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The Beloved Devil

GeschichteThriller, Familie / P18 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Hale Caesar Hector
30.11.2013
20.05.2014
18
89.028
 
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30.11.2013 6.112
 
Lilith La Cruze


Smilee war der Jenige, der mich zu sabotieren versuchte?

Ich war vollkommen fassungslos.
Fassungslos, erschrocken und mächtig sprachlos.

Es brauchte eine gefühlte Stunde - eine gefühlte Stunde, in der ich wie gelähmt in seine blauen Augen schaute und mich kaum noch rühren konnte  - bis sich meine Gedanken wieder halbwegs entwirrt hatten und ich nur mit großer Anstrengung meine kalte und emotionslose Stimme wieder fand.

"Ist ja reizend", zischte ich durch meine Zähne und zwang mich um Konzentration.

Das war etwas, womit ich in keinster Weise gerechnet hatte und zugegeben, auf diese Überraschung konnte ich getrost verzichten.

Smilee schien jedoch nicht minder erschrockener zu sein. Seine großen Augen starrten mich ungläubig an. Die Beretta in seiner Hand zitterte, während er sie auf mich gerichtet hielt.

"Lilith, du?" Seine Stimme klang erstickend und sein Gesicht verzog sich zu einer schmerzvollen Grimasse. "Du bist ein Mitglied der Nosa Costra?", fragte er leise.

"Genaugenommen.." Ich legte den Kopf und lächelte herablassend. "Bin ich die Tochter von Charles LaCruze"

"Dem Kopf der Bande?", platzte es fassungslos aus ihn heraus. Er schüttelte den Kopf und sein Blick drückte aus, wie getroffen er war.

Unter anderen Umständen und wenn ich ein andere Mensch gewesen wäre, wäre mir sein Blick bestimmt ans Herz gegangen. Allein die Tatsache, dass wir letzte Nacht so vertraut und leidenschaftlich waren, und nun als Feinde gegenüber standen schien an seinen schwachen Nerven zu zerren.

Und um die Wahrheit zu sagen, ging es auch an mir nicht gänzlich spurlos vorrüber, doch das Mädchen, dass in seinen starken Armen lag, geliebt und begehrt wurde war leider verschwunden. Präsent war nun ein Mensch, deren Empfindungen tief vergraben
waren und deren Ziele und Vorsätze es waren, die Geschäfte ihres Vaters abzuschließen. Um Dabei nichts außer den Drang zum Erfolg zu verspüren.


"Schön", sagte ich schließlich ohne den Hauch einer Emotion "Du hast deine Hausaufgaben gemacht. Das erspart uns den gewöhnlichen Smaltalk"

Meine plötzliche und bewusste Kälte ließ Smilee blinzeln. Allmählich schien ihm zu dämmern, dass ich keineswegs das Liebe und fürsorgliche Mädchen aus dem College war.

"Oh mein Gott." Mit einem gequälten Gesicht schüttelte er den Kopf. Immer und immer wieder. "Du hast...Wir haben..."

"Wir haben miteinander geschlafen Smilee", schloss ich seinen Satz lahm. "Und es war eine wundervolle Nacht und du warst echt unglaublich. Aber ich trenne Privaten von Geschäftlichen. Hast du tatsächlich geglaubt, ich werde dir gleich meine ganze Lebensgeschichte anvertrauen?"

"Du bist eine Mörderin", schrie er den Tränen nahe.

Ich lächelte zufrieden.

"Da hast du verdammt recht", bestätigte ich ruhig. "Also? Warum mischt du dich in unsere Geschäfte ein?"

"Lass den Jungen gehen", forderte er ohne Umschweife.

"Du hast es also auf den Jungen abgesehen?" Lächelnd zog ich eine Augenbraue hoch, um dann zu sagen: "Auf den Jungen oder seine Forschung"

"Du hast anscheinend keine Ahnung, wozu das Virus fähig ist, oder?", knurrte er und sah mich mit hasserfüllten Blick an.

Ich schluckte und erwiderte seinen Blick.

"Falsch", sagte ich fest. "Aber es spielt keine Rolle, verstehst du? Ob es nun ein tödliches Virus, eine Wunderwaffe oder ob es von einen anderen Planeten kommt spielt für mich absolut keine Rolle."

"Warum dann die ganze Mühe"

"Weil es ein Geschäft ist", herrschte ich ihn an und trat einen gezielten Schritt auf ihn zu. Die Waffe noch immer erhoben und bereit einen Schuss abzugeben. "Und ich lasse mich ungerne bei meinen Geschäfte stören"

Warum dachte alle, dass mich das Ende der Menschheit so kümmern würde? Warum versuchten alle an mein Gewissen zu rütteln? Der Virus war in meinen Augen nur ein Auftrag. Ein Befehl meines Vaters, der ohne Zweifel über kein gesunden Menschenverstand verfügte.

Aber wie auch immer. Ich war Lilith LaCruze und seine Geschäften gegenüber, war ich Stets Loyal. Auch wenn das Alles nur zu einem bestimmten Zweck diente.

"Also Smilee-"

Wir wurden von einer tiefen Stimme unterbrochen die laut >Smilee< rief. Ich blickte über  seine Schulter und sah mehrere in schwarz gekleidete Männer auf uns zusteuern. Ohne Zweifel gehörten sie zu Smilee, und als sie sich neben ihm in eine Reihe stellten und ihre verschiedensten Geschützen erhoben, erkannte ich sie.

