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Blutrot

von manri
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
21.12.2013
08.03.2014
7
13.706
7
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
21.12.2013 2.755
 
Hallo liebe Leser!


Da der Wunsch nach der Vorgeschichte von „Mein allerschönstes Weihnachtsgeschenk“ aus der Sicht von Ricky geäußert wurde erfolgt hiermit die Lieferung des ersten Kapitels. ^^  Meine Muse hat auch brav mitgespielt, bzw. geschrieben.

Jetzt lege ich aber vorsichtshalber eine große Packung Taschentücher hin und wünsche euch trotzdem viel Spaß beim Lesen.

PS: Auch wenn der Anfang hart für Ricky ist, es kommen auch wieder bessere Zeiten.



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1.



Verdammt, ich bin todmüde und mir tut mein Hintern tierisch weh. Ausgerechnet heute muss ich auf diesen harten Holzklappstühlen in der Vorlesung von meinem Lieblingsprof hocken. Aber ich konnte sie unmöglich sausen lassen. Schließlich habe ich morgen eine wichtige Klausur zu bestehen. Unruhig rutsche ich hin und her und versuche eine bessere Sitzposition zu finden. Lars, der neben mir sitzt, grinst mich fies an. Er ist ebenfalls schwul und weiß ganz genau, was mit mir los ist. Danke, du Scherzkeks! Ich lach mich demnächst auch kaputt, wenn es dir wieder mal so ergeht.

Meine Konzentration lässt immens zu wünschen übrig, denn immer wieder schweifen meine Gedanken ab zu der letzten Nacht. Ich muss mich regelrecht zwingen dem Vortrag zu folgen. Mein Freund Rashid hat gestern sein Architekturdiplom mit Auszeichnung bestanden und wir haben bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Er hat seine Freunde und Kommilitonen in unseren Lieblingsclub eingeladen und wir haben so richtig einen drauf gemacht. Ich hab noch meine Schwester angerufen um sie dazu zu überreden auch zu kommen, aber sie hat dankend abgelehnt. Sie mag Rashid nicht und die beiden gehen sich möglichst aus dem Weg. Liegt größtenteils auch daran, dass Rashid aus Saudi-Arabien stammt und ein gelinde gesagt etwas merkwürdiges Verhalten gegenüber Frauen an den Tag legt. Sie zählen ganz einfach nicht. Deshalb hatten wir auch schon öfters Streit. Ich mag nicht wie er sie behandelt, so von oben herab. Schließlich ist Mirja alles was mir noch von unserer Familie geblieben ist, nachdem unsere Eltern bei einem Autounfall gestorben sind. Besonders meine Mutter vermisse ich immer noch sehr. Sie war fast immer fröhlich und hatte für alle ein freundliches Lächeln übrig. In ihrer Gegenwart lösten sich Sorgen und Probleme einfach in Luft auf. Und sie hat immer zu mir gehalten. Auch als ich ihr gebeichtet habe, dass ich schwul bin. Mein Vater war ja nicht so begeistert davon, aber dank Mama hat er’s dann doch akzeptiert.

Jedenfalls haben meine Sitzprobleme definitiv mit Rashid zu tun. Er war megahappy darüber, dass er die Prüfungen hinter sich hat und wenn er glücklich ist, dann ist er irgendwie dauergeil auf mich. Wir sind schon länger zusammen und deshalb weiß ich das nur zu genau. Gestern hab ich dann die volle Packung abbekommen. Ingesamt hat er mich fünfmal in den Darkroom gezerrt. Dabei ging es ziemlich rau ab, aber ich habe mich nicht großartig gewehrt. Ich liebe meinen Freund und es ist schön zu wissen, dass er glücklich ist. Auch wenn er beim letzten Mal leider aufs Gleitgel verzichtete. Hatte er wohl vergessen, weil er schon zu besoffen war. Eigentlich mag ich es ja lieber sanft und zärtlich im Bett. Aber dafür ist er oft zu ungeduldig. Schade, aber ich hoffe immer noch, dass sich das noch ändert, auch dass ich immer nur unten liege. Damit komme ich aber klar. Allerdings möchte ich danach noch immer stundenlang kuscheln, so wie mit meinem ersten Freund. Leider steht Rashid immer sofort auf und geht ins Bad. Und anschließend nach einem flüchtigen Kuss in seine eigene Studentenbude. Wir wohnen zwar im selben Uni-Wohnheim, haben aber getrennte Wohnklos. Kann man nicht anders nennen, so klein sind die möblierten Zimmer. Aber mehr können wir uns trotz Bafög und Nebenjob nicht leisten. Meine Schwester unterstützt mich zwar, aber ich habe dann immer ein schlechtes Gewissen, Geld von ihr anzunehmen. Irgendwann zahle ich ihr jeden Cent zurück, das habe ich mir geschworen.

