Neue Familie

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Jayne Cobb River Tam
15.12.2013
15.12.2013
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15.12.2013 2.385
 
Autor: Lady-Sharif
Genre: Drama, Freundschaft
Charaktere: River, Jayne (Simon)
Stand: nach Staffel 1
Wortanzahl: ~2300 Wörter
Zusammenfassung: Jayne hat einen Albtraum und River will ihn trösten.
Kommentar: Die letzte Stunde nur durchgeschrieben, damit ich es noch schaffe und bin eigentlich ganz zufrieden, obwohl ich das Thema vermutlich etwas verfehlt habe xDDD (aber ist mir jetzt wurscht *haha*)
Aufgabe: Ich-Perspektive und Präteritum.
Thema: Stärken und Schwächen
Folgende Gegensätze müssen vorkommen: Hell/dunkel, laut/leise, lustig/traurig
Außerdem muss der Hauptcharakter in der Vergangenheit einen Fehler begangen haben und es muss ein Streit vorkommen.



Neue Familie



Ich drehte mich geschwind im Kreis, meine Beine und Arme bewegten sich im Takt, folgten der Musik, die leise im Hintergrund lief. Ich lachte laut, während ich mich immer weiter drehte. Mein Sommerrock drehte sich lustig mit mir mit und machte das Spiel komplett.
„Hey“, brachte mich ein Ruf schließlich zum Halten. Die Musik wurde traurig, fast so als wollte sie, dass ich weiter tanze. „Was machst du da, Verrückte?“
Ich blickte nach oben und sah Jayne an dem Geländer stehen. Verwirrt legte ich meinen Kopf schief. Sie schienen so oft nicht zu verstehen, was ich tat, dabei war es offensichtlich. „Ich tanze“, erklärte ich ihm. Jayne war nicht besonders klug. Er verließ sich mehr auf seine Kraft und seine Waffen. Das war ein besserer Begleiter für ihn als sein Gehirn. Manchmal stellte ich ihn mir als Gorilla vor. Stark, aber nicht besonders klug. Bei dem Gedanken fing ich an zu kichern.
„Tanzen? Hier ist nicht einmal Musik“, erwiderte er in seinem gewohnt trotzigen Tonfall. Wie ein kleines Kind. „Und warum kicherst du so?“
Ich schloss die Augen. Hier war Musik, man musste nur genau hinhören. Wenn Serenity glücklich war, sang sie. Sie sang laut und schön. Wieder von der Musik inspiriert, fing ich an, auf meinen Fußballen hin und her zu wippen. „Kannst du sie nicht hören?“, fragte ich ihn und hob neugierig meinen Kopf.
„Wen? Hier ist es absolut still. Niemand ist wach außer uns.“
„Warum?“, fragte ich und wusste bereits die Antwort. Ich konnte es fühlen. Auch wenn Jayne nichts sagte, wusste ich es.

„Es ist mitten in der Nacht, River. Deshalb ist keiner wach“, meinte Jayne und verdrehte die Augen. Er wandte sich ab und wollte gehen.
„Warum bist du wach?“, rief ich ihm hinterher.
Kurz drehte er sich noch einmal um. „Ich bin nur durstig und wollte in die Küche, um mir etwas zu trinken zu holen.“ Damit ging er, ohne auf eine Erwiderung zu warten.
Ich schaute ihm hinterher. Jayne hatte gelogen. Etwas irritiert legte ich den Kopf schief. So oft logen Menschen, sie hielten das zurück, was sie eigentlich wirklich sagen wollten, besonders auf diesem Schiff. Niemand war ehrlich. Und ich konnte hören, was sie in ihren Inneren schrien. Es machte mich verrückt. Auch jetzt konnte ich alles fühlen, was Jayne bedrückte.
Ohne überhaupt darüber nachzudenken, folgte ich ihm in die Küche. „Du hast schlecht geträumt“, brachte ich es direkt auf den Punkt, sodass er nicht mehr ausweichen konnte.
Jayne zuckte erschrocken zusammen und verschüttete seinen Drink über der Hose. „Ta Ma Duh!“, schimpfte er wütend und sah mich mit einem zornigen Blick an. „Was willst du hier?“

