Alice, hilf mir!

KurzgeschichteThriller, Fantasy / P12 Slash
Alice
23.12.2013
23.12.2013
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Langsam lief ich die Straße entlang, die von den Regen total durchnässt war, sowie mein Kleid, welches ich trug, in blau mit einer weißen Schürze drumgewickelt, und meine schwarzen, langen Haare, die sich bereits leicht gekräuselt hatten durch den vielen Regen. Die ganze Zeit lief ich durch den Regen und versuchte, meine Erinnerungen von dem letzten Besuch meines "Wunderlandes" krampfhaft zu vergessen. Mein letzter Besuch war nicht schön. Ganz und gar nicht schön. Eher beängstigend und verstörend, selbst für meine Verhältnisse, obwohl ich schon so einiges gewohnt war.
Ich würde morgen 18 Jahre alt werden. Noch ein weiteres Jahr voller Schmerzen und Qualen wäre dann nun morgen vorbei, und ein neues würde wieder beginnen. Manchmal verfluchte ich mich dafür, noch so jung zu sein, denn wenn ich alt wäre, würde es nicht mehr länger dauern, bis mich der Tod zu sich holen und meine Erinnerungen löschen würde und ich mich somit endlich von meiner Qual befreien lassen konnte. Dennoch, konnte der Tod wirklich noch der einzige Ausweg sein, den ich hatte?
Während ich weiterhin in meinen Gedanken versank, bemerkte ich erst ein paar Sekunden später, dass ich vor einer steilen Klippe halt gemacht hatte. Ich riss meine Augen weit auf, da mich diese schreckliche Realität wieder zurückgeholt hatte. Der Wind wehte erst sanft, dann immer stärker, bis er es dann endlich schaffte, mein Kleid ein wenig schweben zu lassen und meine Haare tanzen zu lassen. Ich tritt mit meinem Fuß gegen den Boden und ließ einzelne kleine Steinchen den Abhang hinunterfallen um zu sehen, wo dieser Abgrund denn hinführte. Sie führten ins Nirgendwo. Ich blickte hinab und sah nur einen dicken, festen Nebelschwaden umher ziehen, welcher ein wunderbarer Kontrast zum schwarzen Himmel war, nur leicht beleuchtet von dem Vollmond, der oben am Himmelszelt thronte.
Je länger ich nach unten schaute, desto mulmiger wurde mir zumute weshalb ich mich entschied, lieber nach oben zum Mond zu schauen.
Der Mond war so schön hell und klar; er zog mich jedesmal in seinem Bann. Für einen kurzen Moment schloss ich meine Augen, hob das Gesicht gen Himmel und genoss den Mondschein für eine Weile. Der Regen hatte aufgehört und meine Ohren lauschen nur die Stille, die mich wie ein Mantel umgab.
Als ich meine Augen wieder öffnete, erschrak ich, stolperte nach hinten, sodass ich zu Boden fiel, und klatschte mir mit beiden Händen meinen Mund, um einen Schreckensschrei zu unterdrücken.

Nein! Das kann nicht sein! Ich will das nicht sehen! Warum hört das denn nicht auf!?

Panisch wollte ich meinen Blick von dem Mond abwenden, doch ich konnte es nicht. Dieser Anblick zog meine ganze Aufmerksam auf sich.
Der Mond hatte sich orange gefärbt und hatte ein Gesicht. Seine Augen, schwarz und ausgehöhlt, blickten mich an, sein Mund, die Winkel waren nach unten gezogen und zugenäht. Traurig blickte er mich an, als würde er mich um hilfe bitten und aufeinmal liefen blutrote Tränen sein Gesicht entlang. Er weinte Blut.

"Alice... Hilf mir... Bitte... Ich flehe dich an... Hol mich hier raus..."

Diese hohe, quietschende Stimme verkroch sich in meinem Gehörgang, sodass ich aus Reflexe meine Ohren zu hielt. Ich hielt das alles nicht mehr länger Stand! Meine Beine, sie zitterten, mein ganzer Körper bebte. Ich kauerte mich zusammen, kniff meine Augen zu und versuchte diese verzweifelten Hilferufe zu ignorieren. Ich kämpfte verbissen meinen Erinnerungen entgegen. Sie durften nicht immer wieder gegen mich gewinnen!
Ein paar Minuten später schaute ich hinauf zum Mond und sah, wie er immer mehr verlief, wie Wasserfarbe, und einzelne Bluttropfen fielen den Abgrund hinunter.

"Alice! Hilf mir! Ich sterbe! Hörst du!? Ich sterbe!"

"Nein! Verschwinde! Lass mich in Ruhe!", schrie ich verzweifelt und hoffte, dass es endlich aufhören würde. Mein Atem wurde immer schwerer und kippte leicht zur Seite und fiel gänzlich zu Boden.
Nun lag ich da, halb bewusstlos zum Horizont hinausschauend. Mein Körper hatte sich beruhigt, ich lag praktisch da wie tot. Langsam öffnete ich meine Augen und blinzelte ein paar Mal, während meine Ohren erneut das leise Rauschen des Regens wahrnahm.
Keine Ahnung, wie lange ich hier schon lag, jedenfalls war ich nun wieder so bei Bewusstsein, um eines festzustellen:
Der Mond war wieder normal. Hell leuchtend, ohne Gesicht, ohne Blut, schneeweiß, wie er auch sonst immer war...
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