Mein Freund wird von seinen Eltern zwar auch finanziell unterstützt, aber viel ist das nicht. So viel ich weiß, war sein Vater nicht damit einverstanden, dass er in Deutschland studiert. Eigentlich komisch, denn genau das hat er selbst vor Jahren getan. Und dabei Rashids Mutter kennengelernt. Da steckt wohl noch etwas mehr dahinter, aber mein Freund erzählt nicht viel von seiner Vergangenheit. Da seine Mutter aus Deutschland stammt und mit ihren Kindern in ihrer Muttersprache spricht, beherrscht Rashid sie perfekt, neben englisch und arabisch.

Ich habe ihn schon öfter darum gebeten sich mit mir zusammen eine Wohnung zu suchen, eventuell auch ein Zimmer in einer WG. Aber er weigert sich konsequent, schließlich soll niemand aus seiner Familie davon erfahren, dass er schwul ist. Da haben seine Eltern und Geschwister wohl ein ziemliches Brett vorm Kopf. Ich weiß nicht viel darüber, aber ich vermute, dass sie ihn verstoßen würden, wenn sie es erfahren. Manchmal mache ich mir echt Sorgen um unsere gemeinsame Zukunft. Ich würde gerne irgendwann mit Rashid ein Architekturbüro eröffnen, natürlich zusammenziehen und wenn es gut geht mit uns, auch heiraten. Aber alles das ist noch in weiter Ferne. Erstmal muss ich noch zwei Semester hinter mich bringen. Dazu arbeite ich studienbegleitend in dem Betrieb meines Professors. So wie Rashid bis jetzt auch. Da habe ich ihn vor zwei Jahren auch kennengelernt und mich Hals über Kopf in ihn verknallt. Er sieht aber auch megamäßig aus. Ein toller Körper, schwarze Haare und dazu die fantastischsten blauen Augen, die man sich nur vorstellen kann. Wenn ich darin versinke fühle ich mich wie im Himmel.

Nach der Vorlesung laufe ich direkt nach Hause und schließe die Tür auf. Mein Blick fällt auf das vergilbte Namensschild an der Wand neben der Klingel. Frederick Hansen. Meine Schwester nennt mich immer liebevoll Ricky, aber Rashid mag diese Abkürzung nicht. Dabei gefällt sie mir viel besser als Frederick. Er nennt mich nie bei irgendeinem Kosenamen und möchte auch nicht, dass ich ihn mit Schatz oder sonstwie anspreche. Auch mit Liebeserklärungen hat er es nicht so wirklich. Ich seufze und hoffe mal wieder, dass sich auch das mit der Zeit noch ändert. Wir sind jetzt seit gut einem Jahr fest zusammen und ich sage ihm fast täglich, wie sehr ich ihn liebe. Muss doch mal ein Echo geben…

Am Nachmittag erhalte ich eine SMS von Rashid, in der er mir mitteilt, dass er heute nicht mehr zu mir kommt. Er will in Ruhe mit seinen Eltern und Geschwistern chatten, ihnen von seinem erfolgreichen Abschluss berichten. Da wäre ich gerne dabei, schreibe ihm aber nur ein kurzes „okay“ zurück und dass wir uns dann hoffentlich morgen sehen. Ist vielleicht ganz gut, so habe ich genügend Zeit, um noch für die Klausur zu lernen und mich vorher auszuschlafen.



