Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schmerzhafte Wahrheit

von Snoopy78
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Connor MacManus MurphyMacManus Noah"Il Dulce"MacManus
07.12.2013
07.12.2013
1
3.388
3
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
 
07.12.2013 3.388
 
Der OS ist kurz nach dem ersten Film anzusiedeln. Allerdings mussten die drei hier nicht fliehen und leben nach wie vor in Boston.



Sie konnten nichts tun.
Nichts außer warten.
Und genau das wurmte die MacManus Brüder.
Noch nie hatten sie sich so hilflos gefühlt wie in den letzten Tagen.
Sie kämpften.
Das war nichts Neues oder Ungewöhnliches für die Beiden, doch diesmal kämpften sie gegen keinen gewöhnlichen Feind.
Nicht gegen irgendwelche Mafiosi, Kinderschänder, Drogenhändler oder sonstigem Abschaum, den die Straßen Bostons ständig hervorbrachten.
Diesmal kämpften sie gegen einen unsichtbaren, gefährlicheren Feind.
Gegen die Zeit.
Gegen den Tod.
Gegen den Krebs.

Die Nichte von Detective Dolly hatte Knochenkrebs.
Sie mochten die Kleine sehr und beschlossen, so fern es ihnen möglich war, ihr zu helfen.
Sie ließen sich zusammen mit ihren anderen Freunden im Krankenhaus typisieren.
Das hieß Blutabnahme und eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenknochen.
Da ihre DNA nirgendwo hinterlegt war und sie dank Smecker unter einem falschen Namen spenden konnten, war diese Aktion für die Zwillinge in keinster Weise gefährlich.
Auch wenn außer den Cops niemand wusste, wer sich hinter den "Saints" verbarg, gingen sie doch auf Nummer Sicher.
Ihr Dad nahm genau aus diesem Grund nicht an der Aktion teil. Seine DNA, seine Blutgruppe waren bekannt und sie wollten das Risiko einfach nicht eingehen. Auch wenn er wie seine Söhne stets eine Maske getragen hatte.
Jeder einzelne wurde später von dem zuständigem Arzt in dessen Büro zitiert und die Ergebnisse besprochen.
Connor kam noch vor seinem Bruder an die Reihe. Es gefiel ihm nicht, wie dieser Arzt ihn musterte. Sein Blick verhieß nichts Gutes. Eine Mischung aus Professionalität, Überforderung und...ja... Mitleid.
Warum sollte dieser Mann Mitleid mit ihm haben?
War er etwa krank?
Vor ihm auf dem Schreibtisch lagen Murphys und seine Ergebnisse, Connor konnte ihre Namen auf dem Papier lesen.
Der Doc teilte ihm nun mit, dass er und Murphy leider nicht als Spender in Frage kamen.
Bevor er fortfahren konnte dröhnte sein Pieper. Er entschuldigte sich kurz und verließ das Büro.
Connor tippte unruhig mit den Fingerspitzen auf dem Tisch herum.
Was wollte der Mann ihm noch sagen?
Seine Neugierde siegte und er zog sich die beiden Papiere heran.
"Was zur Hölle...?", begann er, doch dann las er nochmal.
Und nochmal.