"Die Expendables", stellte ich nüchtern fest ohne meine Angriffstellung aufzugeben. "Sehr interessant"

Ich hätte es wissen müssen, dachte ich und verengte wütend meine Augen. Nur eine ausgelaugte Bande wie diese Söldnertruppe, würde es wagen, sich uns in den Weg zu stellen.

"Lass die Waffe fallen, Mädchen. "

Ich sah den Sprecher forschend an. Er schien zweifelsfrei der Anführer zu sein.

"Sonst was, Barney Ross?", harkte ich bewusst provokant nach.

Nachdem sie jedoch auf meine namentliche Ansprache sprachlos waren und verunsicherte Blicke tauschten lachte ich schallend auf. Sofort richteten sich ihre wütenden Augen wieder auf mich und zuckte besonnen die Schultern.

"Was? Hat es euch die Sprache verschlagen?", schmunzelte ich amüsiert. "Ich kenne jeden von euch Versagern genau. Barney Ross, der Kopf euer verkümmerten Gruppe"

Ich lenkte meinen Blick von Barney auf einen Brite und einen kleinwüchsigen Chinesen.

"Lee Christmas, äußerst vertraut mit den Umgang von Messer. Ying Yang euer kleiner  Chinese und absolut fähig in der Kampkunst"

Lächelnd nickte ich zu den Blondschopf, der mir tödliche Blicke zuwarf.

"Gunnar Jensen, Scharfschütze und durchaus gelehrt in der chemischen Materie"

Dann zu einen groß gebauten schwarzen Mann, dessen Zähne im Licht weiß schimmerten.

"Hale Ceaser, Waffennarr"

Und als letztes schaute ich zu den Mann, der ein verkümmerten Ohr hatte.

"Und the Last but not Least Toll Road Bombenexperte. Seht ihr? Ihr seid keineswegs ein ungeschriebenes Blatt für uns. Wir haben euch genau studiert und ich bezweifel in keinster Weise, dass auch wir euch bekannt sind. Und trotzdem wagt ihr es, uns in die Quere zu kommen? Wie dumm seid ihr eigentlich?"

Meine Stimme wurde mit jedem Buchstaben schärfer und offenbarte meine ganze Aversion. Wie konnten sie es nur wagen? Dachten sie, sie kommen damit durch? Sie waren reinewegs nur eine Plage, deren jämmerliches Leben nun ein Ende finden würde.

Ich drückte meinen Finger enger um den Abzug.

"Wir sind in der Überzahl. Sieh der Tatsache ins Auge, du bist geliefert", sagte Lee sehr entschlossen.

"Ach, ist das so?", lächelte ich verschwörerisch.

Genau in diesem Moment traten 2 Schatten aus der Dunkelheit rechts und links neben mich. Schweigend richteten sie ihre Waffen auf die Expendables, die trotz ihrer Mühe ruhig zu bleiben, dennoch etwas aus der Fassung gerieten. Schön zu sehen, dass selbst die Expendables nicht immer die Ruhe bewahren konnten.

Triumphierend grinste ich sie an.

"Darf ich meine Freunde vorstellen? Hector Parker und Ethan Kole"

"Anscheinend besteht hier ein großer Interessenkonflickt, hm?", sagte Hector unbekümmert.

"Sie wollen unsere Forschung für sich ergattern, wie findet ihr das, Jungs?"

"Ziemlich unbedacht, wenn du mich fragst", antwortete Ethan drohend.

"Denkt ihr, ihr kommt damit durch?", fragte Barney und klang dabei äußerst entschieden.

"Lass mich nachdenken" Nachdenklich biss ich mir auf die Lippen und sagte dann: "Ja, ich glaube schon"

"Ihr könnt uns nicht alle umbringen"

"Ach, nein?"

"Nicht, wenn ihr euch vor der Gesellschaft als Mörder rechtfertigen wollt"

Ich hielt inne und foltge seinen Blick zu Wand. Die Kameras!

Als sich unsere Blicke wieder trafen, lächelte er mich an.

"Ihr seid die Regierung, oder? Was werden die Bürger von St. Spreengs davon halten, wenn  die Tochter des Bürgermeisters Zivilisten umbringt? Oder noch besser, was wird dein Vater  davon halten, dass du sein Ansehen gefährdest?"

"Das, wobei er doch so hart dafür gekämpft hat", stimmte Lee grinsend zu.

Mein Mund klappte auf und der Atem entwich mit einen Zischen. Damit lagen sie verdammt richtig. Mein Vater würde mich persönlich lynchen, wenn ich sein Ruf in Gefahr bringen würde. Jahrelang kämpfte er sich durch das gesellschaftliche Ansehen um ein hohen Rang zu bekommen. Er galt als ehrenvoller Mann, als Beschützer der Zivilisation aber auch nur weil er seine Machenschaften bisher gut unter Verschluss halten konnte. Würde ich ihm mit meinen unüberlegten Handeln einen Strich durch die Rechnung machen, bezweifel ich in keinster Weise, dass er seine eigene Tochter ins Exil schicken würde.

Punkt für die Expendables.

