Eine kleine Weihnachtsgeschichte

GeschichteAllgemein / P12
02.12.2013
02.12.2013
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Diese Geschichte ist mein Beitrag zu dem Projekt "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt" zu finden hier: http://forum.fanfiktion.de/t/23538/1

Die Geschichte wurde mithilfe einer Charakterliste erdacht, die vorher zusammengestellt wurde und dann die "Szenarien" zufällig verteilt. Meine Liste:

1. Addison Montgomery
2. Amelia Shepherd
3. Sam Bennett
4. Violet Turner
5. Jake Reilly

Allgemeines:
Die Geschichte spielt Mitte der fünften Staffel bevor Addisons Traum von einem Baby sich erfüllt.
Disclaimer: Die Charaktere gehören natürlich nicht mir, sondern sind Eigentum von ABC Studios und Shonda Rhimes.
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Vorgaben für Runde 1:

Nr. 2 hat sich am Plätzchenbacken versucht und ein Ergebnis herausbekommen, auf das er/sie so stolz ist, dass er/sie allen anderen Charakteren eine kleine Dose Plätzchen schenkt. Leider teilt Nr. 5 diese Meinung nicht ganz und versucht, unauffällig seine Portion an Nr. 1 loszuwerden. Was tut Nr. 1, sobald er/sie das merkt?

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Kapitel 1: "Das hast du vergessen"






Zitternd schüttelte sie sich den Schnee aus den Haaren und stellte das kleine Körbchen mit den noch immer dampfenden Plätzchen auf der Anrichte ab. Kurz überlegte sie, ob sie es nicht lieber auf den Tisch stellen sollte, immerhin war sein Inhalt für alle bestimmt und hier unter den Hängeschränken würde man es vielleicht nicht sehen. Sie stupste den braunen Korb etwas an und dieser schwankte gefährlich auf der Anrichte hin und her.
„Was hast du da?“, riss eine Stimme sie aus den Gedanken. Amelia wirbelte herum.
„Ich, äh…“, stammelte sie, „Ich hab gebacken.“ Sie versuchte, ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern, doch es beschlich sie das miese Gefühl, dass es mehr den Anschein eines verzerrten Grinsens machte. Die große rothaarige Frau nickte bloß und Amelia atmete erleichtert aus. Was war denn los mit ihr? Sollte Addison doch wissen, dass sie Plätzchen gebacken hatte, immerhin waren die guten Stücke auch für sie.
„Nimm dir ruhig etwas“, sagte sie und schlüpfte an ihrer Freundin vorbei in Richtung Tür, „Es ist eine Portion für jeden von euch dabei.“ Addison nickte und hob vorsichtig die rot karierte Decke über dem Korb an. Eine Augenbraue hochgezogen ließ sie das Tuch wieder sinken, nahm sich jedoch kein Plätzchen heraus. Nervös beobachtete Amelia das Geschehen, während sie mit der einen Hand die andere umfasste. Noch einmal lächelte sie.
„Vielleicht später“, sagte sie und machte dabei eine Geste mit der rechten Hand. Langsam ging sie rückwärts aus der Küche. Was für ein seltsamer Morgen, dachte sie, während sie Addison den Rücken kehrte. Den ganzen Morgen, seit fünf Uhr hatte sie in der Küche gestanden und hunderte kleiner Plätzchen gebacken. Dabei hatte sie nicht einmal Appetit auf Plätzchen. Nein, sie war einfach aufgewacht und in Ermangelung einer besseren Tätigkeit, war sie in die Küche gegangen und hatte begonnen Massen von Teig anzurühren. Sie hatte Lust gehabt, zu backen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was sei mit dem Ergebnis anstellen sollte. Vielleicht waren diese irrationalen Handlungen eine Nebenwirkung der Schwangerschaft?, zuckte eine Frage durch ihre Gedanken. Wie, um diesen zu verdrängen schüttelte sie den Kopf. Sie wollte jetzt nicht daran denken. Im Grunde genommen wollte sie niemals daran denken müssen, doch bald musste sie sich der Tatsache stellen. Nur noch eine Weile, dachte sie und ging mit langen Schritten den Flur hinunter. Die Plätzchen jedenfalls hatte sie mitgenommen. Sie waren gut. Warum sollte sie ihren Kollegen nicht zur Abwechslung einmal etwas Gutes tun? Was war so seltsam daran. Nichts, dachte sie und schloss die Augen. Vermutlich war sie die einzige, die in diese simple Geste mehr hinein legte, als dort war.

