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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
25.04.2021
155
725.182
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20.10.2019 7.237
 
Es geht weiter :-)
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Nach knappen acht Stunden Schlaf und einer Dusche, fühlte ich mich wieder deutlich besser.

„Ich glaube, Javik kommt langsam an. Als ihr auf Sur’Kesh wart, kam er in mein Büro und hat mir mit einem Übersetzungsproblem geholfen!“, freute sich Liara und kam ebenfalls aus der Dusche.

Sie nahm sich ein Handtuch und zog ihre Haartentakeln gerade, um sie abzutrocknen.

Kaum ließ sie sie los, zuckten sie in ihre gewöhnliche Position zurück. Fasziniert beobachtete ich sie dabei durch den Spiegel, während ich meine eigenen Haare trocknete.


„Liz?“, fragte sie nach, als ich ihr nicht gleich antwortete.

„Wirklich? Das freut mich für dich, Liara!“, erwiderte ich ein wenig abgelenkt. Zufrieden nickte sie, als wir uns anzogen.



Mein Blick fiel immer wieder auf die Haartentakeln der Asari zurück.

Die Dinger faszinierten mich, auch wenn sie mich ein wenig an eine Medusa erinnerten. Wenn man Liara richtig wütend machte, würden ihr dann die Tentakeln zu Berge stehen und zittern?



„Ich meine, Pyrril ist hilfreich, aber er ist eben nicht mehr als eine Stations-VI. Er hat nicht viel von den Plänen des Tiegels mitbekommen“, lenkte die Doktorin mich ab, als wir den Sanitärbereich verließen.

„Ja, er…“, wollte ich gerade erwidern, als wir eine Flötenstimme hörten. Oh. Die hatte ich fast wieder vergessen.

„Lieutenant Ryan! Lieutenant!“, rief die Reporterin und ich hörte eilige Schritte.

Das Augenrollen geschah völlig instinktiv, als ich mir ein knappes Lächeln aufzwang und mich zu ihr umdrehte.

Liara, die die Avancen der Journalistin in Richtung des Commanders durchaus mitbekommen hatte, verschränkte die Arme vor der Brust, als sie näherkam.

„Miss Allers“, nickte ich, als sie mit ihrer Videodrohne vor uns stehen blieb.

„Lieutenant Ryan, ich habe gehört, Sie können mir Zugang zu dem Protheaner verschaffen?“, fragte sie mit einem auffälligen Nicken, welches mich vielleicht besonders überzeugen sollte.

„Kann ich das?“, erwiderte ich mit hochgezogenen Augenbrauen und skeptischer Stimme.

„Selbstverständlich! Ich habe erfahren, dass Sie und Shepard Zugangsberechtigungen zu den Quartieren haben. Ich möchte ein Videointerview. Es wird die Zuschauer begeistern, dass es einen Überlebenden des letzten Reaperangriffs gibt!“, quietschte sie euphorisch.

„Wenden Sie sich damit bitte an Shepard, ich habe eine Berechtigung, ebenso wie Dr. T’Soni, aber ich kann Ihnen keinen Zugang gewähren“, erwiderte ich, und bekam gleich darauf einen blauen Ellbogen in die Rippen. „Wenn ich es mir recht überlege, werde ich das mit dem Commander besprechen und mich dann bei Ihnen melden. Bis dahin bitte ich Sie, den Protheaner nicht anzusprechen oder aufzusuchen“, sprach ich verbissen. Für eine Wissenschaftlerin hatte die Asari ganz schön Kraft in ihren Armen…

Ich nickte der Reporterin abschließend zu, bevor ich mich abwandte und Liara mit einer Kopfbewegung zum Folgen aufforderte. Allers war nicht wirklich zufrieden, aber da konnte ich ihr auch nicht helfen.

Liara und ich setzten unseren Weg in die Messe fort, um etwas zu essen. Doch kaum waren wir außer Sichtweite, hielt ich sie an ihrem lockeren Ellbogen fest.

„Das hat weh getan!“, fuhr ich sie leise, aber mehr als eindringlich an.

„Ach was, du hast schon viel Schlimmeres erlebt!“, fauchte sie ruhiger zurück. „Kannst du das glauben? Erst hüpft sie um John herum, will ein Interview hier, ein Gespräch da… und jetzt reißt sie sich meinen Protheaner unter den Nagel!“, knurrte Liara und ich meinte, tatsächlich ein kleines Zittern in ihren Tentakeln zu sehen. Vielleicht bildete ich es mir aber auch nur ein.

„Ruhig, Blaue, ruhig“, tätschelte ich ihre Schulter, als ihr Körper vor lauter unterdrückter Wut blau erstrahlte.

Wir mussten ihre Anwesenheit auf der Normandy nicht nochmal mit freier Biotik auf der Mannschaftsebene feiern. Nicht jetzt, wo Joker einen Roboter-Handlanger in Form von EDI hatte. Uns aus der Luftschleuse zu werfen, würde ihm jetzt deutlich leichter fallen…

„Was flüstert ihr?“, hauchte plötzlich eine Stimme in Liaras Ohr, doch da wir beide so nah beieinander standen spürte ich den Atem auf meiner Wange. Zeitgleich zuckten wir zusammen, und rissen unsere Köpfe in Richtung des Anschleichers.

Lass das!“, fuhr ich Garrus an, und schlug ihm mit der flachen Hand auf die Schulter.

Er verzog das Gesicht zu der merkwürdigen, aber bekannten Grinsimitation und klackte belustigt mit den Mandibeln.

„Zu verführerisch, tut mir leid“, erwiderte er zufrieden, während er einen kleinen Schritt zurückmachte und uns auffordernd ansah.

„Liara ist eifersüchtig, weil Allers mit Shepard sprechen will. Und mit Javik“, erklärte ich flüsternd. Sofort erkannte ich Verwirrung in seinem Blick, als er sich in der Messe umsah.

„Was ist ein Allers?“, wollte er skeptisch wissen.

„Die Reporterin von Battlespace. Sie berichtet für das Alliance News Network und Shepard hat sie auf die Normandy geholt“, erklärte ich, und dem Turianer schien ein Licht aufzugehen.

Leise knurrte mein Magen, als Liara immer noch über die Journalistin meckerte. Sehnsüchtig ging mein Blick in Richtung unserer kleinen Küche.

Auch wenn ich wirklich lange und gut geschlafen hatte, war mein Körper immer noch ausgelaugt.

Das Kribbeln meines Biotikimplantats hatte etwas nachgelassen, doch Liaras unterdrückte Energie übertrug sich mittlerweile auf mich, was das kleine L3-Implantat ganz besonders prickelnd fand…

„Liz! Du hast es doch auch gesehen, wie sie John hinterherschaut!“, riss Liara mich zischend aus meinen Gedanken.

Ich hatte ihr Gespräch mit Garrus völlig ausgeblendet! Der Turianer musterte mich durch seinen Visor und im Gegensatz zu Liara wusste er genau, was unten auf Sur’Kesh vorgegangen war.

