Und wenn man meint, es kann nicht schlimmer kommen…

von - Leela -
KurzgeschichteFreundschaft / P12
Eddie Futura GB Jake Madame Why Prime Evil
30.11.2013
01.12.2013
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Eddy lag auf seinem Bett und starrte an die Decke. Vorhin hatte er noch versucht, ein wenig zu lesen, aber er hatte im Augenblick zu nichts wirklich Motivation. Warum mußte dieses Jahr nur alles so blöd sein…?
      Eigentlich hatte er sich auf seinen Geburtstag gefreut, so wie jedes Jahr. Aber schon als Tasha verkündet hatte, daß sie genau über das Wochenende einen wichtigen Lehrgang hatte, den sie nicht absagen konnte, hatte sich die Vorfreude in Niedergeschlagenheit verwandelt. Und dabei war es nicht einmal geblieben. Es war nur der Anfang einer Serie von Tiefschlägen gewesen, die er danach hatte einstecken müssen. Er atmete schwer durch. Eigentlich brauchte er dieses Jahr gar nicht zu feiern.
      Nach einer Weile hielt er es alleine nicht mehr in seinem Zimmer aus und raffte sich demoralisiert auf, um zu Jake in’s Büro zu gehen – das hieß, sofern wenigstens er noch da war.
      Jake war gerade damit beschäftigt, Ablage zu machen, als Eddy zu ihm in’s Büro kam. „Na? Und ist das Buch gut?“ erkundigte er sich, als sich sein Partner niedergeschlagen zu ihm gesellte.
      „Ich weiß nicht. Ich habe noch nicht richtig angefangen.“ erwiderte Eddy lustlos und machte gar nicht erst einen Hehl daraus, daß er gerade zu nichts Lust hatte.
      „Eddy, alles in Ordnung?“ fragte Jake besorgt.
      „Was glaubst du denn wohl?“ erwiderte Eddy müde.
      „Es ist immer noch wegen morgen, hm?“ Jake konnte sich ein einfühlsames Schmunzeln nicht verkneifen, von dem er jetzt schon wußte, daß es Eddy keinen Trost spenden würde.
      Eddy machte eine hilflose Geste, und Jake war sich nicht sicher, ob er in Tränen ausbrechen wollte. „Das ist das erste Mal, daß Tasha an meinem Geburtstag nicht da ist! Warum mußte dieser blöde Lehrgang auch ausgerechnet dieses Wochenende sein?“
      „Eddy, das überstehst du schon!“ war Jake sich sicher. „Da müssen wir ab und zu mal durch. Schau mal, Futura ist ja auch nicht da.“
      Der brünette Ghostbuster sah ihn verzweifelt an. „Aber es ist mein Geburtstag!“ Mit Nachdruck setzte er nach: „Wenn es wenigstens nur das wäre! Aber sonst ist ja auch niemand da! Tracy muß die Fahrzeugmesse besuchen, deren Namen ich nicht mal aussprechen kann, Jessica hat wegen einem Pressetermin abgesagt, Corky ist mit seiner Freundin unterwegs - es ist ja nicht so, daß er die nicht hätte mitbringen können -, Madame Why muß irgend ein magisches Ritual machen, das nur an diesem Tag geht, dein Vater kann nicht kommen, selbst meine Eltern haben abgesagt! Nicht einmal 8y ist da, weil sie ja mit Tasha unterwegs ist! Wir haben nicht einmal Vollmond, so daß wenigstens Fuddy mich besuchen könnte!“
      Jake mußte unwillkürlich lachen, bei der verzweifelten Vehemenz, mit der der letzte Satz wie das Klammern an den letzten Strohhalm gekommen war. „Ach, Eddy…“
      Eddy hatte sich mittlerweile aber so in Rage geredet, daß er nicht mehr anders konnte, als seinem ganzen Frust Platz zu machen. „Jeder, den ich gerne an meinem Geburtstag dabei gehabt hätte, hat irgend etwas wichtiges vor! Es ist ja nicht so, daß mein Geburtstag dieses Jahr so überraschend kommt! Er ist immer am gleichen Tag! Wieso hat niemand Zeit?“
      „Hey, ich bin doch da!“ warf Jake aufmunternd ein.
