Kamingeschichten

KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
Engel & Dämonen
19.12.2013
19.12.2013
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Weil man nie genug Kitsch mit Vaith & Finley haben kann. xD
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Es ist einer dieser Momente, in denen sie unfehlbar sind. Draußen vor dem Fenster schneit es, doch das Wohnzimmer ist behaglich warm und Finley liegt auf der Couch, hat den Kopf in Vaiths Schoß gelegt und beobachtet den Winter, der draußen vor dem Fenster sein Unwesen treibt. In diesem Jahr kam er zu plötzlich; niemand hatte sich wirklich darauf vorbereiten können. Von einem Tag auf den anderen ist es bitterkalt geworden und Schneemassen begraben die Gegend. Seit einer Woche fällt jeden Tag die Schule aus, obwohl noch keine Ferien sind, und Finley verbringt seine Zeit in Vaiths Wohnzimmer, auf der Couch. Der Kamin brennt unaufhörlich, parallel dazu läuft die Heizung auf Hochtouren, und weil es so warm ist, kann Finley seinen Kopf in Vaiths Schoß legen, ohne zu frieren.
Eigentlich ist das nichts Besonderes. Für andere ist das vielleicht sogar alltäglich. Aber für Vaith und Finley sind viele Dinge, die andere als normal ansehen, sehr kostbar und selten, und Finley möchte genießen, solange er kann.
Er genießt auch Vaiths Hand, die ruhig und gemächlich durch seine Haare streicht. Es ist einer dieser Moment, in denen die Zeit ihnen nichts anhaben kann, weil es keine Rolle spielt, wie kurz die Jahre sein werden, die ihnen noch bleiben. Es ist einer dieser Momente, der nur des Moments wegen wichtig ist und der alles andere nebensächlich erscheinen lässt. Jetzt, in diesem Augenblick, hat Finley das Gefühl, als wären sie gemeinsam gefangen in ihrer eigenen Welt und ihrer eigenen Zeitrechnung. Alles andere zählt nicht. Für einen kostbaren, sehr, sehr kurzen Augenblick sind sie wirklich unfehlbar.
„Ich mag Schnee“, sagt Vaith unvermittelt und leise.
„Wirklich?“, fragt Finley überrascht. Das hat er nicht gewusst. Aber das ist nichts Neues – er weiß viele Dinge über Vaith nicht, und einiges davon wird er vielleicht nie erfahren.
„Ja.“ Vaith lächelt, das kann Finley hören, vor allem, als er fortfährt: „In der Unterwelt gibt es keinen Schnee.“
„Aber im Himmel“, erwidert Finley leise und denkt kurzzeitig an den Winter vor so vielen Jahren. „Es hat geschneit, als wir uns kennengelernt haben.“
Vaith sagt nichts, aber sein Blick ist nachdenklich und unfokussiert, obwohl es scheint, als würde er Finley ansehen. Finley hat gelernt, in diesen Moment nicht zu sprechen, weil Vaith nichts sagen kann – er hängt seinen eigenen Gedanken nach, und manchmal wirkt er deswegen so traurig, dass Finley sich fragt, ob er ihn trösten darf.  Allerdings tut er das nie, und er fragt auch nie, woran Vaith denkt – vor allem, weil er Angst hat, wie die Antwort lauten könnte.
Nach wie vor weiß Finley viele Dinge nicht, die zu seinem Leben als Engel gehörten. An die wenigen Monate mit Vaith erinnert er sich gut, und auch an Dinge in eben dieser Zeit, die nicht direkt Vaith betreffen.
Es sind die vielen Jahre davor, die nach wie vor verschwommen sind; an seine damalige Kindheit erinnert er sich überhaupt nicht. Er erinnert sich nicht an seine Eltern dort, oder ob er Geschwister hat, Tanten, Onkel, irgendetwas – er weiß nichts. Dabei würde er vor allem gerne wissen, wer seine Familie war. Natürlich hat er auch hier eine Familie, und er hat auch jetzt wieder ein Leben und er ist dankbar und glücklich, aber er hat auch das Gefühl, als würde ihm etwas fehlen. Und manchmal treibt dieses Gefühl ihm die Tränen in die Augen und er blinzelt ein paarmal und vermeidet es, Vaith anzusehen.
Trotzdem weiß er, dass Vaith plötzlich zu lächeln beginnt.
