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Agron und Nasir sind Daniel und Pana

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir
23.12.2013
23.12.2013
1
5.034
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23.12.2013 5.034
 
Seit zwei Staffeln sind Nasir und ich ein Paar. Nein, ich meine nicht im richtigen Leben, sondern in der Serie ‚Spartacus‘, in der wir mitspielen. Er ist ein kleiner, dunkelhaariger Mann und entspricht so gar nicht meinem Beuteschema, Freunde sind wir aber schon geworden. Pana Hema – so heißt Nasir wirklich – ist ein fröhlicher Kerl mit einem ansteckenden Lachen, der mich oft aus grüblerischer Stimmung reißen kann.
Manchmal trinken wir abends nach Drehschluss zusammen vor seinem Wohnwagen noch ein Bier und plaudern ein wenig. Ob er, wie ich, auf Männer steht habe ich nicht rausfinden können, doch es interessiert mich auch nicht. Er ist eben ein Kumpel, mehr nicht. Da ich nicht geoutet bin dürfte er von meiner Neigung nichts wissen, gefragt hat er jedenfalls noch nie. Wie gesagt, er ist ein wirklicher Freund geworden und das ist allemal wichtiger, als ein kurzer Fick.

Alles ändert sich, als die lange Sexszene näher kommt. Ich Idiot habe das Drehbuch natürlich mal wieder erst auf den letzten Drücker gelesen, schließlich lerne ich die knappen Texte meist sehr schnell und daher … Jedenfalls brennen mir allein schon vom Lesen die Augen. Pana Hema und ich, nackt auf einer Pritsche. Ob das gutgehen kann?
Also, hässlich ist Pana nämlich nicht. Wenn ich in seine dunklen Augen gucke kann ich sogar vergessen, dass er ein Zwerg ist. Gemessen an meinen eins fünfundneunzig ist allerdings fast jeder ein Gnom.
Ich schaue wieder ins Drehbuch, lese die Anweisungen und überlege, ob er und ich nackt sein müssen. Bisher war es kein Problem unter uns Männern, wenn wir in einer Szene mehr oder minder komplett entblößt herumgerannt sind, doch das hier ist ein anderes Kaliber.
„Daniel?“
Panas Stimme kommt von der Tür her, er linst um die Ecke.
„Komm rein“, fordere ich ihn auf, schiebe das Manuskript beiseite und lächle ihm entgegen, während er in den Campingwagen steigt und auf mich zugeht.
„Ich hab gerade … Ach, du wohl auch“, meint er, zeigt auf das Drehbuch und lässt sich neben mich auf die Bank plumpsen.
„Ja, ich auch“, gebe ich seufzend zu, beuge mich zum Kühlschrank und zaubere zwei Dosen Bier hervor.
Stumm schiebe ich ihm eine zu, öffne die andere und nehme einen tiefen Schluck. Danach gucken wir eine Weile in die Gegend, hängen unseren Gedanken nach.
„Ich fürchte, ich muss dir was beichten“, durchbricht Pana schließlich das Schweigen. „Ich bin schwul. Daher wundere dich nicht, wenn diese Szene da …“, er wedelt mit der Hand zum Manuskript, „… irgendeine Reaktion bei mir auslöst.“
Mein Magen gefriert. Mir wird schlecht. Leichte Panik löst Schweißtropfen auf meiner Stirn aus.
„Es liegt aber nicht an dir, keine Sorge. Ich reagiere einfach nur auf einen männlichen Körper, das hat nichts mit dir zu tun“, fährt Pana leise fort.
Na Dankeschön! Soll ich das jetzt als Kompliment oder Abwertung auffassen?
„Ach Scheiße. Jetzt habe ich dich … Ich dachte, ich rede besser vorher mit dir darüber. Ich dachte, wir wären Freunde“, flüstert er, nachdem ich minutenlang starr dagesessen habe, unfähig, irgendetwas zu erwidern.
Er stellt die Bierdose ab und erhebt sich schwerfällig. Noch bevor er ganz steht, packe ich seinen Arm und ziehe ihn zurück auf die Sitzfläche.
„Alles ist gut“, beruhige ich ihn. „Es stört mich nicht und ich finde es … ausgesprochen mutig, dass du es mir sagst.“
„Danke“, wispert Pana nach einer Weile, lächelt mir scheu zu und greift nach seinem Bier.
„Wir bekommen das schon hin“, behaupte ich überzeugender, als ich fühle.
„Mann, Daniel. Ich bin froh, wenn wir das hinter uns haben.“ Pana trinkt, lehnt sich zurück und seufzt leise. „Nach dem Zeug hier will ich erstmal Pause machen. Hoffe, das gelingt. Hab da aber wohl schon einen Folgeauftrag.“
Ich schaue zu ihm rüber und entdecke ein versonnenes Lächeln.
„Ach? Du willst Urlaub machen?“
„Ja. Mal ein wenig die Seele baumeln lassen. Endlich wieder Sex haben. Ups. Sorry, ist mir so rausgerutscht.“ Er grinst mich verlegen an.
„Ich doch okay. So etwas schwebt mir auch vor“, antworte ich und denke an die vielen einschlägigen Clubs in New York.