      „Na, toll!“ meinte Eddy mißmutig.
      „Na, herzlichen Dank!“ kommentierte der blonde Teamführer, bewußt ein wenig verletzt. „Bedeute ich dir gar nichts?“
      „Nein, so war das nicht gemeint!“ lenkte Eddy gleich betroffen ein. „Darum geht es gar nicht! Natürlich freue ich mich, daß du da bist. Wenigstens einer…“
      Jake atmete durch. Eddys Verfassung schlug ihm richtig auf’s Gemüt. Er konnte nicht anders, nahm das angehende Geburtstagskind tröstend in die Arme und meinte: „Eddy, nicht traurig sein! Komm’ schon, wir machen uns morgen einfach einen richtig schönen Tag zusammen!” Er wußte, daß er Eddy damit nicht vom Hocker reißen konnte. Es war ja nicht mal so, daß er es nicht verstehen konnte.
      Sie kamen nicht mehr dazu, weiter darüber nachzudenken, da sich das Klingeln des Ansabones in die Szene mischte.
      Jake sah auf und atmete durch. „Na, das hat ja jetzt auch noch gefehlt. Hoffentlich ist das Tasha für ein bißchen seelisch-moralischen Aufbau!“
      „Hallo, Sie sind hier im Tal der guten Hoffnung angelangt!“ meldete sich das Ansabone inzwischen, die gute Vorlage ausnutzend. „Das ist allerdings auch das einzige, was Ihnen hier bleibt: Hoffnung! Ha, ha…“
      „Laß den Blödsinn!“ herrschte Jake es an und nahm den Hörer ab.
      Eddy lehnte sich in die Tür und beobachtete ihn teilnahmslos, in seine eigenen tristen Gedanken versunken.
      Plötzlich wurde Jake ernst. „Ja… Ja, ich verstehe. Mmhm…“
      Eddy sah nun doch aufmerksam auf.
      Jake legte eine Hand über den Hörer und formulierte lautlos: „Auftrag!“ Sein Partner verdrehte die Augen, während Jake das Gespräch wieder aufnahm. „Ja, bleiben Sie ganz ruhig! Wir sehen uns die Sache an. Wo, sagten Sie, ist das? Ja, das kenne ich. Wir sind so in einer guten halben Stunde bei Ihnen!“ Als er auflegte, atmete er erst mal durch. „Okay, ich will hoffen, daß das jetzt nicht so dramatisch wird, wie es klang. So, wie sich der Anrufer anhörte, klang es schon bedenklich.“
      „Manchmal wirkt es auf die Leute ja drastischer als es ist!“ meinte Eddy.
      „Ja, und wenn wir Glück haben, ist das hier auch so. Aber ich habe so ein komisches Gefühl, daß wir sehr vorsichtig sein sollten.“
      „Sollten wir das nicht sowieso?“ fragte Eddy.
      „Natürlich! Aber hier glaube ich, daß der Anrufer nicht übertreibt!“ erklärte Jake mit einem leichten Durchatmen, das anzeigte, daß er sich bereits auf etwas größeres einstellte.
      „Na, toll! Und ausgerechnet jetzt ist Tracy nicht da!“ meinte Eddy mißmutig.
      „Das ist Murphys Gesetz! Komm’, laß uns gehen. Je schneller wir vor Ort sind, desto besser. Ich erzähle dir alles unterwegs! Auf geht’s Ghostbuster!“
      „Diesen Murphy würde ich gerne mal kennenlernen!“ kommentierte Eddy grummelnd, bevor er Jake in den Skelevator folgte.

„Wie gut, daß Tracy GB nicht mitgenommen hat!“ meinte Eddy, als sie starteten.
      „Na, das wäre ja auch noch schöner! Er weiß ja, daß jederzeit ein Auftrag reinkommen kann!“ erwiderte Jake.
      „Mir gefällt es, daß der schwere Gorilla mal nicht am Steuer sitzt!“ bekannte GB.
      „Mit gefällt das gerade gar nicht!“ widersprach Jake. „Uns fehlt nämlich jetzt eine kompetente Kraft, und der Auftrag ist nicht ohne!“
      „Oh…“ bemerkte GB betroffen.
