1001 erotische Kurzgeschichten

von Beba
KurzgeschichteRomanze / P18
12.12.2013
21.09.2014
12
31416
10
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Dieses Kapitel
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Leute, ich bin regelrecht sprachlos, wenn ich mir die Favoritenanzahl dieser kleinen Kurzgeschichtensammlung ansehe! SO viele Leser! Umso mehr Gründe, mal wieder ein paar nette Stories rauszuhauen, nicht wahr? ;)
Jedenfalls: DANKE für's Mitlesen! Ihr seid genial :)

Leider seid ihr alle so still! Schreibt mir doch, was euch in der Sammlung noch fehlt! Gerne auch per Nachricht, wenn ihr euch nicht traut, ein Review dazu zu verfassen :) Ich suche immer nach netten Ideen für neue One-Shots.
Nur zu, meldet euch!

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Sie glaubte nicht an Vorsehung oder Schicksal, aber etwas merkwürdig fand sie es schon, wie oft sie ihm über den Weg lief.

Er war ihr sofort aufgefallen.
Eigentlich war er gar nicht der Typ Mann, auf den sie sonst aufmerksam wurde. Sie konnte sich gar nicht erklären, warum er sie schon seit dem ersten Augenblick so fesselte. Er hatte kurzes, blondes Haar, helle, wache Augen und war sehr schlank gebaut. Normalerweise fühlte sie sich zum genauen Gegenteil hingezogen: Dunkelhaarige Männer mit dunklen Augen und am Besten noch mit langen Haaren. Ausserdem fand sie es nicht sexy, wenn Männer so schlank waren.

Normalerweise.
Er war die seltsame Ausnahme.
Eine Geschmacksverirrung der besonderen Art.

Was war so faszinierend an ihm?
Sie wusste es selbst nicht, aber sie erkannte ganz genau, dass es ihm ähnlich ging wie ihr.

Jeden Tag um dieselbe Uhrzeit verließ sie ihr Haus, und fast jeden Tag begegnete sie ihm. Irgendwann fing sie an, Umwege zu machen um ihm nicht ständig über den Weg zu laufen, aber sogar wenn sie sich durch die engsten, verwinkeltsten Gassen quetschte, kam ihr irgendwann der weiße Lieferbus entgegen. Es war jedes Mal dieselbe Prozedur: Sie sah durch die leicht getönte Fensterscheibe und erblickte ein strahlendes Gesicht mit einem Lächeln, das ihr Herz vor Freude aufspringen ließ.

Es war nicht einfach nur ein Lächeln.
Es war ein ganz eindeutiges Lächeln.
Ein Lächeln, das Bände sprach.

Es schrie förmlich: 'Ich find dich heiß'!

Irgendwann erwischte sie sich dabei, wie sie anfing, nach ihm Ausschau zu halten. Sie schämte sich dafür, immerhin kannte sie ihn ja gar nicht. Sie hätte ihn aber gern kennen gelernt. Sie hätte gerne den Mut besessen, ihn einfach anzusprechen. Vielleicht würde sie ja endlich mal erfahren, wie der Mann hieß, der ihr so völlig ohne Mühe den Kopf verdreht hatte.

Manchmal wenn sie sich begegneten, war er gerade zu Fuß unterwegs. Er grüßte sie jedes Mal, und dann folgte wieder dieses Grinsen. Ja, mittlerweile war es kein Lächeln mehr, sondern ein Grinsen, und es wurde von Tag zu Tag breiter. Er belieferte auch viele ihrer Kunden, und sie versuchte möglichst unauffällig, etwas über ihn heraus zu finden. Kannte ihn jemand? Wohnte er im selben Ort oder arbeitete er nur hier?

Er war immer in Eile. Klar, er arbeitete ja schließlich beim Paketdienst. Sie hatte oft genug gehört, wie sehr diese Jungs unter Druck standen. Das hielt sie auch davon ab, mehr zu wagen als nur eine flüchtige Begrüßung.

Neuer Tag, neues Glück.
Sie sah in den Spiegel und gähnte, während sie sich die dunklen Locken bürstete. Ihr stand ein ereignisloser Tag bevor, aber irgendwie war jeder Tag ereignislos. Grummelnd legte sie die Haarbürste zur Seite, als es an der Tür klingelte. Stimmt ja, sie erwartete ein Paket von ihrer Mutter. Eilig schwirrte sie die Treppe hinunter und öffnete die Haustür.