Mit einem leisen Seufzen ließ Jake sich auf einen der Stühle, die am Tisch standen, fallen und verschränkte die Arme auf der Tischplatte. Er stützte sich mit den Ellenbogen auf der hellen Holzplatte ab und ließ seinen Blick durch die Küche wandern. Verwirrt zog er eine Augenbraue hoch, als dieser auf einen kleinen Korb fiel, der neben der Spüle auf der Anrichte stand. Er lehnte sich etwas zurück und legte den Kopf schief.
„Was ist das?“, fragte er an die einzige andere Person gewandt, die noch im Raum war. Addison drehte sich um. Scheinbar hatte sie noch nicht bemerkt, dass jemand den Raum betreten hatte. Irritiert ließ sie die Kühlschranktür hinter sich zufallen und betrachtete ihren Kollegen. Er lächelte und das, obwohl ihm an diesem Vormittag so gar nicht nach Lächeln zu Mute war. Er konnte nicht anders. Der verwirrte Ausdruck der hübschen Rothaarigen ließ seine Mundwinkel augenblicklich in die Höhe schnellen. Er wandte den Blick ab und deutete mit einem Nicken auf den Korb. Aus dem Augenwinkel nahm er wahr, wie Addison nickte.
„Das sind Plätzchen“, sagte sie knapp und trat einen Schritt auf die Anrichte zu, „Amelia hat sei gebacken.“ Sie biss sich auf die Lippe und betrachtete Jake mit einem Ausdruck, den dieser nur schwer deuten konnte. Er runzelte die Stirn.
„Aber?“, fragte er vorsichtig. Sie schüttelte den Kopf.
„Sie sind…“ Mitten im Satz verstummte sie plötzlich und Jake sah, wie sich ein entschuldigendes Lächeln auf ihre Lippen legte. Sie richtete sich auf, während ihr Blick irgendetwas hinter ihm fixierte. „Sie sind köstlich“, fuhr sie mit einem Grinsen fort, „Möchtest du welche?“ Noch ehe er protestieren konnte, hatte Addison sich umgedreht und einen Teller aus dem Hängeschrank oberhalb der Anrichte genommen. Wortlos und noch immer lächelnd stellte sie einen Teller voller kleiner Plätzchen vor ihm auf dem Tisch ab. Irritiert und leicht angewidert musterte er das elende Häufchen verkohlter Teigbrocken, während er entfernt den Grund für Addisons plötzlichen Meinungswandel wahrnahm. Mit langsamen Schritten betrat Amelia die Küche und öffnete den Kühlschrank. Mit gerunzelter Stirn betrachtete sie die beiden, bevor sie sich dessen Inhalt zuwandte. Täuschte er sich, oder lag misstrauen in ihren Augen? Kurz wechselte er einen Blick mit Addison, die sich nun neben ihm niederließ und begann, ihren Salat zu essen. Sie warf ihm einen viel sagenden Blick zu und deutete mit einem Nicken auf den Teller. Jake schluckte. Das schwarze Häufchen sah alles andere als köstlich aus. Ja, er fragte sich, ob man es überhaupt als genießbar bezeichnen konnte. Er hörte, wie die Kühlschranktür zufiel. Ein Stuhl wurde zurückgeschoben. Im nächsten Moment ließ Amelia sich ihm gegenüber nieder.
„Iss ruhig“, sagte sie, „Sie sind gut.“ Er nickte abwesend. Glaubte sie das wirklich? Vorsichtig hob er einen der Kohleklumpen hoch und betrachtete ihn. War es ein Stern? Ja, das kleine, schwarze Plätzchen hatte ein wenig Ähnlichkeit mit einem fünfzackigen Stern. Er ließ es sinken und sah auf. Amelia hatte sich Addison zugewandt. Wieder senkte sich sein Blick auf die Plätzchen. Vielleicht…, dachte er und schob den Teller ein wenig nach rechts. Bloß ein Stückchen. Er sah auf. Der Blick der jungen Ärztin ruhte noch immer auf Addison. Ganz langsam schob er den Teller weiter. Noch ein Stück. Und noch eins. Noch einmal musterte er Amelia, bevor er den Stuhl vorsichtig zurückschob und aufstand. Addisons Kopf schnellte nach oben und um ein Haar hätte er gedacht, sie habe seinen Versuch bemerkt.
„Wo willst du hin?“, fragte sie. Er schluckte.
„Ich muss ins Krankenhaus“, antwortete er knapp. Eine blöde Ausrede. Sie würde sie sofort durchschauen. Doch er ließ ihr keine Zeit dazu. Ohne noch eine Antwort abzuwarten verließ er die Küche und die Praxis.

