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An der Front

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau OC (Own Character) Urdnot Wrex
25.12.2013
25.04.2021
155
725.182
43
Alle Kapitel
367 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
20.01.2019 3.702
 
Hallo ihr Lieben!
Dieses Kapitel ist ehrlich gesagt mehr ein Füller, als alles andere. Aber wie ihr sicher wisst, starten wir bald mit ME3, und ich wollte Liz' Mission auf Nodacrux nicht einfach so abbrechen lassen. Also müsst ihr mein ganz ungebundenes Geschreibsel noch für ein Kapitel aushalten, bevor wir eine alte Bekannte auf dem Mars treffen und die Reaper in die Galaxie einfallen....
Viel Spaß beim Lesen und eventuell auch Review schreiben ;-)
GLG,
Angel
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Ich kannte Kaidan.

Mittlerweile war ich mir sogar sicher, dass ich ihn ziemlich gut kannte.

Er war ruhig.

Besonnen.

Er schluckte vieles herunter, wenn es die Befehlskette vorgab.

Dennoch hatte er seine eigene, manchmal sogar sehr eigene, Sicht der Dinge.

Man konnte ihn oft nur schwer davon abbringen, seinen Standpunkt zu vertreten.

Das hatte ich immer sehr an ihm geschätzt, zumindest bis zu unserem kleinen Zusammenstoß auf Horizon.

Diese Streitigkeit hatte großes Potenzial, meine Meinung über ihn endgültig zu kippen.

Und unsere Freundschaft gleich mit.


„Ich kann dir sicherlich helfen, denn sonst würdest du wohl kaum seit geschlagenen fünf Minuten hinter mir stehen“, seufzte ich, ohne mich von meinem Sturmgewehr abzuwenden.

Ich konnte seinen starrenden Blick förmlich an meinem Hinterkopf spüren und war kurz davor, mich zu ihm umzudrehen. Doch ich würde nicht nachgeben. Niemals.

„Anderson hat nach einem Bericht gefragt. Ich war nicht zimperlich, als ich deine Befehlsverweigerung beschrieben habe“, sprach er ruhig, doch ich hörte eine kleine Spur Zufriedenheit heraus.

Kurz schloss ich meine Augen und rief mich zur Ruhe.

Ich hatte diese Chance bekommen, um mich zu beweisen. Eine wiederholte Befehlsverweigerung, wie er es sicherlich genannt hatte, würde beim Oberkommando nicht sonderlich gut ankommen.
Da wurden nicht viele Fragen gestellt, bevor man rausflog…

Dennoch stand ich zu meinem Handeln. Ich hatte das Richtige getan, ob er es mir glauben wollte oder nicht.

„Gut so“, erwiderte ich knapp und öffnete mein Universalwerkzeug.

Nach ein paar Befehlen legte sich mein Sturmgewehr fachgerecht zusammen, gereinigt und gefechtsbereit.

Ich atmete kurz durch, bevor ich mich dem Major zuwendete.

„Dann hat er nur die Wahl, ob er meiner Entscheidung vertraut oder mich endgültig rausschmeißt. Ich hoffe, er handelt bevor die Reaper ankommen. Danach ist wahrscheinlich vieles wichtiger, als eine geborgene VI, die bei der Datenanalyse behilflich sein kann“, lächelte ich und unterdrückte den dezent schnippischen Ton nicht, der sich so eifrig in meine Stimme schlich.

Wann ich meine Arme vor der Brust verschränkt hatte? Da konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

„Müssen wir jetzt wirklich noch weiter drüber streiten?“, seufzte der Wächter und stieß sich von dem Stahlpfeiler ab, an dem er lehnte.

„Wegen mir hätten wir gar nicht erst damit angefangen“, erwiderte ich mit einem schnippischen Schulterzucken, als der Fahrstuhl in der Shuttlebucht ankam und unsere drei restlichen Teammitglieder ausstiegen.

„Aber aber, was sind denn das für Gesichter?“, fragte Giovanni mit dezenter Sorge in der Stimme. „Dein Bruder grüßt dich, Schätzchen. Er findet es erstaunlich, dass sich eure Wege nicht mal auf einer kleinen Fregatte kreuzen“, zwinkerte der Italiener.