Vier Tage später ist es dann soweit. Ich stehe mit Pana in der Kulisse und gleich werden wir alle Hüllen fallenlassen. Auf das Zeichen des Regisseurs hin beginnen wir mit dem ersten Kuss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht Panas Schuld ist, als mein Mund versehentlich direkt auf seine Lippen rutscht. Vielleicht ist es nicht einmal ein Versehen und ich will es. Jedenfalls fühlt es sich erregend an und unerwartet erwacht meine Libido. Dieser kleine Kerl sorgt allein mit einem Kuss dafür, dass mich am ganzen Körper eine Gänsehaut überläuft.
„Stop!“, ruft Ronny, der Regisseur und wir müssen die Szene wiederholen.

Nach der vierten Wiederholung bin ich so erregt, dass es schmerzt. Nasir … Sorry, Pana scheint ähnlich zu fühlen und verzieht das Gesicht, als Ronny verlangt, dass wir gleich weitermachen sollen.

Zwei Stunden später bin ich schweißgebadet und dermaßen geil, dass ich sogar eine Klorolle ficken würde, egal, Hauptsache endlich Erleichterung. Pana wirkt erschöpft, schnappt sich ein Handtuch, wischt sich die Stirn und wickelt es anschließend um seine schmale Taille. Sein Blick wandert zu mir.
„Alles klar?“, erkundigt er sich leise.
„Geht so“, antworte ich mit mühsam beherrschter Stimme.
Lieber hätte ich ihn angeknurrt, wäre über ihn hergefallen und hätte ihm das Gehirn rausgevögelt. Unsere Freundschaft verbietet das jedoch, sofern ich an ihr festhalten möchte. Möchte ich das?

Während ich zu meinem Wohnwagen laufe, denke ich darüber nach. Unter den Kollegen gibt es schon den einen oder anderen Mann, der mir eindeutige Avancen gemacht hat. Um mich nicht zu outen, aber auch, weil mir keiner der Kerle gefiel, bin ich darauf bislang nicht eingegangen. Nun, nach diesem harten Drehtag, muss ich mir eingestehen, dass es Pana ist, auf den ich scharf bin.
Es ist seine Art, sein Duft und sogar sein geschmeidiger Körper, die meine Lust entfachen. Das Gefühl ist mehr als eigenartig und ungewohnt, denn sogar mein Herz ist beteiligt. Ich will Pana nicht nur vögeln, ich will noch mehr.