***




Puh, mir fällt gerade ein Stein vom Herzen! Die Klausur hab ich mit Leichtigkeit geschafft, den Schein mit Sicherheit eingesackt. Weil ich so erleichtert bin, fahre ich am Nachmittag noch zu meiner Schwester. Mirja fällt mir vor Freude um den Hals und gratuliert mir, als ich ihr von der vermutlich bestandenen Prüfungsarbeit erzähle. Da ich heute nicht mehr arbeiten muss, machen wir es uns mit Kaffee und selbstgebackenen Keksen gemütlich. Sie hat mal wieder ein neues Rezept ausprobiert, denn im nächsten Monat ist schon Weihnachten. Wenn ich später eine vernünftige Wohnung und eine Küche mit Backofen habe, lasse ich mir von ihr garantiert das Backen beibringen. Ich liebe Plätzchen und anderes Gebäck, besonders zur Adventszeit. Wie überhaupt alles, das mit Weihnachten zusammenhängt. Unsere Mama hat dann immer die komplette Wohnung dekoriert. Wir Kinder durften mitmachen und Christbaumschmuck basteln. Am heiligen Abend hat Papa dann immer einen großen Tannenbaum aufgestellt und wir halfen dabei, ihn zu schmücken. Wenn wir dann abends aus der Kirche kamen, lagen wie von Zauberhand darunter dann die Weihnachtsgeschenke. Ich weiß bis heute nicht, wann unsere Eltern sie dort hingelegt haben. Natürlich haben sie immer behauptet, es wäre das Christkind gewesen.

Ich hänge diesen schönen Erinnerungen nach bis mich eine Frage von Mirja wieder in die Realität zurückholt. Sie erkundigt sich nach meinen Plänen fürs diesjährige Weihnachtsfest. Ich seufze und gebe zu, dass ich keine habe. Meine Schwester schüttelt nur mit dem Kopf und fragt ob das an Rashid liegen würde. Traurig nicke ich. Mein Freund feiert aufgrund seines Glaubens nicht Weihnachten und erwartet von mir, dass ich es auch komplett ignoriere. Das ist unfair, zumal er genau weiß wie viel mir das Fest bedeutet. Nicht aus religiösen Gründen, die sind mir eigentlich ziemlich egal. Aber eben als Erinnerung an unsere Eltern und meine schöne Kindheit.

Ich verabrede mit Mirja, an einem der Weihnachtfeiertage zu ihr zu kommen, zu feiern, DVD zu schauen und mich mit der traditionellen Weihnachtsgans vollstopfen zu lassen. Sie meint ohnehin immer, dass ich viel zu dünn bin. Dabei esse ich genug, liegt wohl an den Genen, ich nehme einfach nicht zu. Deshalb ist sie manchmal neidisch auf mich. Als sie fragt, ob Rashid mitkommen würde, schüttele ich zweifelnd den Kopf. Sie nickt nur und flüstert leise: „So ein Arschloch!“

Sie hat ja recht, aber ändern wird er sich wohl nicht mehr. Zumindest was das betrifft. Ansonsten gebe ich die Hoffnung nicht auf. Da es schon spät geworden ist und er sich nachher noch mit mir treffen will, verabschiede ich mich von Mirja und fahre dann mit dem Bus zurück zur Uni.



***




Pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt klingelt es an der Tür. Ich öffne schnell und lasse meinen Freund herein. Als ich ihn liebevoll umarmen und küssen will, sieht er an mir vorbei und tritt zwei Schritte zurück. Erstaunt und leicht irritiert sehe ich ihn an. Was ist denn jetzt schon wieder los?