„Du bist traurig.“ Ich betrachtete ihn und jede einzelne seiner Bewegungen. Wie er sich behutsam neuen Alkohol einschenkte und es vermied auch nur einen Ton zu meiner Feststellung zu verlieren. Er vergaß nur offensichtlich, dass er bei mir nicht Reden musste, damit ich ihn verstehen konnte. Ich ließ mich am Kopf des Tisches auf einen Stuhl fallen und legte seitlich meinen Kopf auf den Tisch, sodass ich Jayne noch ansehen konnte. Er spülte sich den Alkohol die Kehle herunter, als ob es nur Wasser wäre. Und direkt füllte er sich das nächste Glas. „Es war nur ein Traum“, sagte ich in die Stille hinein.
„Hör auf in meinem Kopf herumzuspionieren.“ Er knallte das Glas auf den Tisch. Die Flüssigkeit spritzte etwas heraus und verteilte sich auf dem Holz.
Es war nicht so, als ob ich es mit Absicht tat. Ich sah diese Dinge einfach und ich konnte es auch nicht verhindern. Manchmal war es so erdrückend, dass ich nur noch schreien wollte. Und manchmal tat ich es auch einfach. Aber nicht jetzt!
Die Bilder, die ich in meinem Kopf sah, die Jayne in seinen Träumen gesehen hatten, machten mich einfach nur traurig. Ich konnte seine Gefühle nachempfinden. Es tat weh. Deshalb war ich auch jetzt hier. Hier bei ihm. Mit meinem Bruder konnte ich immer über solche Dinge sprechen. Wenn es einem nicht gut ging, redete man mit der Familie oder Freunden. „Bin ich deine Freundin?“ Die Frage kam so plötzlich über meine Lippen, dass ich nicht einmal darüber hatte nachdenken können. Es interessierte mich einfach, obwohl ich glaubte, die Antwort  schon zu kennen. Der Captain und auch der Rest der Crew hatten mich mittlerweile akzeptiert. Sie sahen mich als Teil der Besatzung und ich durfte auf dem Schiff bleiben. Aber Jayne war immer derjenige gewesen, der am Lautesten gebrüllt hatte, wenn es um die Frage ging, ob mein Bruder und ich gehen müssten. Jayne mochte mich nicht. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ich alles sehen konnte, was eigentlich niemand sehen sollte. Er hatte Angst, dass er ein offenes Buch für mich wäre. Aber das stimmte nicht. Ich konnte zwar einiges sehen, aber nicht alles. Ich verstand zum Beispiel nicht, warum er nie über das redete, das in seinem Kopf vorging. Er war gar nicht so hart und kalt, wie er immer tat.

Jayne lachte lauthals auf. „Du hast mich mit einem Messer angegriffen“, war seine einzige Antwort auf meine Frage.
Meine Mundwinkel zogen sich nach unten, als ich daran zurückdachte. Ich wusste nicht einmal genau, warum ich es getan hatte. Ich konnte mich nur noch daran erinnern, dass ich dachte, dass ihm rot wesentlich besser stehen würde. Es war einer dieser Momente, die ich bereute. Ein Fehler, der alle denken ließ, dass ich gefährlich war. Dabei war ich es nicht. Zumindest nicht nur. Aber diese andere unschuldige Seite schien nur mein Bruder sehen zu können.
„Wie könnte ich dich als Freundin ansehen, wenn ich nicht weiß, was du in deinem kleinen kranken Hirn als Nächstes planst?“, fügte Jayne noch an und leerte sein Glas ein weiteres Mal. „Wenn du mich fragst, gehörst du nicht auf dieses Schiff. Die Anderen wollen es nur nicht zugeben, dass du ihnen unheimlich bist.“
Ich zwinkerte ein paar Mal. Mir wurde schon häufiger so etwas ins Gesicht gesagt und dennoch tat es jedes Mal weh. Ich wusste, dass ich nicht normal war, dass ich vermutlich für jeden um mich herum eine große Gefahr darstellte und dennoch wollte ich nur, dass die Anderen das in mir sahen, was mein großer Bruder zu sehen schien. Ich wollte keinem auf diesem Schiff Schaden zufügen. Vermutlich war es meine größte Schwäche, dass ich glaubte, dass es irgendwann mal so sein könnte. Dass ich wirklich ein neues Zuhause gefunden hatte. Und dass selbst Jayne mich irgendwann mögen könnte.
Vielleicht war ich wirklich verrückt, wenn ich so dachte.