„Denk nicht zu viel darüber nach“, sagt er aufmunternd – er weiß immer genau, woran Finley denkt, und eigentlich ist das sehr ungerecht – und Finley kann nicht verhindern, dass seine Mundwinkel zucken.
„Gefalle ich dir nicht, wenn ich die Stirn runzle?“, fragt er feixend und Vaith lacht leise, weil dieses Stirnrunzeln zu den Dingen gehört, die kostbar für sie sind. Diese Dinge verbinden sie miteinander, und verbinden ihre Gegenwart mit ihrer Vergangenheit; deshalb ist Finley unendlich froh, dass er sich endlich erinnert und diese Zusammenhänge begreifen kann.
Vaith berührt vorsichtig seine Wange. Seine Hand ist fest und kalt, als wäre sie steinern, aber seine Lippen sind weich, als er Finley küsst. Danach schweigen sie für eine Weile, und jeder von ihnen hängt seinen eignen Gedanken nach.
Finley sieht wieder aus dem Fenster. Der Schneefall wird wieder stärker und die Flocken größer, und für ihn bedeutet das, dass er heute wieder nicht nach Hause gehen kann. Dabei hatte er das heute eigentlich vorgehabt – er war in dieser Woche nicht ein einziges Mal zuhause und inzwischen hat er ein ziemlich schlechtes Gewissen deswegen, aber er kann auch nichts an der Situation ändern; der Schneefall ist meistens zu heftig.
Um ehrlich zu sein freut es ihn auch, und trotz des schlechten Gewissens ist er auf irgendeine Weise glücklich, eine Ausrede zu haben, um noch eine Nacht hier verbringen zu können. Am Anfang war es für ihn etwas befremdlich, zu wissen, dass Vaith weniger Schlaf braucht als er und dass er deswegen die meisten Nächte nur wach an seiner Seite liegt, aber inzwischen hat er sich daran gewöhnt. Er schläft jetzt besser. Seit er weiß, dass Vaith über ihn wacht, hat er keine Albträume mehr.
Es geht ihm insgesamt besser, seit er Vaith kennengelernt hat – oder seit er ihn erneut kennengelernt hat. Er nimmt jetzt keine Medikamente mehr und seit er weiß, woher seine Zusammenbrüche kommen, hat er sie unter Kontrolle. Er ist wieder er selbst, auch wenn Vaith deswegen manchmal lächelt und sagt, dass Finley jetzt so ganz anders ist als früher – anders auf eine gute Art, aber, und deswegen auch nicht weniger liebenswürdig.
Finley weiß nicht genau, wie er früher war, aber eigentlich ist ihm das auch nicht so wichtig. Viel lieber wüsste er, wie Vaith früher war, in den vielen Jahrtausenden vor ihrem ersten Treffen, aber bisher hat Vaith nie davon erzählt.
Der einzige, der Finley manchmal davon erzählt, ist Léan, aber er erzählt es grinsend und mit einem Augenzwinkern und deshalb weiß Finley nie, ob er das ernstnehmen kann; aber das ist normal, denn bei Léan weiß er nicht einmal, ob er überhaupt irgendwas ernstnehmen kann. Nichtsdestotrotz mag er Léan sehr gerne, jetzt, da er an ihn gewöhnt ist. Aber eigentlich ist es auch unmöglich, Léan nicht zu mögen, obwohl Finley immer noch hin und wieder Angst davor hat, mit ihm allein in einem Raum zu sein.
„Du denkst schon wieder zu viel nach“, bemerkt Vaith leise. „Lass das bleiben. Dein Gesicht ist schöner, wenn du nicht die Stirn runzelst.“
Finley lacht und streckt die Hände nach ihm aus, weil er einen Kuss möchte. Vaith lächelt nachsichtig und beugt sich zu ihm hinunter.
Vaiths Küsse schmecken immer nach einer Mischung aus Karamell und schwarzem Kaffee, und sie sind sanft und vorsichtig, zumindest am Anfang. Seine Zunge hingegen, die sich langsam in Finleys Mund schiebt, ist fordernd und leidenschaftlich, und für einen Moment vergisst Finley nicht nur das Atmen, sondern auch das Denken. Und vermutlich hat Vaith genau das beabsichtigt.