Ein wenig verdutzt starrte Addison Jake hinterher. Er war ganz plötzlich aufgestanden und hatte sich aus dem Staub gemacht. Hatte sie irgendwas gesagt…? Plötzlich zuckte ein Gedanke durch ihren Kopf und sie wandte den Blick vom leeren Türrahmen ab. Mit einem leichten Grinsen fiel er auf den Teller, der vor ihr auf dem Tisch stand. Nicht recht wissend, ob sie wütend sein sollte griff sie nach einem der schwarzen Plätzchen, jenem, das am wenigsten verkohlt wirkte und biss vorsichtig hinein. Sie merkte, wie Amelia sie abschätzend beobachtete, wie sie ihre Reaktion abzuwarten schien. Sie Schluckte den Krümel hinunter und nickte der jungen Frau, die für sie so etwas wie eine Schwester war, mit einem verzerrten Grinsen zu.

Am Abend, als die Sonne Los Angeles lange in Dunkelheit zurück gelassen hatte verließ Addison Montgomery als letzte ihr Büro. Mit gemischten Gefühlen zog sie die Glastür zu und machte sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Es war ein weitestgehend ereignisloser Tag gewesen. Einige wenige Patienten hatten ihren Weg in die Praxis gefunden, doch im Großen und Ganzen war der Tag ruhig verlaufen. Ruhiger, als es ihr lieb gewesen wäre. Denn so hatte sei Zeit gehabt, nachzudenken. Sie hing in letzter Zeit viel zu oft ihren Gedanken nach. Den Gedanken über Sam, über das Baby und nun auch über Jake. Bildete sie sich das alles bloß ein oder hatte er sie heute Morgen wirklich etwas länger angesehen, als normal. Etwas eindringlicher? Sie schüttelte den Kopf. Natürlich bildete sie sich das nicht ein. Er hatte es ihr gesagt. Er hatte ihr gesagt, dass dort mehr war. Aber wie viel konnte sie schon auf seine Worte geben? Er verhielt sich seltsam. Seit die Weihnachtszeit begonnen hatte, lief er mit schlechter Laune durch den Tag und mied die anderen. Er war kurz angebunden und redete mit niemandem mehr. An diesem Morgen wieder. Mit einem flüchtigen Lächeln dachte sie an Amelias Keks-Friedhof zurück und betrachtete das kleine weiße Bündel, das ganz oben in ihrer Tasche lag.

Ungeduldig drückte Jake immer wieder auf den Knopf am Fahrstuhl. Er hatte sich mit einer Hand an dessen Rahmen abgestützt und starrte wie gebannt auf die kleine Anzeige, die ihm verriet in welchem Stockwerk sich der Lift zurzeit befand.
„Guten Abend.“ Jake fuhr herum. Ganz gelassen und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen hatte Addison sich neben ihn gestellt und starrte nun ihrerseits den Fahrstuhl an. Er richtete sich auf und musterte die Frau. Sie war hübsch, dachte er flüchtig, doch er schob den Gedanken fort. Er gehörte jetzt nicht hierher. Nein, er gehörte niemals in seine Gedanken. Irritiert wandte er sich wieder dem Fahrstuhl zu. Was war nur los mit ihm?
Es dauerte noch einige Sekunden, bis das vertraute ‚Ping’ endlich ertönte und die Türen langsam zur Seite glitten. Sie fuhren schweigend nach unten, wagten es nicht einmal, sich anzusehen. Erst, als die Türen sich erneut öffneten wandte Addison sich ihm kurz zu. Noch immer lächelnd öffnete sie ihre Tasche und zog etwas daraus hervor. Es war ein kleines, weißes Stoffbündel, um das jemand liebevoll eine Schleife gebunden hatte. Stumm nahm er es entgegen. Sie nickte ihm zu und trat aus dem Fahrstuhl.
„Das hast du vergessen“, sagte sie, ehe sie die Praxis verließ. Neugierig zog er die Schleife auf, doch er ahnte bereits, was sich in dem Bündel befand. Er konnte nicht umhin, zu lächeln, als sein Blick auf die kleinen, verkohlten Plätzchen fiel, die sich schwarz von dem weißen Tuch abhoben.
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