      „Naja, vielleicht wird es dadurch für GB aber noch komfortabler!“ meinte Eddy lapidar. „Wenn es uns beide erwischt, kommt er vielleicht in eine nette Familie, wo man nur noch Sonntagsausflüge mit ihm fährt.“
      GB schluckte. „Also, wenn irgend etwas ist, dann könnte ihr aber auch auf mich zählen!“ meinte er beklommen.
      „Das wissen wir, GB!“ meinte Jake. „Jetzt laßt uns mit der Schwarzmalerei aufhören, und uns lieber auf den Auftrag vorbereiten!“
      „Worum geht es denn bei dem Auftrag?“ erkundigte sich Eddy.
      „Kennst du das Hotel Foxtrott am Stadtrand?“
      Eddy nickte.
      „Zu der Anlage gehören ein paar freistehende Feriengebäude, die ebenfalls Gästen als Hotelzimmer zur Verfügung stehen, und die man auch separat für eine größere Gesellschaft anmieten kann. Mister Winter, der Hotelbesitzer, wollte eines der Häuser gerade für eine Jubiläumsgesellschaft herrichten, als er plötzlich feststellte, daß das Haus von Geistern heimgesucht wurde.“
      „Dann wird das keine große Sache!“ meinte Eddy. „Wenn da so ein paar gewöhnliche Spukgestalten auftauchen, sind die meisten doch schon ganz aus dem Häuschen.“
      „Das dachte ich zuerst auch. Aber man kann viel aus einem Gespräch ablesen, wenn man genau zuhört und darauf achtet, wie jemand etwas erzählt. Mister Winter ist sicher niemand, der schnell hysterisch wird, und er klang auch nicht danach, daß er sich schnell aus der Ruhe bringen läßt. Er hat auch zuerst versucht, die Angelegenheit selbst zu regeln, aber er sagt, er ist bedroht worden. Und das macht mir schon Sorgen.“
      „Das klingt ja fast nach Prime Evil!“ warf Eddy ein.
      „Beschwör’ es nicht!“ warnte Jake.
      „Naja, aber mit dem können wir wenigstens umgehen. Wer weiß, was für ein Übel es sonst ist?“ gab Eddy zu bedenken.
      „Ja, aber wir haben Tracy nicht dabei. Und das macht mir Sorgen!“ erinnerte Jake. „Prime Evil ist nicht zu unterschätzen!“
      „Ich habt mich auch dabei!“ erinnerte GB vorsichtshalber.
      „Hoffen wir, daß wir dich da raushalten können.“ kommentierte Jake. Kurz orientierte er sich und korrigierte etwas die Flugroute.
      Einige Zeit später kam die Hotelanlage in Sicht. Es war ein lauschiges Plätzchen für die Art von Gästen, die es gerne harmonisch hatte, nahe am Wald gelegen, und die Häuser hatten einen schönen, gemütlichen Landhausstil.
      „Okay, Mister Winter sagte, es ist das Gebäude links vom Haupthaus… Das kann eigentlich nur das dort drüben sein.“ überlegte Jake und zeigte auf eines der Häuser.
      „Wenn die Geister nicht auf die anderen Gebäude übergreifen!“ warf Eddy ein.
      „Ja, aber erst mal müssen wir mit den Informationen arbeiten, die wir haben.“ Jake sah sich schnell auf dem Gelände um. „Ich würde GB gerne irgendwo in der Nähe parken, nur für alle Fälle. Laß uns eben aber zur Rezeption gehen, um uns anzumelden und damit wir einen aktuellen Sachstand kriegen.“
      Eddy nickte, und so stellten sie GB auf einen freien Parkplatz, von dem aus man gut zu beiden Häusern kam, und gingen zu dem Haupthaus.
      Sie hatten kaum die Halle betreten, als sich ein Mann von dem Tresen abstieß und ihnen entgegenkam.
      „Mister Winter?“ erkundigte sich Jake.
      „Ja! Sind Sie die Ghostbuster?“ war die hoffnungsvolle Antwort.
