wär jetzt gut zu wissen, ob die auf der anderen Seite auch wieder rausgekommen sind“, kommentierte Garrus.

Der Tunnel würde uns einige Stunden Weg ersparen, da wir sonst um eine steile, felsige Gebirgskette herumlaufen müssten. Laut Wrex war die Vegetation darauf nicht sonderlich…Pyjakfreundlich und hätte uns mit Sicherheit ‚zum Fressen gern‘.

„Ja ja, ihr müsst nur aufpassen, dass ihr nicht in den Bau fallt. Da kommt ihr nicht mehr raus“, rief Wrex über Funk.

„Wie weit ist"s danach noch?“, fragte ich den Kroganer.

„Vielleicht ne halbe Stunde, wenn ihr euch beeilt“, schätzte Joker, woraufhin wir lautes Gelächter hörten. „Was? Das sind gute 3 Kilometer, das kann man schaffen“, verteidigte sich der Pilot.

„Na, wenn du das sagst“, lachte Wrex, und das gefiel mir so gar nicht.

„Wir können Cerberus nicht noch mehr Zeit mit der Bombe geben“, sprach ich leise, sodass mich nur Victus und Garrus hörten.

„Du willst doch nicht ernsthaft da durch!?“, antwortete Garrus eindringlich, ohne seine Stimme zu heben.

„Das kann ich von meinen Männern nicht verlangen“, schüttelte Victus den Kopf.

„Können wir von ihnen noch einen längeren Fußmarsch verlangen?“, fragte ich fauchend und deutete auf die ewig lange Gebirgskette, die wahrscheinlich sogar zu steil war, um hinaufzuklettern. „Können wir es auf's Spiel setzen, durch 'nen Urwald voller fleischfressenden Pflanzen zu gehen?“, wollte ich wissen und sah die beiden Turianer an. „Als Alternative bleibt gerade nur noch, dass wir alle mit dem ganzen Planeten hochgehen, falls ihr euch erinnert“, murmelte ich und ließ meine linke Schulter einmal knacken.

Victus seufzte, bevor er ergeben nickte.

„Ich geh voran, keine Sorge“, versprach ich, und setzte meinen ersten Fuß in den Tunnel. Das Shuttle stand noch immer nicht zur Verfügung, und Cortez wusste nicht, wann und wie schnell er den Commander und sein Team vielleicht abholen musste. Im Fall der Fälle war Eiltempo angesagt, und wir konnten nicht mehr länger auf ihn warten.

Mit erhobener Taschenlampe ging ich voran und achtete auf Löcher im Boden und scharfe Zähne vor mir. Nach ein paar Metern brach der Funkkontakt zusammen, doch das war zu erwarten.

Die Turianer hinter mir fluchten, und mein Translator konnte nicht alles davon übersetzen.

Vielleicht sollte ich froh darum sein…



Flashback 63, Boden-Weltraum-Kanonenanlage, Tuchanka, Aralakh-System, Kroganische DMZ, Perspektive von Staff Commander John Sullivan Shepard, wenige Minuten zuvor


„Wo bleiben die Kroganer?!“, rief James, als wir die Geschützsteuerung übernommen hatten und der Nachschub an Cerberustruppen scheinbar langsam versiegte.

„Wrex schickt seinen Bruder mit einem Team, um das Geschütz zu bemannen und Cerberus abzuhalten. Kann nicht mehr lange dauern“, erwiderte ich ruhiger.

Es hatte zwar lange gedauert, doch vor wenigen Minuten hatten wir die Entwarnung aus der Krankenstation erhalten.

Liara würde wieder werden, dank der frühen medizinischen Behandlung. So langsam schuldete ich Liz und Garrus eine Gehaltserhöhung…


„Commander! Wreav müsste jeden Moment mit nem Team ankommen!“, funkte uns Wrex an.

„Na endlich“, knurrte James und stand auf. Der Lieutenant war ziemlich ruhelos, und visierte einen einsamen Schützen an, der seiner Revenant nicht lange Widerstand leisten konnte.

„Verstanden, Wrex. Sind Liz und die Turianer schon wieder an Bord?“, fragte ich den Klanführer.

„Garrus ist mit dem Piloten wieder runtergegangen, und diese verweichlichten Pyjaks, die nicht mehr weiterkämpfen können, werden gerade im Frachtraum versorgt. Victus ist unten bei ihnen“, antwortete er und ich hatte das Gefühl, dass er mir etwas verheimlichte. Gerade wollte ich nachfragen, als wir ein lautes, unrhythmisches Stampfen näherkommen hörten.



„So 'ne Scheiße… Die sind ja schon alle hinüber!“, beschwerte sich ein Kroganer.

„Und wer ist Schuld dran? Häh?“, rief ein weiterer, den ich noch von unserem letzten Besuch auf Tuchanka kannte. Wreav.