Zwei Handjobs und eine kalte Dusche später sitze ich vorne im Wohnwagen auf der breiten Bank. Gelangweilt blättere ich im Drehbuch, lerne den Text für den nächsten Tag und überfliege die Szenen bis zum Ende dieser Staffel. Ein paar Küsse sind noch geplant, doch kein weiterer Bettsport.
Das ist doch eigentlich gut. Warum bin ich also enttäuscht? Verwirrt horche ich in mich rein. In meinen Versuch, meine verdrehten Gefühle zu ergründen, platzt Pana hinein.
„Daniel?“
Er lugt durch die halb offen stehende Tür. Die langen Haare hängen ihm wirr ums Gesicht, wahrscheinlich hat auch er geduscht. Sein Blick ist unsicher, als ich ihn mit einer lässigen Geste hereinwinke und er die zwei Stufen zum Wagen hinaufsteigt.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“, fragt er leise, bleibt vor dem Tisch stehen, hinter dem ich sitze und stopft die Hände in die Taschen seiner kurzen Jeans.
„Klar. Was sollte nicht in Ordnung sein?“, knurre ich, lange zum Kühlschrank und hole zwei Bier heraus.
Pana nickt, quetscht sich neben mich auf die Bank und schnappt sich eine der Dosen. Der Verschluss klickt, es zischt leise. Sein ureigener Duft, zusammen mit dem eines Shampoos, umweht mich. Meine Kehle wird trocken, sodass ich schnell einen Schluck trinke, doch es hilft nicht. Panas Nähe betäubt mich, lässt die lüsterne Geilheit erneut aufleben und Befangenheit breitet sich in mir aus.
Ich kann ihn nicht ansehen, stiere auf die Dose und überlege krampfhaft, was ich nun tun soll. Sein nacktes Bein berührt meines, da die Bank sehr eng für uns beide ist. Gänsehaut breitet sich aus, ich beiße die Zähne zusammen. Wenn ich nicht gleich aufstehe und Distanz zwischen uns bringe, passiert ein Unglück.
„Ich hatte den Eindruck, du warst auch ziemlich … nervös bei dem Dreh vorhin“, murmelt Pana.
„Nervös?“ Ich schnaube laut in dem Versuch, zu lachen. „Mann, ich war so geil, wie schon lange nicht mehr“, setze ich leiser hinzu und linse nun doch rüber zu ihm.
„Hab ich mich also doch nicht geirrt“, sagt Pana leise und dreht die Dose in seinen Händen.
„Nein“, gebe ich seufzend zu, schlucke den Rest Bier herunter und stell die leere Dose auf den Tisch.
Indem ich mich ganz zu Pana wende, begehe ich einen fatalen Fehler. Seine dunklen Augen sehen direkt in meine und der Ausdruck darin versetzt mir einen Hieb in die Magengrube. Sein Adamsapfel hüpft beim aufgeregten Schlucken und ich muss auf seine Lippen starren. Ich weiß noch genau, wie sie sich anfühlen, was ihre Berührung ausgelöst hat.
„Daniel?“, flüstert er, stellt sein Bier weg und streckt die Hand aus, um sie auf meine Brust zu legen. „Ich mag dich als Freund. Sehr. Dennoch bin ich so unglaublich scharf auf dich, dass ich einfach nicht mehr denken kann.“
„Ich auch“, gebe ich heiser zu.
„Du … auf mich?“, fragt er, wobei seine Stimme vor Gefühl wackelt.
Ich nicke, beuge mich zu ihm und schließe die Augen, während ich seine Lippen zart mit meinen berühre. Ohne Publikum fühlt es sich noch besser an. Pana stöhnt, öffnet den Mund und tippt mit der Zungenspitze gegen meine Unterlippe. In unglaublich erotischer Weise fährt er die Linie nach und mogelt sich langsam in meinen Mund. Sein Geschmack ist berauschend. Ich lege eine Hand um seinen Hinterkopf und dirigiere ihn so, dass ich ihn noch tiefer küssen kann.
Es ist verdammt eng, da der Tisch unsere Bewegungsfreiheit stark eingrenzt. Ich versuche, mit den Fingern unter Panas T-Shirt zu gelangen, stoße mir dabei empfindlich den Ellbogen. Panas eine Hand streicht über meine Brust, während die andere an meiner Wange liegt. Als er sich zu mir dreht, rammt sein Knie in mein Bein. Ich stöhne auf, vor Schmerz und Frust.
„Wir werden uns hier verstümmeln“, raune ich an seinem Mund. „Wollen wir nach hinten umziehen?“
Pana lacht leise und kehlig, schlängelt sich von der Bank und guckt zu, wie ich meinen großen Körper hinter dem Tisch hervorzwänge. Als ich vor ihm stehe, starren wir uns eine Sekunde an, wie um sicherzugehen, dass das hier wirklich passieren soll. Dann schnappt Pana sich meine Hand und zieht mich durch den Wohnwagen.

Wir fallen ausgehungert übereinander her. Die Bettstatt quietscht unter dem gewaltigen Ansturm unserer Körper. Unsere Kleidung fliegt links und rechts weg, während wir uns gegenseitig mit leidenschaftlichen Zärtlichkeiten verwöhnen.
Panas Haut ist glatt und sein schmaler Körper mit den gut definierten Muskeln bebt vor Erregung. Wie konnte ich je glauben, dass er mir nicht gefällt? Mein Puls rast und das ungewohnte Gefühl will mir schier das Herz aus dem Leib sprengen. Seine Küsse setzen mich in Brand, seine forschenden Finger bringen mich zum Vibrieren.
„Kondom“, ächze ich, mach den Arm lang und wühle blind im Nachtkästchen.
Ich bekomme eine Packung und die Tube zu fassen, muss mich kurz von Panas Lippen trennen, um mich vorzubereiten. Kaum bin ich fertig, schwingt er sich auf meine Hüften und greift hinter sich. Während er mir tief in die Augen sieht, senkt er sich langsam auf meinen steifen Schwanz. Ich bin ganz gut ausgestattet, weshalb er sich Zeit lässt. Nur kurz zuckt Schmerz über seine Züge, dann entspannt sich seine Miene und spiegelt erneut Lust wider.
So wild, wie unser Akt begonnen hat, so sanft wird er nun. Ich will ewig in Pana stecken, ihn dabei ansehen, seine Lust beobachten. Wir wiegen uns in einem harmonischen Rhythmus, lächeln uns zu und verwöhnen uns gegenseitig mit Streicheleinheiten. Das hier ist ganz anders, als jede bisherige sexuelle Begegnung. Schöner, intensiver – einfach nur wahnsinnig gut.
Irgendwann jedoch wird die Lust zu groß. Ich erhöhe das Tempo, lege die Hände an Panas Becken und stoße härter zu. Er kommentiert das mit einem lustvollen Laut, stöhnt ein ‚Oh ja‘ und lässt den Kopf in den Nacken fallen. Seine Faust bewegt sich an seiner Härte auf und ab, Schweißtropfen glitzern auf seiner Brust.
Der Anblick lässt meine Geilheit emporlodern, als hätte jemand Brandbeschleuniger eingesetzt. Der Höhepunkt lässt sich nicht mehr hinauszögern. Ich hämmere mich in Panas Enge, sehe, wie er krampft und fühle es auch. Sperma läuft über seine Finger, er stöhnt laut. Mit einem letzten Aufwärts meiner Hüften explodiere ich auch.

