Spooky Christmas

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12
Apparitia Fangster Haunter Mysteria Prime Evil
01.12.2013
31.12.2013
6
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Diese Kurzgeschichten wurden geschrieben für das Adventsprojekt »Advent, Advent, ein Lichtlein brennt …«.

Das Projekt gehört zu den Meme-Projekten, in denen es darum geht, bestimmte Situationen anhand einer vorher festgelegten Liste von Charakteren zu schreiben, ohne vorher zu wissen, was auf welche Charaktere zukommt und welche Konstellationen sich daraus ergeben. Die Liste der Charaktere zu diesem Projekt lautet wie folgt:

1. – Apparitia
2. – Prime Evil
3. – Fangster
4. – Haunter
5. – Mysteria

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1. Advent:

Vorgabe:
● Nr. 2 hat sich am Plätzchenbacken versucht und ein Ergebnis herausbekommen, auf das er/sie so stolz ist, dass er/sie allen anderen Charakteren eine kleine Dose Plätzchen schenkt. Leider teilt Nr. 5 diese Meinung nicht ganz und versucht, unauffällig seine Portion an Nr. 1 loszuwerden. Was tut Nr. 1, sobald er/sie das merkt?
● Prime Evil hat sich am Plätzchenbacken versucht und ein Ergebnis herausbekommen, auf das er so stolz ist, dass er allen anderen Charakteren eine kleine Dose Plätzchen schenkt. Leider teilt Mysteria diese Meinung nicht ganz und versucht, unauffällig ihre Portion an Apparitia loszuwerden. Was tut Apparitia, sobald sie das merkt?


Mit Liebe vom Chef

Prime Evil hatte sich sorgfältig davon überzeugt, daß niemand ihn bemerkte, als er sich in die Küche zurückzog. Dort rieb er sich mit diabolischem Grinsen die Hände. Seit ihm bei seinem letzten Besuch in der Bibliothek von Hauntquarters das Backbuch in die Hände gefallen war, verspürte er eine unbändige Lust, zu Weihnachten Plätzchen zu backen.
      In euphorischer Vorfreude hatte er sich - auf eher unkonventionelle Art - alle Zutaten besorgt, die er brauchte. Nun schlug er auf dem Tisch das Buch mit dem Rezept auf, das es ihm am meisten angetan hatte. „Also, mal sehen… Eier, Mehl, Backpulver, Butter, Spinnenbeine…“ Er nahm die große Rührschüssel und begann, die Zutaten zu mischen, schien aber noch nicht ganz zufrieden zu sein. „Da können noch mehr Spinnenbeine rein!“ entschied er, und so landete bald die doppelte Menge als die, die im Rezept stand in der Teigmischung.
      Nun sichtlich zufrieden verarbeitete der Herr des Bösen die Zutaten, bis er einen festen Teig erhielt. Vor sich hinsummend rollte er den Teig aus, nahm sich die Totenkopfausstechform und plazierte die Kekse auf dem vorbereiteten Backblech, bevor er es in den Backofen schob, der bereits vor sich hinheizte.
      Während die ersten Plätzchen backten, bereitete er das nächste Blech vor. Plätzchen backen erwies sich doch als größerer Spaß, als er sich hätte träumen lassen! Und so konnte er es sich nicht nehmen lassen, einen weiteren Teig für die Spinnenbeinplätzchen anzusetzen.
      Verzückt beobachtete er, wie die Plätzchen fertig wurden, stellte sie zum auskühlen auf die Arbeitsfläche und nahm sich dann die kleinen Keksdöschen, die er hatte mitgehen lassen, als er die konventionellen Backzutaten »erworben« hatte. (Er empfand es immer noch als fairen Preis, den Mitarbeitern des Einkaufszentrums das Leben zu lassen gegen den Erhalt der Ware.) Ausnahmsweise mal ein Plan, der reibungslos funktionierte!
      Er verteilte die Kekse auf die Dosen, verzierte sie mit grau-schwarzem Schleifenband das wie Spinnweben aussah, und fügte jedem ein Kärtchen bei. „Haunter… Mysteria… Fangster…“ Beseelt betrachtete er sein Werk. Er freute sich schon auf die Mienen seiner Untergebenen. „Und wehe, auch nur einer von ihnen freut sich nicht! Dann gnade ihnen Gott! Ihnen allen!“

Zuerst hatte Prime Evil überlegt, es heimlich zu machen. Doch er wollte die Freude in den Gesichtern seiner Untergebenen live miterleben. Er hatte die Geister feierlich in die große Halle beordert - einige unter Androhung von Strafe -, wo er die kleinen Keksdosen auf einem Tisch aufgebaut hatte.
      „Und nun, da wir hier so traut versammelt sind, möchte ich jedem für die Weihnachtszeit ein ganz persönliches Geschenk zukommen lassen! Auf dem Tisch hier findet jeder von euch ein eigens an ihn adressiertes Döschen mit selbst gebackenen Keksen! Unterwürfigkeiten nehme ich gerne entgegen, sobald jeder seins in heller Begeisterung in Händen hält!“
      Die Geister hatten kollektiv stutzig innegehalten und wechselten verunsicherte Blicke.
      „Was ist?“ herrschte Prime Evil sie an. „Freut euch gefälligst!“
      „Oh-oh! Wir sollten schnell unseren Dank bezeugen, bevor der alte Junge wieder anfängt zu dampfen!“ kommentierte Haunter und schwebte rasch voran.
      Die anderen folgten ihm schnell, bevor sie noch in Ungnade fallen konnten.
      Prime Evil faltete verzückt die Hände, als sich alle um den Tisch scharten und die Dosen aufteilten.
      „Ob die wohl vergiftet sind?“ meinte Apparitia leise, deutlich unsicher.
      „Und wenn schon, altes Mädchen!“ meinte Haunter leichthin. „Was stört es dich? Du bist ein Geist!“
      Fangster ließ sich ein Heulen vernehmen. „Ich habe noch nie Kekse bekommen!“
      Apparitia hatte ihr Döschen bereits neugierig und skeptisch zugleich geöffnet. „Sehen ja gar nicht so schlecht aus!“
      „Schmecken auch sehr eigentümlich!“ sagte Haunter kauend.
      Prime Evil sah die Gruppe erwartungsvoll an. „Was ist nun? Bezeugt mir endlich eure Dankbarkeit! Außerdem erwarte ich von jedem in den nächsten Tagen ein huldvolles Gegengeschenk, das dem meinen würdig ist!“
      Mysteria warf Apparitia einen Blick zu, die noch immer nachdenklich auf die Dose in ihren Händen starrte. Ihre Gedanken konnte man förmlich erraten: Erst mußte sie herausfinden, ob es eine gute Idee war, wenn sie sich wirklich an diese Anweisung hielt.
      Vorsichtshalber schlossen sich die beiden Frauen aber auch den Lobeshymnen an, die Haunter und Fangster bereits angestimmt hatten, bevor sie endlich aus dem Stolz ihres Meisters entlassen wurden und in ihre Quartiere gehen durften.

Mysteria stand in ihrem Zimmer und betrachtete das Keksdöschen kritisch. Es war nicht so, daß sie ihrem Boss die Anerkennung dafür nicht zuteil werden lassen wollte, aber irgendwie traute sie der Sache nicht.
      Sie öffnete die Dose, nahm einen Keks und betrachtete ihn. So schlecht sahen die Plätzchen ja nicht aus… Sie beschloß es auf einen Versuch ankommen zu lassen und biß vorsichtig ab. Kurz darauf erfaßte sie ein Schütteln, sie spuckte die Keksreste aus und warf vor Schreck die Dose von sich auf den Tisch vor sich. Als wäre das nicht genug Abstand, gab sie der Dose noch einen Schubs und sprang schaudernd einen Schritt rückwärts. Angewidert starrte sie auf das »Geschenk« von ihrem Boss. ‚Will der uns loswerden?’
      Sie hatte kaum zu Ende gedacht, als ihr Bewußtsein auch schon eine Assoziation herstellte. Apropos »loswerden«… Ihr Blick ruhte auf der Keksdose. Zumindest den Inhalt mußte sie dringend loswerden! Aber wie konnte sie sich dem lästigen Gebäck unauffällig entledigen…?
      Sie nahm die Dose, packte die Kekse, die bei ihrer ersten Reaktion nebenbei gefallen waren wieder hinein und schwebte aus dem Zimmer. Sie mußte sich etwas einfallen lassen!
      Auf dem Korridor sah sie sich ziellos um. So weit, so gut. Und jetzt? In dem Augenblick bemerkte sie, wie Apparitia ihr Quartier verließ. Schnell verbarg sie sich hinter einer Flurecke und wartete, bis ihre Kollegin außer Sicht war. Dann stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. Schnell sah sie sich um und huschte dann unbemerkt zu dem Quartier der anderen Geisterlady herüber. Ein rascher Blick verriet ihr, daß niemand in der Nähe war, und so wollte sie durch die Wand in’s Innere gelangen, scheiterte aber. ‚So ein Mist! Sie hat den Sperrzauber aktiviert!’
      Gerade kämpfte sie Frust nieder, als sie weiterüberlegte. Neben Apparitias Quartier lag das von Floatzart! Das wäre ja noch perfekter! Wenn sie es schaffte, sich über das angrenzende Quartier Zugang zu verschaffen, konnte sie bestens auch noch den Verdacht von sich ablenken!
      Ein wenig nervös flog sie ein Stück weiter und testete ihre neue Idee aus. Ihr Plan ging auf! Floatzarts Quartier war nicht verschlossen, und sie schaffte es, unbemerkt durch den Raum und die Quartierzwischenwand zu Apparitias Appartement zu gelangen. Schnell sah sie sich um. Irgendwo mußte Apparitia ihre Keksdose ja gelassen haben – sie hoffte, daß sie sie nicht an irgendeinem Ort so versteckt untergebracht hatte, nach dem sie lange suchen mußte oder den sie gar nicht finden würde, oder daß sie sich gar der Dose bereits entledigt hatte.
      Als sie in den Wohnbereich kam, brauchte sie sich aber gar nicht lange umzusehen. Sie fand die Dose auf dem Tisch, konnte aber nicht einschätzen, ob sie einfach achtlos dort abgestellt, oder liebevoll dorthin drapiert worden war. Das tat aber auch nichts zur Sache! Sie beeilte sich zum Tisch, öffnete hastig die Dose und dankte dem Himmel, daß diese nicht bis zum Rand gefüllt gewesen waren, denn Apparitias wirkte auch nicht so, als wenn sie davon schon etwas konsumiert hätte.
      Schnell schüttete sie ihre Kekse in die andere Dose um, preßte mit Gewalt auch die letzten noch in das kleine Gefäß, um die Dose auch wieder schließen zu können und wunderte sich, da keiner der Kekse dabei brach, obwohl gerade das Knochenkreuz unter dem Totenschädel prädestiniert dafür gewesen wäre. Aber wer konnte auch schon sagen, was in den Keksen drin war, das dafür sorgte, daß diese förmlich elastisch wurden?
      Nach getaner Arbeit verließ Mysteria das Quartier wieder auf dem gleichen Wege, wie sie gekommen war, bewegte sich so unauffällig wie möglich den Gang hinunter - obwohl sie noch immer allein war - und verschwand wieder in ihrem Quartier. Dort atmete sie tief und erleichtert durch. Sie betrachtete das leere Döschen in ihren Händen. Das gefiel ihr eigentlich ganz gut! Das konnte sie wunderbar für andere Dinge verwenden.

Als Apparitia in ihr Quartier zurückkam, bemerkte sie zuerst nicht, daß jemand hiergewesen war. Erst eine ganze Zeit später stutzte sie, als ihr Blick auf die Keksdose fiel, dessen Deckel sich leicht wölbte.
      ‚Oh-oh… Die Kekse müssen schlecht sein, wenn der Deckel sich schon wölbt! Gut, daß ich davon nichts gegessen habe!’ dachte sie bei sich und nahm die Dose, weit von sich haltend, um den Inhalt lieber zu entsorgen. Sie ging zum Abfalleimer und öffnete vorsichtig die Dose staunte aber nicht schlecht, als sie feststellte, daß es keine Gase waren, welche die Dose aufgebläht hatten, sondern daß sich die Kekse offenbar vermehrt hatten. ‚Das gibt’s doch nicht…’
      Fassungslos starrte sie auf die Keksmenge und überlegte, wem sie das zu verdanken hatte. Fangster und Haunter schloß sie aus. Mysteria würde sie es zutrauen. Die Herrin der Nebel hatte ebenso skeptisch geschaut wie sie, als sie die Dose in Empfang genommen hatte. Apparitia seufzte. Sie konnte es ihrer Kollegin nicht einmal verübeln! „Okay, aber was mache ich jetzt mit den Keksen?“ murmelte sie. Sie in den Mülleimer zu werfen wagte sie nicht, aus Angst, daß der »edle Spender«, dem sie das Desaster zu verdanken hatten, etwas mitbekommen könnte.
      Dann fiel ihr etwas ein. Sie konnte es auf dem gleichen Wege versuchen wie Mysteria. Sie erinnerte sich, daß Haunter bereits auf dem Weg zurück zu den Quartieren unentwegt von den Keksen gemampft hatte. In seiner Dose durfte also viel Platz für neue sein!
      Sie hatte den Entschluß gerade gefaßt, als sie überlegte, wie sie es am geschicktesten anstellen wollte. Sie mußte eine Zeit abpassen, in der Haunter nicht im Quartier war. Hatte er nicht vorhin noch etwas davon gesagt, daß er heute nach draußen auf die Jagd gehen wollte? Vielleicht spielte ihr das Schicksal gerade gut zu! Sie beschloß, es darauf ankommen zu lassen und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier. Einen Plan B hatte sie auch schon in der Tasche; sollte er doch da sein, würde sie ihm ihre Dose einfach offiziell schenken! Um das Risiko einer Ablehnung zu vermeiden hoffte sie aber, daß das nicht notwendig werden würde.
      Vor seinem Privatbereich blieb sie stehen und klopfte erst einmal vorsichtig an. Als sich nach einer Weile noch nichts tat, schwebte sie durch die Tür. Das Glück war ihr hold. Es schien tatsächlich niemand da zu sein. Sie nutzte die Gelegenheit sofort, sah sich um und fand die Keksdose auf einer Kommode. Schnell füllte sie den Inhalt ihrer Dose um, und nun bekam sie noch größere Probleme als Mysteria, die Dose wieder fest zu verschließen, da Haunter noch zwei Kekse übrig gelassen hatte.
      ‚Ach, das muß so gehen!’ entschied sie, als sie den etwas schiefsitzenden Deckel begutachtete und flüchtete rasch wieder aus dem Quartier, erleichtert darüber, dank Mysterias Inspiration ihren Anteil an Keksen auch losgeworden zu sein.

Als Haunter spät am Abend von seiner Tour zurückkam, legte er die Waffe an ihren Platz zurück und atmete durch. Die Jagd hatte nichts eingebracht, aber zumindest hatte es trotzdem Spaß gemacht, durch das Unterholz zu pirschen.
      Sein Blick blieb auf der Keksdose haften, und irgendwie konnte er doch nicht widerstehen. Den schiefen Deckel registrierte er zunächst nicht einmal richtig; als er die Dose aber öffnete, fielen ihm bald die Augen aus dem Kopf. „Nanu?“ entfuhr es ihm verblüfft. Erstaunt betrachtete er das Gefäß in seinen Händen. „Das ist ja eine Zauberdose! Sie füllt sich von alleine wieder, wenn sie leer ist…“
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