Lavenders Weihnachtsgeschenk

von baronesse
KurzgeschichteFreundschaft / P6
Lavender Brown Parvati Patil
01.12.2013
01.12.2013
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Herzlich willkommen beim Adventskalender 2013 :) !
Dieses Jahr darf ich den Anfang machen. Viel Spaß!





Kichernd drückten sie die Tür auf. Ihre Hände waren kalt, die Nasen vermutlich rot, doch von drinnen strömte ihnen warme Luft entgegen, die nach Tannenzweigen roch.
„Endlich sind wir Padma los“, stöhnte Parvati. Man sollte meinen, dass sie sich mit ihrer Zwillingsschwester besser verstand, doch wenn es um die Freizeitgestaltung ging, könnten die beiden Patils nicht weiter auseinander liegen. Lavender dagegen mochte genau das was Parvati mochte und momentan war das – shoppen!

Mit großen Augen bewunderten die zwei das Einkaufszentrum. Verschiedene Läden hatten hier drin Platz und reihten Schaufenster an Schaufenster, an denen man vorbei gehen konnte ohne zugeschneit zu werden oder sich die Finger abzufrieren. Prompt zupfte Lavender sich die Handschuhe von den Fingern. Dieses Zentrum war wirklich praktisch – für Muggel, verstand sich. Sie hätte ja eigentlich, wenn sie volljährig gewesen wäre, einen Zauber sprechen können um den Schnee abzuwehren.

„Hier finden wir sicher was“, Parvati bewunderte die Auslage eines Ladens. Lavender spähte ihr über die Schulter. Das, was sie sahen, wirkte ein bisschen wie der Hogwartsexpress, wenn er durch eine verschneite Landschaft fuhr. Irritiert warfen die beiden Mädchen einen Blick auf die Schrift. „Das ist Spielzeug!“, fiel ihnen gleichzeitig auf.
„Komm weiter, das ist der falsche Laden“, Lavender zog ihre beste Freundin weiter. Beide wickelten sich die Schals vom Hals und stopften sie schließlich nach einigem Zögern in die Manteltasche. Nicht auffallen war die Devise, andernfalls würden sie ziemlichen Ärger dafür bekommen, dass sie in Muggellondon shoppen waren. Allerdings würden ihre Geschenke dieses Jahr wirklich außergewöhnlich!

„Ich denke ich kaufe Padma einen neuen Sari“, entschied Parvati.
„Sie macht sich doch nichts aus Kleidung?“, wunderte sich Lavender.
„Eben drum!“ Beide grinsten sich verschwörerisch an. Aus den Lautsprechern über ihnen erklang ein Lied namens Rudolph, das Rentier. Keine von ihnen verstand, worum es ging oder warum das Rentier sprechen konnte. Muggel! Sie hatten wirklich keine Ahnung. Es gab ja einige phantastische Wesen, die dazu fähig waren die menschliche Sprache zu imitieren oder Halbwesen, die untereinander kommunizieren konnte, aber Rentiere gehörten eindeutig nicht dazu.

Da es aber allemal besser war als „Ein Kessel voller heißer, starker Liebe“, fanden sie sich mit der musikalischen Berieselung ab und zogen weiter.
„Hier kannst du ihr was kaufen“, Lavender zeigte auf eine Auslage, in der nur Bücher standen. „J.K. Rowling. Nie von ihr gehört.“
„Padma würde sich vermutlich freuen.“ Trotzdem ging Parvati am Laden vorbei. Ihre Lust, nun in eine Buchhandlung zu gehen, hielt sich in Grenzen. Wenn sie nichts anderes fand und ihrem Zwilling eine Freude machen wollte, würde sie zum Schluss zurückkommen und sich hier etwas empfehlen lassen. Aber erst wollte sie stöbern, was es hier noch so alles gab!

„Ich will ein paar neue Ohrringe und ein Armband wäre auch schick. Romilda Vane hat eines aus einem Muggelladen, aber es zeigt lauter Sterne. Das wäre doch schick!“
Lavender konnte sich vage erinnern. Sie selbst fand Sterne auch ziemlich faszinierend und ein schönes Symbol. Vielleicht sollten sie eines suchen und Professor Trelawney als Geschenk machen?