„Wir sollten beim Essen weiterreden“, warf er mit einem Räuspern ein, und nickte auffordernd in Richtung der Messe. Mit einer Hand schob er die zeternde Liara vor, und ich stellte mich neben ihm kurz auf die Zehenspitzen.

„Du bist mein Lieblingsturianer“, murmelte ich leise und tätschelte ihn sachte an der Schulter, als wir uns auf den Weg machten.

„Ich weiß“, erwiderte er mit einem belustigten Mandibelklacken. „Sonst wollte den Job aber auch keiner“, fügte er hinzu, was ihm einen freundlichen, aber dennoch tadelnden Schulterklaps meinerseits einbrachte.




„Und jetzt stürzt sie sich auch noch auf meinen Protheaner!“, rief Liara aufgebracht, während James ihr geduldig sein Gehör schenkte.

„Aber Sie hat keinen Zugang zu ihm, ich würde mir da keine allzu großen Gedanken machen“, erwiderte der Kalifornier.

„Das ist der doch völlig egal, ich habe Nachforschungen angestellt! Die dunkelsten Geheimnisse über diese Allers herausgefunden… Ich bin mir sicher, sie würde für eine gute Story über Leichen gehen!“, schwor die Asari.

James bedachte sie mit einem Lächeln, während ich Garrus einen belustigten Blick zuwarf. Liara hatte sich wirklich sehr verändert, seitdem wir sie auf Therum aus dem Energiefeld geholt hatten…

„Javik kann sich wehren, da bin ich mir sicher“, erinnerte ich die Asari und tätschelte ihr die Schulter. Mit Schwung schluckte ich meine dritte Biotikkapsel, in der Hoffnung, dass das Kribbeln an meinem Hinterkopf endlich aufhören würde. Garrus, der mir gegenübersaß, warf mir einen tadelnden Blick zu.

„Guck nicht so, aller guten Dinge sind drei“, rechtfertigte ich mich und griff nach meinem zweiten Energiedrink.

Die letzte Mission auf Sur’Kesh hatte mich wirklich geschlaucht.

Bis jetzt konnte ich mich nicht mehr erinnern, wie ich aus dem Shuttle in mein Quartier gekommen war.

Fragen wollte ich nicht, das zuzugeben würde mir nur wieder Garrus‘ Gelächter einbringen und darauf konnte ich verzichten. Der Turianer wollte gerade etwas erwidern, als ein lauter Wutschrei zu uns in die Messe dröhnte.

„Diesmal packst du ihn von hinten!“, rief Garrus, als wir zeitgleich aufgesprungen waren und in Richtung der Krankenstation hetzten.



„Finger weg! Die Frau gehört mir!“, brüllte Wrex, als ich als Erste die Tür erreichte. Der Sensor ließ mich sofort ein. Die Kroganerin erhob sich gerade mühsam von ihrer Liege, während Karin sie zurückhalten wollte.

Mordin hob entschlossen sein Universalwerkzeug in Wrex‘ Richtung.

„Zurück!“, befahl er, als ich im Hintergrund Karins Stimme hörte, die Shepard über die Intercom in die Krankenstation rief. Mit ein wenig mehr Schwung als nötig, schob ich die Ärztin zur Seite und machte einen Satz nach vorne.

„Wrex!“, kreischte ich und landete zwischen ihm und Mordin, die Hand ausgestreckt um den Kroganer am Rüstungskragen zu packen.

Wrex brüllte erneut, ich war völlig abgelenkt und zu unaufmerksam um zu sehen, dass Mordin den Neuralschock bereits auf den Kroganer abgefeuert hatte.

Ein heiserer Schrei entkam mir, als jeder einzelne Muskelstrang in meinem Körper auf groteske Art zu zucken begann und von grausamen Schmerzen erfüllt wurde.

Wrex‘ glutrote Augen weiteten sich, als er nach meinem Arm griff. Ich spürte kaum, dass meine Beine unter mir wegknickten und ich zu Boden ging.

„Lola!“, hörte ich James‘ erschrockene Stimme und spürte eine dreifingrige Hand an meinem Kopf, bevor ich auf den Boden aufschlug und mein Schädel nähere Bekanntschaft mit der Stahlkante des Verbandsmaterialschranks machen konnte.

Grelle Farben und Blitze zuckten vor meinen Augen, bis nur ein einziges Licht übrig blieb.

„Liz?“, fragte die tiefe, grollende Kroganerstimme.

Ich meinte, etwas Besorgnis darin zu hören, aber… das Klingeln in meine Ohren verfälschte seinen Tonfall mit Sicherheit.

„Du lausiger Pyjak! Ich hab dich von der Frau ferngehalten, also hast du Liz umgebracht!“, brüllte Wrex aufgebracht.

„Bei den Geistern…“, murmelte Garrus‘ Stimme, und ich spürte die rauen Finger an meiner Wange.

Plötzlich wurde das grelle, längliche Licht über mir unterbrochen und ich erkannte das verschwommene Gesicht der Schiffärztin.

„Liz! Liz, bist du in Ordnung?“, fragte die Ärztin, doch ich brachte keinen Laut heraus. Ihre Gesichtskonturen verschwammen immer mehr vor meinen Augen, als Mordin neben ihr auftauchte. Zumindest schätzte ich das, aufgrund seiner Kopfform.

„Neuralschock war auf adulten männlichen Kroganer kalibriert. Anwendung auf Mensch ist… nicht empfehlenswert“, sprach er eilig.  Ja, jetzt war ich mir sicher, dass der Salarianer sich über mich beugte.

„Ach was, da wär jetzt keiner drauf gekommen!“, fuhr James ihn an. „Sie wird doch wieder, Doc?“, fragte er Karin ein wenig ruhiger, doch die Antwort der Schiffsärztin wurde von Shepard übertönt.

Was zur Hölle geht hier vor?!“, rief seine zornige Stimme in die Krankenstation.

„Der Salarianer wollte die Frau vergiften! Und dann hat er Liz gegrillt!“, rief Wrex aufgebracht, als das helle Licht über mir immer schwächer wurde. Ich sah einen Schatten, der über mich hinweg huschte, bevor alles dunkel und still wurde.



Flashback 58, Mannschaftsebene, SSV Normandy SR-2, Pranassystem, Annos-Becken, Perspektive von Garrus Vakarian, Berater und Fachmann für Reaperangelegenheiten der turianischen Hierarchie, wenige Minuten zuvor


„Javik kann sich wehren, da bin ich mir sicher“, sprach Liz, um Liara ein wenig einzubremsen.

Die Asari befand sich auf Kriegsfuß mit einer Reporterin, die scheinbar auf der Normandy mitflog.

Nun gut, ich war nicht sonderlich vertraut mit den Gepflogenheiten des menschlichen Militärs, doch bisher hatte ich nie etwas von Berichterstattern mitbekommen, die den Commander und uns begleitet hatten, weder auf der ersten, kleinen Normandy noch als Shepard mit Cerberus zusammengearbeitet hatte.

