iBlali - Neue Alte Liebe?

KurzgeschichteDrama, Romanze / P12
iBlali
14.12.2013
14.12.2013
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Lässig stehe ich an das Kassenhäuschen von diesem riesigen Überkopf-Karussell gelehnt und warte darauf, dass die jetzige Fahrt endlich vorübergeht. Die leuchtenden und blinkenden Wagen sausen immer wieder an mir vorbei und die Insassen kreischen in recht regelmäßigen Abständen. Ich bin es gewohnt, vor Karussells zu warten. Ich selbst gehe nie in eins herein weil ich es einerseits für Geldverschwendung halte, mir andererseits bei sowas immer schlecht wird. Die Kirmes in unserer kleinen Stadt ist nicht sonderlich groß, jedoch besonders Abends proppenvoll. Jetzt stehe ich hier und warte auf meine beiden Freundinnen, mit denen ich hier bin.
Die Fahrt geht vorüber und die Fahrgäste steigen aus. "Cora! Cora!" höre Marleen schon von weitem rufen. "Du ahnst NIE wer gerade mit uns im Wagon saß!" sagt sie völlig außer Atem, als sie bei mir ankommt. Ahnungslos schaue ich sie an. "Na komm schon, rate!" fordert mich jetzt auch Anja auf. "Euren Gesichtern nach zu urteilen muss es ein Gott in Typenfigur gewesen sein. Los, haut raus." "iBlali!" rufen beide wie aus einem Munde. Ich merke, wie mein Kiefer herunterklappt; jedoch eher nicht aus Freude und Aufgeregtheit, sonder eher mit dem Gedanken <Scheiße, was macht der denn hier? Das hat mir ja gerade noch gefehlt.>. Verwirrt schaut Anja mich an "Sag bloß, du kennst iBlali nicht?" "Du siehst aus, als hätten wir dir eben gesagt, dass Voldemort persönlich hier ist und dich umbringen will." scherzt Marleen. "Die Sache ist die..." beginne ich "...ich war mal mit dem Typen zusammen.". Jetzt sind die beiden es, denen der Kiefer runterklappt. "Was? Davon hast du nie was erzählt!" stellt Marleen entsetzt fest. "Los, erzähl schon!" drängt Anja. "Nagut, wir waren fast ein Jahr zusammen, bis er mich verlassen hat, weil er sich wohl wieder in seine Ex verliebt hat. Paar Wochen später sind die dann auch wieder zusammen gekommen." sage ich trocken. "Au, das ist hart..." Marleen schaut auf den Boden. "Reden wir bei der Anderen von Yuki?" fragt Anja vorsichtig. Ich nicke nur.

Etwas später stehen wir neben dem Kassenhäuschen von 'Breakdance 2'; eher gesagt stehe ich etwas Abseits, schon oben auf dem Podest, und die anderen Beiden in der Schlange. Verstohlen schaue ich mich um, ob ich Viktor irgendwo entdecke um mich rechtzeitig verstecken zu können. Doch als ich ihn entdecke ist es schon zu spät. Er kommt geradewegs auf mich zugelaufen - alleine. Auf seinem Gesicht dieses für ihn typische 'Ich kriege jede Frau rum'-Lächeln. In diesem Moment ist mir wieder sehr klar, wie es passieren konnte, dass ich mich damals in ihn verliebt hatte. Natürlich folge ich nicht meinem ersten Plan, sich einfach umzudrehen und wegzulaufen, sondern bleibe wie angewurzelt stehen. Dieses Grinsen! Und wieso muss er so gut aussehen? Auf einmal kommt mir der Spruch, der bei einer Freundin von mir an der Wand steht in den Sinn: <Ex ist Ex - Aufgewärmt schmeckt nur Gulasch.>. Gegen meinen Willen muss ich grinsen. Viktor muss das wohl als falsches Zeichen angesehen haben, denn kaum ist er bei mir angekommen legt er seine großen, kräftigen Hände auf meine Hüften und zieht mich an sich. Mit der Situation total überfordert lasse ich zu, dass er mich küsst. Energisch, aber doch gefühlvoll. Sehr gefühlvoll. Ich vergesse die Umstände, die Tatsache, warum wir uns getrennt haben, die Tatsache, dass uns die krass vielen Leute um uns herum wahrscheinlich gerade total bescheuert anstarren, und lege meine Arme um seinen Hals. Ich gestehe mir ein, wie sehr ich ihn vermisst habe.

Plötzlich lässt mich - uns - ein lauter Schrei zusammenfahren. Ich unterbreche den Kuss und schaue in die Richtung, aus der ich den Schrei vermute. Eine schwarzhaarige Frau, nicht viel älter als ich, eilt in Richtung Ausgang und schubst dabei jeden zur Seite, der nicht rechtzeitig aus dem Weg geht. Sofort schalte ich, wer das sein muss: Yuki. Viktors Freundin.

Entsetzt schaue ich ihn an und löse mich aus der Haltung. Auf einmal ist mir seine Nähe wieder unangenehm. Ich erwarte so etwas wie Scham in seinem Gesicht zu sehen, Entsetzen oder was weiß ich was, doch er grinst nur. "Du Arsch!" schreie ich ihm ins Gesicht. Ohne, dass ich viel dagegen tun kann macht sich meine Hand selbstständig und gibt ihm eine Backpfeife.
Sein Blick wird ernster und sein Grinsen verschwindet. Er kommt einen Schritt auf mich zu und legt wieder seine Hände auf meine Hüften. Ich versuche mich aus dieser Haltung zu winden - erfolglos. "Warum?" frage ich. "Ich liebe DICH, und nicht sie." sagt er bestimmt, ohne seinen Blick abzuwenden. Erneut versucht er mich zu küssen, doch ich senke meinen Blick weshalb er seine Lippen nur auf meine Stirn presst. Er hebt seinen Kopf wieder und ich spüre, wie er mich noch näher an sich heranzieht. Jetzt legt er seine Arme um meine Taille, sein Kinn ruht auf meinem Kopf. Ich habe es noch nie gemocht, wenn er das macht. Es erinnert mich immer daran, wie klein ich im Gegensatz zu ihm bin - wie kraftlos - wie wenig Chancen ich habe, ihm zu widerstehen.
"Du Arsch, du Arsch, du Arsch..." schluchze ich und schlage meinen Kopf immer wieder gegen seine kräftige Brust. Entweder um mich zu beruhigen, oder um sich selbst vor blauen Flecken zu bewahren, legt er seine Hand auf meinen Hinterkopf, sodass dieser nun ruhig zwischen seinem warmen Körper und seiner Hand ruht."Viktor, ich kann das nicht. Wir können nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen." Irgendwie schaffe ich es, mich aus seiner Haltung zu befreien. Ich nehme seine rechte Hand und gehe einen Schritt zurück.
Sein Blick ist traurig, aber doch verständnisvoll. Jetzt bin ich es, die ihn an mich heranzieht und ihn küsst. Kurz, aber innig. Ich senke meinen Kopf, drehe mich um und laufe ein paar Schritte von ihm weg. Noch einmal drehe ich mich zu ihm um und schaue ihm in seine Augen. In seinem linken sehe ich eine Träne - vielleicht ist es aber auch nur Wunschdenken
. Erneut wende ich mich ab und laufe langsam in Richtung Ausgang. Die Tränen, die über meine Wangen laufen, brennen in dem kalten Wind.
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