Mit einer Mischung aus Wut und Unglaube las er die Seiten noch einmal durch und stopfte sie sich in seine Manteltasche. Dann flüchtete er aus dem Büro und lief an Murphy vorbei, der vor der Tür wartete.
Überrascht sah der Dunkelhaarige auf und folgte seinem Bruder umgehend.
Erst auf der Straße holte er ihn ein und fluchte:
"Sag mal, spinnst du? Was sollte diese Flucht?!"
"Wir kommen nicht in Frage", zischte Connor zwischen zusammengebissen Zähnen hervor.
"Ah, und deshalb läufst du hier n´ Marathon oder was? Kannst du mal langsamer laufen, ich rede mit dir!"
"Herrgott nochmal, lass mich einfach in Ruhe! Du musst mir nicht hinterherlaufen, ich bin schon Groß!"
"Ah ja? Du behauptest doch immer der Ältere zu sein, davon merk´ich ab..."
Murphys Schimpftirade wurde abrupt unterbrochen, als er plötzlich gegen eine Hauswand gedrückt wurde.
Connor baute sich vor ihm auf, hielt ihn am Kragen fest und funkelte ihn böse an.
"Lass mich zufrieden, Murphy! Geh´ nach Hause und lass´ mich in Ruhe!"
Wütende blaue Augen starrten in ihr erschrockenes Ebenbild.
Murph war so überrumpelt, dass er keine Anstalten machte sich zu wehren oder zu widersprechen. Er wusste nicht, was auf einmal in seinen Zwilling gefahren war.
Der schüttelte ihn noch einmal kurz und ließ ihn dann los, musterte ihn von oben bis unten und betrachtete dann eingehend sein Gesicht.
"Conn, was..."
"Nichts. Lass mich."
Mit diesen Worten drehte sich Connor um und rannte in die nächste Seitenstraße.
Murphy brauchte ein paar Sekunden um klar zu werden.
Was zur Hölle war dass denn grade???
Was führte sich sein Bruder so dämlich auf?
Als er die Seitenstraße erreichte, war Connor verschwunden.
Er suchte ihn.
In jeder Bar, in jeder Kirche, an jedem Ort an dem sie sich gerne aufhielten.
Er kehrte sogar ins Krankenhaus zurück um mit dem Arzt zu sprechen und herauszufinden, was Connor so wütend gemacht hatte.
Doch der berief sich auf seine ärztliche Schweigepflich und sagte ihm ,dass er zusammen mit Connor zurück kommen sollte. Erst dann würde er ihm mitteilen, um was es ging.
Langsam aber sicher bekam er es mit der Angst zu tun. War sein Bruder etwa krank?
Was konnte ihn derart aus der Fassung gebracht haben?
Murphy grummelte leise vor sich her und rief seinen Vater an, der sich auf Connors Verhalten allerdings auch keinen Reim machen konnte.
Er versprach ihm, sich zu melden, sollte der Blonde zuhause auftauchen.
Leise vor sich her schimpfend schlug Murphy nun den Weg zu Smeckers Wohnung ein. Vielleicht  hockte sein Zwilling ja bei dem FBI Agenten und hatte dem wenigstens gesagt,was ihn so dermaßen aus der Bahn geworfen hatte. Anrufen wollte er nicht, denn er befürchtete, dass Connor sich verleugnen lassen würde.
Also musste er selbst dort auftauchen.

