Memories

GeschichteAllgemein / P12
Dr. Wilbur Wonka Willy Wonka
08.12.2013
08.12.2013
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Willy Wonka saß erwartungsvoll am Fenster.
Die Straßen von London waren dunkel, nur die Gaslaternen erleuchteten die blätterbedeckten Wege.
Unter normalen Umständen wären die Straßen um diese Uhrzeit bereits geisterhaft leer gewesen, doch nicht heute.
Heute war der schönste Tag im Jahr für Willy: Heute war Halloween.
Sein Vater hatte ihm zum ersten Mal erlaubt, den Abend mit den Kindern aus der Nachbarschaft zu verbringen und um die Häuser zu ziehen.
Wilbur Wonka war Zahnarzt von Beruf und hatte seinem Sohn grundsätzlich jede Art von Süßigkeiten verboten.
Karies, Parodontose und Zahnstein waren für ihn kein Preis, den man eingehen konnte, nur um Süßigkeiten genießen zu dürfen.
Willy starrte weiterhin hinaus in die Nacht.
Er wartete auf das Klingeln, das Klingeln an der Tür, welches den wundervollsten Abend seines zwölfjährigen Lebens einläuten würde.
Auf der Kommode neben der Tür lag zusammengelegt das Gespensterkostüm, dass Willy sich selbst genäht hatte.
Auch der Topf, in dem später (hoffentlich) viele Süßigkeiten liegen würden, stand schon bereit.
Willy rutschte ein Stückchen vom Fenster weg und betrachtete sein leicht verzerrtes Spiegelbild im Zimmer.
Er hatte das Gespensterkostüm nicht umsonst ausgewählt.
Die riesige, mechanische Zahnspange, die unübersehbar an seinem Kiefer befestigt worden war und den gesamten Kopf umschloss klickte immer, wenn Willy versuchte den Mund zu schließen.
Im Hinterzimmer hörte Willy seinen Vater arbeiten.
Das Geräusch eines Bohrers ließ den Jungen unwillkürlich zusammenzucken.
Willy liebte seinen Vater, jedoch nahm es dieser mit der Zahnhygiene gern mal etwas zu genau.
Willy hatte keinerlei besondere Zahnprobleme, musste aber dennoch die gigantische Zahnspange tragen um eventuellen Krankheiten vorzubeugen.
Willy hasste diese Spange.
Viele Kinder lachten ihn aus und er hatte kaum Freunde, wegen ihr.
Oft schon hatte er versucht, sie zu zerstören, doch nie hatte es klappen wollen.
Ehe Willy sich in seine Gedanken vertiefen konnte, klingelte es endlich an der Haustür.
Erfreut sprang Willy auf und rannte zur Tür.
Das Bohren im Hinterzimmer hörte auf und  Wilbur Wonka trat in seinem weißen Zahnarztkittel in den Flur.
"Sind das deine Freunde?"
Willy, der sich schon das Gespensterkostüm übergewofen hatte, nickte und riss die Tür auf.
Draußen standen einige Kinder, mit denen Willy mehr oder weniger viel zu tun hatte.
"Gut mein Junge, dann viel Spaß."
Willy nickte abermals und schon stand er zwischen den anderen Kindern draußen und schloss die Tür hinter sich.
Die Kinder klingelten in beinahe jedem Haus in der Umgebung und am Ende des Abends waren in Willys Topf viele Süßigkeiten gelandet.
Die Zeit schritt voran und die Kinder gingen alle nach und nach heim.
Nur Willy Wonka schob es immer weiter hinaus, zurück nach Hause zu gehen, denn er wusste, was dort passieren würde.
Sein Vater hatte ihm zwar erlaubt hinauszugehen, doch Willy bezweifelte, dass er auch nur eine Süßigkeit behalten durfte.
Schließlich war Willy der Einzige der von der Gruppe noch übrig war und schweren Herzens machte er sich auf den Heimweg.