„Darf ich dich um etwas bitten?“, fragt Finley irgendwann später. Der sanft fallende Schnee ist inzwischen zu einem Sturm geworden, der in der aufkommenden Dunkelheit um das Haus heult, und Vaith hat neues Holz in den Kamin gelegt. Das Feuer ist jetzt größer und wärmer, und Finley fühlt sich ein wenig schläfrig – aber um ehrlich zu sein sind Nächte, die er bei Vaith verbringt, viel zu aufregend, um zu schlafen, und deshalb möchte er um jeden Preis wach bleiben. „Würdest du mir etwas erzählen?“
„Etwas bestimmtes?“, fragt Vaith langsam und Finley könnte ihn bitten, zu erzählen, wie er früher war, bevor sie sich kennengelernt haben. Er möchte so gerne wissen, was für eine Person Vaith vorher war – aber er traut sich nicht, diese Frage zu stellen.
Deshalb stellt er eine andere Frage, vor der er bisher immer Angst gehabt hat, deren Antwort ihn allerdings schon interessiert, seit er Vaith das erste Mal kennengelernt hat.
„Warum ich?“, fragt er deshalb. „Der Himmel ist groß und es hätte jeder sein können – also warum ich?“
Er hat diese Frage schon einmal gestellt, und Vaith hatte gesagt, er wisse es nicht. Vielleicht ist das die Wahrheit, aber Finley vermutet noch mehr dahinter, denn Vaith tut Dinge nicht ohne Grund. In dieser Hinsicht sind sie sich sehr ähnlich.
Vaith seufzt. „Ich weiß es nicht“, sagt er langsam. „Aber eigentlich weiß ich es sehr genau, auch wenn ich es nicht immer wahrhaben wollte. Es war nicht leicht für mich.“ So ehrlich und aufrichtig spricht er selten über sich selbst und Finley kann ein Lächeln nur mühsam unterdrücken. Es ist etwas besonderes, das Vaith so offen zu ihm ist, und Finley weiß das sehr zu schätzen; und deshalb sagt er nichts, denn ein falsches Wort – auch wenn Vaith niemals wütend auf ihn ist, egal wie viel dummes Zeug Finley schon versehentlich gesagt hat – könnte diesen Moment zerstören. Er wartet einfach ab. Vaith zu drängen wäre nicht fair, denn Vaith ist auch immer nur geduldig mit ihm.
„Léan hat viel Einfluss auf mein Leben genommen, weißt du?“ Vaith zieht ein zerknirschtes Gesicht und seine Worte klingen ein wenig selbstironisch. „Deshalb war ich eine Zeit lang ein ziemliches Scheusal. Und die Wahrheit ist… Mir war langweilig.“ Er seufzt leise. „Jeder in der Unterwelt lag mir zu Füßen – jeder außer Léan vielleicht – und ich habe tausende von Jahren damit verbracht, Dämonen herum zu scheuchen und auszunutzen, für meinen persönlichen Vorteil.“
Er schweigt und sein Blick ruht starr auf den Flammen des Kamins. Finley beißt sich auf die Unterlippe, weil er fürchtet, sonst etwas zu sagen, das Vaith verletzen könnte; aber es ist so schwer, sich vorzustellen, dass Vaith jemand ist, der andere zu seinem persönlichen Vorteil ausnutzt. Vaith ist immer so liebend und kümmernd und er liest Finley jeden Wunsch von den Augen ab, er tut jeden Tag alles um ihn glücklich zu machen und er ist so aufopfernd… Für Finley hat er sein ganzes Leben, seine ganze Existenz in der Unterwelt hingeworfen, ohne auch nur eine einzige Gegenleistung zu verlangen. Und jetzt sitzt er hier und redet von sich selbst, und gleichzeitig scheint es, als erzähle er von einer anderen Person.