      Jake nickte. „Wir haben telefoniert.“
      „Dem Himmel sei Dank!“ erklärte Mister Winter erleichtert. „Ich hoffe, Sie können etwas tun!“
      „Wie, genau, ist denn der aktuelle Stand der Dinge?“
      „Noch so, wie ich es Ihnen am Telefon erzählt habe! Wir wollten heute die Betten für eine Gesellschaft herrichten, die morgen hier eintreffen soll, und ich habe nur vorher nach dem rechten gesehen, als plötzlich undefinierbare Geräusche zu hören waren, und in den Schatten der Nischen und Vorhänge Gestalten sichtbar wurden. Zuerst dachte ich an Einbrecher. Aber je mehr ich versuchte, der Sache auf den Grund zu gehen, desto überzeugter war ich, daß da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht!“
      „Haben Sie die Geister denn gesehen?“ fragte Eddy.
      „Nein, nicht richtig. Aber eine Stimme forderte mich auf zu gehen, um es mal höflich auszudrücken. Und das war keine menschliche Stimme!“
      Eddy sah Jake an. „So etwas kann man inszenieren!“
      „Ja, wir sollten die Einbrechervariante zumindest nicht ganz außer Acht lassen. Aber gehen wir davon aus, daß es nicht inszeniert ist, dann ist es mit Sicherheit etwas übernatürliches. Wir schauen uns das mal an. Keine Sorge, wenn es ein Geisterproblem ist, kriegen wir das schon in den Griff!“
      „Soll ich die Polizei rufen?“ fragte Mister Winter.
      Jake schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Eventuell werden die Geister davon gestört, und dann kriegen wir sie nicht mehr. Aber halten Sie sich bereit, falls es doch noch notwendig wird!“
      Winter nickte.
      Jake sah zur Tür heraus, durch die sie gerade hereingekommen waren. „Ist es das Haus dort drüben?“
      „Ja, ganz genau!“ bestätigte der Hotelbesitzer.
      Jake gab Eddy einen Wink. „Komm’, Eddy. Sehen wir uns die Sache mal an.“
      Eddy haßte die stoische Ruhe, mit der Jake solche Dinge sagte. Daran würde er sich wohl nie gewöhnen. Etwas beklommen folgte er seinem Partner.

Als die beiden über den Hof am Ghostbuggy vorbei auf die andere Seite gingen, wurde es bereits dunkel. Das meiste Licht spendeten mittlerweile die Hoflampen.
      Zuerst sahen sich die beiden Jungs das Haus aufmerksam von außen an. In der Mitte führte ein Eingang in das Haus, in der ersten Etage mußten die Gästezimmer liegen. Jedes zweite Fenster hatte einen Balkon, und es mochte gut sein, daß sich unter dem Dach noch ein Boden befand. Augenscheinlich war aber alles ruhig.
      „Wer weiß, vielleicht sind die Geister auch schon wieder weg. Oder die Einbrecher, je nachdem.“ hoffte Eddy.
      „Dann lassen wir uns den Anfahrtsweg trotzdem bezahlen!“ warf Jake ein.
      „Können wir das machen?“ fragte Eddy erstaunt.
      „Ja, sicher! Immerhin hatten wir aufgrund des Auftrages den Aufwand, ob der Geist nun da ist, oder nicht! – Laß uns mal reinsehen.“
      So ganz überzeugt war Eddy von Jakes Idee, einen Auftrag ohne Eigenleistung abzurechnen nicht, schob den Gedanken aber erst mal beiseite und konzentrierte sich auf das Objekt vor ihnen.
      Hinter der Eingangstür kamen sie in eine geräumige kleine Halle. Auf einer Seite stand ein Getränkeautomat, es gab eine Sitzecke, und direkt gegenüber der Tür führte eine Treppe nach oben, an deren Ende man von einer Galerie aus nach rechts und links auf die Korridore zu den Zimmern kam. Unter der Treppe konnten sie einen Zugang ausmachen, vor dem ein schwerer Vorhang hing. An einer geschlossenen Tür in der Halle stand »Gastraum«.
      „Okay, das hier sind anscheinend Gemeinschaftsräume.“ stellte Jake fest, als er den Blick durch das Erdgeschoß schweifen ließ und warf einen Blick in den hinteren Teil der Halle. „Vermutlich kommt man nach hinten raus in den Garten.“
      „Es ist so ruhig, Jake!“ stellte Eddy fest. „Die Geister könnten theoretisch überall sein!“
      „Richtig! – Wenn es nur nicht schon so dunkel werden würde. Ich wage es aber nicht, jetzt das Licht anzumachen.“
      „Fangen wir erst hier unten an, nach den Geistern zu suchen?“ fragte Eddy.
