Alte Runen & Mit gezinkten Karten

von baronesse
KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12
Fred & George Weasley Ginevra Molly "Ginny" Weasley Lee Jordan Luna Lovegood Percy Weasley Sibyll Trelawney
06.12.2013
16.01.2014
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„Nun, Sie haben alle Arbeitsanweisungen, fangen Sie an!“
Gehorsam beugte der Rotschopf in der ersten Reihe sich über sein Pult, wo „Runenübersetzung für Fortgeschrittene“ ordnungsgemäß auf S.278 aufgeschlagen war. Daneben hatte er bereits Feder und Pergament zu Recht gelegt. „Zaubermanns Silbentabelle“ lag daneben, damit er das Nachschlagewerk gleich zur Hand hatte. Percy Weasley war ein ordentlicher Schüler. Ob es daran lag, dass seine jüngeren Brüder solche Chaoten waren?

Percy dagegen hatte früh begriffen, dass Ordnung und Fleiß bereits einen Großteil von Erfolg ausmachten und er war ein ehrgeiziger Schüler. Vielleicht wegen seinen beiden älteren Brüdern. Sie hatten die Messlatte sehr hoch gelegt. Und in seiner Familie waren sie so viele Kinder, dass jeder selbst für seine Zukunft sorgen musste. Früher hatte es ihn nie gestört, aber in letzter Zeit wurde es ihm immer wieder bewusst, dass er aus einer armen Familie kam.

Wovon er sich wieder ablenken ließ! Beschämt senkte er den Blick und besah die sich drehende Ansicht eines Helmes aus geraumer Vorzeit. Am besten er notierte sich zuerst die Runen, bevor er mit der Übersetzung begann.

Normalerweise erklärte Professor Babbling in der Stunde die Themen und Besonderheiten des nächsten Objekts. Übersetzungen waren meist die Übungen für Freistunden und Hausarbeiten. Nun, da die UTZ-Prüfungen immer näher rückten, ließ die stämmige, ältere Hexe sie häufiger ganze Projekte im Unterricht angehen, damit sie üben konnten, in einer knapp bemessenen Zeitspanne  die Übersetzungen so gut wie möglich zu schaffen. Schließlich würde auch die Prüfung vor unabhängigen Prüfern des Ministeriums so ablaufen.

Percy kontrollierte, ob er alle Runen richtig niedergeschrieben hatte. Trotz der kribbelnden Unruhe in seinem Magen ließ er sich Zeit. Gerade in diesem Fach kam es auf Sorgfalt an.

Viele seiner Mitschüler dachten, dass Alte Runen kein besonders schweres Fach war, wie Muggelkunde etwa. Sie stellten sich Alte Runen in etwa so vor wie Französisch zu lernen, was hin und wieder Schüler in den Sommerferien taten, wenn sie mit ihren Eltern in das Land reisten. Dabei hatte Französisch dasselbe Alphabet wie Englisch und so faszinierend eine fremde Sprache auch sein mochte, sie war genauso nutzlos fürs Zaubern wie das Englische. Runen dagegen besaßen echte Macht und waren früher üblicher gewesen als Zaubersprüche.

„Mister Weasley, mehrere Wenderunen? Sind Sie sicher?“ Professor Babbling stand hinter ihm und spähte auf sein Pergament.

Hastig fing Percy an, seine Abschrift mit der bewegten Abbildung im Buch zu vergleichen. Wo war er nur mit seinen Gedanken? Uruz war eindeutig eine Sturzrune und Sowulo und Gibo standen völlig normal, nicht verkehrt herum. Zumindest im Buch. Wenn er ‚Sonne’ und ‚Gabe’ umdrehte, würde das die Bedeutung der Inschrift deutlich verändern. Direkt darunter hatte Percy die Rune für ‚Wonne’ notiert, obwohl im Original nichts davon vorkam, und plötzlich wusste er, was los war.

Penelope.

Ein leises Stöhnen entwich seinen Lippen.
Professor Babbling, die jetzt in den hinteren Reihen umherging, hörte es trotzdem.
„Ist Ihnen nicht gut, Mister Weasley?“

Langsam breitete sich Farbe passend zu seinem Haar auf seinen Wangen aus, während er versicherte, dass alles in Ordnung war. Wenigstens hatte Penelope Alte Runen nicht belegt und bekam diese Peinlichkeit nicht mit.