„Was schenkst du eigentlich Ron?“, unterbrach Parvati ihre Gedanken und kam damit auf Lavenders größtes Problem zu sprechen. Was schenkte sie Ron?!
„Ich weiß nicht genau“, gab sie ratlos zu. Ron war ihr erster Freund und sie hatte keine Erfahrung, was man einem Freund so schenkte zu dem ersten Weihnachtsfest. Was sie im Übrigen nicht einmal gemeinsam verbrachten, also konnte es kein Schokoladenherz sein, was sie in den Mund nahm, damit Ron sie küsste.

„Was mag er denn?“, hakte Parvati nach. „Denken wir mal nach.“
„Granger“, stieß Lavender verächtlich aus.
„Hm“, beide schwiegen eine Weile. Parvati kannte das Thema gut, und konnte es nachvollziehen, wie sehr es Lavender belastete, dass ihr Freund immer noch Kontakt zu der anderen hatte. Es war einfach nicht fair. Padma war auch einmal mit Ron Weasley ausgegangen, in der vierten Klasse zum Weihnachtsball, aber sie traf sich niemals mit Ron und hatte Lavender unmissverständlich klar gemacht, dass sie keinerlei Interesse mehr hatte.

„Dann sind wir hier ja auf jeden Fall richtig“, rief Parvati schließlich fröhlich. „Immerhin ist Granger auch ein Muggel!“
„Psst!“
Ein paar der Passanten sahen sie an. Schnell zog Lavender ihre Freundin in den nächsten Eingang, damit sie nicht so auffielen. Die Schaufenster hier waren wesentlich schlichter gehalten und sahen luxuriös aus. „Oh, Ohrringe“, wisperte Parvati entzückt. „Lass uns rein!“

Da Lavender auch nichts gegen ein wenig neuen Schmuck hatte, betraten sie den Laden. Eine kleine Glocke bimmelte. Es war für beide immer wieder erstaunlich, wie die Muggel so etwas machten, denn sie sahen niemanden stehen und klingeln. Unsicher betrachteten sie das Ladenlokal. Es war leer, nur wenige Auslagen zeigten Uhren und Ketten hinter Glas. Hier gab es keine weihnachtliche Dekoration, keine Lieder von der Decke. „Meinst du, dass wir richtig sind?“, flüsterte Lavender unbehaglich.

„Was kann ich für die Damen tun?“, erklang da eine Stimme. Ein Mann in einem merkwürdigen Anzug war aus einer Tür im Hintergrund getreten und stand nun abwartend hinter einer der Auslagen. Er sah aus, als würde er sich auch gerade die Frage stellen, ob sie hier richtig waren. Parvati trug einen Sari, mit der steifen Behauptung, dass das in Indien so üblich war und sie hier nicht auffallen würde. Lavender hatte sich für einen schweren Mantel mit Pelz entschieden, der das meiste ihres Outfits darunter verbarg. Man sah nur noch die Stiefel unten hervorschauen. Eigentlich dürften sie nicht auffallen, aber wirklich sicher war sie da nicht…

„Ähm ja, wir suchen Schmuck“, war alles, was ihr einfiel.
„Da sind sie bei einem Juwelier schon mal richtig“, der Mann musterte sie weiterhin. „Was genau?“
„Ohrringe“, platzte Parvati heraus, zur selben Zeit wo Lavender sagte: „Ich weiß nicht, es soll ein Geschenk sein…“

Parvati sah sie so erstaunt an, wie Lavender sich fühlte. „Du willst ihm hier von etwas schenken?“
Lavender zuckte die Achseln. „Warum nicht. Schmuck ist schön und meistens teuer, das zeigt, wie wichtig er mir ist.“
Der Mann wechselte seinen Standort und trat hinter einen anderen Tresen. „Hier hätten wir eine Auswahl von Ohrringen, wenn Sie sich umschauen wollen. Schmuck für einen Mann, nehme ich an? In dem Fall würde ich vielleicht eine Kette vorschlagen…“

Parvati spähte zwar neugierig herüber, sah aber ein, dass Lavenders Not größer war. Jetzt mussten sie sich erst einmal um Rons Geschenk kümmern.
„Öhm, ja, eine Kette klingt gut.“ Lavender trat näher.