Er hatte Recht, seit meiner kurzen Berichterstattung hatte mich mein Weg nicht mehr auf die Brücke geführt. Das müsste ich dringend noch ändern, bevor wir das Portal erreichten!

„Ich geh nachher zu ihm hoch, keine Sorge“, beschwichtigte ich Smiles, bevor ich mich wieder Kaidan zuwendete. „Es ist mir ein Rätsel, wieso du so einen Wind darum machst. Aber ich sehe keinen Grund, Ressourcen ungenutzt zu lassen, wenn unser Ende kurz bevorsteht“, sprach ich mit einem ruhigen, aber dennoch etwas vorwurfsvollen Ton.

„Unser Ende, ja? Woher willst du das…“, begann er provokant, und so sehr ich mich auch zusammengenommen hatte…
Das brachte das Fass zum überlaufen.

„Weil ich gesehen habe, was sie mit den Protheanern gemacht haben! Du hast die Kollektoren doch auch gesehen, oder? In 50 000 Jahren laufen wir genmutiert durch die Gegend und entführen ganze Kolonien unter der Kontrolle der Reaper! Glaub mir doch ein einziges Mal, wenn ich etwas sage, Alenko, ich bitte dich!“, fuhr ich ihn an.

„Ich war auf Horizon, natürlich habe ich…“, wollte er sich rechtfertigen.

„Ohja, du warst auf Horizon. Ich erinnere mich lebhaft, wie du mich beschimpft hast. Und auch daran, dass es dir später verdammt leidgetan hat. Dieses Mal hättest du dir das sparen können, wenn du nicht so dermaßen verbohrt wärst!“, schimpfte ich.

„Wenigstens halte ich mich an die Anweisungen und Rangfolgen der Allianz!“, fuhr er mich an.

„Das hilft dir sicher, wenn wir in ein paar Monaten mitten im Krieg stehen“, erwiderte ich abfällig, was er mit einem Schnauben quittierte.

„Cerberus hat dich wirklich verändert…“, murmelte er kopfschüttelnd.

Also versuchte er es auf die Tour? Den Weg wollten schon ganz andere gehen, genauso erfolglos…

„Ich war nie Teil von Cerberus! Und jetzt tu nicht so, als wäre ich jemals anders gewesen“, gab ich mit erhobenen Augenbrauen zurück.

Kaidan öffnete den Mund, doch ihm schien kein Konter einzufallen.

„Sprachlos, ja? Gut. Ich hab keine Ahnung, wieso du noch Energie in einen so sinnlosen Streit verschwendest, wenn ich so oder so bald rausgeworfen werde. Danke dafür, übrigens. Wenigstens weiß ich jetzt, woran ich bei dir bin“, sprach ich kalt, ging mit hoch erhobenem Haupt an ihm vorbei und stieg in den Lift.



Das war das Letzte Gespräch, dass ich mit dem Major hatte.

Die SSV Somme erreichte die Erde ein paar Tage später, und da der liebe Kaidan meine Sturheit getriggert hatte, war ich nicht bereit, dem techbegabten Biotiker auch nur für einen Moment zuzuhören.

Er hatte es zwar versucht, doch da sein Stolz noch immer verletzt zu sein schien, hatte er mich in der kurzen Zeit nicht zum Zuhören erweichen können.

Stattdessen hatte ich umso mehr Zeit bei meinem Bruder auf der Brücke verbracht und mich mit Marcus, Luan und Giovanni unterhalten, wobei es Letzterem gar nicht gefiel, dass ich Kaidan mit eisernem Schweigen strafte.

Als wir wieder in Vancouver angekommen waren, folgte ein erneuter Abschied:

Nick blieb als Pilot auf der Somme und kehrte unter dem Befehl von Captain Erikson zur dritten Flotte zurück.

Marcus blieb weiterhin mein Babysitter, bis das Oberkommando darüber entschieden hatte, was jetzt mit mir geschehen würde. Auf dieser Seite gab es also keinen tränenreichen Abschied.


Auf anderen Seiten schon.

„Oh… mein Schätzchen, und nun musst du wirklich zurück in diese grausame, kalte Zelle? Es wird dir so schrecklich einsam werden, wie können sie dir das nur antun!“, schniefte Giovanni, ohne mich aus seiner atemberaubenden Umarmung zu entlassen.