Erst am späten Abend kehrte Connor nach Hause zurück.
Er und Murphy wohnten nicht mehr in ihrer heruntergekommenen Wohnung, sondern mit ihrem Vater zusammen in einem kleinen Haus am Bostoner Stadtrand.
Noah, der im Wonzimmer auf ihn gewartete hatte, stand aus seinem Sessel auf und ging zwei Schritte auf ihn zu.
"Connor, Junge, wo warst du? Was ist passiert, warum bist du weggerannt?"
Der Blonde wich zurück und funkelte seinen Vater böse an.
"Wo ist Murphy?"
"Der klappert die ganze Stadt nach dir ab. Er macht sich Sorgen, so wie ich auch. Aber jetzt bist du ja wieder da. Was war los?"
Connor zuckte die Schultern und starrte seinen Vater angriffslustig an.
"Vielleicht ganz gut, dass er nicht da ist. So können wir uns erst mal *unterhalten*, oder nicht?"
In Conns Stimme klang ein gefährlicher Unterton mit, den Noah nicht richtig einordnen konnte. Er hatte keine Ahnung, was mit seinem Sohn los war.
"Bist du krank, Connor? Irgendetwas muss doch in diesem Büro passiert sein."
"Passiert? So kann man es nennen, ja", lachte Connor höhnisch auf.
Noah runzelte die Stirn.
Dieser Ton gefiel ihm absolut nicht, weswegen er jetzt einen strengeren Tonfall anschlug.
"Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen. Raus mit der Sprache."
Doch Connor schwieg und taxierte seinen Vater mit einem frostigen, unberechenbaren Blick. Seine rechte Hand wanderte in seine Manteltasche. Noah hörte Papier knistern.
"Warum habt ihr mir nie was gesagt? "
"Was gesagt, Sohn?"
" HÖR AUF DAMIT!", platzte es nun aus Connor heraus, der langsam, aber sicher, knallrot anlief. Eine Zornesfalte bildete sich auf seiner Stirn und seine Halsschlagader trat hervor.
"Was soll das? Bist du verrückt geworden?"
"Ich nicht. Aber ihr anscheinend! Ja, ich habe es rausgefunden! Auf eine ganz miese Art und Weise!!"
Mit diesen Worten zog er zwei zusammengeknüllte Papiere aus seiner Tasche und hielt sie dem älteren Mann vor die Nase.
Der nahm sie wortlos an sich und las. Seine Augen weiteten sich und er schüttelte den Kopf.
"Du solltest es nie erfahren ... und auf keinen Fall so. Es tut mir Leid."
Connor ballte die Fäuste und schrie:
"ES TUT DIR LEID?? IHR HABT MICH MEIN LEBEN LANG ANGELOGEN!! DU UND ... SIE! UND IHR REDET VON EHRLICHKEIT!"
"Connor bitte... lass mich dir erklären..."
"Spar dir deine Erklärungen. Ich bin fertig mit dir!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und lief zur Treppe, blieb dann aber noch einmal stehen und drehte sich zu seinem Vater um, der wie vom Donner gerührt mit den Papieren in der Hand mitten im Zimmer stand.
"Sag´ mir nur noch eines."
"Was willst du wissen?"
"Weiß Murphy es auch? Hat er sich an dieser Schmierenkomödie beteiligt?"
Connors Stimme war nur noch ein Fauchen.
"Nein...er weiß von nichts."
Der Blonde knurrte leise und stapfte dann die Treppe hinauf. Wenig später knallte seine Zimmertür zu und Noah raufte sich die Haare.
Schöne Scheiße.

