Dem Regen folgt Sonne

GeschichteAllgemein / P16
16.12.2013
03.03.2019
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Halli hallo ^-^
Jaaaaa ich weiß, ich wollte zuerst die anderen fertig stellen...aber die Idee hier schwirrt mir seid dem Brixenurlaub im Kopf rum O.o und jetzt musste sie einfach raus :)
Schreibt mir mal wie ihr sie findet und obs weiter gehen soll :)

Zur Story: Die Geschichte spielt 2003. Also kein Facebook, Steinzeithandys und die Jungs von Frei.Wild kennt man in Deutschland noch garnicht.

Wünsche viel spaß :)
-sky
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"Lucy...Lucy...wach auf Schatz."
Ich blinzelte leicht. Die Sonne schien durch das Autofenster auf mein Gesicht und blendete mich. Ich setzte mich richtig hin und sah mich um.
"Sind wir da?", gähnte ich.
"Nein, aber in etwa einer halben Stunde.", lächelte mein Vater.
"Wie lang hab ich denn geschlafen?", fragte ich verwundert als ich die ganzen Berge sah.
Es war als schlängelte sich die Straße wie ein Fluss durch die Berge.
"Fast fünf Stunden...du bist kurz vor Bayern eingeschlafen."
"Hmm...", seufzte ich.
Genaugenommen hatte ich gehofft das alles wäre ein Alptraum...ein riesengroßer Alptraum aus dem ich früher oder später aufwachen würde. Heute Morgen lag ich noch im Bett in meiner geliebten Goethestraße, in meinem geliebten Schöneberg, in meinem Geliebten Berlin...und jetzt? Jetzt saß ich in irgendeinem Kuhkaff in Österreich oder so...besser gesagt, ich war auf dem Weg dorthin.

"Du denkst wieder nach.", sagte mein Vater und riss mich aus meinen Gedanken.
"Ach darf ich das nicht? Was darf ich denn noch?", zickte ich leicht.
"Nicht schon wieder. Lucy, wir hatten diese Diskussion oft genug. Es reicht!", sagte er bestimmt.
Ich schnaubte verächtlich und setzte meine Kopfhörer auf.
Es reicht....wie oft beendete er in letzter Zeit die Diskussionen mit diesen Worten. Mittlerweile hatte ich es aufgegeben zu diskutieren, aber es einfach hin zu nehmen, dass er mir mein ganzes Leben versaute und ohne mich zu fragen unser Haus in Berlin verkaufte, kam absolut nicht in frage.
                                           
***

Eines Morgens saßen wir schweigend am Frühstückstisch...wie so oft seit...naja...als er auf einmal zu reden begann.
"Lu...ich muss dir was sagen..."
Er sah mich nicht an, stocherte nur mit seiner Gabel im Rührei herum.
"Was denn?", fragte ich verwundert.
"Ich...wir...wir hatten doch mal darüber gesprochen um zu ziehen...erinnerst du dich?"
Ich sagte nichts, wollte erst mal sehen wohin sich das entwickeln würde.
"Also....ich...." Er atmete tief durch.
"Ich hab das Haus verkauft. In zwei Wochen ziehen wir nach Südtirol."
Ich lies meine Gabel fallen und starrte ihn an.
"Wir machen was?" Fragte ich ungläubig.
"Wir ziehen um...versteh doch...wir..."
"Bist du jetzt vollkommen bescheuert?", brüllte ich los und stand auf.
"Lucy. Nicht in diesem Ton.", brüllte er zurück und stand ebenfalls auf.

"Papa das kannst du nicht machen! Du....ich will nicht weg. Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, ich habe alle meine Freunde hier...Warum?", meine Stimme zitterte leicht.
Ich konnte nicht fassen was er da sagte.
"Lu...Schatz...ich...ich kann einfach nicht mehr..."
"Du kannst nicht mehr? Was kannst du nicht mehr. Ich hab in letzter Zeit schon so viel verloren. Willst du mir meine Heimat jetzt auch nehmen?", brüllte ich wieder.
"NICHT NUR DU HAST VIEL VERLOREN!", brüllte mein Vater los.
Er sah mir direkt ins Gesicht. Sein Kopf war total rot und Tränen liefen seine Wangen hinunter. Ich stolperte ein paar Schritte zurück und sah ihn erschrocken an.
"Glaubst du mir fällt das leicht? Glaubst du ich will das? Ich mach das extra? Ich kann nicht mehr!", brüllte er und brach vollends in Tränen aus. Er sank zurück auf seine Stuhl und schluchzte.
"Jeden Morgen drehe ich mich um und erwarte, dass sie neben mir liegt...immer wenn ich in den Garten gehe, seh ich sie bei ihren Blumen sitzen, wenn ich ins Wohnzimmer gehen denke ich, sie sitzt mit einem Buch in der Hand in ihrem Sessel und lächelt mich an. Ich halte es nicht mehr aus. Das ganze Haus...überall höre ich ihr lachen, rieche ihr Parfüm...es geht nicht mehr..."
Er vergrub sein Geschichte in den Händen und schluchzte immer mehr. Ich wollte etwas sagen, doch als ich den Mund auf machte schluchzte ich sofort los.
Zwei Monate war der Autounfall her...vor zwei Monaten starb meine Mutter...

                                       
***


Mein Vater stupste mich an die Schulter. Ich drehte meinen Kopf zu ihm und nahm die Kopfhörer ab.
"Was?", fragte ich genervt. Er stellte den Motor ab und zeigte aus meinem Fenster.
"Wir sind da."
Ich sah zur Seite. Das ganze Tal erstreckte sich vor mir, dahinter ein Bergpanorama. Die Letzten Sonnenstrahlen Schienen über den Bergen und alles schimmerte rötlich.
"Das ist Brixen. Unsere neue Heimat."
"Deine vielleicht.", sagte ich abfällig und öffnete die Tür.

Eine kleine Brise wehte mir entgegen als ich Ausstieg. Ich schloss kurz die Augen und atmete tief ein.
"Schon ne gute Luft hier oder? Besser als in Berlin.", sagte mein Vater neben mir.
Ich öffnete die Augen und sah ihn an.
"Nein. Viel zu sauber."
Er verdrehte die Augen und ging auf das Haus hinter uns zu.
Es war so ein typisches Alpenhaus. Weiß, mit viel Holz, einem großen Balkon über einer Terasse und einem großen Garten. Manche fänden es wahrscheinlich total toll...für mich wär ne Sozialwohnung in Marzahn schöner gewesen.
"Kommst du?", rief mein Vater.
Ich zog meinen Koffer aus dem Kofferraum und ging in das Haus.

Ich stand in einem großen Flur. Die Möbel waren die gleichen wie in Berlin. Papa hatte sie vor ein paar Tagen hier runter und wieder aufbauen lassen. Ich stellte den Koffer neben die Kommode und folgte meinem Vater ins Wohnzimmer. Hinter mir war eine große Küche mit Kochinsel, neben mir ein Kamin, und vor dem Sofa ein Panoramafenster mit Tür zur Terrasse.
Mein Vater sah auf die Berge und lächelte zufrieden.
"Mama hätte es toll gefunden...findest du nicht auch?"
Ich stellte mich neben ihn und sah auf die Berge.
"Mama wäre niemals aus Berlin weg gezogen.", sagte ich trocken, ging in den Flur, schnappte meinen Koffer und ging die Treppe hoch.

Am Ende des Flurs fand ich ein großes Zimmer mit meinen Möbeln drin. Ich schmiss den Koffer in die Ecke, setzte meine Kopfhörer wieder auf und ließ mich weinend aufs Bett fallen.
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