„Fresse halten! Wenn Tragg nicht so 'nen fetten Arsch hätte, wär die Achse noch ganz!“, brüllte eine kroganische Stimme, als Wreav um eine Ecke bog und wir das kroganische Team vor uns hatten.

Elf Männer, in den typischen schweren Rüstungen und mit großen Schrotflinten bewaffnet.

„Dir stopf‘ ich das Maul“, drohte einer dem anderen, und nach einer gewaltigen Kopfnuss lagen beide am Boden. Wreav rollte die dunklen Augen, als er auf uns zukam.

„Sie können gehen, die haben das hier im Griff“, sprach er auffordernd.

„Sind Sie sich da sicher?“, fragte James skeptisch, als die beiden Kroganer wieder aufstanden. Wreav schnaubte abfällig.

„Die werden schon herhalten. Irgend 'nen Zweck müssen 'se ja haben“, erwiderte er knurrend. „Urdnot Pratt! Sie haben das Kommando!“, befahl der Kroganer einem seiner Männer, und ich nickte. Javik bemühte sich deutlich, seine Klappe zu halten, und so konnten wir uns ohne einen weiteren Konflikt zur Abholungsstelle begeben.


Flashback Ende.



„Da vorne bewegt sich was“, stellte Garrus fest, und ich rollte die Augen.

„Hat sich da die letzten drei Male was bewegt?“, fragte ich genervt zurück, als wir ein dunkles Knurren hörten. „Oh“, entkam mir leise, und ich riss meine Taschenlampe hoch.

„Der Mensch hat uns ein eine Falle gelockt!“, rief einer der Turianer hinter mir, als ich den wirklich beachtlichen Varren anstarrte.

Garrus riss sein Sturmgewehr hoch und visierte den Weltraumwolf an, bevor er eine auffordernde Nickbewegung in meine Richtung machte.

„Worauf wartest du?“, fragte er fauchend, als der Varren sich ein wenig zusammenduckte und zum Sprung ansetzte.

Ich spürte die Biotik in meinen Fingerspitzen, als das massige Tier die Kraft aus seinen muskulösen Hinterläufen nutzte und auf uns zusprang.

Mit einer fließenden Bewegung rammte ich meine offenen Hände nach vorne, stoppte den Varren und warf ihn in einer blauen Energiewolke wo weit zurück, dass er aus dem Lichtkegel von Victus‘ Taschenlampe verschwand.


„Ich hab bei dem Rohling vorhin was Neues über meine Biotik gelernt“, erklärte ich meinem langjährigen Kameraden mit ruhiger Stimme, als wir den Aufprall hörten.

„Was?! Ich hätte fast 'nen Herzinfarkt bekommen!“, fuhr er mich an und deutete nach vorne.

„Jedenfalls kann ich Sachen weiter werfen, wenn sie davor in Bewegung sind! Also ich finde das bewundernswert!“, fuhr ich fort, als wir das wütende Knurren noch einmal hörten. „Siehst du?“, fragte ich und rammte den Varren erneut aus dem erleuchteten Bereich, wo er sich lautstark wieder aufrappelte.

Nach dem dritten Versuch, der in einer weiteren kostenlosen Flugstunde endete, gab er endlich auf. Kluges Tier.

„Shepard solls auf meinen Grabstein schreiben…Hier ruht der große Garrus Vakarian, er erlitt den Tod durch Liz Ryan“, meckerte der Turianer neben mir, während ich den überraschend stillen Victus und seine recht unglücklichen Soldaten beinahe ausblendete, um die Umgebung im Blick zu halten.

„Red nicht so 'nen Stuss“, rief ich kopfschüttelnd, und stieß ihn an der Schulter an. „Für 'nen Turianer bist du nicht sonderlich groß, eher durchschnittlich“, grinste ich mit einer vagen Handbewegung, als wir eine weitere Kurve hinter uns brachten und uns plötzlich Licht entgegenkam.

„Wir haben überlebt… das hatte ich nicht erwartet“, hörte ich Tarvek von hinten und rollte die Augen.

„Natürlich haben wir überlebt! Die Explosion der Bombe hätte uns sogar da drinnen gegrillt!“, fuhr ich ihn an, als wäre mir nicht aufgefallen, dass ihm meine Entscheidung, Wrex‘ Anweisung zu folgen, deutlich missfiel.

Er klackte unbeeindruckt mit den Mandibeln, als wir unseren Weg fortsetzten.

„Ha! Da seid ihr ja wieder!“, lachte die Stimme des Kroganers plötzlich.

„Du hattest Recht, nur ein Varren, sonst alles frei“, stimmte ich der Einschätzung des Klanführers zu.

„Klar doch. Ich hab Wreav da vor 'n paar Wochen auf Erkundung durchgeschickt“, rief er glücklich. „Dauert nicht mehr lange bis zu dem NaviPunkt, ihr müsst nur irgendwie über die Felsen kommen“, erklärte er, was erneut für Unruhe auf den billigen Plätzen sorgte.