Als Murphy kurz darauf heimkehrte sah er seinem Vater sofort an, dass etwas nicht stimmte.
"Was ist? Ist Connor immer noch nicht wieder hier?"
"Doch, ist er. Lass ihn bitte erst mal in Ruhe. Er muss sich beruhigen und morgen sehen wir weiter."
Mit dieser Aussage konnte Murph nun gar nichts anfangen. Er versuchte weiter, etwas aus seinem Vater heraus zu bekommen, doch der schwieg behaarlich.
Wütend stapfte er die Treppe hoch und klopfte an Connors Tür. Als der nicht antwortete, drückte er die Klinke herunter.
Abgeschlossen.
Was sollte das denn jetzt? Weder Connor noch er hatten jemals ihre Türen verschlossen.
"Conn? Mach auf, Man!"
"Lass mich in Ruhe", drang die Stimme seines Bruders dumpf durch das Holz.
"Bestimmt nicht! Du haust ab und lässt mich wie doof stehen, tauchst erst spät wieder auf und jetzt schließt du dich ein. Ich will wissen, was los ist, verdammt nochmal!"
"Kann man in diesem Haus nicht einmal seine Ruhe haben, verfluchte Scheiße? Lass mich schlafen, ich hab´Kopfschmerzen und lieg´schon im Bett. Und da solltest du auch hin verschwinden."
Murphy setzte zu einer Erwiderung an, ließ es dann aber doch. Er kannte seinen Bruder gut genug um zu wissen, dass er jetzt nichts aus ihm herausbekommen würde.
Connor war genau wie er selbst stur und bockig, wenn er etwas nicht wollte.
Und ganz offensichtlich wollte er jetzt nicht.
Aber eines musste er noch wissen.
"Conn?"
"WAS?", antwortete dieser mehr als unfreundlich.
"Ich will nur noch eines wissen. Bist du... bist du krank?"
"Nein. Und jetzt geh."
Murph nickte stumm, antwortete nicht mehr und ging in sein Zimmer. Eigentlich hätte er Noah nochmal auf den Zahn füllen können, doch irgendwie hatte er keine Lust mehr dazu. Und er wusste auch, dass es genau wie bei Connor nichts bringen würde. Immerhin hatten sie diesen Sturkopf von ihrem Vater geerbt.
Mit einem unguten Gefühl im Bauch legte er sich in sein Bett und versuchte zu schlafen.
Es gelang ihm nicht.
Tausende Gedanken jagten durch seinen Kopf und hielten ihn wach. Er machte sich verdammte Sorgen um seinen Zwilling und es wurmte ihn, dass er nicht wusste was mit ihm los war.
Auch die Verschwiegenheit seines Vaters bereitete ihm Kopfzerbrechen.
Leise seufzend drehte er sich auf den Rücken und starrte an die Decke.
Wehe, wenn Connor und Noah morgen nicht mit ihm redeten.