Minuten später rollt Pana sich neben mich. Wir sind vollkommen verschwitzt und der Atem hat sich noch nicht ganz beruhigt. Ich drehe mich auf die Seite, schlinge einen Arm um seine Mitte und drücke ihm ein Küsschen aufs Ohr.
„Das war der Wahnsinn. Lass mir zehn Minuten, dann will ich nochmal“, flüstere ich ihm zu.
Pana lacht leise, wendet mir sein Gesicht zu und betrachtet mich einen Moment.
„Von mir aus können wir es die ganze Nacht tun“, gibt er leise zurück.

Der Rest der Drehzeit vergeht wie im Fluge. Die Nächte sind ein Fest der Sinne, tagsüber geilen Pana und ich uns mit kleinen Berührungen auf. Natürlich bleibt unser Verhältnis nicht unbemerkt, aber irgendwie schauen die anderen darüber hinweg. Nur ein paar der Kollegen gucken manchmal voller Neid, allerdings weiß ich nicht, ob dieser Pana oder mir gilt.

Dann ist die Staffel abgedreht und der Tag der Abreise naht. In der letzten Nacht liegt Pana erschöpft in meinen Armen und das erste Mal reden wir über die Zukunft. Ein Thema, das wir die ganze Zeit umschifft haben, wie eine gefährliche Klippe.
„Ich habe einen Anschlussauftrag in Los Angeles“, sagt Pana leise. „Was ist mit dir?“
„Noch verhandele ich. Ich werde erstmal in meinem Appartement in New York ausspannen“, antworte ich, streiche durch seine Haare und bewundere sein hübsches Gesicht.
„Und … was ist mit uns? Ist es vorbei oder …?“
„Was willst du denn?“, frage ich.
„Ich würde dich gern wiedersehen“, flüstert Pana, lächelt zaghaft und der Blick seiner Augen löst Magenkribbeln bei mir aus.
„Bedeutet das, du bist an etwas Ernsthaftem interessiert?“, necke ich ihn.
„Ja“, gibt er unumwunden zu. „Und du?“
„Ich auch“, antworte ich sofort und fühle zu meinem Erstaunen, dass es mir ernst mit dieser Antwort ist.
Pana hat mein Herz infiltriert, ist unter meine Haut gekrochen und ich weiß schon jetzt, dass ich ihn fürchterlich vermissen werde.
Wir verabreden, dass ich zu ihm nach Los Angeles kommen werde, sobald ich ein paar Dinge daheim erledigt habe. Damit ist alles klar und wir widmen uns den Rest der Nacht unserer Leidenschaft.

Am nächsten Tag besteigen wir getrennte Flieger. Der Abschied ist schmerzvoll, doch da wir uns schon bald wiedersehen werden, erträglich. Dennoch … ich vermisse Pana von dem Moment an, in dem seine schlanke Gestalt aus meinem Blickfeld verschwindet.

New York ist grau in grau und die Hektik der Stadt nervt mich. Nach den endlosen Weiten Neuseelands fühle ich mich besonders eingesperrt. Ich packe aus, sortiere die Post, checke die Anrufe und telefoniere mit meiner Agentin. Sie hat ein paar Angebote für mich, die wir in den nächsten Tagen besprechen müssen. Am Ende des Tages bin ich zuversichtlich, dass ich schon in einer Woche wieder abreisen kann.
Frohlockend rufe ich Pana an und teile ihm das mit. Das Gespräch gerät am Ende zu Telefonsex, wie auch in den folgenden Tagen. Mir geht es dabei so gut wie noch nie. Der Gedanke an eine gemeinsame Zukunft erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit, daher ertrage ich die Trennung fast gelassen.