Er versuchte, die Tür leise hinter sich zu schließen und wollte schnell hinauf in sein Zimmer huschen, doch sein Vater wartete schon auf ihn.
Im Wohnzimmer saß er, in dem alten, gemütlichen Sessel, in dem Willy oft Geschichten gehört hatte und sah Willy forschend an.
"Lass sehen, was du hast.", sagte Wilbur Wonka und streckte die Hand nach dem Süßigkeitentopf aus.
Zögernd reichte Willy im das gefüllte Gefäß und beobachtete, wie sein Vater alles genau untersuchte.
"Hmm. Toffee. Das ist pure Karies. Ein Lutscher am Stiel ... Parodontose am Stiel! Und diese ganze ekelhafte Schokolade!"
Wilbur stand auf und ging auf den Kamin zu, in dem ein Feuer glomm.
"Kinder kriegen die schlimmsten Krankheiten von solchem Teufelszeug! Das solltest du wissen!"
Mit diesen Worten kippte er den gesamten Inhalt des Topfes ins Feuer und Willy musste hilflos mit ansehen, wie seine geliebten, hart erkämpften Süßigkeiten dahinschmolzen.
Wilbur Wonka stellte den Topf auf den Holztisch neben dem Sessel und drehte sich zu Willy um.
"Du wirst mir noch dankbar sein."
Dann ging er die Treppe hinauf in sein Büro und verschloss die Tür hinter sich.
Willy jedoch rannte zum Kamin und fiel davor auf die Knie.
Er zitterte vpr unterdrückter Wut und verfluchte in Gedanken seinen Vater.
Süßigkeiten waren doch etwas Schönes!
Wieso hatte sein Vater sie so sehr?
Gerade als sich eine einsame Träne seine Wange hinunterstürzen wollte, sah Willy es.
Ein goldenes Bonbon aus Schokolade, was einsam neben dem glühenden Aschehaufen im Kamin lag.
Vorsichtig pickte er es heraus und betrachtete es genau.
Etwas Ruß am Papier, ansonsten war es vollkommen unversehrt.
Es musste neben das Feuer gefallen sein.
In Willy breitete sich ein heißes lücksgefühl aus und mit flinken Fingern hatte er das Bonbon ausgewickelt.
Die Schokolade glänzte braun und vollkommen im Licht der Kerzen.
Mit einem prüfenden Blick über seine Schulter vergewisserte sich Willy, dass sein Vater nicht zurückkam und dann schob er sich die Schokoladenkugel genüsslich in den Mund.
Wegen der Spange fiel es ihm schwer, zu kauen doch so hatte er länger etwas von der Süße, die seinen Mund erfüllte.
Er hätte schreien können vor Glück.
So fühlte es sich also an, wenn man Süßigkeiten aß ... ein wunderbares Gefühl!
Und diesem Tage an probierte er heimlich viele Süßigkeiten durch und schrieb sich ihre besten Eigenschaften in einen Notizblock.
Eines Tages würde er der Herr der Süßigkeiten werden.
Das hatte er sich fest vorgenommen.
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Willy Wonka stand hinter den geschlossenen Eisentoren seiner Fabrik.
Alles war bereit für die Empfangsshow.
Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er an das Halloween vor 20 Jahren zurück dachte, den Tag, der sein Leben verändert hatte.
Willy Wonka straffte seinen lila Anzug und setzte sich seine Sonnenbrille auf.
Den Gehstock fest in der Hand und den Zylinder wie immer perfekt auf dem Haupt, betätigte er den roten Knopf.
Es wurde Zeit die Fabrik für die 5 Kinder zu öffnen, die das goldene Ticket gefunden hatten.
Eines von ihnen würde einmal diese Fabrik leiten.
Ein Lächeln zuckte über Willy Wonkas Gesicht.
Er hatte es geschafft.
Er war der Herr der Süßigkeiten.
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