Obwohl ich rasend vor Wut war, lächelte ich anerkennend. "Nicht schlecht, Jungs"

"Wie auch immer", warf Ethan ein  "Der Junge und seine Forschung gehören uns. Solltet ihr noch einmal versuchen, unser Geschäft zu sabotieren, werden wir kurzen Prozess machen"

Unauffällig sah ich zu Hector. Er nickte mir zu, ohne mich anzuschauen. Dann griff ich langsam hinter meinen Rücken zu meinem Gürtel und holte tief Luft.

Zeit zum Abgang.

"Eines Tages werden wir euch kriegen. Das ist ein Versprechen", knurrte Barney.

"Ich verlasse mich darauf, großer Mann", säuselte ich lächelnd."Und wenn der Moment gekommen ist und ich deine Erlösung sein werde, dann richte doch bitte Cassy meine Grüße aus"

"Du-"

"Also, wenn ihr uns bitte entschuldigen würdet" Ich zog meine Hand, gekrümmt zu einer Faust wieder vor und steuerte rückwärts zum Fenster, das noch immer offen stand. Ethan und Hector folgten mir, ohne die Deckung zu vernachlässigen.

Mit einem letzten Lächeln sagte ich: "Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns"

Und wie im Zeitlupe ließ ich da Abschiedsgeschenk auf den Boden fallen und es rollte umbarmherzig über den staubigen Boden zu den Expendables. Die Männer folgten dem vermeidlichen Ball und als sie bemerkten, dass es eine Bomde war, rissen sie erschrocken die Augen auf.

Im Selben Atemzug, und als mein Blick auf Smilee ruhte, packte mich Ethan an der Schulter und wir sprangen gemeinsam in die Tiefe.






Smilee


"RAUS HIER!!! SOFORT RAUS"

Barneys entsetzte Stimme zerrte an den Gemäuern und für einen Moment dachte ich, sie selbst wäre der Grund für die Erschütterung. Es ging alles zu schnell, um es mit den bloßen Auge zu erfassen. Das kleine runde Ding auf dem Boden gab verdächtige Geräusche von sich und nur eine Sekunde später stieg Rauch auf. Die Wände bebten und das einzige, was sich vor meinen geistigen Auge abspielte, war, wie Lilith mich nahezu mir ihren Augen durchdringte. Ihre eisblauen Augen, die mich vollkommen und unwiederuflich in ihren Bann zogen aber ohne Zweifel die Augen eines Dämons waren. Und dann war sie einfach verschwunden, ließ mich und all das was uns gemeinsam verbunden hatte in Flammen aufgehen, als hätte es niemals existiert.

"Los komm schon Smilee"

Ich löste mich aus meiner Starre und reagierte ohne zu zögern. Ich rannte um mein Leben, während die alten Fassaden hinter mir einzustürtzen begannen. Rauch und Staub drang in meine Lungen, schwächten mich und benebelten meine Sinne und meinen klaren Blick.

Ich hustete beständig und meine Augen brannten aber wir durften auf keinen Fall aufgeben.
Wir durchkreuzten den Gang in Windeseile, welcher am Ende von einer großen Tür versperrt wurde. Barney stemmte sich mit seiner ganzen Kraft gegen diese, als sie sich jedoch kaum bewegte, kamen ihm Ceaser und Gunnar zu Hilfe. Genau in diesem Moment ertönte ein lautes Geräusch hinter uns, und wie durch ein Wunder riss die Tür.

Wir verloren keine Sekunde. Sofort stürmten wir durch den engen Korridor, hinunter in den ersten Stock, stießen die letzte Tür auf und schwangen uns auf die freie und von frischer Luft umgebene Straße.

Begierig zog ich den Sauerstoff in meine Lungen, während ich mich kraftlos auf die Knie sinken ließ und immer noch husten musste. Es war definitiv nur eine kleine, unscheinbare Bombe, kaum dazu fähig ein ganzes Gebäude niederzureißen aber immer noch gefährlich genug um seine Insassen unter Schutt und Asche zu vergraben.

"Dieses verdammte Miststück", hörte ich Lee aus der Ferne krächzen.

Keuchend  hob ich meinen Blick, um die anderen genauer zu mustern. Sie alle waren unversehrt, wenn auch angeschlagen und sehr wütend über unser Versagen.

Als letztes fand mein Blick Barney, der geistesabwesend zum Himmel empor starrte. Ich erinnerte mich, mit welch einer Verachtung er Lilith bedachte. Wie wütend er und herablassend und beinahe schon selbstzufrieden sie war.

Und plötzlich kam mir ein Gedanke. Mühesam kam ich auf die Beine und humpelte zu Barney.

"Barney", sagte ich heiser und berührte seine Schulter. "Was hat das mit Cassy zu bedeuten"

Cassy Ross war einst seine Frau und die Mutter von Tessa. Laut Erzählungen war sie bei der Geburt verstorben, umso verwirrender erschien es für mich, warum Lilith ihren Namen erwähnte. Ich hatte Barney beobachtet und genau gesehen, welche Veränderung sein Körper machte. Trauer, tiefe Trauer, Hass und Vergeltung lag in seinen braunen, sonst so ruhigen Augen.

"Barney", sagte ich nun lauter, als Barney nicht reagierte.

Wieder schwieg er für eine langen Moment, doch dann seufzte er und sagte kaum hörbar: "Er hat sie umgebracht"

"Was? Wer?"

Er schloss seine Augen und holte tief Luft.

"Charles LaCruze", sagte er dann grimmig.