Am vierten Tag nach meiner Rückkehr verbringe ich den Abend in meinem Appartement. Davor war ich stets unterwegs, um alte Freunde zu treffen und Familie zu besuchen, daher ist diese Verschnaufpause wirklich notwendig.
Ich stelle den Fernseher an, mache mir ein Tiefkühlgericht in der Mikrowelle warm und richte mich gemütlich auf der Couch ein. Irgendein Boulevardmagazin flimmert über den Bildschirm. Ich gucke nur mit halbem Auge hin, bis die Sprecherin Panas Namen erwähnt. Sofort hat die Glotze meine volle Aufmerksamkeit.
Wie durch dichten Nebel höre ich, dass die Frau irgendetwas von Pana und seinem Partner erzählt. Von einem Coming out und einem ganz reizenden schwulen Paar, das die beiden abgäben. Dann schwenkt die Kamera und richtet sich auf Pana, an dessen Seite ein großer Blonder in die Linse grinst. Einen Arm hat der Kerl um ihn geschlungen. Der Schmerz und die Wut über den Betrug wallen so gewaltig hoch, dass ich im Reflex den halbleeren Plastikteller in Richtung der Glotze schmettere. Nudeln fallen auf den Teppich, rote Soße spritzt umher. Mein Herz zerbricht.

Als mein Handy eine Stunde später summt, habe ich die ganze Zeit starr auf der Couch gesessen und blicklos geradeaus geguckt. Ich sehe Panas Nummer und erneut durchfährt mich der Schmerz, bohrt sich als stumpfer Splitter in mein Herz.
„Daniel …“, ruft er, doch ich lass ihn gar nicht zu Wort kommen.
„Du verdammtes Fickstück“, zische ich, heiser vor Wut. „Ruf nie wieder an. Ich bin fertig mit dir.“
Ich stelle das Telefon aus, lausche auf meinen rasenden Herzschlag und habe keine Ahnung, wie ich mit der Situation umgehen soll. Anscheinend hat es mich richtig gepackt, bin ich nicht nur verliebt, sondern Pana absolut verfallen. Anders lässt sich nicht erklären, dass ich völlig am Boden zerstört bin.

Irgendwie meistere ich die folgenden Tage. Mein Inneres ist wie tot, äußerlich funktioniere ich. Die Muskeln meines Gesichts schmerzen, wenn ich sie zu einem Lächeln zwingen muss. Ab und zu überlege ich, ob ich voreilig war. Ob ich Pana eine Chance geben sollte, doch dazu bin ich dann doch jedes Mal zu feige. Die Bilder waren eindeutig, daran gibt es nichts zu erklären.

Zwei graue, schmerzvolle Wochen später steht die Premierenfeier an. Zum Glück wird sie in New York stattfinden, sodass ich nicht reisen brauche. Der Gedanke, dass Pana vielleicht kommen wird, erfüllt mich mit Sorge. Gleichzeitig ist da ein Fünkchen Hoffnung, das ich einfach nicht totgeschlagen bekomme. Es muss die Verzweiflung sein, die solche irren Blüten treibt.
Ich prüfe meinen Anblick im Spiegel. Der Smoking ist vielleicht overdressed, aber er steht mir. Die braunen Haare habe ich mit ein wenig Gel in Form gebracht und die grauen Augen gucken traurig. Tja, daran werde ich wohl kaum etwas ändern können. Aufgeregt schaue ich auf die Uhr, schnappe mir Schlüssel und einen Mantel. In einer Stunde beginnt der Empfang.

Ein paar verirrte Schneeflocken fliegen umher, als ich vor dem Filmpalast aus einem Taxi steige. Einige der Kollegen sind schon da, unter ihnen auch Ronny, der Regisseur und Bert, der Kameramann. Ich grüße links und rechts, halte nach Pana Ausschau, jedoch vergeblich. Kurz bevor es dann in den Kinosaal geht, wende ich mich an Ronny und frage direkt nach seinem Verbleib.
„Pana hat abgesagt. Zu viel Stress“, antwortet dieser und mustert mich dabei prüfend. „Du siehst schlecht aus“, fügt er hinzu, klopft mir auf die Schulter und geht in den Saal.
Die zarten Blüten der Hoffnung krümmen sich, verwelken und fallen zu Boden. Ich folge Ronny nicht, verlasse das Kino und laufe stundenlang durch New Yorks Straßen, bis ich mich durchringen kann, in mein Appartement zurückzukehren.