„Am besten aus Gold“, entschied sie. Immerhin waren rot und gold die Hausfarben von Gryffindor. Sie mochte auch so kein Silber, aber da das die Farbe von Slytherin war, fiel das von Anfang an weg.
„Gold“, der Mann musterte sie wieder. Vielleicht fragte er sich, ob die beiden jungen Damen vor ihm so etwas überhaupt bezahlen konnten.

Im selben Moment, in dem die Mädchen das begriffen, sprudelte es auch schon aus Lavenders Mund: „Ja, eine dicke Goldkette. Haben Sie etwas mit Text?“
Der Mann schaute sie skeptisch über die Auslage hinweg an. „Text? Wollen Sie etwas eingravieren?“

Lavender überlegte. Eigentlich war das nicht, woran sie gedacht hatte.
„Lieber wäre mir ja Buchstaben“, drückte sie sich etwas unglücklich aus.
Parvati sprang ein. „Ja, ich hatte mal ein Armband, von dem kleine Buchstaben baumelten. Eine Kette, von der sie so runterhängen, dass man es lesen kann, oder dass sie gleich miteinander verbunden sind, das wäre doch hübsch.“ Beide Mädchen hatten nun Feuer und Flamme gefangen. Wie auch nicht, wo alles um sie herum blinkte und glitzerte? Wenn es um Schmuck ging hatten die beiden jungen Hexen nicht mehr viel mit dem Löwen auf dem Gryffindorwappen gemeinsam sondern mutierten zu Elstern.

„So etwas in der Art?“, der Juwelier hob zweifelnd ein dünnes Kettchen hoch, das in der Mitte das Wort „Peace“ formte.
Lavender schüttelte energisch den Kopf. „Nein, doch nicht so zierlich – es ist doch für meinen Freund! Und ginge etwas wie mein Liebster oder mein Schatz?“, wenn sie allein waren, nannte sie Ron Won-Won, aber da sie gemerkt hatte, dass er diesen Namen für ihre privaten Stunden bevorzugte, wollte sie ihm nichts schenken, was er dann nicht öffentlich tragen wollte. Das hier würde schließlich ein Zeichen ihrer Liebe sein und ein für alle Mal Granger zeigen, wem Ronald Weasley gehörte – nämlich Lavender! Da konnte die Kette nicht groß und schwer genug sein.

Ein paar Beispiele später waren sie bei einer gezeichneten Skizze angekommen. Zum Glück war Parvati recht geschickt im Zeichnen und hatte einen Entwurf hinbekommen, der Lavender außerordentlich gut gefiel. „My Sweetheart“ würde dann groß und unübersehbar zu lesen sein.
„Und wie viel kostet das dann?“, fragte sie den Juwelier, der sie noch etwas skeptisch musterte. Er nannte einen Preis, der Lavender nicht viel sagte. Sie musste erst einmal im Kopf überschlagen, wie viel das in Galleonen wäre. Zum Glück hatten sie bereits heute Morgen Geld umgetauscht, ein paar Galleonen waren in diese mickrigen, leicht zerstörbaren Scheinchen gewechselt worden, aber wenn sie das überschlug, reichte es nicht.

„Das ist ein bisschen zu teuer“, musste sie enttäuscht zugeben. Sie wollte doch diese große Kette! Jetzt hatte sie sich entschieden, was sie Ron zu Weihnachten schenken würde und wollte nichts anderes mehr finden, was billiger war.
„Es gäbe noch die Variante, nur zu vergolden, Miss“, schlug der Juwelier taktvoll vor. Lavender ließ sich den Preis sagen und war überrascht, wie viel billiger das war. Das konnte sie sogar von den Papierscheinen bezahlen, die sie heute morgen umgetauscht hatte.

Wenig später war das Geschäft besiegelt. Die Kette würde geschmiedet und rechtzeitig zu Weihnachten bei ihr eintreffen – wenn der Muggelpostmann sie denn fand. Aber der Mann im Laden, plötzlich viel freundlicher und sehr hilfsbereit als Lavender sich noch ein Paar Ohrringe ausgesucht hatte, hatte ihr versichert, dass es rechtzeitig genug kommen würde, dass sie es noch ihrem Freund schicken konnte. Lavender war zufrieden mit sich. Ron würde Augen machen – und gewiss überwältigt sein!



Und hier geht's weiter zum Zweiten Türchen
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