Liara wendete sich James zu, um weiterzusprechen, als Liz meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Im turianischen Militär waren Biotiker kein Teil der ‚normalen‘ Einsatzteams, doch ich kannte sie lange genug um zu wissen, dass diese Dosis an B-Kapseln übertrieben war.

„Guck nicht so, aller guten Dinge sind drei!“, erwiderte sie meinem tadelnden Blick und trank ihren Energydrink. Skeptisch beobachtete ich sie, mir war auf Sur’Kesh klar gewesen, dass sie sich überanstrengt hatte. So viel von dem ganzen Biotikerzeug nahm sie nur zu sich, wenn das Implantat Zicken machte, genau das hatte ich bereits bei Kaidan beobachtet.

Gerade wollte ich mit einem sarkastischen Kommentar antworten, der meine Sorge vorsichtshalber verbarg, als wir ein durchdringendes Brüllen aus der Krankenstation hörten.

Gehetzt sprang ich von meinem Stuhl auf, und folgte der Menschenfrau, die den kürzeren Weg hatte.

„Diesmal packst du ihn von hinten!“, rief ich laut nach vorne, als ich den wütenden Kroganer durch die Glasscheiben sah.

James und Liara waren ebenfalls auf den Beinen, als Liz bereits in die Krankenstation hetzte. Mordin wurde von Wrex von der Kroganerfrau weggedrängt, und erhob sein aktiviertes Universalwerkzeug.

„Finger weg! Die Frau gehört mir!“, brüllte Wrex den Wissenschaftler an, der dem Kroganer entschlossen gegenüberstand und mit ein paar Klicks auf dem Universalwerkzeug den Neuralschock lud.

„Zurück!“, befahl er mit fester Stimme, als ich die Krankenstation erreichte. Ich wollte nach Wrex‘ Arm greifen, seinem Rüstungskragen, irgendwas, um ihn zurückzuhalten.

Wenn Wrex den Wissenschaftler umbrachte, würden die Kroganer kein Heilmittel bekommen und die Turianer keine Verstärkung…

„Commander, wir brauchen Sie sofort auf der Krankenstation!“, schrie Karin in Richtung der Intercomanlage, bevor sie von Liz zur Seite gestoßen wurde.

„Wrex!“, fuhr die Soldatin den Kroganer an, als sie mit einem Satz vor ihn sprang und ihn packen wollte.

Ich wollte noch schreien, doch da war es bereits zu spät.

Durch meinen festen Griff an Wrex‘ schwerer Schulterplatte sah ich genau in Liz‘ Gesicht als sie von dem Neuralschock getroffen wurde, mit dem sich Mordin den wütenden Kroganer vom Leib halten wollte. Erschrocken sah ich in die weit aufgerissenen Augen der Soldatin, als der Angriff sie in den Rücken traf.

„Lola!“, rief James hinter mir, als ihr ein schmerzverzerrter, brüchiger Schrei entkam und sie zu Boden ging.

Wrex, so schwerfällig er auch manchmal scheinen konnte, griff blitzschnell nach ihrem Arm und ihrem Kopf, und ließ sie überaus sanft zu Boden, für einen Kroganer zumindest.



„Liz?“, fragte er leise, als sie auf dem Rücken lag und regungslos nach oben blickte.

Er starrte sie für einen Moment an, bevor er sich mit einem Ruck aus dem Knien erhob und einen großen Schritt auf Mordin zumachte. „Du lausiger Pyjak! Ich hab dich von der Frau ferngehalten, also hast du Liz umgebracht!“, brüllte der alte Kroganer wütend, bevor er sich wieder zu der Soldatin umdrehte und Karin einen auffordernden Blick zuwarf.

„Bei den Geistern…“, murmelte ich und ging neben Liz‘ Kopf in die Hocke. Ich tätschelte ihr die Wange, doch ich erhielt keine Reaktion, als die Schiffsärztin sich neben mir auf den Boden kniete.

„Liz, bist du in Ordnung?“, fragte Dr. Chakwas, als sich auch Mordin neben die regungslose Menschenfrau kniete.

„Neuralschock war auf adulten, männlichen Kroganer kalibriert. Anwendung auf Mensch ist… nicht empfehlenswert“, ratterte er eilig herunter und aktivierte sein Universalwerkzeug.


„Ach was, da wär jetzt keiner drauf gekommen!“, rief James dem Salarianer entgegen, bevor er sich mit verschränkten Armen der Ärztin zuwandte. „Sie wird doch wieder, Doc?“, fragte er mit gerunzelter Stirn, doch die Antwort der Medizinerin wurde übertönt, als sich die Krankenstationstür öffnete.

Was zur Hölle geht hier vor?!“, rief Shepards Stimme in den Raum hinein. Wrex baute sich zu seiner vollen, mehr als beachtlichen, Größe auf und deutete auf Mordin.

„Der Salarianer wollte die Frau vergiften! Und dann hat er Liz gegrillt!“, rief Wrex aufgebracht und James stieg über Liz‘ Beine, um sich dem Kroganer in den Weg zu stellen.

„Beruhigen Sie sich, Mann“, forderte er, als Shepard einige Schritte in die Krankenstation hinein machte und neben Karin zum Stehen kam.

„Was willst du von mir, häh? Glaubst du Menschlein wirklich du hältst mich auf, wenn ich den Pyjak in Stücke reißen will?“, knurrte Wrex provokant.

„Lass es uns doch rausfinden“, erwiderte der Soldat, nicht minder streitlustig.

„Hey!“, rief Shepard. „Keiner prügelt sich hier mit irgendwem, ist das klar? Die Krankenstation hat nur zwei Liegen, und wie ich sehe, sind die schon voll!“, fuhr er den wütenden Kroganer und den Lieutenant an.

Wrex grinste plötzlich und hob die schwer gepanzerte Hand, um dem Soldaten in Zivil auf die Schulter zu klopfen.

„Ach was, Shepard… Nur 'n bisschen Spaß, mehr nicht“, beschwichtigte er mit drei Schlägen.

Ich hatte dieses Tätscheln schon des Öfteren miterlebt und musste anerkennend zugestehen, dass der Mensch sich ziemlich gerade hielt.

„Sieht das hier wie Spaß für dich aus?“, wollte der Commander mit einer erhobenen Augenbraue wissen, bevor er sich Karin zuwandte.

„Wir legen sie auf die Liege, ich muss einen vollständigen Scan machen, bevor ich mehr sagen kann. Lieutenant, nutzen Sie ihre Kraft für etwas sinnvolles!“, befahl Karin dem Soldaten. James wandte sich von Wrex ab, und ging in die Hocke.

„Hoch mit dir, Lola“, murmelte er leise, bevor er Liz hochhob und sich umdrehte, um sie auf die Krankenliege zu legen.

„Ich gebe ihr was, damit sie erstmal außer Gefecht bleibt. Das ist vielleicht besser so, wir kennen ja die allgemeine Krankenstationsfluchttendenz auf diesem Schiff“, murmelte Karin und nahm mit einem Kopfschütteln eine kleine Glasflasche aus einem Regal, aus der sie eine geringe Menge aufzog und der Soldatin in den Arm injizierte.