Vollkommen durchgefroren gönne ich mir einen doppelten Scotch, nachdem ich den Mantel abgelegt habe. Auf dem Couchtisch liegt mein Handy und blinkt. Ich muss es vorhin vergessen haben. Gerade als ich es aufnehmen will, beginnt es zu summen. Panas Nummer erscheint im Display und mein Herz macht einen Satz.
„Ja?“, rufe ich atemlos.
„Ich steh hier vor dem Kino. Du verdammter Arsch! Ich will, dass du mir ins Gesicht sagst, dass du mich nicht mehr sehen willst.“
Panas Stimme nach all der Zeit zu hören, lässt meinen ganzen Körper in Erwartung prickeln. Ich hole tief Luft, setze zum Sprechen an, doch es kommt nur ein Krächzen aus meiner Kehle.
„Also, was ist nun?“, fragt er und seine Stimme vibriert vor Wut.
„Wann? Wo?“, flüstere ich mühsam.
„Sofort. Egal.“
„Kommst du her?“
„Ja. Zieh dich warm an. Du bist so ein Mistkerl!“, wütet Pana, dann legt er auf.
Ich lausche noch eine Weile, bin wie erstarrt. Dann lass ich das Telefon in meine Jackettasche gleiten, sinke auf die Couch und gucke blind in die Gegend. Pana ist in New York. Gleich wird er hier sein. Was, wenn er mir nur seinen Ärger über die Abfuhr vor die Füße werfen will? Mein Magen krümmt sich in banger Vorahnung zusammen.