„Es ist okay, die lassen mich da bald raus und ich kann woanders schlafen“, krächzte ich und tätschelte seinen Rücken.

„Das will ich ihnen geraten haben… Weiß das Oberkommando denn nicht, wie zerbrechlich deine Seele ist?“, fragte er und hielt mich mit eisernem Griff an den Armen fest, um mir in die Augen zu sehen.

„Ach was, die ist stabiler, als sie aussieht“, winkte ich ab und wurde nach einer kurzen, weiteren Umarmung aus seinem Griff entlassen.

Ich wendete mich Luan zu, der bereits einen neuen Befehl erhalten hatte, der meine Sicherheitsfreigabe jedoch überstieg. N7 und so.

Gott war ich neidisch…

„Pass auf dich auf, wir können den besten Scharfschützen der Allianz nicht verlieren“, zwinkerte ich, doch die Ernsthaftigkeit meiner Bitte war deutlich herauszuhören.

„Unkraut vergeht nicht, das müsstest du am Besten wissen“, grinste er zurück, als Marcus in Richtung des Fahrstuhls nickte.

„Wir müssen uns melden“, erinnerte er mich.

„Sofort“, lächelte ich, als Giovanni und Luan bereits in eine andere Richtung verschwanden. Es blieb nur noch einer. „Alenko“, nickte ich knapp und ging an ihm vorbei.

Ich schaffte es nicht allzu weit, bevor mein schlechtes Gewissen obsiegte. So ging man nicht auseinander, egal wie sehr der Stolz gekränkt wurde… Leise seufzte ich, bevor ich mich zu ihm umdrehte.

„Pass auf dich auf, ja?“, sagte ich leise. Ich lächelte kurz und freudlos und überhörte beinahe seine Antwort, als sich die Türen des Fahrstuhls schlossen.

„Du auch…“, murmelte der Wächter.



„Die Freude sei mit Euch, ich bin zurühüück!“, rief ich laut in die Inhaftierungsebene 3A.

Zur Antwort bekam ich ein genervtes Stöhnen, und kurz darauf tauchte der liebreizende Wachmann Evans auf. Er musterte mich unzufrieden, bevor er den Kopf schüttelte.

„Es hätte hier so schön ruhig sein können“, bedauerte er, bevor er Talbot auffordernd zunickte. Marcus schob mich am Überwachungsraum vorbei, ich erhaschte einen Blick auf Helweg, aber von Gerard gab es keine Spur.



Klick-Klick-Klick---Klack!  Ziiiiiiiisch---Klack.

Hörte ich das bekannte, aber mittlerweile sehr verhasste Öffnungsgeräusch meiner Zelle.

„Ich melde mich, sobald ich was weiß! Versuch du bis dahin, keinen Unfug zu machen“, sprach Talbot, wartete auf ein Nicken zur Antwort, und verschwand.

Klack---Ziiiiiiiiiisch.  Klack---Klick-Klick-Klick.

Drei auf drei Meter.

Ein Bett.

Ein Tisch.

Zwei Stühle.

Eine Tür zum Bad mit Toilette und Dusche.

Eine Fensterfront mit Blick auf blanken Beton.

Ja, das war Inhaftierungszelle 8 auf Ebene 3A.

Meine Zelle.

Und ich konnte es kaum abwarten, hier einmal wieder rauszukommen, diesmal gerne auf Dauer.



Es vergingen fast 26 Stunden, bis ich Besuch von jemand anderem als meinen liebsten Wachmännern bekam. Umso glücklicher war ich allerdings, als es sich dabei um Admiral Anderson handelte!

„Die Mission hat zwar kein weiteres Reaperartefakt zum Vorschein gebracht, aber das Oberkommando ist dennoch sehr zufrieden mit Ihren Leistungen, Lieutenant“, sprach er, nachdem ich ihm meinen Missionsbericht nocheinmal mündlich erstattet hatte.

„Dann haben sie den Bericht von Major Alenko wohl noch nicht gelesen“, schnaubte ich und einmal mehr schlich sich das freudlose Lächeln auf meine Lippen.