Dann hob sie ihr Universalwerkzeug und startete ein Diagnoseprogramm, das die Stille in der Krankenstation mit einem leisen Piepsen hier und da unterbrach.



Shepard seufzte leise, bevor er seinen Blick durch die Runde schweifen ließ.

„Ich will eine Erklärung, und es ist besser eine verdammt gute“, sprach er drohend in Wrex‘ Richtung.

„Die Frau hat genug durchgemacht! Der Pyjak wollte ihr was spritzen, wer kann schon wissen, was da für’n Zeug is?!“, rief Wrex und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Vitaminpräparat, Shepard. Immunsystem geschwächt, Stabilisierung von größter Priorität vor Erstellung des Heilmittel“, ratterte Mordin herunter und deutete in Richtung der Frau. Die Kroganerin erhob sich langsam und mit einem leisen Stöhnen.

„Wrex… Er will uns helfen, nichts weiter. Mordin hat bereits mehr als genug getan, um unser Vertrauen zu verdienen“, sprach sie ruhig.

„Nein! Man kann denen keine Sekunde den Rücken zudrehen! Ich erlaube es nicht, Shepard, Sie können das nicht zulassen!“, beschwerte sich Wrex. Ich rollte mit den Augen. Der Kroganer war stur, das wusste ich. Aber so dermaßen…impertinent?



„Dann sollen die Kroganer die Genophage ganz alleine heilen? Mordin ist vielleicht einer der wenigen Wissenschaftler, die ein Gegenmittel herstellen können und wollen“, warf ich ein.

„Garrus hat Recht, Wrex. Er ist die einzige Chance, die die Kroganer haben, ob du willst oder nicht“, stimmte Shepard mir zu. Mit verschränkten Armen standen wir Wrex gegenüber, dem das so gar nicht gefallen wollte.

„Ohne Zugang zu Eva keine Untersuchung! Ohne Untersuchung keine Tests! Ohne Tests kein Heilmittel! Ohne Heilmittel keine Zukunft für Kroganer!“, versuchte es Mordin und stellte sich neben James, der dem Kroganer mittlerweile ebenfalls gegenüberstand.

„Wer sagt mir, dass der Pyjak sie nicht auch noch umbringt? Häh?!“, erwiderte Wrex stur.

„Wieso hätte er dir den Tipp gegeben, wenn er ihr was antun wollte?“, warf Shepard ein. „Mordin hat sich bereiterklärt, ein Heilmittel für den Volk herzustellen. Reicht dir das nicht?“, fragte er den trotzigen Kroganer.

„Shepard! Sie…“, fing Wrex einmal mehr an, doch da platzte dem Commander wohl die Helmschnur.

„Nein, Wrex! Du gehst jetzt hoch und besprichst dich oben im Kommraum mit Victus. Wir haben einiges zu klären, und Mordin muss ein Heilmittel herstellen können, ohne mein Einsatzteam noch weiter zu dezimieren! Na los!“, befahl er lautstark und brachte Wrex dazu, mit einem frustrierten Grunzen die Krankenstation zu verlassen. Shepard sah ihm nah, bis er außer Sichtweite war.



Gerade als Shepard sich an die Ärztin wenden wollte, riss Liz plötzlich die Hand in die Höhe, den Zeigefinger auf die Neonlichter deutend erhoben. Ihre Augen waren offen, doch sie starrte ins Leere an die Zimmerdecke.

Commander!“, sprach sie mit einem entsetzten Keuchen.

„Ähm… Ja?“, erwiderte Shepard, nachdem er sich kurz geräuspert hatte. Er machte ein paar Schritte auf die liegende Soldatin zu, ein amüsiertes Lächeln im Gesicht.

„Wir haben ein Hüllenleck auf Deck 3… So viele Sterne“, murmelte sie und deutete weiterhin nach oben.

„Ah! Vorrübergehender Verlust oder Störung des Sehvermögens ist häufige Nebenwirkung von überdosiertem Einsatz einer neuralen Überlastung“, erklärte Mordin schnell, und Shepard nickte belustigt.

„Außerdem verarbeiten Biotiker Medikamente schneller, vielleicht liegts auch an dem Beruhigungsmittel. Manchmal halluzinieren Biotiker damit“, zuckte Karin mit den Schultern, bevor sie erneut nach der Flasche griff. „Meine Scans konnten nichts Gravierendes feststellen, sie braucht Ruhe, Commander. In ein paar Stunden kann ich Ihnen mehr sagen“, versprach die Ärztin nach einer weiteren Injektion.

„Sie ist bei dir in guten Händen, Karin“, nickte Shepard der Ärztin zu, bevor er mich erwartungsvoll ansah. „Sehen wir zu, dass das Gespräch zwischen Wrex und Victus etwas zivilisierter abläuft“, seufzte er, und ich folgte ihm aus der Krankenstation heraus.

„Und Sie sind sicher, dass sie wieder auf die Beine kommt?“, hörte ich James fragen, als sich die Tür hinter uns schloss.

Oh Liz, du hast was zu erklären, sobald du wieder wach bist…‘, dachte ich in freudiger Erwartung, die junge Soldatin über ihre gemeinsame Vergangenheit mit dem Lieutenant ausfragen zu können….


Flashback Ende



Langsam öffnete ich die Augen und sah mich um.

Es war dunkel, doch nach wenigen Sekunden erinnerte ich mich, dass ich auf der Krankenstation war.

Scheinbar hatte sich jemand die Mühe gemacht, mich vom Boden aufzuheben und auf eine Krankenliege zu verfrachten.

Ich traute mich, ein wenig tiefer Luft zu holen, doch… der Schmerz, der mich in die Knie gezwungen hatte, war verschwunden. Ein dumpfes Ziehen in den Muskeln war noch immer zu spüren, als ich mich aufsetzte, doch das war nichts im Vergleich zu den Schmerzen, die mich zuvor lahmgelegt hatten.

Was zur Hölle war nur passiert?

Hatte Mordin mich getasert?

Aber wieso hätte er das tun sollen?



„Bei der STG hätte er das Zielen eigentlich lernen müssen“, murmelte ich leise in die Dunkelheit hinein und rieb mir über das Gesicht, als sich plötzlich ein Schatten neben mir erhob.

„Mordin?“, fragte ich, und plötzlich wurde mir mit einer Taschenlampe in die Augen geleuchtet.

„Sehkraft im Dunkeln hervorragend. Keine Sorge. Überleben war zu erwarten, ebenso wie Schwindel, Schmerz, Übelkeit. Langzeitfolgen nicht bekannt, müsste Untersuchungen anstellen, nachdem das Heilmittel fertig ist“, erklärte der Salarianer eilig und nahm mir endlich das grelle Licht aus den Augen, bevor er einen Scan durchführte.



„Was ist überhaupt passiert?“, fragte ich verwirrt, und sah mich um. Von Wrex keine Spur, und Mordin schien an seinem Universalwerkzeug gearbeitet zu haben.