Und obwohl ich fest damit gerechnet hatte, zog es mir doch den Boden unter den Füßen weg. All die Jahre ließ er uns und vorallem seine Tochter in den Glauben, sie wäre bei der Geburt verstorben. Dabei starb sie durch die Hand dessen Mannes, der das Land regierte. Ich schluckte den lodernden Zorn runter und versuchte Barney durch einen simplen Händedruck zu beruhigen.

"Er hat sie umgebracht", fuhr er ungehemmt fort. "Als Tessa gerade 1  Jahr alt wurde."

"Warum?"

"Sie war in seiner Firma als Sicherheitschefin tätig. Sie wusste jedoch über seine geheimen Intrigen bescheid und hatte deswegen Nachforschungen angestellt, um ihn ein für alle Mal hinter Gittern zu bringen"

Ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinunter bis in die Fersen. Schon damals stand Charles LaCruze auf der Liste für Schwerverbrecher und Barneys Frau selbst, wollte diesen Mann zu Fall bringen. Anscheinend bezahlte sie damit mit ihrem Leben. Ich schluckte schauernd.

"Eines Tages aber wurde sie entdeckt", sagte Barney.

"Scheisse"

"Sie ist bei einem tragischen Feuer ums Leben gekommen", erzählte er mit einen hurmorlosen Lachen. "Die Nosa Costra bedauerten es öffentlich und taten es als Kabelbrand ab. Niemand hat es in Frage gestellt, weil die Sicherung in den alten Gemäuern schon lange überfällig waren"

"Das tut mir so leid"

Mehr fiel mir darauf einfach nicht ein. Es war grauenhaft, zu was dieser Mann fäig war und was Barney in seinen Leben schon ertragen musste. Nicht auszudenken, wie es Tessa ergehen würde, würde sie die Wahrheit kennen.

"Barney?"

Ceaser entsetzter Schrei ließ uns aufblicken. Und dann fielen die drei Worte, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

"Tessa ist verschwunden"






Lilith LaCruze


Meine Arme in die Hüfte gestemmt, maschierte ich im kleinen, finsteren Raum den ich gerne als Verließ des Bösen bezeichnete auf und ab. Das letzte Licht der Abenddämmerung schien von draußen durch das winzige Fenster, genau auf den Stuhl, als suche es einen Weg meinen Zorn zu schüren. Es zeigte mir umbarmherzig in welcher schwierigen Lage wir uns befanden.

Frustriert seufzend verschränkte ich meine Arme vor der Brust und funkelte Ethan an.

"Warum hast du das getan?", schrie ich ihn an.

"Es war die einzige Möglichkeit, Lilith", versuchte er sich zu verteidigen.

"Die einzige Möglichkeit wofür? Noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen, als wir es ohnehin schon getan haben?"

Ich zeigte mit Nachdruck auf den Stuhl, auf dem Tessa Ross, die Tochter von Barney Ross reglos und gefesselt war. Eine kleine Wunde zierte ihre Stirn und geronnenes Blut verschmutzte die Häfte ihres hübschen Gesichtes.

Eines bewunderte ich an Ethan. Seine Schläge waren phänomenal. Aber das spielte im Moment keine Rolle.

"Sie ist seine Tochter, Ethan!", stellte ich drohend fest und trat einen gezielten Schritt auf ihn zu. "Er wird alle Hebel in die Bewegung setzen, um sie hier rauszuholen, und das können wir gerade ganz und gar nicht gebrauchen!"

Ethan lehnte an der Tür und zuckte nicht einmal zusammen, während seine blauen Augen mich genau beobachteten. Er war im Laufe seiner Jahre schon oft meinen Zorn begegnet. Auch schon als Kind, als ich noch völlig ungefährlich war und anscheinend genau das, ermutigte ihn mich als harmlos zu betrachten. Er dachte meine Zuneigung zu ihm, würde ihn verschonen. Falsch gedacht!

Ich öffnete meinen Mund, doch plötzlich sagte Ethan:

"Die Expendables werden so oder so nicht aufgeben. Sie werden jede Sekunde nutzen, um uns irgendwie zu bekämpfen. Tessa ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, um sie zu zwingen, die Füße still zu halten"

Das ließ mich für eine Sekunde inne halten und nachdenken. Seine Argumente waren gar nicht so verkehrt. Nein, um die Wahrheit zu sagen, sie waren absolut perfekt. Ich nahm an, dass Barney alles für seine Tochter geben würde, einschließlich würde er für das Wohlergehen seiner Tochter auch die Zügel loslassen und uns das Lenken überlassen.

Ich lächelte. Perfekt.

"Wenn wir ihnen zu verstehen geben, dass ohne ihr Eindringen, ihrer Tochter nichts passiert, werden sie uns womöglich in Ruhe lassen", sagte ich langsam, wie um mich selbst zu vergewissern.

"Für den Moment", stimmte mir Ethan zu und kam auf mich zu.

Ich nickte und begnete seinen blauen Augen.

"Für den Moment"

~

"Ah, da seid ihr ja", sagte David, als Ethan, Hector und ich die Küche betraten. Er sah etwas müde aus, aber vielleicht war das auch normal, wenn man allmählich älter wurde. Unter seinen Augen hatte er dunkle, verquollene Ringe. "Schrecklicher Sturm, nicht wahr? Erinnert mich ein wenig an meine Heimat"

Trotz seiner Müdigkeit oder vielleicht trotz seines Alters lächelte David. Ich wusste nicht, warum er lächelte, aber wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er auch nicht lächeln müssen.