„Ich weiß, was du denkst.“ Vaith lacht plötzlich ein wenig und Finley ist fast ein wenig beschämt – manche Dinge ändern sich eben nie. „Aber es stimmt. Ich habe nicht viel Wert darauf gelegt, ob andere glücklich sind oder nicht. Es ging mir immer nur um mich selbst und meinen eigenen Vorteil.“ Er macht eine kurze Pause, lächelt, der Blick aus seinen sonst eisig blauen Augen wird warm. „Wenn ich gewusst hätte, was mich im Himmel erwartet, dann hätten wir uns vielleicht früher kennengelernt. Aber lange Zeit haben mich Engel keinen Deut interessiert – zumindest, bis ich der Unterwelt überdrüssig geworden bin und nach Abwechslung gesucht habe.“
Finley verurteilt Menschen nicht, egal was sie tun, denn er ist der Meinung, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wie er sein Leben lebt, und er glaubt, dass jeder in der Lage ist, sich zu ändern.  Dennoch klingt das, was Vaith erzählt, in seinen Ohren schrecklich – doch in erster Linie macht es ihn traurig, weil er sich fragt, wie einsam Vaith gewesen sein muss, um sich so zu verhalten. Und wie viel Einsamkeit erträgt eine Person, egal ob Mensch oder Dämon?
Finley blinzelt ein paarmal, weil er fürchtet, dass ihm sonst Tränen in die Augen steigen, und er greift nach Vaiths Hand, die immer noch durch seine Haare streicht, um sie festzuhalten. Vaith lächelt über diese Geste.
„Es hätten auch Menschen sein können“, fährt er dann fort. „Jedem anderen Dämon reicht das auch. Aber ich war… exzentrisch. Ich wollte etwas haben, das sonst niemand hatte, etwas, das mir allein gehörte und das ich auch für mich allein beanspruchen konnte, also begann ich mit den Vorbereitungen.“ Er erzählt von seiner Suche nach Toren zwischen der Unterwelt und dem Himmel und davon, wie schwer es war, welche zu finden. Es habe ihn Jahre gekostet, sagt er, Jahre und herbe Rückschläge, denn die ersten Tore, die er fand, waren versiegelt. Nur weil er nicht mit der Schmach leben wollte, aufgegeben zu haben, hielt er durch.
„Als eines fand“, sagt er dann, „wurde ich ein weiteres Mal enttäuscht. Die Engel unterschieden sich nicht so sehr von meinem eigenen Volk, wie ich erhofft hatte und obwohl ich mich in der Unterwelt damit brüsten konnte, das Reich Gottes gesehen zu haben, fand ich nicht die erhoffte Genugtuung.“ Sein Blick richtet sich auf Finleys Gesicht, und er ist sehr ernst, als er fortfährt: „Du musst mich für ein Scheusal halten, und das verüble ich dir nicht einmal. Ich war ein Scheusal.“
Finley weiß genau, wie viel Mühe es Vaith kostet, solche Dinge über sich selbst zu sagen, und aus diesem Grund rappelt er sich auf, um Vaith zu umarmen. Er weiß sich nicht anders zu helfen. Er weiß nicht, wie er mit Worten ausdrücken soll, dass er ihn nicht für ein Scheusal hält, dass er das auch niemals tun wird, und dass er versteht, dass Vaith einfach nur einsam war. Es ist die Offenheit, die ihm die Kehle zuschnürt. Über solche Dinge spricht Vaith nie, nicht einmal in jenen Nächten, in denen Finley bemerkt, dass die Verzweiflung ihn überkommt, weil er nicht weiß, wie er das hier überleben soll. Er ist bei weitem nicht so stark und nicht so unnahbar, wie er sich gibt, auch wenn er sich vermutlich nicht im Klaren darüber ist, dass Finley das weiß. In seinen Augen ist es Blöße, und er gibt sich diese Blöße nicht, wenn er sich nicht sicher ist, unbeobachtet zu sein. Und Finley wird ihn darauf nicht ansprechen. Vaith braucht das Gefühl, der Starke von ihnen zu sein, und weil es sein Leben rettet, gibt Finley ihm dieses Gefühl so gut er kann. Denn sonst gibt es nicht viel, das er für Vaith tun könnte, und was in seiner Macht steht, möchte er zumindest nicht unversucht lassen.
Vaith erwidert die Umarmung und küsst Finley irgendwo zwischen Mundwinkel und Ohr; und weil Finley ihn kennt, weiß er, dass es nicht einfach nur ein Kuss ist, sondern das Danke, das Vaith nicht sagen kann, weil er sich sonst zu schwach fühlt.
„Obwohl ich auch im Himmel nicht so glücklich wurde, wie ich es erhofft hatte, konnte ich nicht mehr damit aufhören.“
Finley löst die Umarmung nicht, als Vaith weiter spricht, sondern lehnt seinen Kopf nur seitlich an Vaiths Schulter und hört zu. Einer von ihnen braucht jetzt Halt, auch wenn er nicht weiß, ob er diesen Halt für sich selbst sucht, oder ob er ihn Vaith geben möchte.