„Neuralschock. Gedacht für adulten Kroganer, nicht für Mensch. Ich entschuldige mich für den Vorfall“, erklärte der Wissenschaftler und schloss sein Universalwerkzeug. „Keine Schädigungen erkennbar. Implantat intakt. Empfehle Aufnahme von Wasser, um Dehydration vorzubeugen“, fuhr er fort und sah mich erwartungsvoll an.
„Ok…?“, antwortete ich langsam. „Ich hab Wasser in meinem Quartier, darf ich gehen?“, fragte ich genauer nach, als Mordin sich wieder auf sein Universalwerkzeug konzentrierte.

„Natürlich. Scanergebnisse unauffällig, kein Grund für weiteren Aufenthalt. Dr. Chakwas klärt Einsatzfähigkeit am nächsten Morgen“, nickte er eifrig und sah mich im Dunklen mit seinen großen, schwarzen Augen an.

„Alles klar. Danke“, murmelte ich und drehte mich zur Seite, sodass ich mit meinen Zehen auf den Boden kam.

Mordin schien nicht sonderlich besorgt zu sein, und das nahm ich einfach mal als positives Zeichen und nicht als Desinteresse aufgrund seiner ehrgeizigen Heilmittelforschung.

Dennoch war ich heilfroh, die Krankenstation verlassen zu können und schob mich mit beiden Händen auf der Matratze von der Krankenliege, sodass meine beiden Füße fest auf dem Boden standen. Ich stieß mich ab und machte ein paar Schritte auf den Medizinschrank zu, um mich im Notfall daran festhalten zu können.

Reiß dich zusammen, Liz. Du hast schon viel Schlimmeres erlebt!‘, fuhr mich meine innere Stimme an.

Mir war noch immer recht schwindelig, aber das würde schon von alleine vergehen. Ich verließ die Krankenstation und hielt mich nahe an der Fahrstuhlschachtwand, damit ich mich ein wenig anlehnen konnte. Zielstrebig ging ich weiter und erreichte den Lift, dessen Tür sich automatisch öffnete.



„In die Shuttlebucht, EDI“, bat ich die KI.

„Natürlich, Lieutenant“, antwortete EDI und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung.

Ich hielt mich vorsichtshalber auch hier an der Wand fest.

„Wenn Sie die Anmerkung gestatten, wäre es vielleicht klüger, die Einsatzfähigkeitsuntersuchung durch Dr. Chakwas auf der Krankenstation abzuwarten“, warf die KI ein, doch da hatten wir die Shuttlebucht schon erreicht. Die Türen öffneten sich, und ich sah mich in der dunklen Halle um. Ein einziges, helles Licht neben dem Shuttle erhellte die Figur unseres Shuttlepiloten, der auch mitten in der Nacht noch zu arbeiten schien. Das laute Schnarchen, das aus James’ Quartier erklang, schien ihn nicht zu stören, aber es verschleierte meine Ankunft.

„Danke, EDI, aber ich komme zurecht“, sagte ich entschlossen und machte mich auf den Weg zu Cortez, der mit verbissener Mine am Shuttle arbeitete. Er schien mich nicht gehört zu haben, und als ich mich leise räusperte, schreckte er ein wenig zusammen.

„Oh! Du bist wieder wach, James hat erzählt, was passiert ist!“, sprach er und nahm sein Universalwerkzeug herunter.

„So schnell kriegt man mich nicht klein“, winkte ich ab, bevor ich auf das Shuttle deutete. „Hat Wrex was kaputt gemacht?“, wollte ich wissen und ließ mich langsam auf den Shuttlebuchtboden sinken. Cortez seufzte und schüttelte knapp den Kopf.

„Nein, aber wir wurden von Cerberus beschossen. Der Vogel hat ein paar Treffer abbekommen, und ich kann euch nur dann überall sicher rein- und rausfliegen, wenn ich das Kodiak in einem perfekten Zustand halte“, erklärte er ernst, als James ein lautes Grunzen von sich gab.

Wir sahen beide kurz in Richtung seines Multifunktionsquartiers, das mittlerweile als Trainingsraum, Waffenkammer und Schlafzimmer fungierte.

Das kleine, aber leuchtstarke Arbeitslicht von Steve erhellte die Nische nur wenig, ich erkannte nur den dunklen, kurzen Irokesenschnitt, der in unsere Richtung aus dem Schlafsack lugte. Er seufzte leise, bevor das Schnarchen wieder leiser wurde.

„Und du kannst dich wirklich konzentrieren, bei der Geräuschkulisse?“, fragte ich ein wenig skeptisch.

„Daran bin ich gewohnt. Und er schläft noch nicht lange, war noch 'ne Weile bei dir oben“, erwiderte der Lieutenant.

Ich spürte die Verwirrung, die mir wohl ins Gesicht geschrieben war, und er brachte ein kleines Lächeln zustande.

„Er ist ein guter Kerl“, antwortete er bloß, bevor er sich wieder dem Shuttle zuwandte.

Eilig verstaute ich sämtliche Gedanken zu einem James, der neben meiner Liege in der Krankenstation saß, in einer Kiste gaaaanz weit hinten in meinem Hirn, und konzentrierte mich auf den schlaflosen Piloten.

„Ich meine, mich an ein Gespräch erinnern zu können…Von wegen genug Schlafen und so. Und in den letzten Tagen gabs ein wenig zu viel Trubel, aber nachdem ich jetzt weiß, dass Robert die Farbe Grün mochte, was ich übrigens ziemlich gut verstehen kann, hätte ich heute gerne etwas Neues“, sprach ich leise, und sah ihn erwartungsvoll an.

Steve erstarrte und drehte sich langsam zu mir um. Seine Stirn lag in Falten, als er ein paar kleine Schritte auf mich zumachte.

Keiner von uns hatte bemerkt, dass das Schnarchen von gegenüber immer leise geworden war, bis es vor einem Moment verstummte. Mit einem knappen Nicken ließ Steve sich neben mir nieder und seufzte leise.



„Du ziehst das echt durch, oder?“, murmelte er.

„Jap. Frag James, ich bin stur, wenn ich will“, erwiderte ich mit einem Schulterzucken. „Schlafen ist wichtig, und weinen heilsam. Stark zu sein bedeutet, auch Schwächen zu zeigen“, erklärte ich, obwohl ich mich da selbst nicht dran halten konnte.

„Wenn Schlafen so wichtig ist, wieso bist du dann nicht in der Krankenstation und schläfst, wie Dr. Chakwas es angeordnet hat?“, fragte der Pilot mit einer hochgezogenen Augenbraue, als er das Arbeitslicht ausschaltete.

Nur die Notbeleuchtung am Boden und der Decke erhellte die Shuttlebucht noch, doch unsere Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit.

„Ich hab schon so viele Nächte auf diversen Krankenstationen verbracht, da bin ich froh, wenn mich jetzt niemand dort behält. Und Mordin hat mir erlaubt, zu gehen“, rechtfertigte ich. „Es ist der Geruch, das Desinfektionsmittel reicht mir schon. Das bringt…schlechte Erinnerungen hoch“, erklärte ich ehrlich. Wenn ich schon hoffte, dass sich der Lieutenant öffnete, musste ich ihm entgegenkommen.