      „Ja. Das ist sicherer.“ bestätigte der Teamführer. „So ein Mist. Tracy hat den Geisterdingsmeß… Du weißt schon!“
      „Spuk- und Geistererscheinungsfeldstärkenmesser!“ half Eddy aus.
      „Ich sagte ja, du weißt schon!“ grummelte Jake, während er auf die Seite mit der Sitzecke ging. „Auf jeden Fall wäre das jetzt gerade sehr hilfreich!“
      „Der Affe wußte schon, warum er nicht mitkommt!“ meinte Eddy sarkastisch.
      Kurz darauf hörten sie ein lautes Poltern hinter sich.
      Die beiden Geisterjäger wirbelten gleichzeitig herum, und standen unvermittelt Prime Evil gegenüber, der ihnen durch seine imposante Gestalt den Fluchtweg durch das Haus nach hinten abschnitt.
      „So! Ihr schon wieder!“ grollte der Dämonenfürst. „Müßt ihr euch immer in meine Angelegenheiten mischen?“ Amüsiertheit suchte man in der Stimme ihres Widersachers vergebens.
      Die beiden Ghostbuster stockten geschockt.
      Jake straffte die Gestalt. „Sofern du unschuldige Leute tyrannisierst, wird es auch zu unserer Angelegenheit!“ schoß er zurück.
      „Das werden wir sehen!“ gab Prime Evil in einer bedrohlichen Tonlage zurück, die allein für sich schon das Blut in den Adern der Jungs gefrieren ließ. Die Augen des Herrn des Bösen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Wo ist denn euer Kraftprotz? Habt ihr euren Bodyguard heute gar nicht dabei?“
      „Tracy sieht sich draußen um!“ warf Jake schnell ein. „Und er kann in wenigen Sekunden hier sein, wenn es sein muß!“
      Eddy warf Jake einen kurzen dankbaren Blick zu. An diese Strategie hatte er selbst noch gar nicht gedacht. Vorsichtshalber traten sie sachte den Rückweg an, um Zeit zum überlegen zu gewinnen. „Hoffentlich nimmt er dir das ab, daß Tracy auch hier ist!“ wisperte der etwas molligere Ghostbuster.
      Jake schätzte den Weg bis zur Tür ab und gab Eddy ein Zeichen. Lautlos formulierte er: „Wir brauchen GB!“
      Prime Evil sah sich das Geschehen mit verschränkten Armen an.
      „Jetzt!“ flüsterte Jake, und auf sein Stichwort liefen die beiden los. Doch sie hatten gerade mal die Hälfte der Halle durchquert, als die Tür von außen in’s Schloß geworfen wurde, und die beiden erschüttert erstarrten.
      Prime Evil lachte diabolisch. „Habt ihr etwas geglaubt, ich wäre allein hier?“
      „Mist!“ entfuhr es Jake, und sah sich hastig um. Sie kamen nicht zu der Seite weg, die nach hinten führte, und zu der Eingangstür kamen sie auch nicht hinaus. Durch ein Fenster brauchten sie es nicht zu versuchen, dazu reichte die Zeit nicht, bis sie eines davon geöffnet hatten. „In den Raum da hinten!“ gab Jake leise Anweisungen. „Wir müssen durch ein Fenster raus. Ohne GB als Verstärkung wird das hier nichts!“
      Eddy nickte, und so liefen sie gemeinsam los, scheiterten aber, als sich die Tür nicht öffnen ließ.
      „Verschlossen…“ keuchte Eddy.
      „Anzunehmen!“ erwiderte Jake und verschwieg die zweite Variante, die sein Kamerad sich nach der Erfahrung mit der Eingangstür auch selbst denken konnte.
      „Und jetzt?“ fragte Eddy.
      „Jetzt sind wir auf uns gestellt!“ meinte Jake angespannt.