„Von welchem Bericht sprechen Sie?“, wollte der Admiral mit leicht gerunzelter Stirn wissen. Sein fragender Blick lag auf mir, und ich war verwirrt.

„Darf ich offen sprechen?“, fragte ich vorsichtshalber. Bei meinem Mundwerk konnte man nie wissen, wie sich ein solches Gespräch entwickeln würde…

„Erteilt“, erwiderte Anderson knapp.

„Major Alenko hat den Befehl gegeben, die VI auf Nodacrux zurückzulassen. Er sprach davon, dass er diese Befehlsverweigerung in seinem Bericht an das Oberkommando geschrieben hatte“, erklärte ich und hoffte, dass ich mir damit nicht mein eigenes Grab schaufelte.

„Alle Berichte gingen über meinen Schreibtisch, ich habe nichts von einem derartigen Vorfall gelesen“, erwiderte der Admiral.


Moment. Ich dachte an die Unterhaltung an die Somme zurück.

Ich war nicht zimperlich, als ich deine Befehlsverweigerung beschrieben habe


Er hatte nichts davon gesagt, dass er den Bericht auch abgeschickt hatte.

Der Mistkerl wollte mich provozieren, oder eine Entschuldigung aus mir rauskitzeln.

Ich hätte es wissen müssen, dass er mich nicht so ins offene Messer laufen lassen würde. Vielleicht hätte ich ihm doch zuhören sollen, den Stolz kurz zur Seite legen…

„Dann ist das wohl auch besser so“, zuckte ich also mit den Schultern und sah Anderson erwartungsvoll an.

„Nun denn. Wir haben eine Protheanerexpertin einfliegen lassen, die in den Marsarchiven arbeitet. Die Daten, die sichergestellt werden konnten, sollten schnellstens dorthin verbracht werden, ebenso die protheanische VI. Die Daten sind streng geheim, weshalb das Oberkommando einen Experten für den Übertransport angefordert hat. Ein N7 würde diesen Anforderungen entsprechen“, erklärte Anderson.

„Also wird Luan auf den Mars geschickt? Das hätte er mir auch sagen können“, schüttelte ich knapp den Kopf.

„Major Maalouf wird an anderer Stelle gebraucht“, erwiderte der Admiral, und ich sah ein kleines Funkeln in seinen Augen, das ich mittlerweile zuordnen konnte.

Er wusste mehr als ich, und wartete nun, bis ich darauf kam. Ich brauchte mir keine Hilfestellung zu erwarten.

„Okay… kriegt Giovanni seine N7? Wenn ja, hätten Sie ihn mit dem Grashüpfer erleben müssen! Oder schicken Sie Shepard? Der wird sich entweder riesig freuen, oder er ist beleidigt, weil er sein Luxusapartment verlassen muss“, grinste ich.

Er hob eine Augenbraue, und sein linker Mundwinkel wanderte um einen Milimeter nach oben. Wenigstens amüsierte ich ihn, wenn ich hier schon ohne Einsatz und Mission gestrandet war.

„Mister Shepard ist weiterhin außer Dienst gestellt, und Commander Leonardo ist derzeit noch nicht im Gespräch für die N7-Ernennung“, sprach Anderson.

„Oh Gott, Sie denken aber nicht an Lieutenant Vega, oder? Wenn James die N7 vor mir bekommt, hör ich das den Rest meines Lebens…“, murmelte ich leise.

„Überlegen Sie weiter“, ermutigte der Admiral meinen Gedankengang.

„Nein, hören Sie, Sie kennen den Kerl nicht so wie ich! In der N1-Abschlussbewertung hatte ich einen Punkt mehr. Das nervt ihn ungemein, und er erinnert mich gerne daran, dass er im Rang immer noch über mir steht. Und das wiederum, nervt mich. Oh, Sie hätten ihn in der Zeit erleben müssen, bevor er zum Staff Lieutenant wurde und wir beide First Lieutenants waren…“, erklärte ich, obwohl er das bestimmt gar nicht hören wollte.

„Lieutenant Vega ist noch immer als Bewacher des Commanders eingeteilt“, erwiderte der Admiral und sah mich eindringlich an.