„An welchen Einsatz?“, fragte er ruhig.

„Elysium. Ich war dort, als der Skyllianische Angriff passierte und war nach vier Stunden die ranghöchste Soldatin, und als Gunnery Chief will das was heißen. Die erste Angriffswelle hat schon jede Menge Leben gefordert, wir haben viele Soldaten und Zivilisten verloren, bis die Allianz eingetroffen ist“, erklärte ich leise. Er nickte kurz, und ich sah das Glitzern in seinen Augen, als eine Träne an seiner Wange herunterlief.

„Ich war mit Vega auf Fehl Prime, und wurde nur ein paar Wochen vor dem Angriff versetzt. Robert war schon auf Ferris Fields im Einsatz, und ich hatte mich versetzen lassen. Ich habe gearbeitet, als die Kollektoren kamen. Ich muss dir nicht erklären, dass Überfälle durch Piraten tagelang andauern können, doch das war völlig anders… Es ging alles so schnell, das Schiff war auf den Scannern, und plötzlich waren sie überall. Roberts Station wurde zuerst angegriffen, und er hat sich versteckt, um mich anzurufen. Ich habe lange darüber nachgedacht, doch ich hätte ihm dasselbe befohlen, ich hätte auch gewollt, dass er sich um jeden Preis in Sicherheit bringt, wenn es für mich zu spät gewesen wäre… Wir wurden evakuiert, und kaum waren wir in der Luft, hob das Schiff wieder ab. Ich weiß bis heute nicht, was sie mit all diesen Menschen gemacht haben, mit Robert, ich…habt ihr das rausgefunden? Was sie mit den Kolonisten gemacht haben?“, wollte der Lieutenant wissen, als ihm ein Schluchzen entkam.



Ich merkte deutlich, dass ihm diese Frage auf dem Herzen brannte, doch ich konnte ihm das nicht sagen.

Meine Gedanken rasten zu der Kolonistin zurück, die vor unseren Augen… verflüssigt wurde, nur um die Menschenreaperlarve zu nähren…



„Liz?“, fragte Cortez, und ich wischte eilig die Träne von meiner Wange.

„Ich kann dir das nicht sagen…“, wisperte ich mit zittriger Stimme, als ich ihn langsam ansah. Er griff nach meiner Hand und nickte auffordernd.

„Bitte, ich muss es wissen! Haben sie… Experimente gemacht? Ich muss nur wissen, was passiert ist, egal was, bitte, Liz“, bettelte der Lieutenant, dem die Tränen ebenso in den Augen standen, wie mir.

Nochmal schüttelte ich den Kopf, als er meine Hand noch fester umklammerte, bis es weh tat. Ich konnte ihm nicht die Wahrheit sagen, unmöglich…

„Die…die Protheaner wurden von den Reapern modifiziert… zu den Kollektoren gemacht… Sie wollten einen menschlichen Reaper erschaffen und haben die entführten Menschen…studiert…“, erklärte ich und gab mir Mühe, gefasst zu wirken, doch das fiel mir unglaublich schwer.

Die Schreie der Kolonistin hallten durch meine Erinnerungen, und Steve sah mich erwartungsvoll an, doch ich musste wegschauen.  


Ich starrte in die Dunkelheit, bevor ich weitererzählte.

„Wir hätten früher dort sein sollen“, flüsterte ich mit einem kleinen Kopfschütteln. „Aber als wir im Omega-Cluster ankamen, haben wir das Notsignal von Korar erhalten. Die Kolonie wurde überfallen, und es war niemand dort… Kein Schiff der Allianz, niemand… Der ganze Cluster war wie leergefegt, und wir hatten keiner anderen Kolonie helfen können. Die Kollektoren schlugen so schnell zu, dass wir jedes Mal zu spät kamen“, murmelte ich und schluckte, als sich meine Stimme wieder ein wenig beruhigte.

„Erzähl weiter“, sprach Steve, der ebenfalls ruhiger schien. Vielleicht tat es gut, sich das alles mal von der Seele zu reden, sich zu erklären…


„Shepard hatte Kontakt aufgenommen, als EDI das Reaper FFS installierte. Deswegen sind wir mit dem Shuttle runter, alle 14. Hannah ist geflogen, und wir haben uns in vier Teams aufgeteilt, um die Kolonie möglichst schnell zu befreien. Und wir haben es geschafft... Es gab erstaunlich wenige Verluste, und ein kleiner Turianer wurde geboren, während des Angriffs. Als wir wieder abgezogen sind, konnten wir keinen Kontakt zur Normandy herstellen. Es gab scheinbar ein Code-Signal in dem FFS, und die Kollektoren hatten die Normandy angegriffen. Sie haben die Crew entführt und Joker ist es mit EDI in letzter Zeit gelungen, das Schiff zu retten, indem er ihre VI-Beschränkungen aufgehoben hat und sie zur KI machte. Danach sind wir sofort durch das Omega-4-Portal geflogen. Die Normandy wurde stark beschädigt und war nach der Bruchlandung auf der Heimatwelt erstmal flugunfähig, aber wir… es hatte eigentlich keiner mehr damit gerechnet, dass wir die Mission überleben würden… Unser Ziel war nur, herauszufinden, was sie tun und die Heimatwelt zu zerstören, um sie aufzuhalten“, erklärte ich, und Cortez schniefte einmal kurz, ohne meine Hand loszulassen.

„Was genau habt ihr rausgefunden?“, fragte Steve nach ein paar Momenten, in denen Stille herrschte.

„Wir haben die Station infiltriert. Shepard hat Teams eingeteilt, und wir haben uns in der Zentralkammer wieder getroffen. Dort haben wir die Crew gefunden und konnten sie noch retten, doch die anderen Kolonisten waren bereits…weg“, erklärte ich so knapp, wie nur irgendwie möglich.


Er wollte etwas fragen, einwerfen… doch ich sprach eilig weiter.

„Ich hab Mordin und Grunt mit der Crew mitgeschickt, um sie zur Normandy zu eskortieren! Damit zumindest ihnen nichts mehr passieren kann. Shepard ist mit einem kleinen Team weitergegangen, und ich habe mit den anderen die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Wir wären fast nicht rausgekommen, weil die Tür so lange nicht aufging…Dann sind Shepard, Garrus und ich weiter, während die anderen uns den Rücken freigehalten haben. Da haben wir dieses…Ding entdeckt. Die Kollektoren haben diese Reaperlarve gebaut, dafür brauchten sie die Kolonisten. Wir haben alle Daten mitgenommen, die wir finden konnten, und dann die Basis gesprengt“, erklärte ich dem Piloten.

„Es… es tut mir so unendlich leid, Steve, doch wir konnten Niemandem mehr helfen. Nur dafür sorgen, dass die Kollektoren nicht weitermachen können“, flüsterte ich in die Dunkelheit und sah das knappe Nicken des Lieutenants.