Endlose zwanzig Minuten später läutet es. Ich renne durch den Flur, drücke den Türöffner und lehne mich mit dem Rücken gegen die Wand, während ich die Sekunden zähle. Vier Schritte bis zum Lift. Fünf Stockwerke hoch, dann zwanzig Schritte bis zu meiner Tür. Es läutet erneut. Ich starre die Tür an, presse eine Hand auf mein Herz und drücke zögernd die Klinke herunter.
Pana, mit wild funkelnden Augen, im Mantel steht vor mir. Die Haare sind kurz, seine Wangen wirken schmaler. Als ich keinerlei Anstalten mache, ihn hereinzubitten, drängelt er sich kurzerhand an mir vorbei, geht zwei Schritte und wendet sich zu mir. Die Hände in die Seiten gestemmt starrt er mich an. Ich schiebe die Tür zu, schlucke und begegne seinem wütenden Blick.
„Na los, Riesenarschloch. Sag es mir ins Gesicht“, fährt er mich an.
„Ich hab … Im Fernsehen, da warst du und dieser Blonde“, stammele ich lahm.
„Ja? Sag mal, hat man dir das Hirn rausgefickt? Das war eine PR-Maßnahme, nichts anderes“, brüllt Pana.
„PR?“, flüstere ich, wobei ich mir meiner eigenen Dummheit langsam bewusst werde.
„Weißt du was, Daniel Feuerberg? Du bist so eine verdammte Missgeburt! Du verdienst mich gar nicht! Hast du eine Ahnung, wie es mir nach deinem verschissenen Anruf gegangen ist? Wie ich mich fühle?“
Ich zucke beschämt die Achseln, während mein Herz in die Hose rutscht.
„BESCHISSEN“, schreit Pana. „Verdammt beschissen“, setzt er leiser hinzu. „Und ich wusste doch noch nicht einmal, warum du so einen Scheiß mit mir anstellst.“ Er seufzt, lässt die Arme hängen und wirkt mit einem Mal todtraurig. „Lass mich vorbei“, verlangt er heiser.
„Nein“, sage ich, verschränke die Arme vor der Brust und bilde eine unüberwindbare Mauer für den kleineren Pana.
„Arschloch!“
„Ich bin durch die Hölle gegangen.“
„Hirntoter Affe!“
„Bitte, Pana, es ist ein Missverständnis“, flehe ich.
„Dämliches Riesenbaby!“
„Ich war irre vor Eifersucht.“
Pana öffnet den Mund, doch er sagt nichts, sondern glotzt mich nur an.
„Es hat so wehgetan, dich mit diesem blonden Schönling zu sehen. Bitte, können wir nicht … Habe ich eine Chance?“ Mein Herz klopft so schnell, dass mir ganz schwindlig ist und Panas Gestalt vor meinen Augen verschwimmt.
„Ich soll dir Holzkopf eine Chance geben? Ja, bin ich denn verrückt?“, knurrt er.
Ich suche Halt an der Wand, lehne meine Schulter dagegen und stütze mich seitlich mit einer Hand ab. Die Furcht davor, dass Pana geht, kriecht mir eiskalt den Rücken hoch.
„Und wenn ich dir eine Chance gebe, wirst du mich dann bei der erstbesten Gelegenheit wieder fallenlassen, wie eine heiße Kartoffel?“, fragt er und seine Stimme klingt einen Hauch versöhnlich.
„Nein! Niemals! Wenn du … Ich werde dich nie wieder gehenlassen, wenn du mich … noch willst.“ Die letzten Worte kommen als hohes Piepsen. Ängstlich beobachte ich Panas Reaktion, entdecke, dass seine Mundwinkel zucken.
„Ich liebe dich“, flüstere ich, und damit habe ich meine letzte Munition verschossen. Wenn er jetzt noch immer gehen will, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
„Daniel“, wispert Pana, macht einen Schritt, dann noch einen. „Daniel“, wiederholt er, springt auf mich zu und hängt plötzlich an meinem Hals. Nach einem weiteren ‚Daniel‘ fühle ich seine warmen Lippen und alles andere wird unwichtig.
Ich schlinge beide Arme um ihn, drücke ihn fest an meine Brust und küsse ihn, als gäbe es kein Morgen. Sein lange vermisster Duft dringt in meine Nase, erfüllt meine ganzen Sinne mit einem freudigen Summen. Eine nasse Zunge fährt an meiner entlang, schlängelt sich in meinen Mund und erobert mich mit ihrem exquisiten Geschmack.
Ewig stehen wir so da, lernen uns neu kennen und entdecken altes Terrain. Als wir unsere Münder voneinander lösen, ist ein Hauch der Vertrautheit zurück.
„Du bist so ein Idiot“, sagt Pana schief grinsend.
„Du hast so recht“, erwidere ich.
„Ich habe keine Ahnung, womit ich einen Schwachkopf wie dich verdient habe.“
„Vielleicht hast du mal etwas Böses angestellt?“, mutmaße ich, wobei ich ihm durchs Haar wuschele.
„SO böse kann ich gar nicht …“ Ich ersticke seine Frechheit mit einem harten Kuss.
Anschließend streife ich den Mantel von seinen Schultern, bewundere eine Sekunde den tollen Smoking, bevor ich Panas Hintern packe und ihn vom Boden hebe. Im Reflex schlingt er die Beine um meine Hüften und die Arme um meinen Nacken. Wie ein Äffchen hängt er an mir, stößt leise Schimpfworte aus, während ich ihn ins Schlafzimmer trage.
Vorsichtig lass ich ihn vor dem Bett runter, mache mich an den Knöpfen seines Jacketts zu schaffen und will es ihm ausziehen, da schubst er meine Hände weg und zieht unwirsch die Augenbrauen zusammen.
„Du denkst auch: Mal eben die drei Worte gesagt und schon geht’s ab ins Bett“, wirft er mir vor.
Verdammt! Ich habe doch eben noch seine Erektion gespürt. Oder irre ich mich?
„Äh … ja“, antworte ich dämlich und gucke verdutzt.
„Wahaha! Du solltest mal dein Gesicht sehen“, grölt Pana, schlägt verspielt gegen meine Brust und prustet los.
Na warte! Ich versetze dem kleinen Kerl einen Schubs, sodass er rückwärts aufs Bett fliegt. Im nächsten Moment habe ich seine Schuhe in der Hand, werfe einen anerkennenden Blick auf das Label, murmele ‚Valentino, nett‘, bevor ich sie achtlos in eine Ecke pfeffere.
Ich werfe mein Jackett auf den Boden, steige aus den Schuhen, fummele an der Fliege, reiße das Hemd auf, sodass die Knöpfe in alle Richtungen spritzen. Pana verfolgt mein Tun mit aufgerissenen Augen. Als ich aus der Hose steige, leckt er sich über die Lippen und glotzt meine Körpermitte mit unverhohlenem Interesse an. Ich streife die Socken ab, hole das auch bei ihm nach und fahre mit den Fingerspitzen über seine Fußsohlen.
„Uah! Ni-hicht“, winselt Pana und windet sich.
Gnädig lass ich von ihm ab, krabble zu ihm auf die Matratze und strecke mich neben ihn aus. Durch die Neckereien bin ich erstmal ernüchtert. Das Wunder, dass Pana hier liegt, ist bei mir immer noch nicht ganz angekommen. Zärtlich streichle ich seine Wange und sein Blick wird ganz dunkel.
„Wieso bist du eigentlich doch noch zu der Premiere gekommen?“, frage ich neugierig.
„Ich hoffte, dich dort zu treffen“, erwidert Pana und seufzt. „Erst wollte ich nicht kommen, aber ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten und du Arsch bist ja nicht an dein Telefon gegangen.“
„Ts-ts“, mache ich und muss grinsen. „Dein Kosenamen-Repertoire müssen wir aber noch ändern.“
„Wie soll ich dich denn nennen? Zuckerschnäuzchen?“
„Daniel würde gehen oder … Liebster“, schlage ich milde lächelnd vor.
Pana schluckt.
„Die drei Worte …“, wispert er und beobachtet mich dabei genau, „… waren die ernst gemeint?“
„Absolut. Du glaubst gar nicht, wie ich hier die Wände hochgegangen bin, als ich diese Bilder im Fernsehen …“
Pana küsst mich sanft, rückt näher an mich ran und lässt seine Finger unter mein T-Shirt gleiten. Unter unzähligen Küssen befreie ich ihn von seiner Kleidung, lass alles heil dabei und halte endlich einen nackten, sexy Kerl in meinen Armen. Gierig fahren meine Lippen über seine Haut, erforschen den Hals, die Kehle und die Brust. Pana seufzt, legt sich zurück und genießt meine Behandlung, die ihm eine dicke Gänsehaut verpasst.
Ich lecke über seine Leiste, beiße hinein, beäuge seinen dicken Schwanz, knabbere an ihm herum, bis Pana wimmert und auffordernd die Schenkel spreizt. Gleichzeitig zupft er an meinem Haar und stöhnt meinen Namen. Dem kann ich nicht wiederstehen.
Meine Finger zittern, als ich ein Gummi überstreife und mit Gel versehe. Es kommt mir vor, als wenn es ewig her ist, dass er und ich zusammen waren. Ich drehe ihn auf die Seite und lege mich hinter ihn, schiebe einen Arm unter seinem Körper hindurch und halte ihn fest, während ich den engen Muskel prüfend mit einem Finger erkunde. Gleich darauf schiebe ich meine Schwanzspitze in Pana rein und erobere ihn, so langsam es mir möglich ist.
Er stöhnt, umklammert mal meinen Arm, dann greift er nach hinten und streicht über meine Hüfte. Ich flüstere ihm die drei Worte zu, drücke zarte Küsse auf seinen Hals, das Ohr und immer wieder auf seine zarten Lippen, wenn er den Kopf zu mir dreht. Es ist, als wären wir eine Einheit, so stark harmonieren unsere Bewegungen, scheint sogar unser Atem gleich zu kommen. Ich stoße erst langsam zu, doch schon bald überrollt mich die Ekstase und ich nehme Pana härter und schneller.
Er feuert mich an, fordert immer wieder mehr und reckt mir seinen kleinen Hintern entgegen. Vor Lust fast irre grabsche ich nach seinem harten Schwanz, schiebe ihn mit meinen Stößen schneller und schneller in die enge Faust. Pana stöhnt, ächzt und seufzt. Sein Steifer pocht in meiner Handfläche. Alles verschmilzt zu einer irren Kakophonie, an deren Ende warmer Samen über meine Hand läuft und ich in einem bombastischen Funkenregen wegfliege.