"Du hast eine völlig perverse Einstellung zum Wetter, David", sagte ich. "Zum ersten Mal sieht es draußen so aus, als wäre die Hölle losgebrochen und du grinst."

"Hmm? Ja, nun, der Sturm soll bald wieder nachlassen", erwiderte er besonnen. "Und wie ist es gelaufen? Gab es Komplikationen?"

Ich starrte auf einen kleinen Zettel auf den Thresen, auf dem unschwer Vaters Handschrift zu erkennen war. Gern würde ich wissen, was der gute Mann zu berichten hatte, doch David bemerkte meinen Blick und schob den Brief bewusst aus meiner Reichweite.

"Lilith?", drängte er.

"Oh, äh...Einfach super!", sagte ich barsch und versuchte das Gefühl der Enttäuschung bei Seite zu drängen.

Hector starrte mich an. "Super?"

"Gefällt dir Prima besser?", gab ich zurück und funkelte ihn an.

"Nein." Hector hob die Hände. "Ich dachte nur, wenn jemand in einer derartigen Stimmung ist wie du...würde er-"

"Bestimmt nach jemanden suchen, auf den er viel härter einschlagen könnte, als Hector auf mich. Sowas bezeichnen wir nicht gerade als superstimung, wenigstens nicht meine Leute", endete Ethan und grinste mich selbstzufrieden an.

Ich schnaupte. "Meine Leute schon."

"Super", wiederholte David und sah mich erwartungsvoll an.

"Okay", gab ich nach. "Wir haben Besuch von den Expendables bekommen, die anscheinend darauf aus sind uns die Forschung und den Jungen aus den Händen zu reißen. Sie hätten es auch beinahe geschafft, weil sie ganz unerwartet aus den Hinterhalt gekommen - und alles andere, als nur ein paar Pfadfinder sind. Jetzt können wir also darauf bauen, dass sie uns mächtige Steine in den Weg legen werden. Ob wir es nun wollen oder nicht, sie sind unsere Feinde und sie können verdammt lästig werden. Nun, ist das super genug?"

David wirkte plötzlich bestürzt und tauschte ein paar eindeutige Blicke mit Ethan und Hector.

"Ja", sagte David schließlich und räusperte sich. "Ich weiß, dass es für dich derzeit schwer ist"

"Für mich?", wiederholte ich fassungslos. "Für mich?"

Mir war bewusst, worauf er hinaus wollte. Wenn dieser Auftrag fehlschlägt werde ich zur Verantwortung gezogen. Ich konnte es einfach nicht fassen.

"Lil", sagte Ethan sanft und berührte mein Arm. "Wenn wir irgendwas für dich tun können..."

"Vielleicht solltest du mal ausspannen, dir frei nehmen", sagte Hector. "Die Arbeit uns überlassen"

David räusperte sich.

"Ja, nun, das bringt uns zu einem Thema, über das wir meiner Meinung nach reden sollten. Ich weiß nicht, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, aber ich schätze, man muss diese Dinge offen angehen."

Ich neigte den Kopf und warf David einen prüfenden Blick zu.

"Lilith", begann er, zögerte dann aber und schob seine Brille hoch. Der Mann wirkte aschfahl im trüben, von den Gewitterwolken verdüsterten Licht.

"David", drängte ich.

"Ja, nun, von dem tragischen Vorfall einmal abgesehen scheint es doch wohl so zu sein, dass dir die Aufgabe aus den Händen gleitet, weil du dich ganz und gar nicht auf deine Aufgabe konzentrieren kannst. Diese Sache mit Ethan und Hector bereitet mir in letzter Zeit doch einige Sorgen. Ich fürchte, dass wir das Ganze ein wenig übertrieben haben."

"Un momento, Senor Libro", sagte Ethan und hob seine Hand.

"Nicht jetzt, Ethan", warnte David.

Ethan ließ seine Hand sinken und sah mich besorgt an. Ich biss mir auf die Lippen und runzelte nervös die Stirn in Erwartung dessen, was David als nächstes sagen würde.

David setzte sich auf die Kante des Küchentisches und verschränkte die Arme. Es war seltsam aber manchmal vergaß ich fast, dass er hauptsächlich der Familie dazu diente, um mich gänzlich auf das Geschäft der Familie vorzubereiten.

"Wie du weißt, arbeitet die Rechte Hand traditionell allein", fuhr David fort. "Es gibt sogar eine Theorie bei den Nosa Costra, nach der die Rechte Hand grundsätzlich allein arbeiten sollte.Natürlich bin ich kein Verfechter dieser Theorie."  

"Natürlich", sagte Ethan nachdrücklich.

"Als dein Mentor habe ich dir relativ viel Freiraum gegeben", erklärte David. "Und angesichts des Engagements deiner Freunde und der Tatsache, dass sie keine Sekunde von seiner Seite weichen, weil sie dich beschützen wollen, hatte ich nichts dagegen einzuwenden, wenn die Bedrohung dieses Risiko zu rechtfertigen schien."

"Ja, und das war auch gut so", sagte Ethan. Hector trat an seine Seite und nickte ernst.

"Aber jetzt, da ihre Anwesenheit allmählich zu Gewohnheit wird, scheinst du dich deiner Sache zu sicher zu sein. Und daraus folgt eine Niederlage", schloss David.

