Advent, Advent in Wonderland

GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
Alice Der Verrückte Hutmacher Die Grinsekatze Die Weiße Königin
01.12.2013
25.12.2013
24
20.511
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01.12.2013 817
 
Die Idee mit dem Adventskalender spukte mir schon eine Weile im Kopf rum, ich wusste nur nicht, in welchem Genre ich ihn ansiedeln sollte. Da fiel mir auf, dass heute Abend "Alice im Wunderland" im Fernsehen läuft, und damit stand fest, dass ich Alice die Sache mit dem Sinn von Weihnachten aufhalsen würde. Alice ist vor einer Weile ins Unterland zurückgekehrt und lebt derzeit bei einer ganzen Gesellschaft von Verrückten - die mit Weihnachten nichts anfangen können.

Leider liegt mir die Sache mit den Drabbles gar nicht, darum sind die Kapitel länger als hundert Worte. Wer mir reviewn will, kann gerne Tipps abgeben, was ich thematisieren könnte: Was macht Weihnachten für euch aus?

Mir gehört hier ja sowas von gar nichts... Das ursprüngliche gehört natürlich Lewis Caroll, aber ich orientiere mich an Tim Burtons Werk, also wird's wohl alles ihm gehören. Nehme ich mal an.
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Im Grunde war es ein Tag wie alle anderen auch, hätte Tarrant gesagt, wenn nicht… ja, wenn Alice, die seit einer geraumen Zeit dasaß und wortlos den Tisch anstarrte, nicht plötzlich aufgesprungen wäre und laut festgestellt hätte: „Ich will Mandarinen!“

„Das kannst du dir sonstwohin schieben, du dummes Mädchen!“, schimpfte Mally, die Haselmaus, wenngleich eher, weil sie mit dem Begriff „Mandarinen“ nichts anfangen konnte.

Alice war an Mallys Schimpfe gewöhnt; schon bevor sie sich der Wohngemeinschaft von Tarrant, Mally und dem Märzhasen angeschlossen hatte, hatte es für die Haselmaus nichts Schöneres als Schimpfen gegeben.

Der Märzhase lachte sich darüber kaputt.

Tarrant wusste ebenfalls nicht, was Mandarinen waren, fragte allerdings – recht zerstreut, weil er gerade am Hutmachen war – nach: „Wofür brauchst du denn Mandarinen?“

„Weil Dezember ist“, erklärte Alice. „Der erste Dezember, der erste Advent. Im Advent ess ich immer Mandarinen.“

Tarrant sah irritiert auf, zog seine Taschenuhr hervor und studierte sie ein paar Sekunden lang. „Nein!“, widersprach er dann voller Stolz. „Es ist Aschermittwoch, der siebzehnte Juni, und zwar 1381, zwei Uhr nachts!“

Angesichts der Wintersonne, die kalt und trüb durch das Fenster hereinschien, war diese Zeiteinschätzung vielleicht doch etwas neben der Spur.

Alice schnappte sich die Taschenuhr und betrachtete das Zifferblatt. „Die geht nicht richtig“, stellte sie fest.

„Sehr geistreich, du Huhn!“, fauchte Mally und warf eine Teetasse nach ihr. „Die ist ja auch jahrelang stehen geblieben! So schnell holt sich das nicht wieder auf!“

Alice ließ die Uhr geradewegs in den Hut fallen, an dem Tarrant gerade nähte. „Ob deine Uhr das jetzt weiß oder nicht; es ist Advent. Es wird Weihnachten. Feiert ihr kein Weihnachten in Unterland?“

„Müssen wir?“, ohne jede Vorankündigung tauchte die Grinsekatze neben ihr auf und grinste sie breit an. „Es heißt doch Christmas – und Christen sind wir nicht!“

„Ich auch nicht, aber Weihnachten feiere ich trotzdem“, beharrte Alice.

Grinser legte den Kopf schief und rollte sich seitwärts durch die Luft, wobei er sich zum Großteil wieder verflüchtigte. Sein Grinsen blieb noch da. „Wozu?“

Alice sah das Grinsen säuerlich an. Unterländler waren kompliziert! Wie sollte man Weihnachten erklären? „Das hat mit Christentum nichts zu tun. Es geht ums Beisammensein mit Freunden und Familie…“

„Wir hocken doch ohnehin alle Tage bei einander“, kicherte der Märzhase.

„…um die Gerüche, es duftet ganz wunderbar beim Backen…“, fuhr Alice unerschütterlich fort.

„Backen kannst du das ganze Jahr“, fuhr ihr Mally über den Mund.

„…um die Ewigkeit der Welt oder so, wasweißich!“, Alice schrie jetzt fast. „Ist mir doch egal! Ich will mein Weihnachtsfest, und ich will meine Mandarinen!“ Damit sprang sie auf und rauschte hinaus.

Die Unterländler blickten sich verdutzt an. Ihnen wollte nicht in den Kopf, warum ihre Alice das ganze so wichtig nahm…

„Vielleicht sollten wir Mandarinachten feiern“, überlegte Grinser, der, anders als die anderen, sehr wohl wusste, worum es sich bei einer Mandarine handelte.

„Vielleicht ist es bei ihr so wie bei mir im März – sie hat einfach grade ihre verrückte Zeit“, sinnierte der Märzhase.

„Vielleicht sollte ihr einer nach, ehe sie wieder irgendwas Dummes tut“, stellte die Haselmaus trocken fest, tat jedoch nicht dergleichen.

Tarrant sah den unfertigen Hut vor seiner Nase an und überlegte einen Moment, ob er diesen zuerst fertigstellen sollte. Dann folgte er Alice nach draußen, die inzwischen ein paar Schritte in den Tulgey-Wald hineingelaufen war und nach dem Bandersnatch rief.

„Meinst du nicht, dass du die Weihnachts-Sache zu wichtig nimmst?“, fragte er sorglos, während er hinter ihr her lief.

Alice seufzte. „Nein.“

Donnernde Schritte waren zu hören, als der Bandersnatch zu ihnen galoppierte und vor seiner Herrin halt machte. Sie sprang auf seinen Rücken, Tarrant sah ihr zu. „Wo willst du denn hin?“

„Zu Königin Mirana. Vielleicht weiß sie ja, ob es in Unterland Mandarinen gibt“, erklärte Alice, als wäre es die vernünftigste Sache der Welt.

Tarrant strahlte. „Darf ich mit?“ Alice zuckte die Achseln. „Klar.“ Sie zog ihn hinter sich auf den Rücken des Bandersnatch, dann ging es los.

Nach kurzem Schweigen wollte der Hutmacher wissen: „Alice? Was hat es nun mit Weihnachten auf sich?“
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