Alleine die Tatsache, wie Jayne über mich sprach, machte diesen Gedanken fast schon unmöglich. Dabei wollte ich nichts mehr, als ein normales Leben. Aber das wurde mir genommen. Und ich würde es wohl nie wieder finden.
Erschlagen von dieser Erkenntnis stand ich wieder auf. Ich wusste nicht einmal mehr genau, wieso ich Jayne gefolgt war. Ich wandte mich ab und wollte die Küche verlassen. Sollte Jayne seinen Kummer im Alkohol ertränken und ich … ich würde mir ein ruhiges Plätzchen auf dem Schiff suchen.



Zwischen irgendwelchen Kisten hatte ich schließlich auf dem Hangar einen Platz gefunden, an dem mich so schnell niemand finden würde. Mein Bruder hat früher immer davon gesprochen, wie klug ich war. Dass ich dies zu meiner größten Stärke machen sollte und dann könnte mich keiner mehr besiegen. Ich seufzte, als ich an unsere Kindheit zurückdachte. Damals war alles so leicht gewesen. Niemand suchte einen, niemand wollte einem schlimme Dinge antun. Es waren nur kindliche Pläne gewesen, was man mit seinem Leben anfangen würde, wenn man groß war. Wie man seine Stärken und Schwächen einsetzen konnte.
Ich schloss meine Augen und lauschte in die Stille hinein. Eine einzelne Träne rann meine Wange hinunter, als ich realisierte, dass Serenity verstummt war. Keine Musik. Nur endloses Schweigen.
Ich war alleine und das würde ich wohl auch bleiben.
Nur die Stimmen in meinem Kopf ein ständiger Begleiter und die Erinnerungen, die ich liebend gerne einfach aus meinem Gedächtnis gelöscht hatte. Simon sagte immer, dass ich nichts dafür konnte, was man mir angetan hatte und dass alles wieder gut werden würde.
Aber selbst jetzt, wo ich in Sicherheit war, war nichts anders. Ich war nicht willkommen.

Wie zum Stichwort, ertönte plötzlich die laute Stimme meines Bruders: „Wo ist sie?“ Es war ganz eindeutig, wen er da anschrie.
Und sein Gegenüber war nicht gerade leise, als er antwortete: „Woher soll ich das wissen? Vermutlich hängt sie irgendwo kopfüber von der Decke?“
Ich könnte einfach wieder aus meinem Versteck hervorgekrochen kommen und meinen Bruder beruhigen, aber meine Füße bewegten sich nicht. Mein Körper war steif. Ich wollte nicht einmal Simon sehen. Auch wenn er alles tat, damit es mir besser ging, erinnerte er mich manchmal mehr daran, was ich erlebt hatte, als jeder Andere. Er ging vorsichtig mit mir um und bemühte sich, bloß nichts Falsches zu sagen. Ich wollte sein Mitleid im Moment nicht.
„Wir sollten sie suchen gehen!“ Simon klang immer noch wütend.
„Wieso sollte ich dir helfen? Sie ist deine verrückte Schwester“, wandte Jayne ein. Er schien sich wieder etwas beruhigt zu haben.
„Sie ist nicht verrückt. Sie ist nur ein kleines Mädchen.“
„Und wenn schon. Dennoch ist sie nicht mein Problem.“
Die gleichgültige Art, die Jayne an den Tag legte, schien Simon noch wütender zu machen. „Was hast du zu ihr gesagt?“

Instinktiv hielt ich mir die Hände vor die Ohren. Ich wollte das nicht noch einmal hören. Es tat weh, nur daran zu denken. Ich war nicht stark, wie mein Bruder früher immer geglaubt hatte. Mein Verstand hatte mich nur schwach werden lassen.
Den Rest des Streites hörte ich nicht mehr. Die Stimmen wurden durch meine Hände gedämpft, die ich mit so viel Kraft gegen meine Ohren presste, wie es nur möglich war. Außerdem schloss ich meine Augen. Es wurde dunkel.
Erst als ich eine Hand auf meinem Unterarm spürte, öffnete ich meine Augenlider wieder. Das Licht, das mir entgegen schien, war hell und ich brauchte einen Moment, um mich daran zu gewöhnen. Schließlich erkannte ich den Mann, der vor mir saß.
„Wie hast du mich gefunden?“, flüsterte ich und man hörte deutlich die Verwunderung in meiner Stimme. Aber nicht nur die Tatsache, dass ich gefunden worden war, sondern auch, dass es Jayne war, überraschte mich. Ich hätte mit meinem Bruder gerechnet. Er fand mich immer, ganz gleich, wo ich war.
Statt einer Antwort zuckte Jayne nur mit den Schultern.