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen. Völlig sprachlos setzte ich mich auf einen Stuhl und atmte tief durch. Gab er mir tatsächlich die Schuld daran? Sollte ich auf immer und ewig allein in der Misäre festsitzen?

Hector stützte seine Hände rechts und links auf meiner Rückenlehne ab und beugte sich herausfordernd vor. "David, für den Fall dass du es noch nicht bemerkt hast, Lilith ist 19 und braucht in Anbetracht ihrer Position Schutz. Wir begleiten sie nicht aus lauter Jux und Tollerei. Hierbei spielt es eine wichtige Rolle sie zu schützen und ihr zu helfen"

"Genau", bekräftige Ethan mit leicht grimmiger Miene. "Wir werden ihr immer zu Seite stehen, ob bei einer Niederlage oder einem Sieg."

Ich hatte genug gehört. Ich stand auf, ging zu David hinüber und riss ihm das Buch, in dem er geblättert hatte, aus den Händen. Überrascht blickte er auf.

"Weißt du was, David? Du hast Recht", sagte ich. "In der meisten Zeit sollte ich allein die Verantwortung übernehmen. Und du weißt, dass ich unter keinen Umständen will, dass meinen Freunden etwas zustößt. Aber wenn es vor Soldaten und Streitkräften nur so wimmelt, bin ich die Erste, die zugibt, dass ich vielleicht nicht allein damit fertig werde."

Ich sah meine Freunde an, und ein Dutzend Bilder blitzten vor meinen inneren Auge auf, als ich daran dachte, wie oft sie mir schon zu Hilfe geeilt und meine Rettung gewesen waren. Obwohl das garantiert nicht ihre Pflicht war.

"Es ist schließlich nicht so, dass wir Strandpartys feiern, wenn wir zusammenarbeiten", fuhr ich verärgert fort. "Wir tun, was wir tun müssen und weil wir es tun müssen. Also mach du es uns nicht noch schwerer."

David antwortete zunächst nicht, aber ich konnte sehen, dass er noch nicht fertig war. Dass er noch immer etwas auf dem Herzen hatte. Er sah den Papierhaufen auf dem Tisch an und strich über den einen Brief, bis ich es nicht mehr länger aushielt.

"Spuck es schon aus, David!", fauchte ich. "Du machst mich ganz nervös."

"Das bist du doch schon gewesen, als du hier ankamst", bemerkte Ethan. "Du weißt schon, der Regen und alles."

Ich warf ihm einen giftigen Blick zu.

"Nicht jetzt, Ethan", schalt Ethan sich selbst.

"Nun", seufzte David. "Vor ein paar Tagen kam ein Brief von deinem Vater und er hat den Eindruck, dass wir die Sache alle ein wenig zu locker angehen. Er hat dich die letzten Tage genau beobachten lassen und er geht Grund der Annahme, dass du versagen wirst, weil du dich auf ganz andere Dinge konzentrierst. Wie zum Beispiel eine Collegeparty mit deinen Freunden. Und solltest du versagen, Lilith, wird er dich bestrafen, ob du nun seine Tochter bist oder nicht. Ich rate dir tunlichst davon ab die Dinge leichfertig hinzunehmen, geschweige denn darüber zu lachen, denn die Sorglosigkeit die ich in jener Nacht bei euch beobachtet habe, könnte euch irgendwann alle das Leben kosten "

Ich wusste genau, welche Nacht er meinte. Wir waren einer merkwürdigen, kleinen Truppe aufgelauert, die sich offenbar an Vaters Drogen zu schaffen gemacht hatten. Sie trafen sich alle an einem Strand, um dort den gesamten Stoff zu konsumieren, um dann die Überreste ins Meer zu verfrachten, so dass keiner eine Chance hatte die Spuren zu finden. Als Ethan, Hector und ich uns zu der Gruppe gesellten, entschieden wir uns, sie noch nicht gleich zu bestrafen und stattdessen noch etwas Spaß zu haben. Dafür war das Leben aber doch da, oder? Das Lachen sollte verhindern, dass man Weinte, oder?

"Wie kannst du es wagen?", fragte ich empört und bot ihm die Stirn. Ich tat es nicht nur für mich, sondern auch für meine Freunde, die so viel auf sich genommen hatten.

David sah mich verdutzt an. "Ich bin dein Mentor, Lilith. Mit Wagen hat das nichts zu tun. Ich habe die Pflicht..."

Ich schlug wütend mit den Handflächen auf den großen Tisch der Küche.

"Das reicht!", sagte ich. "Ich habe genug für heute."

Er streckte eine Hand aus. "Lilith..."

Ich fuhr zu David herum. "Ich glaub es einfach nicht!", schrie ich außer mir. "Bist du eigentlich nie auf den Gedanken gekommen, dass wir vielleicht nur Dampf ablassen? Vielleicht ist diese ganze Sache so widerlich und schrecklich, dass wir damit nur zurechtkommen, indem wir darüber lachen? Vielleicht können wir es nur so ertragen, David. Denn nur Tag für Tag den gleichen Schrott zu hören und in Bücher zu wälzen genügt nicht als Ausgleich. Wir ... nein, ich will nur für mich sprechen. Ich, David ... ich gehe nicht tanzen! Wie oft müssen wir das noch durchkauen ? Wenn mir das Zusammensein mit meinen Freunden und das Witzemachen dabei hilft, die Tochter von Charles LaCruze zu sein, wenn es mir hilft, den Tag zu überstehen - und meine Tage sind sehr, sehr lang -, warum kannst du es dann nicht einfach akzeptieren? Wenn du in deinen Schmerz schwelgel willst, wenn du jeden Moment des Leidens genießen willst, he, nur zu, wir helfen dir dabei! Aber mach uns bloß keine Vorwürfe, nur weil wir für ein paar Sekunden alles vergessen wollen. Versuch nicht, uns in dein Elend hineinzuziehen, David. Ich habe selbst genug davon!"