„Und dann kamst du.“ Er seufzt leise. „Ich war noch nie… Ich hatte vorher noch nie jemanden getroffen, der mit mir auf einer Ebene war, und der sich nicht von meinem Aussehen blenden ließ, sondern der widersprach und mir das Gefühl gab, nicht unfehlbar und perfekt zu sein. Ich habe das gehasst – zumindest wollte ich das. In Wahrheit war es nur das, was ich mir von meinem Besuch im Himmel versprach. Deshalb kam ich zurück, immer und immer wieder. Ich war so egoistisch… Ich wollte dich für mich. Es erfüllte mich mit rasender Wut, zu wissen, dass du Tag für Tag von anderen Engeln umgeben warst, während mir nur ein paar Stunden blieben, und das nicht einmal jeden Tag. Deshalb wurde ich unvorsichtig, und dann warst du derjenige, der bestraft wurde. Es war ungerecht und ich verfluchte den Namen deines Herrn – und ich schwor mir, ihm zu zeigen, wozu ich im Stande bin, wenn ich so feige herausgefordert werde. Ich wollte ihm heimzahlen, dass er dich benutzt, um mich zu vernichten. Ich war so voller Abscheu darüber, dass er es wagte, dir das alles hier anzutun, obwohl du für mich so kostbar geworden warst, und ich… Ich konnte dich nicht aufgeben.“
Finley verflucht die Tränen, die sich in seinen Augen sammeln und dann über seine Wangen laufen, um schließlich in Vaiths Pullover zu versickern, aber so sehr er sich auch bemüht, er kann sie nicht aufhalten. Dieses Geständnis hat ihn sehr aus der Bahn geworfen. Er hat nie darüber nachgedacht, wie seine Bestrafung sich für Vaith angefühlt haben muss und er war sich nie im Klaren darüber gewesen, wie viel er Vaith damals schon bedeutet hat, weil Vaith darüber nie ein Wort verliert. Er spricht nicht oft über seine eignen Gefühle, aber jedes Mal, wenn er es tut, trifft er Finley damit mitten ins Herz; auch wenn es oft auf eine schmerzhafte Weise geschieht.
Manchmal wünscht Finley sich, Vaith würde ihm einfach sagen, dass er ihn liebt. Es sind nur drei Worte, die nicht viel Überlegung kosten, die nicht erst mühsam zurecht gelegt werden müssen – aber Vaith bringt sie fast nie über die Lippen. Stattdessen zeigt er in Gesten, wie viel er für Finley empfindet, und seine Worte sind immer nur kompliziert, aber ehrlich – und Finley muss zwischen den Zeilen lesen, um die Zuneigung herauszuhören. Es ist nicht immer einfach, und manchmal tut es weh, aber diese Seite an Vaith akzeptiert er.
Diesmal ist er es, der Vaith einen Kuss auf die Wange gibt und danach schlingt Vaith die Arme noch fester um ihn und drückt ihn an sich, als wolle er allen Schmerz der Welt aussperren. Finley lehnt die Stirn an seine Schulter und Vaiths Hand in seinen Haaren spendet ihm Trost, obwohl Vaith vielleicht selbst derjenige ist, der getröstet werden muss. Aber er würde sich nicht trösten lassen. Dies ist genau seine Art, Trost zu finden: indem er für Finley stark ist und die Zweifel und alles Schlechte auf der Welt von ihm fernhält.
Es ist einer dieser Momente, in denen sie unfehlbar sind. In denen Finley glaubt, dass die Zeit ihnen nichts anhaben kann, in denen selbst Gott ihnen nichts anhaben kann. Sie sind stark. Für Momente, die so besonders sind wie dieser, haben sie so lange und so hart gekämpft, dass sie jetzt nicht zulassen können, dass irgendetwas zwischen sie kommt.
„Ich liebe dich sehr“, murmelt Finley an Vaiths Schulter. „Danke.“ Vaith küsst ihn auf die Haare, und irgendwie ist das fast eine Erwiderung.
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Ich verrat euch ein Geheimnis: In Vaiths Wohnzimmer gibt's gar keinen Kamin. :D