Die Antwort erhalte ich dann postwendend und sie haut mich ehrlich gesagt um. Er teilt mit nämlich eiskalt und völlig emotionslos mit, dass er am Wochenende nach Saudi-Arabien fliegt. Für immer. Seine Eltern würden darauf bestehen, dass er zurückkehrt und im nächsten Monat heiratet. Ein Mädchen, das sie schon vor Jahren für ihn ausgesucht hätten. Und nach seinem erfolgreichen Studium gäbe es nun keinen Grund mehr damit zu warten.

Ich starre ihn entsetzt an und kann nicht glauben, was ich da gerade gehört habe. Keinen Grund? Und was ist mit mir, mit uns? Das kann doch alles nicht wahr sein! Er ist doch schwul, da heiratet man doch keine Frau!

Blind vor Tränen schreie ich ihn an: „Sag mal, spinnst du jetzt total? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter! Und überhaupt, deine Eltern können dir doch nicht vorschreiben, wie du zu leben hast? Wenn sie deine Homosexualität nicht akzeptieren dann bleib einfach hier in Deutschland. Wir beide können doch…“

Weiter komme ich nicht weil er mich lautstark unterbricht.

„Wir beide? Du träumst wohl. Mir war von Anfang an klar, dass das mit uns nur eine kleine Episode am Rande war. War ja ganz nett mit dir, aber jetzt werde ich genau das tun, was meine Familie von mir erwartet. Heiraten und Kinder bekommen, so wie es für mich vorgesehen ist. In Saudi-Arabien steht auf Homosexualität die Todesstrafe.“

Ich falle ihm ins Wort: „Aber Rashid du musst doch keine Angst haben, hier in Deutschland…“

„Aber ich bleibe nicht in Deutschland, sondern kehre zurück in meine Heimat. Mit meinem abgeschlossenen Studium habe ich die besten Chancen…“

„Das kann unmöglich dein Ernst sein, du kannst mich doch nicht einfach verlassen, du liebst mich doch!“

Nie werde ich den Blick vergessen, mit dem er mich ansieht. Als würde ein Fremder vor mir stehen.

„Ich dich lieben? Das hast du dir nur eingebildet. Ich war nur scharf auf dich und du hast doch willig mitgemacht. Aber egal, das ist jetzt endgültig vorbei, such dir einfach einen anderen, der dich ran nimmt.“

Noch ehe ich etwas darauf erwidern kann, dreht er sich um und geht, die Tür knallt hinter ihm zu. Ich stehe noch immer mitten im Zimmer und  bin wie gelähmt. Merke nicht, wie mir die Tränen übers Gesicht laufen. Irgendwann tragen mich meine Beine nicht mehr und ich sitze auf dem Boden. Dann kommt der heftige Schmerz, meine Brust ist irgendwie zu eng und ich hab das Gefühl, als hätte Rashid mein Herz herausgerissen und in kleine Stücke zerfetzt. Und langsam dämmert es mir, dass ich für den Mann den ich liebe, nur eine kostenlose Hure war. Benutzt und weggeschmissen.

Wie kann das nur sein und warum habe ich es nie gemerkt? War ich wirklich so blind vor Liebe, oder hat sich Rashid nur perfekt verstellt? Bin ich denn so wenig wert?

Ich versuche ihn telefonisch zu erreichen, aber er drückt mich weg. Danach ist sein Handy aus, nur die Mailbox springt an. Ich quatsche sie voll. In den nächsten Tagen meldet er sich auch nicht, sein Handy ist immer noch ausgeschaltet, er beantwortet keine meiner Nachrichten und SMS. Auch keine meiner Emails. Ich schlucke meinen Stolz herunter, schreibe ihm immer wieder, dass ich ihn liebe und dass es doch bestimmt einen Weg für uns gibt. Dass er doch unmöglich gemeint haben kann, was er mir da an den Kopf geworfen hat. Zuhause ist er auch nicht. Mehrmals laufe ich zu seiner Wohnung. Am dritten Abend öffnet sich dann auf mein Klingeln hin doch seine Tür. Vor mir steht ein blondes Mädchen, das mich überrascht ansieht. Besorgt fragt sie mich, ob es mir nicht gut gehe. Fast muss ich lachen. Ja, das kann man durchaus so nennen. Ich sehe wahrscheinlich aus wie ein Zombie. Die letzten Nächte hab ich kaum ein Auge zugemacht, immer wieder höre ich Rashids verletzende Worte und fühle mich wie der letzte Dreck.