Ich funkelte David an. Ich musste tief durchatmen nach dieser Tirade. Jetzt wartete ich auf eine Antwort.

David blinzelte mehrmals. "Es war bloß eine Feststellung", sagte er schließlich.

"Nun, dann hör auf mit deinen Feststellungen. Du bist fast schon so schlimm wie mein Vater" Ich errötete und mein schlechtes Gewissen machte sich bemerkbar, aber ich würde nicht nachgeben. Ich hatte Recht mit dem, was ich gesagt hatte.

Jetzt war David an der Reihe. Er nahm seine Brille ab, was gewöhnlich bedeutete, dass es ernst wurde.

"Nun, Lilith, es ist dein gutes Recht, es so zu sehen", sagte er kühl. "In gewisser Hinsicht stimmt es sogar, wenn du mich mit deinem Vater vergleichst. Da ich hier der einzige Erwachsene und dein Mentor bin, trage ich in vielerlei Hinsicht die Verantwortung für dein Wohlergehen."

Ich wandte mich ab und marschierte wütend zur Tür. "Weißt du was, David? Mein Dad ist weg. Der >abwesende Vater<. Daran habe ich mich gewöhnt, und ich brauche niemanden, der seinen Platz einnimmt. Du willst mein Mentor sein? Schön! Du willst mein Freund sein? Okay. Aber versuch nicht, mein Vater zu sein!"

Damit stürmte ich hinaus.






Tessa Ross


Ich erwachte mit einem bohrenden Kopfschmerz. Er pulsierte in meinen Schädel und ein kalter klammer Schweiß bedeckte meinen Körper. Ich vernahm um mich herum Geräusche, wie Getuschel und öffnete vorsichtig die Augen.

Ich saß auf einen Stuhl in einen finsteren Raum. Nur ein kleines Fenster spendete den Zimmer etwas Licht. Okay, das war nicht gerade der Ort meiner Träume. Es kostete mich einige Anstrengung, ruhig zu bleiben. Innerlich zitterte ich vor Angst, möglichst keine Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Ich versuchte den Raum aus den Augenwinkeln zu betrachten, ohne meinen Kopf zu bewegen. Ich entdeckte einen Tisch an der Wand und daneben zwei paar Füße, die zu mir gekehrt waren. Ich konnte nicht erkennen, wie groß das Zimmer war, aber ich vermutete, dass es kleine Ausmaße hatte. Zu meiner Rechten führte eine Tür.

Das Murmeln um mich herum wurde lauter. Ich schloss fest meine Augen und versuchte so ruhig zu atmen, als wenn ich schliefe.

"Es ist sinnlos, Tessa", ertönte eine samte aber gefährliche Stimme. "Wir wissen genau, wann du schläfst und wann du wach bist"

Etwas kaltes und Spitzes fuhr über meine Wange und ich riss erschrocken meinen Kopf hoch. Vor mir stand ein junges Mädchen mit blonden, langen Haaren, blauen Augen und einen Lächeln, was mir einen Schauer über den Rücken jagte. In ihrer Hand hielt sie ein langes Messer, welches sie spielerisch in ihrer Hand bewegte.

"Sarah", kam es schwach über meine Lippen.

"Nicht ganz Schätzchen" Sie ging vor mir in die Hocke und lächelte mich an. "Mein Name ist Lilith LaCruze. Ich nehme an, du kennst mich?"

Ich warf einen Blick über ihre Schulter, auf den Jungen der an der Wand stand und mich genau beobachtete. Seine ausdrucksstarken Augen schienen mich beinahe zu durchdringen, weshalb ich meinen müden Blick wieder auf Lilith richtete und schwach nickte.

"Ja....", sagte ich. "Wo bin ich?"

"In einem sicheren Versteck, wo dich keiner so schnell finden wird"

Ich schloss meine Augen und atmete tief durch. Das konnte in keinster Weise etwas Gutes bedeuten.

"Wo ist mein Vater? Hast du ihn umgebracht?", fragte ich schließlich. Mein Ton war ruhig, aber das täuschte. Ich hatte eine Mordsangst. Um mich. Um meine Freunde. Und um meinen Vater.

"Um die Wahrheit zu sagen, ich wollte es", sagte Lilith.

Sie stand auf, warf dem Typ an der Wand einen raschen Blick zu und drehte sich dann schwungvoll wieder zu mir um und sagte mit einem Grinsen auf den Lippen: "Aber die Umstände waren ...Nun...etwas unpassend. Also vergnüge ich mich stattdessen mit seiner Tochter"

Ein Ruck der Angst durchfuhr meinen Körper. Automatisch fingen meine Glieder an zu zittern, in der Erwartung, nie wieder meine Familie zu sehen. Warum sollten die Nosa Costra auf jemanden als Geisel nehmen, um ihm dann wieder freizulassen? Meine Chancen standen bei Null, denn eines war glasklar. Sie brauchten keine Indizien, die darauf führen würden, dass ihre Geschäfte alles andere als legal waren. Sie brauchten niemanden, der ihre Position gefährden könnte.