Percys Röte wurde noch schlimmer, als er merkte, dass er gar keine Unterhose trug. Er erinnerte sich nicht, ob er heute Morgen nur zu sehr durch den Wind gewesen war. Oder hatte er sich männlicher fühlen wollen, als er die Unterhose und das dünne Baumwollunterhemd zurück auf sein Bett geworfen hatte?

Die Schuluniform kratzte auf seiner Haut. Er durfte jetzt nicht schwitzen, er trug ja nichts darunter, er –

Zu spät. Schon merkte er, wie der Schweiß ausbrach und der raue Stoff anfing an ungünstigen Stellen unangenehm an seiner Haut zu kleben. Sehr männlich.

Man musste es ihm ansehen, denn auf dem Rückweg zum Pult hielt Professor Babbling erneut bei ihrem Lieblingsschüler an.
„Percy“, sprach sie leise. „Ich weiß, Sie stellen hohe Ansprüche an sich selbst, aber setzen Sie sich nicht so unter Druck.“ Ein aufmunterndes Schulterklopfen, was das Hemd auch an jener Stelle platt an seinen Körper drückte und sie stand wieder vorne am Pult.

„Nun, ich weiß, Sie sind nicht alle fertig geworden, aber kann mir jemand sagen, um was es sich hierbei handelt?“
Die Frage war nicht allzu schwer, und an jedem anderen Tag wäre Percy der erste gewesen, der die Hand hob.

Heute hörte er zu, wie ein Ravenclaw die Funktion des Schutzbannes erklärte und dafür fünf Hauspunkte erhielt. Penelope würde sich freuen. Sie führten einen kleinen, freundschaftlichen Wettstreit miteinander, welches Haus das Bessere war, Gryffindor oder Ravenclaw, obwohl ihre Gefühle sonst bei weitem nicht nur freundschaftlich waren.

„Und wer kann mir sagen, was das Besondere an dieser Inschrift ist?“ Ein kleiner Schlenker mit dem Zauberstab und Professor Babbling hatte das Bild aus dem Lehrbuch in die Luft projiziert, wo es sich drehend über dem Pult schwebte.

„Die Sturzrune?“, meldete sich ein schüchterner Hufflepuff zögernd.

„Mister Jenkins, wann haben wir das erste Mal von Sturzrunen gehört?“

„Ähm, ganz am Anfang?“ Der Junge krauste die Stirn.

„In der dritten Klasse“, bestätigte Professor Babbling die Vermutung. „Als Sie dieses Fach frisch gewählt hatten. Sie wollen mir also nicht erzählen, dass eine Sturzrune das Besondere an dieser Inschrift ist.“ Die Lehrerin schnaubte. Im Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen half sie ihren Schülern häufig. Heute jedoch wirkte sie ungeduldig.

Also schob Percy alle Gedanken an die fehlende Unterwäsche und was Penelope davon halten würde, beiseite und hob die Hand um auf den fehlenden Abstand zwischen den Runen Naudiz und Sowulo hinzuweisen. Ob diese Nähe von ‚Not’ und ‚Sonne’ eine Bedeutung hatte oder nur mangelndem Platz geschuldet war, war schließlich eine interessante Frage, die einer Diskussion würdig war.

Er bekam von Professor Babbling zehn Punkte.

Percy Weasley war ein guter Schüler. Er musste sich nur konzentrieren.



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Dies ist mein Wichtelbeitrag zum Hogwarts-Wichteln für mein Wichtelkind SchmokSchmok!

Gewünscht war (könnte man glatt auch so erraten) das Fach Alte Runen, unterrichtet von Professor Babbling (die dreisterweise nicht in der Personenliste vorkommt ^^ ) und dem Schüler Percy Weasley in seinem 7. Schuljahr. Zusätzliche Challenge war:
Percy bemerkt während Alte Runen, dass er am Morgen vergessen hat, Unterwäsche anzuziehen.
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