Das Gemecker wurde allerdings von einem Kreischen unterbrochen, als eine Heuschrecke über uns hinwegflog. Eilig duckten wir uns unter die Felsvorsprünge und sahen die weiten Schwingen, die über uns hinwegglitten.

„Die wurde scheinbar noch nicht von den Reapern erwischt“, kommentierte Garrus, als unsere Funkgeräte erneut einen Kanal öffneten.



„Shepard an Ryan oder Vakarian, Versuch Nummer Sieben“, hörten wir die frustrierte Stimme des Commanders.

„Wir hören, Shepard“, antwortete ich ihm. „Sorry, wir waren in 'nem Schlundloch mit schlechtem Empfang“, entschuldigte ich mich, als wir weitergingen. Es herrschte Stille im Funk, und ich sah ein wenig besorgt zu Garrus. „Co…?“, fing ich an zu fragen, als er bereits seufzte.

„Ein Schlundloch? Liz! Was zum Teufel treibt ihr denn da hinten?“, fragte er ein wenig erschöpft, als ich die Shuttleantriebe über Funk hörte.

Kurz sah ich zu Garrus, bevor ich antwortete. Der Turianer klackte mit den Mandibeln und schüttelte knapp den Kopf. Schnell stellte ich das Mikro des Funkgeräts ab, und lehnte mich in seine Richtung.

„Wir müssen es ihm sagen!“, fauchte ich.

„Er soll zu Liara hoch, helfen kann er hier so oder so nicht“, erwiderte der Turianer.

„Aber ich kann das nicht verheimlichen, Garrus! Was, wenn was schief geht? Und der Primarch weiß es doch auch, sie sprechen oben bestimmt drüber!“, knurrte ich. Er sah mich an, und nickte knapp.

Er wusste genauso gut, dass ich Recht hatte, wie mir klar war, dass er Recht hatte.

Was für ein Dilemma.

„Liz? Garrus, hört ihr mich?“, fragte Shepard und ich bildete mir ein, dass ich ein wenig Besorgnis in seiner Stimme hörte. Schnell aktivierte ich das Mikro.

„Klar und deutlich, Commander“, sprach ich hinein, und fasste einen Entschluss. Shepard würde wissen, was er zu tun hatte, da würde ich mich nicht freiwillig ins Rachninest setzen. „Commander, wir haben hier ein Problem. Die Mission der Turianer war die Entschärfung einer Bombe aus den Rebellionszeiten“, erklärte ich knapp.

„Von was für einer Bombe sprechen wir hier?“, wollte Shepard wissen, als wir im Hintergrund eine Shuttletür und ein leises ‚Wart noch kurz, Esteban‘ hörten.

„Ähm, so….Planetenlebenauslöschend? Ungefähr?“, antwortete ich und hielt Garrus mit einem reflexartigen Griff an seinen Oberarm davon ab, ins Straucheln zu kommen.

Die Blamage, vor seinem Fanclub auf dem Hosenboden zu landen, wollte ich ihm dann doch ersparen. Der Funk blieb still, bis auf undeutliches Geflüster im Hintergrund.

„Verstanden. Habt Ihr Victus und sein Team dabei? Können die Turianer die Bombe entschärfen?“, wollte John wissen.

„Im Notfall steht ihnen unser Kalibrierungsexperte zur Seite, Shepard. Fliegen Sie hoch zu Liara, wir kümmern uns um die Bombe im Kelphictal“, erwiderte ich und sah mich nach hinten um. Die Turianer marschierten fleißig weiter, und wir kamen gut voran.

„Die liegt da schon seit über tausend Jahren ohne Komplikationen, seid aber trotzdem vorsichtig. Meldet euch, wenn ihr Verstärkung oder Abholung braucht“, forderte Shepard.

„Natürlich, Commander. Liz out“, bestätigte ich und meldete mich ab.

„Shepard out“, hörten wir noch, bevor der Funkkanal geschlossen wurde.



„Du hast Cerberus nicht erwähnt“, hörte ich Garrus mit einem zufriedenen Mandibelklacken, als wir in der Ferne ein weißes Shuttle sahen, dass auf uns zukam. Einige Hundert Meter vor uns stoppte es und landete. Wir hatten es also fast geschafft, was mir ein Blick auf die Umgebungskarte bestätigte.

„Das muss er nicht unbedingt wissen“, antwortete ich leise und hob eine geschlossene Faust in die Luft. „Victus, lassen Sie Ihre Männer ausschwärmen. Wir müssen uns unentdeckt einen Überblick über das Tal verschaffen“, befahl ich dem Lieutenant ruhig. Er nickte sofort, bevor er sich zu seinem restlichen Zug umdrehte und mit ihnen sprach.
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