      Prime Evil setzte sich derweil in Bewegung und kam schon beinahe gemächlich auf sie zu, als würde er bereits jetzt seinen Triumph genießen – nicht ganz ohne Grund, denn dort, wo sie gerade standen, saßen sie in der Falle.
      „Auf die Galerie, Eddy!“ rief Jake und rannte schon los zur Treppe.
      Eddy folgte ihm verbissen. Auf dem oberen Flur hielten sie nur kurz inne, um sich einen Überblick zu verschaffen. Prime Evil war ihnen viel zu dicht auf den Fersen.
      Von der unteren Etage war Rumoren zu hören und ließ die beiden schaudern.
      „Verdammt! Die schneiden uns die Fluchtwege ab!“ analysierte Jake und sah schnell den Korridor entlang, der nun ihr einziger Ausweg zu sein schien.
      Prime Evil folgte ihnen auf eine bedrohliche, bedächtige Art.
      „Den schaffen wir mit dem Dematerialisator nicht!“ keuchte Jake.
      „Die Geistergranaten?“ schlug Eddy vor. „Vielleicht geht es mit einer Kombination! So etwas hat in der Vergangenheit doch auch schon bei ein paar Situationen gewirkt.“
      „Einen Versuch ist es wert! Hast du welche dabei?“
      Eddy durchsuchte während ihres Rückzuges in den Korridor sein Ghostpack, und Jake zückte schon mal den Dematerialisator; in dem Augenblick, als er das Gerät aber auf den Feind vor sich richten wollte, kam er jedoch in’s Trudeln, und als er versuchte, sich zu abfangen, rutschte ihm der Dematerialisator aus den Händen.
      Prime Evil blieb das natürlich nicht verborgen und setzte ihnen sofort nach, trieb Jake vom Dematerialisator weg und wischte das Gerät mit einer Handbewegung über den Flur, so daß es auf der anderen Seite des Korridors liegenblieb.
      „So ein Mist!“ fluchte Jake, und ohne große Absprache ergriffen die beiden Ghostbuster nun zusammen die Flucht, bis es auf dem Korridor nicht mehr weiterging. Das Fenster am Ende des Flures, durch welches das schummrige Licht der Hoflampen fiel, begrenzte ihren Versuch, ihrem Erzfeind zu entkommen.
      Eddy zitterte. „Was machen wir jetzt?“ rief er panisch.
      Jake sah sich hastig um. „Nur zwei Möglichkeiten: Entweder auf’s Dach…“
      Eddy sah ihn von Entsetzen geprägt an.
      Jake wandte den Blick vom Fenster in ein Nebenzimmer, dessen Tür halb offen stand. „Oder dort in den alten Schrank!“
      „Ich bin für den Schrank!“ erwiderte Eddy sofort.
      „Das Dach ist aber sicherer!“ gab Jake zu bedenken.
      „Das ist deine Meinung!“ erklärte Eddy bedeutungsvoll.
      „Was Prime Evil angeht, schon!“ zischte Jake.
      „Und was nützt mir das, wenn ich vom Dach falle?“
      Jake schob Eddy bereits der Zeitknappheit geschuldet in das Zimmer mit dem Schrank und schlug die Tür zu.
      „Jake, damit halten wir einen Geist nicht auf!“ meinte Eddy verbissen.
      „Aber vielleicht können wir uns hier verstecken!“
      Eddys Blick drückte so viel aus wie ein sarkastisches ‚Na, sicher!’.
      Anstatt zum Schrank deutete Jake aber nun zum Balkon.
      „Bist du wahnsinnig?“ keuchte Eddy.
      „So hoch ist das nicht!“ sagte Jake. Er versuchte bereits, die Balkontür zu öffnen, doch auch diese war fest verschlossen. „Das gibt es doch nicht!“ fluchte er. „Muß ich etwa noch die Scheibe einschlagen?“
      Eddy behielt unruhig die Tür im Auge. „Vielleicht bekommt man erst einen Schlüssel, wenn man hier als Gast eingecheckt hat.“
      „Na, phantastisch! Wir sitzen hier in der Falle!“ Er sah Eddy mit einem aus Resignation und Mutlosigkeit geprägten Blick an. „Das ist ja ein schöner Mist, in den ich uns da reinmanövriert habe.“
      „Dafür kannst du ja nun auch nichts!“ meinte Eddy beruhigend, auch wenn er sich gerade nicht danach fühlte.