„Sagen Sie es mir doch einfach. Ist es jemand anderes aus meinem N-Jahrgang? So wie Sie mich gerade anschauen, könnts ja sogar ich sein!“, lachte ich kopfschüttelnd, doch das verging mir, als er seine Handfläche in meinem Sichtfeld öffnete.

Oh“, entkam es mir, als ich einen Blick auf die Erkennungsmarken warf.

Eine Rückseite und eine Vorderseite sahen mir entgegen. Ein fabrikneues N7-Emblem prangte auf einer der Hundemarken, und meine Erkennungsdaten auf der anderen.

„Das Shuttle startet morgen früh, alles Weitere erfahren Sie um Punkt 0700 in meinem Büro“, sprach Anderson, und drückte mir die Marken in die Hand.

Ich blieb einen langen Moment sitzen und starrte die Erkennungsmarken an, bevor ich aufsprang.

„Anderson!“, rief ich, und der Admiral verharrte einen Moment, indem er sich zu mir umdrehte. „Danke. Wirklich, ich… ich muss das erstmal verdauen“, schluckte ich dankbar und nickte schnell.

„Das haben Sie nur sich selbst zu verdanken, Lieutenant“, erwiderte er und ich glaubte nicht, dass ich mir den Stolz einbildete, den ich in seinen Gesichtszügen sah und in seiner Stimme hörte.



Klack---Ziiiiiiiiiisch.  Klack---Klick-Klick-Klick.

Damit schloss sich meine Zelle für diese Nacht, doch an Schlaf war nicht zu denken.


Zeitsprung: 12 Stunden


„Ich kann Ihnen nicht genug danken, Admiral. Vielen Dank!“, sprach ich und schüttelte ihm die Hand.

„Finden Sie alles heraus, was uns helfen kann, Lieutenant. Das ist Dank genug“, erwiderte er und seufzte plötzlich. „Wer hätte das gedacht, was? Vor ein paar Jahren, als die Normandy noch eine Idee, ein Prototyp war, ein junges Team an Bord und ein Testflug, um einen Sender zu bergen. Dass es so kommen musste…“, sprach Anderson und wirkte plötzlich melancholisch.

Irgendwie müde.

„Wir halten die Reaper auf. Immerhin haben wir den Experten, von dem Sie gesprochen haben, oder nicht?“, fragte ich und brachte ein Lächeln auf meine Lippen, in der Hoffnung, ihm damit Zuversicht zu schenken. „Und im Notfall lassen wir einfach Shepard auf die Reaper los, das kann zwar hässlich werden, aber er kann ja nichts für seine Narben“, grinste ich, was ihn zumindest zu einem kurzen Auflachen verleitete. Anderson warf einen kurzen Blick auf seine Uhr, und ich verstand den Wink.

„Ich mach mich besser auf den Weg. Danke nochmal, ich werde Sie nicht enttäuschen“, salutierte ich, bevor ich meine Packtasche mit all meinen Habseligkeiten und Ausrüstungsgegenständen über meine Schulter warf und das Büro verließ.

„Darf ich wissen, wo es jetzt für dich hingeht?“, fragte Marcus, dessen Bewachungstätigkeit hiermit offiziell zu Ende war. Er würde zum Ladarscanauswertungsbereich auf dem Stützpunkt zurückkehren, was ihm ein ungemeines Sicherheitsgefühl verschaffte.

„Leider nein. Aber ich bin nicht weit weg“, versicherte ich, als er einen Blick auf meine neuen Hundemarken warf. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

„Du hast es geschafft“, grinste er.

„Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht“, erwiderte ich mit einem freudigen Schulterzucken, als wir unterbrochen wurden.

„Hey, Lola! Wann seid ihr zurückgekommen?“, hörte ich plötzlich James‘ Stimme.

Ich drehte mich um, und spürte gleich darauf eine Hand an meiner Schulter, als Marcus mich in die richtige Richtung drehte.

„Gestern Abend, aber ich bleib nicht lang“, erwiderte ich und erwischte ihn dabei, wie sein Blick kurz an mir runterhuschte. „Alles noch dran“, grinste ich. Er wirkte ertappt, doch er lenkte schnell ab, indem er auf meine Erkennungsmarken zeigte.

„Is' nicht dein Ernst“, murmelte er mit einem ungläubigen Kopfschütteln.

„Ich bin dir nicht nur mit der Abschlussbewertung voraus“, zwinkerte ich belustigt, als mein Universalwerkzeug piepte. Leise seufzte ich, bevor ich Marcus in eine kurze Umarmung zog. „Pass mir auf dich auf“, bat ich leise.

„Wird hier nicht sonderlich schwer, die Grashüpfer werden hier nicht so groß“, erwiderte er schulterzuckend, bevor ich mich James zuwendete. Er wirkte dezent verwirrt durch Marcus‘ Kommentar, ich sah genau, dass er nachfragen wollte. Er kam nicht dazu, da ich bereits unterwegs war.

„Sag Shepard 'nen lieben Gruß, ja? Ich muss zum Shuttle“, grinste ich und tätschelte ihm im Vorbeigehen die kräftige Schulter.

„War das 'n Befehl? Ich nehm keine Befehle von dir, ich bin immer noch ranghöher, N7 hin oder her!“, rief er, als ich mich entfernte.

„Wie könnte ich das nur vergessen? Es ist eine Bitte, kein Befehl. Wir sehen uns, Lieutenant Commander Vega!“, antwortete ich beinahe ausgelassen, als ich in den Fahrstuhl stieg.

Ich hob die Hand zu einem knappen Salut, als sich die Türen schlossen.


Und ob ich es mir eingestehen wollte oder nicht…ich hatte das dezent überhebliche Grinsen des Kaliforniers vermisst.




„Staff Lieutenant Elizabeth Ryan, Dienstnummer SLT21EAR591130, Allianz“, identifizierte ich mich bei dem Shuttlepiloten.

„Wurde auch Zeit. Wir sind vollständig, Abflug in zwei Minuten“, hörte ich die Antwort aus dem Cockpit und stellte die kleine unscheinbare Frachtkiste, in der sowohl Pyrrils Plattform als auch die protheanischen Datenlaufwerke und Discs enthalten waren, auf den Boden.

Meine Packtasche landete daneben, und mein Hintern fand auf einer der Sitzbänke Platz.

Alles ordnungsgemäß verstaut.

Neben mir waren noch drei andere Marines im Shuttle, sie waren die Ablösung für einen Teil des Wachpersonals in den Marsarchiven.


Andy Barrymore war ein junger Corporal, dynamische 21 Jahre alt und war auf Bekenstein geboren worden. Blonde Haare, einen Kopf größer als ich und ein freundliches Gesicht. Man sah ihm an, dass er noch nicht viel Schlechtes im Leben gesehen hatte und ich hoffte innständig für ihn, dass sich das nicht allzu schnell ändern würde. Er erinnerte mich ganz schrecklich an Jenkins, und damit auch an Jason, der James und mich zur Sklavenhändlermission begleitet hatte.


Alexander Pearcey war der Jüngste mit gerademal 19. Der Private stammte von Elysium und ich musste mich zusammenreißen, nicht in Flashbacks zu versinken, als er erklärte, dass der Skyllianische Angriff ihn zur Soldatenlaufbahn bei der Allianz bewegt hatte. Die braunen Augen funkelten, als er davon erzählte, wie die Marines bis zum bitteren Ende gekämpft hatten, obwohl es so unglaublich aussichtslos schien. Eben das wollte er auch tun, Zivilisten Hoffnung und Sicherheit verschaffen. Ich rechnete kurz, er war damals erst 12 Jahre alt gewesen. Der Name, Pearcey, sagte mir was. Damals hatte ich mich in meiner Frustration und Trauer, hatte deutlich mehr mit den Listen der Verstorbenen als mit den Überlebenden beschäftigt und er bestätigte meine Erinnerung wenig später, als er vom Verlust seines Vaters erzählte.