Auch Connor fand keinen Schlaf. Unruhig wälzte er sich im Bett hin und her, seufzte immer wieder auf und dachte über das nach, was er heute erfahren hatte.
So sehr es ihm widerstrebte... er musste morgen mit Noah reden.
Er wollte mehr wissen.
Auch wenn es weh tun würde.
Und Murphy...wie der darauf reagieren würde, konnte er sich gut vorstellen. Doch er würde es ihm nicht sagen. Das war Noahs Aufgabe.
Und dann... was sollte dann werden?
Er wusste es nicht.
Er wusste nur, dass vor wenigen Stunden seine Welt zusammen gebrochen war.

Am nächsten Morgen fanden sich die drei in der Küche ein und musterten sich aus geröteten, übernächtigten Augen.
Connor war blass und vermied jeglichen weiteren Blickkontakt zu seinem Bruder. Stattdessen funkelte er Noah schon fast verächtlich an und knurrte:
"Ich will jetzt alles wissen. Und dann werde ich wohl gehen."
"Warum wilst du gehen und wohin? Was ist hier eigentlich los, verdammt nochmal?", fragte Murphy verwirrt.
"Frag´ deinen Vater."
"Mei...meinen Vater? Was...?"
"Connor, es reicht. Vielleicht sollten wir das besser unter vier Augen besprechen, oder?", schlug Noah einen warnenden Ton an.
"Warum sollten wir? Willst du ihn einfach weiter belügen? So tun, als ob nichts gewesen wäre? Tut mir leid, da mache ich nicht mit."
"Wenn ihr jetzt nicht bald mal Klartext mit mir redet, werde ich sauer. Aber verdammt sauer", fauchte Murph, dessen Augen erbost funkelten.
Noah seufzte und setzte sich an den Tisch.
"Setzt euch. Und lasst mich ausreden. Kein Geschrei. Verstanden?"
Beide Brüder nickten und setzten sich ebenfalls.
Noah fasste Murphy ins Auge und setzte zu einer Erklärung an.
"Ihr wart doch gestern im Krankenhaus."
"Und?"
"Connor hat dort etwas gefunden. Eure Blut-und Knochenmarksergebnisse. Anhand dessen hat er herausgefunden, dass ihr beide... also... er ist nicht dein Bruder. Wir haben ihn adoptiert, als er 6 Wochen alt war."
Diese Worte trafen Murphy mitten ins Herz. Er wurde blass und schnappte nach Luft.
"Was? Das ist nicht... nein..."
Connor warf ihm einen kurzen, besorgten Blick zu, wandte sich dann aber sofort wieder an seinen "Vater".
"Erzähl´ alles. Ich will es wissen."
Angesprochener sah ihm fest in die Augen und fuhr fort:
"Deine Mutter Sahra war eine Freundin von uns. Sie war sehr krank und hatte bereits vor deiner Geburt alles amtlich geregelt, dass wir dich nach ihrem Tod adoptieren können. Sie starb 5 Wochen später. Niemand hatte damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde, aber ihr Immunsystem war durch die Schwangerschaft und die Geburt noch zusätzlich geschwächt. Eine Woche vorher kam Murphy zur Welt und wir haben euch beide direkt zusammen in eine Wiege gelegt...ihr wart so ruhig und habt euch angelächelt. Sahra meinte noch, dass ihr unzertrennlich werdet, und so war es auch. Wenn ihr nicht zusammen wart, habt ihr gebrüllt wie am Spieß...aber das wisst ihr schon, wir haben euch genug aus eurer Kindheit erzählt. Und da war nichts von erlogen oder geschwindelt."
Noah machte eine Pause und schluckte schwer, als er in die Gesichter der beiden jungen Männer blickte. Connors Augen glänzten verdächtig und Murphy starrte ungläubig auf die Tischplatte. Er war noch blasser geworden und Noah befürchtete, dass er bald vom Stuhl kippen würde.
"Und mein Vater?", fragte Connor tonlos.
"Der hat sich nicht für dich interessiert. Er wollte Sahra zur Abtreibung zwingen, doch dies war nie eine Option für sie. Sie wollte dich bekommen, auch wenn er sie dafür sitzen ließ. Wir haben nie wieder von ihm gehört."
"Warum habt ihr mir nie etwas gesagt?"
"Wir haben uns nicht getraut. Wir wollten auch euer Verhältnis zueinander nicht zerstören. Für euch wäre doch eine Welt zusammengebrochen, wenn ihr erfahren hättet, dass ihr keine Brüder seid. Ihr wart doch Kinder."
"Ja, aber wir wurden auch älter? Und meinst du, jetzt ist es einfacher? Und es dann auch noch auf diese Art und Weise zu erfahren?!", fluchte Connor, der seinen Stuhl zurückschob und aufstand.
"Was hast du jetzt vor?"
"Weiß ich noch nicht. Ein wenig Ruhe und Nachdenken wäre nicht schlecht!"
Mit diesen Worten verließ er den Raum und wenig später schlug die Terrassentür zu.
Murphy saß wie festgenagelt auf seinem Stuhl. Er hatte noch kein Wort gesprochen und glich immer noch einem Kalkeimer.
Connor war nicht sein Bruder... das konnte doch nicht wahr sein.
"Murph?"
Die Stimme seines Vaters drang nur gedämpft an seine Ohren und er schüttelte den Kopf.
"Lass mich alleine...."
Noah nickte und kam dem Wunsch seines Sohnes nach .Kurz drückte er seine Schulter und verließ dann das Zimmer. Er wusste, dass jeder der beiden jetzt Zeit für sich brauchte und er sie besser in Ruhe lassen sollte.