Pana hockt im Schneidersitz auf dem Bett, die Haare noch nass von der Dusche. Mein Bademantel ist ihm viel zu groß, sodass er ihn fast zweimal um seinen Körper schlingen könnte. Ich laufe in Jogginghose und T-Shirt herum, habe für uns Schnittchen zubereitet und trage alles auf einem Tablett ins Schlafzimmer. Panas Lächeln bringt mein Herz immer wieder dazu, Purzelbäume zu schlagen. Es sollte nur noch mir gehören. Ich lächle zurück, stelle das Tablett vor ihm ab, von dem er sich sogleich ein Käseschnittchen nimmt und in den Mund steckt.
„Isch musch morgen zurück“, verkündet er kauend.
Vorsichtig krabble ich neben ihn, bediene mich auch und erkläre mit vollen Backen: „Isch komm mit.“
Panas Augen leuchten, als er mich liebevoll anschaut.
„Ich liebe dich“, wispert er, blinzelt und lehnt sich kurz an meine Schulter, dann greift er sich die nächste Schnitte, als hätte er nicht gerade die ganze Welt mit seinen Worten bewegt.
Ich bin wie erstarrt, kann nicht weiteressen, da mein Magen voller Schmetterlinge ist. Pana grinst, streichelt mein Knie und meint trocken: „Meinst du, du kommst damit klar?“
Damit bricht er den Bann. Ich atme tief durch, schnappe mir ein Salamischnittchen und sage leise: „Es wird schwer werden, aber ich denke … ich werde dieses Los akzeptieren.“
Anschließend stopfe ich mir die Schnitte in den Mund und kaue grinsend. Ein Leben mit Pana ist das Beste, was ich mir vorstellen kann.

Am nächsten Tag reisen wir zusammen nach Los Angeles und ich poliere dem Blonden NICHT die Fresse dafür, dass er meinen Liebsten angefasst hat. So etwas nennt sich Selbstbeherrschung. Die Dreharbeiten überwache ich allerdings mit Argusaugen und fange mir schon bald den Titel ‚Panas Wachhund‘ ein. Mir egal. Wenn ich in Panas dunkle Glutaugen schaue, versinkt die Welt um mich herum sowieso. Nichts ist mehr wichtig, nur, dass wir zusammen sind.

ENDE
 
 
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