Benson Gulch wurde gerade zum Operations Chief befördert und war verdammt stolz darauf. Ich konnte mich noch gut dran erinnern, wie es sich damals angefühlt hatte, nur noch einen Rang von der Offizierslaufbahn entfernt zu sein. Er war erst 23 und stammte aus der kleinen Kolonie Ferris Fields. Seine Haare hatten einen Rotstich, und er war nicht viel größer als ich. Das Emblem auf seiner Unterkleidung zeichnete ihn ebenfalls als Biotiker aus, bei genauerem Nachfragen erfuhr ich, dass er in Stufe 4 eingeteilt wurde, genau wie ich. Diesmal konnte ich nicht umhin, mich an eine gewisse Situation mit Marcus zu erinnern…




Flashback 52, Biotiktrainingsraum 2, Allianzstützpunkt Vancouver, Kanada, Erde, Sol-System, Lokaler Cluster, Perspektive von Miss Elizabeth Adrienne Ryan, ehemals Staff Lieutenant der Allianz, einige Wochen zuvor



Voller Energie, und gleichzeitig absolut ausgelaugt, stieg ich aus dem Trainingsraum.

Gott, es tat so gut, sich mal so richtig auszupowern! Doch ich war nicht die Einzige, die sich zu freuen schien, wenn man Talbots Gesicht so betrachtete.

„Wow, Liz! Du hast auf dem Biotiometer 'ne neue Stufe geschafft! Deine Biotikstufe wird hochgesetzt, du bekommst mehr Geld!“, lachte er und klopfte mir auf die Schulter. Mein Blick ging zu dem Monitor, und tatsächlich, ich war einen Milimeter hinter der ‚Stufe 4‘-Grenze der Anzeige.

„Ich bekomme überhaupt kein Geld, Talbot“, erinnerte ich ihn, obwohl es mich freute. Ich war wohl doch kein hoffnungsloser Fall…

„Oh ja… Ha. Ganz vergessen, dass du noch suspendiert bist … Ha! Ja…Sorry“, erwiderte Marcus entschuldigend, doch ich grinste ihn an.

„Alles gut, mein Gehalt ist im Moment meine geringste Sorge“, wiegelte ich ab, als wir uns auf den Weg zu meiner Zelle machten. Es ging mir nicht mehr zu schlecht, auch wenn ich es kaum erwarten konnte, hier irgendwann wieder rauszukommen…


Flashback Ende



Ich war so in Gedanken versunken, dass ich die Frage fast überhört hätte.

„Und du? Irgendwas Interessantes über den Werdegang?“, fragte Benson gut gelaunt.

Die drei Jungs hatten mich nicht sonderlich genau angesehen, ich hatte mich nur als ‚Lieutenant Ryan‘ vorgestellt, was kein ungewöhnlicher Nachname war.

Drei Augenpaare sahen mich interessiert, aber nicht sonderlich beeindruckt an. Interessant.

„Puh, gut dass wir noch so lang unterwegs sind…“, schüttelte ich knapp den Kopf und sah kurz zu Boden, was wohl dazu führte, dass sich eine meiner Hundemarken umdrehte.

„Whoa… du bist eine N7? Ich… Ich meine, Lieutenant, Sie sind Teil der Special Forces?“, fragte Pearcey begeistert.

„Das klingt überrascht“, erwiderte ich. Sie mussten ja nicht wissen, dass ich vor wenigen Stunden nicht minder erstaunt darüber war.

„Nein, nicht, also… Ja, doch irgendwie schon… Ich dachte, als N7 hat man einen höheren Rang“, stotterte der junge Private.

Eine meiner Augenbrauen wanderte nach oben. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass mir das hier nicht zumindest ein kleines bisschen Spaß machte.

„Ich bin 26, ich bin sehr zufrieden als Staff Lieutenant“, erwiderte ich knapp.

„Oh… ich hätte Sie älter geschätzt…“, warf Barrymore ein. Leise seufzte ich und sah auf mein Universalwerkzeug. Der Flug würde noch ein paar Stunden dauern.

„Leider war ich Teil einiger Geheimmissionen, weshalb ich meinen vollständigen Werdegang nicht offenlegen werde. Aber bei all dem, was ich erlebt habe, darf ich so alt aussehen, wie ich will“, sprach ich eindringlich.

„Selbstverständlich, Sir! Ich…ich meine Ma’am!“, stimmte Pearcey mir eilig zu und stotterte am Ende peinlich berührt.

„Okay, Ma’am fühlt sich jetzt echt alt an…“, seufzte ich und griff nach meiner Packtasche, um meine Rüstung anzuziehen. Die Brustplatte war ausgetauscht worden, und es fühlte sich merkwürdig und gut zugleich an, das N7-Emblem darauf zu sehen…
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