Murphy hielt es nicht mehr aus. Nachdem er zum tausendsten Male seine Gedanken sortiert hatte oder es zumindest versuchte, stand er auf und ging auf die Terrasse.
Connor saß auf den Stufen zum Garten, die Ellenbogen auf die Knie gestützt und die Hände vors Gesicht geschlagen.
Er bemerkte nicht, dass Murph sich neben ihn setzte und schrack dementsprechend zusammen, als der Dunkelhaarige ihn nun ansprach.
"Musst du dich so anschleichen?!"
"Das konnte ich schon immer gut, weißt du doch."
Connor brummte etwas undeutliches vor sich her und musterte den Mann, den er 28 Jahre lang als seinen Zwilling angesehen hatte.
Und nun war er es einfach nicht.
Kein Zwilling.
Nicht mal blutsverwandt.
Er seufzte und betrachtete dann seine Schuhe.
"Was hast du jetzt vor?", fragte Murph leise, woraufhin der Andere lediglich die Schultern zuckte.
"Ich weiß es nicht.... ich meine...ich weiß, dass deine Eltern mir nur helfen wollten und nichts Böses im Schilde führten. Aber es tut trotzdem weh, Murph... sie hätten es mir sagen sollen. Irgendwann. Als ich gestern diese Papiere in die Finger bekommen hab´... da ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Wenn ich es anders erfahren hätte, dann...wäre es vielleicht nicht so schlimm geworden. Verstehst du das?"
"Sicher. Du bist enttäuscht. Und ich bin es auch. Vielleicht sollten wir eine Weile weggehen und etwas zur Ruhe kommen. Und dann versuchen wir es hier mit Dad noch einmal..."
Connor sah ihn aus großen Augen an und fragte:
"Wie meinst du das? Das WIR weggehen sollten?"
"So, wie ich es sage, Conn. Für mich ändert sich nichts. Du bist und bleibst mein Bruder."
"Aber das bin ich doch gar nicht."
"Doch, das bist du. Du hast all die Dinge getan, die ein Bruder halt so macht.DU hast Nachts bei mir am Bett gesessen, wenn ich Alpträume hatte und Ma arbeiten war. DU hast mich mit Dreck und Schnee eingerieben und bist lachend vor mir weggerannt. Hast dich lustig drüber gemacht, dass ich langsamer war als du.  DU warst es, der meine Mathehausaufgaben gemacht hat und DU warst auch derjenige, der mir über den ersten Liebeskummer hinweghalf. Verdammt nochmal, DU hast mir Kugeln aus dem Körper gezogen und meine Wunden verarztet, warst da, als ich fast drauf gegangen wäre.  Also erzähl´ mir nicht, dass wir keine Brüder sind!"
Connors blaue Augen füllten sich mit Tränen und er senkte beschämt den Kopf. Daraufhin wurde er sanft, aber bestimmt am Kinn gefasst.
"Sieh´mich mal an... hast du verstanden, was ich dir gesagt habe?  Du BIST mein Bruder und nichts auf der Welt wird daran etwas ändern. Ich liebe dich nach wie vor, Conn..."
Der Blonde zitterte leicht als er nickte und seine Stirn gegen Murphys Schulter lehnte. Der schlang beide Arme um den Blonden und spürte, wie sich dessen Hände auf seinen Rücken legten und dort Halt suchten.
Diesen Halt gab Murphy Connor nur zu gern, denn der zitterte immer noch und weinte leise. Tränen durchnässten das Shirt des Dunkelhaarigen Saints, doch das störte ihn nicht im geringsten.
Eine Weile ließ er seinen Bruder weinen, bevor er belustigt sagte:
"Ein Gutes hat die Sache aber doch. Für dich jedenfalls."
Connor hob verwirrt den Kopf und wischte sich über die feuchten Augen.
"Was denn bitte schön?"
"Na... du weißt jetzt, dass du der Ältere bist. Ganze vier Wochen. Kannst mich also nun offiziell damit ärgern."
Für ganze 5 Sekunden war es still, dann prustete Connor leise und zog den Anderen noch einmal in seine Umarmung.
"Du bist ein Spinner. Aber Recht hast du. Ich bin Älter. Wusste ich schon immer."
"Ich weiß. Du musst ja immer Recht haben."
"Blödmann."
"Selber."
Conn schmunzelte gegen Murphys Schulter und murmelte dann:
"Brüder, hm?"
"Brüder. "
"Danke, Kleiner. Und jetzt darf ich dich ja so nennen."
Murph verdrehte die Augen und grummelte:
"Ich wusste, dass du das gnadenlos ausnutzen würdest."


Noah stand an seinem Schlafzimmerfenster, welches sich direkt über der Terrasse befand. Er hatte das Gespräch der beiden mitbekommen und nickte zufrieden.
Wenigstens war Connor mit Murphy im Reinen. Es hätte ihn auch sehr gewundert, wenn das Gegenteil der Fall gewesen wäre.
Und er verstand auch sehr gut, dass seine Söhne vielleicht für eine Weile fortgehen wollten, auch wenn es ihm wehtat.
Beide mussten diese Nachricht erst einmal richtig verarbeiten und die noch vorhandene Wut und Enttäuschung auf ihn in den Griff bekommen.
Doch er war sicher, dass sie nicht lange fort bleiben würden.
Immerhin waren sie seine Söhne.
Und er hatte Connor nie als einen Adoptivsohn angesehen, was der auch tief in seinem Inneren wusste.
Jetzt musste er verarbeiten.
Und dazu brauchte er Zeit.
Und seinen Bruder.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast