It`s Christmas in my Heart

von anadei
GeschichteRomanze / P18
01.12.2013
26.12.2013
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Wie meinen lieben Stammlesern bereits versprochen, kommt nun hier meine kurze romantisch-kitschige Weihnachtsgeschichte.
Ich werde an jedem Adventssonntag, jeweils Mittwochs und dann an allen Weihnachtstagen ein Kapitel posten.

Nun wünsche ich allen einen wunderschönen 1. Advent und viel Spaß mit meiner Weihnachtsstory.

„Driving home for Christmas“

http://www.youtube.com/watch?v=H_04WT87e8s

******

„Komm Zac, jetzt iss erstmal was“, Hanna stellte einen dampfenden Teller vor den jungen Mann, der mit hängendem Kopf in der großen Küche saß.
„Ähem… tut mir leid, kannst du das überhaupt allein?“, fragte sie unsicher.
Zac McKenna, 26 Jahre, erfolgreicher Stuntman, der bereits viele große Hollywoodstars gedoubelt hatte, durchtrainiert und überaus gutaussehend  -  und dauernd fragte man ihn, ob er Hilfe benötigte.

Er seufzte tief.
„Kannst du das allein?“ wie oft hatte er diese Frage in den letzten Monaten gehört und viel zu oft musste er diese mit „Nein“ beantworten.

Alles hatte sich seit diesem verhängnisvollen Unfall geändert. Er war ein sehr guter Autofahrer und oberste Sicherheit gehörte zu seinem Job.
Doch an diesem Tag lief so einiges schief.

Seine Aufgabe durch einen brennenden Holzstapel zu fahren war eigentlich eine Kleinigkeit.
Aber dann zerbarst dieser Stapel nicht so wie geplant.
Ein Balken blieb quer über der Windschutzscheibe liegen, nahm ihm die Sicht und für einen Moment verlor er die Konzentration.
An alles was er sich erinnerte war, dass er eine Betonwand auf sich zu rasen sah und innerlich hoffte, dass es nicht allzu wehtat.
Wie durch ein Wunder wurde er auch nur leicht verletzt, blaue Flecken und Schrammen, doch sein Kopf hatte sich trotz Helm eine ziemlich herbe Prellung zugezogen.
Es bildete sich ein Blutgerinnsel.

Dies war so schlimm, dass es sich auf den Sehnerv auswirkte und er seit dem Unfall seine vollständige Sehfähigkeit verloren hatte. Er nahm keine klaren Konturen mehr wahr und alles was er sah, war in einen trüben dicken Nebel eingehüllt.
Seine Ärzte waren voller Zuversicht, dass er sein Augenlicht wieder erlangen würde, nachdem sie in einer Operation dieses Blutgerinnsel entfernt hatte.

Er solle Geduld haben. Doch gerade Geduld zu zeigen, gehörte überhaupt nicht zu Zacs Tugenden.

Zac lebte auf der Überholspur.
Er liebte seinen gefährlichen Beruf und nun war er schon seit Wochen in dieser Dunkelheit gefangen, verdammt zum Nichtstun.
Mit jedem Tag den er in dieser Isolation verbrachte, verlor ein Stück Lebensfreude.
Mittlerweile verkroch er sich nur noch und ließ niemanden mehr an sich ran.

„Soll ich dir irgendwie helfen?“ riss ihn die Köchin aus seinen trüben Gedanken.
„Nein es geht schon“, murrte er, tastete nach dem Löffel und schaufelte sich die süße Kirschsuppe in sich hinein.
Er liebte diese einfache Speise, die mit kleinen Mehlklümpchen gespickt war. Bereits als kleiner Junge hatte er schon hier an dem alten Eichentisch gesessen und sich von Hanna seine Leibspeise kochen lassen, die sonst niemand so gern aß wie er.

„Schmeckt wie immer“, lobte er mit vollem Mund.
„Das freut mich, mein Junge“, Hanna wuschelte ihm durch das karamellbraune Haar und setzte sich neben ihn.

Für einen Moment fühlte er sich wie 10 Jahre.
Hier in der Küche, neben der Köchin Hanna Dawson, die für ihn schon immer wie eine Großmutter war, konnte er die Welt draußen lassen.
Ihn überkam eine angenehme Melancholie.
Weihnachten stand vor der Tür und er würde seit Jahren mal wieder dieses Fest hier auf dem Herrensitz seiner Familie verbringen.

Sein Vater war der Erbe eines riesigen Ölkonzerns und hatte im Laufe der Zeit den vererbten Millionen noch weitere Millionen Dollar dazu erwirtschaftet.
Zac und sein Bruder Tony waren in Wohlstand hineingeboren. Doch ihre Eltern hatten darauf Wert gelegt, dass beide soweit wie möglich bodenständig erzogen wurden.
Ungeachtet dessen gehörte Personal für die Familie dazu.
Aber dieses ständige Umsorgt werden und den Verlust seiner Privatsphäre hatte ihn schon immer genervt und er war früh ausgezogen.

Allerdings genoss er in seinem jetzigen Zustand die Fürsorge des einen Dienstmädchens und auch Hannas mütterliche Art sehr.
Hier konnte er sich hängen lassen und in Selbstmitleid baden.
Sein Leben war kein Leben mehr und er wusste nicht wie es weiter gehen sollte.

„Wirst du die Feiertage hier bleiben?“ fragte Zac und beugte sich nah über den Teller, während er langsam weiter aß.
„Ja, das ist das erste Weihnachten ohne Max, da wollte ich nicht in mein einsames Zuhause“, Hannas ansonsten so resolute Stimme brach und Zacs Hand tastete suchend über den Tisch, um ihre Hände zu greifen.
Max, Hannas Mann, hatte auch für Familie McKenna als Gärtner gearbeitet und die beiden waren schon immer ein sehr glückliches Ehepaar gewesen.
Im Frühjahr war Max nach einem Herzinfarkt gestorben.

„Aber wir sind ja alle bei dir. Hier wirst du nicht einsam sein“, Zac drückte Hannas Hand und er hörte sie schlucken.
„Deine Eltern planen am 1. Weihnachtstag wieder ihr großes Dinner, da werde ich wohl gar keine Zeit zum Traurig sein haben. Außerdem besucht mich Jennie über die Feiertage“, nun klang sie schon wieder gefasst und gleichzeitig erfreut.

„Jennie?“
„Meine Enkelin aus Los Angeles, du kennst sie doch sicher noch“, erklärte Hanna, stand auf und schaute nach dem Braten, der im Ofen vor sich hinbrutzelte.
Dann legte sie einige Scheite Holz in den großen Kamin, der mit weißblauen Kacheln verziert war und das Feuer begann sofort zu lodern.
Das Holz knackte, als Hanna mit dem Schürhaken die Stücke zurechtschob.

Zac nahm all diese Geräusche viel bewusster wahr und wünschte er könnte sich in der Küche, die schon immer sein Lieblingsplatz war, in Seelenruhe umschauen.

„Ach Jennie“, Zac lächelte in Gedanken.  
Natürlich konnte er sich noch an die temperamentvolle lustige Jennie erinnern.
Sie hatte einige Sommer hier verbracht und damals hatte sie sich prächtig mit ihm und Tony verstanden.
Tony hatte ihn sogar immer damit aufgezogen, dass er ein wenig in Jennie verknallt gewesen wäre. Doch das war natürlich Unfug, denn sie waren damals höchstens 13 Jahre gewesen.
Im Sommer darauf als Zac sich heimlich doch gewünscht hatte, sie wieder zu sehen, wartete er vergebens und seitdem war jeglicher Kontakt abgebrochen.

„Sie hat gerade einige Probleme und will auf keinen Fall zu ihren Eltern und deshalb hab ich ihr vorgeschlagen her zu kommen. Deine Eltern haben nichts dagegen und sie kann sogar im Kutscherhaus schlafen.“

Das Kutscherhaus war ein stattliches Haus im Garten, wo die Bediensteten ihre Zimmer hatten, wenn sie über Nacht auf dem McKenna-Anwesen blieben.
Auch Hanna hatte dort ihr kleines Rückzugsgebiet.

„Das freut mich wirklich sehr“, sagte Zac verträumt und plötzlich graute ihm vor den bevorstehenden Feiertagen.
Seine Unselbständigkeit ließ ihn von Tag zu Tag griesgrämiger werden. Und Jennie war vielleicht mittlerweile verheiratet oder glücklich mit einem Mann und interessierte sich garantiert nicht für einen blinden hilflosen Kerl.

„Tony kommt morgen“, dann klappert Hanna mit seinem Teller und fragte: „… bist du fertig oder willst du noch was?“
„Ich nehm noch was, hab das Zeugs schon lange nicht mehr gegessen“, lächelte Zac und hielt den Löffel in die Höhe. „Ja ich hab heut mit Tony telefoniert. Er ist bereits auf der Heimreise.“
„Obwohl er in Europa studiert, ist er viel mehr hier zuhause als du, das sagt auch deine Mum“, meinte Hanna vorwurfsvoll und stellte ihm den Teller wieder hin.

Er spürte den Dampf in seinem Gesicht und pustete automatisch vor sich hin.
„Pass auf es ist heiß“, bemerkte Hanna zusätzlich, „Soll ich dir nicht doch helfen?“
„Nein, ich kann das ...… oder willst du mich füttern“, fuhr er sie gereizt an.
„Ich will nur nicht, dass du auf den frischgebohnerten Boden kleckerst“, wehrte sich Hanna energisch und Zac musste grinsen.
Wie gut, dass wenigstens sie ihn normal behandelte.
Falls ihm bei seinen überfürsorglichen Eltern alles zu viel werden sollte, dann wusste er wohin er zu gehen hatte.

**

Tränen nahmen Jennie erneut die Sicht.
„Verdammtes Arsch“, schrie sie zum wahrscheinlichsten hundertsten Mal gegen die Windschutzscheibe und steckte sich den letzten Rest Schokolade in den Mund.
Sie saß in ihrem Auto und raste den Highway entlang.

Energisch wischte sie über ihr Gesicht und auch wenn es schon ein paar Wochen her war, jagten erneut die Erinnerungen wie ein Blitz vor ihrem inneren Auge vorbei.

Dean war ihr Freund gewesen. Auch wenn er 13 Jahre älter war als sie, Jennie liebte ihn.
Vielleicht war es auch mehr eine Trotzreaktion ihrerseits gewesen, weil kaum einer ihrer Beziehung eine Chance gegeben hatte.

Dean war ein weltgewandter Mann, er beschenkte Jennie und trug sie auf Händen. Er gab ihr das Gefühl die wichtigste Frau auf Erden zu sein. Jennie schwebte auf Wolken.

Er war für zwei Wochen auf Geschäftsreise gewesen, wie so oft.
Sie wusste aus den Unterlagen, dass er einen Spätflug gebucht hatte. Obwohl sie eigentlich auch noch im Büro zu tun hatte, war sie früher gegangen, hatte Essen beim Chinesen besorgt und wollte sich und seine Wohnung für Dean zurecht machen.

Das sie sowieso die meiste Zeit bei ihm verbrachte, besaß sie mittlerweile einen Schlüssel.
Jennie schloss die Tür auf, stellte ihre Sachen ab, ging ins Schlafzimmer und fand Dean im Bett.
Auf ihm hockte eine barbusige Blondine, die gerade wollüstig: „Ja gibs mir!“, stöhnte.

Dean riss die Augen auf, als er Jennie erblickte und schmiss die blonde Tussi so schnell von sich, dass Jennie für einen Moment etwas Angst um seine Männlichkeit hatte, die doch eben noch dort festgesteckt hatte.

Für eine Schrecksekunde starrte Jennie von ihrem Freund auf diese Frau, die sich entschuldigend grinsend die Bettwäsche über den nackten Oberkörper zog.
Die fliederfarbende Bettwäsche, die Jennie gemeinsam mit Dean gekauft hatte, weil sie so schön mit den Gardinen harmonierte und lila Jennies Lieblingsfarbe war.
Nun harmonierte dieser zartlila Ton perfekt mit der blonden Mähne dieser makellosen Schönheit und ab sofort gehörte Lila nicht mehr zu Jennies Lieblingsfarben.

Jennie schleuderte den Haustürschlüssel in die Richtung der beiden Nackten, und schlug die Tür hinter sich zu.

„Jennie, Honey, bleib stehen. Es ist nicht so wie du denkst“, hastig rannte Dean hinter ihr her.
„Halt deine verdammte Klappe“, wutentbrannt suchte sie ihre Handtasche, stürmte dann zurück ins Schlafzimmer.
Sie ignorierte so gut es ging diese Frau, die sich gerade wieder anzog, und holte ein paar Kleidungsstücke aus dem Schrank.

„Jennie tue bitte nichts Unüberlegtes. Bitte lass es mich erklären“, Dean versuchte auf einem Bein hüpfend in seine Hose zu kommen und gleichzeitig Jennie festzuhalten.
„Bitte bleib hier“, bettelte Dean und die Blondine kam zum Schlafzimmer heraus.
„Ich geh dann mal“, murmelte die Tussi.

Jennie baute sich vor ihr auf und ihr Tonfall triefte vor Ironie. „Aber nein, bleib doch, du bist doch grad erst gekommen ... oder auch nicht, weil ich ja gestört hab.“
„Bitte, Honey“, Dean ergriff Jennies Arm.
„FASS MICH NICHT AN.“, schrie Jennie und klatschte ihre Handfläche direkt auf seine unrasierte Wange.

Seine entsetzt aufgerissenen Augen waren das letzte was sie gesehen hatte, dann war sie gegangen.

Sie hatte einen verheulten Abend bei ihrer Freundin verbracht und Deans hunderte Anrufe einfach überhört. Dieser Kerl war für sie gestorben.
Seitdem hatte sie, auch wenn es wehtat, einen radikalen Schnitt in der Beziehung zu Dean vollzogen und sich mehr oder weniger in ihre Arbeit verkrochen.

„Verdammtes Arschloch!“, presste sie erneut zwischen den Zähnen hervor und kramte in ihrem Handschuhfach nach der Tüte Gummibärchen.
Gleich war sie bei ihrer Granny Hanna.
Ihre Eltern, die von Anfang an gegen die Beziehung mit Dean waren, waren die letzten, bei denen sie sich ausheulen wollte.
Dort würde sie nur zu hören bekommen: „Das haben wir dir gleich gesagt.“
Auch wenn ihre Grandma über Weihnachten bei Familie McKenna arbeiten musste, so hatte sie sich doch dazu entschlossen die Feiertage dort zu verbringen.

Nur fettes Essen, allerhand Süßigkeiten und Plätzchen, überall weihnachtliche Stimmung, himmlische Ruhe und vor allem keine Männer.
Sie hatte so die Schnauze voll von diesem verlogenen und heuchlerischen Pack.

Jennie schniefte noch einmal abschließend und bog auf den breiten Weg ein, der direkt zum Landsitz der reichen Familie McKenna gehörte.
Als kleines Mädchen war sie einige Male hier gewesen und hatte sich direkt wie in einer anderen Welt gefühlt.
Starla und Greg McKenna waren zwar distanziert aber immer sehr nett zu ihr gewesen.
Aber mit den beiden Söhnen, Zac und Tony, hatte sie sich prima verstanden.

Jennie freute sich auf ihre Grandma und darauf, sich wieder wie ein kleines Mädchen von ihr verwöhnen zu lassen.
Der Kies knirschte unter den Reifen, als sie in Richtung Bedienstetenauffahrt einbog.

Endlich da!

Jennie stieg aus und reckte sich.
Es war bitterkalt und die Luft roch nach Schnee.
Die Fenster waren alle festlich geschmückt und in der riesigen Tanne neben dem Parkplatz funkelten hunderte kleine Lichter.  
Sie lächelte und vergaß für einen Moment ihren Herzschmerz.
Weihnachten stand vor der Tür und sie würde die Feiertage mit ihrer Granny verbringen.
Und an Dean würde sie keinen Gedanken verschwenden.

Hastig holte sie ihre Jacke vom Beifahrersitz, nahm ihren Rucksack mit ihren wenigen Habseligkeiten und marschierte zur Tür.
Jennie mummelte sich in ihre dicke Jacke schwang sich mit voller Breitseite gegen die schwere Eingangstür.
In diesem Moment als sie die Tür nach innen öffnete kam ihr jemand entgegen.

„Vorsicht“, rief sie noch, doch es war zu spät.
Die Tür knallte mit Wucht gegen einen Mann.
Dieser taumelte nach hinten, rutschte auf dem glatten Marmorbodenfußboden aus und landete mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seinem Hintern.
„Ach du Scheiße“, fluchte Jennie sogleich laut. „Kannst du nicht aufpassen. Bist du blind, oder was?“
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