Auf meine Frage nach meinem Freund antwortet sie mir, dass sie nur wisse, dass der Vormieter am Morgen abgereist sei und sie deshalb überraschenderweise am Nachmittag den Schlüssel zu dieser Wohnung vom Hausmeister erhalten habe. Ich bedanke mich bei ihr für die Auskunft und gehe langsam zurück in meine Bude. Keine Ahnung, wie ich es schaffe, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Kaum angekommen rutsche ich an der Wand hinunter und beginne hemmungslos zu weinen. Rashid ist weg! Ohne ein einziges Abschiedswort für mich.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich dort gesessen habe. Meine Augen brennen höllisch und auch alles andere tut mir weh. Dann fällt mein Blick auf mein Handy und wie in Trance wähle ich die Nummer meiner Schwester. Nachdem es ein paarmal geklingelt hat, meldet sich Mirja verschlafen: „Ricky? Weißt du eigentlich wie spät es ist? Wieso rufst du mich nachts um 3 Uhr an?“ Ich kann nicht antworten, schluchze nur. Sofort fragt sie mich besorgt, ob etwas passiert sei. Dann erzähle ich ihr alles. Von Rashids Trennung von mir, seiner Abreise und wie es dazu gekommen ist. Seine gemeinen Worte und was er mir damit angetan hat. Immer wieder unterbrochen von Weinkrämpfen. Mirja hört mir zu, versucht mich zu trösten: „Wegen diesem Wichser musst du doch nicht weinen, Ricky, der Dreckskerl ist es doch gar nicht wert.“

Als ich immer wieder nach Gründen für seine Handlungsweise suche und unter anderem die Todesstrafe in Saudi-Arabien erwähne, lässt sie mich nicht ausreden. „Eines kannst du mir glauben, Ricky. Wenn ich diesen Wichser in die Finger bekomme, dann ist der Galgen sein geringstes Problem!“

Fast muss ich lachen, aber dann siegt wieder die Traurigkeit. Ich vermisse ihn doch so sehr, warum war ich für ihn nur eine kleine Episode am Rande? Wie kann er so etwas nur zu mir sagen? Hab ich ihm denn nie etwas bedeutet? Es tut so furchtbar weh!

Mitten in unserem Gespräch gibt mein Akku dann den Geist auf - leer. Noch immer sitze ich auf dem Boden und weine verzweifelt. Ich habe solche Sehnsucht nach Rashid. Nach einer Weile bekomme ich Durst und übel ist mir auch. Ich wanke ins Bad, lasse Wasser in das Zahnputzglas laufen und trinke gierig. Dann fällt mein Blick auf die Ablage neben der Dusche. Dort liegen mein Nassrasierer und daneben eine neue Rasierklinge. Ich nehme sie in die Hand und entferne das Papier.

Mein Blick fällt auf mein linkes Handgelenk und ich sehe die Adern unter der Haut schimmern. Ich habe mal gelesen wenn man sterben will, dann sollte man nicht quer, sondern längs schneiden. Geht angeblich schneller. Das wäre doch die Lösung, nichts mehr fühlen, kein Schmerz und keine Sehnsucht mehr.

Wieder werde ich von einem Weinkrampf geschüttelt. Dann hebe ich die Klinge ans Handgelenk und schneide. Erst links und dann rechts. Das Waschbecken wird schnell rot. So viel Blut. Mein Pulsschlag dröhnt unnatürlich laut in meinen Ohren. Klingelt es gerade etwa an der Tür? Mir wird schwindelig. Ich merke noch, dass ich zu Boden falle.

Bin schon fast bewusstlos, da glaube ich noch die Stimme meiner Schwester zu hören, die meinen Namen ruft.

Dann wird alles schwarz…
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