Eine Weihnachtsgeschichte

von claudrick
KurzgeschichteHumor / P12
Curtis Newton / Captain Future Ezella Garnie Joan Landor
03.12.2013
03.12.2013
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Die Kinder waren aufgeregt, plapperten wild durcheinander, und es dauerte eine Weile, bis sie sich beruhigt hatten. Erst als sich Joan im Schneidersitz zu ihnen auf den Boden setzte, beruhigten sie sich allmählich und blickten die junge blonde Frau vor sich erwartungsvoll an. Ein Mädchen, vielleicht drei Jahre alt, hob die Hand.

„Ja?“, fragte Joan und lächelte das Kind freundlich an.

„Bist du ein Weihnachtsengel?“

Verblüfft sah Joan das Kind an. Sie trug heute an der Weihnachtsfeier der Planetenpolizei zivil, einfache, blaue Jeans. Aber einen flauschig-weißen Mohairpullover und das blonde gelockte Haar offen. Eine Kollegin hatte ihr heimlich noch einen silbern glitzernden Stern ins Haar gesteckt…

„Du bist ja süß“, antwortete Joan gerührt, „Aber… Nein, ich bin kein Weihnachtsengel. In der Weihnachtsgeschichte kommt aber so ein Engel vor. Kennt ihr die Geschichte schon?“

Einige der Kinder nickten eifrig, doch bevor Joan darauf eingehen konnte, räusperte sich jemand vernehmlich. Sie blickte auf und sah Ezella an der Tür stehen.

„Entschuldigt mich einen Moment, Kinder“, sagte Joan, stand auf und ging auf ihren väterlichen Freund und Kollegen zu. „Was gibt’s, Ezella?“

„Ich glaube, ich habe das beste Weihnachtsgeschenk überhaupt für dich“, antwortete der Marshall und grinste breit. „Curtis ist hier!“

„Wirklich?“, freute sich Joan und bekam rosige Wangen. „Er sagte doch, er habe keine Zeit zu kommen…“

„Hat sich wohl für dich freigeschaufelt“, antwortete Garnie und zupfte einen nicht vorhandenen Fussel von Joans Schulter. „Na los, geh schon!“

„Danke, Ezella…“, antwortete Joan, „aber könntest du dich um die Kinder kümmern, bis Bridget kommt? Sie löst dich in einer halben Stunde ab.“

„Was, ich?“, wehrte Garnie ab „Also, ich weiß nicht, ob ich der Richtige bin für sowas…“

„Ich wollte ihnen gerade die Weihnachtsgeschichte erzählen“, entgegnete Joan und klimperte mit den Wimpern, „Das kannst du auch.“

„Na, gut…“,  gab sich der Marshall geschlagen. „Wo ist das Buch?“

„Ich habe kein Buch“, antwortete Joan und hauchte einen sanften Kuss auf seine Wange, „du schaffst das auch so. Improvisiere einfach!“

Und ehe sich Ezella Garnie weiter zur Wehr setzen konnte, war Joan verschwunden. Resigniert holte der Marshall tief Luft und ging auf die Kinder zu. Diesen war anzusehen, dass ihnen der hübsche, blonde Weihnachtsengel lieber gewesen wäre, als dieser knurrige, alte Kerl. Ächzend ließ sich Garnie auf dem Boden nieder und schaute in die Runde.

„Also, die Weihnachtsgeschichte… Maria und Josef waren schon ´ne ganze Weile verlobt, da sagte Maria eines Tages: „Du, Josef, ich weiß ja auch nicht wieso, aber ich glaube, ich bin schwanger; was machen wir denn jetzt?“

„Junge, Junge, das is´n Ding“, dachte Josef, „mit wem hat die sich denn hinter meinem Rücken eingelassen? Da werd´ ich mich doch sofort entloben. Eigentlich schade!“ Weil es aber schon so spät war und ihn die ganze Sache ganz schön mitgenommen hatte, sagte er sich: „Okay, ich entlobe mich erst morgen“ und legte sich erst mal ins Bett.