„Danke…“, sprach er leise. „Ich weiß, dass ihr alles getan habt, und ich bin froh zu wissen, dass dieses…Ding zerstört wurde…“, fuhr er fort und drückte meine Hand nochmal, bevor er aufstand und mich auf die Füße zog. „Wir sollten schlafen, alle beide. Morgen geht der Kampf weiter, da müssen wir fit sein“, nickte der Pilot und ich begleitete ihn auf dem Weg zum Fahrstuhl.

„Du hast Recht“, stimmte ich ihm zu, als er den Türsensor aktivierte. Er verharrte einen Moment, bevor er eintrat.

„Pizza. Mit Ananas und Salami, nie mit Schinken. Aber mit Cheddar“, sprach er mit einem kleinen, traurigen Lächeln. Ich erwiderte es, dankbar, dass er mir eine weitere Kleinigkeit über Robert anvertraut hatte.

„Gute Nacht, Steve“, wünschte ich ihm und tätschelte seine Schulter.

„Gute Nacht, Liz“, erwiderte er, bevor er in den Fahrstuhl stieg und hinauffuhr.



Leise seufzte ich, bevor ich mich auf den Weg zu meinem Schlafsack machte.

Ich umrundete die Kisten, und ließ mich auf der kleinen Frachtkiste nieder, um dahinter zu greifen.

Irgendwo hinter der Kiste musste noch Wasser sein, ich hatte mein kleines Lager doch erst vor ein paar Tagen aufgestockt, nachdem wir die Citadel verlassen hatten.

„Hab ich dich“, murmelte ich leise, als ich die Flasche ertastete, und drehte mich mit meiner Beute um. „Huh!“, entkam es mir, als ein großer Schatten mit verschränkten Armen vor mir stand.

„Chakwas hat gesagt, du sollst oben bleiben“, sprach James ruhig, als ich meinen Puls wieder beruhigte.

„Du hast mich erschreckt“, murmelte ich und nahm die Hand runter, die an mein Herz geschnellt war.

„Kann ich nur erwidern, Lola“, antwortete der Kalifornier mit einem Schulterzucken. Ich bereitete mich mental auf eine gutgemeinte Predigt vor, während ich meine Wasserflasche öffnete.

„Die schaff ich auf Ex, wetten?“, grinste ich müde.

„Da bin ich sicher“, erwiderte er unbeeindruckt und ließ sich auf meinem Schlafsack nieder.

Dann würde das also länger dauern.

„Ich hab dich mit Esteban reden hör'n“, erklärte er nachdenklich, doch ich konnte mich noch nicht wieder auf das Thema einlassen. Nicht, ohne einen einzigen Kommentar zu seiner Schlaflautstärke abzugeben um die Atmosphäre, die so dermaßen drückend wirkte, zu lockern.

„Hört man sich eigentlich selbst, wenn man schnarcht? Du hast bestimmt drei Wälder abgeholzt“, warf ich ein.

„Keine Ahnung, du schnarchst doch selbst“, erwiderte Vega, den ich durch meine Frage ein wenig aus dem Konzept gebracht hatte.

„Das tue ich ganz bestimmt nicht“, wehrte ich ab, doch da fing James nur an zu grinsen.

„Natürlich schnarchst du! Ich hör dich doch in der Nacht!“, lachte der Kalifornier und ich merkte ihm an, dass er dankbar um die Ablenkung war, bevor wir zu ernsteren Themen kommen würden.

Ich rutschte von meiner Frachtkiste herunter und setzte mich ihm gegenüber auf den Boden, bevor ich mir Blasto schnappte, um an der aufgenähten Waffenweste zu friemeln, damit meine Hände beschäftigt waren.

„Bist du dir sicher, dass du nicht dich selbst hörst?“, fragte ich verschwörerisch und erwiderte das Grinsen, bevor ich kurz durchatmete und mich dazu entschloss, selbst wieder auf die Unterhaltung mit Steve zurückzukommen. „Ich hab mir deine Dienstakte durchgelesen“, gab ich zu.

„Glaub denen kein Wort, ich hab mindestens nochmal 5 Kilo draufgepackt, als ich Shepards Aufpasser war. Die haben mich nur nicht mehr neu gewogen“, erwiderte er, bevor auch er ernster wurde.

„Ich weiß, was du auf Fehl Prime geleistet hast. Du musstest eine ziemlich schwere Entscheidung treffen, und ich weiß, dass du anders entschieden hättest, wenn du gewusst hättest, dass du die Kollektorendaten nicht brauchen würdest. Aber… wir haben auch nicht gewusst, ob wir erfolgreich sein würden. Ob wir den Sprung mit dem Omega-4-Portal überhaupt überstehen, ob wir die Heimatwelt überhaupt erreichen. Von der Zerstörung der Basis ganz zu schweigen. Wenn wir draufgegangen wären, hättest du die Kollektoren aufgehalten, da bin ich mir ganz sicher“, sprach ich, während ich vor mir auf den blauen Stoff des Schlafsacks starrte und an dem einen Faden zupfte, der sich bereits von Blastos Weste löste.

James sah mich an, das spürte ich.

Jeder Faustkampf gegen Wrex wäre mir lieber, als jetzt hier zu sitzen und unter Umständen die Wut des Lieutenant Commanders abzubekommen.

„Ich kann verstehen, wenn du wütend bist, aber ich wusste nichts von deiner Mission, genauso wenig, wie du von meiner wusstest“, sagte ich leise, und wappnete mich.

„Ich bin nich‘ sauer, Lola. Das hab ich an Shepard ausgelassen und hatte genug Zeit, um drüber nachzudenken. S‘ is scheiße gelaufen, und das kann man nicht mehr ändern“, sprach er mit einer Ruhe, die ich nicht erwartet hätte.

Von daher hob ich meinen Blick und sah ihn an, wie der da so zusammengefaltet im Schneidersitz in meinem kleinen, engen Quartier saß.

„Oh…“, erwiderte ich. „Und da hatte ich schon Angst, dass du jetzt mit mir…tanzen willst“, murmelte ich mit einem kleinen Zwinkern.

„Mit dir tanz‘ ich jederzeit, Lola, vor allem, weil noch 'ne Revanche von der N1 ansteht“, grinste Vega plötzlich, und das hörte ich deutlich in seiner Stimme.

„Seh ich dann auch so aus wie der Commander?“, fragte ich skeptisch.

„Auf keinen Fall, ich kann doch dein hübsches Gesicht nicht verschandeln. Bei Shepard machts keinen Unterschied mehr“, zuckte James mit den Schultern, und ich war froh um die Dunkelheit, als ich die Wärme spürte, die in meinen Wangen hochstieg.

„Sag ihm das bloß nicht! Als ich ihn auf Omega gefunden hab, hat er noch viel schlimmer ausgesehen!“, lachte ich. „Cerberus war nicht zimperlich, mit der ganzen Wiederherstellung und so“, erklärte ich nachdenklich.

„Ich glaub nicht, dass die mit irgendwas zimperlich sind“, stimmte James mir zu, und dann erkannte ich sogar im Dunklen, dass er auf seiner Unterlippe herumbiss.