"Guten Tag, ein Paket für -"
Dem blonden Mann, der an ihrer Tür stand, stockte für einen kurzen Moment der Atem, als er sie sah. Auch sie erstarrte überrumpelt.
Da stand er. Direkt vor ihr.
Sie hatte mit dem Paket gerechnet, aber nicht mit ihm.

Ein freudiges Grinsen überflog sein Gesicht und es war so ansteckend, dass sie sofort mit einstimmte.
"Oh, hey, du bist das.", meinte er glucksend, aber sie wusste bereits vorher, dass er sie erkannt hatte. Von nahem sah er sogar noch attraktiver aus. Und seine Stimme klang wirklich angenehm.

"So oft wie wir uns über den Weg laufen, wurde es ja auch mal an der Zeit, dass wir uns hier treffen.", erwiderte sie mit einem Lächeln. Er nickte. Sie merkte, wie er sie musterte, und seine Augen verrieten mehr als tausend Worte. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Sie hatte sich nicht geirrt: Dieser Mann war genau so scharf auf sie, wie sie auf ihn!

Er riss sich aus seinen Gedanken los und zückte das Gerät, auf dem sie unterschreiben sollte. Während sie mit schwitzenden Händen den kleinen Plastikstift über die glatte Oberfläche führte um die Lieferung abzusegnen, bemerkte sie wie er sie mit seinem Blick regelrecht durchbohrte.

"Wie heißt du?", wollte er wissen.
"Tessa.", entgegnete sie ihm und gab ihm den Stift zurück. Ihre Hände berührten sich dabei. Sie hätte nie gedacht, dass eine so winzige Berührung sie so dermaßen erregen konnte.
"Und du?", fragte sie leicht hilflos, als sie den Brocken in ihrer Kehle nach mehrmaligem Schlucken endlich überwinden konnte.
"Janosch.", antwortete er mit einem Schmunzeln.

Eigentlich war jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem ein normaler Paketbote sich freundlich verabschiedet hätte um seinen Weg fortzusetzen, aber Janosch zögerte. Und Tessa wusste auch, warum er zögerte. Schweigend öffnete sie die Tür nun vollständig und trat einen Schritt nach hinten. Es war wie ein lautloser Startschuss, der sofort verstanden wurde.

Janosch war leidenschaftlich. Er drängte sie in den engen Hausflur, küsste sie fordernd und schaffte es gleichzeitig, mit dem Fuß die Vordertür zu schließen, damit sie vor den neugierigen Blicken der Nachbarn sicher waren. Es war beiden klar, dass es schnell gehen musste. Keine Zeit für ein Vorspiel, hier ging es um die möglichst effektive Befriedigung einer seit Ewigkeiten angestauten Lust.

Nur die notwendigsten Kleidungsstücke berührten den Boden, als er mit seiner ganzen Härte in sie eindrang. Sie stöhnte laut auf. Er fühlte sich verdammt gut an, und seine Bewegungen machten es noch besser. Starke Hände erforschten voller Gier ihren Körper, seine Lippen schienen fast überall zu sein, aber am meisten spürte sie seine Männlichkeit, die sich so prall und gierig immer tiefer in ihr Innerstes stieß.

Es war schneller vorbei, als ihr lieb war und doch war sie schier überwältigt von der unbändigen Leidenschaft die er zeigte. Stöhnend zog er sich aus ihr zurück, drückte sein zuckendes Glied an ihre Bauchdecke und entleerte sich auf ihrer blassen Haut. Er dankte ihr mit einem feurigen Kuss, den sie hingebungsvoll erwiderte.

Sie sagten nicht viel, während sie sich wieder anzogen und die Spuren ihrer Liebelei beseitigten, aber das gemeinsame Grinsen war allgegenwärtig. Es schien ihm nicht zu gefallen, dass er sich wieder auf den Weg machen musste. Bevor er die Haustür wieder öffnete, stahl er ihr einen letzten, hemmungslosen Kuss.

Er kritzelte ihr hastig seine Nummer auf die Seite ihres Paketes und sprach nur einen einzigen Satz als er ging, doch dieser Satz war wie Musik in ihren Ohren:
"Warte um Gotteswillen nicht zu lange mit deiner nächsten Bestellung, Tessa."

Schmunzelnd sah sie ihm nach, als er davonfuhr.
Dann sah sie auf die Uhr. Zehn Minuten hatte sie noch.


Vielleicht würde sie mal wieder etwas bei ihrem Lieblingsversandhandel bestellen...