Ich spürte eine Träne über meine Wange laufen und es begann höllisch zu brennen, als sie meine staubtrockenen Lippen erreichten.

Dann hörte ich Lilith lachen und es klang grausam.

"Nun hör doch auf zu weinen. Wir werden dich nicht umbringen. Jedenfalls....Vielleicht." Sie hielt inne und ich blickte auf. Sie hatte ihren Finger ans Kinn gelegt und schien zu überlegen. Als sie mein Blick bemerkte, grinste sie diabolisch. "Das kommt ganz auf dich drauf an"

Ich wollte schon fragen, was das zu bedeuten hatte, da hob sie ihre Hand.

"Hör zu kleines", sagte sie und ging wieder in die Hocke, um mir genau in die Augen zu schauen. "Dein Vater geht uns mit seinen moralischen Grundsätzen ziemlich auf den Zeiger. Und was wir am allerwenigsten im Moment brauchen, sind irgendwelche uniformierten Weltverbesserer die in unsere Geschäfte fuschen. Also"

Jeder Spott verflog aus ihren Ausdruck und Ernst lag nun in ihrer Stimme, als sie sprach:

"Solange wir dich als Gast haben, kann ich hoffentlich auf seine Vernunft bauen und erwarten, dass er die Füße still hält, oder?"

"Und solange du brav bist und das tust, was wir verlangen, werden wir dir kein Haar krümmen. Deal?", sagte der Junge an der Wand und ich blickte zu ihm auf.

Eine Welle des Zorns überspülte meinen Körper wie eine Lawine. Wie konnten sie es nur wagen? Ich sollte ihr Trumph sein, um ihnen dabei zu helfen, die Menschen mit einen schädlichen Virus umzubringen? Ich wäre quasi ihre Marionette, ihr Joker um das zu bekommen, was der Welt im höchsten Maß nur schaden konnte. Ich schnaupte vor Wut. Lieber würde ich sterben, als DAS zuzulassen.

Verachtend funkelte ich erst den Jungen, dann Lilith an.

"Mein Vater wird euch den Arsch aufreissen. Sobald er erfährt, dass ihr mich entführt habt, wird er euch einen nach den anderen zu Hölle schicken", zischte ich.

"Glaubst du, das ist so einfach?", fragte Lilith in einem säuselnden Ton. "Dein Vater weiß schon längst, dass wir dich haben. Aber er hat keine Möglichkeit dich zu befreien, weil das gesamte Komplex gut überwacht wird. Und sollte dein Vater trotzdem auf die Idee kommen, auch nur ein Fuß auf das Gelände zu setzen, wird er ohne mit der Wimper zu zucken sofort erschossen. Das, Schätzchen, nennt sich Sicherheitsstufe und wurde höchstpersönlich von der Regierung abgesegnet. Du weisst, dass mein Vater der Bürgermeister ist? Genau aus diesem Grund wurde solch eine Gefahrenisolation gegründet"

Ich presste meine Lippen zusammen, um nicht loszuheulen. Das war zum Kotzen. Damit konnte sie meinen Vater umbringen, ohne Verwirrung in dem Land zu stiften. Sie würde einfach behaupten, er wäre eine Gefährdung gewesen und dass es eine Vorsichtsmaßnahme war, weil sie den Bürgermeister beschützen musste. Niemand würde es in Frage stellen, denn niemand kannte die wahren Absichten.

"Du Biest" Meine Stimme klang schwach, doch sie bebte vor unterdrückter Wut.

Lilith lachte und stand wieder auf.

"Ja, das habe ich schon oft gehört. Hör zu Tessa, ich hatte einen ziemlich langen und stressigen Tag und ich brauche im Moment keine trotzigen Gören, die versuchen das tapfere Mädchen zu spielen. Klar?"

Ich schwieg eisern, sah sie einfach nur aus zornigen und glasigen Augen an.

"Genieß deine Zeit im Hause LaCruze. Wir unterhalten uns dann später"

Sie wunk den Jungen zu sich heran und öffneten die einzige Tür. Ich hörte noch wie sie im Gang etwas zu jemanden sagte aber ich senkte den Kopf und schloss meine Augen. Meine Situation war ein einziges Drama, ganz und gar erfolglos. Auch wenn sie genau das bekamen, was sie zu bezwecken versuchten, würde ich sterben. Vielleicht nur ein paar Tage noch, oder im glücklichsten Fall eine oder sogar zwei Wochen. Das Virus schienen sie schon zu haben, also was sollte ihr nächster Zug werden? Ich dachte gerade über die verschiedensten Methoden nach, wie sie mich wohl umbringen würde, da hörte ich nur wage eine verzerrte Stimme die meinen Namen rief.

Eine Stimme, die etwas in meinen Inneren rührte und ich sekundenschnell aus meinem Halbschlaf erwachte.

Ich hob meinen Kopf und erstarrte. Seine braunen Augen trafen meine wie ein Schlag und das einzige, was über meine Lippen kam, war ein verzweifeltes: "Nein"

Hector!
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