Wie immer, wenn er etwas ansprechen wollte, das sich als schwieriges Thema herausstellen würde.

„Raus damit“, seufzte ich und machte mich bereit, das Thema ‚Kollektoren‘ weiterzuführen.

„Die Kolonisten waren nicht einfach so weg, oder?“, fragte er und so wie ich mich für die Frage gewappnet hatte, rüstete er sich für die Antwort.

„Nein. Wir fanden eine Kolonistin, doch wir konnten ihr nicht mehr helfen. Sie wurde… Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll…verarbeitet“, antwortete ich, ruhiger als ich es erwartet hätte. „Ihr Name war Lilith Harris, und sie wurde von Horizon entführt. Sie war die Letzte der lebenden Kolonisten. Ihr nächstes Ziel war die Erde“, fuhr ich fort und sah sein Nicken in der Dunkelheit, dank der permanent aktivierten Notbeleuchtung.

Es herrschte Stille in meinem kleinen, feinen Quartier, bis ich mich nach einem kurzen Blick auf Blasto traute, ihm eine Frage zu stellen, die mich schon eine Weile beschäftigte.

„James?“, fragte ich leise.

„Lola?“, antwortete er knapp.

„Was hats mit deinem Wutausbruch wegen Blasto auf sich?“, wollte ich mit vorsichtiger Stimme und einem Deut auf den Stoffhanar wissen. Ich hoffte, dass er nicht abblocken würde.

Er seufzte.

Gut.

„Ich war Teil des Delta-Squad auf Fehl Prime. Das Einhorn-Emblem, du weißt schon“, fing er an. „Als wir die Kolonie gesichert hatten und unseren normalen Aufgaben nachgehen konnten, war ein Mädchen wahnsinnig vernarrt in uns Marines, in uns alle. Vor allem wegen dem Emblem. April. Sie hat mit ihrer Mutter Christine in der Kolonie gelebt“, erklärte er, und ich hatte schnell ein Gesicht vor Augen.

Ich hatte die Opferlisten der Kollektorenangriffe mehrmals durchgelesen, vor allem die von Fehl Prime, nachdem ich von James‘ Schicksal erfahren hatte.

Die meisten Kolonisten waren samt ID-Foto hinterlegt, und so hatte ich die Kleine bildlich vor mir. Ich hatte dem Kalifornier schon immer ein Händchen für Kinder zugetraut, schon seit unserem Einsatz mit dem batarianischen Sklavenhändler.

Kurz kam mir in Erinnerung, wie er im Frachtraum der Vienna gesessen hatte. Zwei turianische Jungen, drei kleine Salarianer einen Menschenjungen und Ruril, meinen kleinen Drell, vor sich sitzend, während er von der Villa erzählt hatte, besonders der Bär im Yukon hatte es den Jungs angetan.

Ich hatte nicht lange zuhören können, doch ich hatte noch genau mitbekommen, dass er ihnen von ‚Lieutenant Ryan und dem unglaublich gefährlichen Fisch‘ erzählen wollte, bevor ich von Lieutenant Murray ins KIZ gerufen wurde, um die Fortschritte der Angehörigensuche zu besprechen.

„Erzähl mir von ihr“, bat ich den Kalifornier, der in Gedanken zu versinken drohte.

„Cleveres Mädchen, die kleine Chispita… ich hab ihr versprochen, sie da rauszuholen. Ich hätts getan, aber Treeya…die Daten waren wichtiger“, sprach er und räusperte sich, als der fremde Name fiel. „Als wir die Trümmer durchsuchten, hab ich ihren Stoffhasen gefunden. Und seitdem nicht mehr weggeben können…“, erklärte er mit brüchiger Stimme und nun war es an ihm, den blauen Schlafsack anzustarren.

„Und das musst du auch nicht“, murmelte ich und strich ihm über den Arm. „Behalt ihn bei dir, von mir erfährt keiner von ihm, wenn du das nicht willst“, versprach ich ihm.

„Danke, Lola“, erwiderte er ehrlich, und tätschelte mein Knie.

Er dachte nach, und wurde zu still. Bevor er zu sehr in ein dunkles Loch sinken konnte, räusperte ich mich.

„Außerdem würde ich nie deine Taschen durchsuchen. Ich hätte viel zu viel Angst, 'ne Unterhose oder sowas zu finden“, murmelte ich und schüttelte mich gespielt, als wäre mir ein Ekelschauer den Rücken runtergelaufen.

„Wer sagt, dass ich überhaupt welche trage?“, erwiderte er mit einem schlagfertigen Grinsen, das ich nicht mal sehen musste.

Ich hörte es in seiner Stimme. Mit einem kurzen Auflachen gab ich ihm einen Klaps auf die Schulter, woraufhin er sich von meinem Lachen anstecken ließ. So gefiel er mir viel besser, der liebe James, doch als Kameraden konnte man nicht nur die Sonnenseiten des Anderen miterleben.



Eine Schattenseite des Soldatenlebens war es, dass man von Schiffsärztinnen namens Karin gerne mit Schlafmittel weggeballert wurde, um sich ‚auszuruhen‘. Und die Effekte des Mittels merkte ich genau jetzt, als sie mir die Kraft in den Augenlidern raubten.



„Lola?“, fragte James, als ich wohl auffällig still geworden war.

„Ja?“, erwiderte ich erschrocken. Ich war doch wohl nicht wirklich weggedämmert…oder?

„Zeit für 'n bisschen Schlaf, meinst du nicht auch? In vier Stunden geht die aktive Dienstzeit weiter“, erklärte er mit einem Blick auf die Uhr seines Universalwerkzeugs und erhob sich von meinem Schlafsack. „Ruh dich aus, war 'n heftiger Tag“, murmelte er und ließ sein Genick knacken.

„Allerdings. Ich muss ein ernstes Wort mit Wrex wechseln, wenn ich ihn später sehe“, stimmte ich ihm zu und öffnete meinen Schlafsack.

Der Lieutenant Commander sah mich erwartungsvoll an.

„Was, willst du rausfinden ob ich Unterwäsche anhab?“, fragte ich mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Ist das n Angebot, Lola?“, fragte er mit einem anzüglichen Grinsen, das ich sogar im schwach beleuchteten Frachtraum erkannte.

Mit einem plötzlichen Selbstbewusstseins-Schub grinste ich zurück und zog mir das Oberteil der Unterkleidung über den Kopf, bevor die Hose folgte. Da gab es nichts, was der Kalifornier nicht schon gesehen hatte.

„Wär's unverschämt, EDI nach mehr Licht zu fragen?“, hörte ich seine grinsende Stimme.

„Gute Nacht, James. Dein Schlafsack ruft, in deinem Quartier, vier Kisten weiter“, erinnerte ich ihn, bevor ich in meinen Schlafsack schlüpfte.

Ich hörte ihn lachen, als er sich aus meinem Sichtfeld entfernte. Den Kampf gegen die Müdigkeit gab ich auf, nachdem ich das Knarzen seines Feldbetts hörte.
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