Was´n Glück, denn genau in der Nacht erschien ihm ein Engel. Der stand vor seinem Bett, schimmerte und sagte: „Also, Josef, alter Junge, ich bin der Engel des Herrn und die Sache mit deiner Braut geht in Ordnung. Das war kein Hausfreund, sondern der Heilige Geist persönlich und der Sohn, der da rauskommt, ist total wichtig, damit das Volk und überhaupt die Welt endlich mal von den ganzen Sünden erlöst wird. Das muss ja auch mal sein – also heirate die Maria und nennt das Kind Jesus. Alles klar? Okay, ciao.“ Und damit schwebte der Engel wieder los.

Josef war platt, aber er machte, was der Engel gesagt hatte, und alles lief normal weiter, bis eines Tages der König, so Anfang Dezember, auf die Idee mit der Volkszählung kam. Da musste sich also jeder in seinem Geburtsort melden, und weil Josef aus Nazareth war, mussten sie dahin, obwohl das ´ne ganze Ecke zu laufen war. „Sch… Schöne Bürokraten“, schimpfte Josef, „mit uns können die es ja machen! Also los, Maria, es hilft nix, pack die Koffer!“

Am 24. Dezember war´s dann soweit. Maria merkte, dass sie wohl heute das Kind kriegen würde, und Josef rannte sich die Hacken ab, um in dem überfüllten Bethlehem ´ne Bleibe aufzutreiben. Aber für ein Hotel langte das Geld nicht, Krankenhäuser gab´s keine und die billigen Gasthäuser waren rappelvoll. Es war total kalt und bis zum Abend hatte er nichts weiter gefunden als einen Stall, den ihm ein Bauer angeboten hatte, der sich dachte: „Na ja, für die Ausländer geht das schon, die können ruhig zu den Eseln und Kühen, die sind sowieso nix Besseres gewohnt…“

„Oh Mann, ist das kalt heute“, sagte gerade ein Hirte zu seinen Kollegen, mit denen er draußen auf dem Feld ums Feuer saß und auf die Schafe aufpasste, als ihnen dieser komische Stern auffiel. Auch seine Kumpels hatten so ein Ding noch nie gesehen. Riesengroß mit einem mordslangen Kometenschweif hintendran.

„Das ist ja ein Hammer, wenn das nix zu sagen hat“, meinten die Hirten noch, als es auf einmal unheimlich hell wurde und dieser Engel (derselbe, der im Juni Josef besucht hatte) erschien. Gleich mit Riesenorchester und mit Chor und mit allem Drum und Dran. Die Hirten waren völlig von den Socken, aber da sagte der Engel schon: „Jungs, keine Angst. Ich hab ´ne göttliche Nachricht für euch,“ (und der Chor sang im Hintergrund immer mit) „ihr wolltet doch schon immer einen Erlöser, so einen richtig guten Typen, der für alles zuständig ist, euch die Sünden abnimmt, einen, der vom Himmel kommt und hier mal endlich Frieden schafft, den auch die Könige immer nur versprechen, wenn sie sich gerade selbst ernennen, stimmt´s? Seht ihr, jetzt habt ihr einen. Grade ist er geboren worden: Er ist noch ziemlich klein und liegt in einem Futtertrog in einem Stall, aber das ist der, auf den ihr immer gewartet habt. Jesus heißt er! Lasst eure Schafe mal für ´ne Stunde allein und geht hin zum Gratulieren.“

Damit verschwand der Engel mit dem Chor und der ganzen Lightshow und die Hirten gingen los, um das Kind zu suchen. Als sie in dem Stall ankamen, lag das Kind wirklich im Futtertrog und sie gratulierten Maria und Josef und freuten sich alle und es war ein ziemliches Gedränge und eine Riesenstimmung in dem Stall und alle waren froh.“

Ezella endete und blickte in erwartungsvolle Gesichter, ob die Geschichte denn noch weiterging. Also rief er einfach „Frohe Weihnachten“, und die Kinder taten es ihm nach. Versteckt an der Tür standen lauschend Joan Landor und Curtis Newton und konnten nur mit Mühe das Lachen unterdrücken.

„So habe ich die Weihnachtsgeschichte noch nie gehört!“, flüsterte Joan glucksend.

„Ja, wer hätte das gedacht“, antwortete Curtis, „Ezella hat richtige Großvater-Qualitäten!“

Ja, die hat er, dachte Joan und schenkte ihrem väterlichen Freund, der sich gerade wieder mühsam vom Boden erhob, einen zärtlichen Blick.
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