      „Wenn ich wenigstens nicht den Dematerialisator verloren hätte. Dann hätten wir vielleicht eine Chance gehabt!“ Jake atmete durch. „Was haben wir denn noch zur Verfügung? Du hast den Ghostgummer und Geistergranaten?“
      Eddy nickte.
      „Das Spectre Snare?“
      „Hat Tracy.“
      „Den Bubbleblaster sowieso.“ fügte Jake mißmutig an. „Ich habe noch Geisterklebebälle, aber damit kommen wir genauso weit wie mit deiner Ausstattung.“
      „Und wenn wir die mit den Geistergranaten kombinieren?“ fragte Eddy. „Die könnten wir gemeinsam werfen.“
      „Ja, wenn wir nur wüßten, daß es eine Aussicht auf Erfolg hat!“ sinnierte Jake unbehaglich, dann sah er Eddy verständnislos an, der ihm anscheinend schon gar nicht mehr zuhörte. „Eddy…?“
      „Hör mal!“ meinte der plötzlich.
      „Hören? Was?“ fragte Jake.
      „Es ist ganz ruhig! Ich hatte damit gerechnet, daß Prime Evil uns plattmacht, aber wir debattieren hier schon eine ganze Weile, es passiert nichts, und man hört auch nichts mehr!“
      „Stimmt!“ fiel Jake nun auch auf. „Entweder, er wurde abgelenkt, oder er meint, er hat uns jetzt so weit in Schach, daß er seine Pläne, was auch immer das ist, jetzt zu Ende führen kann…“
      „Oder er lauert uns auf, um zuzuschlagen, wenn wir es wagen, auf den Flur zurückzukehren…“
      „Sht!“ machte Jake plötzlich.
      Als sie ganz still waren, konnten sie es hören: Es war Prime Evils Stimme, einerseits weit entfernt, und doch unbehaglich nah.
      „Das kommt von unten…“ meinte Jake überrascht. Wie auf Stichwort sahen die beiden aus dem Fenster, hinter dem der Balkon lag. Sie konnten kaum etwas sehen durch den Balkon, aber sie konnten nun die Stimme verstehen.
      „Was soll das heißen, sie sind hier nicht runtergekommen? Das wäre der einzige Fluchtweg gewesen, den sie hätten nehmen können!“
      Eddy und Jake wechselten einen Blick und schmunzelten.
      „Ah, daher weht der Wind. Ich sag’s ja, Prime Evil ist nicht zu unterschätzen. Er hat mit diesem Fluchtweg gerechnet!“
      „Dann ist es ja gut, daß das nicht geklappt hat!“ meinte Eddy mit einem Durchatmen.
      Jake nickte. „Aber das heißt, wir können jetzt relativ gefahrlos zurück auf den Korridor, weil er bis jetzt nicht damit rechnet, daß wir dort sind. Wir müssen uns aber beeilen! Vielleicht schaffen wir es nach unten, und irgendwie raus!“
      „Na gut…“ meinte Eddy, nicht sehr überzeugt.
      „Das ist unsere einzige Chance!“ erinnerte sportliche Kopf des Teams.
      Sein nicht ganz so sportlicher Kamerad nickte, und so huschten sie zurück auf den Flur.
      Jake sah sich auf ihrem Rückweg aufmerksam um. „Na, toll. Er wird den Dematerialisator aus dem Weg geschafft haben. Hätte ich an seiner Stelle auch.“ meinte er frustriert.
      „Laß den Dematerialisator jetzt. Wenn wir es zu GB schaffen, haben wir viel mehr Möglichkeiten zu agieren!“ argumentierte Eddy.
      „Du hast Recht!“ stimmte Jake zu. „Ich möchte nur wissen, wer ihm alles hilft! Geister aus Hauntquarters? Oder hat er dafür extra welche engagiert?“
      „Das würden wir wahrscheinlich wissen, wenn wir wissen würden, was Prime Evil hier überhaupt will!“ behauptete Eddy.