„Deiner Mutter geht es gut“, sagte ich.
„Was?“ Jayne schien irritiert.
„Dein Traum“, erklärte ich deshalb. „Du brauchst keine Angst haben. Deiner Mutter geht es gut.“ Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Sie strickte gerade einen Schal für ihren geliebten Sohn, passend zu dem Hut, den sie ihm bereits geschenkt hatte.
„Woher willst du das wissen?“ Es war das erste Mal, dass ich so etwas wie Unsicherheit bei Jayne sehen konnte. Etwas, das neu für mich war.
Dieses Mal war es an mir, mit den Schultern zu zucken. Ich wusste es selber nicht. Ich wusste es nur einfach.
„Es ist keine Schwäche, wenn man sich eingesteht, dass man Angst hat.“ Meine Augen wanderten langsam nach oben und schauten in die von Jayne. Er hatte immer einen kämpferischen Blick aufgelegt, aber jetzt war davon nichts mehr zu sehen. Wenn ich mich nicht irrte, war die Fassade etwas abgebröckelt.
„Sprichst du über dich selber?“
Jayne meinte die Frage absolut ernst und es war nachzuvollziehen, da ich öfters mit mir selber sprach. Zumindest sah es für die Anderen so aus. Sie konnten manchmal nicht das hören, was ich hörte und daher dachten sie, ich würde einfach vor mich hinreden.

Ich schüttelte stumm den Kopf und nickte darauf. Die letzte Geste war nicht gewollt und kam ganz automatisch.
„Du bist komisch … und verrückt, Kleine.“
Ich öffnete den Mund, aber kein einziger Ton kam heraus. „Wieso?“, wollte ich fragen, aber ich wusste nicht, ob ich darauf eine Antwort hören wollte. Zumindest nicht von Jayne. Er mochte mich nicht und würde mich wohl nie als etwas Anderes sehen, als die Verrückte, die alle in Gefahr brachte.
„Ich werde dich wohl nie verstehen“, gestand er ein.
„Und wie hast du mich dann gefunden?“ Simon kannte meine Verstecke. Er wusste, wie ich dachte und hätte mich finden müssen.
Wieder einmal zuckte Jayne mit den Schultern. „So schwer war das nicht.“
„Du hast mich vor Simon gefunden“, stellte ich fest und machte damit klar, dass ich mehr hören wollte, als das, was er als Antwort gab.
„Dein Bruder denkt viel zu praktisch. Vermutlich geht er alle Verstecke durch, in die du dich bisher schon einmal geflüchtet hast.“
„Du hast mich schnell gefunden. Du hast nicht lange gesucht.“

Etwas verlegen grinste Jayne. „Ich dachte, dass du nicht alleine sein wolltest.“
Noch verwirrter als zu Beginn des Gespräches zog ich meine Augenbrauen zusammen. Bevor ich eine weitere Frage stellen konnte, fügte er an: „Weil ich es auch nicht sein wollte.“
Ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Ich hätte nie gedacht, dass Jayne mal so etwas von sich geben würde.
„Es tut mir leid, was ich gesagt habe.“ Man merkte deutlich, dass es Jayne unangenehm war. Dennoch streckte er ihr mir eine Hand entgegen. „Komm, lass uns gehen.“
Zaghaft legte ich meine Hand um seine und ließ mich von ihm auf die Beine ziehen. Dennoch hatte ich immer noch eine Frage oder immer noch dieselbe, da er sie nie wirklich beantwortet hatte. „Wie hast du mich gefunden?“
„Du hast hier eben getanzt. Ich dachte, dass du vielleicht wieder die Musik hören wolltest.“
Ich legte den Kopf schief und betrachtete Jayne. Er schien so viel mehr, als es auf den ersten Blick schien. Und ich lachte, laut und herzhaft, denn ich hatte plötzlich das Gefühl, dass meine größte Schwäche vielleicht gar keine Schwäche war. Vielleicht war ich stark, wenn ich daran glaubte, hier vielleicht eine neue Familie gefunden zu haben.
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