      „Weißt du, was ich glaube?“ meinte Jake. „Hier muß irgend etwas sein, was für Prime Evil sehr wertvoll ist. Irgend ein böser Zauber, ein Buch oder was weiß ich! Warum sonst sollte er ausgerechnet hier herkommen und so konsequent dieses Haus bespuken?“
      „Das ist gut möglich…“ stimmte Eddy zu. „Wo willst du denn hin?“ fügte er an, als sein Kamerad an der Treppe vorbei auf die andere Seite des Korridors ging.
      „Ich wollte nur schauen, ob ich den Dematerialisator nicht doch finde. Tracy verarbeitet mich zu Hackfleisch, wenn ich den verliere.“
      „Danach können wir noch suchen, wenn wir Prime Evil erledigt haben!“ widersprach Eddy. „Wenn er den Dematerialisator an sich genommen hat, finden wir ihn so oder so nicht!“
      Jake seufzte. „Du hast ja Recht…“
      Sachte gingen sie die Treppe wieder hinunter in die schattenhafte Dunkelheit, die sie in der Halle erwartete. Nun rumorte es auch hinter ihnen auf der Galerie.
      „J-jake…“ flüsterte Eddy. „Was machen wir, wenn wir hier nicht mehr rauskommen?“ Er bekam keine Antwort. „J-jake?“ Angespannt wandte er sich um, doch Jake war nicht mehr hinter ihm. Ein Schock durchzuckte ihn, als ihm viele Gedanken gleichzeitig durch den Kopf schossen: Er war allein, auf sich gestellt, wußte nicht, was mit Jake passiert war, und die Befürchtung, daß sein Kamerad in Schwierigkeiten war lag nahe, er wußte nicht, was ihn vor sich erwartete, genauso wenig wie hinter sich, und wie gut die Chancen standen, daß es ihn auch erwischte. Er wußte nur, er mußte Jake finden, koste es, was es wolle, doch wo sollte er ansetzen?
      „Jetzt nicht die Nerven verlieren!“ mahnte er sich selbst, wobei sich Szenarien vor seinem inneren Auge abspielten, in denen er sein 32. Lebensjahr nicht mehr erreichte. Oder doch vielleicht ganz knapp, lange war es sicher nicht mehr hin bis Mitternacht. Er spürte, wie er zitterte, als er auf der Treppe stand und überlegte, wie er weiter vorgehen wollte. Er atmete durch. ‚Ich brauche GB!’ entschied er im Stillen. Angespannt spähte er in die Dunkelheit, konnte aber außer bedrohlichen Schatten nichts erkennen. ‚Warum müssen wir eigentlich ständig in der Dunkelheit arbeiten?’
      Zu seiner Beruhigung sah er, daß die Haustür nur angelehnt zu sein schien – zumindest gab das ein bißchen Hoffnung auf Flucht; andererseits war er sich sicher, daß sowohl Prime Evil, als auch seine Helfer hier überall auf Patrouille waren, und er ihnen bei dem Versuch der Flucht direkt in die Arme laufen würde. ‚Vielleicht sollte ich es doch besser hintenrum probieren…’ überlegte er, während er Schritt um Schritt so leise wie möglich die Treppe nach unten ging, und genau seine Umgebung sondierte.
      Auf etwas weniger als halber Höhe schlug die Turmuhr einer Kirche in der Ferne Mitternacht.
      Eddy konnte nicht verhindern, daß ihm förmlich das Blut in den Adern gefror. Er konnte nicht einmal genau sagen warum, jeder Schlag war wie eine Verheißung – Geisterstunde, und das zu diesen Konditionen!
      Langsam verhallten die Schläge.
      Plötzlich ging Licht an, und viele Stimmen riefen gemeinschaftlich: „Überraschung!“
      Eddy zuckte fast tödlich zusammen, und daß er nicht rückwärts stolperte und dabei die Treppe herunterfiel, war alles. Er klammerte sich an das Treppengeländer und mußte sich erst mal vom Schock erholen! Alle waren da, Tracy, Tasha, Futura, Jack, seine Eltern, seine Schwiegermutter, Sylvien, Rebecka Vai, die Batz, Jessica, Corky…
      „Happy Birthday, Eddy!“ flüsterte Jake so nah hinter ihm, so daß er erneut zusammenzuckte.
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